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ZEITSCHRIFT
FÜR
VERGLEICHENDE
SPRACHFORSCHUNG
AUF DEM GEBIETK DES
DEUTSCHEN, GRIECHISCHEN UND
LATEINISCHEN
HERAUSGEGEBEN
Dr. ABAlbSaRT SVBH,
PROFESSOR AM CÖLmSOHKN OTMHASIUM ZU BRBUH.
BAND Xni.
BERLIN
PBRD. DÜMMLER'S VERLAOSBUCHHANDLUNG
(HARRWITZ UND 008SHANN)
1864.
Verzeichiiifs der mitarbeiter.
Director Dr. Ahrens in Hannover.
Dr. Andresen in Mülheim a. Rh.
C. Arendt in Berlin.
Prof. A SCO 11 in Mailand.
Prof. Dr. Th. Aufrecht in Edinburg.
Prof. Dr. Äff. Benary in Berlin -j-.
Prof. Dr. Th. Benfey in Göttingen.
Privatdoc. Dr. Bickell in Giefsen.
Prof. Dr. Bollensen in Witzenhausen a. d. Werra.
Prof. Dr. F. Bopp in Berlin.
Prof. Michel Breal in Paris.
Prof. Dr. Ernst Brücke in Wien.
Dr. Jos. Budenz in Ungarn.
Prof Dr. G. Bohler in Bombay.
Dr. Sophus Bugge in Christiania.
Prof. Dr. W. Corssen in Schulpforte.
Prof. Dr. G. Curtius in Leipzig.
Dr. Berthold Delbrück in Dorpat.
Dr. Lorenz Diefenbach in Frankfurt a. M.
Director Prof. Dr. A. Dietrich in Hirschberg.
Prof. Dr. H. Düntzer in Cöln.
Dr. H. Ebel in Schneidemühl.
Dr. Gust. Eschmann in Burgsteinfurt.
Prof Dr. E. Förstemann in Wernigerode.
Dr. Froehde in Colberg.
Dr. G. Ger 1 and in Magdeburg.
Director Dr. A. Goebel in Conitz.
Prof Dr. Grafs mann in Stettin.
Hofrath J. Grimm in Berlin f.
Prof. Dr. V. Grohmann in Prag.
Prof. Dr. M. Haug in Punah (Ostindien).
Dr. Ludw. Hirzel in Frauenfeld (Cant. Thurgau).
Hofrath Dr. Holtzmann in Heidelberg.
Prof Dr. Hupfeld in Halle.
Prof. Dr. Jülg in Krakau.
G. Jurmann in Wien.
Prof Dr. H. Kern in Benares.
F. Kielhorn z. z. in Oxford.
Justizrath Dr. Th. Kind in Leipzig.
Prof. Dr. Kirchhoff in Berlin.
Dr. K. V. Knoblauch in Tübingen.
Dr. Beinhold Köhler in Weimar.
Prof. Dr. A. Kuhn in Berlin.
IV verzeichnifs der bisherigen mitarbeiter.
Gymnasiallehrer Dr. GustavLegerlotz in Soest.
Dr. F. A. Leo in Berlin.
Prof. Dr. H. Leo in Halle.
Prof. Dr. B. Lepsius in Berlin.
Prof. Dr. C. Lottner in Dublin.
Prof. Dr. A. Ludwig in Prag.
Dr. W. Mannhardt in Danzig.
Dr. H. Martens in Bremen.
Prof. Dr. Mafsmann in Berlin.
Dr. Maurophrydes aus Kappadocien in Athen.
Prof Dr. Leo Meyer in Göttingen.
Dr. Michaelis in Berlin.
Prof. Dr. K. Müllenhoff in Berlin.
Prof. Dr. Max Müller m Oxford.
Dr. Friedrich Müller in Wien.
Dr. Pauli in Stettin.
Dr. Ign. Petters in Leitmeritz.
Dr. Friedr. Pfeiffer in Breslau.
Prof. Dr. A. Pictet in Genf.
Prof. Dr. A. F. Pott in Halle.
Prot Dr. Karl Regel in Gotha.
Dr. Rosselet in Berlin f.
Prof. Dr. R. Roth in Tübingen.
Prof. Dr. J. Savelsberg in Achen.
Hofrath Prof. Dr. A. Schleicher in Jena.
Prof. Dr. M. Schmidt in Jena.
Prof. Dr. Schmidt-Göbel in Lemberg.
Prof. Dr. H. Schweizer-Sidler in Zürich.
Dr. W. Sonne in Wismar.
Prof. Dr. Spiegel in Erlangen.
Prof. Dr H. Steinthal in Berlin.
Director G. Stier in Colberg.
Dr. Strehlke in Danzig.
Dr. Techen in Wismar.
Dr. L. Tob 1er in Aarau.
K. Walter in Freien walde a. O. f.
Prof. Dr. A. Weber in Berlin.
Dr. Hugo Weber in Weimar.
Prof. Dr. Weinhold in Kiel.
Prof. Dr. Westphal in Breslau.
Fr. Woeste in Iserlohn.
Oberlehrer Dr. Zeyfs in Marien werden
p-of "^ To in Bern.
Inhalt.
Seife
Homerische etymologien, von H. Düntzer 1
Bomanische elemente in den langobardischen gesetzen, von Pott (Fort-
setzung) 24
Indische und germanische segenssprüche, von A.Kuhn 49
Bertholdus Delbrück, de infinitivo graeco. Dissertatio inauguralis.
Angezeigt von Carl Arendt 74
Uebergang von 1 in d, von A. Kuhn 79
Romanische elemente in den langobardischen gesetzen, von Pott (Fort-
setzung) 81
Consulere, consul, exsul, praesul, von Gustaf Eschmann .... 106
Indische und germanische segenssprilche, von A. Kuhn (schlufs) . .113
uxor (va9a, vacca), von Ascoli 157
Zum oskischen dialekt, von W. Corssen 161
lieber die 2. und 3. du. in den historischen Zeiten des griechiftchen ;
über fjy 0) und accente, von F. Bollensen 202
Ueber persclo s. pesclo, von Zeyfs 208
Zum futurum im indogermanischen, von dr. Ludwig Hirzel . . .215
Einige linguistische bemerkungen, von G. Michaelis 223
Die deutschen Ortsnamen. Von Ernst Förstemann. Angezeigt von
H. Schweizer-Sidler 228
Beovulf. Mit ausführlichem glossar herausgegeben von Moritz
Heyne. Angezeigt von H. Leo 236
Lateinisches. 1) Nummus. 2) Amo. Von U. Ebel 239
Zum oskischen dialekt, von W. Corssen (fortsetzung) 241
Zur lautgeschichte, von H. Ebel 261
Kritische beitrage zur lateinischen formenlehre, von W. Corssen. An-
gezeigt von H. Schweizer-Sidler 299
Glossarium Italicum, in quo omnia vocabula continentur ex Umbricis,
Sabinis, Oscis, Volscis, Etruscis caeterisque monumentis quae su-
persunt coUecta et cum interpretationibus variorum explicantur cura
et studio Ariodantis Fabretti. Angezeigt von Corssen . . 314
Nordböhmisch der hiebe neben der dichc (zu zeitschr. XI, 159).
Südböhmisch ruawas, ruawie u. s. w. Von Ignaz Petters . 319
ZEITSCHRIFT
FÜR
VERGLEICHENDE
SPRACHFORSCHUNG
AUF DEM GEBIETE DES
DEUTSCHEN, GRIECHISCHEN UND
LATEINISCHEN
HERAÜS6E0EBEK
Dr. ABAX.BaB.T KUBH,
PROFESSOR AM CÖLinSOIIEN OTMHASIUM ZU BRBUN.
BAND Xni.
BERLIN
PERD. DÜMMLER'S VERLAGSBUCHHANDLUNG
(HARRWITZ UND G088HANN)
1864.
VI Inhalt.
Seite
Romanische elemente in den langobardischen gesetzen, von Pott
(schlufa) 821
Varia, von Fr. Spiegel 364
Grammatik der deutschen raundartcn, von Karl Weinhold. Erster
theil. Das alemannische gebiet. Angezeigt von U. Schweizer-
Sidler . . 878
Hercule et Cacus. Etüde de mythologie compar^e, par M. Br^al.
Angezeigt von Fr. Spiegel 386
L. Benloew, recherches sur Torigine des noms de nombre japh^tiques
et sdmitiques. — O. Schade, paradigmen zur deutschen gram-
matilc gothisch, althochdeutsch, mittelhochdeutsch, neuhochdeutsch
fUr Vorlesungen. — G. Gurcke, deutsche schulgrammatik. — M.
Raschke, proben und gruudsäzc der deutschen Schreibung aus
fünf jarhunderten. — Michaelis, dr. G., über den unterschied
der cousonantes tenues und mediae und über die Unterscheidung
des ach- und ich -lautes. — Vogel, schulgrammatik der griechi-
schen Sprache ftlr anfönger und geübtere. Erster theil: formenlehre.
Angezeigt von H. Ebel 392
Miscellen: a<r/rä^o^/at. 2) ^rtr^oii', nXivftatr, pulmo. 3) fei und bilis.
4) fioXvßnq und plumbum. 5) wnrzel a^x. 6) mtaacta und far-
cio, von G. Curtius 395
Sprachliche und mythologische Untersuchungen, angeknüpft an Rigveda
I, 50. Von W. Sonne (zweite hälfte. v. 10—13) 401
Ein griechischer genetiv-locativ , von H. Ebel 446
stikls, stiklas, stiklo, von dems 449
Triticum. Mvxoq mukham, von Ascoli 461
1) capis. 2) torvus. 3) fraces. 4) calamitas. cadaver. Von Froehde 462
Griechisches. 1) ovqy wi»'<,. 2) uQo^tai. Von H. Ebel 467
Sach- und Wortregister, von E. Kuhn 459
ZEITSCHRIFT
FÜR
VERGLEICHENDE
SPRACHFORSCHUNG
AUF DEM GEBIETE DES
DEÜTSCfiEN, GRIECHISCHEN UND
LATEINISCHEN
HERAUSGEGEBEN
VON
Dr. ADAX.BBRT XUBH,
PROFRSSOR AM CÖLmBOHEN OTMHASIUM ZU BRRLIN.
BAND Xni.
BERLIN
FBRD. DÜMMLBR'S VERLAGSBUCHHANDLUNG
(HARKWITZ UND 00S8HANN)
1864.
5
Verzeichiiifs der mitarbeiter.
Director Dr. Ahrens in Hannover.
Dr. Andresen in Mülheim a. Rh.
C. Arendt in Berlin.
Prof. Ascoli in Mailand.
Prof. Dr. Th. Aufrecht in Edinburg.
Prof. Dr. Ag. Benarjr in Berlin f.
Prof. Dr. Th. Benfey in Göttingen.
Privatdoc. Dr. Bickell in Giefsen.
Prof. Dr. Bollensen in Witzenhausen a. d. Werra.
Prof. Dr. F. Bopi) in Berlin.
Prof. Michel Breal in Paris.
Prof Dr. Ernst Brücke in Wien.
Dr. Jos. Budenz in Ungarn.
Prof Dr. G. Bohler in Bombay.
Dr. Sophus Bugge in Christiania.
Prof. Dr. W. Corssen in Schulpforte.
Prof. Dr. G. Curtius in Leipzig.
Dr. Berthold Delbrück in Dorpat.
Dr. Lorenz Diefenbach in Frankfurt a. M.
Director Prof. Dr. A. Dietrich in Hirschberg.
Prof. Dr. H. Düntzer in Cöln.
Dr. H. Ebel in Schneidemühl.
Dr. Gust. Eschmann in Burgsteinfurt.
Prof Dr. E. Forste mann in Wernigerode.
Dr. Froehde in Colberg.
Dr. G. Gerland in Magdeburg.
Director Dr. A. Goebel in Conitz.
Prof Dr. Grafs mann in Stettin.
Hofirath J. Grimm in Berlin f.
Prof. Dr. V. Grohmann in Prag.
Prof Dr. M. Hang in Punah (Ostindien).
Dr. Ludw. Hirzel in Frauenfeld (Cant. Thurgau).
Hofirath Dr. Holtzmann in HeideU>erg.
Prof. Dr. Hupfeld in HaUe.
Prof. Dr. Jül^ in Krakau.
G. Jurmann in Wien.
Prof Dr. H. Kern in Benares.
F. Kielhorn z. z. in Oxford.
Justizrath Dr. Th. Kind in Leipzig.
Prof. Dr. Kirchhoff in Berlin.
Dr. K. y. Knoblauch in Tübingen.
Dr. Beinbold Köhler in Weimar.
Prof. Dr. A. Kuhn in Berlin.
verzeichnifs der bisherigen mitArbeiter.
Gymnasiallehrer Dr. Gustav Legerlotz in Soest.
Dr. F. A. Leo in Berlin.
Prof. Dr. H. Leo in Halle.
Prof. Dr. R. Lepsius in Berlin.
Prof. Dr. C. Lottner in Dublin.
Prof. Dr. A. Ludwig in Prag.
Dr. W. Mannhardt in Danzig.
Dr. H. Marlene in Bremen.
Prof. Dr. Mafsmann in Berlin.
Dr. Mauropbrydes aus Kappadocien in Athen.
Prof. Dr. Leo Meyer in Göttingen.
Dr. Michaelis in Berlin.
Prof. Dr. K. Müllenhoff in Berlin.
Prof Dr. Max Müller in Oxford.
Dr. Friedrich Müller in Wien.
Dr. Pauli in Stettin.
Dr. Ign. Petters in Leitmeritz.
Dr. Friedr. Pfeiffer in Breslau.
Prof. Dr. A. Pictet in Genf.
Prof. Dr. A. F. Pott in HaUe.
Pro£ Dr. Karl Regel in Gotha.
Dr. Rosselet in Berlin f.
Prof. Dr. R. Roth in Tübingen.
Prof. Dr. J. Savelsberg in Achen.
Hofrath Prof. Dr. A. Schleicher in Jena.
Prof Dr. M. Schmidt in Jena.
Prof. Dr. Schmidt-Göbel in Lemberg.
Prof. Dr. H. Schweizer-Sidler in Zürich.
Dr. W. Sonne in Wismar.
Prof. Dr. Spiegel in Erlangen.
Prof. Dr H. Stein thal in Berlin.
Director G. Stier in Colberg.
Dr. Strehlke in Danzig.
Dr. Techen in Wismar.
Dr. L. Tob 1er in Aarau.
K. Walter in Freienwalde a. O. f.
Prof. Dr. A. Weber in Berlin.
Dr. Hugo Weber in Weimar.
Prof Dr. Weinhold in KieL
Prof. Dr. Westphal in Breslau.
Fr. Wo est e in Iserlohn.
Oberlehrer Dr. Zeyfs in Marien werden
Prof. Zyro in Bern.
Inhalt.
Sehe
Hoinerischo etymologien, von U. Dttntzer 1
Romanische elemente in den langobardischen gesetzen, von Pott (Fort-
setzung) 24
Indische nnd gennanische segenssprüche, von A.Kuhn 49
Bertholdns Delbrttcki de infinitivo graeco. Dissertatio inauguralis.
Angezeigt von Carl Arendt 74
Uebergang von 1 in d, von A. Kuhn 79
Romanische elemente in den langobardischen gesetzen, von Pott (Fort-
setzung) 81
Consulere, consul, exsul, praesul, von GustafEschmann . . . . IOC
Indische und germanische segenssprilche, von A. Kuhn (schlufs) . .118
uxor (va9a, vacca), von Ascoli 167
Zum oskischen dialekt, von W. Corssen 161
Ueber die 2. und 3. du. in den historischen zeiten des griechischen;
über rjt ta und accente, von F. Bollensen 202
Ueber persclo s. pesclo, von Zeyfs 208
Zum futurum im indogermanischen, von dr. Ludwig Ilirzel . . . 215
Einige linguistische bemerkungen, von G. Michaelis 223
Die deutschen Ortsnamen. Von Ernst Forstcmann. Angezeigt von
IL Schweizer-Sidler 228
Beovulf. Mit ausführlichem glossar herausgegeben von Moritz
Heyne. Angezeigt von H. Leo 235
Lateinisches. 1) Nummus. 2) Amo. Von H. Ebel 239
Zum oskischen dialekt, von W. Corssen (fortsetzung) 241
Zur lautgeschichte, von H. Ebel 261
Kritische beitrage zur lateinischen formenlehre, von W. Corssen. An-
gezeigt von H. Schweizer-Sidler 299
Glossarium Italicum, in quo omnia vocabula continentur ex Umbricis,
Sabinis, Oscis, Volscis, Etniscis cactcrisque monumentis quae su-
persunt collecta et cum interpretationibus variorum explicantur cura
et studio Ariodantis Fabretti. Angezeigt von Corssen . . 314
Nordbohmisch der hiebe neben der dichc (zu zeitschr. XI, 159).
Sudböhmisch ruawas, ruawie u. s. w. Von Ignaz Petters . 319
VI Inhalt.
Seite
Romanische elcmentc in den laugo bardischen gesetzcn, von Pott
(schlufs) 321
Varia, von Fr. Spiegel 364
Grammatik der deutschen mundarten, von Karl Weinhold. Erster
theil. Das alemannische gebiet. Angezeigt von II. Schweizcr-
Sidler . . 373
Hercule et Cacus. Etüde de mythologie compar^c, pur M. Brdal.
Angezeigt von Fr. Spiegel 386
L. Beuloew, recherches sur l'origine des noms de uombre japhetiques
et sf^mitiques. — O. Schade, paradigmen zur deutschen gram-
matlk gothisch, althoehdeutscli , mittelhochdeutijioh , neuhochdeutsch
für Vorlesungen. — G. Gurcke, deutsche schulgrammatik. — M.
Raschkc, proben und gruudsäze der deutschen Schreibung aus
fUnf jarhunderten. — Michaelis, dr. G., über den unterschied
der consonantes tenues und mediae und über die Unterscheidung
des ach- und ich-lautes. — Vogel, schulgrammatik der griechi-
schen spräche für anfHnger und geübtere. Erster theil: fornienlehre.
Angezeigt von H. Ebel 392
MisccUen: dffnä^oftat. 2) tki'^/w»', :i}.ivftwr^ pulmo. 3) IVI und bilis.
4) fioXvßoq und plumbum. 5) wurzel d(tx. 6) ({oadau} und far-
cio, von G. Curtius 395
Sprachliche und mythologische Untersuchungen, angeknüpft an Rigvcda
I, 50. Von W. Sonne (zweite hälfle. v. 10—13) 401
Ein griechischer genetiv-locativ , von H. Ebel 446
stikls, stlklatf, stiklo, von dems 449
Triticum. Mi'/o? mukham, von Ascoli 451
1) capis. 2) torvus. 3) fraces. 4) calamitas. cadaver. Von Froehde 462
Griechisches. 1) or?, oJk's- 2) fi'(tofiai. Von II. Ebel 457
Sach- und Wortregister, von E. Kuhn 469
Homerische etymologien.
1. äveo), inrjTtjg.
JCiine erwäbnenswerthe ableitung des auf ein adjectivam
fivsiüg hindeutenden adverbiums civeo) ist mir nicht bekannt.
Die sanskr. wurzel ab erscheint bekanntlich im lat. aio
(ag-io), ad-ag-ium, im griechischen 7]-iii^ rj-ri (^-(t/),
^v und t]. Nach den lautgesetzen mufs sie griechisch a^
lauten, und so erklärt man ij-fil durch den auch sonst vor
consonanten nachweisbaren ausfall eines X' Sollte nun nicht
von dieser wurzel a^ ein av-aog^ d. i. äv-a^og kommen,
woraus mit der gewöhnlichen Versetzung der Quantität (vgl.
vaog^ vj]6g^ vewg) civecüg würde? Aber den von Benfey
und Pott behaupteten ausfall eines x zwischen zwei vocalen
bestreitet Curtins. (I, 31), giebt ihn nur bei einigen bei-
spielen ganz besonderer beschaffenheit zu, wenn diese äo-
fserung sich nicht vielmehr blofs auf den ausfall vor con-
sonanten beziehen soll. Aber dadurch ist er gezwungen,
kürzere auf den blofsen vocal auslautende wurzeln neben
den auf skr. h, griech. x anzunehmen. So ist ihm ve eine
kürzere Stammform, die dem skr. abgeht (I, 280). Den
Zusammenhang von Siaiveiv und skr. dih, lat. lig leugnet
er, wie nahe dieser auch zu liegen scheint und leicht durch
die annähme einer kürzeren form zu halten ist. Freilich
ist er im rechte, wenn er Sa-i-siv nicht von skr. dah her-
leitet, sondern, nach analogie von xla^isiv u. a. und spuren
eines ausgefallenen digammas, einen im skr. sich zeigenden
stamm dav annimmt (I, 197); aber so erhalten wir zwei
Zeitechr. f. vgl. sprachf. XIII. 1. 1
2 DUntzer
gleichbedeutende stamme dah und dav, von denen nicht
der eine als Veränderung des andern gelten kann^ sondern
beide sind erweiterungen einer vocalisch auslautenden Wur-
zel, die sich in öa-log erhalten haben konnte, trotz (^cefle-
Xog^ wonach man SavXog erwartete, vielleicht auch in öa^ig^
didi]a. Dürfen wir nun neben dem auf einen gutturalen
ausgehenden stamme eine vocalische wurzel ä in der be-
deutung sprechen annehmen, so ergibt sich hieraus ein
ävaog^ ävecog nicht sprechend ohne alle Schwierigkeit.
Von diesem d könnte nun auch kmjrjjg (v, 332. rr, 128),
wovon knrjTvg (qp, 306), viel besser als von 'inog hergeleitet
werden, so dafs kni^ wie so häufig (vgl. iTti/adorvQog^ km-
ßovxolog)^ verstärkend wäre, und eigentlich auf die f&big-
keit der rede ginge, wobei die zu gründe liegende Ver-
ständigkeit vorausgesetzt würde. Aber von Seiten der be-
deutung empfiehlt sich wurzel of beachten, wovon a-/-
'Biv (Curtius no. 586). Vielleicht ist auch hier eine vo-
calisch auslautende wurzel vorauszusetzen , worauf äfisvai
zu deuten scheint. ' EnrirYig wäre demnach eigentlich
achtsam, aufmerksam.
2. ^liraXXov^ fiBTakkäv,
Es geht eben so wenig an, fiirakkov als eine ablei-
tung von fiezakldv zu betrachten, wie Buttmann gethan,
als beide Wörter ganz von einander zu trennen, und so
scheint die in unserer Zeitschrift (VIII, 365 ff.) gegebene
herleitung des fAStakkäv^ von fABtd und Xdv sehen, schon
aus diesem gründe nicht haltbar. Das wort fiivalkov be-
zeichnet im ältesten uns bekannten gebrauche grübe;
demnach wäre /icror^Aai/ eigentlich in der grübe suchen
und übertragen ergründen. Man kann mit ihm etwa
den lateinischen ausdruck expiscari vergleichen. Eine
ähnliche Übertragung zeigt das homerische apaXrog^ das
vom magen (p, 228. <y, 364) und vom bettler (^, 114) steht.
Hippokrates braucht civaktog noch in der bedeutung un-
gesalzen, und so ist auch bei Homer civakrog^ nur in
übertragener bedeutung, wie insulsus, zu nehmen. Ho-
homerische etymologien. 3
mor selbst nennt den magen sonst fiaQyog. Jenes avaX-
Togy neben dem ävalog steht, ist als Verneinung eines äX-
Tog^ entsprechend dem lat. salsus, zu fassen. Freilich
findet sich eine spur einer Vermehrung des Stammes äX
mit ar, aber nicht mit r (Curtius 11, 125). Kehren wir
zu fietaXkäv zurück, so scheint dies nicht unmittelbar von
(liraXXov zu kommen, sondern durch Vermittlung eines juc*
rdlXf]^ welches das suchen in der grübe bezeichnete. Ganz
ähnlich kommt von OrjQ äijQtj, wovon tJfjgav, wie ti/iäv
von Tif4,t], dagegen &f]QBvetv unmittelbar von d^ifp, wie ne-
ben fisTaXXSv f4BTaXXevBiv sich findet, vgl. l^S'vav neben
oQvi&svBiv. Doch auch von fiiraXXov selbst kann fAsraX"
Xäv abgeleitet sein, wie von TtiXexvg mX^xav kommt. Fra-
gen wir aber nach der abstammung von ftiraXXov^ so ist
an die herleitung von ^bt äXXa^ die man bei /nevaXXäv
versucht hat, hier unmöglich zu denken. Pott geht II,
392 von der nachweislich spätem bedeutung m et all aus.
Zunächst denkt man an die endung raXXogj wie sie in
xQv{a)taXXog und dem böotischen ox^raXXog^ äuge, sich fin-
det. Dann wäre der stamm ^e, den wir in der bedeutung
messen kennen, und die grübe wäre davon benannt, dafs
sie abgemessen, ihr umfang genau bestimmt ist. Aber
auch aXXog kennen wir als endung. So im attischen 1er-
chenberge KoQvS-aXXog (zeitschr. f. d. alterthumsw. 1836,
624), mit iS verbunden in &QvaXXig^ na&aXXlg^ XQ^^^^^^S
und in anderer Verbindung in tti&aXXadäg^ Ttjd-aXXaSovg,
In ä/naXXa^ eigentlich das gemähte, daher gar be, gar-
benseil, gehört a zum stamme. Nehmen wir aXXov als
endung, so kommen wir auf eine wurzel fist oder auf ei-
nen nominalstamm ^ärr;. Die wurzel fist wäre das ver-
stärkte fjie; uiTYi aber könnte die bestimmte tiefe, wie
meta das abgemessene ziel, und fietaXXov demnach die
tiefe grübe sein. Eine sichere deutung dürfte sich hier
ebenso wenig ergeben als irgend ein zweifei gegen die her-
leitung des fietaXXav von ftiraXXov gestattet scheint.
1*
4 DUntzer
3. ccTifjVtji^^ ngogfjvfjg, kvipjg.
Die bedeutung abgeneigt, zugeneigt von amjvtjg^
nQOQy]vrjg ist deutlich genug und dafs wir entweder ein ad-
iectivum liviig oder ein substantivum ävog, hog oder ijvt^g
im zweiten tbeile zu suchen haben; denn zur annähme einer
bedeutungslosen endung liegt kein grund vor. Ein ävog
in der bedeutung neigung ergibt sich aber sehr leicht.
Auf die Wurzel wan, verlangen, hat Pott schon vor drei-
fsig Jahren venia (erfülltes begehr, gunst), Venus (die
begehrte, anmuthigc) bezogen und auch bereits antjvtjg^
Tigogtjvrjg hierher gezogen, worauf ich, unabhängig von ihm,
gekommen. Der Wegfall des digammas kann keinen ge-
gengrund abgeben, da rjvSapej ijvaacBv, elSov^ anemelv
so fest im homerischen texte wurzeln, dafs der ausfall des
digammas zwischen zwei vocalen als ein sehr früher nicht
bezweifelt werden darf. Stellt sich demnach die herleituog
von anTjviig und ngogr^vi^g als unzweifelhaft dar, so kann
ich dagegen unmöglich Potts annähme zustimmen, auch
kvfirig gehöre hierher, und sei ein v wegen des vorherge-
henden V geschwunden. Zwischen den beiden ti ist vielmehr
e»n digamma ausgefallen. Wir haben schon oben der wür-
ze! af gedacht, deren ursprüngliche bedeutung beachten
in die der freundlichkeit, der begünstigung über-
ging, wie cttxag liebling und avere gern haben zei-
gen; heilst ja auch kntjvüg (von inriTrjg) freundlichkeit.
Von aj: würde ein riprig^ iji^g kommen, wie a so häufig,
nicht blofs in compositis zu r; verstärkt wird. Vgl. ^xa ne-
ben axiuiv^ axakug, ijXdöxuv neben aXäöd'vii^ rjhaia von
ctXrjg^ 7tijh]^y fhjlevg von ;r«A, At^^Vj^ von ka&y ßt)^cc^ ßfj-
kog von /?«, aTTJfiiov von cyra, ßijXvg von OaX, ^rj/.og ne-
ben fxaxQog, fAuxeSvog. Mit iv wurde i^fjg zusammenge-
setzt, wie aicifiog kvaiöiiiog^ aXiyxiog hv-aXiyxiog y nXüog
ifmXeiog. Auch ivvtcogog jugendlich (/, 19. A, 311) könnte
hierher gehören, wenn man ein vawgog als Weiterbildung
von viog neben veagog^ veoaaog^ veuxfiog, viav, veaviag,
via^ annehmen darf (über oiQug zeitschr. XII, 3), oder ein
homerische etymologien. 5
vioiQOi; von vkog und üga als possessivcompositum (vergl.
attQog nicht gezeitigt). Doch mochte ich lieber ein
vBCüQtj^ ähnlich wie onaigrj^ voraussetzen, so dafs es ein
praepositionscompositum wäre, worin der zweite theil von
der praeposition abhängig ist, wie in hdiog im himmels-
glanze (vgl. siiSia, eiJJiOt,', wo / auch wohl ursprünglich
lang war), 'ifxfij^vog ^ €uq)vlüg, excfvlog, effalog^ nctQaXog,
nagddo^og^ l^xxsvTQog^ avri&eog, dvvfjliog, aiAinnog, und viele
andere bildungen, besonders späterer zeit, wie dtaxagSiog^
imdyxaXog^ vnavSgog^ avravÖQogy ^xngo&eafAog. Hierher
gehören auch fi6Td(pQevov ^ das den theil des körpers hin-
ter den (fjQivBg bezeichnet, und iyxitpaXog^ nicht aber /la-
TWTiov^ das hinschauende, ähnlich wie üattmog. Häufig
tritt hier die endung log ein, wie in hmditpgiog^ kvßvfjiiü^^
xaxaövfAiogj dictTiovriog^ kxndriog, fyyeiog, xardyetog, dno--
ßatuiog^ ^ieTced)ji4tog, dufiiutJTOiog, kvwriov, hvvnviüVy im-
GTvlioVy ÜM>iiiov^ vniiTQiüv, Aber auch andere endungen
finden sich: \) dg^ wie m dptaÖgvdg, d fxaavxdg {nehen dfAd'
ovxog), dvadevÖgdg, hniSufgidg (neben ^TriÖüpgiog). 2) ddiog
in imodöiüg, vncpddiog, xarajudäiog^ iviandöiog, xavaXocpdSiog.
3) ig^ wie in duautikig, i:yxav&tg, IvÖQOftig^ hwögig ne-
ben epvögog, später kvv8o6ßiog^ knavOgaxig, kTTtylcnaalg^
kniyovarig^ iTTidsiTzrig neben kniÖEiTTvov , iniöogccTlg, initi^
X^fg^ k^ovkig^ vnoösijig. 4) tÖiug^ wie in h/xuolöiov , hni--
yovviSiog^ TTgofntwniSiov und den spätem dnoÖetnviSiog^
kvoixidiog, intyovviöiog^ ^TTiOwgaxidtoVf knixoXniöiog^ naga^w^
vidiog^ nagaxTlöiog,7rctg€aTidiogj ngoyaoTgidiov*). 5) ir?/^, in
dvaöevdgiTfig, Ttagatyialittjg^ TTagoöiTJjg. G) eiug^ iu imxv-
kixeiog, ngoydueiog. In 'iyyeiog, kneTSiog^ TtgoTeXeiog, ngog-
ßooeiog, vTTSüdlTTeiogy i^egdareiog gehört e zum stamme.
7) uclog in xaTapfonalog**), uetiomalog, VTio^aönalog, Die
♦) Noch anderes gibt Lobeck Phryn. 566.
**) Dieses bei Pollux nnd in einer inschrift feststehende wort übersah
Lobeck Phrjn. 557 bei der bchauptung: Adiectiva in tutai^ a »olis substan-
tivis ducontur, nequc recipiunt praepositiones, woher auch die änderung der
andern überlieferten furnicn sich als unhaltbar ergibt Freilich f\ir i/tutfti-
dioi; spricht die Überlieferung gegen *.To»/aar«s'> ^^^'^ f(tiut:in\ialo(i kann
nicht in ftinwnidioi:^ sondern nur in ufiwnMlnq verbessert werden.
6 DUntzer
auf aiog sind aus der Verbindung des stammbaften et mit
wg hervorgegangen, wie ivevvaiog, knixeifälaiog^ TiSQiXiqci"
Xaiog, TtaQaxTaiog, TtQonvXaiog. Einzeln stehen SiBtfjawg,
iTtsrijaiog und die windnamen anaQxriag, ixvacpiag (nach
fpoivixiagj Qgaaxiag, * EXXtianovviag), dntßuirfjg.
4. negvggf^Sijg.
Schlägt man im neuesten Thesaurus von Stephauus
das homerische negiggriSrig auf, so erschrickt man vor dem
bunten wirrwar, worin hier die verschiedenen angaben und
bemerkungen durcheinander gehen. Leider ist dies nicht
der einzige fall dieser art in jener prächtigen Schatzkam-
mer. Fragen wir zuerst nach der herleitung, so wollten
die einen es von grjaoeiv, die andern von piaiv fliefsen
herkommen lassen; aber im erstem falle mQfste die form
mgiQQayijg, im andern negiQQvrjg heilsen. Da es ein ab-
leitendes Srjg nicht gibt, nur ein Sog, wovon die adverbia
auf öoVy äijv, wie kmcvaSov^ nagaxXiSoVy gvdov, öiagQ7JSt]v,
naQaßh]Sr]v, Xiydrjv^ so gehört S noth wendig zum verbal-
stamme. Und so hat man denn die wurzel gaö oder, wie
man sich roh auszudrücken beliebt, den aorist iggadoi/ oder
das perfect ÜggaSa als stamm des wertes betrachtet. Aber
die bedeutung von gaä (praesens gaivw^ wie xaivv(Aai von
xa8. Christ, s. 61) sprengen pafst nicht, da man ganz
willkürlich dieser etymologie zu liebe die bedeutung blut-
besprengt angenommen hat. Die alten grammatiker ge-
ben eine bunte karte von erklärungen, die alle nur lose
einfalle mit bezug auf die beliebte etymologie sind. In
lebendem Sprachgebrauch finden wir das wort bei Hippo-
krates, wo es ofTenbar die bedeutung schwankend, sich
hin und herbewegend hat. An der einen stelle soll
die auf dem rücken liegende frau unter und neben den
hüfben weiche unterlagen haben, damit der körper nicht
nach der einen oder der andern seite herüberschwanke,
wg fii] negiggrjöig hj t6 adficc. Der kranke, der sich die
Schulter verrenkt hat, soll in der andern stelle gleichfalls
auf dem rücken liegen, aber mit unterlagen unter den
homerische etymologien. 7
scbulterbl&ttera, so dafs die brüst ganz frei sei, nach bei-
den Seiten sieb frei bewegen könne, wg 7ie()tQgrjÖig hj ro
ar^&og fAccltara. Diese bedeutung schwankend pafst
auch vortrefflich in der einzigen homerischen stelle ;^, 83ff:
'£v Sk Ol ijnaTL nij^e &o6p ßiXog^ ix (V ägce x^^Q^'»
xccTtTteOBP Idvciid'eig, ano ö* siSaTa ^evev ioa^s.
In folge der Verwundung läfst Äntinoos das schwert fal-
len, und schwankend, da er sich nicht mehr halten kann,
stürzt er auf den tisch, von dem er alle speisen im falle
berabstöfst. Demnach müssen wir einen stamm paö schwan-
ken annehmen. Und ein solcher ist auch im griechischen
wirklich nachzuweisen. Bei Homer finden wir ^, 576 pa-
öaXüV doraxija^ wo Aristarch podaXov schrieb, worüber
ich de Zenodoti studiis Homericis 139 gehandelt; welche
form hier auch die richtige sein mag, die bedeutung
schwankend ist unzweifelhaft. Von paSccvog kommt pa-
öavi^Biv^ in der bedeutung rivdaaeiv. ^aSivog heifst
schwank, als bei wort der gerte (^,583), daher, wie
gracilis, dünn, weich; Pindars padivol nodeg könnte
man auf die beweglichkeit beziehen. Der faden heifst (^o-
dai/i7, weil er bewegt wird, und davon kommt paöaviL^uv
spinnen. Der ast wird pdda^vog^ auch (>of<$t| genannt,
weil er schwank ist. Sonst heifst der ast xkdöog, wahr-
scheinlich eigentlich der abgerissene ast, auch oaxog^
li^og vom wachsen (Curtius II, 168). radius, rudis,
ramus scheinen zu derselben wurzel zu gehören. Dafs
diese ursprünglich mit einem digamma anlautete, zeigt ßpa-
divog bei Sappho*). Wir gelangen somit zu einem stamme
^imö, wonach auch das homerische wort neoi^pi]()r^g ur-
sprünglich gehcifsen haben wird. Auffallend ist, dafs die
lautlich so nah anklingende wurzel xoad eine ähnliche bc-
*) Kuhn scheint mit reclit (zeiUchr. IV, 123) Ii(tuddf(avt9i'^ hierher zu
ziehen, was Curtius (1, 318) uicht billigt, der irrig (t^'Ca, radix vergleicht.
Sollte nicht auch o(i6dafttoq eine spur des digammas im anlautenden o
erhalten haben?
8 Dttntzer
deatung hat, was ans aber nicht berechtigt, beide zusam-
menzuwerfen. Schlielslicb bemerken wir noch, dafs das
adverbium negiggiiSr^v des Apollonios eine ganz falsche bil-
dung ist, welche die annähme veranlalste, nBQiggr^dtjg sei
von TteQiQijööeiv oder von Ttegigeip gebildet; denn von ad-
iectivis auf rjg lassen sich keine adverbia auf i]v bilden,
sondern Srjv mufs hier als adverbialendung gelten.
'). intxdgaio^.
Durch das homerische giuv im xao (/i, 391f.) hat
man sich zu einer ganz falschen deutung von hnixagctog
(t, 70) verleiten lassen. Sehen wir von der zutreffenden
bedeutung ab, so wäre dies das einzige beispiel, wo ein
praepositionscompositum (denn ein solches wäre das wort
dann) mit der endung aiog erschiene. Der dichter würde
sicher, hätte er von im xag ein adiectivum bilden wollen,
imxägiog^ mit einfacher längung des a oder im'xagog, mit
längung des «, wie in knitovog^ oder des e, wie in avßoaia^
gebildet haben. Völlig widerlegt wird jene deutung durch
vergleichung von iyxdgciog^ das schon bei Thukydides
schief, schräg heifst, und Hesychios führt auch xdg^
mog in der bedeutung nldyiog an. Dadurch ist jede Ver-
bindung mit xdga ausgeschlossen, xdgaiog scheint, wie
TtXdyiogy schief, schräge zu bedeuten. Eine sichere
herleitung ist, meines wissens, noch für keines von beiden
gewonnen. Ein drittes wort derselben bedeutung ist Xl-
xgicpig^ wovon A/;|, ^^e^gig^ licinus, ob-liquus, limus
nicht zu trennen, und auch >.//<)i;i/ mag dazu gehören; hier
scheint die Vorstellung des biegens zu gründe zu liegen
(Curtius I, 332). Jlkdyiog erklärt sich ganz einfach von
nldiaa&ai^ umherschweifen, als ein abweichen von der
geraden richtung. Bei xdgaiog wird der begriff des krum-
men zu gründe liegen, den wir nicht nur in cur-vus,
xvg-Tog^ xig-xog^ cir-cus (die verwandten Wörter bei Cur-
tius I, 127) linden, sondern auch in xeg-ag^ cor-nu (Cur-
tius I, 112), und man könnte auch xag-ig^ can-cer, ein-
homerische etjmologien. 9
fach redupliciert*), xagsc-ivog hierher ziehen. Die hier vor-
auszusetzende Wurzel erkennen wir nun auch in xägaiog.
Welche sinnliche bedeutung bei derselben ursprünglich vor-
geschwebt, ist kaum sicher zu bestimmen. Sollte wurzel xe(j
(Curtius no. 53) damit verwandt sein und das schneiden
beiden zu gründe liegen, das krumme als ein durchschnei-
den des geraden gedacht sein? Doch wir enthalten uns
hierüber etwas bestimmen zu wollen. Die endung oiog ist
dieselbe, wie in avd^aiog ungefüg, xa&dgaiog reini-
gend, (jvaiog rettend, yvrjaiog gnatus (Curtius I, 145),
die alle von substantivis auf atg hergeleitet scheinen. Die
spätem liebten solche bildungen, wie iTiiöaiaiog, rtutjaiog,
vjLtvTjaiog. Auch die formen auf öia, oiov, über die Lo-
beck Phryn. 505—522 (vergl. Coray Heliod. 316) ausführ-
lich gehandelt, sind als erweiterungen des Substantiven aig
zu betrachten.
6. döTiciaiug^ doTid^eoi^ai.
Curtius stellt der von Kuhn (zeitschr. IV, 17) gemach-
ten vergleichung von dandt^tö&at mit skr. svaj die bemer-
kung entgegen, Homer kenne das verbum gar nicht, das
adiectivum dandaiog mit dem adverbium danaoltag nur in
der allgemeinen bedeutung freudig, wonach die aus dem
sinnlichen amplecti möglicher weise abzuleitende Vorstel-
lung des begrüfseus dort noch gar nicht vorhanden sei.
Aber der erste theil dieser behauptung beruht auf irrthum.
dand^eaöaL findet sich nicht blois in der Odyssee, zweimal
mit x^(?^^^ verbunden (7,35. r, 415), einmal mit einem blo-
isen accusativ (;^, 498 rjaTidCovr* Oävarja)^ sondern auch
im zehnten buch der Ilias (x, 542): Jetnjj i]andlovTo iTieaai
TS ^uhyioiücv. Sonst steht von der Umarmung in der
Odyssee dyand^eii/^ dyaTidi^eai^cei {n, 17. g, 35. (f, 224. /,
*) So glaube ich noch immer die form deuten zu mUssen (vgl. meine
lateinische Wortbildung s. 17), nicht mit Curtius I, 113. Das n steht wie
V in öir-d{)(~ov (Benary römische lautlehre 222), Tär- iaA-05, rn'^&g-ridwVj
TOf-^o^-i'^f»!', und für den einfachen stamm car zeugt xa^ ^9.
10 Dttntzer
499), wobei zu bemerken, dafs iyand^sad-ai^ aiACfayana-
^sa&at daneben von der liebevollen behandlung und auf-
nähme gebraucht wird, wie (pi^kelv (11,192. Siyi64. »/, 33.
1,381), auch ayanav t//, 214, nur einmal in o??x ayan^g in
der bedeutung bist du nicht zufrieden (f/>^289), aya^
Tinrog aber nur als geliebt (Z,401. i5,365. 5,727.817).
aaTtdaiog, danaaicog ist bei Homer nicht nur freudig,
sondern auch zur freude, willkommen. Daneben
kommt in ganz gleicher bedeutung danaarog vor, das Cur-
tius nicht übersehen durfte, da es den beweis liefert, dafs
in aaTTa^ead'at nicht y^ sondern ö stammhafb ist, weil die
form sonst aanaxTog lauten mQfste. Wie verhält sich aber
daTtdaiug zu aaTtd^söi^aL? Dürfen wir den ausfall eines ö
vor G oder dessen Übergang in a voraussetzen, wie das r
in (hamawog weggefallen ist? Was hätte aber den dichter
gehindert dandSiog zu sagen? Liegt nicht vielmehr die an-
nähme näher, dafs neben dand^ea&ai noch ein dcndv stand,
wovon danäaiog sich gebildet? daTia ist aber nichts als
die vorn verstärkte wurzel (TTia in der bedeutung verlan-
gen. In hinsieht der form wie der bedeutung ist 6'()iy'
'Eiv zu vergleichen, wo sich, wie auch im deutschen ver-
langen, aus der sinnlichen Vorstellung des hinlangens die
des begehrens entwickelt hat. Erst das von döTta weiter
gebildete dand^eod-ai, das man längst von OTidv hergelei-
tet hat (Pott sieht in d d/Licfi)^ erhielt die bedeutung des
freundlichen aufnehmens, des umarmens, durch Vermittlung
des begriffes des liebens, wie (fiXüv, dyanäv ganz ähnlich
gebraucht wurden. dyaTtri, dyanäv dürften kaum vom
stamme ya (Curtius no. 122) zu trennen sein. Wir haben
hier eben die auch sonst vorkommende Verstärkung des
vocalischen auslautes durch ein n (Curtius 1,50. Zeitschr.
Xn, 13). Savelsberg in der abhaudlung de epithetis Ho-
mericis diö}ßog^ iiiißtavog, dandaiug, ddarog (s. 13) ist,
ausgehend von der hesychischeu glosse dinaaiov da^kviag
Xcci{)üVTaj zu einem andern ergebnisse gelangt, hat aber das
G in döTtdöiug nicht erklärt, dendaiog möchte doch wohl
auf blofsem irrthum beruhen. Die glosse lautet dendaiov
homerische etymologien. II
afSfiivwi^ yaiüovTa, Die arg verschriebene glosse nahm
Hesychios in ihrer entstellung auf. Sie hiefs wohl ur-
sprünglich: aöndaiüv^ äaiAevov, ^aiQorTa^ und bezog sich
auf £,397.
7. vwgoyj, ^voxp.
Man hat sich gewöhnt, beide beiwörter des eisens O^aA-
xog) auf den glänz zu beziehen, verleitet durch die endung
o\pj die weit entfernt ist überall das substantivum o\p blick
oder stimme zu enthalten*). Der versschlufs rwooni x^'
hc(p oder vuiQOTia ^^Xxov findet sich nach vocalen oder
diphthoDgen, und zwar von der rüstung, blofs A, 406f.
wird der schild genannt (nvoiai ßowv xai vmqotii x^lxi^
SivuiXYi. i}V07u x^lxüi Steht, gleichfalls nach vocalen oder
diphtboDgen, vom kessel (^,349. x, 360) und von der an-
gel des fischers (/f, 408). Auch kommt Vivot// als name
mehrfach vor. Sehen wir uns nach den andern beiwör-
tem des eisens um, so finden wir bei ;^aAxo4; ai&oipy axu-
()fjg^ nur einmal kguägog^ ev^ivojg (die sonstigen beiwörter
beziehen sich nicht auf das eisen, sondern auf die daraus
gebildete waffe, o^g, vfjkfjg, rafAtaixQwg^ yjvx()6g)j bei ai"
dfjQog ai&wv, Tiokiogj loBig^ TtokvxfArjrog. Ein auf den glänz,
das funkeln bezügliches beiwort ist an sich eben so wenig
zu erwarten als bei gold und silber, von denen nur das
erstere bei Homer stehende beiwörter hat {kgirif^og, Tifxri-
Big, TioXvSaiöaXog). Die alte etymologie von vwgotf), ctb-
(jiaxojv tov oQav {vf]'OQ'Otfj) wird heute niemand mehr ver-
fahren, selbst wenn man ein vujqov nichtsehen voraus-
setzen wollte. Suchen wir nach einer wurzel, so tritt uns
Wurzel nri, vtg in der bedcutang stärke entgegen (Cur-
tius no. 422). Der wurzclvocal steigert sich nicht selten
von a, 6 zum /;, w. Wir erinnern an ßd-6ig^ ßd-d-Qov^
ßri'Xog, ßw'fAogy (piQ-ergov , (fäg-og, ifOJQ-iapiog, (pco-vi) ne-
ben (ftjuri, &wxüg neben &äxog, l^d-uv, ^o-og, L,iu'6g^ i^'^h
♦) Vgl. meine abhandlnng: die homerischen beiworter de« gdtter- und
menschengeschlechts s. 86.
12 Dttntzer
fAuk-axogy molUis, uwk-vgj &u)i} vielleicht von if-e^ xwntj
von xaTt (Curtius I, 111), Awßt] neben labes, ujuog neben
amarus, skr. ämas, titmS, neben 7rra|. Nicht unwahr-
scheinlich hat man Cw-Qog auf L^eatp bezogen, wie xctj-iua,
xoj'jAfj zu Wurzel xe gehört, die neben xi steht, wovon xoirr^.
Von xksTt^ (f'BQ kommen xloiw, (fOJQj von naget ßX^Ti Ttaga-
ßküiyj^ wogegen in (pUip sich s erhalten hat. 'Pwyj ist wohl
von (joTiakov^ ootctqoVj gdntg nicht zu trennen. In dem
reduplicirten ccywyT^ hat a in der zweiten stelle sich zu lo
verstärkt, wie in dxwxrj, e in köwöi] und dem spätem
oxtv^rj. Wie neben rex (tex-tcüv) ein tvx (rvx'og) steht, so
könnte man auch neben veg ein wo annehmen, und eo, wie
so häufig, als Verstärkung des i; gelten, wie m^cHfiay ;^aii/-
vv^i von x^, nkcüsiv von nku, gwea&ai neben gv (Curtius
I, 319). So entspricht auch w häutig einem u der ver-
wandten sprachen, wie in $w^oV ins, ^tipfj (Curtius II,
197), fAMftog^ ficogog (das. 1,303). So hat die ableitung
des vwQorfj von jener wurzel ner, nar, vielleicht nur,
lautlich kein bedenken, und stark wäre, wie drBtgtjg, ein
treffendes beiwort des eisens. Tivoifj hat Goebel auf eine
Wurzel an glänzen beziehen wollen, aber ich vermisse je-
den irgend treffenden beweis einer aolchen wurzel. Wie
ich 7]vig (zeitschr. XII, 18) von dp vollenden abgeleitet
habe, so scheint mir auch ijvoifj zu derselben wurzel zu
gehören, und eigentlich vollendet, tüchtig, trefflich
zu bezeichnen, so dafs es ein allgemein lobendes beiwort
ist, das nur zufallig dem xakxog allein verblieben.
8. evxeccrogj rtvyereiog^ dtKfixcegTJg.
evxiarog findet sich nur 6, 60, als beiwort von xidgog^
wo man es unbedenklich, mit beziehung auf v, 161 ev xia-
aav IvAor, als wohl zu spalten genommen hat, obgleich
von xed^w evxiaarog kommen würde, und zwar in der be-
deutung wohlgespalten, welche als stehendes beiwort
der ceder durchaus nicht an der stelle ist. Man vergleiche
dagegen ivyvct^mtog^ iv^eöTog^ ivnkexrog^ evtvxTogj kvÖ^Afi-
homerische ctymologien. 13
Tug. Nichts liegt näher als das wort mit xf^-ajöf^g, xi/-w€/^',
daftend, in Verbindung zu bringen. Wie in xi;oj<)/;%;, xtr
(jieig das a der wurzel zu ?/ sich verstärkt hat, so haben
wir in svxiatog eine abschwächung des a vor dem folgen-
den a, wie in dem participium xiag, das Homer in xf/c^s'
verlängert. Die endung ist dieselbe, wie in xctfA-arogy Ü()X'
-arog, og^-aTog (vgl. ü())(og)j ifKax-atoVj })XciX'CiT^y die zu
warzel 'iXx gehören (wie c«5A|, aJAor^, «vAa|, «Ao^), vielleicht
auch ax^arog^ so dafs das schiff von seiner zugespitzten ge-
stalt benannt wäre, xfjwsig und xijwötjg scheinen ein xfjug
duft vorauszusetzen, während eixeccrog von der wurzel
selbst gebildet ist. Wie bei evxeaTog hat man sich auch
bei iivyivHog durch den falschen schein trfigen lassen, in-
dem man als zweiten theil des wertes yivuov hart an-
nahm. Von Seiten der Wortbildung steht dieser deutung
freilich kein bedenken entgegen, und so konnte Plato ci-
yiveiog in diesem sinne brauchen, wie als gegensatz schon
bei Pindar ayivuog sich findet. Wenn auch bei Homer
ytvuov als hart nicht zu erweisen steht (denn in der ver-
bindwig 7to?u6v tb xdoi} noXiov tb yivELuv bezeichnet yi-
VHOV 80 wenig den hart, wie xdQt] das haar), so zeigt sich
diese bedeutung doch in dem abgeleiteten yevuäv (T, 175.
268- Aber, abgesehen davon, dafs yiretov bei Homer nie
von thieren steht, der starke kinnbar t ist nichts weniger
als eine bezeichnende eigenthQmlichkeit des löwen; da wäre
eher der mahnen zu gedenken gewesen, wovon römische
dichter den löwen iubatus, villosus nennen, da sie, wie
auch Homer, nur an den männlichen löwen denken. Leone
praecipua generositas, sagt PliniusN. H.V11I,17, tunc quum
coUa armosque vestiunt iubae. Homer gibt sonst dem lö-
wen (kiaiva kommt bei ihm nicht vor) die bciwörter di-
&WV und 6oBaiTQO(fog^ nur an einzelnen stellen xQaxBQog,
auBQdaXiog^ oloocpgcov, blofs in einem späten ver6e(A, (jll)
findet sich x^goTiog. i]vyivBiog ist nur eine Weiterbildung
von BvyBvtjg, v^yBvijg, die der dichter sich gestattete, um
in lig 7)vyivBiog einen passenden schlufs des verses zu ge-
winnen. Aehnlicher art sind BvnareQBia, iox^atQu^ xvavo-
14 DUntzer
nQCüQSiog, evQvoSsta, 7to?A^ß6r6iga neben iTrnoßuToq, ahtye-
virr^g statt ahtyev^g^ apinn^vog statt ccfAEvrig. Dafs von
neutris auf og sonst nur possessivcomposita auf ijg gebildet
werden, hindert nicht, dafs der dichter rjvytvrig durch ein
angefügtes log erweiterte, wie er ja auch ccxrigtog sich er-
laubte, wonach man später aöiajutog, evt^roQiog gewagt hat,
TioXvdhpiogy über welches die entscheidung schwer ist,
würde sieh, wenn es wirklich dürr heifst, als ein verstärk-
tes Sixpiog erklären. Nur scheinbar ist ag endung in no-
XySeigdg, da Seigccg wohl eine dem Homer schon bekannte,
wenn auch neben Selgt] nicht gebrauchte form ist. Nur
später zeit gehören kevxf^nariag und Bvnediag an, wozu
t)nccTiag und nsSidg verführten. Dagegen steht ein tov in
dnBiQCüP, apsifÄCJVy dfivuujv fest, während ccyvojuoyv als Ver-
neinung von yvw^uiv zu fassen ist. Adiectiva auf ijg wer-
den nicht blofs von femininis auf 17 gebildet, wie dyXaoTQi-
aiPfjg, aloXoßgovTfjg^ ßa&vxccitJjg , sondern auch von fiijrigj
wie dyxvXo^^Tr,g, 7toixiXofA,7JTt]g neben SoX6fÄt]Tigj 7ioXvfit]Tig,
von 01// 9 ^^^S und ovg^ ßaovonijg neben dem homerischen
evüvonct^ intanoStjg neben inrdnovg, ducpbnjg^ letzteres bei
Theokrit statt der sonst regelrechten bildung auf curog.
(foriv^ dvrJQj f^rjrijo erhalten statt des e ein o; bvxQ^^S ^®*
nicht ein possessivcompositum , sondern von dem stamme
Xgo selbst gebildet. Svgnovrjg s, 493 ist eine falsche form,
woför Svgntvrjg herzustellen. ducpiTttxQrjg ist zu erklären
duffixdofjTog, gleich v^pixegoog und ähnlichen ableitungen
von xigag aus xioarog^ xigaog, wie das adiectivum xegaog
heifst, aber es wurde in den casus behandelt, als ob es von
einem neutrum xdgog stammte. Dieses dfKfixagijg findet
sich (j, 231f.:
lloXXd Ol dfjKfixagfj ctf'iXa dvSgöHv kx Ttalafidcov
nXevgd y dnorgliffovav Sofiov xctrd ßaXXopiivoio,
Das von mir hergestellte TiXtvgd y statt des ganz vnder-
sinnigcn nXtvgai hat schon Briggs vermuthet. Herodian
schrieb duq^l xdgi], wogegen Ptolemäos von Askalon «/i-
cftxccgij las, das man d^(fOTigw&ev ^^oxdg xal inavaard-
asig ixovxa erklärt hat, gewifs einzig richtig. In der ac-
homerische etymologien. 15
centuation folgt das wort der allgemeinen regel der zu-
sammengesetzten adiectiva auf i;$, die freilich keinen rech-
ten grund hat. Der schemel heifst dftfftxaotjg, insofern er
zwei herausstehende köpfe hat, die ruhepunkte fiir beide
föfse bilden*). Später finden wir hierfiir a^iCfixilB^vog,
wo xiksfjivov den fufs bezeichnen mufs. Die endung ist
dieselbe wie in ßi?.euvoVj diXs^uvov (vgl. auch x()i;^€-jU)/o)/);
die Wurzel xsl finden wir in xäA-»?^, cel-er, auch wohl in
xil'Sv&og (Curtius I, 116), so dafs wir hier in dem eilen-
den eine andere, wohl ursprünglich scherzhafte bezeich-
nung des fufses neben Ttovg der gehende hätten, die sich
nur von den f&lsen der schemel zufallig in diesem compo-
situm erhalten. Von diesem afji(pixi?,euvog bildete sich ein
adverbium autpixeXsfjivig, das von dem gesagt wird, was
von beiden schultern gleich herabhängt, wobei der ver-
gleich mit einer zweiftifsigen bank vorschwebt, aucpixe-
XefAVig ist gebildet, wie xfüQtg, uoyig, lix9^^ ^^^ ^^ ^^
nierische, von den erklärern miishandelte afiq^ovdig^ das am
boden heifst, und vom aufheben eines menschen unten
am boden, bei den fQfsen steht Räthselhaft ist axaQijg^
das wenig, klein bedeutet. Man hat es von xBiguv her-
geleitet, Ol' ovx oiov TB xslgai, oder es mit dem homeri-
schen: Tiü) de fiiv iv xagog aiatj zusammengestellt, dessen
xdg sicherer deutung sich entzieht, xdg könnte gleich xd-
Qvov sein, wie nugae nach Ritschi eigentlich nucae heifst,
und ähnlich stehn, wie die Römer ne hilum, non flocci
facere oder pendere sagen**). Hiemach könnte man ge-
neigt sein axagr^g von einem xdgog herzuleiten, in der be-
deutung nicht eine nufs werth, daher gering. Aber
ich denke lieber an wurzel xpa, die in xgaivetv erscheint,
mit umgestelltem vocal in cerus, Ceres, caeremonia.
*j afi(fiß<t()H bei Uesych. v. dfitfixiXt^vov und fifi(ftßa(ff'iq im Etyra.
M. sind in dft((ixa(jf(; und duqixaofXi; zu verbessern und das von Lobeck
Phryn. 539 nicht bezweifelte wort aus den Wörterbüchern ganz zu streichen.
**) Anderes der art ans der lateinischen und den romanischen sprachen
findet man im dritten bände der grammatik der romanischen sprachen von
Diez im dritten abschnitte.
16 Düntzer
So könnte ein äxaQrjiS die bedentung unvollendet,
schwach, gering erhalten halten.
9. &eüvdrjg.
Man hat das wort ^eoder^g erklärt, was lautlich nicht
angeht; denn wollte man auch ein digamma in diog nach
S annehmen, was sehr zweifelhaft ist (Curtius I, 201), und
dieses in die vorige silbe überspringen lassen, so bliebe
doch der wegfall des e unerklärt. Buttmann meint, der
vers habe zu dieser elision genöthigt. Freilich muTste das
8 elidirt werden, wenn es galt um jeden preis aus t^Bodeijg
ein dreisilbiges, den hexameter schliefsendes wort zu ma-
chen; aber, wie sehr wir auch überzeugt sind, dafs das
metrische bedürfniis bei der homerischen Wortbildung sehr
bedeutend eingewirkt hat, so geht man doob jki wmty wiO
man annehmen, der dichter habe, um ein wort zu einer
bestimmten quantität zu bringen, jedes Zwangsmittel an-
wenden dürfen. Aus &eüÖ6rjg konnte der dichter &€oS6i't]g^
wie uöeijjgy machen, das gleichfalls einen passenden schlufs
des verses bildete. Und mufste denn gerade von &e6^'
und öeog ein compositum gebildet werden? Standen dem
dichter keine andern Sprachmittel zu geböte, den begriflp
der frömmigkeit auszudrücken? Composita mit öeog liebt
er nicht; wir finden bei ihm nur adsi'jg, adetrjg und einmal
ifTiegöea P, 330, wo das ausstofsen des einen €, das auch
sonst mehrfach sich findet, mit dem ausfall eines a vor i]
gar nicht verglichen werden kann. Die andere herleitung
des t)'6ovdrjg von id'BoeiSrig gestattet schon die bedentung
des Wortes nicht. Die zusammenziehung eines osi mit Un-
terdrückung des I in ov kommt wohl sonst vor, aber nicht
wenn si eine Verstärkung des v ist, sondern wo es aus e
hervorgegangen; aus &eoBi>Sr}g hätte durch wegfall des di-
gammas ein zweisilbiges &BOHdi]g^ wie äV.oeiSia v, 194
dreisilbig steht, oder geradezu &eBtStig, aber nie &BovSr]g
werden können. Von der ableitung der alten von %Sog
oder von avSap kann im ernste nicht die rede sein; da-
liomerische etymologien. 17
gegen erweist sich die bei Apollonios vorgetragene von
aäelv^ die freilich im Etym. abgefertigt wird, als ganz zu-
treffend. Aus &eofccdf]g konnte &6oadijg werden, das in
regelmäfsiger contractiou öaMÖrjq geworden wäre, aber der
dichter hätte auch zur Unterscheidung von der endung
wSrig^ wie ßoctg zu ßovg wird, &8ovd7jg sagen können. Oder
aus üf wurde ou (Curtius II, 143 f.) und dieses ov ver-
schlang das kurze a, wie w in rjQOjag ijgcjg. Der letztere
Vorgang dürfte der wahrscheinlichere sein.
10. 6hyi]7ie?.aip^ oXiyrjTtsh'a.
Man erklärt i/ als bindevocal. Lautlich liefse sich dies
wohl bei ohyrinekeip und xctxtjnskeiv rechtfertigen, aber
nicht bei avfjnek^g und evtinelia^ die als Spätbildungen zu
verwerfen wir keiii6D grond haben, wenn auch letzteres erst
bei Kallimachos vorkommt, ersteres nur bei den alten lexi<*
kographen. Denn tj als blofsen einscbub zu betrachten
geht nicht an. Das früher bei Homer vorkommende evrj'
yevijg ist jetzt dem wohl begründeten tvriq>BVT^g^ von atpi-
vogj gewichen, und in der theokritischen idylle (XXVII,
42) beruht es eben auf der falschen homerischen lesart,
welche den nachahmer verleitete. vneQi](favog habe ich
zeitschr. XII, 2 von einem ä(favog hergeleitet. Savelsberg
a. a, o. 12 beruft sich auf die glosse des Hesychios aB(fa'
vwv kaun-QwVf und möchte VTisQtjcpapog vnBga6q)apog erklä-
ren, so dafs ne aus ar^, aai sehr entstanden wäre: aber
sollte ccB hier nicht dei sein, das bei Pindar und Pisander
sich findet (Ahrens de dialectis 11,379)? Jenes aa möchte
Savelsberg auch in in-tia-Tavog^ als zerdehnung von inti-
ravog^ sehn, wozu er Si-fjtavhg anföhrt, das hrov^ diarara'
fAipov erklärt wird. Aber di-ijTapfjg, intjvapog erklären sich
durch annähme eines a-tapogy a-taptig sehr wohl. Das von
Hesychios und Phavorinos erhaltene iTtr^ardp {im nohv
ävarsrafiipov) scheint mir weder der form noch der bedeu-
tung nach genügend festzustehn. Die hier angenommene
apokoipe der endong wäre doch wunderlich, und der form
ZeiUchr. f. vgl. sprachf. XIU. 1. 2
18 Dttntzer
nach sollte man eher an ableitungen auf civ, civ denken,
von denen Lobeck Phryn. 196 f. handelt, ja man könnte
das von Hesychios wirklich gebotene hmardv^ verzie-
hend, beibehalten und an eine falsche auffassung des Wor-
tes denken, wie sie bei den lexikographen so häufig sind.
In bezug auf dtöt]kog (ccTidfjXog), aiyaXoeig {dTi-ya?.6eig\
aiyh] {ocai-ydXi]), daiaaxsi, daiyr]Q, fjf^ix^Q und r^niTtenov
dQrfle wohl Savelsberg entschieden beizustimmen sein. Doch
kehren wir zu unserm BvrjnB?<.r]g, xaxtiTiskTJg, ohyfjnekrjg zu-
rück, so widerstrebt wenigstens letzteres auch der bedeu-
tung nach der ableitung von nkleiv; ein gut sich be-
findend, übel sich befindend (ein evnelrjg leicht
findet sich später wirklich) möchte noch angehn, aber nicht
ein wenig sich befindend, in der bedeutung ohn-
mächtig. Alles deutet hier auf ein neutrum aneXog in
der bedeutung kraft. Im germanischen findet sich nun
wirklich eine reihe von Wörtern einer wurzel ab, die auf
stärke deutet (Grimm no. 474), und alts. abal hei (st
gerade kraft. Freilich würde dem germanischen b eigent-
lich ein griechisches cp entsprechen, aber «tt, drp scheinen
nur modificationen derselben wurzel zu sein, uud ist es
nicht zu verwundern, wenn in den germanischen sprachen
nur eine dieser formen sich findet. Hat ja auch das la-
teinische nur eine (vgl. op-s, op-timus). Von den bei-
den modificationen zeigt sich im griechischen sonst nur cp^
in ätpE-vog^'n blofs in unserm änslog'^ das lateinische hat
sich auf die eine, das germanische in seiner lautverschie-
bung auf die andere beschränkt. Die herleitung des aye-
vog und ops von wurzel ap (ap-isci), skr. äp, wie sie Cur-
tius (II, 92) gibt, scheint uns verfehlt; die Wörter entspre-
chen unserm vermögen, und selbst das skr. apnas, wenn
es auch im gebrauch dem xrtiua entspricht, kann ursprüng-
lich gleich äcpevog vermögen bezeichnet haben. Weni-
ger geneigt bin ich bei aTieXog an die wurzel von onog
saft zu denken, womit Döderlein dnakog, dnkorsQog ver-
bindet; freilich könnte sich aus dem begriff des saftigen
leicht die des kräftigen entwickeln, aber diese beziehung
homerische etymologien. 19
scheinen gerade jene Wörter nicht erhalten, sondern sich
auf die des treibenden saftes beschränkt zu haben. Nur
scheinbar zeigen die Wörter rinBSavoq und t^Tiavia auf ein
uTt in der gerade entgegengesetzten bedeutung der schwä-
che. T^'TieS-apog ist der gegensatz von efi-nedog, nicht
fest, schwankend, schwach; rj-na-via dürfte auf ein
d-Tia-vog^ eigentlich un genährt, zurückzuführen sein. Für
ühytjTtelTjg ergibt sich somit die bedeutung von geringer
kraft. Daf's wir hier genöthigt sind, ein sonst nicht vor-
kommendes wort als zweiten theil des compositums vor-
auszusetzen, darf nicht auffallen. Wir haben auf ähnliche
falle schon zeitschr. XII , 2 f. hingewiesen. Ein anderes
beispiel bietet vTjdvuog, dessen deutung von einem dvfirj
oder SvfAog gleich dvf] ich eben gemacht hatte, als ich sie
von Curtius ganz neuerdings ausgesprochen sah. Der vrj"
övftoq vnvog, der erquickende schlaf, entspricht ganz
dem vnvog (<7itju(vv .T, 164.
11. i^uXog,
Zur deutung von iSidkov alyog dygiov ä^ 105 scheint
es an jeder handhabe zu fehlen. Ueber das rathen, und
ein sehr wunderliches, ist man dabei nicht herausgekom-
men. Man erklärt 6 ox^vrixog xai xtjkcov, 6 tisqi rag raiv
ü)]Xeuov il^vag dXXofABvog, Sed quia in poeta politissimo
omnia sunt quam mitissime et castissime interpretanda,
sagt Damm, praestat expositio generalior: 6 TtgoTtrjÖTjrixog
xai üQfirjTiag, o ngoTtr^öwp, simis cruribus saliens.
Dafs i^vg die weiche, die mitte des leibes bezeichnet,
wie im skr. madhyamam steht, nicht die hüfte, was er
unter dem worte selbst sehr wohl weifs, kümmert ihn hier
nicht. Andere wollten es von diaasiv oder gar von die-
sem und äklsaifai zugleich deuten, unbekümmert um den
Wegfall des anlautenden a. Zur endung könnte man xav^
-aalig und xovi-aaalog vergleichen, den stamm in ix, lat.
icere finden; denn wenn statt x sich im griechischen n
findet, so könnte doch daneben tx sich hier erhalten har
2*
20 DUntzer
ben, das man auch in U-gia und den namen Jx-aQog und
Ix'jbicihog aufgefunden zu haben glaubt (Curtius II, 49 ). Bei
"IxaQog denkt man freilich lieber an den stamm von {xekog,
und fafst es als bildner (vgl. bIx(6v\ und dafs der name des
künstlers Ikmalios (r, 57) bedeutsam sei, steht nichts we-
niger als fest. Oder ist auch der name des goldschmie-
des Laerkes ;', 424 bezeichnend , den die Ilias dem vater
des Myrmidonen Alkimedon, dem söhne des Hämon gibt
(/7, 197. P, 467)? Ist es nicht wahrscheinlicher, dafs der
willkfirlich gewählte name zu ix-fidg, i/.-fiaiog^ ix-fiaXiog
(Curtius I, 107) gestellt werden mufs? Auch 'i^/wr, dessen
namen man sonst wohl als m Order von ix icere fassen
könnte, hat Pott auf die wurzel feucht bezogen, während
Welcker ihn als ixerrjg fast, gleichsam als fortbildung ei-
nes i^og^ wie 'Ixtratav von ixevrjg (trilogie s. 549). Die
herleitung von ix^ta mufs wenigstens zweifelhaft bleiben,
da t hier ebenso vorgesetzt sein kann, wie in ixrig, so
dafs der stamm xsq machen zu gründe läge. Sehen wir
uns deshalb nach einem andern mittel der dentung um.
I, 50 lesen wir lovd-dSog dygiov alyog. Die herleitung des
lov&äg von tov&og kann nicht zweifelhaft sein, aber die
richtige deutung fehlt, lov&og heifst auswuchs, viel-
leicht von demselben stamme mit iai^, vi-ola, iovlog, des-
sen Wurzel vi, vielleicht hervorbrechen, nicht mehr
nachzuweisen, so dafs ovß-og ableitung wäre, wie iv&og in
KoQtv&og, TtBiQtv&og^ öpn^Qivß-og^ jurjQiv&og, ccad^iv&og^ wohl
a-6{d)fii'V&og abspülend, von der wurzel ajnt^ Ofiv, gleich
6fia (vergl. afii'Xi], <y,ai-vt;i?, a/av-Qi^)^ Ofiivdog {af*V'iväog^
t)der statt Gfiv-vd-og^ vgl. Gfivg)^ vdx-iv&og^ wie vv&og in
fziV'W&a (vgl. TiQVvgy und zu LV&og 'iluivg, TieiQivg), Wenn
eher lovd-og auswuchs, knoten bezeichnet, so kann ioi/-
&dg nur knotig sein. Nun unterscheidet sich gerade
der Steinbock von der gemse bestimmt durch eine reihe von
querknoten auf den hörnern, wonach es unzweifelhaft, dafs
das beiwort auf diese die gattung bezeichnenden knoten
gehn mufs; denn wo die knoten sich befinden, braucht
das beiwort ebenso wenig zu sagen, als bei ^ccv&og die
homerische etymologien. 21
beziehung auf das haar angegebeu wird, tov&og von den
zotten zu verstebn ist die reinste willkOr. Sollte nun viel-
leicht iia?.og den gegensatz zu iovädg sein und die bedeu-
tung glatt haben? Diebedeutung weich för einen stamm
i^ scheint in l^tfg und t^og gegeben. Denn l^og heifst
die mistel von dem klebrigen safte ihrer beere und der
davon gemachte vogelleim; dem klebrigen haftet aber die
eigenschaft des weichen an, da es nur dadurch im stände
ist festzuhalten, dafs es sich an gegenstände fest anschmiegt.
Vgl. Airo^-, ykiTTog, yha^i^og und die entsprechenden Wör-
ter bei Curtius I, 334. \i.vg sind gerade die weichen.
Dafs i^og und vi sc um dasselbe wort sind, hat man längst
erkannt, da beide in der bedeutung vollkommen Oberein-
stimmen, dagegen hat man bei der etwas abweichenden
bedeutung übersehen, dal's auch i^vg und das neutrum vis-
CU8 sich nur durch den Wechsel der enduug unterscheiden,
viscus, viscera bezeichnet die weichen theile des kör-
pers, daher der fleischige theil im gegensatz zu den kno-
chen, wie Cicero boum viscera (N.D.II,63,159) braucht,
von dem giftgewande des Nessos, das das fleisch des kör-
pers des Hercules verbrannte, inhaerere visceribus
(Tusc. II, 8, 20), von der geisselung der spartanischen Jüng-
linge sanguis e visceribus exit (Tusc. 11, 14, 34) sagt;
dann aber auch die eingeweide. Die erklärung des Ser-
vius, viscus bezeichne: quidquid sub corio est, trifiib
durchaus nicht zu; denn auch die haut gehört zu viscus
und die gleichfalls unter der haut liegenden knochen sind
davon ausgeschlossen. Pott (I, 106) vergleicht zu viscus
das littauische eekschas (eingeweide) von ecksch
innerhalb, aber aufser dafs der vocal nicht stimmt, fehlt
das anlautende w. Das wort klingt nur scheinbar an; dem
sinne nach entspricht ihm intestina (später auch inter-
anea), evrega^ wogegen exta der sich aufdrängenden ähn-
iichkeit zum trotz nichts mit ex zu thun hat, es müfste
denn das beim opfer herausgenommene eingeweide be-
zeichnen. Bei i^o^', i'S,vg kommen wir denmach auf einen
mit /- anlautenden stamm in der bedeutung weich, der
22 Dttntzer
an das althochdeutsche wech erinnert. Obgleich sowohl iu
l^og, l^g^ als in i^cclog ein ^ sich findet, so könnte doch
blofs ein x stammhaft und a in allen dreien Wörtern ab-
leitend sein, wonach der stamm ^ix lauten würde. Dann
würde man auch ix^ievog anschliefsen können, das Nitzsch,
freilich in nicht haltbarer anknüpfung an Ixudg^ schlüpf-
rig, und daher glatt, gleich mäfsig erklärte.
12. öTSVTat^ ösveaOctt,
Die entscheidung über den sinn des wertes ist durch
eine falsche lesart getrübt worden. /", 83 heifst es von
Hektor, der das wort verlangt hat: JSrsvTcä n i:xng hjUtv.
£, 832f. sagt Athene von Ares: ''Og nooiriv utv kuoi ts y.cn
'Hqij arevT ayooevcDP Towai ucc^TJasat^^ai, /, 241 von Hek-
tor: ^revrai yao v^wv aTtoxoifjiuev äxoa x6ovußc<. Von
Thetis, welche dem Achilleiis versprochen, sie werde am
andern morgen ihm eine neue, von Hephästos gemachte
rüstung bringen (-5*, 136 f.), sagt dieser -5*, 1 9 1 : ^revro
ydp 'Hffaiatoio tzccq' olaiuev Hvtea xakä, 0, 453 ff. heifst
es: 2ol UBP oy i]7iuXr}aB noöag xai x^^Q^'S vneoi^^v örj-
ösiv — oreifTo ö* oy dfKpoteQOJV d7To?^syjeiiev ovarn ya-
ka^. Im Schiffskatalog (ß, 597) steht von Thamyris, der
mit den musen zusammengetroffen: JStivto ycco BvyouEvog
VMfjaijABv. Q, 525 f. sagt Eumäos von dem bettler: -iV«?}-
Tflft ö* 'OÖvffijog dxovaat. An allen diesen stellen sind die
bedeutung sagen und die daraus sich entwickelnden des
zusagens, behaupten s durchaus an der stelle. Das
wort wird meist mit einem auf die absieht deutenden iüfi-
nitiv im futurum {h}kip steht immer futurisch) verbunden,
einmal mit einem infinitiv dos aorists. Die etymologie liegt
auf der band, und ist nur selbst von den Vertretern der
vergleichenden Sprachwissenschaft verkannt und das wort
auf <yrof, ötv stehn*) bezogen worden, weil sie sich durch
die gleich zu besprechende stelle täuschen liefsen. Die
Wurzel arv heifst sprechen, wovon aru-ua, arv-ua mund
*) Die Scheidung beider bei Curtius I, 180. 184 entbehrt der begrün-
dang und die vertheilung der worter unter beide ist willkürlich; das skr.
sthülas gehört schwerlich dazu.
boraerische etymologieo. 23
goth. staua, richte r. arioiivkog ist wohl ableituug von
OTuua^ wie aiavkog^ worin ich nicht mit Pott ein ce priva-
tivum sehn kann, von einem alaa oder aiaog^ gleich aJa-^og^
geradezu von aiö abgeleitet, oauvkog, oa^vhi von oa^u^;,
ayX'vXog von der wurzel ayx. Freilich wäre es nicht un-
möglich, dafs in arwfivkog imd oa/jvhj fn-vk suffix, wie fi-e'/.
in ö-u-uihi, ni^fith/, in welchem falle sich das w in arwfiv-
kog noch leichter als Steigerung des v erklären würde.
aToucixog ist eigentlich die kehle, a^ ableitend, wie in
ovoa^ogy cikaxog, Ttokka^rog^ in^nia^og^ wie auch Curtius II,
273 annimmt, der aber nicht an entstehung des x ^^^ ^^
denken durfte, ax leitet auch von der wurzel ab, wie in
Tb^-axog das abgeschnittene stück, das Curtius über-
sieht. So wäre denn orevro etymologisch unzweifelhaft
gedeutet. Aber in Widerspruch mit der gefundenen erklä-
rung des Wortes tritt die stelle A, 584, wo es von dem bis
ans kinn im wasser stehenden Tantalos heilst: ^rtvro öt
ÖiipdtaVy mtuv J' ola elxev iXtoitcci. Aristarch deutete das
wort hier icrraro, aber das pafst nicht nach dem vorher-
gehenden iöTctoT* bv kifiv/j. Noth wendig mufs ötevto Öv^
xpdwv^ im gegensatz zum folgenden Tiitsiv ö' ovx elx^v ike-
aO^aij die bedeutung haben er schmachtete vor durst.
Diese bedeutuug scheint aber unmöglich dem worte ety-
mologisch zugewiesen werden zu können. Deshalb habe
liAk öevTo vermuthen von wurzel Ji» quälen, wovon Jv^,
viq-övuog, Homer hat deveai/ai in der bedeutung entbeh-
ren, bedürfen, mit dem gen., wo auch ursprünglich die
bedeutung der quäl wegen des eutbehrten gegen-
ständes zu gründe liegen wird, wie man egere, ege-
nus mit «;^, angere zusammengebracht hat (Curtius I,
159 f.). In der spätem spräche ist, wie bei nkait/ u. a. das
V zwischen den beiden vocalen ausgefallen. Nur in einer
homerischen Jl', 100 steht eötjosy oder Öijosv in der bedeu-
tung kdsvaroy wo man aber eäevae oder geradezu idever'
vermuthen möchte. Aehnlich ist i, 337 einfach xi^^) statt
Sei herzustellen, wie ^, 156 ^laatjyvg statt putctix; €,490
ciüMV sX^ii owC,i»iv. M. Düntzer.
(Fortsetzung folgt.)
24 Pott
Romanische elemente in den langobardischeu
gesetzen.
(Fortsetzung. )
Declinatiou.
Vor allem hat die casus grofse Verwüstung und durch-
mengUDg betroffen, und ist es defsbalb kein wunder, wenn
aufserhalb des pronomens (das proven^alische abgerechnet)
deren unterschiede allmälig sich ganz aufhoben. Dazu
wirkten verschiedene umstände mit. Einmal also die vorhin
berührte grofse Unsicherheit der vocale, namentlich auch
in den endungen. Ferner zweitens, dafs die in letzteren
häufigen schlufs-« und -m, welche schon im vorklassischen
latein lose safsen (Corssen ausspr. I, s. 110 fg. 11h) und
nur leichthin gehört sein können (daher z. b. ihr häufiges
weglassen im verse), nach und nach völlig schwanden, und
hiedurch insbesondere der sonst so überaus wichtige un-
terschied zwischen subject und object in den am schnur-
geradesten einander entgegengesetzten casus, nominativ
und accusativ, die schon im alten latein der plural, mit
ausnähme der ersten beiden declinationen, sowie das ge*
sammte neutrum, synkretistisch hatte zusammenfallen lassen,
audi im sg. des masc. und fem., formell (nicht jedoch im
proven^alischen) sich verwischte. Schwer möchte ich jedoch
mich dazu verstehen, ausdrückliche accusativ formen
in der eigenschafl lateinischer nominative fungirend anzu-
erkennen, und mögen einzelne solcher beispiele doch viel-
leicht nur nachlässigkeiten des Schreibers (blofse schreib-
versehen) sein und nicht solche der wirklichen spräche.
P. 130: 0e puero intra aetatem decrevit clementiam no^
stram — in alium hominem (in, deutsch verschenken an — )
de rebus suis (statt gen. oder theilungsartikel, nämlich ali-
quid) donare non potest u. s. w. P. 142: ut causam ipsam
non veniat ad perjurium. P. 145: ubi talis causas (das
schlufs-« doch wohl nur herbeigeführt durch das an: talis)
emerserit. Zuletzt kam es dann auf diese weise dahin,
roman. elemente iu den langobardischen gesetzen. 25
dai's die andeutung casueller Verhältnisse, abgesehen von
den pronominen, bei welcher zu oft in anwendung kom-
menden und nach sinn und lautgestalt leicht beschwingte-
ren wortclasse ein schwerfälliges und unbequemes verfah-
ren vor allem gemieden werden mufste, Oberhaupt nur durch
andere mittel als die bisherigen, nämlich Stellung oder
hinzuftlgung von präpositionen, konnte aufrecht erhalten
werden.
Hinter den präpositionen selbst aber kümmerte man
'sich gefühlloser weise zunächst auch nicht mehr um die
früher übliche feinere Unterscheidung im gebrauche von
accnsativ oder ablativ. Es genügte, wenn man nur
einen dieser abhängigen casus zu der präposition in rec-
tion brachte. Ja, wird in erwägung gebracht, dafs im ita-
liänischen die pluralbildung von den, weil asigmatischen,
besser ins ohr fallenden vokalischen nominativen in
decl. I und II ausgeht: so mufs eingeräumt werden, wie
nun selbst ursprünglich entschiedene nominativformen
(in, für das alte latein haarsträubender weise und, streng
genommen, logisch unmöglich) sich bequemen mufsten, den
„regierenden" präpositionen gegenüber ihren eigenen sou-
verainen Charakter hinzuopfem und sich gelegentlich in ein
abhängigkeits-verhältnifs zu ihnen einzwängen zu lassen.
Man nehme nur z. b. ital. colle^ cogli gleichsam cum t/tee,
cum Uli (statt cum illis), wie collo (cum illo), colla (cum
illa*)). Bei letzteren singularformen übrigens (/o, la) mufs
man nicht glauben, was man ehemals von den meisten ita-
liänischen nominalformen im Singular fälschlich behauptete,
als stecke darin der lateinische ablativ. Im allgemeinen
haben die romanischen sprachen die form ihrer nomina
zum gröfseren theile nicht aus dem öfters im thema ver-
dunkelten singular-nominative, sondern aus der gesammt-
heit der obliquen casus (auch nicht gerade aus dem ac-
*) BeUänfig: das rem habere cum aliquo (buhUchaft treiben mit jemandem)
spiegelt sich noch wieder im ital. arere a fare oder che fare con tiwo, eon
una (mit wem fleischlich zu thun haben).
26 Pott
cusativ, wie Diez annimmt) geschöpft. In den übrigen de-
clinationen^ mit ausscblufs der thematisch (ausgenommen
die parisyllaba auf is und es) in consonanz auslaufenden III.,
mufsten jedoch, nach ablösung des -s im nomin. und -m
im accusativ die formen zusammenfallen, dafern man nur
berücksichtigt, wie ital. nomm. auf -o (statt u-s, u-m, jedoch
so gut in IV. als II.) gleichsam auf einer Wiederkehr be-
ruhen zu dem o-ä, o-m = griech. 0-^;, o-v (aus skr. a-s,
a-m) im vorklassischen latein, wobei man sich abermals
zugleich au das lockere verhalten von s und m auch eben
hier erinnere. Das o aber in pronn. wie e//o, csso^ esto
neben e in lat. iUe, ipse, iste beruht auf älteren nebenfor-
men, wie ollus^ issus (s. Freund) statt ipsus^ und auf dem
thema isto (kein entsprechender nom., aber z. b. gen. isti;
acc. istum). Somit wirkt in den romanischen sprachen
noch etwa eine schwache erinnerung an wirkliche ächte
casus des latein (namentlich im pronomen) nach. Im gan-
zen aber ist der wahre begriff eines casus (d. h. also
vor allem der gegensatz von Subjekt und objekt) in ih-
nen verloren gegangen. Und läfst sich der gebrauch von
nominativformen im ital. plural in rection hinter präposition
oder hinter verbum im gründe nur auf dem wege erklä-
ren und damit entschuldigen, wenn, wie es in den roma-
nischen sprachen der fall ist, die casus begrifflich, ja
auch zum theil der form nach (unter besonderer rüek-
sichtnahme auf die in den obliquen casus meist gerin-
gere Verstümmelung des wortstofies) gleichsam wieder auf
die unterschiedlos allgemeine und gleichsam vor-
casuelle gestaltung eines bloisen thema herabsanken. Ue-
ber ein solches (in bezug auf flexion formloses) thema
brachten aber viele, aller declination baare oder doch eines
wahren (positiv als solcher gekennzeichneten) uominativs
ermangelnde sprachen thatsächlich von vorn herein es nie
hinaus. Sonst sehe ich hier davon ab, aus welcher be-
sonderen lateinischen casusform (falls, was ich keinesfalls
zugeben möchte, überhaupt immer einer einzigen bestimm-
ten) dieses oder jenes nomen geschichtlich hervorging.
roman. elemente in den langobardischen gesetzen. 27
Da haben wir also bereits z. b. einen dem italiäniscben
gerechten nominativ auf -o (aus u-s). P. 119: Patrono
ejus cum (aldionem) defendat. Desgl. p. 69: Si cavallo
(vollkommen ital. statt equus) cum pede (also cum instru-
mental, wie ital. colle mani e co' piedi, mit bänden und
fäfsen, d. h. aus allen kräften, wie nv^ y.cti Aa|), si botes
cum comus (an stelle von comibus; jedoch gedacht ver-
muthlich als accus, pl. in II. ; s. u.), si porcus (wieder lat.,
obschon ital. porco) cum dente hominem intricaverit (etwa
im sinne von laeserit, obschon ital. intrigare nur: beunru-
higen, in Unordnung bringen), aut si canes morderit (ohne
reduplication, nach weise von currerit p. 11; ital. mit s:
morsi), excepto, ut supra, si rabiosus (ital. cane rabbioso,
schon nach dem altlat.) fuerit, ipse conponat homicidium
(ital. omicidio) aut (ital. o, vor vokalen od, franz. ou) dam-
num (ital. danno, welchem das erweiterte franz. dommage
entspricht trotz seines, dem m mehr angenäherten o) cujus
animalem (d. i. animal) fuerit, cessante in hoc capitolo
(ganz ital.; franz. chapitre, kapitel, als deminutiv von Ca-
put, hauptstück) faida (fehde), id est inimicitia, quia mu-
tam (wohl blofses schreibversehen für muta; oder gar:
mutum) res (eine stumme sache; keine person, sondern ein
unvernünftiges vieh, brutum animal) fecit, non hominis Stu-
dium (beflissenheit , absieht, böser wille, s. diese zeitschr.
I, 387). Das obige boces sieht wie verirnmg in den plu-
ral aus. Im italiäniscben als anomaler plur. buoi^ wahr-
scheinlich wie noi (nos), indem man lieber i an o setzte,
als letzteres aufgab. Auch t suoi. Allein gemeint ist, wie
mir scheinen will, ital. bove oder bue statt lat. bovis ^ wie
ein erweiterter nom. statt bö-s (vgl. Jovis statt skr. Dyäus,
indefs nach dem kürzeren thema dyo; ndvis statt skr. näus,
griech. vavg) lautet; und folglich mit beibehaltung oder
Wiederansatz eines nominativischen sg. -s. Die frage kehrt,
wie im folgenden öfters, so auch in betreflf von canes wie-
der. Aus ital. cane mit neu zugesetztem -s (vergl. boves),
oder, die neben canis vorfindliche form canes (e kurz? wie
aedes, apes für aedis, apis, s. Freund)? So wäre das m in
obigem animalem vielleicht, unter anschluls an ital. animale
28 Pott
(latein. abgestumpft: animal), vermöge irriger nachahmung
der neutra auf u-m an die neutraleoduDg zum Überflüsse
herangezogen. Vergl. stabilem maneat u. dgl. Auch, wie
schon früher lege (lex), p. 26 rege (ital. rege oder gekürzt
r^, franz. rot, vgl. Mullaeh, griech. gramm. s. 77), trotzdem
dafs im nächsten artikel wieder das lat. rex platz greift;.
Si quis intra palatium ubi rege preest scandahim penetrare
(statt perpetrare, s. oben; zank zu verursachen) presumpse-
rit. Eben da no. 37: Si quis über in eadem civitatem (it.
cittate, cittade, citta Stadt; mit ausfall des v) ubi rex (ge-
genwärtig, praesens, ist, residirt; nicht: herrscht) aut tunc
(nur vorübergehend, zu der und der zeit gerade) invenitur
esse^ sich befindet, ital. si trova = sta (eig. stat, steht), 6
(est) z. b. in Berlino. — Im plur. omini (viri), ital. uomini^
also schon mit fortlassen des s. Auch oft genug -is (un*
streitig -is) statt -es. P. 100: Pro cujus autem causa le-
stis (es) iUi testimonium reddiderint. — Teslis vcro tales
(also dies ganz richtig) sint, und sogar: Et si forsitan re*
memorati (erwähnte, vgl. engl, remember) testes. P. 122:
Omnes judices et fidelis (getreue) nostri. — Reliqui nove-
lis (nobiles) homenis (homines) p. 126. Aliquis (statt ali-
qui) hominis perfidi p. 146.
Von dem accus, sing, ohne m wimmelt es überall.
Es sind der beispiele legion. So p. 156: Et hoc volumus,
ut nullus homo presumat causa (it. cosa) alterius ad di-
cendum supprehendere (gewaltsamer oder doch wenigstens
unrechtmäfsiger weise an sich reifsen; DC. supprendere
capere ultra quam fas est aut licet) aut causare (wie im
vorklassischen latein causari, eine rechtssache führen; ent-
weder acte, oder blofs e als ungenaue ausspräche für -i),
nisi cum notitia de judice suo (mit benachrichtigung des
richters und — unter bewilligung ab Seiten desselben),
causa (acc, nicht etwa ablat. : in der angelegenheit) de rt-
dua aut de orphano dtcend^nt (indem er die sache einer
wittwe — führt, wie gutlat. causam dicere; iteii. dicendo
als abl. = lat. in dicendo gedacht). — Ferner p. 70: Si
quis percusserit vacca (ganz ital., franz. eache) prignantem
roman. elemente in den langobardischen gesetzen. 29
(praegn.) et (sc. haec) aburtaverit (ital. abortare und abor-
tire, welches zweite auch schon im vorklassischen latein;
iruuarf^ abortivit Graff 1, 1029) conponat iremisse uno (d.h.
componat litem solvens — mit acc; von spätlat. tremis,
als in betreff des m nach unzutreffendem muster von semis
gebildet); et si morta fuerit, reddat eam (regelrechter acc.)
qualiter adpretiata (wie hoch geschätzt, taxirt, it apprez-
zare) fuerit, simul et pecus. Eben da: Si quis percusserit
equa (noch span. yegua für stute; allein it. giumenta^ ca-
valla^ (ranz, jument f., obschon hinten ohne e, cavale) prig-
nante et abortum fecerit, conponat soUdum unum (hier noch
regelrechter acc; zahle zur bufse); et si mortua fuerit,
redat (reddat) eam, simul et pecus. Pecus, vom fötus, fQr
den auch ersatz geleistet werden mufs. Selbst anderwärts
von der menschlichen leibesfrucht, s. diese zeitschr. I, 390.
Doch hier im nächsten titel heifst es mit bezug auf eine
ancilla gravida, die an schlagen oder stöfsen, percussura
(ital. percossura), gestorben: conponat eam, simul et quod
(was, unentschieden welches geschlechts) in utero ejus mor-
tuos (far mortuus; it. gekürzter, als wäre es part. auf -to:
morto, franz. mort) est. Hier also conp., der ersetze (durch
Zahlung der composition) die Sklavin. — Vergl. Si quis
castenea (lat. castaneam, obschon hier nicht die frncht ital.
castügna^ franz. chätaigne, sondern der bäum castagno m.
gemeint ist), noce (ital. noce m. nufsbaum; aber f., wie
franz. noix = lat. nux), pero (ital. pero m. = lat. pirus,
franz. poirier, aber pera f. bim, iat. pirum n.) aut mehmn
(it. melo m., lat. malus f.) alienum inciderit (d. h. gutlat.
caederit, durch ein hauen fällt, abhaut) conponat solido
uno (acc, nicht ablat.). — Si quis ulivo (ital. ti/t0o, olieo
oelbaum) capelaverit aut socciserit (mit 8 nach dem ital.
statt succiderit) s. d. zeitschr. 1, 334. Scapellaverit (s ver-
muthlich aus ex), xoipfi Zachariae fragm. p. 78.
Den accas. plur. anlangend bemerke ich folgendes:
Wenn statt 6s in decl. 11 wir häufigem us begegnen , so
haben wir in dem u des letzteren unstreitig blofs eine ver-
dunkelte ausspräche des ö (also langes ü), und findet also
30 Pott
höchstens fbr das augc eine vermengung statt mit dem
nom. sing, auf us, worin u kurz ist. P. 104: Et si filius
(-os) reliquerit, habeant res ipsius in suo jure; et cui-
eunque filios (st. filiorum oder: filio?) post transacto
constituto (statt acc; nach abgelaufener frist) cautionis,
vinditionis, aut qualicumque (statt qualesc, vielleicht schon
i plur. nach it. weise) oblegationes (obligationes) de rebus
patris sui fecerent [-int], stabilem (etwa neutr. statt stabile,
bleibe das alles fest und gültig) permaneat, et devita pa-
tris vel sua persolvat (durch zurückfall in den sing.). —
P. 23: Nullus de adeersarius (acc. statt ablat.) illi aliquam
in itenere injuria[-m] aut molestiam facere presumat. —
P. 122: Qui aliquit de publice (von gemeinem eigenthume)
habit et per sexagenta annos quietos [d. h. doch wohl nom.
sing, quietus] possedit; wie ebendaselbst: si unus ex ipsis
— moriuos fuerit. Doch vergl. prov. ans = annus imd
annos, gegen an = annum und (nom. plur.) anni. Z. b.
p. lOÜ: Si qualiscunque causa inter conlibertus (statt ös)
aut parentis (-es) convenerit. Auch von -is (unstreitig i,
und nicht kurz wie im gen. sing.) gilt ähnliches. — P. 58:
Si quis gregis aequarum (greges equarum) — abstulerit. —
Als acc. statt abl. hinter präpp.: De eo qui sine heredi»,
moritur p. 53. Auch p. 76: Omnes toaregang (i. e. adve-
nae, waräger, mit verlust des vordem g in '-gang und
mit rhinistischem ae nach slavischem brauche), qui de ea>
terras (durch irrthum, als ob aus terra, mit doppel-r, vgl.
Dief., statt extorris) finis (fines; ital. fine m. und f., vergl.
Vesme p. 57) in regni nostri finibus (nach deutscher weise,
indem wir wo ankommen, statt lat. in locum) advenerit. —
Dagegen sind beispiele von bereits asigm atischer plu-
ralbildung nach ital. weise in masc. und fem. nur erst spär-
lich , und mögen zum theil sogar auf falscher Schreibung
beruhen. Vielleicht brächte man noch eher einige sigma-
tische (dem acc. plur. nahe kommende) formen aus I. IE.
zusammen, die etwa dem franz. plur. entsprächen. — Ein
-8 im nom. sing., z. b. herede-s (it. eredes.), um das thema
besser zu retten (als z. b. lat. heres), wird von uns öfters
roman. elemente in den langobardischen gesetzen. 31
angemerkt werden, und mag sich dem altfranz. sire und
sire-s, emperere und emperere-s, ja sogar in decl. I. roiue-s,
racine-8 im nom. sing, vergleichen. Diez altrom. sprachd.
8. 46. Bei Vesme p. 110: heredes legitimus patri suo
non sit.
Den dativ sehen wir öfters vernachlässigt, was aber
zum theil in veränderter rection (mit acc.) seinen grund
haben mag. Namentlich oft findet sich statt seiner ein
accus., wo ein rechtmäfsiger accusativ der sache daneben
steht. Z. b. p. 70: Si quis caeallum alienum (statt dativ)
aurem et oculum excusserit. S. d. zeitschr. I, 390. P. 32:
Si quis aldium alienum aut sereum tninisterialem (statt da-
tiv) coxa (ital. coscia, franz. cuisse) ruperit, et tivia (ti-
biam). Doch sehr häufig: Si quis alii oculum dgl. excus-
serit p. 28. Excutere (ausschlagen) auch z. b. dentes, wo-
für bei Zachariae p. 55: £dp ng irigcp oöovrag (cod.
döovra) kxßaXu^ ot kv yi?,(OTt^ (paveiev. Das sind im al-
ten griech. ot yskaaivoi^ in risu apparentis (nom. plur.) im
kap. de dentes priores (acc. statt ablat.; von den vorder-
zähnen) Vesme p. 28. Vgl. p. 34 qui in riso (ital. statt
risu) apparit [-et]. — Sonst begegnen wir nicht selten
schon dem stellvertretenden ad. Vgl. Diez III, 112, ausg. 1.
Wenn der richter kriegsdienste thut, non dimittat (lasse er
nicht frei von diesem) alios homenis, nisi tantummo dounum
cavallo (ital.) habent, hoc est (it. cio ^) homines sex, et toi-
lant (die sollen nehmen) ad saumas suas (zu dessen gepäck,
it. soma f. aus mlat. sagma^ ae statt ady^a^ als saumthiere)
ipsos (eben jene) cavallos sex. — Et ipsi homenis a4 ip-
8um judicem faciant per ebdomata (wahrscheinlich hebdo-
madam DC. statt hebdomadem, und, trotz des t, nicht wie
annata^ giomata im ital. Diez 11,291) una operas tres (drei
frohnen) usque dum (franz. jusqu'ä ce que) judex, ab exer-
cito [-u] revertitur. — P. 100: per sacramentum (eid) sa-
tisfaciant (sc. testes) princepi (principi) aut (also neben dem
dativ) a (d. i. ad) missom ejus (ital. messo botschafter), ut
ipsa veritas non obfuscetur (it. offuscare, verdunkeln). P.
104: faciat scire per judicem aut per missum suum (seinen
32 Pott
beauftragten). Ebenso p. 115: Manifestarc deveat libertus
ipse libertatem suam sepiusjudici et ad eicinos suos, quod
(statt acc. c. inf.) liber et absolutus esse videtur (hier nach
mittelalterl. sprachgebrauche eher: erfunden wird zu
sein, nicht etwa blofs scheint). — P. 144: In nomine Do-
mini noditia (notitia) qualiter jubit domnus (it. don aus
donno) rex ad omnis (-es) aciores $uos^ qui cet. Desglei-
chen: faciant noditiam ad duos vel tres parentes (ital. pa-
renti) p. 105, it. dar notizia, — P. 111: et fidejussorem
posuerit (wie lat. custodem, accusatorem ponere^ aber bor-
gen stellen ital. dar mallevadore, etwa weil er die bOrg-
schaft durch erheben der bände, levar le raani, leistet?)
et postea ad ipsum fidejussorem antesteterit (sich ihm wi-
dersetzt) aut pignus de manu tolerit (ihm das pfand aus
den bänden reifst, wegnimmt). — P. 123: Et si ad ipsos
testes non crediderit qui furtum querit (der sein gestohle-
nes pferd sucht). Kurz vorher testimonia persönlich: zeu-
gen. — De sororibus qualiter ima ad altera (-m, der an-
deren) succedat p. 89. — Ad (dies eig. überflössig, indem
der Schreiber zwei structuren vermengt) parentibus conp.y
d. i. zahle das sQhngeld an die altern (ihnen), p. 47. —
Nicht anders p. 133: Si quis Langobardus yoluerit in ßlios
SU08 sibi bene terf^ientibus aliqnid largiri (durch bevorzugung
mehr geben Grimm IV, 940 no. 2). Si quis liber homo ad
alium liberum hotninem consilium dederit peijurare p. 1 20. —
Femer p. 130: Si quis Langobardus habuerit — filia[m] lege-
timam unam, et, antea quam eas ad maritum (einem manne
zur frau) tradat (an den mann bringt) ad mortem venerit
(it. venire; zu tode kommen, bei uns nur von gewaJtsamem
tode), potestatem faabeat ad ßlias suas per cartola donationi«
(it. donazione; durch Schenkungsbrief), si voluerit, usque ad
qnartam portionem de rebus suis (st. genitiv) judicare (ital.
aggiudicare zuerkennen). Si vero duos ßlius legeiimus (acc.
plur.) habuerit, et filia una aut plures cet. Si vero pater
f>iventem (acc. abs., gl^chsam sc vivente, bei seinen leb-
Zeiten) eas -ad maritum dederit (verfaeirathet), ordinet eas
(verordne er in betreff ihrer, buchst, bringe sie, d.h. ihre
angelegenheiten, in Ordnung) juxta legem (gemäfs dem ge-
roman. elemente in den ItngobardiBchen gesetzen. 33
setze) qaaliter yoluerit. Etwas seltsam p. 137: Insoper et
addimus ut nee ad liberus homenis (-os, -es) eam ad ma-
riium absque ejus voluotatem dare presumat, dafs er auch
nicht freien sie dem manne (vielmehr: zur frau, ad oxo-
rem — d. h. als frau — tradiderit p. 46) geben , d. h. an
freie verheirathe. — P. 50: revertatur ipsa facultas (das
yermögen, welchen sinn neben anderen bedeutungen auch
noch ital. facoltä besitzt) ad parentes qui eam ad maritum
dederunt. — Auch wohl ähnlich gedacht mandet ad judi-
cem p. 112 und p. 49: Et illa potestatem habeat de duas
eias (von zweien wegen die wähl), vuU [etwa $i vult, aus
dem voraufgehenden schlufs-s; wolle sie nun] ad parentes
reverti vult [oder wolle sie, sive; daraus vel als imperativ
von velle bewährt] ad curtem reg%$ — »e commendare (sich
anbefehlen dem hofe; kaum: an dem hofe, dessen schütz
beanspruchen), qui mundium ejus [in ergänzt art. 196] po-
testatem debeat habere. — Das debeat hier, wie öfters,
z. b. auch p. 167 cap. II, f&r debet s. tempp. — P. 141:
si consilium aut licentiam (s. nom.) data fuerit ad mulierem,
obgleich bald darauf: qui ei (ihr) talem licentiam (erlaub^
nifs) et consilium dederit. Eben da: quia adhuc (etiam, noch)
major malitia est quando homo ad molierem (der ehefrau)
suam inlecitum consilium tribuit. — P. 140: non ei (feminae)
possit vero $uo (nom. ihr mann) qui eam tollit (der sie zur
frau nimmt) pleniter mefio (acc. art morgengabe) dare si-
CDt ad aliam puellam (statt dativ), sed tantummodo mediae-
tatem (it. medietä, frz. moitie) sicut ad viduam mulierem« —
Conponat medietatem regt medietatem ad ipsum puerolum.
Unter solchen umständen kann nach hinneigen zum ge-
brauche von de behufs zeitweiliger Vertretung des geni-
tivs (auch ablativ) im geringsten nicht uns verwundern.
Z. b. Si quis uxorem de servo vel aldione euo, vivente
ipso (ein weih seines sklaven oder leibeigenen, so lange
dieser noch am leben ist) tulerit zur frau nimmt p. 92.
Also freilich auch noch mit einmischung des im verbum
enthaltenen begriffes der wegnähme. — P. 131: In pre-
sentia de domino servi; um zwei genitive zu vermeiden. —
Zeitschr. f. vgl. sprachf. XIII. 1. 3
34 Pott
P. 115: Ek postea nuUo tempore ipse patronus aut beredes
ejus contra eura qai libertatus (zum freigelassenen, it. tt-
berto gemacht, wie clerigare p. llü) est querellas (auch
frz. querelle, aber ital. querela) possint movere (ital. muover
Ute ad alcuno^ einen procefs anstellen; p. 204 m. causa-
tionem, controversiam ) dicendo (indem sie sagen) quod
ei deveat obedire, pro eo quod sua sponte pro beneficium
de domino suo voluntatem ejus fecerat (dafs er fiQr die ihm
von seinem herm zu theil gewordene wohlthat der freilas-
sung von freien stücken dessen willen ausgeführt hatte),
set (sit) firmis et in sua permaneat libertas. Firmis^ ob-
gleich durch weglassen von einem striche leicht statt fir-
mus (it. fermo), kommt noch einmal p. 116 ut ßrmis sit
vor, und mag sich durch lat. firmiter stützen lassen. —
Wahrscheinlich weil man einen lat. gen. von einem frem-
den Worte, uud zwar vor einem zweiten gen., umgehen
wollte, p. 138: tradere deveat in manu (it. mano) de mun^
doald ejusdem femine. — P. 127: Si quis fream alienam
(die einem anderen verlobte oder geehlichte freie) sine vo-
lontatem de mundoald ejus (ohne ein willigung ab Seiten
ihres mundwalts) movere de casa (gewaltsam wegführen
aus dem hause) ubi inhabitat presumpserit, et alibi (an-
derswohin; d. h. wie nachher steht: sibi uxorem) duxerit,
conponat ille qui in caput est (der — als chef — an der
spitze der rotte steht, wie p. HO qui in capud fuerit) —
od mundoald ejus (zahle an ihn, ihm) solides numero
LXXX. — In Verbindungen, wie: Si quis alii digitum
de manu excusserit, dgl. p. 29, könnte eben so gut das de
manu (de pede) vom excutere abhängig sein: von der
band den finger abschlagen, als: den finger derselben.
P. 32 : Si quis aldium (statt dativ) — policem (ital. pollice,
franz. pouce) de manu (der band, oder: von der band) ex-
cusserit, conponat solides octo, exoepto (also ohne Verän-
derung des numerus, s. oben) operas (die bemühungen) et
mercedis (acc. plur. , und die belohnungen , den lohn ) me-
dici. — Auch digitum (acc.) de pede excusserit = it diio
del (mit art. gleichsam de illo) piede; was bei Zach. p. 59
roman. elementc in den langobard Ischen gesetzen. 35
bald als gen. rov noSog bald als ix xov nodog (vou dem
fuise herunter) übersetzt wird.
Wechsel von geschleeht und declination. Auf
einem irrthum beruhen mag der dativ eicinibus (vioinis)
p. 23, diaconibus p. 197, und de his fefninibus statt femi-
nis (kaum -äbus) p. 9 1 , wodurch es mit der gleichen form
zu femur zusammenfiele. Mit bemerkenswerthem öbergange
aus V. in I. (vgl. lat. materia und ies) im ital. facda ne-
ben fade. Eben so aber auch no. 80 p. 31: De plaga tu
fada^ wie die Überschrift hat, neben in fadem des textes.
Auch p. 33 in facia. — Desgleichen wie ös, ossis sich im
lateinischen zu ossum (griech. ooTiov; skr. asthi^ welchem
ein, dem gekürzten ös vorausgegangenes, allein nicht mehr
vorfindlicbes ""osse mit assimilation der muta entgegen
käme), auch in ossu nach IV. (woher das u in ossuculum
[dagegen ossiculum = span. huesecillo , franz. osselet] , os-
suarius^ ossuosus) erweitert zeigt: so p. 28: pro uuo osso
(ital. osso^ span. hueso^ doch franz. o«), ut unus ossus (mit
masculinarform) talis inveniatur; plur. ossa. — P. 66: De
retis (i. e. retibus). Si quis retis alienas (also fem., wie
schon lat. s. Freund) aut nassas levaverit (aufhebt, um die
fische für sich zu nehmen). — Si tertium digitum de manu
ezcusserit quod est (vielleicht nur: das heifst, und nicht
digitum als n.) medianum. Das wäre ital. fne:&zano , franz.
moyen^ obschon jetzt der mittelfinger bei den Italiänem
(vermuthlich nur wieder durch gelehrte herübemahme aus
dem latein) media heifst. Im ital. hat dito m. (digitus) im
plur., aufser dem regelrechten diti (digiti; mit verschluk*
kung des dem j nahe kommenden g zwischen den beiden
i; firanz. nach einer sigmatischen pluralbildung doigts)^ noch
ein fem. dita Blanc s. 151; Diez 11,25, z. b. leccarsene
le diiaj (sich) die finger wonach lecken, welches aber trotz-
dem einer neutralform seinen Ursprung zu verdanken scheint.
Daraus erklären sich dann die beiden gesammt-überschrif-
ten: De digita manus, de digita pedum p. 13. 29, welcher
die besonderen: De secundum, tertium etc. digitum nach-
folgen. Es kann letzteres aber der accus, im masc. sein,
3* .
36 Pott
und braucht nicht Deutrum zu sein, wofbr ohnehin hoch*
stens der doch wohl aus digitus deminuirte lat. pflanzeii-
name digitellum eine schwache stütze abgäbe. — Uebri-
gens hat der unterschied zwischen neutrum und mas-
culiuum, welcher ja ohnehin im latein nur auf die drei
gleichen casus (nom., voc. und acc.) beschränkt ist, in den
romanischen sprachen sich noch weit mehr, ja, mit aus-
nähme gewisser reste, fast ganz verwischt. Mafsmann, li-
bellus aurarius p. 13. Cum cornus (s. oben) statt comi-
bos; jedoch gedacht vermuthlich als acc. plur. in II., ital.
f conift, allein auch le corna, plur. von como m. Im la-
teinischen zu comu IV. als nebenform cornum^ woher der
gen. pl. cortiorum, — Quanquam hoc anterior (also statt
des comparativs auf -ins; it. anteriore) Edictus (it. editto
m.) continet p. 103.— Im italiänischen werden mehrere lat.
neutr. auf us nicht nach den cas. obl. , sondern nach der
form des nominativus umgewandelt, und zwar, indem
man die eodung o lauten lieTs, als gingen die Wörter nach II.
(vgl. lat. tmlgus^ was in N. A.V. als neutrum zu decl. III ge-
hörte, obschon unclassisch auch m., wie \i.tolgo). So p. 137:
Si quis admodum (gerade, in flagranti) inventus fuerit cum
uxortm alienam turpiter conversari (gleichsam inf. mit nom.)
id est si manos [-us] in seno (sinum) aut ad pectum (ital,
petto statt lat. pectus) miserit (hand anlegt; it. mettere in
geno in den busen stecken) — vel ad alium locum (lat
e. b. loci und loca geburtsglieder), unde (ital. onde^ wo-
her schände entsteht; wohl kaum statt wo) turpe esse
potest — qui hoc malum penetraeii (s. früher). — De bis
qui de inlecito matrimonio ante tempo (it. statt tempus)
nati sunt. — P. 215 wird tunc glossirt mit id est ad il*
kim (als wäre es m. für illud) tempus. Ital. in quel (lat.
iUe enthaltend) tempo^ all-ora (mit hora), dann (eigentlich
zu j«ier zeit). Dagegen al tempo^ al suo tempo zu seiner
(in der gehörigen) zeit. — Auch : Mox ipsum pignum (ital.
pegno m. lat. pignus n.) relaxit p. 58, d. i. ital. rilasdare er-
lassen, z. b. eine schuld. — Et postea ipse furtus (der ge-
stohlene gegenständ, auch lat, furtum^ it fürt o diebstahl)
roman. elemente in den langobardiscben gesetzen. 97
aput alium hominem inventus fuerit p. 115. — Cancilios
(statt lat. a, versammlangen) facere et seditionis [-es]. Ca»
pitulum istum (istud) p. 126. Item alio (aliud) kapitolo p.
54 vgl. p. 74. — P. 157: Quia incertos est homo quid ei
superveniat (was ihm — sibi — zustöfst?) aut qualem (statt
quale) mandatum suscipiat de nos (statt nobis), aut de terra
istius ubi oportunum fuerit caballicare (d. h. wohl nicht: a
nobis, sondern: in betreff von uns oder von dem lande
dessen, wohin es passend sein möchte zu reiten). — Pc-
cuHus (ital. pecti/to m., alt pecuglio) p. 66 gegen 18, wo
noch das richtige peculium. Dort: Si cavallus aut quis-
levit pecuUua (oder sonstiges vieh, statt quodlibet aliud
pecus) in clausura (verschlossener bezirk, fenz, auch im
ital., franz. cldturej jedoch auch chiostra) alterius intus
saliendum (statt des ablat. auf -o, durch hineinspringen,
oder schon dem ital. gebrauche des gerundiums angemes-
sener, indem es in den verschlufs von aufsen springt) se
impalaterit (sich aufpföhlt; ital. impalare, aufspiefsen), non
reddatur (wieder erstattet, ersetzt) ab ipso cujus sepem (ir-
rig statt nom., ital. siepe) est; et si ab infra (von innen;
ital. innerhalb, zwischen, unter, aber: von innen, di dentro.
Keinesfalls lat. intra) in foris (ital. in fuori hinauswärts)
salierit cet. Hier: Si homo aut quolivit (quodlibet, mit
aufgeben des neutralen d) peculium in sepe alterius se im-
pegerit u. s. w. Aber wieder p. 69: Si animales*) aliefmi
animalem (lat. animal) occiderit aut intrigaverit (verletzt?),
id est boee-s (s. oben; vgl. lat. bovis statt bos = it. bue)
bovem aut quisleeit (ungewöhnlich auch mit s statt quili-
bet) peculius, tunc dominus qui animalem suum intrigatu[m]
invenerit aut forsitan jam marcitum (wohl im sinne von
marcens; kaum, wie ital. marcito, „verfault^?) aut minua-
tum (verstümmelt? Vgl. ital. menovare und menomare^ ver-
ringern, von nienomo, lat. minimus), jobemus**) consignet
*) Ital. animale m., welchem der Schreiber wohl wieder, und zwar hier
zur Unterscheidung von Subjekt und objekt, die männlichen ausgänge -s und
-m lieh. — Ueber die plur. feminalbildung davon Diez II, 19, ansg. 1.
**) Im Cod. Epored. p. 216 glossirt durch comantlamus ^ d.i. ital. co-
mandare, franz. Commander. Das sind compp. mit mandarey auftrag geben,
38 Pott
(statt acc. c. inf.; ital. consegnare^ einhändigeQ, zustellen,
geben) ipsutn intrigatum illi cujus animale (ital. nom.; des*
sen thier das seinige) intrigavit, ut semiles^ qualis in illa
diae (die, und zwar mit unnöthigem in) fuit, quando frct-
giatus est, recepiat (ital. ricevere) ab ipso cujus animale
hoc fecit. Ital. simile m. gleiches, ähnliches, was von ei-
nerlei gattuug ist. Man begegnet nun dem ausdrucke se-
miles (kaum plur., indem der gesetzgeber an die öfters
vorkommenden fälle dachte, sondern, der verm. sogen, no-
minativeudung zum trotz, accusativisch) oft genug in den
langobardischen gesetzen. Es wird damit gesagt: es soll
etwas von der gleichen art und gleichen werthes von dem
straffälligen zurückerfolgen. Es steht p. 68 und Notae p.
328: fragiaverit) Ma. et frajaverit^ Csly. fralaverit. Wir
lesen nämlich im Edict. no. 315: Si quis cervum domesti-
cum, qui tempore suo rugire (ital. ruggire) solit (mithin
schon erwachsen genug ist zur herbstzjeit in brunst zu
kommen) fragiaverit^ conponat dominum (dativ) ejus soli'
dus [-os] duodicem; nam (jedoch) si furaverit, in actogild
(neunfach) reddat. Hingegen in der folg. no.: Si quis cer-
vum alienum, qui non (d. h. noch nicht, nondum) rugierit,
intrigaeerit. Letzterem synonym ist also unstreitig fra^
giaeerit u. s. w. für debilitaverit, fragilem (\tB,\. frale statt
fragile^ gebrechlich, frz. frile^ altfrz. fraile) reddiderit. Vgl.
noch it. infragilire gebrechlich, kraftlos werden. Die zah-
men hirsche anlangend mufs bemerkt werden, dafs diese
nicht zum blofsen vergnügen gehalten wurden. In Roux'
Dict. nämlich finde ich als technischen ausdruck : cerf esti-
laire, zahmer hirsch, den man ins holz läfst andere zu lok-
ken. Das ist nun offenbar der extelarius (extra teli peri-
und defshalb im grnnde blofs neue abklatsche von dem alten, durch umlaut
abgeänderten commendare y empfehlen (vergl. mit: befehlen). Ahd. bifelhan
Graff III, 609. Mandate ähnlich wie bei uns: an die band (gleichsam zur
annähme; jedoch nicht: in sie hinein) geben, für: anrathen, und „untern
fufs geben'*, gleichsam heimlich so dafs der andere daran stöfst und es
fühlt. Vgl. auch suppeditare als freq. Uebrigens ist mandaref so darf man
vermuthen, aus einem comp, gebildetes parasyntheton, da es, ungleich dem
mit dare zusammengerückten venundare, perf. und sup. ganz wie in conj. I
hat.
roman. eleinente iu deu langobardischen ge«etxen. 39
culum habeDdus) im Cod. Fuld. der lex Salica ed. Laap.
p. 89 vgl. DC.
Eio beispiel, wie man lateinische neutra pl. auf a, ver-
möge dieser endung, ins feminin um umschlagen zu lassen,
der Verführung nicht widerstand (Diez II, 19. 25), liefert
p. 76: NuUus camphio (kämpfer; von lat. campus s. Diez
etym. wörterb.) presumat, quando ad pugnando (acc.) con-
tra alio (acc.) vadit, herbas ((pciQuaxa, zaubermittel), quod
(dergleichen was) ad maleficias (weiterhin ad maleßcicun;
lat. maleficium, Zauberei) pertinit, super se habere ^ franz.
acoir sur (aus super, gleichsam auf, an seinem leibe) «ot,
ital. aver indosso (eigen tl. in dorso, auf dem rücken), bei
sich haben. — Ferner im tit. 37 p. 67: De arma heifst
es: Si quis armam $uam simpliciter (ohne alle nebenbe-
dingung, mit der waffe etwa jemandem ein leides zuzufügen)
prestaverit (statt praestiterit), et ille qui acceperit aliquid
mali cum ipsam (instrumental) fecerit. Diez 11,20. Ital.
arme und arma f. waffe, gewehr; im plur. arme (wie nach
lat. I) und armi (nach weise der masc. in II).
Noch ganz besondere rücksicht verlangen die baum-
namen, welche, in widerstreit mit dem latein, die roma-
nischen sprachen mannichfach als männlich behandelten.
S. meinen artikel : geschlecht (grammatisches) in Brock-
haus encykl. s. 454. Wir haben auch bereits oben unter
accusativ mehrere benennungen von bäumen berührt. Schon
der generalname arbor ist männlich geworden im franz.
arbre und ital. (mit dem zusatze -o, als ginge es nach lat.
decl. II.) alber o^ wie rovero (robur). Im Edict. Liutpr.
p. 125: Simili modo et qni ad arbore quam (fem.) rustici
sancHeum (also m.; s. jedoch bei DC. arbor sacriva^ was
kaum sacrifica) vocant atque ad fontanas adoraverit. Viel-
leicht mit dem ai blofs dem in adorare zu liebe, oder,
wie im spanischen, für accusativ. Die quellen anbeten,
oder bei ihnen die götter verehren? Ferner p. 19 als ti-
tuli: Si quis de arbore signato apis (waldbieuen) tolerit,
und Si quis de arbore signato aceptores tulerit (abstule-
rit). Das signato (mit einem eigenthumszeichen versehen?).
40 Pott
Ueber acceptores (ital. astore, habicht, taubenfalk) 8. meine
nOtym. legenden^ im Philologus, 8uppl.-bd. II, hefl 3 s. 260.
Anch p. 37: De arbore communiter inciso (der gemein-
scfaafUich von mehreren abgehauen vrird) hominem quem
occiserit. Es fehlt vermuthlich ei vor dem ablat. gedachten
hominem, oder si?. Sonst mOfste quem statt qui (sc. quae ar-
bor) auf den bäum gehen. Auch ital. uccisi und incisi haben
im prät. s. Vgl. weiter: Si duo aut tres aut plures ho-
mines arborem unum (m., und wohl schon mehr als unbe*
stimmter art.) inciserent^ et alium hominem supervenien-
tem et ex ipsum arborem (statt abl.; und zwar durch den
bäum) oceiderent (uicht conj. impf., sondern noch als re-
gelrechter eonj. perf. mit Verdunkelung des letzten i zu e)
aut qnodlibit damnum (jede andere beschädigung) fecerent
(fecerint): tunc incidentes arborem quanticunque (statt quot-
cunque) fuerent, ipsum humicidium aut damnum pariter
conponant (sQhnen, bufse zahlen). Vgl. p. 7: et habita-
verunt in Rugilanda annos aliquantos (aliquot). P. 90 no.
19 vgl. p. 1U4: De (ital. di) quanti anni (also unflectirt)
Sit legitima aetas. Fast ganz italiänisch, wo anni, d. h.
jähre, vom alter einer person, di anni fbr: alt (vgl. annoeo,
bejahrt), und quanti anni avete (wie viel jähre habt ihr)?
fbr: wie alt seid ihr? in gebrauch ist. Puella satis belta
et quae non plus quam Septem annos habere videbatur.
Petron. ed. Gabbema p. 37. P. 66: Si qnis rotere (ital.
rotere, woher der familienname Della Rotere, und zu r»^
tero nach II. erweitert, beide m. statt des neutr. lat. ra^
bur) aut cerrtim (ital. cerro m. zirneiche) seu (d. h. durch-
aus nicht, als synonym damit, sondern so gut wie aut)
quercio (fQr quercum, als dritte eichenart), quod est mo-
dola (s. Qrimm, myth. s. 769), hisclo (unstreitig aesculum
mit i statt ae und, wie öfters, vorgesetztem überflüssigen h
8. Orimm gesch. s. 696; GraflPII, 707) quod est fagia (bu-
che) — — ticinos (vicinus, ital. vicino, vielleicht mit wie-
derheranziehung des lat. *s im nominativ) ad ticmum (als
naohbar bei dem nachbar; entgegengesetzt dem reisenden,
welcher sich etwa holz zu einem feuer haut) incideri^ (nicht
roman. demente in den langobardischen geseUen. 41
blofs einschDeiden , sondern hier: durch hineinhacken ftl-
len) "^ Ueber die Umsetzung vieler romanischer baumna-
men ins masc. s. Diez JI, 21. Dazu kommt eine bildung
derselben aus adjektiven auf -eus, nach dem müster voa
laurea^ t>inea (statt vitis). In dieser weise bei Diez II, 244
faggio (aus fageus) buche, schon nach neuem stil, wo ar-
bor männlich ist, während nach altem oben fagia (statt
fagea, sc. arbor) als f. Diez et. wtb. s. 136 ausg. I. Um-
gekehrt steht an gleicher stelle dort quercio (aus queroeus)
trotz ital. qnercia und querce f. (an stelle von lat. quercus,
US, indefs auch querci), wie Diez etymol. wörterb. s. 426
richtig hat (vermuthlich aus versehen in der gramm. quer-
cio mit o). So setzt auch firanz. chine (chesne) Diez et.
wörterb. s. 593, gleich it. quercmoh m. (kleine junge eiche)
ein anderes adj. (ital. querdno, eichen; lat.^ mit unterdrök-
kung von c, quemus) voraus. Ganz gleicher bildung hat
Calpurn. Ecl. 2, 59 faginus subst. für buche. Da man q>ri^
yoq fQr Quercus esculus hält, und nicht eigentlich fbr
unsere buche (s. Passow), obwohl diese Wörter sich ety*
mologisch decken: bin ich meiner erklärung von hUch als
aesculus vollkommen sicher.
Comparativ.
Aus dem Gloss. Epored. bat Vesme p. 220 plus cn^
deliter (quam viri p. 146*)) i. plus male. Das entspräche
also der italiänischen weise, den comparativ mittelst vor-
setzen von pttt, {ranz, plus zu bilden, was, da plus im la-
teinischen vom unterschiede in der quantität gebraucht
wurde, gegen magis (mehr — der qualität nach) an gOte
zurAcksteht. Uebrigens besitzt för das zweite der Italiä-
ner noch sein peggio (auch adv.; lat. pejus). Beachtung
*) Ebenda: cum ad not perveniaeit, was sich auf kdnig Liutprand be-
zieht. Wenn nun das Gloss. Epored. p. 220 dies mit sire glossirtf so itt
gar verführerisch, dasselbe, obschon also dort nicht anrede an den konig, doch
dem, sonst überaus gekürzten tnnz, Sire (nach Diez etym. wörterb. 8.818
ans Senior) gleich zu setzen.
42 Fott
verdient aber in unseren gesetzen aulserdem noch inson-
derheit die Verwendung von de hinter comparativen, welche
in den romanischen sprachen ihren wiederhall findet und
in dem lat. ablative mit gleichem gebrauche seine quelle
bat, um den gradunterschied (von einem der ver-
gleichspuncte ab, diversus ab — ; also nicht eigentlich =
quam^ d.i. in welchem grade) zu bezeichnen. Die bei-
spiele sind meistens der art, dals von einer .zahl die rede
ist kleiner oder gröfser als eine andere. So p. 73: Si
porcus (etwa der sing, collectiv gedacht als schweinevieh
statt porci) in isca (ital. esca speise, lockspeise; hier wohl
weide und mast, z. b. von eich- und buchnössen) alterius
(it. d'altrui) paverent et inventi fuerent (statt -int), si ntt-
nu8 sunt de decem (it. meno di diece), non (ne) occidatur
neque unus (ital. niuno^ n-ess-uno^ was überdem noch esso
aus lat. issus statt ipse einschliefst) ex ipsis sqq. Man
beachte die doppelte, einander keineswegs aufhebende ne-
gation Diez III, 386. Nam (jedoch) si supra fuerent de
decem (superior, anterior u. s.w. auch mit ad^ also dati-
visch; Diez III, 124 ausg. 1) et usque ad decem, occida-
tur unum mediocrem (f. nom.; eins der mittleren art); nisi
si minus fuerint de decem ^ et occiderit (und dennoch —
der besitzer der esca — es tödtet), reddatur ferquido. Vgl.
p. 70: et reddat ei ferquido^ id est semilem (ein stück von
gleichem werth; rem cousimilem p. 112, p. 138: semilem
modo, auf gleiche weise, it. similmente). Auch p. 73: Si
minor grex de trigenta capita fuerit, weniger als 30 köpfe
stark. — Desgl. p. 120: Et si minus de tricentus (acc. pl.
auf -US, f. abl.) solidis fuerit ipsa conpositio, consiliaior
(der anstifter; it. consigliatore , rathgeber) conponat soli-
des XL.
P. 109: quantu [-o] magis devit (franz. doit) causa
Dei et sanctae Mariae amplerior esse. Der comparativ
statt amplior, mit r wie in plerique und dann zum Qber-
flufs magis.
roman. elemente in den langobardischen gesetzen. 43
Pronomen.
Hervorheben will ich hier vor allem, dafs iste an die
stelle von hie (dieser) gerückt scheint im gegensatz zu ille
(jener), also wie ihn im ital. questo und queUo (beide vorn
mit ecce^ wo nicht mit Ate verlängert) darstellen. Vergl.
insbesondere p. 133: Si vero per XXX dies isia parte
Älpe^ aut per LX dies illa parte Alpis (ital. le Alpi; kaum
hier der sing. Alpis neben Alpes im latein) dilataverint
(verschieben, zu differre), et non recollexerint (sc. pignus),
wie ricogliere (prät. ricolsi) unter anderem auch vom pfand-
einlösen (in die eigne band zurück; auch auslösen,
nämlich aus der fremden. Vgl. eingeladen, ausgebeteo
sein). Ital. da questa parte, auf dieser seite; dt qua dal
fiume dies seit des flusses; aber da gtie/Za parte auf jene r
Seite; di lä (illa parte, franz. Id) jenseit. Der gesetzgeber
selbst verweist auf das ähnliche gesctz rücksichtlich der
frist zu einbringung flüchtiger sklaven p. 126: Modo (jetzig
im gegensatz zu: jam antea) vero ita prospeximus (haben
wir so — durch das gesetz — vorgesehen), ut si fuerit
in Beneventum (ital. in Benevento, Stadt im alten Samnium)
aut in Spoleti (d. h. in Spoleto, einer Stadt Umbriens, die
lat. Spoletium oder Spoletum hiefs, und nach lateinischer
weise im locativ Spoleti stehen müfste, ohne das unnöthige
in), habeat spatium dominus ejus in mensis [-es] tre$ (frist
auf 3 m.); quod si fuerit intra (ital. dafär mfra) Tuscia^
habeat spatium mensis duo (ohne: in); et si fuerit ista
parte Alpe, habeat spatium (st. -i, zur durchsuchung) in mense
(ital. mese) uno (auf einen monat). Unter Alpen sind hier
wohl die A penninen oder Abruzzen (von abruptus?) za
verstehen,- und sehr natürlich ftllt auf die dem hauptsitze
der Langobarden, Pavia, näheren provinzen die geringere
und auf die entfernteren eine viel längere frist.
Aufserdem will ich jetzt zur beleuchtung der wieder-
gäbe unserer ausdrücke: selbander, selbdritte (wo,
den einen besonders hervorgehobenen mitgerechnet, ihrer
drei, also, aufser ihm, noch zwei da sind) u. s. w. mich
44 Pott
wenden. Adelung hat im glossar unter: Sibi au8 der Lex
Frision. t. t. 1 §. 9 : sibi duodecimus juret, selbzwölfte, dgl.
Vesme p. 74 im Edict. Roth. 359: sibi sextus (selbsechste)
jarit ad (auf) arma sacrata; tres (3) ei nominit qui pulsat
(der kläger), et duos (2) sibi elegat (eligat) qualis [-es]
voluerit qui pulsatur (der beklagte) et sextus sit ipse (1).
Ebenso: sibi tertius juret. Bei v. Richthofen, altfris. wtb.
8. 1004: ki seif tredda (er selbdritte, er und zwei andere).
— Vgl. über den ähnlichen gebrauch von tnet (unstreitig
statt semet)^ z. b. met-tertius (selbdritte) Grimm III, 13;
Diefenbach Gloss.-Lat.-Germ. p. 359 yfmet-unus selballein^,
ja met-rotus (sicherlich mettotus zu lesen, und zwar totus
zur wiedergäbe von all in dem deutschen worte) alleyn
selber^. Im Boethius smetessma (aus semet-ipsissima; frz.
mesme, mSme, it. medesimo) Diez altrom. sprachd. s. 65.
El Embaxador de simismo (der abgesandte von sich
selbst) eine comödie von Lope de Vega Carpio nach Le
Sage, Gil Blas th. IV. Berlin 1785, s. 77. — Desgleichen
znr bezeichnung von -fach, wo etwas mehrfach erstat-
tet werden mufs. Z. b. p. 39: In treblum (it. triplo; vgl.
franz. double) restituat ea (casam) quod est sibi terticun
(wohl: -um, das dreifache). In solcher weise kommt nun
aber in den langobardischen edicten ungemein häufig sibi
nanum (z. b. Edict. Grimoaldis) oder actogild^ entweder je-
des allein oder beides zusammen vor, in welchem zweiten
falle das eine die blofse erläuterung ist vom anderen. Vgl.
also z. b. p. 7 1 : Si quis cavallum alienum preserit (statt
prehenderit; das prät. im ital. presi und prendei)^ ipsum-
que disßguraeerit et cercinaeerit^ furto pena sit culpavelis
(ital. colpevole schuldig, strafbar, auch colpabile^ frz. cotH
pabfe), id est in actogild sibi nonum. Der sei schuldig
(etwa wie dignus mit dem ablativ construirt) der strafe
(poena, ital. pena) des diebstahls (kaum jedoch statt gen.
= ital. dt furto ^ sondern gleichsam de furto, wegen dieb-
stahl). Actogild erklärt GraffI, 137. 192 als „acht-geld**
aus der zahl „acht^; und er hat darin, auch abgesehen
von der vielleicht blofs latinisirenden Schreibung octogild^
roman. elemente in den langobardischen gesetsen. 4S
ohne alle frage recht. Und darf man sich nicht dnrch
gegentheiligen schein beirren lassen. Auf ahd. ahta (me-
ditatio, aestimatio) — etwa als vervielfachte summe des
absch&tzungs-werthes — ; oder an dhta (persecutio,
woher unser: acht, proscriptio) — nur gezwungen als et-
waiges geld der (gerichtlichen) Verfolgung — wfirde
man nur äufserst ungeeignet rathen. Entscheidend, aufser
dem sibi nontifft, ist insbesondere auch noch gerade das o
in actogild. Spiegelt sich ja noch deutlich darin der schluis
von ahd. ahto (goth. ahtau mit au, wie skr. aifdu, lat.
octo)^ wie in ahto-zog achtzig; und mag dies ein grund
mehr sein zu anderen, die Grimm auffindet, das langobar-
dische dem althochdeutschen nahe zu stellen. In duplum
actogild kommt sogar p. 116 vor, wo es sich freilich um
königliche Sachen handelt. Die lesart actigilt Vesme
p. 362 ist augenscheinlich schlechter und beruht, muthmafse
ich, darauf, dafs man sich rQcksichtlich des t zwischen
compositionsgliedern nach dem latein richtete. Wie soll
man nun den unterschied der zahlen 9 (sibi nonum) und 8
(in dem germanischen ausdrucke) sich vorstellen? Ich
meine: es wird, als Steigerung von 3, das neunfache
gerechnet. Nämlich aufser wiedergäbe z. b. des pferdes
in natura oder seines einmaligen preises mufs noch über-
dem die werthsumme vermuthlich acht (fcJglich der gan-
zen summe nach neun) mal gezahlt werden; nicht — mir
unglaubhaft (woher sonst das: sibi nonum?) — blofs acht-
malj das pferd, oder seinen geldeswerth, mit eingerech-
net. — Disßgurare^ dies hier sogleich mit zu erledigen, ist
ital. sfigurare. Allein schwerlich im sinne von: «hager ma-
chen, abzehren^, sondern in dem auch üblichen: „verun-
stalten^; und zwar wird eine durch rofstäuscherkünste
bewerkstelligte Verunstaltung gemeint, um betrOglioher weise
das thier unkenntlich zu machen. In: Cambire (ital. cam»
Mare, frz. changer) i. circinare^ bei Diefenbach Gloss. Lat.-
Germ. hat das zweite verbum diese bedentung (weebsdn,
tauschen) wohl von der des kreisens entnommen, die es
im latein hat, wie ital. cireolare (von einer band in die
46 Pott
andere gehen) z. b. von circularschreiben gebraucht wird.
Das eireinare weist also hier vermuthlich auf (vieileicht
mehrmals wiederholten) Umtausch des weggenommenen
pferdes gegen ein anderes hin, und nicht etwa blofs als
Unterart vom disfigurare auf etwaige abänderung der färbe
des thieres. Ich wQfste in letzterem betracht auch nicht,
durch welcherlei mittel das geschehen könnte, obschon: in
furtum pimcerit in der lex Salica allenfalls auf so etwas
leiten könnte, an dessen stelle jedoch die lesung punxerU
(ein — anderes — eigenthums-zeichen einbrennen) ungleich
gröfsere Wahrscheinlichkeit für sich hat. S. Höfers zeitschr.
III, 147. Vgl. Vesme p. 25. Grimm gesch. s. 695: Wala-
paw6 est, qui se (ital. se acc; peusar a se an sich den-
ken; hier fQr lat. sibi) furtim vestimentum alium (statt
aliud; ein anderes, als er zu tragen pflegt) induerit, aut
se (d. h. sibi) caput latrocinandi animo (absieht) aut faciem
transßguraverii (entstellt, also wohl durch Schwärzung,
maskirnng u.dgl.). Aus dem Gloss. Matrit. p. 233: £oa-
lapau:^ {lege Walapauz) u e. violenciam quam disfigurando
(kaum: durch vermummung, sondern, gemäfs der ital.
Verwendung des gerundiums: indem man sich vermummt)
fecerit. — P. 57: Si quis sine jussionem aurum figuraverü
(d. h. wohl kaum: goldarbeiten fertigt, sondern: gold mit
falschem werthstempel — figuren — versieht; vgL pietre
ßgurate^ gebildete steine) aut moneta conßxerit^ manus ei
incidatur (werde abgehauen). Schwerlich zu ital. conftg-
gere^ prät. conßssi^ nageln, was nicht „münzen schlagen,
batter moneta^ sein wird, sondern aus lat. confingere^ ver-
fertigen (hier zumal: falsches) trotz dort mangelnden na-
sals, welcher von conßnxi^ ital. ßnsi (aus fingere) verlangt
würde. Bei Zach. p. 73 : kdp rig xQ^^^v x^Q^^V ^^^ ^^'
Wohl durch falsche analogie haben quicunque^ quili-
bei zuweilen ein quis vorn erhalten. So p. 128: Si quiS"
cunque (an stelle des sonst alleinigen quis) liber homo an-
cillam suam pro religionis et munditiae (reinigung von
eflnden; oder mit dem gelflbde der keuschbeit?) causa
roman. elemente in den langobardiscben getetzen. 47
vestem religiosam induerit (dopp. acc. statt alicui vestem,
oder aliquem veste), ut ei, sicut consuitudo terrae aestius
(iatius steht statt hujus, nostrae) est, inferendam (vgl. tri-
butum quod fisco infertur DC.) aut oblationem per loga
(loca) sanctorum deveat deportare (dafs sie für ihn, ei,
einen tribut überbringen solle; kaum: ihm von dort).
Ebenda: De gentile ancilla (welche menschen — ital. gente
leute — angehört, weltlich, sonst secularis) und Dei an-
cilla. Si provata causa fuerit per presteterum (presbyte-
rum, als ob darin eetero läge, wie im griechischen worte
ja allerdings der begriff: alt enthalten ist) — quomodo (frz.
comme^ ital. come^ wie) ipsa (selbige) vestem religiosa (so-
wohl accusativ als ablativ pafste) induta est. — P. 72:
quislevit peculius, jedwedes sonstiges vieh. Quislieet homo
p. 146 Si quislibet Langobardus p. 99. — Sogar hisdem
för idem p. 144. — P. 54: in manum altert (statt -ius)
homenis liberi ist gleichsam regelrecht gemachter genitiv
nach II., wie der dat. sing. fem. alterae statt alten. Da-
gegen p. 22 : Si quis homo liber in alterius morte (statt
accus.; zu etwas) consiliacerit (it. ohne präp. consigliare
una cosa, firanz. eonseiller) — tone ipse cansiliator (it.
consigliatore) conponat. Alter ganz wie ital. altro^ franz.
autre (doppeinng s. 160), was sich als umfänglicher und
gewichtvoller an stelle des winzigeren alius (ein anderer,
unter mehr als zweien, worauf sich das comparativiscbe
al-ter beschränken sollte) gesetzt bat, p. 79: Si quis ho-
minem liberum impegerit (stölst) ut cadat, si alteram le-
sionem (keine andere Verletzung) in corpore ipsius non jfe-
cerit. Dagegen p. 74 sogar alio (aliud, vielleicht mit Weg-
fall des d vor t) tantum frugis anstatt des lat. altenim tan-
tum (das doppelte, sonst mit dnplum wiedergegeben)^ wie
auch p. 60 steht. Nam quod a no«tris deceMoribos cui-
cunque datum est, stavili (w statt h) crdme volumus ^ftT'
mauere sicut et ühtm fillndj quod wm dedUntm aut in an-
tea (it innanzi) dederemns ffat. ex. statt -ioius; p, Hß.
Mit einer gewissen vermenguog p, HO: Si — alieri bomi*
nes de aliera driude (hier noch rathf c^ßmpMruüwkehi d«s
48 Pott, roman. «Wmente in den Uwgobwditelien getetwn.
einen) contra aliam (gegen eine, nicht nothwendig die,
andere Stadt) ciTitatem — seditionem fecerit — P. 109:
aut ipse (ipsae) $e (it. n, se statt sibi) elegant religionia
habitu (it abito^ franz. habit Meid, anzug). Ebenda: ma-
ritum $e (statt sibi) copolaverit; aber p. 135: Si infans
mbi maliere[m] copulaverit.
P. 204: inicum (iniqnum) et reprehensibilem (statt
neutr.) videtur ut quod omnes de suis retinent yiris, ali^
quante (einige, aliqnot) mulieres pro incnria aut aliqna oe-
cideniia (it accidenza und accidente Unfall) amittant. Ebenda
umgekehrt und verdreht genug: infra tot (tantum) spa-
tium, was sich auch nicht mit tdtus (der sovielte), eher
da es sich um ein jähr handelt, durch wegfali von diemm
entschuldigen liefse.
Pott.
(Fortsetzung folgt.)
Kuhn, indische und germanische segcnssprtiche. 49
Indische und gennanische Segenssprüche.
Dafs die indogermanischen Völker mit den sprachen
seit der urzeit auch eine nicht geringe zahl von mythi-
schen und religiösen Vorstellungen, die grundlagen von sitte
und rechte gemeinsam haben, ist wohl jetzt schon als eine
nicht mehr bestrittene thatsache anzusehen; in je ausge-
dehnterem maafse sich die forschung diesen dingen zuwen-
den wird, in um so gröfserer ausdehnung wird sie sich
bestätigen und uns allmählich ein immer klareres bild von
den zuständen, die der Völkertrennung vorhergingen, ge-
winnen lassen. Im folgenden will ich zu zeigen versuchen,
dafs es selbst noch möglich sei, Qber die gränzen des ein-
fachen oder zusammengesetzten wertes hinaus sprachreste
oder, wenn man will, litteraturreste nachzuweisen, deren
mit dem religiösen glauben der vorzeit in den unteren
schichten des volkes festgehaltener inhalt es möglich machte,
dafs dieselben sich bis in die zeiten nach der Völkertrennung
und selbst bis auf die unsrigen erhalten haben. Mir sind von
derartigen resten der Übereinstimmung bis jetzt hauptsächlich
zwei gattungen entgegen getreten, nämlich die räthsel, so-
fern sie namentlich himmlische dinge, weltschöpfung und
ähnliches behandeln und die segensformeln zur bannung
von krankheiten. Beide habe ich bis jetzt nur bei Indern
und Germanen in solcher Übereinstimmung gefunden, was
leicht erklärlich ist, da diese gattung der ältesten litteratur
nur bei diesen eine sorgfältigere aufbewahrung gefunden
hat. Die räthsel hoffe ich ein andermal zu besprechen
und will nur bemerken, dafs sie bei beiden Völkern eine
sehr weit verbreitete form der darstellung gewesen sein
müssen, die wohl ursprünglich allen gemeinsames gut war,
daher auch den übrigen stammen noch später nicht gefehlt
haben wird. Wie wir diese form in den eddischen liedem
sowohl als noch in den heutigen volksräthseln finden, so
tritt sie in mindestens gleichem abstände der zeit in den
vedischen liedem und im Mahäbhärata uns entgegen, und
das läfst mit Sicherheit vermuthen, daCs diese zeitlinien
Zeitschr. f. vgl. sprachf. XIII, 1. 4
50 Kuhn
über beide ältesten punkte noch hinaus zu verlängern
seien; doch davon später. Die letzteren, nämlich die se-
gensformeln zur bannung von kraukheiten, stimmen, und
zvrar ebenfalls nur, und aus gleichen gründen, bei Indern
und Germanen, nicht nur in zweck und inhalt, sondern
auch in der form zum tbeil so merkwürdig zu einander,
dafe man in ihnen unbedenklich die reste einer art poesie
erkennen mufs, welche den inhalt zu gewissen zwecken
bestimmter segenssprüche bereits zu einer festen form aus-
geprägt hatte, die sich nachher durch alle daraus hervor-
gegangenen formein bis auf die neueste zeit hindurchzieht.
Indem ich mich zu dem ersten dieser Sprüche wende,
der hier näher betrachtet werden soll, kann ich nicht um-
hin an dieser stelle dessen zu gedenken, der diesen for-
schungcn nicht nur auf deutschem, sondern in weitester
ausdehnung auf dem ganzen indogermanischen gebiete nach-
zugehen und durch sie unvergängliche Zeugnisse der ge-
schichte herbeizuschaffen wufste. Wie sehr hätte ich ge-
wünscht, dafs auf diese blätter noch das äuge Jacob Grimms
gefallen wäre, dem ich noch im august die Übersetzung
des ersten vedischen Spruches zu seiner freude mittheilen
konnte I Er sollte die erfüllung meines Versprechens, den
Spruch bald zu bringen, nicht mehr erleben, was ich am
so schmerzlicher empfinde, als er, wie es seine art war,
die Übereinstimmung bald aus der fiille seines geistes und
Wissens weiter und tiefer begründet, neue, kaum geahnte
blicke von ihr aus eröffnet haben würde. Wie bald sollte
an die stelle dieser wünsche und hoffnungen der der indi-
schen Schrift treten:
Umhüir ihn erde, wie den söhn
die mutter hüllt in ihr gewand!
Doch, dafs das einst so kommen müsse, wufsten wir, ehe
wir an der gruft standen, darum wandten wir uns von der
Deutschland heiligen statte, an der zwei herzen ruhen, die
ihm wie einander mit seltener treue schlugen, mit dem
tröste, dafs wenn auch immer uns die ihnen zugemessene
lebensfrist noch zu kurz erschien, doch das leben, das sie
indische und germanische segenssprüche. 51
gelebt, köstlich war^ sowohl fQr sie selbst als f&r das ganze
Volk, das ihrer nie vergessen wird.
1) Gegen Verrenkung.
Phol ende Uuodan
vuorun zi holza.
du uuart demo Balderes voIon
sin VU03 birenkit.
thu biguolen Sinthgunt,
Sunna era suister.
thu biguolen Friia,
VoUa era suister.
thu biguolen Uuodan,
so he uuola conda.
sose benrenki,
sose bluotrenki,
sose lidirenki;
ben zi bena,
bluot zi bluoda,
lid zi geliden,
sose gelimida sin.
So lautet der von Jacob Grimm zuerst in ausführlicher
abhandlung, später noch einmal in der mytbologie 1181
besprochene Spruch; an letzterer stelle theilt er zugleich
die gestalten, welche der uralte Spruch im heutigen volks-
aberglauben gewonnen hat, mit. Ich lasse dieselben hier
folgen und fQge zugleich andere, seitdem zugänglich ge-
wordene, hinzu. In Norwegen lautet der spruch:
Jesus reed sig til hede,
da reed han sonder sit folebeen.
Jesus stigede af og lägte det:
Jesus lagde marv i marv,
been i been, kjöd i kjöd^
Jesus lagde derpaa et blad,
at de skulde blive i samme stad.
Zwei andere formen theilt Thiele (den danske Almues
4*
52 Kubn
overtroiske Meninger, Damnarks Folkeeagn III, 124. 125.
Kiöbenhavn 1860) mit: no. 530 Imod Forvridning af et
Ledemod signede man i Jylland ved at sige:
Jesus op ad Bierget red;
der vred han sin Fod af Led.
Saa satte han sig ned at sijj^ne.
Saa sagde ban:
Jeg signer Sener i Sener,
Aarer i Aarer,
Kiöd i Kiöd,
Og Blöd i Blöd!
Saa satte han Haanden til Jorden ned,
Saa laegedes hans Fodeied!
I Navnet o. s. v.
No. f)31: I Nordlandene har man brugt en lignendo
Signeformular for Beenbrud; es folgt danach der oben aus
Grimm's mythologie mitgetheilte spruch, der nur ein paar
ganz unerhebliche abweichungen zeigt (statt sonder steht
syndt, welches durch istycker erklärt wird). Eine kürzere
aufzeichnung geben Asbjörnsen's Huldre-Eventyr og Fol-
kesagn I, 44 f.: Berthe hentede en undersaetsig, blaa
Laerke og et Braendevinsglas med Traefod honne i det
blommede Skab, skjaenkede Aquaviten i, satte det ved
Siden af sig paa Skorstenen, knappede Snesokken op og
hjalp mig Skoen af. Saa begyndte hun at korse og hviske
ned i Braendvinet; men da hun selv var temmelig döv,
lempede hun ikke sin Stemme efter mine Höreredskaber,
og fölgelig hörte jeg den hele Formular:
„Jeg red mig engang igjennem et Led,
Saa fik min sorte Fole Vred;
Saa satte jeg Kjöd mod Kjöd og Blöd mod Blöd,
Saa blev min sorte Fole god.
Nu tabte hendes Stemme sig i en untydelig Hvisken. En-
den paa Visen var et gjentaget „Tvi** som udsentes mod
alle Verdens Hjörner.
Der schwedische spruch, welcher gegen die fläg (flog,
anflug) benannte krankheit angewendet wird, lautet:
indische und germanische scgeussprüche. 53
Oden stär pä berget,
han spörger efter siu fole,
flöget har han fött. —
spotta i diu band och i bans mun,
bau skal fö bot i samma stund.
Eine andre noch unvollständigere aufzeichnung beginnt:
Frygge frägade frä:
buru skall man bota
den fläget för?
Wegen des mit dem Spruche verbundeneu Verfahrens
sind die aus Schottland und England bekannt gewordenen
fassungen des Spruchs von besonderem interesse. Die er-
ste mittheilung hat schon Grimm aus Chambers^ fireside
stories (1842 p. 37) mitgetheilt: When a person has recei-
ved a sprain, it is customary to apply to an individual
practised in casting the wresting thread. this is a
thread spuu from black wool, on which are cast nine
knots, and tied round a sprained leg or arm. Du-
riug the time the Operator is putting the thread round the
affected limb, he says, but in such a tone of voice as
not to be beard by the bystanders, nor even by the
person operated upon:
the lord rade,
and the foal slade;
he lighted,
and he righted.
set Joint to Joint,
bone to bone,
and sinew to sinew.
Iieal in the holy ghost's name!
Eine etwas andere fassung hat Chambers in der drit-
ten ausgäbe seiner iireside stories (1847 p. 129) mitge-
theilt, sie lautet :
Our lord rade,
bis foaFs foot slade;
down he lighted,
bis foaXs foot righted.
54 Kahn
bone to bone,
sinew to sinew,
blood to blood,
flesh to flesh:
heal in tbe name of tbe Fatber, Son and Holy Gbost.
Bemerkung verdient, dafs der obige spruch, der auch in
den Choice notes from notes and queries p. 37 mitgetheilt
wird, dort als von den Shetlandinseln stammend bezeichnet
vrird; übrigens zeigt er auch eine kleine, scheinbar bedeu-
tende abweichung, die wohl nur ein druckfehler ist, näm-
lich an she righted statt and he righted.
Eine wiederum etwas abweichende Fassung des Spru-
ches von den Orkneyinseln theilen die Choice notes p. 64
ebenfalls mit: The foUowing charm is applied for the eure
af sprains. A linen thread is tied about the injured part
afler the solemn repetition of the charm. The thread is
called the „wristing thread ** from the wrist or ankle being
the part to which it is most commonly applied:
Our saviour rade,
His fore foot slade,
Our saviour lighted down;
Sinew to sinew, — Joint to Joint;
blood to blood, and bone to bone,
Mend thou in God^s name!
Ebendort p. 1 67 findet sich folgende aufzeichnung aus
Devonshire. For a sprain: As our blessed Lord and Sa-
viour Jesus Christ was riding into Jerusalem, His horse
tripped and sprained his leg. Our Blessed Lord and sa-
viour blessed it, and said:
Bone to bone and vein to vein,
O vein turn to thy rest again!
M. N. so shall thine in the Name etc.
Endlich noch eine schottische aufzeichnung hatte ich
bereits 1846 in der alten Germania, dem neuen Jahrbuch
der berliner ges. f. d. spr. VII, s. 425 aus DalyelPs darker
snperstitions of Scotland abdrucken lassen, und daraus hat
indische und germanische segenssprüche. 55
sie neuerdings R. Köhler in der neuen Germania wieder
abdrucken lassen. Sie lautet:
Our Lord to hunting red,
His sool soot sied;
doun he lighted
his sool sot righted;
blod to blöd,
shenew to shenew.
To the other sent in God's name.
In the name of the father, son and Holy Ghost.
Dal's der spruch auch bei uns noch in späterer zeit
vorhanden gewesen, ist an sich wahrscheinlich; mir ist so-
gar erinnerlich, dafs vor mehreren jähren von der Hagen
mündliche mittheilung über eine sächsische aufzeichnung,
die ihm aus Dresden zugekommen war, machte; sie ist
leider nicht gedruckt worden. Auf das Vorhandensein der-
selben deutet auch wohl der gerade aus der gegend von
Torgau in den norddeutschen sagen s. 410 no. 156 mitge-
theilte aberglaube, dafs man in den zwölften zwirn spin-
nen und damit gebrochene arme oder füfse fünf bis sechs
mal umwinden müsse, so heile es bald. Er schliefst sich
offenbar an das oben aus Chambers mitgetheilte verfah-
ren an.
Der Spruch findet sich endlich bekanntlich auch bei
den Ehsten, denen er offenbar wie so vieles andre in glau-
ben und aberglauben durch germanische Vermittlung zuge-
kommen und in ihrer weise umgebildet worden ist. Die
drei hierher gehörigen sprüche haben Kreutzwald und
Neus in ihren mythischen und magischen liedern der Eh-
sten (Petersburg 1854) s. 97 ff. mitgetheilt; sie lauten:
Wider Verrenkung.
A.
Jesus ging dahin zur kirche
mit dem rothrofs, mit dem rappen,
mit dem langschwarz mohrenköpf^gen,
mit dem fischfarb mausefahlen.
56 Kuhn
Da verreukte das pferd den fuls:
„Hier ist ein gelenk verrenket,
hier die sehn' übergesprungen,
hier ein Sprungbein ausgestemmet.
Geh' gelenk an gelenk hinwieder,
gehe sehn' an sehn' hinwieder,
gehe Sprung an Sprung hinwieder,
gehe bein an bein hinwieder,
gehe fleisch an fleisch hinwieder:
streiche nafs darauf Maria!
Vater unser etc.
13. Zauberspruch wider Verrenkung.
Jesus war ein kirchengänger
mit der schecke, mit dem schimmel,
durch des Schlammes schwarzen moder.
Nicht zu wünschen wufste Sophia;
nieder bei dem rad Maria:
„Haut zusammen, fleisch zusammen,
glieder zusammen, fugen zusammen!^
Da knickte, da knackt' es.
Hülfe kehl', hülfe seel',
liebe hülfe her vom herreu!
Hilf Maria!
Weichet hinweg, ihr feind' und gegnerl
Vater unser etc.
^•
Bein du, an des beines stelle,
näher, du gelenk, gelenke,
blut du, an des blutes stelle,
sehne, an der sehne stelle.
Dafs die dem Spruche zum gründe liegende formel
auch anderweitige verwendimg bekommen habe, hat Grimm
durch mittheilung einer stelle aus dem cod. vatic. 4395 bl.
83a gezeigt. Die stelle lautet: got wurden IUI nagel in
sein hend und fuez geslagen, da von er IUI wunden en-
indische nnd germanische scgenssprfichc. 57
pbie, do er an dem heiligen kreuz hie. die fünft wunden
im Longinus stach, er west nicht waz er an im räch ....
an dem dritten tag gepot got dem lichnam, der in der
irden lag, fleisch zu fleisch, pluet zu pluet, ädern zu
ädern, pain zu pain, gelider zu golidem, yslichs an sein
stat. pei demselbigen gepeut ich dir fleisch zu fleisch etc.
Ueberblicken wir die ganze reihe dieser Fassungen des
Spruches, wie sie aus einem Zeitraum von fast tausend jäh-
ren vor uns liegen, so tritt die gewaltige Zähigkeit, mit
dpr das volk an der alten öberlieferung fest gehalten hat,
klar hervor. Zwar ist mit ausnähme der schwedischen
formein, deren hergehörigkeit übrigens noch zweifelhaft
bleiben mag, und der von Asbjörnsen aus Norwegen iL^t-
getheilten überall an stelle der ausführlicheren heidnischen
einleitung eine einfachere christliche getreten, in der Jesus
der reiter ist, aber die ursprüngliche form bricht doch in
dem „zur beide" oder „den berg hinauf" oder in dem gar
„auf die jagd" reitenden our lord noch deutlich genug
durch. Und wie sich in diesem ersten theil des Spruches
trotz der mannichfaltigkeit die gemeinsame grundlage nicht
verkennen läfst, so ist es auch bei dem zweiten theil, dem
eigentlichen segensspruch der fall. Obwohl in keiner ein-
zigen fassung genau dieselben körpertheile wie in einer
der andern wiederkehren, indem die erste knochen, blut,
glied, die zweite mark, knochen, fleisch, die dritte
sehne, ader, fleisch, blut, die vierte fleisch, blut, die
fünfte gelenk, knochen, sehne, die sechste knochen,
sehne, blut, fleisch, die siebeute sehne, gelenk, blut, kno-
chen, die achte knochen, ader, die neunte blut, sehne,
die zehnte gelenk, sehne, sprung, bein, fleisch, die elfte
haut, fleisch, glied, fuge, die zwölfte bein, gelenk, blut,
sehne und die dreizehnte fleisch, blut, ader, knochen,
glied nennt, wird doch niemand daran zweifeln, dafs alle
auf einer gemeinsamen grundlage ruhen. Zu bemerken ist
noch, dafö der sjiruch gleichmäfsig sowohl bei Verrenkung
und beinbruch, als auch bei pferden und menschen ver-
wandt wurde.
58 Kuhn
Der Atharva veda bietet uns nun IV, 12 folgenden
Spruch :
rohany asi röhany asthna^ chinnasya robani !
rohäye 'dam arundhati || 1 ||
yat te risbtam yat te dyuttäm asti peshtram te ätmani |
dhätä tad bbadr&yä pünab säm dadbat pärusba paruh
'll 2 11
84in te majja majjnä bbavatu samu te parusbä pdruh |
säm te mänsasya visrastam säm astby äpi robatu || 3 ||
majja majjnä säm dbiyatäm cärmanä cärma robatu |
äsrk te ästbi robatu mänsäm mänsena robatu || 4 ||
loma lomnä säm kalpayä tvacä säm kalpayä tväcam |
äsrk te ästbi robatu cbinnäm säm dbehy osbadbe || 5 ||
sä üttisbtba prebi prä drava rätbah sucakräh supavih
sunäbbih |
präti tishtbo Vdhväh || 6 ||
yädi kartäm patitvä sampaprö yädi vä 'pmä präbrto
jagbäna |
rbbä rätbasye \ä 'ngäni säm dadbat pärusbä päruh || 7 ||
Aufrichtend bist du Robani, aufrichtend das gebrochne bein!
richte dies auf Ärondbati.
Was dir verletzt, was dir gebrochen, was dir gequetscht
an deinem leib,
das richte glücklich wieder ein der schöpfer dir mit glied
an glied.
Zusammen werde mark mit mark, und auch zusammen
glied an glied,
was dir an fleisch vergangen ist, und auch der knochen
wachse dir.
Mark mit marke sei vereinigt, haut mit baut erbebe sieb,
blut erheb' sich dir am knochen, fleisch erhebe sich am
fleisch.
Haar mit haar, füg' es zusammen, füge mit der haut die
baut,
blut erheb' sich dir am knochen! Was da zerbrach, rieht
ein, o kraut.
indische und germanische segenssprüche. 59
Steh auf, geh hin, du, eile fort!
(Wie) schön an rad, feige und nah' ein wagen (läuft).
Steh aufrecht fest!
Wenn in die grübe stürzend es zerbrach, oder ein stein,
geworfen, hat getroffen,
zusammen wie des wagens theile, so fQge Ribhu glied
an glied!
Ich bemerke zunächst noch, dafs die Übersetzung von
asthnas durch bein hier nur der metrischen form wegen
gewählt ist und nicht irre leiten soll; asthi ist nämlich
bein in der grundbedeutung von knochen. — Im zweiten
9loka scheint peshtram kaum etwas andres bedeuten zu
können als pishtam gequetschtes = Quetschung, und dies
möchte man wegen der vorangehenden rishtam und jyut-
tam vielleicht gradezu in den text zu setzen; doch findet
sich peshtra noch an einer andern stelle des Atharva (VI,
37. 3), wo es eine ähnliche bedeutung wie hier, nämlich
abgerissenes stück, fetzen, bissen hat. — Am Schlüsse habe
ich das rbhü (für rbhur) des textes beibehalten, um anzu-
deuten, dafs hinter dem kunstreichen, kundigen manne,
was das wort bedeutet, doch ein göttliches wesen stecke.
Sowohl Indra als Agni erhalten mehrfach dies beiwort,
hier indefs ist eher der ordnende Schöpfer, der weiter oben
dhatä genannt ist, darunter zu verstehen; am genauesten wäre
es durch das entsprechende, nordische älfr wiederzugeben.
Gehen wir nun an eine vergleichung der germanischen
form des Spruches mit der indischen, so müssen wir na-
türlich von der mythischen einleitung, die uns die merse-
burger fassung bietet und den daraus entsprungenen christ-
lichen Umgestaltungen abgesehen, diese fallen eben in eine
zeit, die der besonderen germanischen entwicklung anheim
fällt; der zweite theil des Spruches dagegen, die eigent-
liche Segensformel, stimmt ebenso sehr zu den deutschen
formein wie diese unter einander, in der paarenden, rei-
menden form der aneinanderreihung der einzelnen körper-
theile. Diese form kommt zwar in einzelnen fallen auch
in andern Sprüchen vor (z. b. ange-ange, lomni-lomni yas
(50 Kuhn
te parvani-parvani Ath. II, 33. 7; sam tc haumi data da-
tah 8amu te bauva hanü | sam te jihvaya jihvam samv
äsDaha äsyäm || Ath. VI, 56. 3 u. s. w,) und ist eine auch
sonst im älteren sanskrit sehr beliebte redefigur, aber in
dieser ausdehuung wie hier findet sie sich nicht weiter.
Dazu kommt nun aber noch, dafs das übel, für welches
der Spruch angewandt werden soll, in beiden füllen sowohl
beim germanischen als beim indischen spruch, ebenfalls
das gleiche ist, nämlich beinbruch oder Verrenkung des
fufses. Der indische spruch spricht zwar nur von einem
knochen, der verletzt, gebrochen ist, allein dal's es der des
fufses sei, geht deutlich aus den werten: „steh auf, geh
hin, du, eile forf* und „steh aufrecht fest** hervor. Dazu
kommt noch eine andre Obereinstimmung, die vielleicht
durch auffindung neuer formen des Spruches im norden
noch klarer wird. Die rohani oder aruudhati ist eiue heil-
kräftige Schlingpflanze, die bei verschiedenen gelegenheiten
angewandt wird; es ist also hier die pflanze, der eine ein-
Wirkung auf die heilung des bruches oder der Verrenkung
eingeräumt wird; es läfst sich daher vermuthen, dais die
blätter derselben vielleicht auf den kranken theil gelegt
wurden, um die eutzöndung zu lindern, denn dafs der safl
der pflanze bei solchem übel getrunken sei, wie es z. b.
nach Ath. V, 5. 2 geschah, ist kaum wahrscheinlich, doch
immerhin möglich; vielleicht ward die pflanze als inneres
und äufseres mittel zugleich augewandt. Das Kaupika-
sütra enthält jedoch in seiner äufserst kärglichen angäbe
über das verfahren bei diesem spruch eine andeutung we-
der für das eine noch für das andre; es sagt (cod. Chamb.
n. 119 bl. 32. 6) „rohani Hy avanaxatre Vasincati prshä*
takam päyayaty abhyanakti || mit dem Spruche rohani u.s.w.
besprengt er (ihn) beim schwinden der gestirne, läfst ihn
geschmolzene butter und saure milch trinken und reibt
ihn ein''. Dal's nun auch bei den Germanen neben dem
Spruche eine pflanze mit zur Verwendung gekommen sei,
geht daraus hervor, dafs die eiue norwegische formel aus-
drücklich sagt, Jesus habe auf den verletzten körpertheil
indische und gerinaniRche 9e|:renf(5tprUclie. Gl
ein blatt gelegt (Jesus lagde derpaa et blad). Man darf
aber auch ferner vermuthen, dafs der sprueh wie bei uns
ursprQnglich wohl nur zur lieilung eines pferdes verwandt
sei, denn dafs wenigstens ein thier besprochen sei, scheint
aus der erwähnung der haare hervorzugehen (loma lomna
samkalpaya), und dafs es ein pferd gewesen sei, scheint
einigermafsen wahrscheinlich wegen der Verbindung, in
welche die pflanze mit einem solchen gesetzt wird; es heilst
nämlich von ihr Äth. V, 5. 8 — 9:
apvo yaraasya yäh ^yäväs tasya hä 'snä 'sy uxitä || 8 ||
apvasya 'snäh sampatitä*) sä vncän abhi sishyade |
sarä patatrini bhütvä sa na 6hy arundhati || 9 ||
das rofs des Yama, welches schwarz, mit seinem blut
bist du benetzt |
vom blut des rosses hergeeilt, glitt sie sogleich den bäu-
men zu,
beflügelt wurde sie ein pfeil (?); so komm zu uns Arun-
dhati! ||
Man darf daher wohl vermuthen, dafs die pflanze, die aus
dem blute eines göttlichen rosses entstammte, auch bei
pferdekrankheiten, also in unserm falle bei Verrenkung,
brach oder dgl. ganz besondere Verwendung gefunden habe.
Dafs sie für die rinder als segenbringend galt, geht aus
dem Spruche Atharva VI, 59 hervor.
Ich kann noch einen umstand nicht Obergehen. Oben
habe ich nach der angäbe des petersburger Wörterbuchs
die rohant = arandhati eine Schlingpflanze genannt; die
stelle Ath. V, 5. 3 vrx4m-vrxam arohasi vrshanyantiva ka-
nyalä „bäum fßr bäum ersteigst du wie eine nach dem
manne verlangende Jungfrau^, läfst auch die erklärung zu,
dafs es eine Schmarotzerpflanze sei, die wie der apvattha,
die eberesche u. a. auf andern bäumen wächst, was auch
ans V. 5 hervorzugehen scheint, wo es heifst: aus dem
glückseligen plaxa, aus dem apvattha ragst du hervor (trittst
*) Der text hat siipatitÄ, dagegen giebt das petersburger Wörterbuch
8. V. asan die lesart, die wir aufgenommen haben.
62 Kuhn
du heraus nietishtbasi ) aus dem khadira, bava, aus dem
glQckseligeu nyagrodha, aus dem pariia. Ich lasse das
vorläufig dahiu gestellt. Wichtig aber ist der name ro-
hani die aufsteigende oder aufrichtende; in meiner herab-
kunft des feuers und des göttertranks s. 202 habe ich die
nordischen namen der eberesche reynir, rönn, rogn, rowaji
besprochen und die form mit Grimm auf runa zurückge-
führt. Dagegen thut aber das g der norwegischen form
rogn einspruch, in welchem offenbar der ursprünglich aus-
lautende consonant der wurzel hervortritt, wie auch die
schottische form mit ow auf ursprüngliches og zurück-
fährt (man vergl. e. bow mit bogan, bogen, follow mit fol-
gen, sorrow mit sorge u. s. w.) rogn und rowan führen
also auf ursgrüngliches rogan , reynir und rönn auf ur-
sprüngliches rauni, welche sich also gegenseitig ergänzen
und auf ein beiden gemeinsam zu gründe liegendes rogani
zurückzuführen sind, das genau dem skr. rohani entspricht
und nur zum theil im genus von ihm verschieden ist, denn
reynir ist masc, das schwed. rönn dagegen femininum. Ich
habe nun vom reynir durch zahlreiche Überlieferungen nach-
gewiesen, dafs man ihn vom himmel entstammt und in ihm
den blitz verkörpert glaubte. Stammt nun auch die ro-
hani von dem himmlischen rosse des Yama und wird sie
goldfarbig (hiranyavarnä), sonnenfarbig (süryavarnä) und roih
(läxä) genannt, so wird auch sie eine Verkörperung des
blitzes sein; denn dafs das rofs des Yama ursprünglich
an den himmel gehöre, hoffe ich ein andermal darthun zu
können. Jedenfalls berühren sich also die rohani und der
reynir nicht nur im namen, sondern auch in den sich an
dieselben knüpfenden Vorstellungen; vielleicht gelingt es
nun nachrichten darüber zu erlangen, ob das in der nor-
wegischen formel erwähnte „blatt^ das einer eberesche sei;
dadurch würde die vergleichung des indischen und ger-
manischen Spruches eine neue kräftige stütze erhalten. loh
will dabei nicht unerwähnt lassen, dafs diese norwegische
formel auch in einer andern beziehung die alterthümlichste
ist. Die namen der körpertheile sind zwar bei einzelnen
indische und germanische segenssprUche. 63
körpertbeilen in den germanischen formelu nicht nur im
begrifl\ sondern auch etymologisch identisch, wie ben zi
bena, been i been, bone to bone; — bluot zi bluoda, blod
i blod, blod mod blod, blood to blood, bei andern stehen
verschiedene Wörter für dieselben begriffe wie kjöd i kjöd,
flesh to flesh, — lid zi geliden, Joint to Joint. Die indi-
schen ausdrucke für diese begriffe sind nun durchweg da-
von etymologisch verschieden bis auf das einzige majjan
majjnä mark mit mark, welches genau dem norwegischen
marv i marv entspricht. Denn skr. majjan steht för ur-
sprüngliches margan, wie majjami für margämi, welches
lateinischem mergo entspricht, das norwegische hat aber
den auslautenden guttural, wie dies mehrföltig hinter liqui-
den geschieht, man vgl. auch ags. mearh, mearg mit e.
marrow, mark, fallen lassen und nur das dahinter entwik-
kelte V bewahrt, so dafs, nach abwerfung der endung, marv
genau dem skr. majjan entspricht. In majjan majjna, marv
i marv haben wir also den letzten rest des einstigen Wort-
lauts der ursprünglichen segensformel erhalten. Vielleicht
ist auch darauf noch gewicht zn legen, dafs in beiden
Sprüchen, dem indischen und norwegischen, die eigentliche
forme! gerade mit der nennnng des markes beginnt
Schliefslich sei noch bemerkt, dafs, wie in dem indi-
schen Spruche, es der schöpfer, der kunstreiche bildner
(dhäta, rbhus) ist, der die beilung bewerkstelligen soll^ in
dem wir die ältesten ausätze des späteren Brahman erken-
nen, ebenso in dem merseburger liede Wodan dasselbe
herbeiführt, derselbe, der dem germanischen glauben in sei-
ner höhereu ausbildung zum allwaltenden Schöpfer und
Ordner in der sinnlichen und geistigen weit wurde und als
allvater die herrschafl über die ganze weit erhielt.
2) Gegen das schwinden.
Grimm theilt in der mytbologie 1 184 aus einer wiener
handschrifit den folgenden Spruch mit: Contra vermes:
gang üt nesso mid nigun nessiklinon, At fana themo
6 t Kuhn
inarg9 an that beii. tan tbemo bene an that flesg, üt
fan demo flesge au tbia hüd, üt fan thera hüd an thesa
8träla. druhtin wertbe 60!
Zu dieser altsächsischen Fassung giebt er aus einem
cod. Tegerns. zu München eine etwas abweichende alt-
hochdeutsche, die so lautet:
gang üz nesso mit niun nessiklinon, üz fonna marga in
deo ädra, vonna den ädruu in daz fleisk, fonna deniii
fleiske in daz fei, fonna demo velle in diz tulli. ter
pater noster.
Dazu stellen sich folgende formein aus Schwaben, die
Birlinger, volkstbümliches aus Schwaben I, 207 mittheilt:
n. 17. Für die Schweine, Leuthen und Vüch zue brau-
chen : Sehweine Lieber Mone, Schweine wats ich doch
Syh Vnd gerOflF, Efs Sei ge Sich oder Schweine, Efs
Sei im Markh, im Armen, im Schenkhcl oder Schön-
bein; dafs Schweine heut oder Morgen, noch zue Ewi-
gen Zeiten, Nimer mehr bey mir Sey, dafs bits ich
treylich, Im Namen u. s. w.
n. 20. Ein guoter bewerther Schwein Segen für Men-
schen und Vüch zue gebrauchen:
Dafs Walth gott der Vatter, Seh weint nit, gott der
söhn Schweint nit, Schweint auch nit, Gott der häuUig
gaüst Schweint auch nit, nit im Markh, nit im Bein,
nit im Bluot,- nit im Flausch, Im Namen u. s. w.
Diese beiden segenssprüche sind einer alten kaum nocli
lesbaren handschrift in Wendelsheim entnommen, die, nach
Birlinger, etwa dem ende des 17ten oder anfang des iSten
Jahrhunderts entstammt. Schweine ist abnähme, hinschwin-
den der glieder, Schweinen das verbum dazu. Der erste
Spruch wendet sich demnach wie viele ähnliche (z. b. der
bekannte gegen die warzen „alles was ich sehe nimmt zu"
U.S.W.) an den mond, wie er zunehme, so möge, was
der besprechende sieht, sei es nun gesiebt (? ge Sich, ich
denke des mondes) oder scbweine (schwindender körper-
theil), abnehmen, sei es in mark, arm, Schenkel, Schienbein,
es schwinde heut oder morgen und sei in ewigen Zeiten
undischc und germanische segcnssprttche. 61^
nimmer mehr bei mir. Der zweite Spruch ist an sich
selbst verständlich. Daran schliefsen sich zwei andre eben-
falls von Birlinger mitgetheilte segensspröche, die aus neue-
rer zeit stammen (a. a. o. I, s. 210, no. 317 und s. 2U9, no.
315 und Mannhardt mythol. zeitschr. IV, 416):
no. 317. Segen gegen die schweinung. Aus Metten-
berg. Huff (hüfte), blatt, blut, fleisch, bein, mark, nerv,
schweinet nicht wie die erde nie geschweinet hat, im na-
men u. s.w. HufiP, blatt, blut, fleisch, bein, mark, nerv,
schweinet nicht wie die sonne ein geschweinet hat u. s. w.
Hufl*, blatt, blut, fleisch, bein, mark, nerv, schweinet nicht,
wie himmel und erde nie geschweinet haben (vergl. s. 208,
no. 18: „dafs dier dein glödt So Lützell Schwinde, als
die Sternen am Himell Schweinendt^ da dier dein glüdt
So litzell Schweindte, alfs die häullige sonn am himell
Schwindt).
no. 315. Ein segen wider die Schweine. Aus Ertrin-
gen. Ich bitte dich aus gottes kraft, dafs du hinausgehst
aus dem mark ins bein, aus dem bein ins fleisch, aus dem
fleisch in die haut, aus der haut ins haar, aus dem haar
in den wilden wald, wo weder sonn noch mond hin scheint.
— Den dritten tag nach dem vollmond, der auf einen frei-
tag fällt, zu beten und dreimal aufs glied zu blasen.
Wir haben hier deutlich zwei klassen von Sprüchen.
Die erste wird von dem altsächsischeu , althochdeutschen
und der letzten schwäbischen formel gebildet, von denen
der erste und letzte in dem kern des Spruches fast genau
stimmen; es fehlt diesem nur die anruüing an den nesso
und am schlufs wird das schwinden statt „an thesa strala^
ins haar und aus dem haar in den wilden wald verwiesen;
die althochdeutsche formel setzt an die stelle des beins
die ädern und bannt den nesso schliefslich in diz tulli
statt der strala. Was der nesso sei, weifs ich nicht; aus
der Überschrift contra vermes geht hervor, dafs er zu dem
zahlreichen gewürm, dem man menschliche und thierische
krankheit zuschrieb, gerechnet wurde, und dafs er aus dem
leibe in die tülle (die röhre der pfeilspitze) oder in den
Zeitechr. f. vgl. »prachf. XIII. 1. 5
66 Kuhn
pfefil selber gebannt wurde. Dafe dieser in den wald ge-
sdkossen^ und' das thier dort gebannt wurde, ist aus der
jüngsten aufzeichnung des Spruches wohl wahrscheinlich;
die Übertragung von krankheiten auf bäume ist ja ein sehr
häufiger Vorgang.
Die zweite klasse dieser formel bilden die Sprüche,
wo die bannung nicht aus einem gliede ins andre vorge-
nommen wird, sondern nur die einzelnen glieder genannt
werden, aus denen man das schwinden bannt, es sind dies
im ersten: mark, arm, Schenkel, Schienbein,- im zweiten:
hüfte, Schulterblatt?, blut, fleisch, bein, mark, nerv. In
jenem geschieht die aufzählung von innen nach aufsen, in
diesem von aufsen nach innen; die erstere ist offenbar die
natürlichere und, da sie auch in der ersten klasse festge-
halten wird, als die ursprünglichere anzusehen.
Auch diesen Sprüchen stellen sich nun indische zur
Seite, die zur Vertreibung des yaxma dienen; yaxma m.
ist sowohl das schwinden einzelner körpertheile im allge-
meinen, als auch die lungenschwindsucht im besonderen,
die' indessen genaner durch räjayaxma (bauptschwindsneht)
bezeichnet wird. Der erste spruch steht Rig. X, 163 nnd
ist von dort auch in den Atharva XX, 96. 17 — 22 hin-
übergenommen, er lautet:
axfbhyäm te nSsik&bhyäm karnäbhyäm chübnkäd &dhi |
yäxmam ^trshanyäm mastishkäj jihväyä vi vrh&mi te
IM II
grtvabhyas ta ushnihäbhyah kfkasäbhyo anükyät |
y&xmam dosfaanyäm änsäbhyäm b&hübhy&m vi vrh&mi
te||2ö
ftvtr^bhyas te güdäbhyo vanishthör hr'day&d ädhi |
fixmBm mätasnftbhyäm yaknäh pläpibhyo vi vrh&mi te
Pii
Ürübhyäm te ashthivädbhyäm pSrshnibhyäm präpadä-
bbyäm |
y&xmam ^onibhyäm bh£sad&d bhänsaso vi vrhftmi te
IMII
mi6hm&i Tadsmk&ran&l lömabhyas te naklMbhyah |
indische und germanische segenssprUche. 67
yaxmam sarvasmäd ätmanae tarn idkm vi vrbämi te || 5 ||
aÄgÄd-aiigÄl lömno-lomno jätäm pärvani-parvani |
yaxmam sAr vasmad MmAoas tarn id&m vi vrhftmi te || 6 H
„Aus den äugen, aus der nase, aus den obren und auB
dem kinn,
das schwinden, das im köpf, vertreib' icb dir aus der
zuage, dem hirn heraus. 1.
aus dem nacken, aus dem genick, aus dem brustbein,
dem röckgrat auch,
treib ich das schwinden, das im arme^ dir aus den schul-
tern, armen aus. 2.
aus eingeweiden und gedasmen, aus dem herzen und
grofsen gedärm,
aus den herzrippen, aus der leber, aus den plapis treib'
k'b es aus. 3.
aus den schenkein, aus den knieen, aus den fersen und
zehen auch,
aus den hüflen und aus der schäm, aus dem after ver-
treib ich es dir. 4.
aus dem gliede, dem wonnebringer, aus den haaren^ den
nageln dir,
aus dem ganzen leib vertreib' ich das schwinden hier-
mit aus von dir. 5.
aus glied um glied, aus haar um haar, wenn es gelenk,
gelenk erfafst,
aus dem ganzen leib vertreib' ich das schwinden hier-
mit aus von dir. 6.
Aufser dieser, wie oben bereits gesagt ist, in das 208te'
bu^ des Atharva aufgenommenen recensio» des Spruches',
ftfittet rfch noch eine zweite Ath. II, 33, die eiöige abwei-
cfcutfgeu zeigt. Qloka 1 nnd 2 sind' in beidetf reeiiiMionidil
gleichlautend; an der stelle des 3ten ^loka der rg-recen-
mon tvifden sich l^ier diese zwei:
brMayät te pAri klomno h^liicnät pärpviCbbyäm |
yäxmam mataan&bhyäm pl$hn6 yakn&s te vi' vrfaAmttii*
l|3|| =
5'
68 Kuhn
äntr^bbyas te güdäbhyo vanishthor udaräd adhi {
yaxmam kuxibhyam planer nabhyä vi vrb4mi te || 4 ||
^Au8 dem herzen, aus der lunge, dem halixna, den seilen
auch,
aus der milz, den herzrippen, aus der leber vertreib ich es. 3.
aus eingeweiden und gedärmen, aus grofsem gedärm und
dem bauch
aus den bauchhölen und dem gliede, aus dem nabel ver-
treib ich es. 4.
Der 5te ^loka stimmt mit dem 4ten der ersten recen-
sion, nur hat er noch das dem bhäsadam gleichbedeutende
bh&sadyam (der schäm angehörig), welches das metrum
stört, hinzugefiQgt. Darauf folgen ploka 6 und 7, welche
an die stelle von 9I. 5 und 6 der ersten recension treten :
asthibhyas te majjäbhyas snävabhyo dhamänibhyah |
y&xmam pänibhyäm angülibhyo nakh^bhyo vi vrhämi
teil 6 II
4nge-ange lomni-lomni yas te p&rvani-parvani |
yaxmam tvacasyäm te vayäm ka^yäpasya vtbarh^na vi-
shvancam vi vrhämasi || 7 ||
aus den knochen und aus dem mark, aus den sehnen und
ädern auch,
aus den bänden, fingern, nageln vertreibe ich das schwin-
den dir II 6 II
wo immer dir in glied, in haar, wo es dir im gelenke sitzt
das schwinden, in der haut befindlich, mit Ka^yapa^s Ver-
treibung treiben wir dir nach allen selten aus H 7 ||
Dafs auch diese zweite recension im ganzen sich ziem-
lich genau an die erste anschlielst, ist klar, sie setzt nur
einige körpertheile hinzu, die bei der ersten nicht bedacht
sind. Beiden liegt der hauptgedanke zum gründe, daCs
das schwinden, vom haupt anfangend, aus allen körperthe»-
len vertrieben werden soll; es wird mit dem köpf begon-
nen, dann folgt der oberleib, dann der Unterleib, endlich
die beine, so dals bei ^loka 4 der ersten recension eigent-
lich die austreibung schliefsen müTste. Qloka 5 der ersten
and ^loka 6 der zweiten recension scheinen einer gemein-
indische und germanische segenssprttche. 69
Samen quelle entsprungen, die vielleicht ein selbständiger,
einfacherer segenssprucb war; ein solcher waren vielleicht
auch 9I. 6 der ersten und 9I. 7 der zweiten recension, de-
ren erster halbvers jedenfalls wieder gemeinsamer quelle
entspringt.
Vergleichen wir nun die deutschen mit den indischen
fassungen dieser segenssprüche , so ist auch hier dieselbe
grundlage in beiden klassen von Sprüchen ersichtlich, sie
läfst sich dahin bestimmen, dafs das schwinden aus dem
kranken theile in der weise gebannt wurde, dafs man es
entweder von glied zu glied von innen nach aufsen her-
austrieb, oder es aus dem kranken gliede trieb und dane-
ben die einzelnen daran liegenden glieder ohne bestimmte
reihenfolge nannte. Dafs neben dem spruch auch noch
eine die Wirkung verstärkende handlang vorgenommen sein
werde, ist wolil fast als gewifs anzusehen. Eine vermu-
thung, über diejenige, welche bei Vertreibung des nesso
vorgenommen wurde, ist oben schon geäufsert worden, es
gab aber sicher deren auch noch andre.
In einem segen über die heilkräfte der pflanzen, der
sich Rv. X, 97 findet, steht nämlich auch folgende stelle
über den yaxma:
jad imä väjayann aham oshadhir hästa ädadh^ |
ätma yaxmasya na^yati pura jivagr'bho yathä H 1 1 ||
yisyau 'shadhih prasarpatha 'ngam-angam parash-paruh |
tato yaxmam vi bädhadhva ugro madhyama9fr iva || 12 ||
säkam yäxma prä pata cashena kikidivinä |
säkam vatasya dhrajyä säkam na^ya nihäkay& || 13 ||
Wenn mit Verehrung in die band ich diese kräuter nehme
auf, I
dann flieht wie vor dem todfeinde das schwinden selber
eilend fort. ||
Wem ihr, o kräuter, glied flir glied durchdringt und jeg-
liches gelenk, |
aus dem schlagt ihr heraus das schwinden, wie ein held,
der zur mitte dringt. (?) ||
1^ Kuba
o sefawiodeD, fliege du dabin, flieg' mit dem blauen ix^her
fort, I
gesellt des Sturmes wildem zuge und Wirbelwind, so scbwii^e
bin. II
Hier wird also der yaxma als ein fliegendes Xbiex g^
dael^it, das den kranken verlassen und mit dem beber^ dem
stüjrm •od.ei' Wirbelwinde fortfliegen soll. Nun Jiat SteozJer
ijQ der zeitscbr. d. d. morgenl. ges. VII, 540 aus des Pära-
skara gfby asütra 3. 6 folgendes mittel gegen kopf^cbqaer-
^en mitgetbeilt:
Man streicht dem kranken die augenbrauen mit gew^
scbenen bänden und spricbt dazu: j^Von deu äugen j ^ou
den ohren^ tof(n scMeiiel^ tom fttnne, von der siime entfernt
ich diese krankheit des kopfes^. Wenn der balbe köpf
scbmerzt, so wird folgender sprucb gesagt: yfdu zerspai^
iender^ mit entstellten augen^ mit toeifsen flügeln^ von gr4^
fsem ruhme^ und auch mit bunten flügeln^ möge der köpf
dieses mcmnes nicht schmerz>en^.
Der text, den mir Weber bereitwillig aus seijaer 93^
scbrifl mittbeilt, lautet: atbä Hab pirsbarogabbesbajam :
pani praxälya bbruvau vimärsbti : caxurbbyäm ^rotrabbyam
godänäcbubukäd adbi | yaxmam pirsbanyam rarätad yi-
vrbami 'mam iti || ardbam ced : avabbedaka virüpäxa ^ve-
tapaxa mahayapah | atbo citrapaxa ^iro mä *syä 'bbit&pstd
(cod. ^sad, sec. m. ^sid, scbol. ^sid) iti, xemyo hy evam
bbayati. Dazu die folgenden erklärungen der scholien:
godänam ^irode^ah — chubukam cibukam — rarätam la-
lätam — ardham ceefatrsbarogena grbyate — avabbedaka
aväctnafn krtvä 'yam bbedayati vidärayati — virüpftxa vi-
rüpe vikrte axini yasya — abbit^psid tvatprasädät tapar
yuktam mä bbüt.
Mit dem petersburger wörterbucb ist godana, wa^ jgler
scboliast zu allgemein dureb ^irode^ah erklärt, entweder
fftr backenbart oder backe zu nehmen. virüpä:{La wm)
wohl am besten ^mit ungeheuren äugen** übersetzt, denn
virüpa bezeicbnet ja verscbiedengestaltig und gebt deshalb
in d^ begriff der mifsgestalt, des zum ganzen wesen nicht
indische und germanische segenssprüche. 71
stimmeDden, dann des ungeheuren über, doch wird es auch
auf die färbe übertragen und könnte deshalb auch hier die
verschieden gefärbten äugen bezeichnen.
Hier haben wir nun in dem ersten spruch „von den
äugen u. s. w.^ deutlich eine Variante von ^loka 1 unseres
obigen Spruches gegen das schwinden, die zwar einige ab-
weichungen zeigt, aber ihren gemeinsamen Ursprung «out
jenem trotzdem nicht verleugnen kann. Dabei ist hemer-
kenswertb, dafs ein einzelner theil des Spruches bei der
krankbeit eines einzelnen körpertheils verwandt wird, was
darauf schliefsen läfst, dafs der ganze spruch aus solchen
theilen entstanden sein wird, dann aber sehen wir hier
den yaxma als kopfschmerz auftreten, er erscheint also in
diesem falle als ein schwinden des natürlichen zustandes
des gehimes. Zugleich gibt uns der zweite theil des Spru-
ches eine etwas klarere Vorstellung von dem thiere, welches
nach jenem ersten den kranken verlassen, von ihm ausflie«
gen soll, indem er ihm ungeheure äugen, weifse oder bunte
flügel beilegt.
Hier nun kommen uns die deutschen Überlieferungen
zur Vervollständigung der ganzen Vorstellung zu hülfe. Die
holden und elbe werden als Schmetterlinge oder vögel ge-
dacht. Noch heute ist uns „ albern % wem die volle krafl
des geistes geschwunden ist, es ist der von den alben oder
elben besessene. Der eigensinnige, starrköpfige oder auch
lustige hat „motten^, der übermäfsig lustige, zu tollen
streichen aufgelegte hat „raupen^ im köpf, schon eine alt-
hochdeutsche glosse übersetzt albus, olba durch bmcns,
locusta, und ebenso sprechen wir von einem, den die grillen
(die heimchen sind ja auch elben) plagen. Dazu habe ich
in den norddeutschen sagen aus Rauen bei Fürstenwalde
folgendes mitgetheilt: „Wenn einer heftiges kopfweh hat,
so sagt man, er habe die verkehrten oder schwarzen
elben. Soll er wieder gesund werden, so bindet man ihm
abends ein tuch um den köpf, läfst ihn damit die nacht
hindurch schlafen, nimmt es am andern morgen ab und
geht zu einem klugen manne; der büfst dann das tuch und
72 Kuhn
die elbeu gehen fort. Aufser den schwarzen elben,
welche die schlimmsten sind, gibt es auch noch rot he
und weifse, und bei allen dreien äufsert sich die krank-
heit vorzugsweise darin, dafs dem damit behafteten das
gedächtnifs schwindet**. Die krankheiten des ge-
hirns, kopfschmerz, schwinden des gedächtuisses, der ver-
standeskrafl wurden also durch die elben als raupen, mot-
ten, Schmetterlinge hervorgebracht angesehen, und ein sol-
cher Schmetterling ist auch unzweifelhaft der in dem zwei-
ten Spruche des Päraskara angerufene dämon mit unge-
heuren äugen, weifsen oder bunten fiügeln, und wenn nun
der erste sprucb des P. im ganzen mit dem eingange des-
sen aus dem Rik und Atharva stimmt, so werden wir auch
bei diesem die bannung eines gleichen thieres annehmen
dürfen. Ich vermuthe, da der weifsflögel und der bunt-
flOgel doch nicht gut ein und dasselbe wesen sein können,
däfs jenes diesen bekämpft und daher avabhedaka und ma-
hayaf^ah angerufen wird; die worte von citrapaxa bis
abhitäpsid werden ebenso wenig wie der schlufs des er-
sten theils des Spruches die ursprüngliche redaction ent-
halten, da beide sich von ihren ersten Zeilen durch das
fehlen jedes metrums, wie bei no. 2, oder durch die Stö-
rung desselben wie bei no. 1 von vivrhämi 'mam an un-
terscheiden; in no. 2 wären demnach augenscheinlich meh-
rere Worte ausgefallen, die, wie ich vermuthe, die erwäh-
nung des kampfes enthielten. Doch, wie dem auch sei,
aus dem übrigen text aller formein geht deutlich eine Ver-
treibung des thieres aus dem körper des kranken hervor,
und die deutschen formein zeigen mit Wahrscheinlichkeit,
dafs man das so herausgetriebene thier (den nesso) in die
tüUe des pfeils bannte und in den wald schofs. Wie man
nun aber die pest in einem wirklichen Schmetterling zu
sehen glaubte und ihn einpflöckte, so wird es auch bei
diesem verfahren ähnlich gewesen sein.
Schliefslich darf auch ein anderer punkt der Überein-
stimmung nicht unerwähnt bleiben. Heifst es nämlich in
dem zuletzt aus dem Rik (X, 97) mitgetheilten Spruch, dafs
indische und germanische segenssprttche. 73
der yaxma mit dem blauen heher fortfliegen solle, so hat
auch das seine analogie im deutschen glauben, denn wie
man in Rauen den köpf mit einem tuche umwindet und
dies d. h. also das darin gedachte tbier besprechen, es also
fortbannon läfst, so windet man in dor Altmark einen faden
dreimal um das haupt dessen, der heftiges kopfweh hat und
hängt diesen in form einer schlinge an einen bäum; fliegt
dann ein vogel hindurch, so nimmt er das kopfweh hin-
weg. Hier ist also wenigstens die allgemeine Übereinstim-
mung, dafs Vögel die krankheit fortnehmen, aber es mufs
eine ganz specielle vorhanden gewesen sein, denn dafs man
auch in Deutschland dem blauen heher oder holzschreier
ursprünglich die wegnähme der Schwindsucht zugeschrie-
ben habe, scheint mit Sicherheit aiis dem aberglauben her-
vorzugehen, welchen Montanus (die deutscheu volksbräuche
u. s.w. s. 177) mittheilt, nach welrhem das fleisch des
holzhehers früher gegen auszehrung genossen wurde. Dies
scheint um so sicherer, als man auch, wie wir gleich se-
hen werden, die gelbsucht, die der gelbfink bringt, nach
schwedischem glauben, wieder los wird, wenn man einen
gebratenen gelbfinkeu verzehrt.
Werfen wir noch einen blick auf den namen des he-
hers, so ist zunächst zu bemerken, dafs sowohl cäsha als
kikidivin denselben bezeichnet, letzteres scheint hier noch
ein adjectiv zu sein, dessen bedeutung ich jedoch nicht
enträthseln kann. Doch finden sich auch die simplicia
kiki und divi und divi zur bezeichnung desselben vogels
verwandt; zu ersterem stimmt aber mit der vollen feminin-
endung und erweichung des gutturals genau das griech.
xia<sa oder xivta für xixja\ beide gehen auf eine wurzel
xix zurück, von der ebenfalls hehara stammt. Man hat
nun aber längst hehara und hegiro, heigir als zusammen-
gehörig betrachtet, wie denn auch das angelsächsische in
gleicher weise g statt h zeigt in higora, higere, und ebenso
hat man dann diesen das nordische hegri^ an dessen stelle
sich auch heri findet, mit recht zur seitc gestellt. Den for-
men für den reiher scheint ursprünglich überall anlauten-
74 Arendt
des hr zugestanden zu haben, welches aus dem streben,
das doppelte r zu meiden, zu blofsem h wurde. Da nun
dieselben thiere, denen man das hervorrufen der krankheit
zuschrieb, dieselbe auch hiuwegnehmen, wie wir bei der
gdbsucht sehen werden, da ferner der heher auf Island
selten ist, und so der name begri, der ursprünglich heher
bezeichnete, um so leichter an die stelle des zu muthmar
Isenden bregri treten konnte, so wird in dem reihcr der
Vergessenheit im Havamal 13 (ominnis hegri hcitir, sa er
yfir ölörum ))rumir der Vergessenheit reiher heifst, der da
über den trunkenen schwebt, vgl. Egilsson s. v. öldr s. 620)
ebenfalls ursprünglich ein heher zu sehen sein, der dem
trunkenen die kraft des gedächtuisses dahin rafft.
Ä. Kuhn.
(Foitsetzung folgt.)
ßertholdus Delbrück, de intinitivo grueco. Diseertatio inauguralis.
Halis Saxonuni 1863. 8. pgg. 86.
Ueber den infinitivi Eine der dankbarsten anfgaben, die sich
der Philologe wählen kann, mag er die sache nun vom ali- phi-
lologischen oder vom neu -sprachwissenschaftlichen Standpunkte
aus zu behandeln unternehmen. Der Verfasser der abbandlang
jedoch, deren titel oben angeführt ist, hat sein schönes thema lo
keiner weise zu würdigen verstanden. Er berührt alle möglichen
fragen, die sich an den griechischen infinitiv anknüpfen lassen,
ohne eine einzige zu lösen ; eine in die äugen fallende oberflSdi-
lichkeit der auffassung sowohl, als der bebandlung cbaractertsiit
die ganze arbeit. Dabei soll öbrigens nicht geiäugnet werden,
dafs sich einige gute bemerkangco, und manches brauchbare m»-
terial zu weiteren Untersuchungen in der dissertation des herrn
Delbrück zerstreut finden. Dazu rechnen wir z. b. die ausein-
andersetzung auf s. 3 über den grund, weshalb sich die endan-
gen fievcu^ vai zu fitr, v haben verstummein können, während
doch sonst scbliefsendes at nicht abzufallen pflegt« Der vcrf.
anzeige. 75
erklärt dies aas der natar des vorhergehenden consonanteu (f),
den die griechische spräche am wortende verträgt, während z. b.
in jvnietai der abfall des ai auch den Verlust des t zur folge
gehabt hätte. Auch was der Verfasser über den Ursprung der
infinitiv-endung pai sagt, die er nicht mit fjievai identificirt, son-
dern worin er das skr. suffix ana sucht (s. 3), scheint beach-
tungswerth.
Für die infinitive auf eiv gibt der verf. auf s. 4, 5 eine eben
so neue als unhaltbare erklärung. Es soll eiv der acc. sing, des
sufflxes 7f, nom. zig sein, desselben, womit /i^rti; u. s. w. gebil-
det sind, also z. b. J^syeiv für XeyeTiv stehen, mit ausfall des r,
wie Af/ei aus XsyEJi entstanden ist. Dafs das skr. suff. ti sehr
geeignet ist zur bildung des infinitivs, steht fest; nur fügt sich
dasselbe unmittelbar an die wurzel an, und wir hätten dann for-
men wie li^iv u. dgl. zu erwarten , aber nimmer ein ^XiyBiiv^
If^eiv. Diese Schwierigkeit erwähnt hr. Delbrück mit keinem
Worte. Freilich kommt auch ein -a-ti-s vor, welches Bopp im
griechischen in der gestalt -e-ai-g wiedererkennt in Worten, wie
rffi-e-ai-gf Xdi-e-ai-g. Dieses überhaupt seltene a-ti-s wird nun
zwar in keiner spräche zur bildung des infinitivs verwandt, in-
defs angenommen, dies sei geschehen und r, statt zu <y zu wer-
den, ausgefallen, so duldet doch -a-ti-s so wenig als -ti-s die
klasseneigenthümlichkeiten vor sich und ein Xa-y-x-dv-e-ai-g statt
Xdx'B-at-g wäre eine ungeheuerliche form. Ganz originell, und
iu der that für uns unverständlich ist hrn. Delbrück's erklärung
der inf. aor. I. auf am. Dies aai nämlich soll nach s. 5, 6 nicht
mit der skr. endung se zusammenhängen, sondern, wie es s. 6
heÜBt: „da das thema des Isten aorists tv^pa ist, von welchem
thema aUe moden gebildet werden, so wäre es gewifs wunder-
bar und unerhört, wenn der infinitiv von einem anderen thema
hergeleitet würde, rvipai ist von rvipa nicht zu trennen, daher
hat es mit jenen indischen formen, die dative von Substantiven
auf as sind*), nichts gemein, sondern ist der loc. sing, des the-
ma's des Isten aorists tvxpa^. Also ein zugleich conjugirbares
und declinirbares verbalthemal Das eigenthüm liehe seiner erklä-
rung, das „wunderbare und unerhörte^ derselben, um seine ei-
*) Nämlich nach HÖfer und Schleicher, da Bopp vergl. gramm. III.
270Bq., bOTonders pg. 272 §. 855 in dem se, s'd, ase vielmehr das rerb.
subst. sucht
76 Arendt
geneu ausdrackc zu gebraacbeti, scheint der verf. kaum gefohlt
zu haben; er macht die Sache sehr kurz mit den Worten ab:
„wir werden sogleich noch ein zweites beispiel dieser wurzelhaften
declination (hujus declinationis radicalis) anfuhren^. Mit diesem
zweiten beispiel meint er Bopp's erklärung des griech. infinitivs
med. und pass. auf -(J'&ai aus der wurzel skr. dha. Bopp aber
erklärt (vergl. gramm. III, 32Ssqq., besonders pg. 330, und noch
deutlicher im accentuationssystem pg. 150) das d-ai in der eo-
düng des griech. pass. Infinitivs ausdrücklich fSr den dativ eines
abstracten, mit der wurzel gleichlautenden, Substantivs;
es giebt eben wurzeln, die, ohne ein suffix anzunehmen, decli-
nirt werden. Insofern sie aber declinirt werden, sind sie gar
nicht mehr wurzeln, sondern substantiva, freilich dem laute
nach von der wurzel nicht verschieden, daher sie von Bopp pas-
send wurzel Wörter genannt werden; deshalb ist schon der
ausdruck „wurzelhafte declination^, den hr. Delbrück gebraucht,
mindestens sehr bedenklich und schief. Aber wir wollen um
den ausdruck nicht rechten; mag man immerhin den grammati-
schen Vorgang, durch den nach Bopp's erklärung das -^af in
Xiy'e-a-&ai entstanden wäre, eine „wurzelhafte declination** von
&il (&e) nennen: ist denn rvi/;«, dessen locativ uns in der form
Tvxfßat vorliegen soll, auch noch immer eine wurzel, der es noch
freisteht, sich bald als verbum, bald als Substantiv zu differen-
ziren, etwa wie im sanskrit die wurzel ad ohne weiteres bil-
dungselement durch blofse Verbindung mit den personalendungen
zum verbum werden kann (äd-mi „ich esse^ etc.), am ende
von compositen hingegen, ebenfalls ohne annähme eines weiteren
bildungselementes, in der bedeutung eines part. praesentis auf-
tritt (kravyäd = kravya + ad „carnem edeus**) und als sol-
ches declinirt wird? Nennt doch hr. Delbrück selbst wenige
Zeilen ehe er seine „wurzelhafte declination^ in's feld ffihrt, die
von ihm abstrahirte form rtnpa das thema des aorists: thema
aber und wurzel sind doch unendlich weit von einander unter-
schieden. Wenn der erste aorist, wie wohl heutzutage in Sber-
einstimmung mit Bopp von fast allen Sprachforschern angenom-
men wird, durch Zusammensetzung der wurzel mit dem verb. snbst.
gebildet ist, so kann man eigentlich von einem thema des aorist's
gar nicht reden; aber auch wenn wir hiervon ganz absehen und
also mit hru. Delbrück tvxpa als thema ansetzen wollten, so wäre
doch tvipa eben durch deu zusatz aa (jvn-aa) jedenfalls schon
anzeige. 77
aus dem zustande der indifferenz, den es als wurzel (rvn) be-
hauptete, herausgetreten, und kann unmöglich noch immer de-
clinirbar und conjugirbar zugleich sein. Wer es bedenklich
ündet, die ßopp'sche analyse des ersten aorists anzunehmen,
mufste das aa für einen ähnlichen zusatz halten, wie das pv in
dtix-tv-fASt; und wie die wurzel diH, lat. die, wohl ohne weite-
ren znsatz als nomen gebraucht, d.h. declinirt werden konnte
— was denn auch factisch zwar nicht im griechischen, aber doch
im lateinischen der fall ist (ju-dex, genitiv ju-dic-is) — deix-w
aber nicht mehr wurzel, sondern schon ein nur noch conjugir-
bares verbalthema ist: so konnte man sich wohl ein decli-
nirbares rvn vorstellen, nimmermehr aber ein declinirbares tvn-
-70 (praes.-thema) oder rvTr-aa (aoristisches thema nach hm.
Delbrück).
In wie entschiedener weise wir übrigens auch den oberfläch-
lichen und die Schwierigkeiten gänzlich überspringenden erklä-
rungsversnchen des Verfassers entgegentreten zu müssen glaubten,
so scheint ihn doch bei seiner erklärung des inf. aor. I das rich-
tige gefühl geleitet zu haben, es dürfe das <7 in zvipai von dem
a der übrigen formen des aorist's nicht getrennt werden. Dies
geschiebt aber auch nur nach Ilöfer's und Schleicber^s erklärung;
gegen Bopp kann dieser einwand nicht geltend gemacht werden,
da seiner analyse gemäfs das <J sowohl in e-tva-aa als in rvn-
-(Tai dem verb. subst. angehört, Wir schliefsen uns deshalb Ho-
fer, Schleicher und Delbrück gegenüber der Bopp'schen erklärung
ganz entschieden an. (Mit Bezug auf Bopp s. die schon oben
[p. 75*)] angeführte stelle der vgl. grammatik). Mit §.2 (»vom
verhältnifs der etymologie zur syntax^) beginnt der syntaktische
theil der abhandlung. Hier wird als die aufgäbe des gramma-
tikers bezeichnet, den etymologischen und syntaktischen sinn der
sprachformen mit einander zu vermitteln. Der Infinitiv nun sei
etymologisch „ein casus eines abstracten Substantivs^, syntaktisch
dagegen (nach Rudimann) „ein modus, der die allgemeine be-
deutung des verb's ohne den unterschied einer bestimmten per-
son oder eines bestimmten numerus ausdrücke*'. Es wäre non
also zu zeigen, wie sich diese beiden scheinbar grundverschie-
denen definitionen mit einander ausgleichen lassen. Dies ver-
sacht nun der verf. in §. 3 — 8, womit noch §.14 zu vergleichen
ist: in einer weise freilich, für die wir keinen ausdruck finden
können, der zugleich den anforderungen der Wahrheit and höf-
78 Arendt
Hchkeit entspräche. Der Infinitiv ist also ursprunglich ein casos,
theils locat., theils accus, eines substantiv*s ; jedoch hat er hn
Sprachgebrauch seinen substantivischen sinn verloren, denn er
hat mehr syntaktische eigenthumlichkeiten mit dem verbmn
gemeinsam, als mit dem hauptwort. Wie hat das geschehen
können? Sehr einfach: nämlich der accus, und locat. sind ganz
besonders dazu geeignet, ihre casnsbedeutung zu verlieren, denn
viele ursprüngliche accusative und locative treten ja im griechi-
schen als adverbia auf. Also hat die spräche sehr weise geban*
delt (sapientissime egit), für die bildung des infin. gerade diese
beiden casus zu wählen; nun also mufs offenbar derjenige kurz-
sichtig sein , der nicht sogleich mit hrn. Delbrück einsieht, wie
der innn., der eigentlich ein loc. oder accus, ist, — nicht etwa
adverbiale, sondern — verbale bedeutung hat annehmen können.
Dafs der infin. denselben casus als das verbum finitum regiert,
Fiat auch nichts auffälliges (§.4), denn auch andere substantiva
können dies thun (Plautus: quid tibi hanc digito tactio est und
ähnliches bei griechischen Schriftstellern); wenn der Infinitiv nicht
mit adjectiven, sondern mit adverbien verbunden wird (§. 5), so
gibt es ja auch Substantive, die mit adverbien verbunden werden,
man sagt z. b. ol vvv av&Qoonoiy oi ndXai apd^gmnot; der einzige
unterschied zwischen dem Infinitiv und anderen Substantiven idC
also der, dafs das substantivum mit adverbien verbunden werden
kann, der Infinitiv mit Ihnen verbunden werden mufs. Wir
fragen: wo ist auch nur ein schatten von analogie zwischen aus-
dmcksweisen wie KoXmg /^aqpeir, und solchen wie die angeftthr-
ten mit vvp und ndXai? Erstens haben wir in xaXmg yqixftw
ein adverbium der art und weise, in ol vvf op^quanoi eins der
der zeit, und das macht hier einen wesentlichen unterschied, da
gerade adverbien der art und weise niemals an stelle von ad-
jectiven mit Substantiven verbunden werden können. Femer in
}i€fXmg ygdqiBiv ist es die verbale kraft des Infinitivs, welche das
adverbium verlangt, während in oi wf aif^wftoi nicht daa Mih^
Stantiv der art ist, dafs es seiner bedentong gemäfs ein adver-
binm statt des adjectivs bei sich verträgt: sondern die stellang
desr adverbs zwischen artikel nnd snbstantiv verleiht dem pBp
od\^ Ttdkai attributive kraft: oi ifvp av&qtanoi ist so viel als oc
W9 SptBg at^Qionot; dieses orfs^ ist aber nicht etwa zu soppH-
nen, sondern es ist unnöthig gemacht durch die Umgebung, in
der datr vvv hier auftritt Auch der Engländer kann so spre**
anzeige. 79
eben: at her then age (Tbackeray); my sometimes daugbter
(Sbakespear im Lear).
Mit §. 5, den wir so eben besprocben, scbliefst der tbeil
der dissertation , welcber die natar des Infinitivs im allgemeinen
bespricbt, ab. Wir baben nur die ganz angenagende weise tu
cbarakterisiren gesucbt, in welcber der verf. die fragen, die er
sieb gestellt, löst, oder vielmehr nicht löst Aber auch schon
die Stellung der fragen selbst ist ganz schief ; naturlich I denn
fragen richtig und klar zu stellen ist schon der erste schritt
zur richtigen lösang derselben. Wir verweisen in dieser bezie*
hung vorzüglich auf Steintbal's grammatik, logik und Psycholo-
gie s. 368 — 373 §. 131, eine darstellung, die man in Verbindung
mit Bopp's etymologischen forschungen über den Infinitiv je-
der weiteren untersachang über diesen äafserst schwierigen ponkl
der grammatik am sichersten wird zo gründe legen können.
Es wfirde uns zu weit fuhren, auch die noch übrigen Para-
graphen der DelbrSck'schen dissertation in gleich aasfobrlicher
weise dorcbzogehen. Ein braachbares material enthalten beson-
ders § 7 (infinitivnm per genera moveri^), §.8 („de infinitivo
pro imperativo nsurpato^) nnd §. 12 („de acc. cum inf^). Mit
den gegebenen erkl&rungen indessen können wir selten einver-
standen sein {luyas I^bIv soll so viel sein wie luyag (Säte ripa
idu9 airop [pg. 15]I und dergl. oberall), nnd die nntersachang
koDMDt nie recht in gang („Scriptores classicae aetatis diligen-
ter ömnes perle|;ere et locos, nbi inf. pro imp. inveniator, hie
enomerare non operae pretinm dnximus^ heiOst es z. b. 8.21).
Der text ist dnrch häufige dmckfehler bälislich entstellt.
Berlin, Mai 1863. Carl Arendt.
Uebergaog von 1 in d.
Es ist mehrfach die frage gestellt worden, ob 1 auch in d
oder nor umgekehrt d in 1 übergebe. Cartins grundzüge II, 27
hat sich gegen die erstere annähme, für die letztere entschieden.
Schweizer dagegen scheint sich (zeitschr. XII, 300) für die er-
stere, obwohl mit einiger zarnckhaltong, zn entscheiden. Wir
wollen einige beispiele, in denen der Übergang von 1 in d oo-
zweifelhaft ist, nachweisen. Zunächst wird man bei der nahen
80 Kuhn, miscelle.
Verwandtschaft, in der r und 1 zu einander stehen, sobald der
Übergang von r in d nachgewiesen ist, auch den von 1 in d
kaum zweifelhaft finden; zumal es erwiesen scheint, dafs die Äl-
teste indogermanische stufe nur r gekannt habe (Schleicher comp.
I §. 1, anm. 1 „1 ist eine secundaire abart des r^). Der Über-
gang von r in d findet sich nun aber unzweifelhaft in den nor-
wegischen dialekten , wo die alte durch anhangung des prono-
mens entstandene pluralendung arnir, arnar, urnar, irnar sich in
den verschiedenen dialekten zu ann, nnn, inn, oder adn, adn,
idn, oder ainn, uinn, inn gestaltet; so lautet die form für he-
stamir in Thelemarken bestaun, in Hallingdal hestadn, im
Drontheimschen hestainn. Vgl. Munch og Unger det oldnorske
sprogs eller Norrönasprogets grammatik §. 83 am ende. Bei-
spiele dazu finden sich ferner in Ivar Aasen prover af landsmaa-
let i Norge s. 26 olbogadne für albuerne, huldidna, s. 27: byg-
dadne für bygdarnir bjgderne, kjellaradne, s. 29 : kveldadne, da-
ladne, fingaradn'. Aber auch für den Übergang des 1 selber in
d finden sich in den norwegischen mundarten unzweifelhafte bei-
spiele; so geht das doppel-1 in der mundart von Sogndal (Ivar
Aasen s. 29; in dl über, beispiele dafür bieten sich in kadla für
kalla, fjedPe für fjell, bergatrodli für bergatröll, skarafydlingen
für skarafyUingcn , gudl für gull, fudle för füll. Aber in Sae-
tersdalen geht dies doppelte 1 in doppel-d über, so (Aasen 8.49)
adda für alle, s. 50: padd für pall, fjödd für fjell, idde für ille,
s. 51 : kadde für kalle. Es kann hiernach jedenfalls über den
wirklichen Übergang von 1 in d kein zweifei mehr sein, nnr ver-
dient allerdings bemerkung, dafs hier nur der Übergang des dop-
pel-1 in dieser weise sich zeigt und dafs derselbe auf dem stre-
ben nach dissimilation zu beruhen scheint. Daher wird denn
aach schliefslich der Wechsel von 11 und Id, wie er sich im dä-
nischen findet, z. b. in fuld für füll, in falde für falle « iyelder
für kjeller, bold für boll = ball u. s. w. hieher zu ziehen sein,
der bisher durch antritt eines parasitischen d zn erkl&ren schien,
aber offenbar ebenfalls im streben nach hörbarmachang des dop-
pellauts seinen Ursprung hat. Id aus 11 ist dann bekanntlich auch
im holländischen, englischen und niederdeutschen häufig, z. b. in
holl. alderbeste, kelder, e. eider für ags. ellarn u. a. Die frage,
ob auch das einfache l in d übergehen könne, ist dadurch ft*ei-
lich nicht entschieden, doch sprechen die eben angeführten f&lle
für die bejahung; namentlich wird man den Übergang von 1 in
d nach kurzem vokal unbedenklich annehmen dürfen.
A. Kuhn.
Pott, roman. elemcnte in den langobardischen gesetzeu. 81
Romanische elemente in den langobardischen
gesetzen.
(Fortsetzung.)
Verbum.
Wie io den- verschiedenen romanzos als analytischen
sprachen präpositionen sich vielfach an stelle der casus
gesetzt haben: so auch lösen sich in ihnen viele vcrbal-
formen, die im latein synthetischen Charakter trugen, wie-
der in umschreibende bildungen auf mit auxiliaren.
Z.b. erlischt unter den genera die gesammte passivform
nebst deponens, das part. pass. ausgeschlossen. Depo-
nentia erhalten ganz einfach activformen, wie schQn Struve
(lat. decl. und conjug. s. 93fgg.) ein zahlreiches beer von
lateinischen verben zusammengebracht hat zugleich mit
activ- und deponentialform. Z.b. p. 72: Si hominem
eterantem (iterantes p. 143 von iter*)) cavallus aut quis-
levit peculius (vieh) secutus fuerit (also noch pass.; it
seguito^ erfolgt). ^V^ (jedoch) si sequere (ital. seguire,
franz. suivre) cepit (coepit) et se de via iumavit (s. Diez
etymol. wörterb., mit dem schon sehr früh nachweisbaren
ausdrucke tomare^ frz. toumer im sinne von „drehen, wen-
den**; lat. drechseln, eig. — durch reiben — abdrehen; ital.
deviarse vom wege abkommen, dismato verirrt), nulla sit
culpa illi, quem sequere cepit. — P. 168: De clusas (it.
chiusa) quae disrupte sunt {dirotto zerbrochen, von dtrom-
pere^ disrompere)<f restaurentur, et ponant ibidem custo-
diam u. s. w. Clusa^ nach Adelung angustior montium adi-
tus, klause, soll an unserem orte ohne zweifei die „befe-
stigimg eines engpasses^ bezeichnen, mittelst deren letzte-
rer gleichsam verschlossen werden kann. Es wird fortge-
fahren: ut — neque extranei possint ingredere (doch in-
*) Statt itintrans Salvian. wandernd, nicht zu iferare von iferuni. Auch
franz. errer , reisen, Diez gramm. II, 392 u. 8. w. daher, indem die alte
form ednir assiinilation beweist und horlpitimg aus lat. prrnrc verbietet,
Diez etym. wörterb. s. 619.
Zeitachr. f. vgl. sprachf. XIII, 2. (J
82 Pott
grediiur p. 64) in provincia nostra (acc). „Die active form
von aggredior wird aus dem Plautus aufgeführt ** Struve
8. 101. — P. 18, tit. 273: Si servus intra provincia vagci-
verit, wie schon im alten latein neben vagor eine activ-
form hergeht. — F. 66: Si — homo peregritaverit (peri-
clitatus fuerit). — P. 110: adortavit (Papa — per saam
epistolam) d. i. adhortatus est, vgl. Struve s. 101, wird p.
219 durch afirmavi (gekürzt aus af&rmavit) glossirt, was
it. affermare wird sein sollen : „befestigen, bestärken^ (we-
niger in der meinung, als im entschlufs; loL firmare er-
muthigen): ut talem (statt tale) conjugium fieri nullatinus
(glossirt: nullo modo) permitteremus. — P. 114: pignerü
eam, der pfände sie aus, nehme ihr ein pfand (nicht, da
es sich um eine freie handelt: sie selbst zum pfände).
Es sollte eigentlich das deponens (pigneratus fuerit p. 102)
pignerari stehen, was, medial gedacht, s. v. a. sich zum
pfände nehmen, indem das act. pignerare (it. mit o: pi-
gnorare, wegen des zwiefachen pigneris oder pignoris im
latein) vielmehr: „ein pfand geben'* bezeichnet — P. 134:
ut homo filium suum meliorare et remunerare possit, qui
ei melius servierit, d. h. nicht: verbessern, trotzdem dafs
auch illos posteriores — meliorem (jeden einzelnen) facere,
sondern: besser stellen, bevorzugen, z. b. [ad?] tertiam
partem substantiae (des Vermögens). Das spätere latein
hat übrigens auch schon eine activform statt remuneror
aliquem, beschenken, und daher, wie hier, das part. remu-
neratus, beschenkt. — P. 19: Si quis piculium de dam-
num (eines ihm angerichteten Schadens halber) ad dausura
minaverit (wegtreibt und einsperrt) s. Freund und Kaulen,
Sprachverwirrung s. 97. Auch Edict. Liutpr. p. 133: Nam
si pulsatus fuerit (angeklagt) quod iniquo animo (böswil-
lig) plus quam (also hier nicht das sonstige de) suam (sua)
animalia minassit^ satisfaciat ei (dem kläger) solus (wohl
blofs statt solum, nicht etwa: er allein, ohne eideshelfer)
ad evangelias (fem.; durch schwur auf die E.). ItaL me-
nare^ franz. mener Diez et. wörterb. — Patt nach Struve
„sehr selten als act.". Bei Vesme p. 83: De liberis de
roman. elementc in den langobardischen gesetzen. B3
quibiis constat XXX annis in libertate sua permansUsit
(etwa: ut, wie er, als einzelner, oder iuf. -isse), nulla per
pugna (acc.) patiatur violentia, wahrscheinlich doch nicht
passivisch: gewalt werde erduldet, sondern: der erdulde
keine gewalt (nulla y. als acc). — P. 84: Per pugnam
non faticetur (c statt g), werde nicht belästigt; und kurz
vorher: et cognitum fuerit quia (dafs) ejus possessio fiiit,
post trigenta annorum curricula pugnam non proveniat
Kaum mit weglassung von in vor pugnam: braucht er kei-
nen kämpf einzugehen. Vielmehr pugnam fälschlich als
subj.: erwachse daraus (f&r ihn) kein kämpf, vgl. p. 120
no. 11: postea eendat exinde pugna. — Passivisch supra-
f ati propinqui parentis (nom. pL) p. 101 , obbenannt, wie
im späteren latein praefatus^ vorher erwähnt. It. soprad-
detto, soprascritto u.s.w. — Umschreibungen des passives
mittelst fieri und part.prat.pass. nach analogie unserer
bildung jenes genus durch werden, welche schon ins alt*
hochdeutsche u. s. w. (ja theilweise ins gothische) zu-
rflckreicht (s. Grimm IV, 21 vergl. mit 12; Diez III, 185
ausg. 1), sind in den gesetzen der Langobarden keine un-^
gewöhnliche erscheinung. Ille autem — qui ipsam mulie-
rem alienam adulteraverit quanquam cum vir (sL viri) ejus
consensum (obgleich mit ihres mannes einverständnifs, auf
dessen anstiften?), fiat traditus in manus ad parentis (den
verwandten) ipsius mulieris p. 141. — P. 117: De gasifi-
diis (gefolgschaft; nicht wie unser jetziges gesinde) vero
nostris volumus, ut quicunque minimissimus (auch bei Ar-
nobius, it. minimusimo; der geringste) in tali ordine occi-
sus fuerit, pro eo quod nobis deservire vedetur (bei uns
gleichsam in dienst steht), CC solidis ßai conposUus (werde
gebü&t), secundum qualis persona fuerit Ital. secondochä
sono oneste e utili, nachdem die Sachen gut und nütz-
lich sind — werden sie geschätzt. — Vergl. p. i20 juxta
qualis causa fuerit. — P. 120: non (ne) fiat ipsa causa
per pugasLJudicata aut finita. — Quod ipsum malum per
ipsum fiet inquoatum (inchoatum) verübt wird, wie p. 120
qui ipsHt (spätlateinisch nach analogie von Ulud) malum
6*
84 Pott
agit im gegensatz des consiliator. Qiii hoc malum facere
temptaverit p. 110 vgl. 140, wie it. malfattore Obelthäter. —
P. 128: Si deinceps causa emerserit, sie deveat ßeri ler-
minata^ sicut nunc statuere msi sumtis (wir geruheten, no-
bis visum est, placuitj. — P. 126: Et ipsa meta (geschenk
an die braut) sub aestimatione ßat data et adpraetiata,
ut nuUo tempore exinde intentionis (Streitigkeiten) aut cau-
sationis procedant. — Es verdient indefs beachtong, wie
,,fieri nur noch im walachischen und zwar defectiv vor-
kommt«*. Diez n, 122.
Als reflexiva: P. 148: Si quis sciens se petjura-
cerit vielleicht nicht, wie it. spergiurar-si, sondern se
sciente, wissentlich. P. 15: Si quis se desperacerii de
filiis, was zufolge p. 43 bedeutet: daran verzweifelt, kinder
zu bekommen. Ebenso mit reflexiv -pronomen ital. dispe-
rarst di alcuna cosa, allein disperare activ: in Verzweif-
lung bringen. Frz. dSsesperer de qch,^ an etwas verzweifeln,
aber: se d^sespirer in Verzweiflung gerathen. Si quis se
disperaverit aut propter senectutem aut propter aliquam
infirraitatem corporis [quod weggelassen?] filius (-os) non
possit habere. — Ferner p. 52, nachdem der fall gesetzt,
si — parentes eam (die tochter nach dem tode des man-
nes) ad se recollegere (zurücknehmen, vgl. no. 174, ital. ri-
cogliere, eintreiben, einfordern, franz. recueillir) voluerent,
reddant praetium cet.; tunc illa absque morgincap aut ali-
quit (acc. statt abl.) de rebus mariti revertatur sibi (vergl.
reverto-r, dessen r reflexiv = se, neben trans. reverto) ad
parentes. — Et (fllii) vadant sibi (it. andar-^t) ubi (it. ove,
dove, wohin) voluerent liberi (als freie). Vgl. p. 54 res ad
donatorem revertantur. — Auch p. 46. 48. 56: sit sibi con-
temptus (nicht etwa von contemno, sondern contentus p.
27), er sei damit zufrieden, lasse es damit genug sein, er-
innert an it. contentarsi^ sich zufiieden geben. Die Schrei-
bung wie in tempto statt tento (eigentlich prüflmg des bo-
gens durch spannen), ftXr welche verirrung Ebel zeitschr.
IV, 442 vergebens auf andere herleitungen sinnt.
Causativ für lassen, nicht als blofs nachgebendes
roman. demente in den langobardischen gesetzen. 85
zulassen (sioere, frz. laisser), sondern als positives veranlassen
(frz. faire, also eigentlich machen dafs — , lat. jubeo fieri durch
befehl oder sonstige anregung). Solche beispiele mit inf.
zeitschr. I, 3 1 4. Bei Vesme p. 148 ambulare (eam) fecis-
Sit veranlafste sie zu gehen. So desgleichen z. b. bei Ade-
lung im glossar v. Matto: Jnro dare (selbst zu geben) vel
dari facere (geben zu lassen). Ferner: Volumina rex ille
in suam linguam fecit (lat jussit) ab optimis interpretibus
convcrti. Schol. Plautinum apud Cramerum, De studiis cet.
p. 17. Oder: Ad tormenta rapi facies, aus Caecilii Balbi
de nugis philosophorum quae supersunt. Ed. Woelfflin,
angeführt heidelb. jahrb. 1855, no. 25 8.387. Sogar, wie
franz. faire faire^ p. 132 et faciat sibi eum servum operas
facere sicut suum proprium servum. Indefs kommen auch
schon im guten latein structuren von facio mit inf., wenn
auch selten, vor. S. Freund wörterb. facio A. ;'.
Für das aufgegebene lateinische futurum hat sich
in den romanischen sprachen durch zusammenschweifsen
von habeo als auxiliare mit dem infinitiv des concreten
verbums davor eine neue form wieder erzeugt (Blanc, ital.
gramm. s. 359 f; EHez, gramm^ II, 99, ausg. 1; III, 255;
Fuchs, unregelm. zeitw. s. 107), welche sich fast den an-
schein giebt, synthetischen bildungcn des alterthums gleich-
zukommen. Es finden sich dafür aber in den langobardi-
schen edicten bereits ansätze. Z. b. p. 144: Hoc autem
rei veritas (als wahre thatsache) pcrvenit ad nos, quod
(dafs, für acc. c. inf.) quidam homo, diabolum instigantem
(acc abs.: auf autrieb des teufeis, von ihm verführt) dt-
xissit (conj. plusqpf., obschon es perfectum sein sollte) ad
servum alienum: Veni et occide (wie bei uns: komm und
thu das) dominum tuum et ego tibi facere habeo (ital. far-d,
bei ganz alten far-abbo^ far-aggio u. s. w.; Blanc s. 413,
franz. je fer-ai) bonitatem (ital. bontä) quam tolueris. Jetzt
im ital. far del bene al alcuno jemandem gutes thun. Ille
autem puer (bursch) suasus (it. persuaso, überredet; also
pass.) ab ipso intravit in causam illam malam (it. entrare
in una cosa sich darauf einlassen; etwas anfangen); et
M Pott
hiidem (vergl. das nachfolgende his statt is, mit -Jem, ob-
scfaon lateinisch auch im m. idem mit vertust von s, wie
dSjudico, vin? u. s. w.; s. pron.) qui cum suaserat (mit acc.,
wie bei uns: ihn überredet hatte, vgl. persuadere aliquem
Diez III, 98) in tantam maliciam perductus est, ut aetiam
(etiam) presentaliter (anwesend, nachher: in sui presenciam)
diceret eidem puero: Feri dominum tuum; et ipso ei pro
peccatis (der sklav dem herrn; sündhafter weise?) ferilam
(ferita, Verwundung, im it.) fecit. Et iterum dixit ei (der
anstifter dem sklaven): Feri eum adhuc (noch mehr; it.
anc-ora); nam si non eum (wenn aber — ), ego te ferire
habeo (ital. ferir-ö^ ich werde schlagen). Eine nachah-
mung des germanischen passivs scheint enthalten indem
bald hierauf folgenden: quoniam consilium mortis in oc-
culte [-0, oder adverb. ohne in?] fiel (das fut.: wird —
gewöhnlich — gemacht werden) condnnatum^ et aligotiens
(g verlesen statt q? Auch noch das ältere n) perficitur et
aliquoties non perficitur. — Sodann p. 145 no. X: quia
apparuit nobis, quod si nos ipsa causa (acc.) audierimus,
Deo fabentem (favente), sine peccatum eam inquirere hor
bemus (wir untersuchen werden; oder: können), et sie or-
dinäre, ut mercedem habeamus. — P. 143: quia si invenis-
sit eam (eine frau, welcher beim baden das kleid wegge*
nommen worden) pater aut frater — scandalum cum emn
comittere habuit (gleichsam condit., würde mit dem ih&^
ter händel gehabt haben, oder gleichsam mit moralischem
zwange: hätte haben müssen), et qui superare (die Ober-
hand gewinnen) potuissit, unus alterum interßcere habuit.
Desgl. p. 140: Mulier ipsa ad palatium et ad judicis Ao-
buii proclamare (hatte es zu — roufste — berichten);
ideo tacere hoc nequaquam debuii (durfte nicht).
Auch begegnet man schon zuweilen periphrasti-
sehen perfectbildungen mit habeo, wie z. b. im Edict.
Orimoaldis no. VIII: Si mulier aut puella notum habuerit
(in erfabrung gebracht hat, d. h. weifs) quemcumque ha-
bere oxorem, et super ipsam introierit*) et tolerit ei mar
*) Vgl. in rebus ipsis (statt accus.) introire (sich in besitz setzen) p.
roman. elemente in den langobardischen gesetzen. 87
ritum non suum (und ihr den mann nahm). — Ferner p.
146: Si quis homo über babuerit (besitzt) servum aut an-
cilla, aldium aut aldia conjugatus (statt -os, die ehelich
verbunden sind) et, insticantem inimicum humani generis
(acc. abs. f. instigante diabolo), cum ipsa ancilla, quam ser-
vus ejus matrimoniatam habet (geehlicht hat), ~ adulte-
rium perpetraverit. — P. 112: Et si de conludio (wegen
durchsteckens mit jemandem) pulsatus fuerit (vor gericht
gestellt), satisfaciat (it. soddisfare genüge leisten; durch
schwur auf — ) ad evangelia (doch ital. giurareper i santi
vangeli, wie per Dio = lat. per Deum), quod nullum con-
ludium cum alium hominem de ipsa causa factum haheat
(also hier nicht, wie sonst so ofl, das plusqpf. fecisset), et
sit solutus de culpa. — Ueber diese weise, tempora der
Vergangenheit in romanischen sprachen zu bilden, s. nähe-
res bei Diez II, 98; Höfers zeitschr. III, 145; unter mög-
licher mitwirkung germanischen einflusses (Grimm III, 155).
Zu bemerken ist ferner die z. b. mit franz. je vai$ donner
analoge Verwendung von eado. P. 44: Ecce vedis (vides,
it. vedere mit e), quia (dafs) necessitate conpulsus res istas
vado dare (dies hinzugeben im begriffe stehe, gleichsam
dran gehe). Diez HI, 207 no. 7.
Auch sonst ist in die tempora mancherlei, vom latei-
nischen standpuncte, ungehöriges oder Verwirrung hinein ge-
kommen. Z. b. die reduplication des perfects ist zu
gründe gegangen, wie Diez II, 119 bemerkt. Z. b. 1. Sal.
p. 80 ed. Lasp. neben dem richtigen pependerit und dem
hinten nach falscher analogie gebildeten pendiderit auch
(ohne die schon in lat. compp. wie dependi, perpendi man-
gelnde redupl.) penderit und im Cod. Bamb. pendierit (als
ob nach IV; doch vgl. it. vendb d. i. vendidit). So denn
auch in den langobardischen edicten morderit, currerit.
Aufserdem hat die sigmatische perfectbildung im
italiänischen gegen die gleiche im latein eine aufserordent-
115. Hier: und sie trotzdem sich noch über des mannes gattin, oder an
deren stelle, eindrSngte — gleichsam in dessen haus. Vgl. umgekehrt vom
manne: alia[m] iu domo (domum) super indoxerit (p. Sö).
88 Pott
lieh grofse ausdebDung gewonnen (Diez II, 138. 1). Der
grond hievon liegt darin, dafs die ursprünglicheren und
nicht zusammengesetzten lat. perff. (d.h. solche mit blo-
fsem i in 1 . sing., in welchen oft nur die vokallänge einen
schwächeren ersatz bietet ilkr die weggefallene reduplica-
tion), mit ausnähme einiger stark verbliebener (z. b. venni
= lat. veni, von venire ; vidi und veddi neben präs. vedere
= lat. videre), — und zwar als theilweise zu nahe an das
präsens grenzend, z. b. lat. descendit präs. und perf. (it.
sc^se) vgl. Diez II, 135 — dem ausdrucksvolleren sprach-
sinne nicht mehr rechtes genüge leistete, welcher defshalb
mit besonderer gier nach der schon im latein vorhandenen
aushülfe durch sigmatische perff. (dabei die leichter ver-
wischbaren formen mit -vi, ui = lat. fui verschmähend)
griflf, also gewissermafsen nach demselben principe, wel-
chem gemäfs wir im germanischen schwach form ige bil-
dungen in den früheren und mehrberechtigten besitz star-
ker sich in menge eindrängen sehen. Solcher perff. aber
mit 8 wider das latein gibt es nun im latein der Lango-
barden nicht wenige. Aufser manchen, die schon früher
berührt worden, wie occiserit, collexerent (collegerint p.
142) noch z. b. preserit p. 71 statt prehenderit, wie p. 112
habeat pro presura (it. presura, ergreifen, gefangennähme,
prehensio) de ipso servo (des sklaven) per caput (f&r den
köpf, it. capo per capo meine „doppelung** s. 158) solides
duos, qui cum presit. Das recht zu ergreifen hat z. b.
auch der saltarius (richtiger saltuarius im latein) als grenz-
Wächter. — P. 1 7 : De servus (statt servos, plur., obgleich
die congruenz den sing, verlangte) qui terminum effosie'
riU — P. 114: Si quis servum suum fulfrealetn (ahd. i^rl-
hals freier mann. Benecke I, 618, indem man dessen s, als
wäre es lat. nominativzeichen, fortliefs, oder nach weise von
liber-dlis?) tAtn^avertt (anderwärts erklärt donaverit, und also
wie unser: „frei giebt^) et amtind (frei, aus dem schütze
entlassen, mit priv. a-, Grimm gr. II, 706) a se fecerit,
vel quocuuque modo (in jedweder weise) cum a se absoU
serit. It prät. ctssolsi und assohii., freimachen, losbinden.
romoD. elemente in den langobardischen gesctzen. 89
Ein anderes beispiel im memoratorio de mercedes (über
die löhne) comacinorum Vesme p. 151: Et si arcum vol^
serit^ pedes duodeeim vadat (statt plur.; sollen kommen
auf — ) in solido uno (acc). In den Notae critt. wird aus
dem Cod. Guelf. die lesart volverit angemerkt, mit dem
Zusätze: nee male. D. h. der Schreiber setzte die gutro-
manische form — übrigens mit unrecht — in besseres la-
tein um. Vom it. volgere (volvere) nämlich lautet das prät.
volsiy das part. eolto Diez II, 141. t. Ein wölbbogen heifst
arco volto; wölben: fabbricar a voUd und z. b. eine brücke:
volgere un ponte. Bei DC. volutio, volta (fornix), franz.
roti/c, von volvere^ voltare concamerare. Auch bei Ade-
lupg Caput voltum i. fortasse q. Capuiium 3, pars aedis sa-
crae, ubi altare statuitur, volta seu fornice structa. Lat. f.
wölben: arcum ducere s. Promis bei Vesme p. 246. — In
betreff des vadere (auch z. b. sexcenti pedes vadant per
solidum unum u. dgl.) vergleicht sich z. b. ital. la tal roba
va (vadit) tanta alla libra, es geht davon soviel aufs pfund.
Rücksichtlich der comacini oder, vielleicht richtiger mit
doppel-m, commacini bemerkt Adelung im glossar, eine
deutung des wortes als gentile zurückweisend, es scheine
mit mlat. macio^ mattio^ machio (latomus), frz. magon^ engl.
mason gleichbedeutend, während der Italiäner nur fran-
massone^ freimaurer, hat und vermuthlich blols aus franz.
franc-maQon. Hiefur liefse sich, dafern die erste silbe in
commacini das collective com- sein sollte, etwa geltend
machen, dafs man so aus ihm eine genossenschaft oder
zunft von maurem, wo nicht gar bauhütten, herausbringen
könnte. Eine vielleicht unüberwindliche Schwierigkeit in-
defs läge in dem i von commacini gegen das ohnehin doch
kaum kurze o in franz. magon u. s. w. Promis in dem Ap-
pendix XI bei Vesme über das Memoratorium u. s. w. sagt
zu dem satze: Si vero macinam mutaverit (wenn man das
baugerüst hat ändern — d. h. wohl: abschlagen und auf
eine andere stelle bringen — müssen) folgendes: Macina
seu machina nomen est lignei aedificii artificum caemeuta-
rionun, quod vulgo ponte da muratore appellamus. De
90 Pott
hisce machiois, seu pegmatibus, perspicue Isidorus (Orig.
XIX, 8) j^Machiones dicti a machinis, quibus iosistunt pro-
pter altitudinem parietum^. Unde apud Gallos, murorum
structores vocati maQons. Adsunt et glossae Cavenses, ubi
legitur tnacina id est pontonem. Dafs die erklärung von
machiones aus machina falsch sei, mau müfste denn dort
ziemlich unwahrscheinlicher weise das n von letzterem um
der epallelie willen davon gegangen betrachten: so viel
liegt offen am tage, und kann mit gedachter herleitang
(gleichsam ein mann vom gerQste) ich mich so wenig be-
freunden, als mit den beiden anderen, deren Adelung a. a. o.
gleichfalls gedenkt. Maciones als vermeintliche verderbung
aus marciones, so dafs dieses von den marculi (hämmern
und meifseln) der Steinmetzen käme, will ihm selbst nicht
in den köpf, mir aber eben so wenig die andere, als
wäre es kürzung ans macerio, maceriarum eonstructor. Le-
diglich die differenz in den vokalen könnte noch einigen
zweifei darüber aufkommen lassen, ob maciones^ als ur-
sprünglich dem germanenthum angehörendes wort, dem
ahd. nom. plur. mezzon^ steinmezun (latomi) entspreche vom
sg. steinmezo^ Steinmetz, it. (mit umgestellter Ordnung der
glieder) taglia-pieire^ Graffll, 911. Ob aber trotzdem die
commacini nicht gewissermafsen ein sodalitium machinae
und überhaupt bauleute (nicht blofs maurer, sondern auch
zimmerleute u. s. w.) vorstellen könnten: diese frage weifs
ich noch nicht mit voller Sicherheit zu erledigen. Ital.
macigno bruchstein (also gerader unbehauener stein) und
macia eine steinerne wand, mauer ohne (I) kalk müssen
wir nicht nur hierbei, sondern selbst vielleicht bei comma-
cini trotz ihres i zur seite lassen, obschon doch mögliche
analogieen, wie contignatio^ conferruminare nicht unerwähnt
bleiben mögen. Die mühlsteine, ital. le macini oder le ma-
dne, vom sing, macine und tnacina^ könnten, obschon von
Steinmetzen zugerichtet, doch auch vielleicht als „maschi-
nen'' (jetzt ital. macchina, lat. machina) gedeutet werden.
Qualvolle wähl! —
P. 170: Recolimus — ut si frater deced&rit absque
roman. etanente in den Imgobardischen gcsetxen. 91
filiis, filiabuH, et sorores relinquerit, ipsae ei heredes suo-
cederinl. Von succedere bildet der Italiäner sowohl succe*
du als successi im prät.; des relinquerit mit d wegen bin
ich jedoch in zweifei, ob wir es nicht mit conj. imperf. zu
tbun haben.
P. 18 steht zweimal fugierit statt fugerit, und erklärt
sich das aus eindrängen von conj. III in IV, wie z. b. auch
mit cupivi Struve s. 200 fg. der fall ist. So bedeute auch:
Si quis foris provincia fugire temptaverit Edict. Roth. no. 3
bereits das iia\. fug gire^ frz. /utr voraus. DiezII,132. Doch
p. 129: repetire (die klage wiederholen, kaum: zurückfor*
dem, it. ridomandare), obschon ripetere bleibt. —
Erubisciebat (erubescebat), wie die inchoativa auf -isco
im ital. (Diez II, 127) unter anlehnung an partir, während
jedoch das imperf. fiorica (florescebat) das sc aufgiebt. —
Zu der form prestaverit wird in den Notae bei Vesme p.
327 bemerkt: Ita Verc, consentiente Italica verbi forma;
prestiderit Epor.; presUierii Cav. et Ma. Ueber dies eiu-
beugen eines comp, von stare in die scheinbar regelrechte
weise eines pcrf. in conj. I s. Struve s. 304 und für das
ital. Diez II, 130. — Beachtung verdient wieder eine an*
dere form. Lat. bdtuOj battuo wQrde nach weise von sta-
tütus sein part. prät. bilden müssen; und so steht p. 19:
De porcario bailuto, p. 73 battudo^ ital. baituio (z. b. ar-
geuto battutOj geschlagen silber), franz. battu. Walach. jo
säm batuL Ascoli, Studj crit. p. 67. In it. battere^ franz.
batire jedoch ist das auch im lat. batui vorhandene u gleich-
wie überhört, und so finden wir denn ein auffallendes perf.
von diesem verbum, z. b. p. 137: aut eam battederit tur-
piter, excepto si infans fuerit pro honesta disciplina (als
Züchtigung) ostendendum (indem er ihr zeigt, oder: ad?)
muliebre opera (acc.) aut ad vicium (it. vizio, franz. vice)
malum emendandum (zur besserung eines bösen fehlers) si-
cut de propriam filiam suam (wie er es an der eigenen
tochter gethan haben würde) et si eam in indicebilem (un-
schicklich, zu decet; oder it. indicibile, unsäglich, also:
stuprum?) operam quoacta (coactam) minaverit (antreibt?)
92 Pott
aut si ip8a[m] adulteraverit; oronia baec qui facere presump-
flerit, male iractata (it. maltrattato, gemirsbandelt) esse edi-
cimus. — Ferner p. 73: Si duo porcarii inter se battede-
rent {{v7s. s'^enirebattre) et scandalum (zank; itai. scandalo
hier in dem, ihm unter anderen zukommenden sinne: Zwie-
tracht, mifshelligkeit) comiserent. Si quis porcario (-um;
spät für subulcus; it. porcaro, porcqjo, trsLUz. porcher) de
homine libero (för genitiv) baitederit^ ipse (ich vermuthe
stark, nicht derjenige schlagende, welcher — , sondern schlaf-
fere ausspräche für ipsi*), er zahle dem herrn des Schwei-
nehirten?) qui de curtem ipsius exit (welcher auf seinem
eigenen hofe ein- und ausgeht; etwa formelhaft für hofbe-
sitzer), nam non (jedoch nicht) de casa massari (statt -ii,
sc. exit) conponat solides XX: tantum est**) ut (nur ist
die bedingung dafs — ; it, tanto che, solchergestalt dafs)
porcarius ipse ferita (schlag) prius non faciat aut scanda-
lum eommittat (händel anfängt durch schelten u. s. w.);
nam si fecerit piagas aut feritas, arbitrelur (werde die Sa-
che abgeschätzt, als pass. schon vom lat. arbiträre, Struve
s. 94, Freund; it. arbiträre einen schiedsrichterl. ausspruch
thun) et conponantur (und die wunden mit gelde gebüfst).
Vgl. p. 37: De illos vero pastores dicimus, qui ad liberos
homines (für dativ; ital. servendo a/ soldano; im rom. ge-
wöhnlich mit acc. Diez UI, 99) serviunt, et de sala propria
(viehstall?) exeunt, was darauf rathen lassen konnte, das
exire im obigen (etwa: austreibend — die heerde) solle
auch auf den hirten gehen, nur dafs dann fQr ipse vielmehr
ipso (statt ipsum) zu erwarten stünde. Ein anderer arti-
kel ebenda: Si infans parvus de massario (statt gen.) oc-
cisus fuerit. Si quis infantem parvolo (nicht etwa Säug-
ling, sondern kind, franz. en/ani) de servo massario casu
♦) Vgl. »7/e (Uli) qui — contegit (contigit) p. 143 art. 137.
**) Ebenso p. 60: Tantum eat^ si ancilla aut filii simul cum patcr(pa-
tre) ad furtum faciendum non ambolaverit (nicht gegangen sind); nam si
fecerit, seinelis illi ef)iciantur, werden sie als gleiche behandelt. Wäre das
s in semelis nicht: so riethe man etwa auf afficiantur (vom mit a, nämlich
simili pocna) wie Cic. Rose. Am. 89.
roman. demente in den langobardiachen gesotzen. 93
(wahrscheinlich das u dreistriehig, und somit in ftr eii zu
lesen: it. cacio, lat. cascum; natOrlich nicht caso, lat. ca-
sus) facientem (welches käse macht) occiderit, arbitretur
qualem (ital. qtmle^ welcher, franz. quel) aetatem habuit (wie
alt es sei) aut qualem lucrum (masc. wie ital. luero, ge-
winn, nutzen) facere poiebat*\ ita conponatur (gemäfs ab-
schätzung des alters und des von dem kinde eingebrach-
ten gewinnes). Es ist bemerkenswerth, dafs it. masiaro
mdssajo^ für gewöhnlich hausverwalter (auch casiere von
casa, haus) = DC. ma$sar%u$ villicus, massae custos, co-
loDus, zufolge Jagemaun im Diz. gegenwärtig in der Lom*
bardei (also vielleicht noch unter fortführung eines alten
langobardischen Verhältnisses) einen pachter bezeichnet,
welcher für einen bedungenen theil der producte die land-
gQter bearbeitet. Casae massaritiae werden bei Adelung
im glossar den dominicatis (den herrschaftlichen, d. h. also
wohl denen, welche vom herren selbst bewirthschaflet wer-
den) entgegengesetzt. Im Edict. regis Aistulfi bei Vesme
p. 167: De illos homines, qui possunt loricam haberent
[habere?], et minime (und doch nicht) haben t, vel minores
homines (geringere leute, nulla dignitate conspicui, welche
bedeutung sich bei Adelung findet; natürlich nicht: min-
derjährige) qui possunt habere (vermöge ihrer mittel) ca-
vallos, scuto (it. scudo, woher auch franz. ecu), lancea (acc),
et minime habent, vel (und anderseits) illi homines qui non
possunt habere nee habent unde congregare (wovon das
zusammenbringen; der infinitiv wie im it. avere di che vi-
f>ere zu leben haben u. s.w.), debeant habere (die sollen
haben; so unser befehl) scuto et coccora^ d. i. abd. cohhar^
köcber Graff IV, 363, cfaoivQa (buchst. Werkzeug zum (fk-
Quv). Man könnte erwähnung des bogens vermissen und
der pfeile. Es verstanden sich letztere aber gleichsam von
selbst, wo vom köcher die rede ist. Aufserdem heifst es
*) Kam possessionem capere uullumodo potcbunt. Ed. Aliistolfi
p. 170 gleichsam regelrecht von it. potere (posse) das iniperf. polera statt
lat poterat Diez II, 181. 1. Dagegen bei Vesme p. 143: stare non potve
batf sie konnte nicht stehen, mit n gleichsam aas potait.
94 Pott
zum Schlüsse ausdrücklich: Item de minore (it. minort) ho-
mines principi placuit, ut si possint habere (sich verschaf-
fen) scutum^ habeant coccora cum sagittas et arcos (statt
decl. IV). Et stetit (von sisto, wie aus no. I ib. za er-
sehen; oder: es steht fest, es mufs darauf bestanden
werden, statutum est per legem?) ut ille homo qui habet
Septem casas massaritias (also ein schon ansehnlich begü-
terter) babeat loricam cum reliqua conciatura sua, debeat
habere et cavallos. Also gleich einem vollständig ausge-
rüsteten ritter. S. DC. und it. conciatura^ die ausbesse-
rung, das zurichten, von conciare zurichten, auch z. b.
gerben, was ich aus lat. conciliarej zusammenbringen, ver-
einigen — nicht immer geistig, sondern auch von körper-
lichen dingen gesagt — um so getroster leite, als conciarsi
con qualcheduno (das d vom neutr. quid'i) mit condliarsi^
sich versöhnen, zusammenstimmt, und 1 leicht inmitten
zweier i verklingen konnte. — Ist nun battederit etwa zu
verstehen, wie der zusatz in it. credetie (credidit), seguitte^
convenette u. s. w., welchen Blanc gramm. s. 353 aus dem
t der lat. 3. pers. sg. mit wohllautlichem vokalischen aos-
gange dahinter erklärt? Diez nachtrage zu bd. II, 131 er-
innert selbst an das battidi der lex Sal. Vielleicht gab
zu diesen formen nur falsches einbiegen in die analogie
reduplicirter lat. perf. wie perdedit statt perdidit p. 61, veo-
didi, credidi u. s. w. den anlafs. Oder will man dabei an
die schwache bildung des prät. im germanischen denken?
Vergl. altit. andiedi^ andetti und dessen erklärung durch
Grimm in Diez etym. wörterb. unter andare.
Die eigen thümliche form p. 109. II: solidis qui perfe*
neunt (pertinent) ad parentes vel mundoald, ohne dafe
eine var. angemerkt wäre, erklärt sich aus it. tengo (teneo,
d. h. indem dessen e durch i, j hindurch sich zu g ver-
dichtete, et. forsch. 11,816), wonach sich die 3. pl. richtet
(Diez II, 134), also appartengono (sie gebühren), welches
also nur hinten durch verlust von t und zusatz von -o sich
davon unterscheidet.
Unter anschlufs hieran gedenke ich an dieser stelle
roman. elemente in den laogobardischen gesetzen. 95
einer anderen eigenheit, wovon die langobardiscben gesetz-
sammlungen zahlreiche beispiele liefern. Wir begegnen
nämlich häufig dem conj. des plusquampf. in syntak-
tischen Verbindungen, wo das latein den conj. perf. ver-
langte; und erblicke ich hierin, so bedönkt mich, nicht
mit unrecht ein Vorspiel von Verschiebung eben jenes lat.
conj. plusquampf., z. b. cantassem, zum conj. imperf. (frz.
chantasse) an stelle des, wegen leichter vermengung mit
dem contrah. conj. perf. (cantarim) aufgegebenen lat. cantä-
rem u. s. w. Diez II, 101 vergl. 97. Hiebei darf jedoch
nicht aufser acht gelassen werden, wie unsere gesetze in
der begreiflicher weise hundertfältig wiederkehrenden for-
mel: Si quis — fecerit meines erinnerns sich nie des conj.
plusquampf. bedienen. Um so häufiger tritt uns letzterer
in anderweiten Sätzen entgegen, und zwar namentlich auch
in solchen, die erst von gedachter formel abhängen mit-
telst quod an stelle des acc. c. inf., welcher mithin den
sehr ähnlich klingenden inf. prät. auf -t^^e erheischen würde.
Man wollte aber, vermuthe ich, durch das plusquamperf.
hinter perf. zugleich die eintönigkeit vermeiden, welche
aus einem perf. conj. , abermals hinter einem regierenden
perf. conj. unzählige male gebraucht, nothwendig hätte
entstehen müssen. Z. b. p. 61 im tit. CCLXV. De por-
tonario qui super flumen portum custodit, d. h. an einem
flusse (s. etym. forsch. 1, 168 ausg. 2), wie umgekehrt iub
radicibus montis, unten am berge. Also: ein hafenauf-
seher (vgl. potamophylacia) und zoUeinnehmer (von portus,
wie der hafengott Portunus und opportunus), allenfalls
auch fährmann (it. porlolano), portitor^ was nicht nur hier
der Cod. Matr. hat, sondern auch, abwechselnd mit por-
tunarius, der art. CCLXVIL Keinesfalls ist es pförtner,
obschon es äufserlich nahe genug an it. porionajo (nicht
von portus, sondern von porta, oder vielmehr von dessen
ital. ampliativ portone, ein grofses thor) streift. Im text
heifst es nun: Si quis portonarium pulsaverit (wie compel-
lare, in jus vocare, schon bei Ulpian und mit vielen belegen
DC), quod fogacem hominem aut furem transposuissit (dafs
96 Pott
er flbergesctzt habe, nach dem germ., schon ahd. Graff
VI, 299; it. traghettare von lat. trajicere), et portonarius
negaverit (eine that läugnen, it. negare, franz. desavouer),
ita decernimus, ut preveat (praebeat) solus (er allein, ohne
eideshelfcr, oder statt solum, nur?) sagramentum (it pre-
stare o far giuramento) quod ad conscientiam ipsius non
perveniisit (es sei nicht zu seiner mitwissenschaft — kennt-
nifs — gekommen), quod fugitibos aut fogaces transposrnS"
sit^ et sit exsolutus calomnia. Lat. exsolvere poena, ital.
pro-sciolto von prosctogliere, prosciorre^ absolviren, frei-
sprechen, als wieder aufs neue componirt mit sciolto (lat.
exsolutus; allein unter aufgeben des labiales gebildet), los-
gebunden, fig. frei, ledig; Diez et. wörterb. s. 433 ausg. 1. —
Mehrere beispiele hinter vv. dicendi und declarandi p. 142
fgg.: Adnuntiatum est quidem nobis, quod aliquis perver-
sus homo, dum se queta femina in fluvio lavarit (unstreitig
nicht statt lavaret, sondern lavaverit), pannus ejus, quos
hibi (ibi) habuit ad operimentum corporis sui, totus (acc
plur.; it. tutti, alle) tolissit (statt hominem abstulisse), et
ipsa remansisset nuda. Das queta braucht nicht blofser
Schreibfehler zu sein durch wegbleiben eines i- Striches,
indem der Italiäner queto und quieto^ auch chelo Diez et.
wörterb. s. 98. 1 , ganz ruhig, stillschweigend neben ein-
ander hat. Ferner: Item perlatum (gut lat. f. berichtet)
est nobis, quod quidam homo prestedissit (geliehen habe,
cum praestitisse) jumentum suum (seine stute, it. giumenta
f., frz. jumente Diez 11^ 20. 1 ; nicht in dem allgemeineren
sinne des alten latein) alteri homeni ad victuram (zum fah-
ren, it. vettura), et pollenus (fQllen, frz. potitoiit , aber it.
poledro) indomitus (frei, ohne angebunden zu sein) secutus
fuissit ipsam*) matrem suam; dum autem per via ambo-
laverit (anakoluth, indem der conj. nicht zu der direkten
rede stimmt, in welche man später zurQckföllt) ille (ver-
*) Man konnte sich etwa versucht fühlen, das pron., obechon einem
vcrwandtschaftsnamen beigegeben, artikclartig zu fassen, s. Diez III, 60.
Allein, wie so oft, und alsbald wieder ipse pollenus, wird es nichts weiter
ausdrücken, als: „selbig, besagt".
roman. elemcnte in den langobardiRchen gesetzen. 97
duDkelte ausspräche statt illi) qui eam ad suam victuram
acceperat (richtig das plusquampf.) cootegit (e statt i) ut,
infanlis in quodam vico stantis (accus, abs. im plur.) ipse
poUenus de caicis percussissit (also hier schon an stelle
des lat. conj. impf.) unus (falsch fär unum, it . uno), et mor-
tuos [-US, und das kind] est. De caicis (statt calces im
acc), wie ebenda cum calcem damnum fecerit, instr. för
mit, wie lat. caedere calcibus u. s. w. auch von thieren.
Dum autem parentis (it. i parenti) ejus requirirent (conj.
impf.; kaum s statt des ersten r und perf.) mortem ipsius
infantuli (entschädigung verlangten ftkr das getödtete kind),
et nobis retulissit (hier ziemlich parallel mit dem vorigen;
wahrscheinlich nicht der plur., sondern nachdem — der
hiefnr bestellte beamte — berichtet hatte), ita prospeximus
u. 8. w. — Et dominus ejusdem servi vetaverü quod ipsum
furtum non fecissit servus ejus (statt suus). Vetare hat
hier den sinn des hemmens nicht von dem willen, sondern
von dem glauben jemandes; d. h. ist dasselbe, was für ge-
wöhnlich negare (läugnen; nicht als: verweigern) DC,
und wird es p. 219 durch letzteres glossirt. Die an sich
ungehörige negation non findet ihre entschuldigung in dem
limitativen (halb positiven, halb verneinenden) sinne des
verbums, wie p. 105 ausdrücklich: negaverit quod per ip-
sius consilium factum non fuissit. — P. 120: Et si ipse,
de quo dicitur quod suprascripia (it. soprascritto , obbe-
sagt) mala consiliassit (consigliare uua cosa ad uno im
it. Diez III, 118), veiare voluerit quod talem (statt neutr.)
consilium non dedissit^ preveat sagramentum cum legetimis
sagramentalibus juxta (je nachdem) qualis causa fuerit (mit
mehr oder weniger). — P. 101 : Si quis Langobardus ab
alio homine — interemtus fuerit, — et ipse qui occisus
fuerit filium masculinum non reliquerit: quaraquam filias
instituissinuis (-emus; besser allenfalls das perf. institui-
mus) heredis (-es) sicut masculus (-os) in omni substantia
(\U sustanza^ vermögen, ovaia^ gleichsam das vorhandene)
patris et matris, ipsam conpositionem volumus ut accipiant
propinqui parentis (-es, die nahen verwandten, nach be«
Zeitachr. f. vgl. sprachf. XIII. 2. 7
98 Pott
sonderer bestimmung) ejusdem qui occisus fuerit. — P. 139:
Modo vero (jetzt aber), dum pravus (os) homines cogno*
eissimus (wo wir in erfahrung gebracht haben) talis (acc.)
fidiussores velle statuere, qui nihil habuerent (-int), nisi
sulumodo (solummodo) personam suani.
Das debeat steht im MA. oft, in scheinbarem wider-
spräche mit der determinirten bedeutung des sollens und
müssens, da, wo man den ind. debet nach lat. spracbge-
brauche erwartete. Vielleicht als jussiver opt. Grimm
IV, 80, vgl. Diez gramm. III, 204 (1). Z. b. Vesme p. 142:
Et ipsa provatio in hoc ordine deveat fieri, die prüfung
möge (soll) so vor sich gehen. Die schlufsformel stabile
deveat remanere u. dgl. Mhd. ich müese (ich solle, dürfe)
Benecke II, 270. Goth. viljau eig. velim statt volo n. s. w.
Grimm I, 853.
Auch p. 8: temperavit (mischte) venenum, et post bal-
neo (it. bagno) dedit ei (dem Helmechis, Hilmichis) in caldo
(etwa potu; wenn calda, s. v. a. aqua) bibere. Schon ait-
lat. dare bibere (gekürzt biber) s. Freund und Krüger lat.
gramm. §. 476, wie noch it. dare bere (minder verstüm-
melt bevere)^ o- (zu — ) und rfa- (wovon — ) bire. VergL
Grimm IV, 100, jedoch mit gerundium: dare ad bevendum
dreimal p. 37. 38, zu trinken geben. Nisi ipsa persona
(acc.) tradat ad occidendum (lat. etwa acc. des gerundivs
ohne ad) oder ad moriendum. Edict. Grimoaldis no. 3. Si
quis -^ filias nupto tradidit p. 98 ist gut lateinisch, nur
dafs nupto (vergl. ebenso p. 102: quae jam ntqfto tradita
est) eine kürzung ist aus dem sup. nuptum. Weiter: Helme-
chis, mox [sobald] intellexit quod malignum (it. maligno; von
Sachen: böse, bösartig, schädlich) vivissei (se bibisse), pre-
cepit, ut et ipsa Rosemunda biberet invita: quod cum vi-
bisset ipsa, mortui sunt ambo. Keliqui Langobardi leva^
runt sibi regem nomine Clepb. Etwa, wie it. soUevare (aus
lat. sublevare), zu würden erheben, im sinne von: erhöhen.
Oder etwa specieller: erhoben ihn auf den schild? Letare
hat überhaupt manche, dem latein fremde Wendungen des
Sinnes erfahren. So auch bildlich: Si quis foris in exer-
roman. elemente in den langobardischen gesetzen.
<^
diu seditionem levaverit contra ducem suum, was bei Za-
chariae p. 65 übersetzt wird: 'jfiaV tiq H^m kv rcp argarä
aräaiv ägy xaid tüv aTQarriyoi, Sich empören, einen
aufstand erregen, ist ital. sollevare. Vgl. levare in capo:
sich empören (eig. also: sich erheben). Femer: fcddam
levare fehde erheben, in: ^Lombarda-commentare, herausg.
von Anschtitz^ s. XXVII. — Zachariae p. 77: 'Edv rtg
öixTVOV dkkÖTgiov rj xvqtccqccv t] dno dXiaq akkorgiag xa-
?MutüTa xai Xoind ^ojygifiaTa l^Ovcov agrj = Si quis rete
alienum aut nassam leeaverit, aut de piscatoria (locus ubi
pisces capiuntur DC.) aliena pisces tulerit (abstnlerit) cet.
bezeichnen schwerlieh: die netze fortnehmen, stehlen,
sondern: dieselben aufnehmen, um die darin gefangenen
fische sich widerrechtlich zuzueignen. Vgl. piscatores re-
tia furcis sublevant Plin. 9, 8, 9. — P. 143: prospicere de-
buit, in qualem locum (also gegen das lateinische mit acc.)
se ponere (über diese Verwendung des inf. s. sogleich) ad
standum; — nämlich nicht unter den brunnenschwengel,
sub tollenum (vielleicht unter wegfall von en vor m statt
lat. toUenönem). It porsi in luogo comodo, sich an einen
guten ort stellen; porsi suW uscio, sich an die thür stel-
kn. nie autem, cujus ipse puteum (statt puteus, it. pozzo)
fuit, nnllam habeat calomnia (anschuldigung, klage); quia
ei si calomniam ingerimus, postea nullus permittat de poteo
suo aqua levare (wasser heraufziehen) : et quia omnes ho-
nienis (it. uomini) poteus (acc. pl.) habere non possunt, te-
tiqui, qui sunt pauperis (-es), raoriuntur sitim (it. morire di
sete), et iterantes (iter facientes) aquae necessitatem (man-
gel an wasser; vgl. hungersnoth) patiuntur.
Ueber den infinitiv nach frage Wörtern und relati-
ven in romanischen sprachen s. Diez HI, 208. 1. Ein bei-
spiel auch hier hatten wir eben. F. 1 1 7 : Et si talis per-
sona fuerit qui (per synesin, oder = quae) non habeat,
unde conpositio (-nem, wahrscheinlich abbreviirt geschrie-
ben) facere. Vgl. p. 123. Et si talis persona fuerit, ut
non habeat, unde ipsum furtum eomponere. P. 139: Et si
de prenenti habuerit, unde dare (gleichsana possit) talis
CHI&I
100 Pott
fidiussoris (acc.) qui recipiendi sunt, ecce bene (desto bes-
ser; gut; franz. eh bien; it. wohlan!: ebbene Diez 11,414;
also nicht mit ecco); si autem (lat. sin) ipsa ora (hora;
zur selbigen stunde, altsp. es-ora Diez II, 391 für lat. tone;
im Boethius ejp«-/-or, sogleich; Diez altrom. sprachd. 8.49;
it. ora, jetzt; gerade, eben, zurstund; niederd. upstund f.
jetzt) non habuerit, sit spacium de ipsam toadiam (bürgscfaaft
s. Diez et. wörterb. gaggio u. s. w.) tres dies sine culpam, et
postea debeat darc fidiussores qui habeant, unde persolvarU
(vollständig zahlen können; hier also couj.) quod devitor
dare debuit. — P. 103: et devitor non habuerit, unde *o/-
vere. -— Anderer art ist der gebrauch von acc. c. inf. mit
fragwörtern in rhetorischen fragen, wie z. b. Cur enim
relegari plebem in Volscos Liv. 5, 24. Krüger gr. §. 650.
Für den gebrauch des gern ndi ums zur Zeitbe-
stimmung, welcher dem latein (höchstens im abl. causa!)
fremd, dagegen den romanischen sprachen sehr geläufig ist,
finden sich in unserer quelle auch schon belege in nicht
geringer anzahl. Indefs keineswegs mit der festen form
des abl., sondern auch, in analogie mit dem häufigen aoc.
(statt abl.) abs., oft genug in der (wenigstens äufserlich so
aussehenden) gestalt des acc, was man sich allenfalls durch
hinzudenken von inter näher bringen mag. Beides dicht
neben einander p. 80: Si quis hominem liberum, casum fa^
cientem (indem der zufall es bewirkte, ans zufall, caso),
nolendo (uni ohne es zu wollen, nolens) occiderit. — P. 90:
De homicidium (statt ablat.) se defendendum (während der
vertheidigung, aus nothwehr) factum. — P. 117: qui se
defendendum hominem occiderit. Vergl. d. zeitschr. I, 343.
Franz. tuer qu. ä son corps d^fendant; also noch mit ä (ad),
jedoch vielleicht nicht zwecklich gedacht, sondern: gele-
gentlich (bei) der vertheidigung. — Bei Grimm gesch«
s. 693; Graff VI, 679 stoleseyz (stuhlsitzer; vgl. landsais;
truchsefs, der die truhen setzt) erklärt durch: qui ante
obtutus principis et regis (angesichts des — königs) mili-
tes hinc inde sedendo (sitzend, im sitzen, während er sitzt)
perordinat (1. praeordinat). Ferner Vesme p. 140: Si quis
roinan. eletnente in den langobardischen gesetzen. 101
dixerit conjugi suae malam licentiam dandum {statt dando,
indem er ihr die böse erlaubnifs giebt) quia (grieeb. oTt)i
Vade (it. ra), cumgumbe (concumbe) cum talem hominem
(mit dem und dem, it. un tal^ manne, wie nicht nur it.
uomo^ frz. komme statt vir, sondern auch schon altlat.). —
P. 21: Si quis contra inimicus (kaum: hostes) pugnandum
(p. 11 steht pugnando) collegam suum dimiserit (im stich
läfst, it. dimettere, verlassen) aut anstalin (Graff VI, 669
zu: stehlen) fecerit id est si eum diceperit (dec.) et cum
cum non laboraverit (und ihm nicht beistand leistet). Zach,
p. 63: iciv Ti^ — TOI/ ovvrtit^fjTTjv avrov (wohl mit asper)
xaTa)Anri jj iunkly (wohl k^nXil^ij von k^iTiXixu)^ dolos necto)
rovTB(STi TQOTTfjv (tergivcrsatio, vergl. versutus) noit]atj^ xrti
tUT ccvTOV fti] xomäatj (ngr. xomd^ui travailler, sich ab-
mühen ; hell, müde werden). — üeber emen, schon in Hö-
fer's zeitschr. III, 136 von mir erörterten acc. abs. s. au-
fserdem Diez III, 242 und in Gregorii Turonensis Liber
de cnrsu stellarum ed. Haase p. 35. Derartig p. 139: In-
tervenientem vatiissima et supersHtiosa vel cupida (nur
scheinbar abl.) soasionem et percersionem (indem eine eitele
— suasio, it. svasione, und Verkehrtheit die weiber über-
kam), apparuit modo (jetzt) in bis temporibus, quae inle-
cita nobis — conjunctio esse paruit (uns als eine uner-
laubte — eheliche — Verbindung erschien, Diez III, 89),
quam (vermöge deren) adulte et jam mature (-ae) aetate
femine copolabant sibe (sibi, heiratheten) puerolus parvo-
lus (acc. plur.) et intra (d. h. no»jh unter) etatem legeti-
mam, et dicebant, quod vir ejus (statt suus; beides im sg.,
weil von dem jedesmaligen einzelnen falle zu verstehen)
legetimus (ihr rechter ehemann) esse deverit (müsse, debe-
ret), dum adhnc se cum ipsa miscere (sich fleischlich ver-
mischen, carnis comixtio p. 140; ulyvvfu) menime valerit
(valeret). — P. 129: Si quis pro causam suam aliquid ja-
dici aut ad (statt dativ) qualemcunque locopositus (Stell-
vertreter, vergl. lieutenant) vel fidelis (getreue; ungenaue
Verbindung des plur. auf -us, -is statt ös, es mit dem sg.
qualemc.) regi (statt regis) dederit, et twentem eum (so
102 Pott
lange er lebt, bei seinen lebzeiten; indefs hier nicht noth-
wendig absolut, d. h. adverbial Diez III, 243 , sondern als
vom verbum abhängiger acc.) requisierit dicendo (indem
er behauptet), quod liberatum non sit (nicht zurQck gelie-
fert , welches deutsche wort daher, gleichsam als be-
freiung von — dem schuldigen), faciat illi (statt e, oder
zu ergänzen: judex u. s.w.) justitiam post quantuscumque
(quantos i. e. quot, nach wie viel jähren immer) annos re-
quisierit. Nam (jedoch) si post mortem ejus filius aut he-
redis (st. -es; beides acc: des richters söhne oder erben)
pulsaverit, sie statuimus, ut si viventem patrem pulsavit
(wenn er schon den vater des zuzweit beklagten bei des
ersteren lebzeiten verklagte) proclamando ad regem (unter
berufung an den könig) aut compellandam (wahrscheinlich
-um, oder indem er klage anstellte) per tales homines, quo-
rum fedis ammittitur (deren fides, it. fede^ zulässig ist,
adm.) — faciat (sg., d. h. derjenige, den es betriflPt) ei filii
aut heredes (seien es nun söhne oder sonstige erben) ju-
stitiam. Non habeat fagundiam filius aut heretis (acc.) re-
petendOj das recht von den söhnen oder erben es zurück-
zufordern, nisi sit sibi contemptus, sondern er sei zufrie-
den, beruhige sich dabei (it. contentarsi). Verba des for-
dems stehen auch mit dem acc. (sonst dativ) der periOQ,
sofern kein sächliches Substantiv vorhanden ist. Diez III|
120. — post anni spatium facundiatn non habeat repedet^
dum (statt repetendi). Aehnlich in no. II nicht nur: Dol-
larn facundiatn habeat requirendi^ sondern auch: dum 8er-
vus advixerh (das ad, um adhuc mit anzuzeigen).
Das soll uns ein anlals sein, noch einige gebrauohs-
weiseu des gerundiums und, an seiner statt im geoitiv,
den infinitiv hinter Substantiven zur besprechung zu
ziehen. Z. b. p. 131 : Nulli sit licentiam (wahrscheinlich ana-
koluth, indem der Schreiber im köpf hatte, nullus habeat
geschrieben zu haben) conjugi suae de rebus suis amplius
dare (statt dandi) per qualemcumque ingenio (unter irgend
einem titel) nisi (auiser was, oder: sondern nur) quod ei
in diem votorum (am verlobungstage, it. giomo delle spon-
roman. elemente in den langobardischen gesetzen. 103
salizie) in mepfio (zu — oder: als; s. Adelung; i. q. meta,
8. sp.) et morgineap dederit. — P. 139: Si vero amplius
dilataverit fidejussoris (aec.) dandum (statt dare, verschiebt
zu geben). Unter den Substantiven selbst sind einige selt-
sam genug, um gleichfalls der erläuterung zu bedürfen*
Also, was meint man zu facundia selbst? Lat. fdcundia^
wohlredenheit, hätte an den eben genannten und an meh-
reren anderen stellen des langobardischen gesetzbuches auch
nicht entfernt einen vernQnftigen sinn, ti;otz der facundia
loquendi p. 114. In dem sinne von facultas^ den es (s.
DC.) im MA. nachweislich oft besitzt, hat man es sich
als von facere (vielleicht in einem gerundivum auf -undus)
ausgehend gedacht mit der Vorstellung, dafs es die fähig-
keit sei etwas zu thun. Möglicher weise unter schärfe-
rem hinblicke nach dem, was, auch mit rücksicht auf das
recht, Papin. Dig. 50, 16, 218 bemerkt: Verbum facere
omnem omnino faciendi causam complectitur, donandi, sol-
vendi, judicandi, ambulandi, numerandi. So nun auch p.
103: Nam (jedoch) si nee cautio fuerit intra decem an-
nos bes (bis) renovata, neque principem vel judicem (statt
dativ oder unter hinzudenken von ad) ostensa sibe (sive)
manefestata usque ad XX annos, juvemus (v statt b), ut
creditor posmodum (schon im altiat. pos statt post; vergl.
frz. depuis ohne t) et nullam habeat facundia (acc.) devi-
toribus suis requirendum (ebenso p. 132 no. V; st. ad r.,
oder requirendi). Devitoribus ist nicht etwa ablativ unter
ergänzung von ab (verlangen von — ), sondern dativ der
persou, wie er in romanischen sprachen bei bitten, for-
dern, fragen, z. b. quaerere, erfordert wird Diez III?
119. — P. 132: Si — usque modo (bis jetzt) tacuerunt,
taceant et in antea (it. per innanzi hinftihro): et nullam
habeant contra eos, qui possedit (jedesmal einen solchen,
der besafs; we&halb bei dem herausgreifen eines einzel-
nen, gleichsam exemplificirenden falles aus der allgemein-
heit der regel kein plur. nöthig. Vgl. Diez III, cap. 10)
per XXX annos fagundiam loquendi (hier also freiheit,
das recht, zu reden; danach vielleicht später, auch allge-
IM Pott
meiner auf das thun, facere, angewendet) dicendo (indem
er sagt) qnod exherede (-s) esse debeant, nisi (sondern)
qnod per XXX annos possedemnt, possedeant (wiederhin-
einfallen in den plur.). Vergl. ahd. »e sprehhane loqaendi
(licentia) und sprehhanes (fandi) Graff VI, 371.
Im DC. befindet sich unter pontißcium (d. h. priester-
thum, pontificat) wunderlicherweise auch die bedeutung:
^Potesias, jus. Amobius junior in Psalmum 68. In por-
tis ergo hi accipiunt Pontificium judicandi et corripiendi.
Utitur praeterea in Psalmo 113^. Dafs hierin eine ziem-
lich willkürliche bildliche anwendung des wortes vorliege,
hergenommen von der grofsen macht ffiUe insbesondere
des papstes als pontifex maximus, wäre doch, wie mir
scheint, eine etwas sehr kühne Voraussetzung. Mindestens
möchte ich daran festhalten, man habe, wie bei facundia,
so bei pontificium eine falsche etymologie im sinne ge-
habt. Also, wie potestas (aus potent-tat), potentia, aus-
gehen von potens mit facere — mit w:elchem modus das
adj. z. b. ülp. Dig. 16, 2, 10 verbindet. Potestatem habeat
eos ambos occidendi p. 52. — In solcher weise nun z. b.
p. 114: nam si intra XXX annos possessio ipsa fuerit,
pontificium habeat cum monimen suo dicendum (statt -i)
quod voluerit. Ebenda: et dixerit qnod ei monimen absen-
tatum (abhanden gekommen) fuisseL D. h. die docamente,
munimenta^ i. e. instrumenta, quae causam moniunt« — -
P. 115: Non habeat ponfefidutn^ qui emit aut infiducianii
(hier: als pfand empfing), quod dederat requirendum (st. -i).
Kurz vorher: cuicumque vindederit aut infiduciaverit (in
fiduciam seu pignus dederit). — P. 53: Si quis sine here-
dis mortuus fuerit et res ipsius ad curtis*) regis pervene-
rit, nee donato nee prestito (st. um im acc; weder das
geschenkte noch geliehene), quicumqne ipsius mortui (aus
irgend einer schwer erklärlichen fahrlässigkeit statt ipsi
mortuo) dedit aut prestetit, non (prohibitiv statt ne) habeat
*} Ebenso p. 60, no. 201. 52, no. 210. Da doch kAnm plnr., etwa
das -is dnrch schuld des gen. regis?
roman. elemente in den Ungobardischen geaetzen. 105
ponteficium requirendi (das recht, es zurQckzafordern); quia
postquam ad mannm regis pervenit, termiDum posuit et
sine devitum aut aliquam repetitionem cecidit. Vgl. p. 79
ad cartem regis cecidsrit Bei posuit ist kaum res zu er-
gänzen; sondern: setzt dieser act der sache ein ziel.
Vgl. it. iifipor, por fine a una cosa (finem imponere rei)
einen streit endigen, por termini a qualcheduno^ gewisse
bedingnisse vorschreiben, schranken setzen. Am schlufs:
und ist dieselbe ohne Schuldenbelastung oder irgend welche
rückforderung, wie p. 54, no. 224 §. 1, an den könig ge-
fallen. Vgl. heimfall eines lehns, it. feudo ricaduto^ von
ricadere. Ital. quella terra cadCj tocca in sorte al mag-
giore, dies gut fUlt auf den ältesten. Lat. cadere alicuij
gleichsam als loos, zufallen. Vgl. ninruv.
Als beispiel der modernen, vielleicht ihrer volltönen-
deo and nur wenig verbrauchten form wegen in aufnähme
gekommenen participia auf ütus p. 91: De servo foris
provincia (aufscr landes) venduto. Allein trotzdem p. 92
noch: de caballo aut alias res perditas (it. perduto, franz.
perdu). — Sodann: de frea (eine freie) alterius tnovita^
was zufolge p. 127 vom movere de casa, ubi inhabitat zu
verstehen ist. Auch p. 40 vom bäume, den der wind be-
wegt. Vgl. ital. mocitivo (frz. motive), movitore^ movibile.
Pott.
(Fortsetzung folgt.)
106 Eschmann
Consulere, consul, exsul, praesul.
In ihrer alten zeit sagten die Römer mit o statt des
späteren u consolere, consol, exsol (s. Corssen voka-
lismus 1^254 f.)* Das schlufsglied dieser composita, von
denen offenbar praesul nicht getrennt werden darf, fällt
also einer wurzel lat. sol, indogerm. sal anheim.
Ich behaupte, dais eigentlich consulere zusam-
mensitzen heifst und gleichermafsen das sul in consal,
exsul und praesul nichts anderes als sitzend oder
sitzer.
Die Wurzel sal, lat. sei mit dem sinne der wurzel
sad (lat. sed) verräth manches lebenszeichen ; vielleicht
ist sie blofs ein auswuchs der letzteren, da bekanntlich d
gern in 1 übergeht*). Ihre keime treiben auch hier zu
lande, in got. saljan „wohnen**, hd. sal u. a. Von grie-
chischen Wörtern scheint aiXpia „ruderbank" mit seinen
minder gangbaren nebenformen aeXfiig und aekfiog ihr
entsprossen. Jedoch vor allem zu erwägen sind lat. so-
lium „Sessel^ und solar i „stillen, trösten^. In solium
gibt sich eine verbalbildung kund welche, gleicher art mit
fragium, colium, odium, gvxech. ccudgriov^ afinka-
*) Auf welche weise sal und sad sich noch anders vermitteln, soU
nur ohenhin hertlhrt werden. Worter wie ahd. satal (nhd. sattel) und
sedal, die fürwahr heide ebensowenig nach fremdem Ursprung ausgehen,
als sie gegen die lautverschieb ung fehlen, bezeugen, dafs die wurzel sad
(ahd. 8a3) früher 8& klang. Dieses sft könnte sich denn auch mit 1 be-
kleidet haben und so grades weges zu sal geworden sein. Umgewandt aber
bietet es sich dar, wenn nach sanskritischen verbalformen wie llstd „er sitzt ^,
ilsta „er safs**, vor allem nach griechischen wie ffara«, ^arai, fTaTo,
femer nach skr. iisam „gesäfs'*, iisanam „sitz'*, lit asla „boden** u. a.
auf eine wurzel as „sitzen <*, die wohl mit as „sein** zusammenfiele (man
lese Bopp vergl. gramm. 2. ausg. II, 373 f. und denke auch an span. ser
„sein** von seddre), erkannt werden darf. Was fUr ein verhältnifs statt
finden würde zwischen der so gewonnenen zwiewurzel as sä und der gleich-
lautigen mit dem sinne werfen, von welcher Benfey im griech. wurzellex.
I. 890, dann in dieser zeitschr. VII, 56 f. und Leo Meyer ebend. VIII, 250 f.
handelt, darüber enjtscheide ich nicht. (Als belege Air die lautumstellung
seien skr. af 9A „schärfen**, bhas ps& „essen** und dham dhm& „blasen**
angeführt.)
consulere, consal, exsul, praesul. ]^
xiovj got. badi, vadi*), ahd. webbi, stubbi u.8.w.**),
auf verschollenem solere ^sitzoD^ beruht, dem simpIex
eben von consulere. Söläri aber stellt das causale zu
diesem solere dar. Indem sein hauptvocal gesteigert und
vor der endung ableitendes a j a (später zu k verschmolzen)
entsprungen ist, erfüllt es die anspräche denen ein cau-
sativum lautlich zu genügen hat auf das vollkommenste
(s. Bopp vergl. gramm. 2. ausg. III, 87 £[.). Keinesfalls flofs
soläri aus einem langsilbigen nomen der wurzel sol; dais
ein solches erloschen sei, darauf deutet ja nicht die lei-
seste spur. Als analoge bilduogen bieten sich pläcäre
(von WZ. plak) und, nur mit etwas verändertem zuschnitt
jenes aja, söpire (skr. sväpayämi, von wz. svap, lat
sop). Dafs sölär! deponens ist, hätte nichts zu sagen,
auch wenn neben con soläri kein activisches consöläre
vorkäme. Ohne allen fug streitet im elften bände dieser
Zeitschrift (s. 102) Grafsmann der lateinischen a-conjuga-
tion causalia ab. Der begrifik Übergang in söläri liegt
sehr einfach und beispiele genug zeugen für ihn. Das
verbum streifl in der bedeutung hart an sedäre, ja läfst
sich mit diesem oft gradezu vertauschen; sedäre aber,
mag es nun auf sedes fufsen oder unmittelbar von der
Wurzel kommen und dem skr. sädäyämi entsprechen***),
heifst ausgemachter mafsen eigentlich zum sitzen brin-
gen. Ferner werden sedere, sidere, considere, re-
sidere, sodann sistere und griech. tivd^Biv , evv^v,
xoifi^v^ nhd. sich legen ganz nach art von soläri mit
begriffen wie kummer, angst, durst, thränen u. dgl. ver-
♦) Ansprechend wird vadi meist unter das starke verbum ahd. wö-
tan, mhd. wSten „binden" gestellt; die bedeutungen zu versöhnen hält
nicht schwer. Dafs es mit griech. d(&knq^ dt&Xov^ lat. vas (vadis)
zu thun hat, leugnet solche ableitung keineswegs.
^) Ein besonders enges verhältnifs hat solium zu coli um und badi;
denn wie es den ort bezeichnet wo man sitzt, so coli um den wo man
wohnt und badi, nach Giimms Wahrnehmung aus bidjan geflossen, den
wo man liegt.
***) Im letzteren falle bildet sed&re auch seitens der form ein schönes
gegenstück zu soHrf.
108 Eschmann
buDdeD. Dafö griech. yjavxog von rja&ai. kommt, hat
man lange erkannt, und rjavxd^^iv^ ijavxoq huldigen
wieder aufs treuste dem abgezogenen sinne der lat. sÄ-
d&re (oder sed4tum esse), sedätus. Auch unser heu<^
tiger gebrauch des verbums stillen ist erheblich, indem
Wackemagel (s. dessen altd. band Wörterbuch) und an-
dere ohne zweifei recht thun, dies unter eine wnrzel stal
^stehen^ zu f&gen. Und alts. gibada, gibadi*) dürfte
wohl beruhigung heifsen und, wie schon Grimms Wör-
terbuch I, 1159 meint, mit bed und biddian (vergl. das
auf voriger seite über badi angemerkte) zusammenhängen.
Doch genug davon und sehen wir uns nach weiteren be-
legen &kT die Wurzel sol „sitzen^ um. Mit ihr solum
nebst solea zu verknüpfen, lockt die oft völlig gleiche
geltung von solum und sedes; ich ziehe aufserdem hier
skr. ksh^mas, kshemam „grundlage, unterläge^ an, des-
sen Wurzel kshi wohnen bedeutet. Wofern die erste
anmerkung den wahren Ursprung des lit. asla trifft, konunt
auch dies wort für die Verwandtschaft von solum mit
sol „sitzen^ auf. Endlich läfst sich noch solere dem
begriffe des sitzeus unschwer vermitteln**). In die wag-
schalc fallt, wie griech. ^i9-og wohnsitz und brauch,
sitte heifst oder nhd. gewöhnen, gewohnt, gewohn-
heit, gewöhnlich, entwöhnen, verwöhnen sich ety-
mologisch aufs engste an wohnen schliefsen und mhd.
wonen sogar zwischen dem sinne der nhd. wohnen und
gewohnt sein wechselt (vgl. Buttmann lexilogus 1,292),
anderer beispiele zu geschweigen. (Es liegt am tage, wa-
rum sella und das vielfach besprochene novensiles
nicht unter die wurzel sol gehören: sie werden durch
ihre hauptvocale e und i entschieden zu den abkömmlin-
*) Die nd. nl. mhd. bäte, baten (nbd. batte, batten) sowie das
nhd. badmen und was denselben sich anschliefst lasse ich bei seite, da
die frage nach ihrer herkonft trotz der verdienstvollen ansfühmngen Grimms
(gramm. I*, 494 und wSrterb. I, 1158 f.) noch immer als eine offene er-
scheinen wird.
♦♦) Anderen Ursprung finden in soUre Pott diese «eitachr. V, 242 und
Froehde Xu, 159. Die red.
connlere, eoand, emd, praenü. 1119
gen von seddre verwieseo. Ffir ooveosiles steht aoch
anderweitig fest, dafs es erst als fertiges wort 1 ans d
entwickelt hat; vergL Corssen in dieser zeitschr. IX, 160 f.
In sella ist dl zu 11 assimiliert.)
Hinsichtlich der bildung Ycrhält sich consnl wie d^-
ses, praeses, reses, illex, prospex, redux, griech.
ngogtpv^ und consilinm wie obseqainm, praesi-
dinm, colloquinm, refuginm, griech. ngogffvj^iow;
quelle der beiden ist das zusammengesetzte consulere.
Aber exsnl and praesul mochten nnmittelbar ans der
einfachen wurzel, dnrch anschub des pralixes, gezogen sein
(wie z. b. praepes aus petere) nnd exsilium auf ex-
snl zurflckgehen.
Den wandel der begriffe zu erl&otem, halte ich neben
exsnl die yerbindnngen i^edgogj nhd. entsessen (s.
Grimms wörterb. m, 625 f.) nnd neben praesul prae-
ses, ^tgoidgog , vorsitzer, femer praepositns,
praestes, Ttgoötarr^g, Vorsteher. Insoweit consu-
lere sich berathen heilst, mag an considere, cvvi-
$€<y, övviSoiVBiVj övyxaßija&ai*) erinnert werden,
wie auch an die Verwandtschaft der bedeutnngen von con-
silium und consessus, avpidgiov, cwiögia**) nnd
an das adjectivum ovv%ögog. Dag^en wiederholt sich
die verbildlichung welche consulere alicui erfuhr an
assidere. Meiner ansieht nach sagt nämlich consulere
alicui nicht zu jemandes gnnsten sich berathen,
sondern vielmehr bei jemanden sorgend, helfend
a« 8. w. sitzen. Wendungen wie assidere val^tüdin!
(Tac. Agric. 45) und consulere dignit4t! f&hren die
♦) Thnkjdides (V, 55) gewährt ein IvY^a^n^ &€it, ne(fi #^^ijrf^;
nnd mit Reichem nnne steht wohl das ▼erbnm Xenoph. Anab. Y, 7, 21.
Uebrigeos rriclit lebon nacktea aeddre oder griech. xa^jja^a»,
fdga, ^o«jioc, nhd. sitzen, sitznng ftlir den Misdmck des za rathe
sitzen« hin.
^) Beizufügen ist e&ria, wenn es aus cofsia, coisia herrorgieng nnd
die in der ersten anmerinmg rerinntbete wnrzel as ,, sitzen* enthält. Aber
ebenso UUat sich efrria anf esse znrflekfbhren nnd gestattet anfserdem (s.
Corssen de Vobcomm lingna s. 2S) eine dritte ableitnng ron der wnrzel
ras «wohnen*.
110 Eschmann
analogie noch bei abstractem dativ fort. Auch mit dem
transitiven gebrauche von consulere einigt sich die aus-
legung zusammensitzen aufs beste. Es ist bekannt,
wie im lateinischen einzelne intransitive verba die eine be-
wegung oder eine ruhe ausdrücken nach Verschmelzung
mit Präpositionen den accusativ zu sich nehmen können
und wie diese transitive kraft vorzüglich eben bei über-
tragenem sinne des compositums stattfindet. Uebrig bleibt
die eigenthümliche redensart boni aliquid consulera
Der werthgenitiv bonf ist wohl nur zu reicherer fülle des
ausdrucks und nicht als wesentliche ergänzung dem ver-
bum beigesellt*). Trifft diese vermuthung zu, so heifst
consulere aliquid auch sich bei etwas beruhigen
und der begriffsübergang welchem wir oben söläri, se-
däre, sidere u. dgl. m. erliegen sahen gewinnt neue
bürgschaft. Es mag aber alsdann das compositum aulser
der gewöhnlichen grundbedeutung des zusammensitzens
mit anderen noch eine zweite umfafst haben, in sich zu-
sammensitzen. Man vergleiche hier besonders das syn-
onyme considere, femer auch griech. avviCsiv, avv^
i^dvsiv, 6vyxa&rj(Täcct oder endlich concidere,
colläbi, consistere, ovyxkäv, ov^itiItitbiv, nhd.
zusammenbrechen, zusammenschrumpfen, zusam-
mensinken und sonstiges. Was den namen consul an-
geht, so will dieser sagen, dafs seine beiden träger auf
den curulischen stuhlen zusammensitzen. Gewifs aber ent^
hält er wieder einen leisen nebensinn des ratbschlagens und
hätte demnach griechisch höchst treffend durch jenes er i/v -
sdQog Obersetzt werden können.
Die dritte aufläge von Mommsens römischer geschichte
(I, 242) leitet consul, exsul und, wie überhaupt her-
kömmlich ist, praesul aus salfre. Aber consul mit-
•) Es braacht kaum erwtthnt zu werden, wie sich die fprache oft eine
solche art ▼erschwendnng ihrer mittel gestattet.
Nicht undenkbar scheint, da(^ der genitir an» der redensart aeqnt
bontque (oder aeqni bont) facere bei dem gleiehbedentigen consnler«
einschlich.
consolere, consul, exful, praMsl. 111
Springer, exsul aussprioger, praeaul vorsprin-
ger — , ich wörde widersprecheD selbst ohne jene alte
form der beiden ersten einwenden und dabei eine andere
in jeder hinsieht fügsame deutung bieten zu können. Und
consulere soll nicht der nämlichen sippe angehören wie
consul oder etwa auch zusammenspringen heifsen?
Wenn hin und wieder schon die Römer praesul als vor-
springe r verstanden (man halte Cic. de div. I, 26. 11,66
gegen Liv. II, 36. Lact. II, 7. Val. Max. I, 7 und sehe Lu-
cil. bei Festus s. 226, zweifelhaftere Zeugnisse zu überge-
hen), so sind sie augenscheinlich blofs bestochen worden
durch die anklingenden praesultor, praesultäre u.dgl.
In unbefangenem gebrauche entfaltet das wort schlechtweg
den sinn von praeses.
Meistentheils wird exsul auf solum zurückgeführt.
Allein es hätte dann doch wohl exsulus oder exsulis
zu lauten. Auch darf man exsul nicht ohne noth von
consul und praesul scheiden und diese letzteren wird
keiner aus solum ableiten wollen.
Max Müller (diese zeitschr. V, 152) stellt för den Über-
gang des lat. d in 1 praesul und ein schwerlich belegtes
praesilium mit praesidium zusammen. Man sieht, er
rechnet praesul einfach mit unter die spröfslinge der
Wurzel sed und hat an eine selbständige wurzel sol nicht
gedacht. So ist denn die Wahrheit auch von ihm, der
nahezu an sie streift, unerfafst geblieben.
Anhang.
Mit bezog auf die oben zu solllri erwähnten caosalia plä-
cäre Qod 86p ire mag eines hier noch nachgeholt werden.
Corssen will dieselben nebst säg Ire ond mäceräre äufserst
befremdlich auf nomina mit kurzem worzelvocal zurückfuhren
(vokalismos I, 157). Es ist doch, meine ich, ein zag der strenge
durch alle indogermanischen sprachen gebt, dafs der haaptvocal
des nomens im abgeleiteten verbum anverändert wiederkehrt.
Die von Bopp vgl. gramm. III, 125 besprochenen skr. bhurari-
yä'mi, turanyä'mi a. s. w. stehen ganz einsam und dürfen hier
112 Eschmaiin, consulere, consul, essnl, praesul.
nicht iD anscblag kommen. Auf lateinischem gebiete stammt
mit kurzem vocal vagäri von vagos, celerare von celer»
lev&re von levis, sitire von sitis, notäre von nota, wäh-
rend dagegen sän&re, lenire, florere, rorare, nüdare sich
an ein langsilbiges nomen lehnen, beispiele die man leicht bis
ins unendliche häufen, aber umsonst nach ausnahmen suchen
wurde. Maceräre entsprofs keineswegs dem adjectivum ma-
cer, dessen ableitung vielmehr — wem fielen nicht sacer und
sacräre ein? — macräre lanten müfste. Auch an den be-
dentungen erhellt ja, dafs macer und maceräre zu trennen
sind. Es hat das verbum aber mit marcere zu thun; die Stamm-
silbe erfuhr die gleiche ändernng, welche in pedere neben
ttSQdeiv (von würz, pard) stattfindet Untergegangen scheint
ein vermittelndes adjectivum marcer, das zu marcere stunde
wie piger, ruber zu pigere, rubere und für dessen demi-
nntivum, in hinblick auf pulchellus, rnbellus, tenellas
u. s. w., ich den namen Marcellns halte. An der entfernung
des r trägt offenbar dissimilationstrieb schuld. Dafs auch dem
lateinischen wiederholtes r oder 1 in einem und demselben worte
mitunter lästig wird, ist bekannt; man erinnert sich an den
Wechsel der neutralen snf&xe culo (clo) und cro, bulo und
bro, der adjectivischen äli und äri, an pejeräre ans perje-
räre und ähnliches (vgl. Zumpt lat gramm. ll.aufl. §.239.251
und Corssen vokalismns I, 80 f.). In sägire steckt ohne frage
sägus (wie saevus, insänus in saevire, insänire).
Wie ich hinterher sehe, hat auch Döderlein an einen Zu-
sammenhang von consulere mit den wortern des sitzens als
sedere, sella, solium, aiXfia und mit solnm gedacht (la-
tein. synon. und etymol. V, 344 nnd VI, 78). Seine bemerkongen
enthalten jedoch des wahren nur einen schwachen funken, den
endloser irrtham fast erstickt; den eigentlichen kern der sache
verfehlen sie ganz nnd gar. Die nähere begrundung dieses Vor-
wurfs wäre von uberflufs.
Dafs schon O. Vossius für consiliam einerlei grondbedea-
tung mit consessus vermuthet hat, lese ich gleich£alls erst
jetzt, eben bei Döderlein.
Burgsteinfurt. Gustaf Eschmann«
Kuhn, indische und germanische segenssprUche. 113
Indische und germanische Segenssprüche.
(Fortsetzung.)
3) Gegen gelbsucht.
Wir schliefsen hieran gleich noch einen segen gegen
die gelbsucht, der zwar nur bei den Indern erhalten ist,
aber wohl auch bei den übrigen Indogermanen einst vor-
handen war, da wenigstens die heilmittel, welche dort ge-
gen die krankheit erwähnt werden, auch hier mit Sicher-
heit nachweisbar sind. Der spruch lautet Ath. I, 22:
anu süryam üdayatam hrdyoto hsLrimä ca te |
go röhitasya varnena tena tvä pari dadhmasi || 1 ||
pari tvä rohitair varnair dirghäyutvaya dadhmasi |
yäthä 'y^^ arapa Äsad ätho &harito bhüvat || 2 ||
ya r6hinir devatyä gavo j& uta röhinih |
rüp&m-rüpam väyo-vayas täbhish tva pari dadhmasi || 3 ||
sükeshu te harimänam ropaniCkäsu dadhmasi |
ätho häridraveshu te harimänam ni dadhmasi || 4 ||
Es gehe zu der sonne auf der gelbe schein, die gelb-
lichkeit;
mit färbe von der rothen kuh, mit der umhüllen wir
dich rings || 1
rings um mit rothen färben, dafs du lange lebest, um-
hüll ich dich,
auf dafs er ohne schaden sei und auch das gelbe werde
los| 2
die röthlichen, die göttlichen, und die da rotb die kübe
auch,
so form an form wie kraft an kraft, mit denen rings
umhüir ich dich | 3 |
zu Quka's und ropanäkä^s verschaffen wir dein gelb-
thum hin
und in die gclbwurz schaffen wir die gelbe färbe dir
hinein | 4
Zu dieser Übersetzung bemerke ich, dafs sie sich im gan-
zen an die bereits von Weber in den indischen Studien
IV, 415 gegebene anschliefst; was devatyäs sei, weÜB ich
Zeitschr. f. vgl. gprachf. Xlif. 2. g
1 14 Kuhn
ebenso wenig wie er und das petersburger Wörterbuch s. v.,
nur scheint mir die von den herausgebern des letzteren
gebrachte vermuthung, dafs hier darunter thiere zu ver-
stehen seien, sehr annehmbar, häridraveshu erklärt Sä-
yana zu Rv. 1,50. 12 durch haritäladrumeshu, also hari-
tälabäume; für haritala n. gibt aber Wilson nur die be*
deutung yellow orpiment und för das f. — li l.bent grass
(panicum dactylon) 2. a streak or line in the sky (the
milky way?) 3. a sort of creeper. So lange das wort
in der von Sayana gegebenen bedeutung nicht anderweitig
belegt ist^ ziehe ich vor in h&ridrava einen dritten gelben
vogel zu sehen, denn in dieser bedeutung erscheint das
wort unzweifelhaft Rv. VUI, 35. 7: ^häridraveva patatho
v4ned üpa wie zwei häridrava^s fliegt zum wald (=s was-
ser)^ nämlich: ihr A^vinen. Sayana erklärt häridrav£ ein-
fach durch paxinau, er wufste also auch nicht mehr als
wir. Uebrigens sei bemerkt, dafs man sich durch den ac-
cent nicht bewegen lassen darf, einen einwurf gegen meine
auffassung der häridrava als vögel zu fassen, denn die ac-
centuation des häridrava gehört nur dem Atharva; der
Rik hat an der entsprechenden stelle ebenfalls häridrava
shu. — Der schlufs des Spruches findet sich also, wie ge-
sagt, bereits im Rigveda I, 50. 12, wo er den schlufs eines
hymnus an die sonne bildet. Dieser theil des segens ist
daher wohl unzweifelhaft als der kern des ganzen anzuse-
hen, an den sich das übrige erst angeschlossen hat, wie
dies denn auch aus der vergleichung mit dem bei uns üb-
lichen verfahren bei bannung der gelbsucht hervorgeht.
Das indische verfahren theilt uns das Eaupikasütra IV, 2
(26) (Cod. Chamb. no. 119 bl. 29b) für diesen fall etwas
ausführlicher mit:
anu süryam iti mantroktasya lomamipram äcämayati |
prshthe c4 ^niya 9ankudhänam carmany äsinäya dugdhe
sampätavantam badhnäti | päyayati haridraudanabhuktam
uchishtänuchishtenft 'prapad&t pralipya mantrokt&n adhas
talpe baritasütrena savyajanghäsu baddhvä^ vasnäpa-
yati [ prapftdayati vadata upasthäpayati | kro^alomäni
jatunä samdihya jätarfipen& 'pidhäpya H
indische and germanische segenssprUcfae. 115
„Nach der sonne ^ so läfst er ihn wasser, das mit
haaren des im Spruche genannten (rothen feiles) gemischt
ist, in den mand nehmen. Dem auf der haut sitzenden
bindet er eine bflrste, die er herbeigeholt und welche in
milch getaucht ist, auf den rUcken. Er läfst ihn hierauf
trinken; nachdem er reismüs mit gelbwurz gegessen, salbt
er ihn mit dem opferrest bis zur fiifsspitze und l&fst ihn
dann (sich?) abwaschen, nachdem er unter das bett an
dessen (oder an ihre?) linke beine die im Spruche genann-
ten mit einem gelben faden angebunden hat. Darauf lä&t
er ihn vortreten und sich an die schwatzenden (vögel) wen-
den, worauf er ihm die brusthaare mit lack bestreicht und
sie ihn mit gold bedecken läfst.
Wir sehen also hier, dafs zur vemichtung der krank-
heit innere und äufsere mittel, die von gelber färbe sind,
angewendet werden. Der spruch verwünscht die gelbsucht
zur sonne, zu den gelben ^ukas und pärikäs sowie zu den
häridravas, der gelbwurz oder einem bäum mit gelbem
holz oder einem dritten gelben vogel. Der kranke muis
nun von der gelbwurz haridrä essen und die thiere, wel-
che die krankheit fortnehmen sollen, werden mit einem
gelben faden an das bett gebunden. Dagegen sagt der
Spruch, daCs der kranke mit färbe einer rothen kuh um-
hüllt werde, und das verfahren des sütra läfst ihn auf ei-
ner haut, also offenbar auf der einen rothen kuh, sitzen;
die in den trank gemischten haare werden ebenfalls der
haut einer rothen kuh entnommen sein; er soll dadurch
offenbar seine natürliche röthe wieder erhalten.
Ganz wie hier die krankheit in die gelben vögel ge-
bannt wird, war es nun griechischer glaube, dafs die gelb-
sucht ixTBf^og verschwinde, wenn man den vogel gleiches
namens sähe. Plinius 30. 11: Avis icterus vocatur a co-
lore, quae si spectetur, sanari id malum tradunt et avem
mori. Hanc puto Latine vocari galgulum. unter diesem
(die lesart ist freilich nicht sicher) vermuthen einige die
goldamsel, andre den pirol. Da jene zur gattong turdus
gehört und Säyana obiges ropanäkäsu durch 9&rik&^u er-
8*
IIG Kuhn
klärt, ^ärikft aber entweder gracula religiosa oder turdus
salica Buch, (nach Wilson) ist, wird jenes die meiste Wahr-
scheinlichkeit haben, zumal wenn man nun damit den
schwedischen aberglauben, der aus Galander vom jähre
1774 in Svenska folkets seder, Stockholm 1846 s. 61 mit-
getheilt wird, vergleicht, wo es heifst: „Holjes ej sängen
igen, da man stiger upp, och en gulspink (sparf) flyger
öfver sängen, ßr man gulsoten, hvilken botas d§ man ätcr
en stekt sparf. Wird das bett nicht wieder zugedeckt,
wenn man aufsteht und ein gelbfink (ammer) fliegt Ober
das bett, so bekommt man die gelbsucht, welche geheilt
wird, wenn man einen gebratenen ammer ifst*^. Dafs ein
goldammer über ein offenes bett im zimmer hinfliegt, wird
eben nicht gerade häufig vorkommen, man wird eben die
krankheit allgemeiner dem über einen menschen hinfliegen-
den vogel zugeschrieben und ebenso geglaubt haben, dafs
derselbe sie auch wieder nehmen könne, zu welchem zwecke
der aberglaube ihn zu essen vorschrieb; das verzehren des
thieres, das die krankheit nehmen soll, haben wir auch
oben bereits als gegenmittel gegen die Schwindsucht ken-
nen gelernt. Dafs krankheiten mehrfach auf vögel über-
tragen wurden, zeigt die mittheilung Schön werth's (aus
der Oberpfalz III, 2^2 f.): „Harmloser ist der gebrauch
gegen gicht und rothlauf, dann kinderkrankheiten, kreuz-
schuäbel, gimpel, stiglitze, turteltauben u. s. w. im zimmer
zu halten, wo sie den krankheitsstofi^ an sich ziehen \md
so statt des kranken sterben". Vgl. auch Müllenhoff sag.
8. 513, no. 17b: Ekenhessen, ik klag dy, AH de ryten gicht
de plagt my. Ik kann daer nich fasr gaen, du kannst da-
mit bestaen. Den eersten vagel, de aswer dy flfigt, den
gif dat mit in de flucht, De nceem dat mit in de lucht. —
Ist daher, wie nach den obigen angaben nicht zu bezwei-
feln ist, die Übertragung der gelbsucht auf einen vogel
aiich bei uns bekannt gewesen, so wird es auch kein an-
drer als die goldamsel gewesen sein, deren namen in Nie-
derdeutschland durchweg die gelbe färbe hervorheben, vgl.
Schiller mecklenb. thier- und kräuterbuch 11, 11.
indische uud geraianische segenssprttche. 117
Es bleibt noch ein andrer punkt der übereinstiminung
zu besprechen, nämlich die banuung in die gelbwurz; wir
haben freilich gesehen, dafs das wort haridrava, welches
wir mit Weber durch gelbwurz gegeben haben, nicht un-
zweifelhaft sei und jedenfalls daneben noch eine andre be-
deutung habe, allein das verfahren des kaupikasütra gibt
doch unzweifelhaft an, dafs der kranke haridraudana also
mfts von haridra essen soll, haridra ist aber curcuma,
gelbwurz und wird denn auch mehrfach bei uns gegen die
gelbsucht verwandt. So theilt Schönwerth (a. d. Oberpfalz
111,255) mit: ^3) Ferner man läfst in eine gelbe rübe
sein wasser und trägt sie vor tags in einen ameisen häufen.
Neun tage lang betet man 5 v. u. und 5 a. M. Am zehn-
ten sieht man nach; ist das wasser verzehrt, nimmt die
kraukheit ab^. Dazu stimmt in der hauptsache die däni-
sche kur bei Thiele III, 109, no. 482: „Gegen gelbsucht
(guulsoet) soll es ein gutes mittel sein, eine ausgehölte
gelbwurzel (gulerod), in die man sein wasser gelassen, im
Schornstein aufzuhängen, indem man glaubt, dafs die krank-
heit in gleicher weise abnehme, wie der rauch die wurzel
verzehre". Nach nassauischem aberglauben (Kehrein Volks-
sprache und volkssitte im herzogth. Nassau II, 26S, no. 229)
soll man sich ein stück der gelbwurz (curcuma longa, auch
gelbsuchtwurzcl) in den rechten schuh legen und dasselbe
weich treten, bei anwendung des letzteren mittels aber vor
Sonnenaufgang auf brennesseln pissen. Ebenso wird im
oldenburgischen nach Goldschniidts mittheilung (bei Schil-
ler thier- und kräuterb. I, 22 b) Gurkemeis (auch gelsucht-
wötteln genannt, curcuma longa L.) gegen die gelbsucht
gebraucht.
Dafs diesen kuren sowie vielen andern, welche die
Volksmedizin gegen gelbsucht angibt, der grundsatz similia
similihus curantur zu gründe liege, ist leicht ersichtlidi.
So wird denn auch in gleicher weise das Schöllkraut (auch
schinnwatt, schinnwnrz, chelidonium maius) wegen seines
o;elben saftes gegen die krankheit gebraucht, Schiller a. a. o.
I, 29. Ein mittel , dem ebenfalls hohes alter beisumesseu
118 Kuhn
ist, gibt Thiele III, 110 u. 484 an, dafs nämlich das volk
sappe von einem gelbfüfsigen huhn koche und gegen gelb-
sucht brauche, und dafs man auf den Faroeer eine adier-
klaue in wasser lege, welches danach getrunken werde.
Dazu vergleiche man Plinius 30, 11: „Morbo regio resi*
stunt sordes aurium cet. Gallina si sit luteis pedibus prius
aqua purificatis, dein collutis vino, quod bibatnr. Ebenso
beruht das letzte stück des vom Kaupika-sütra angegebe-
nen Verfahrens, nämlich auf die brusthaare ein goldplätt-
chen zu kleben, auf dem gleichen grundsatz, wie denn auch
ein bei Schönwerth a. a. o. angegebenes mittel den kran-
ken in eine goldne uhr oder in einen goldnen becher se-
hen heifst, dann vergehe die krankheit.
4) Gegen alp oder mahre.
Ich habe bereits in meinen westfälischen sagen II, 19,
no. .^4 auf die nahe Verwandtschaft zwischen elben und
gandharven aufmerksam gemacht und dort gezeigt, wie sie
beide als in den leib des menschen einziehend gedacht
worden seien; der folgende Spruch des Atharva zeigt, daÜB
sie auch in derselben weise wie bei uns die elben und
mähren Verbindungen mit den sterblichen eingehen, und
dafs auch den sprfichen bei den Germanen wohl dieselbe
grundlage wie jenem zuzuschreiben sein wird; das älteste
beispiel einer solchen Verbindung, welches uns bei den In-
dern überliefert ist, ist bekanntlich das von der Urva^t
und dem Pururavas, über das ich herabkunft 77 £ und
westf. sagen I, s. 81 no. 71 gesprochen und die berühmogs-
punkte der apsarasen mit den mähren nachgewiesen habe.
Der Spruch des Atharva lautet nun IV, 37:
tvkjk pürvam atharväno jaghnil r&xa^sy oshadhe |
tvayä jaghäna ka^yapas tvayä k^vo agastyah || 1 ||
,tvay& vayam apsaräso gandharv&ip cätayämahe |
ija^nigy &ja rizah sarvän gandh^na nft^ya || 2 R
nadfm yantv apsar4so 'p£in tär&m ava(vas4m |
guggultih pf lä naladyaüxagandhi^ pramandanf |
t&t p&retäpsarasah prÄtibuddfaä abbütana )| 3 ||
indische und germAnisch« segenssprUche. J19
yäträ '^vatthlt nyagrodha mahävrxah ^ikhandinah [
yätra vah prenkhä h&ritä arjuna uta yäträ 'ghatäh kar-
karyah samvadanti |
tat pareta 'p^'^i'^sah prätibuddbä abhütana || 4 ||
& ^yäm agann oshadbioäm virüdhäxn vtryävati || 5 ||
aja^rngyärätaki tixnaprDgf vyrshatu || 6 ||
äor tyatah pikhandino gandharvasya 'psaräpateh |
bhinädmi mushkav äpi dyämi pepab || 7 ||
bhimä indrasya betayah patam rsbtfr ayasmäyih |
tabbir haviradän gandbarvan avakädan vyrshatu || 8 ||
bhimS indrasya betayah patam rsbtfr hiranyäyih |
tabhir haviradän gandbarvan avakadän vyrshatu || 9 ||
avakädan abbi^ocan apsü jyotayamämakän |
pipacant sarväu oshadhe prä mrnthi s&hasva ca || 10 ||
9ve \ed ^kah kapir ivai 'kah kumäräh sarvakcpakäh |
priyo drpa iva bbütva gandbarvah sacate striyam |
tarn ito nä^ayämasi bräbmanä viryävatä || 11 ||
jäyS id vo apsaraso gandbarvah patayo yüyam |
apa dhävatamartyä martyän mä sacadhvam || 12 ||
Durch dich, o kraut, erschlugen einst die Atharvans die
raxasas,
durch dich erschlug sie Kapyapa, durch dich Kanva, Aga-
stia. II 1 II
die apsarasen und gandharven verscheuchen wir durch
dich (o kraut),
bockshorn! jage die raxas fort, verscheuch durch deinen
duft sie all! || 2 ||
zum flufs soirn die apsaras gehn, zur wasserfurt wie weg-
gehaucht,
Guggulü, Pila, Naiadi, Auxagandhi, Pramandani,
dort geht, ihr apsarasen, bin, geht fort, wir haben euch
erkannt. || 3 ||
Wo die a^vattbas, nyagrodbas, die gipfelhohen bäume
stehen,
wo euch die schaukeln golden und silbern, und wo die laute
zu der cymbel klingt,
dort geht, ihr apearaseu, hin, geht fort, wir haben euch
erkannt. || 4 ||
120 Kuhn
Die kräftigste der pflanzen und der kräuter kam herbei.
II 5 II
Die bockshörnige Arätaki, die spitzhörnige , sie durch-
bohre 1 II 6 II
Des berbeispringenden Qikandin, des gandharyen, des
herrn der apsaras,
hoden spalt ich, schneid^ ihm ab das glied! || 7 ||
Furchtbar sind des Indra geschosse, mit hundert spitzen,
die ehernen,
damit durchbohre er die opferfressenden gandharven, die
avakäfressenden ! || 8 ||
Furchtbar sind des Indra geschosse, mit hundert spitzen,
die goldenen,
damit durchbohre er die opferfressenden gandharven, die
avakäfressenden! jj 9 ||
Die avak^ressenden , die glühenden, die in den wassern,
die lichtgeizigen (?).
alle pipäcas du kraut zermalme und überwinde. || 10 ||
Zu einem schönen hunde, zu einem schönen äffen, zu ei-
nem rauchen knaben
lieblichen anblicks geworden, verfolgt der gandharva das
weib ,•
ihn vertreiben wir fort von hier durch dies kräftige gebet.
II 11 II
Die apsarasen sind ja eure gattinnen, ihr gandharven seid
die gatten,
fort enteilet ihr unsterblichen, verfolget nicht die sterb-
lichen! II 12 II
Der inhalt des Spruches ist im ganzen klar, und wo
dies im einzelnen nicht der fall ist, müssen wir uns einst-
weilen, bis weitere aufklärung kommt, beruhigen. Apsa-
rasen und gandharven werden durch den geruch der pflanze
arätaki, welche auch die bockshömige oder spitzhörnige
beifst, aus der nähe der sterblichen vertrieben, denen sie
genaht sind, jene um sich mit männern, diese um sich mit
weibern zu verbinden. Von den aparasen ist dies zwar
nicht ausdrücklich gesagt, doch läfst die Verbindung mit
indische und germanische segenssprUche. 121
den gandharven und die einreihung in den ganzen Spruch,
sowie die der epischen poesie bekannte Verlockung der
helden und rishis durch dieselben, wohl kaum einen zwei-
fei darüber, dafs sie in der angegebenen weise mit den
gandharven gleich zu stellen seien. Beide vermischen sieb
also mit den sterblichen und von solcher Vermischung sol-
len sie durch spruch und kraut zuröckgescheucht werden;
haus, Wohnung oder lager werden zwar nicht erwähnt,
doch wird die bannung ihnen doch vorzugsweise gegolten
haben, was auch aus der kurzen anweisung des kaupika-
sütra IV, 4 (28) hervorgeht: tvaya pürvam iti kopena 9a-
micürnani bhakte 'lamkäre ^äläm paritanoti „durch dich
einst^ so; aus einem gefäfs umstreut er das haus, nach*
dem er einen schmuck erhalten, mit ^amfpulver". — Wie
tief übrigens die Vorstellung solcher Verbindung in den
glauben des volkes eingedrungen sei, zeigt der umstand,
dal's die form der gandharva-ehe, d. h. der ehe, welche
ohne alle weiteren ceremonieen vollzogen wird, selbst in
den rechtsbtichern ihre stelle gefunden hat. Nicht zu Ober-
sehen ist auch dabei, dais sich der gandharva nach v. 10
in einen schönen liund oder äffen oder in einen behaarten
oder lockigen knaben verwandelt, sich so in das vertrauen
der frauen schmeichelnd, die er verfolgt.
Mit diesen Vorstellungen vergleicht sich nun unzwei-
felhaft das, was im glauben der Nordgermanen von den
elfen und was bei uns vom alp und der mahre berichtet
wird. Von dem verlockenden tanze der elfen, zu dem der
nächtliche wanderer hingerissen wird, erzählen zahlreiche
lieder und sagen im norden, sie berichten gewöhnlich, wie
der verlockte, einmal der elfenwelt verfallen, ihr für im-
mer bleibt oder doch längere zeit, meistens sieben jähre,
dort weilt. Wer eines dieser loose nicht theilt und sich
den Verlockungen früher entreifst, böfst es gewöhnlich mit
dem tode. Dafs ähnliches im Volksglauben der Inder be-
standen, zeigen die Vorstellungen von den vidyädhara in
den späteren märchen; dafs es aber auch in älterer zeit
schon vorhanden war, macht 9I. 4 unseres Spruches wahr-
122 Kuhn
scheinlich, wo von der musik der apsarasen die rede ist
und von ihren goldenen und silbernen schaukeln auf den
hochragenden bäumen. Dorthin sollen sie gehen, sagt der
Spruch, da ist ihre eigentliche statte. Darin liegt aber
ausgesprochen, dafs der aufenthalt, den ihnen der spruch
verbietet, ein anderer ist, und dafs es eben der in den
menschlichen Wohnungen sei, geht aus 9I. 1 2 sowie aus der
obigen anweisnng des sütra deutlich hervor. Aus diesem
werden sie durch die aja^rngi, die bockshörnige arätakt
(odina pinnata) und durch ihren geruch verbannt. Gerade
so wissen die germanischen sagen zahlreiche kräuter zu
nennen, welche sowohl den teufel als die hexen, als auch
nixen, elbe und zwerge vertreiben und gegen ihre macht
schtitzeu. Bei uns sind es besonders dost oder thymian
und dorant (origanum antirrhinum oder marrubium) sowie
hartheu (hypericum perforatum), welchen diese kraft bei-
gelegt wird, Grimm myth. 1164, vgl. noch westf, sagen II,
29, no. 78; das erstere zeichnet sich bekanntlich durch
seinen starken duft aus; in Schweden ist es die vänderot
(Valeriana officinalis) auch Velamsrot, älter Welandzroot
(Dybeck, Runa 1845, s. 49) uud dufve-ägg (cucubalus be-
ben). Jene, der auch bei uns gegen hexen und teufel
schützende kraft beigelegt wird, zeichnet sich ebenfalls
durch ihren starken geruch aus; im hört, sanit. c. 520
heifst es: Boldrian: Dit krut vnd sine wortel hebben ei-
nen starken roke. Schiller mecklenb. tbier- und kräuter-
buch s. 16. Von dieser pflanze erzählt nun eine schwe-
dische sage, die ganz zu der Vorstellung unseres Spruches
stimmt: „Ein unterirdischer gewann die liebe eines mäd-
chens, die ihn für einen menschen hielt. Der mutter kam
die Sache nicht richtig vor, deshalb mufste das mädoben
den unterirdischen fragen, ob er ihr nicht ein mittel gegen
einen unterirdischen stier angeben könne, der ihre kuh
übel zugerichtet habe; der unterirdische sagte, sie solle
der kuh ticerinde und toendelsrot (Valeriana officinalis) an-
binden, so würde sie den ochsen los werden. Nun band
die mutter der tochter diese -kräuter an und als der freier
indische und germanische segenssprttche. 123
das nächste mal kam, hatte er keine macht sie anzurüh-
ren und rief:
Tvi mig, som lärde dig bot
Med Tivebark och Wendelsrot?
pfui mir, dafs ich dir heilung vertraut
mit Tiverinde und Wielandskrant!
worauf er verschwand. Auch gegen elfen, welche nach
dem glauben des volkes, sonst den menschen nicht ftbel
wollen, aber zuweilen neidisch auf junge leute sind, die
sich verheirathen wollen, bedient man sich der vänderot,
und der bräutigam verwahrt deshalb am hochzeitstage ei-
nige blätter der pflanze in seinen taschen oder unter den
aufschlagen". Dybeck, Runa 1845 s. 5<K An die Vorstel-
lungen von den elfen schliefsen siöh aber eng die vom
alp, wie schon der'name zeigt, oder der mahre oder mährte
an, und dafs unser sprach gegen die apsarasen offenbar
ein gleiches verhältnifs betreffe, scheinen mir nun mehrere
deutsche Sprüche kaum noch zweifelhaft scheinen zu lassen.
Grimm myth. 1194 theilt aus Wolfs niederländischen
sagen folgenden mahrsegen mit:
O maer, gy lelyk dier,
komt toch tezen nacht niet weer,
alle waters zult gy waeyen,
alle boomen zult gy blaeyen,
alle Spieren gerst zult gy teilen,
kommt my toch dezen nacht niet kwellen.
Diesem reiht er den hennebergischen sprach (aus Haupt
zeitschr. III, 350) an:
das wallala alle berge durchtra,
alle Wasser durchbät,
alle bietlich äblät,
onnerdesse wörds tak!
Damit vergleiche mau den Spruch aus Lerbach im
Harz bei Prohle harzbilder s. 80:
Mährte, ehr de mick wutt berien,
saste erst alle bärge un däler owersirieD,
124 Kuiin
alle grasspiere inktiicken,
alle loofbläre aflicken,
alle steern am bimmel teilen,
iinders werd wol dag sien.
Ferner den westfälischen (westf. sag. II, lf)l, no. 541:
Hier leg ich mich schlafen,
keine nachtmahr soll mich plagen,
bis sie schwemmen alle wasser,
die auf erden fliefsen,
und teilet alle sterne,
die am firmament erscheinen.
Ein theil des Spruchs ist auch in einem spruche von
den Orkneys (Choice notes p. 63) erhalten:
A dead wife out of the grave arose,
and through the sea she swimmed,
Through the water wade to the cradle,
üod save the bairn-burnt sair.
Het fire, cool soon in God's name.
(Gegen schmerz, der durch burn oder scald, hier swey
oder sweying genannt, entsteht).
Ferner in einem Spruch aus Schreibers taschenbucli
1839, 8. 321: „drudenkopf, ich verbiete dir haus und hof,
ich verbiete dir meine bettstätte, dafs du nicht über mich
tröstest (? trottest, trittst), tröste in em ander haus, bis
du über alle berge und wasser steigest und alle ssaunstek-
ken ehlest (? zehlest), so kommt der liebe tag wieder in
mein haus^. Dazu stimmen im ganzen genau die aufzeich-
nungen in den nordd. sagen s. 461, no. 458, und von Roch-
holz in Maunhardts zeitschr. IV, 113.
In diesen sprQchen zeigen nun die zeileu „alle waters
zult gy waeyen, alle boomen zult gy blaeycn — alle was-
ser durchbät, alle bietlich äblät u,8. w.** deutlich densel-
ben grundgedanken wie vs. 3 und 4 unseres Spruches, wo
die apsarasen auch zum wasser und zur fürt sowie zu
den hohen bäumen verwiesen werden; die deutschen sprö-
che fügen nur noch die Verstärkung der baunungsformel,
das zählen der blätter, der zaunstecken und der gerstspie-
indiAche and gormaniMrhe »«»getittsprUche. |2S
ren sowie das steigen fiber alle borge hinzu, tun so den
zweck, dafs die zeit möglichst verlängert werde und im
tag werden könne, besser zu erreichen.
Man könnte mir noch einwenden, daCs nach dem heu-
tigen Volksglauben das wesen der mabre im ganzen ein
anderes zu sein scheine als das in obigem Spruche ge-
schilderte der apsarasen, dai's nämlich die mahre nur ein
den menschen druckendes und peinigendes gesfienst s^i,
das ihn, nicht nur nicht um sich mit ihm zu rorinuden^
heimsuche, sondern sogar nur durch zwang zurückgebalteti
werden könne, allein einerseits mu& man doch einräumen,
dafs die heimsuchung der mahre nach d<>T volki^^a^e id
zahlreichen iallfn zur Verbindung mit dem gef^h^^ten fllbrt,
andererseits hat WoM beitr. II, 26Sft. J>e«<wid<?r» 270 ge-
zeigt, dais aUcfdiDgs die lielje im gaozeo da« moür de«f
Wesens der mahre 9ei oad daT« »e verwandelt in die «C'hlaf'
kammer koonBe. um deo zoeoccIieD gleieii«am zu ihrer liebe
zu zwingeo: daif aoch im volke smmJL diete graodatjJiiidbi
die beiTKlieode Mfi. g>dit seboii mit deuUsebkett daratM
hervor^ daÜF die %a^ oft »odb auf erd^^ weileDde mSüi^
eben Bahrai •nts äiiA« die dau» rorz^^^w^fifte 'Jeo v<mi
ilmeB gtJaelff^PB £« ^oilw koatm^m. Eme attistttirikl^^tie
darlegoa^ dkiwr rrjf^^iluii;^ wCtrtie fat^ zxi «-«^ Cübre««
mir das muk^ ^rwiJuaaii irtrOeD. daJfi^ ^ zwei klae^eo v<,«i
weibBeiMB tBiilir«gD p*4j^- d«*>ni e:iii* *i»* ♦^ju^-r a^iW^^^
weit, atBF 4€i» ^xDjT^IiictfeOe. k'jvxüj^. wiJbir«et»<i die ^aA^^ mm
momemtaiii r^v^rtm^lt;«' ««VipiAiiHsbe %^Huid. f>ft^ it*di%db** «a^^^
kennt aar döe ^nrt^ kintf»»' tnid trekn iUu*^> wii»' 4:»» t»*i'
teres £eiipii& d»^ üli»-f»-i»Äii[inuiWijf iä- ^jWhiWW ♦*»*• *^ijpue
doch wiri umAi tu (ksr ^i\AorT^f!%i wA eaue ^^^^ «»^v g«r
apsarasett« «fUMmatmi iukis^. ^s^nmou: viU^r «^ ü'^-iAkAi ^
der wdt 4«ft Sraimum. }>üW mh üttuu ttu«^ i»inu^ umiU
zo ütßtvbniifai^ äuk di^ tudM»«iut ^stt^«- miiu*^ ift«jtrtkr>fc«#it u'tt
besofidert; «aiuiitf vut ^utiiuu^n. lUf ta^x uiu<^..«?ljti. i»*iir<HiA:
die ttiuuttr irtüttfiiuinf^u. «»'6iif*nfl< <U ^^uÜMtif vjm^ äui^ttfw^
gesdüift ini 'ttoii 4nmeti -tmoet^ . utifi ^Otiie i^u^fim/ Ibe ^^'
126 Kuhn
manische sage fast uur weibliche mähren kennt, während
nur sehr geringe spuren derartiger männlicher wesen vor-
handen sind, die Wolf beitr. 11, 264 ff. gesammelt hat. Ich
glaube daher, dafs die letzteren ursprünglich bei den Ger-
manen ebenfalls nicht vorhanden waren und dafs an ihrer
stelle andere elbische wesen, besonders der nix, nöck ge-
standen habe, von dem in einzelnen sagen genau dieselben
zfige wie von der mahr berichtet werden und der gerade
wie kentauren und gandharven so häufig in rofsgestalt
erscheint, dem wie diesen beiden musik und besonders sai-
tenspiel beigelegt werden. Endlich sei noch erwähnt, dafs
wie unser Spruch den gandharven die Verwandlung in
hund, äffe und rauhhaarige oder lockige * ) knaben beilegt,
so auch die mahr in zahlreichen verwandlimgen erscheint,
von denen ich nur die, auch bei den hexen ganz gewöhn-
liche katzengestalt (Wolf beitr. II, 268) erwähne, da sie
sich der affengestalt der gandharven zur seite stellt. . Einen
nöck als hund läfst auch eine ältere schwedische sage bei
Dübek, Runa 1845, 104 einem mädchen erscheinen, wie
er denn auch als rauchhaariger wilder, zuweilen als gelb-
lockiger knabe mit rother mutze auf dem haupte erscheint
(Grimm myth. 459). Das wesen der nixen und mähren
steht, wie hier nur angedeutet werden soll, im innigsteu
zusammenhange, der sich nur bei einer unpassenderen be-
trachtnng ihres wesens darlegen läfst; ich weise nur noch
darauf hin, dafs wie unser spruch den Zusammenhang zwi-
schen apsarasen und mähren darthut, so auch der, dals
sie sich auf den wipfeln der bäume scbaukehi, ihnen mit
den nixen gemein ist, denn diese sehen wir in einer sage
bei Sommer ( no. 39 ) sich auf die wipfel der weiden an
der Saale und Elster setzen und dort ihre wasche sum
trocknen ausbreiten. So sitzen auch die böhmischen rus-
salky entweder nackt oder in weifsen hemdchen am ufer
*) sarvake9aka scheint am ganzen leibe mit langem haar bedeckt za
bedeuten, doch k5tmte es auch, da ke^a im gegenaatE zu loman immer
banpthaar bedantat, den gana in langaa haar gehttUt«n bedeuten.
indische und germanische segenssprttche. 127
und strählen ihre haare oder sie hüpfen auf die äste der
bäume und hängen das garn aus, das sie im dorfe gestoh-
len, oder sie schaukeln sich in den baumzweigen (Groh-
mann böhm. sagen s. 136). So berichtet auch schon Prae-
torius (Grimm deutsche sagen I, no. 57 s. 71), dafs die elb-
nixe bei Magdeburg sich zuweilen am hellen tage und bei
scheinender sonne zeigt, sich ans ufer setzt oder auf die
äste anstehender bäume und wie schöne Jungfrauen lange,
goldgelbe haare kämmt. Im äufsersten norden, in Schott-
land, auf den Faroer und in Island sehen wir ebenfalls die
nixen und mähren in der gestalt von Seehunden in ein-
ander übergehen, eine gestaltung, die wohl auf hohe alter-
thümlichkeit anspruch hat, wenn wir uns des Proteus und
seiner schaar erinnern.
Endlich sei noch erwähnt, dafs die in unserm Spruche
vorkommenden namen der apsarasen durchweg blumen-
oder pflanzennamen zu sein scheinen; zu Guggulü stellt
sich guggulu m. eine rothblühende moringa, zu Pilä viel-
leicht pidä f the saral tree (pinus longifolia), zu Naladi
vergleiche man nalada, narde, die wurzel von andropogon
muricatus und blumensaft; über auxagandhi, nach stieren
riechend, vermutben auch die herausgeber des petersburger
Wörterbuchs, dafs es wohl name einer pflanze sei. Da
mähren und hexen nun in unserm heutigen glauben oft
ganz in einander übergehen (den Ostfriesen ist z. b. walrt-
derske jetzt sowohl hexe als mahre, während der name
zeigt, dafs es auch ursprünglich = valkyre war), die hexen
aber häufig unter blumennamen wie Wolgemut (origa-
num), Schöne (bellis minor), Luzei (aristolochia) u. s. w.
erscheinen, auch zwei elfen in Shakespeares mittsommer*
nachtstraum die namen Peaseblossom (erbsenblüte) und
Mustardseed (sen&ame) führen (vgl. Grimm myth. 101 5f.
und frauennamen aus blumen 27), so wird auch dieser zug
ein bereits uralter gemeinscbaft entstammender sein.
128 Kuhn
5) Sieben und siebzigerlei krankheit.
Zahlreiche deutsche besprechungsformeln nennen sie-
benundsiebzigerlei krankheit, die von dem leidenden fort-
gebannt wird, namentlich erscheint am gewöhnlichsten so
das fieber; die beläge dafür sind in neueren segensformeln
so zahlreich, dafs es genügen mag wenige proben zu ge«
ben. Nordd. sagen s. 439, no. 319:
In dies wasser tret' ich,
Christi blut anbet' ich,
dies wasser und Christi blut
ist filr das sieben und siebzigsterlei fieber gut.
vgl. ebenda s. 374, no. 20; westf. sagen II, 204, no. 578;
Wuttke volksabergl. no. 251. Ein andrer spruch kennt
sieben und siebzig nöschen (myth. 1110), ein andrer 77
gichter, Wuttke no. 247; ein andrer sagt: Gott der herr
ist der stärkste mann, der alle siebenundsiebzigsterlei, zug
und äug feuerbrand helfen und heilen kann, Wuttke no.
253. Sieben und siebzigsterlei zahurose wird durch den
Spruch nordd. sagen s. 440, no. 322 gebannt. Ferner heifst
es: grüfs dich gott vilheiliger tag, nimm mir mein 77 kalt
wee ab (myth. ' CXL no. XXX. — ich verbüfse dir sie-
ben und siebenzig schufs; sieben und siebenzig seuche,
die seind mehr denn wir verbüfsen; weichen von diesem
geruch (?) neunerlei geschuis (ebend. CXLIII no.XXXX).
— Meier schwäb. sagen gebr. s. 521, no. 468. 2: AdernpfiS*
und wieselblust sind für 77 geschwulsten gut. — Schön-
werth aus der Oberpfalz III, 250: Der hl. Petrus foart zin
ackar as, ackert 77 erloy würm und würmin heras. — Das
bruchstück eines segens bei Wolf beitr. I, 259 sagt: „da
macht er einen ring um mein vieh und der ring ist be-
schlossen mit 77 Schlössern".
Daneben steht vereinzelt einmal, wenn der spruch rich-
tig überliefert ist, zwei und siebzig, nämlich in einem fie-
bersegen, wo deren 72 angenommen werden (myth. 1107).
Auch 70 findet sich, bei Grimm myth. ' CXL no. XXVII:
dafs er mir bufs die rechten sporenfufs — und gelsucht
indische und germanische segenssprUcho. 1^
und siebeuzig gesucht. Ebenso bei Rochholz in Mann-
hardts zeitschr. IV, 109: Waiser , lafs dich nicht flielsen,
denn du wollest mir siebensiigerlei büfsen.
Doch wie sehr auch die zahl 77 überwiegt, so finden
sich doch daneben, wenn auch vereinzelt, andere Verbin-
dungen und zwar vorwiegend durch elf theilbarer zahlen.
So steht in einem Spruche gegen die gicht bei Wuttke no.
247: „der du unter den 99 und 77 bist, sicherlich magst
da vergehen, wie die weüse wand u. s. w. Femer bei
Grimm myth. * CXXXIIl no. VIII b: Ic dir nach sihe, ic
dir n&ch sendi mit minen fünf fingirin funvi undi fünf«
zic cngili; in einem feuersegen, den Rochholz in Mann-
hardts zeitschr. IV, 132 mittheilt, heilst es: St. Katharina
goht über wiesen imd heid vier und vierzig stunde wtt
und breit sieben und siebzig schärmefser waren
am rad mit dem der könig zu ihr eintrat so kam
ein heitrer donnerchlapf, ein donnerchlapf vom himmel
'rab, schlug die vier und vierzig Speichen ab, die vier
und vierzig Speichen waren nit genug, vier und vier-'
zig heidenmannen er mit erschlug. — Mit einer solchen
durch elf theilbaren zahl wird in einem Spruche bei Mül-
lenhoff schlesw. holst, sagen s. 513 no. 17 noch hundert
verbunden: Guden abend, herr fecht, ik bring em hun-
dert nägenunnägentig gicht. Daran reiht sich die
Verbindung derselben zahl durch Vervielfältigung, wie sie
ia einem Spruche bei Grimm myth. * CXLVI no. L au&
tritt: so befehl ich mich in die heilige drei benedicts pfen-
naDg(?), die neunmalneun ge weihet und gesegnet sein.
— Schon im Baarl. 109 , 28 findet sich : diu niun unde
niunzig er verkös. In unserm Volksglauben hier in der
Mark wird von sehr reichen gutsbesitzern erzählt, dafs sie
neun und neunzig guter hatten, hätten sie das hun-
dertste gekauft, so hätten sie ein regiment stellen müssen.
Eim ähnliches aahlenverhältnirs zwischen 99 und 100 fin-
det sich ein paarmal im Rigveda, vgl. h^rabkunft d. feuers
8. 438** und dazu Benfey Or. und Occ. II, 524. Die apo-
MtAckr. £ T|^ sprachf. XUI. 2. 9
laO Kuhn
theker nennt das volk neunundneunziger, angeblich
weil sie neunundneunzig procent nehmen.
üeberall scheinen die mit elf oder zehn oder mit sich
selbst multiplicirten zahlen nur der ausdruck üßr unbe-
stimmt grofse zahlen zu sein, wenigstens setzt ein Spruch
der westfälischen sagen II, 213 no. 606 die zahl hundert
an die stelle jener obigen: nemm drei hafel wänderkorn,
gebb^s de schweine, fer de breine, fer de lange, fer de
bange, fer de hunn erdfeldige bese kranket. Dafs übri-
gens die (3), 7, 9 wegen manniohfacher uralt heiliger be-
ziehungen ursprünglich überwogen haben mögen, wird man
annehmen müssen; aber auch alle ungraden zahlen wer-
den vor den graden den Vorzug erhalten haben, so soll
man bei geldopfern an heilige quellen nach dänischem glau-
ben darauf achten, dafs die stücke ungerade sind, Thiele
m no. 423.
In gleicher weise wie in den angeführten deutschen
Sprüchen treten solche Zahlverbindungen nun auch im
Atharva auf. So heifst es Ath. VI, 25;
pänca ca yäh pancäpäc ca samyanti mäuya abhi |
it&s t£h sarvä napyantu väkä apacitam iva || 1 ||
sapta ca yah saptati^ ca samyanti graivya abhi | itas i. a.
ii 2 II
nÄva ca yä navati^ ca samyanti sk4ndhyä abhi | itas i. ft.
' II 3 II
Die auf des genicks sehnen sitzen, die Ainfe and die f&n£-
zig auch I
sie sollen fort von hier vergehn, wie die schwärme (?) der
apacits. ||
die auf des nackens sehnen sitzen, die sieben und die sieb-
zig auch I sie sollen u. s. w.
die auf der Schulter sehnen sitzen, die nenne und die neun-
zig auch I sie sollen u. s. w.
In einem anderen schönen spruch, der im Inhalt eini-
germaüien an das schöne, üst übar die ganze germanische
weit verbreitete abendgebet von den 14 engeln erinnert,
finden wir diese form am weitesten ausgedehnt Aih.
XIX, 47.
indische und germanische segenssprttebe. 131
a rätri parthivam räjah pitür apräyi dhltmabhih |
diväh sadansi brhatf vi tishthasa ä tvesh&m vartate ta-
mahlllH
na yÄsyäh pararp dadrp6 nä yöyuvad vi^vam asyam ni
vipate y&d ejati |
Ärishtasas ta urvi tamasvati ratri paräm a^imahi bhädre
päram a^imahi || 2 ||
j& te rätri nrc^xaso drasht^ro navatir tiÄva |
a^itih santy ashta utö te säpta saptatih || 3 ||
shashtip ca shat ca revati pancä^Ät p4Dca sumnajri |
catvarap catvärihpac ca trayas trinpac ca väjini || 4 ||
dvaü ca te vinpatip ca te r^try ökada^avaroäh |
tebhir no adya päyübhir ni pähi duhitar divah || 5 ||
raxä makir no agha^ansa tpata m& no duh^&nsa t^aia |
m& no adya gaväm stenö mävtnäm vr'ka tpata {| 6 ||
'mS^vänäm bbadre tdskaro ma nrnain yätudhanyäh |
param^bhih pathibhi stenö dhävatu taskarah || 7 ||
p&rena datvÄti räjjuh pärenä ' gh4yür arsbatu |
&ndham rätri trshtadbümam a^irshänam ahim krnu || 8 ||
hanü vr kasya jambhayä stenäm drupade jahi |
tv&yi rätri vasämasi svapishyamasi jägrhi || 9 ||
göbhyo nah 9ärina yachS^vebbyah pünishebhyah || 10 ||
Der erde dunstkreis war, o nacht, geftillet mit des vaters
schaar,
da dringest du, mächtige, durch des himmels räum und
schrecklich kommt das dunkel her. || 1 t|
Sie deren anfang, deren ende man nicht schaut, in ihr geht
alles was da lebt zur ruh;
Lafs unverletzt, weite und dunkelreiche nacht, gelangen uns
bis an dein end\ heilbringerin, bis an dein end^ || 2 ||
Sie die, o nacht, die männer schaun, die neun und neun^
zig Wächter dein
und deine acht und achtzig auch, sowie die sieben
und siebzig andi, H 3 ||
die sechs und sechzig, reiche du, die fünf und fünf-
zig, glückliche,
9*
ia2 Kuhn
die viere und die vierzig auch, die drei und drei-
fsig, nährende, || 4 ||
die zwei und zwanzig auch^ o nacht, so wie die elfe
auch zuletzt,
mit diesen Schützern schütz uns heut, o himmelstochter
schütze uns! |{ 5 ||
Bewahre uns, dafs nimmer doch der böse unser mächtig sei,
dafs heut kein dieb der rinder uns, kein woIf der schafe
werde herr, || 6 ||
kein räuber unsern rossen nah\ den mänaern auch kein
zauberweib;
Auf fernsten pfaden eile denn der dieb und auch der räu-
ber hin! II 7 II
Fern sei von uns der schlai^e« zahn, fern gleite hin der
bösewicht, «
den drachen mit dem giftgen haiich, o mach^ ihn bauptlos,
blind, o. nacht! || 8 ||
zermalme du des woIfes kiefer, den dieb am pfosten triff
ihn mir!
In dir, o nacht, verweilen wir, wir wollen schlafen, wache
dul||9||
Gewähre unaero rindern schütz, den rossen und den män-
nern auch! || 10 ||
Noch in einem andern sprucb, der mir jedoch, wegen
seiner kürze und weil ich ihn im Kau^ika-sütra bisher
noch nicht auffinden konnte, theilweise unverständlich bleibt,
findet sich ^ine gleiche Verbindung von zahlen. Ath. VII,4:
ekayi ca dapibhi^ cä suhüte dvabbyam isb^ye vinpai^
tya ca |
tißihin^ ca vAhase trinfiatä ca viyügbhir*) viya ib4 t&
vi munoa II
MijL-.eißex und zehnen .... mit zweien zum suchen (oder:
Opfer) und zwanzi^geU)
mit dreien zum. führen und dreilsigen, mit getrennten, o
^m^y Idee dieae hierl .
■ '•*) Ufer 'igt UjrÖgbWs »ovffll t(h isonst «yügbhis? dmn ''wärt „mit un-
graden** za ttbersetzen. /.,;•,
indische und germanische segentsprttchc. 193
Die zahl 99 wird mehrmals zur beseicboung der zäiil-
iosen regeoströme des himmels verwandt, so Rv. I, 32. 14
Dava ca navatim sravantih; ebend. I, 84. 13: vrträni nar»-
tir nava, and ebenso die gleichbedeutendeo 99 bürgen des
^ambara, von denen ich berabk. d. feuers s. 138 gespro-
chen habe, aber wie in den deutschen Sprüchen an stelle
von 77 blos 70 auftritt, so auch hier an stelle von 99
nur 90. So Rv. I, 80. 8: navatim navya anu; ib. 121. 13:
paratn navatim nävyänäm. — Ebenso erscheinen solche
zahlen auch, wie in dem niederdeutschen aus Malienhoft
sagen beigebrachten sprucb, mit hundert verbunden. So
Ath. VI, 139. 1:
nyastikä rurohitha subhagamkÄrant mima I
i^aXhm t&va pratänfo tr&yastrin^n nitänäb |
tayä sahasraparnyX hrdayam ^oshayämi te || 1 ||
Nyastikä (voc?), du bist mir eine heilbringerin aufgewach-
sen , hundert sind deiner aufstrebenden, drei und dreLTsig
die abwärts gehenden triebe; mit dieser tausendblättrigep
dorre ich das herz dir aus. — In einer gäthä, welche das
^Qatapathabr^mana XIII, 5. 4. 11 ff. anfbhrt, heilstes, dafs
55 und 133 rosse zum opfer angebunden werden (gangft-
yäm vrtraghne 'badhnät pancapancä^tam hayän und trayas-
trinpam ^atam räjä '^vän baddhväya medhyän). Aber es
werden auch die gradeu einer vorangestellt, denen die
sammtlichen zehner folgen, um eine beliebige zahl auszu-
dröckeii. So wird Indra angerufen Rv. II, 18. 4ff.:
a dvabhyam haribby&m indra yähy a catürbhir a 8ha(|-
bhir hüyamanah |
ashtabhir dapabhih somap^yam ayam sutah sumakba ma
mr dhas kah || 4 ||
ä vin^atyä trin^ata yahy arvan a catväriiiQata haribhir
yujauah |
a pancä^ata surathebhir indra shashtya saptatya soma-
^ pöyam || 5 jl
a^itya navatyä yahy arvän ä ^at^na bäribhir uhyama-
nahli
134 Kuhn
yy^Komm mit zweien falben, o Indra, mit vieren, mit Sech-
sen, wenn du gerufen wirst, mit achten, mit zehnen zum
somaopfer; opferwürdiger, er ist geprefst, verwirf ihn
nicht! Komm her mit zwanzigen, mit dreifsigen, mit vier-
zig falben angeschirrt, mit fhnfzigen, dem wagen passen-
dien^ o Indra, mit sechzigen, mit siebzigen zum somaopfer,
mit achtzigen, mit neunzigen komm her, von hundert fal-
ben hergeführt. **
Die gewöhnliche zahl der rosse Indra^s ist bekannt-
lich zwei, aber an die stelle des duals tritt auch mehrfach
der plural, wie Sonne in dieser Zeitschrift (XI, 116) nach-
gewiesen hat; der dichter will also nur sagen: mag die zahl
der rosse deines wagens. nun zwei oder jede beliebige an-
dre zahl sein, so komm doch mit ihnen zu uns herbei.
Endlich möge noch eine sehr häufige mit elftheilbare
zahl zum schlufs genannt werden, die offenbar in dieselbe
kategorie gehört, nämlich die der götter, deren gewöhn-
lich drei und dreil'sig genannt werden. Die stellen daftkr
sind so zahlreich , dafs ein paar genügen mögen. Rv. I,
34. 1 1 : ä näsatyä tribhir ekäda9air ihä dev^bhir yätam
madhup^yam a^vinä | Ihr Näsatya kommt herbei mit den
dreimal elf göttern zum honigtrank, ihr Apvinen. Rv. I,
45« 2 : tan rohida^va girvanas trayastrin^atam ä vaha | mit
rothen rossen, liederfreund, fl)hre die drei und dreifsig her!
Rv. in, 6. 9: p&tnfvatas trin^atam trfnp ca devän — ä
vaha I mit ihren gattinnen die drei und dreifsig götter f&hr'
herbei. Rv. VUI, 28. 1; XXX, 2; XXXV, 3; XXXIX, 9.
Eine vertheilung dieser drei und dreifsig götter zu je elfen
über himmel, erde und wasser findet sich Rv. I, 139. 11:
y^ deviiso divy ^käda^a sthä prthivyäm ädhy ökädapa
stha I apsuxito mahiuai' käda^a sth& tö deväso yajnam
im&m jushadhvam || „Ihr götter, die ihr elf im himmel seid,
und die ihr elfe auf der erde seid, durch eure macht zu
elfen in dem wasser wohnt, lafst euch gefallen dieses opfer,
götter! ** Derselbe vers findet sich auch in der Väjasaneyi-
Sanhitä VII, 19 und in der Taittiriya-Sanhita 1,4. 19.
Diese götterzahl ist auch in die spätere litteratur überge-
indische und germanische segcnssprttche. 135
gangen, vgl. Wilson Vishnupuräna p. 123. Schon frOh hat
man aber derselben eine reellere als die blois unbestimmte
bedeutung beizulegen sich bemüht und sie als aus den
8 Vasus, 1 1 Itudras, 12 Adityas, dem Indra und Prajäpati
zusammengesetzt zu erklären sich bemfiht. Dal's sie aber
ursprünglich nur eine unbestimmte zahl war, zeigt dafs da-
neben 3339 götter genannt werden Rv. III, 9. 9 : „tri'ni ^ata
trf sahäsrany agnim trinpac ca deva nava cä ^saparyan
drei, hundert, drei tausend und dreifsig und neun götter
verehrten den Agni** und in demselben brähmana, in wel-
chem die vertheilung der 33 in Vasus u. s. w. stattfindet,
antwortet Yäjnavalkya auf die erste frage, wie viele götter
es gebe, dafs ihrer drei und dreihundert, drei und drri
tausend seien, die er dann auf 33, 3, 2, 1} und endlich auf
einen reducirt ( Brhad Ärany. III, 9). Diese Verbindung
▼OD drei zahlen mufs eine bereits in uralter zeit fQr die
götter und auf sie bezügliches vorhandene gewesen sein, da
wir sie auch bei den Römern, die an dergleichen formein
streng hielten, finden, nämlich bei Livius XXII, 10, wo er
von den nach der Schlacht am Trasimenus veranstalteten
sOhnopfem berichtet: Eins rei causa ludi magni voti aeris
trecentis triginta tribus millibus trecentis triginta tribus
triente; praeterea bubus Jovis trecentis, multis aliis divis
bubus albis atque ceteris hostiis.
6) Segen gegen würmer.
Einen grofsen theil der krankheiten bei menschen und
thieren schreibt der Volksglauben würmern zu, die als el-
bische dämonen gedacht werden, wovon wir oben bei der
Schwindsucht bereits ein beispiel gesehen haben. Dr. W.
Brenner-Schäffer (zur oberpfälzischen Volksmedizin*) s. 27
*) Der vollständige titel lautet „zur oberpfUlzischen Volksmedizin. Dar-
stellang der sanitätlichen volkssitteii und des medizinischen volksaberglau-
bens im nordöstlichen tbeile der Oberpfalz von dr. Wilhelm Rrenner-Schaeffer.
Von seiner majestät dem regierenden könige von Buiern gekrönte preisschrifU
Amberg 1861. 8. 40 s.
136 Kubu
sagt darüber: y^Die Ursachen der krankheiten sind beim
Volke so eiufach gedacht als seine anatomischen Vorstellun-
gen. Am liebsten nimmt es ein greifbares object, wQnner
oder krebse, als eudursachen der krankheiten an. Unter
Würmern begreift er nicht allein die wirklichen intestinal-
Würmer, sondern auch das panaricium (wurm am finger)
nennt es den wurm. Der wurm im finger, an manchen
orten der blutwurm genannt, muta getödtet, das heifst, todt
gebetet werden. — Eine frau erzählte mir einst, wie schmerz-
haft solch ein todtbeten, dem sie sich unterzogen hatte,
gewesen sei und wie am ende ein wirklicher leiblicher
wurm aus der wunde hervorgekrochen sei! Sogar den mar
genkrampf schreiben sie der wirkung eines wurms, des
herzwurms, zu, das dabei oft vorkommende wasserbrechen,
nennt der bauer „das beseichen des herzwurms^.
Es würde mich hier zu weit führen, über alle die
krankheitsformen, die wüimern zugeschrieben werden, aus-
führlich zu sprechen ; hier soll einmal nur die auch in die-
sem punkte stattfindende Übereinstimmung zwischen dem
altindiscben und dem heutigen germanischen Volksglauben
hervorgehoben und dann die specielle Übereinstimmung in
dem glauben an farbige würmer dargelegt werden.
Das wort wurm „kann man, wie Grimm gramm. III,
364 sagt, für den generischen namen oller reptilien halten;
es ist gerecht auf den grofsen lindwurm wie auf den klei-
nen regen wurm und überall masc. goth. vaurmä, ahd. wurm,
ags. vyrm, ahn. ormr^. Die Verwendung des wertes zur
bezeicbnung von krankheiten zeigen schon zahlreiche alt-
und mittelhochdeutsche composita. Ihm entspricht genau
das lateinische vermis und die ursprünglichere form hat
das Sanskrit mit anlautendem guttural in krmis (daneben
oft das erst daraus hervorgegangene krimis, vgl. das pe-
tersb. wörterb. s. v. krmi) bewahrt,- weiter ab steht das
mit neuem sufBx gebildete Ufuv^. Ueber die slawischen
verwandten vergl. Schleicher kirchensl. formenlehre s. 111.
Die bedeutung von kruii fällt im ganzen genau mit der
von wurm zusammen, nur dafs es doch mehr die kleine-
incUscho und germaniache segensspriiche. 137
reo reptilien bezeichnet Dals der plur. würmer auch im
Sanskrit wie bei uns kleine kinder bezeichnet habe, scheint
eine angäbe des lexikographen Hemacandra anzudeuten,
welcher krmila f. als bezeichnung einer mit vielen kindem
gesegneten mutter gibt; doch ist, so lange das wort nicht
aus der literatur belegt ist, darauf kein weiteres gewicht
zu legen. Wichtiger aber ist, dafs die wQrmer auch wie
bei uns mehrfach als krankheiten auftreten. Der Atharva-
Feda hat mehrere Sprüche gegen dieselben, von denen ic|^
hier nur solche ausheben will, in denen die würmer im
allgemeinen besprochen werden, während die unter beson-
deren namen auftretenden einstweilen unberücksichtigt blei-
ben mögen. Der erste spruch findet sich Ath. II, 31 :
indrasja j& maM drshät krimer vi^vasya tärhant |
tkjk pinashmi sam krimtn drshädä khälvän iva || 1 ||
dnh|Ain adr shtam atrham ätho kurürum atrham |
allCndänt sarv&n chalünän krimtn vacasä jambhayämasi
l|2||
alandün hanmi mahata vadhena düna adünä arasa abhü-
. •
van I
^ishtan ä^ishtän ni tirämi väca yäthä krimfnam nakir
uchishätai II 3 II
använtryam ^rshanyäm atho pärshteyam krimim |
avaskaväm vyadhvaräm krimin vacasä jambhayämasi
ye krimayah parvateshu vaneshv öshadhishu pap&shv
apsvantah |
y^ asmKkam tanväm ävivi^üh sarvam lad dhanmi jänima
kriminäm || 5 ||
Des Indra grolser mühlenstein , der jegliches gcwürm zer-
malmt,
mit dem zerquetsche ich die wQrmer, wie mit dem müh-
lenstein das körn. | 1 j
den gesehenen uud ungesehenen, den kurüru zermalmte ich,
alle aländu, ^aluna, die würmer vernichten wir mit dem
wort. II 2 II
138 Kuhn
Die aländu tödte mit grofsem schlagt ich, gebrannt und
nicht gebrannt wurden sie kraftlos.
Geheifs^ne und ungeheifs'ne, besiege ich sie mit diesem
wort, dals vom gewörm keiner mir übrig bleibe! (| 3 ||
Dier im gedärro, im haupte sitzt, den wurm dann, der im
rflckgrat weilt,
avaskava und vyadhvara, die wOrmer vernichten wir mit
dem wort. || 4 ||
Die wOrmer, die in bergen und wäldern sind, in kräutern,
thieren und auch im wasser sind,
die unsern leib betreten haben, ich tödte all dieser wör-
mer brat! || 5 ||
Zur Übersetzung bemerke ich, dafs drshad gewöhnlich
den untern mühlstein, aber auch fels und stein überhaupt
bedeutet; ich habe die erstere bedeutuug vorgezogen, weil
ich eine den germanischen Vorstellungen von der sonne als
mühle ähnliche autfassung vermuthe (vergl. herabkunft des
feuers s. 115 f.), auf die auch der vergleich mit dem kom
weist, diünä adünä habe ich „gebrannt und nicht gebrannt**
übersetzt; es kann aber auch „geplagt, gequält** heifsen,
doch wird ersteres hier richtiger srin, da das Kaup. sütra
IV, 3 (27) bl. 31b wirklich eine Verbrennung von Wür-
mern und eine Opferung derselben vorschreibt (indrasya j&
mahiti khalvangän alandün (cod. alündün) hananän ghrta-
miprän juhoti | bälän kalmäshe kände savye pariveshtya
sambhinatti | pratapaty ädadhäti savyena daxinämukhah
pänsün upamathya parikirati sammrdhnäty (sie!) äda-
dhäti). — Die im text und im sütra genannten namen der
Würmer erwarten noch nähere aufklärung. — Der zweite
Spruch steht Ath. U, 32 :
udyänn ädityah krimtn hantu nimrocan hantu ra^mibhih |
ye antäh krimayo g&vi || 1 ||
vi^varüpam caturaxäm krimim särangam ärjunam |
^rnämy asya prshtfr äpi vr^cämi yachirah || 2 ||
atrivad vah krimayo hanmi kanvavaj jamadagnivat |
airastyasya brahmanä sam pinashmy ahäm krimin || 3 ||
indische und gennanische segenssprUche. 138
hato raja kriminäm utaishäon sthapatir hatah |
hato hatämat^ krimir hatdbhrätä hatasvasä f| 4 ||
hataso asya vepaso hatJfeah parivepasah |
atho ye xullakä iva sarve te krimayo hatah || 5 ||
pra te ^rnämi 9r'nj»e yäbhyäm vitudäy^i |
bhinadmi te kushünibham yäs te vishadhKnah || 6 ||
Im aufgehn triff die würmer, sonne, im sinken treffe sie
dein strahl,
die wQrmer die im rinde sind. || 1 ||
Den allgestalt^gen , vieräugigen, den bunten wurm, den
weifsen auch,
ich treffe ihren rQckgrat nun, ich spalte ihnen jetzt das
haupt II 2 II
Wie Atri tödt' ich das gewfirm, wie Kanva, Jamadagni
auch,
mit des Agastya frommem spruch zermalme ich die wQr-
mer nun. II 3 II
Todt ist der würmer könig nun und todt auch, der da
war ihr haupt,
todt ist mit seiner matter nun der wurm, sammt bruder,
Schwester auch ; || 4 ||
todt sind nun die genossen sein und todt sind alle nach-
bam auch
und selbst was nur die winzigsten, die wQrmer, sie sind
alle todt. H 5 ||
Die hömer spalt' ich dir entzwei, mit denen du verwun-
dend triffst,
die blase reifs' ich dir entzwei, in der du trägst das böse
gift. II 6 II
Das wort prshtfs in 9I. 2 habe ich mit rQckgrat Qber-
setzt, da ich die genauere bedeutung nicht kenne und mir
nur eine stelle, Väj. Sanh. XX, 80 notirt habe, wo es von
Mahtdhara durch prshthaprade^a erklärt wird, vergl. pär-
shteya s. 137 9I. 4.
Der dritte und umfangreichste spruch endlich steht
Ath. V, 23; in ihn ist der zuletzt luitgetlieilte von den
Worten krimim sarangam des zweiten 9loka an bis zum
Schlüsse des fOnfien vollständig aufgenommen. Er lautet:
141) Kuhn
ote me dySväprthivi' öta devf särasvati |
6tan ma indrapcägnip ca krimim jambhayatam iti || 1 ||
asy^ndra kumärasya kriinin dhauapate jahi |
hata vi^vä arätaya ugr^na vaeasä mama || 2 ||
y6 axyaü parisärpati yö nase parisarpaii |
datam yo madhyam gachati tarn kritnim jambhayämasi
ii3ii
8&rüpau dvaü virüpau dvaü krshnaü dvaü rohitau dvaü |
babhrÜ9 ca babhrükama^ ca gr dhrah köka^ ca te ha-
täh||4|| '
ye krimayah ^itikaxa ye krsbnah pitibahavah |
ye k^ca vi^varftpäs tan krimin jambhayämaBi || 5 ||
üt pnrastät sürya eti vi^vadrsbto adrshtabä |
drshtan^ ca ghnänn adr'shtön^ ca sarvän^ ca pramman
krimfn II 6 II
yeväshäsah käsbkashäsa ejatkah ^ipavitnukah |
drshta^ ca hanyätäm krimir utadrshtap ca hanyatani
II7II ■ ■
hato yeväshah kriminäm bato nadanimöta j
8ärvän ui mashmashakaram drshada khalväS iva || 8 H
tri^irshanaoi trikaküdam krimim sarängam arjunam
9b = 2,32. 2b; 10—12 = 2,32,3 — 5.
sarveshani ca kriminäm sarväsäm ca kriminäm |
bhiuädmy äpmauä piro dähämy agninä mükham H 13 j)
Euch ruf' ich, himmel, erde, an, dich göttin auch Sintis-
vati I
Indra und Agni ruf ich an-, vernichtet mir, spreejb' ich,
den wurm! || 1 ||
Des knaben würmer, schätzeftirst o Indra, Indra triff sie
mir I
getroffen sei'u die unholde anjetzo durch mein grimmes
wort II 2 11
er der im äuge kriecht herum und der sicti in die nase
schleicht^
Der mitten in dem zahne wohnt, den wurm auch jet^Et
verniobteu wir. || 3 jj
indische und germanische scgenftsprUchc. |4l
Zwei gleiche sinds und zwei ungleich, zwei schwarze und
zwei rothe auch,
ein brauner und braunohriger, die sind, der wolf, der
geier todt« || 4 ||
Die Würmer mit der weifsen Schulter, die schwarzen mit
dem weifsen arm,
die mannichfaltgen wQrmer auch, sie alle, wir vertilgen
sie. II 5 H
Im Osten hebt sich allerschaut die sonn' und trifit, was
man nicht sieht,
erblicktes treffend, nicht erblicktes, zermalmend jeglichea
gcwürm. II 6 II
Die yevashas, die kashkashas, ejatkas, ^ipavitnukas,
getroffen sei der da gesehen, der wurm der ungesehen
auch. II 7 II
Getroffen ward der yeväsha der würmer und der sum-
mende,
sie alle hab' ich ganz zerquetscht, wie mit dem müblen-
stein das kom. || 8 ||
Den dreiköpfigen, dreischlQndigen, den bunten und den
weifsen wurm
9b — 12 = 2,32, 2b -5.
Der wQrmer all die mannlich sind, der würmer die da
weiblich sind,
ich spalte mit dem stein ihr haupt, mit feuer brenne ich
ihr maul. II 13 ||
Von diesen Sprüchen ist der erste gegen die würmer
im menschenleib im allgemeinen gerichtet, während dar
zweite gegen die würmer des rindes und der dritte gegen
die eines knaben verwandt wird. Ueber die vorkommen-
den oamen der einzelnen würmer auskunft zu geben, sehe
ich mich f&r jetzt aulser stände. Bemerkung verdient, dais
verschiedene körpertheile, in denen sie ihren sitz haben,
genanat werden, namentlich gedärme, rückgrat, köpf und
ange, nase, zahn, femer dafs ihnen verschiedene färben
beigelegt und ihre gestalt, dreiköpfig, dreischlfindig^ mit
weiÜKr «ohnker, weilsem arm geschildert wird. Ob:^bei
142 Kuhn
nur phaDtastische ausmalung geschäftig gewesen sei, oder
ob man überall bestimmte wOrmer im äuge gehabt habe,
mufs für jetzt unentschieden bleiben. Das letztere scheint
wenigstens für einzelne fälle wahrscheinlich, da das sütra
zn II, 31 bestimmte würmer, auch die im Spruche genann-
ten alandu, nennt, die beim verfahren in anwendung kom-
men. Darauf wird sich denn auch wohl die angäbe der
verschiedenen farbung beziehen, die in den germanischen
Sprüchen fast durchweg hervortritt. Ich lasse daher diese
jetzt folgen und beginne mit solchen, die im allgemeinen
gegen würmer gerichtet sind: Grimm myth.^ CXXXVII,
no. XV Segen gegen den blasenden wurm (cod. pal. 367,
173 b). Dis ist eyn guter seyn vor den blasinden worm.
der gute herre senthe Job der lak in deme miste, her
clagete deme heilige Criste. wi syn gebeyne. essen die
worme cleyne. do sprach der heilige Crist. wen nymandt
besser ist. ich gebite dir worm du siest wies adir swartz
geel adir gruene adir roet. in desir stundt siestu in
dem pferde toet/ in gotis namen amen. nota. man sal das
pferdt nennen alz is geharet is.
Dis ist ein gutir seyn vor den pirczil (vergl. Grimm
wtb. II, 553 , namentlich am schlufs ). Horestu worm yn
fleische und in beyne. vornem was das heiige evangelinm
meyne. du seist weis swartz adir geel grüne adir
roet. der gehütet myn herre senthe Job in desir stunt
siestu in desem pferde toet. in gotis namen amen. nota.
man sal deme pferde treten uf den vorderfufs und sal ym
runen in das rechte oer desen segn (vgl. RA. 589).
Ebend. CXI^ no. XXIX wurmsegen:
Wurm^ bist du dinne, so beut ich dir bei sant
minne, du seiest weif s schwarte oder rot, dafs da hie
ligest totl
Ebend. no.XXVni:
Ich beschwör dich wurm und würmin, bei der wa-
ren gottee minn u. s. w. Vgl. no. XXXIV: ich gebüt euch
wurm und würmin. u. 8. w.
Orimm myth.*CXLV, no. XLIII: GöU vater flhrt
indische und germanische segenssprttche. 143
gen acker. er ackert fein wacker, er ackert wörme heraus,
einer war weifs, der ander schwarz, der dritte rotb:
hie liegen alle wörme todt Diese formet ist zwar nach
der angäbe nur gegen den fingerwurm gerichtet, indefs so-
wohl die zahl der würmer, die gebannt werden, als die
folgenden formein, welche die beschränkung auf einen
wurm nicht kennen, machen kaum zweifelhaft, dafs auch
dieser segen ursprünglich gegen die würmer im allgemei-
nen gedient habe. Nordd. sagen no. 590: Jesus und Pe-
trus fuhren zu acker, ackerten auf drei furchen, ackerten
auf drei würmer; der eine war weifs, der andre schwarz,
der dritte roth, da waren alle wOrmer todt! Dazu ver-
gleiche man die im gauzen übereinstimmenden formein bei
Wutke no. 251, Schön werth III, 250 no. 1 und 2. Dage-
gen weicht ab ebend. no. 3: Christus der herr fährt zum
aoker, ackert drei beet, spannt er ab blutwurm, bandwurm,
fleischwurm, den herz wurm ausgenommen. Eine daran
sich anschlieisende formel hat ebend.: dreierlei würmer:
erstens den fleischwurm, zweitens den beinwurm, drittens
den markwurm. Dazu stellt sich auch die formel gegen
den haarwunn bei Rochbolz in Mannhardts zeitschr. IV,
111. Jetz wei mer z'acher fahre und wci drei würm ver-
chare, der einte der stritwurm, der ander der gnietwnrm,
der dritt der horwurm. Man vergleiche darüber noch Roch-
hohs bemerkungen, sowie über die gicht unter dem namen
haarwann, Grimm myth.^ 1109. Endlich gehören in die-
selbe klasse die besch Körungen gegen den haarwurm bei
Meier schwäb. sagen no. 464. 465.
van den Bergh : Proeve van een kritisch woordenboek
der nederlandsche mjthologie s. 342 f. Tegen wormen (aus
einer handschrift vom ende des 15. jahrh. bei Mone übers,
d. niederl. volkslit. s. 334):
Die wormen waren IX,
weeten here sente Loy,
roet wit, roet, zwoert (zwert?) roet,
roet, teoant (?) groet,
here sente Loj,
die wonaen die 8i|n doot.
144 Kuhn
Auch französische segen, die Wolf beitr. I, 260 f. aus
de Nore contumes, mythes et traditions de France mittheilt,
sehen viehkrankheiten als durch würmer hervorgebracht
an: no. 42 Lorsque les habitans du canton de Labnigoiöre
ont un anitnal malade de quelque plaie envahie par les
vers, ils se rendent etc. Der segen lautet: ^Bonjour Mon-
sieur le y^ble (sambucus ebulus), si vous ne sortez pas les
vors de Tendroit oü ils sont, je vous coupe la jambe et le
pied^. In dem ebend. unter no. 38 mitgetheilten spräche
heifstes: „Bete rousse, blanche ou noire, de quelque
couleur tu sois, s^il y a quelque gale ou rogne sur toi'^ u.s.w.
Da ist also die färbe der würmer auf das kranke tbier
übertragen.
An diese formelu schliefsen sich diejenigen, in denen
der wurm als eine bestimmte krankheit hervorrufend ge-
fafst wird, meist genau an und während nach dem namen
wie haarwurm, ringwurm u.s.w. zu schliefsen, eigentlich
nur ein wurm zu bannen sein sollte, tritt doch auch hier
fast durchweg eine mehrzahl derselben, meist eine drei-
zahl, auf.
Am meisten bekannt ist noch jetzt der wurm am fin-
ger oder am fingernagel. Grimm myth. 1109 gibt von ihm
die namen der wurm, der umlaufende wurm, das un-
genannte (weil man den namen des wesens auszuspre«»
chen scheut), das böse ding; engl, ringworm, schott.
ring wo od. Die von Grimm erwähnte bespreohongsfiMr-
meln aus Chambers pop. stories p. 37 lauten (die erste
findet sich auch in den Choices notes p. 38, nur fehlt in
der zweiten zeile das störende either):
Bingworml ringworm redl
Never mayest thou either spread or speed;
But aye grow less and less.
And die away among the ase (ashes).
Dagegen die aus GaUoway:
• Kingwood, ringwood roun'
« I vrish ye may neither sprend nor spring,
But aye grow less and lass,
Till ye fa' i' 'e aa^aad buml
indische und germanische segenssprttche. 14&
Scböuwertb III, 250 sagt: «Der wurm ist ein arges
leiden im finger, welches gar ofl über das landvolk kommt.
Stöfst man sich an den finger, so schwillt er an: denn
drinnen erzeugt sich ein wurm mit schwarzem köpfe, der
fbrcbterliche schmerzen verursacht und gar oft das vorder-
glied abfallen macht^. Dann bringt er fQnf besprecbungs-
formeln, von denen die letzten schon oben ganz oder zum
theil mitgetheilt sind; die ersten schliefsen sich eng an die
oben aus Grimm myth. no. XLIII mitgetheilte formel an,
die färbe der wörmer ist im ersten weifs, schwarz,
raud, im zweiten heilst es: dar ayarscht is raud, da
zwaut is daud, da dritt is weifs. Ebenso treten überall
in den bereits oben angeführten hierhergehörigen Sprüchen
drei würmer auf, die jedoch nach ihren sitzen oder son-
stigen eigenschaften nicht nach den färben genannt wer-
den. Dagegen bringt ein holländischer spruch, der dem
oben ans Grimm myth. ^ no. XV beigebrachten sehr nahe
steht, wieder die färben und zugleich wie der vorher bei-
gebrachte holländische neun würmer, aber freilich dreimal
drei gleiche, statt der gewöhnlichen drei. Er lautet: van
den Bergh p. 344. Dits om den worm uyt te slaen in den
vinger of clder sech dese worde:
Die gode sent Job
hi lach in de woude doot,
doe quamen die wormen
si aten sijn vleesch van den bene
si ne daden hem gheen goet.
«S wasser wit, 3 wasser zwart,
3 wasser roet.
God ende die sente Job
Sla dese 9 vilre alle ter doet.
Ebenso bekannt wie der wurm am finger, ist der im
zahn und die Sprüche gegen ihn sind gleichfalls sehr ver-
breitet. Zunächst möge ein flämischer, den Lansens in Wolf-
Mannhardts zeitschr. III, 165 mittheilt, stehen. Als umd
eerst de nieuwe maene ziet, zegt men : Eerst het teken des
h. kruizes maken en dan zeggen :
Zeitocbr. f. vgl. sprachf. XIII. 2. 10
146 Kuhn
een doorn uyt niyn banden,
een worm uyt myn tanden
^k beveel myn ziel in Jesus banden.
Ebenso nennt aucb ein französiscber segen bei Wolf
beitr. I, 260 einen wurm als Ursache der Zahnschmerzen:
„Si c'est une goutte de sang, eile tombera, si c'est un ver,
il mourra".
Ein in den westfälischen sagen II, no. 584 aus der
Neumark mitgetheilter spruch lautet: „Gegen Zahnschmerz.
Man geht an einen hollunderstrauch, fafst ihn mit der
band derjenigen seite an, wo einem die zahne wehe thun
und sagt:
Meine zahne thun mir weh,
ein schwarzer, ein weifser, ein rother,
ich wollte, dafs sie sich verbluteten!"
Ofienbar ist hier eine zeile, welche die würraer erwähnte,
ausgefallen. Ein andrer spruch aus der Mark, nordd. sa-
gen no. 328, gibt an: „Wenn man Zahnschmerzen hat,
mufs man hingeben und einen bäum anklagen, am besten
einen birnbaum. Das geschieht, indem man denselben an-
fafst, ihn dreimal rechts umwandelt und sagt:
Birnbaum, ich klage dir,
drei würmer, die stechen mir,
der eine ist grau,
der andre ist blau,
der dritte ist roth,
ich wollte wünschen, sie wären alle drei todt*.
Eine mittheilung bei Schiller zum meklenb. thier- und
kräuterbucb I, p. 17 f. lautet: „der herr Jesus warne die
zahnwüthigen ; darinnen waren wfirmer, drei weifse, drei
schwarze, drei rothe; er nahm die andern zwei und
schlug sie damit todt. Das sag ich dir zur bufse^. Daza
theilt Schiller eine von Lisch (mekl. jahrb. II, 187) aus
einem hexenprocefs vom jähre 1630 veröfFentlichte formel
mit, die auoh in mehreren anderen von ihm verzeichneten
80 wie oben mitgetheilten nachklingt:
indische und germanische segenssprUche. 147
De hillige St. Jost toch äver dat mehr
und wenede 80 sehr.
„Jost, wat sehad dy?"
„„O here myne theneD dohn mj wel*'*
Jost ick wil se dy segnen.
Der worme sind negen:
de söte worm, de grise worm,
de grawe worm, de brune worm, de witte worm;
alle de ick nich benömen kan,
de schal de here Christ benömen.
Nehmet jy water in den mundt
und spyet de worme up de grundt.
In dieser formet stört unter den übrigen färben „de söte
worm" ; ich vermuthe, dafs an seine stelle „de rode worm*
oder nach älterer Orthographie „de roede worm" zu setzen
sein wird; doch wäre auch wohl „swarte" möglich. — Ich
schliefse mit einer dänischen formel, die Thiele III no. 446
aus Jütland mittheilt: „I Jylland har man det raad mod
orm i taenderne at laegge tommelfingeren ind i munden
og de fire andre fingre udenpaa kinden, mens man siger:
Orm! est du herinde,
skal jeg dig med mine ti fingre (finde);
est du hvid eller röd,
skal du dog dö,
est du blaa eller sort,
skal du dog bort,
saasnart jeg min haand mod jorden saBtter.
Eine vergleichung all dieser germanischen formein mit
den indischen Sprüchen ergibt, dals auch hier offenbar
schon gemeinsame stücke bei der trennung der verschie-
denen Völker vorhanden gewesen sein müssen und dala
man die Ursachen verschiedener krankheiten in Würmern
gesucht habe, sowie dafs man ihnen besondre färben bei-
legte. Der zweite indische spruch nennt bunte und
weifse (9I. 2), der dritte schwarze, rothe, braune,
sowie weifsschultrige und schwarze mit weifsem
arm. Die germanischen sprüche ergeben die färben weifs,
10*
148 Kuba
schwarz, gelb, grün, roth, ferner rotbweifs, roth,
sebwarzroth (blafsroth, rotb, dunkeiroth ? ), dann in den
meisten sprücben scbwarz^ roth, weifs, einmal blau,
grau, rotb, dann söt, gris^ gi'A^? brun, wit, und
endlich weifs, roth, blau, schwarz. Die drei am
häufigsten genannten färben: schwarz, weifs, roth
scheinen daher den anspruch auf die gröfste alterthQmlich-
keit zu haben. Wie der dritte indische Spruch 9I. 13 alle
männlichen und alle weiblichen würmer vernichtet,
so bannen die bei Grimm myth. * no. XXVIII und XXXIV
gegebenen Sprüche, deren eingang oben raitgetbeilt ist, so-
wie ein oberpfalzischer, den wurm und diewürmin. Wie
im ersten indischen Spruche (9I. 2) und ebenso im dritten
(9I. 6) der gesehene und ungesehene sowie im ersten
(9I. 3) der geheifsene und ungeheifsene gebannt oder
getödtet wird, so werden in dem niederdeutschen von
Schiller und Lisch mitgetheilten Spruche den nach färben
benannten diejenigen hinzugefügt „die ik nich benömen
kan^. Das ist jedenfalls ein uralter zug; man weifs ent-
weder für den krankheitswurm keinen namen, da die Wir-
kungen desselben, die krankheitserscheinungen bald hier,
bald da auftreten, oder man scheut sich den furchtbaren
mit seinem rechten namen zu nennen. So wird der fin-
gerwurm das ungenannte, das böse ding genannt,
Grimm myth.^ 1109, so die rose unbenöm Wuttke no.
252, dat unbeneumet, unbenömt, hillig ding, dat
hillig Schiller I, 17. Wie hier das ungenannte, böse
ding, dem heiligen unmittelbar zur seite stehen und die-
selbe krankbeit bezeichnen, so nennen andre indische Sprü-
che sunäman und durnäman ,,mit gutem namen^ und
,^mit bösem namen ^, vergl. das petersb. wtb. unter durnä-
man, und dafs wenigstens unter dem letzteren ebenfalls ein
wurm zu verstehen sei, erklärt schon Yäska VI, 1 2, wo er
die stelle Rv. X, 162. 1 f. bespricht. Der anfang des Spru-
ches lautet:
br&hman^oih saipvidänö raxohS bädhatäm iUh \
amtvä y&s te g4rbham durnlEmi y6mm Ap&ye || 1 H
indische und gennaniiche segenssprUche. 149
yää te garbham ämtvä durnamä yonim apäye |
agoish täm brabmanä sahk nish kravy^dam anioa^t || 2 ||
Agni, vereinigt mit dem Spruch, der raxasschläger treiV
heraus
die krankheit, die dir in den leib, den schoofs, die bös-
genannte fuhr II 1 II
die krankheit, die dir in den leib, den schoofs, die bösge-
nannte fuhr,
die trieb dir Agni mit dem sprach heraus, die fleisch«
verzehrende! || 2 ||
Dazu sagt Yäska durnämä krmir bhavati päpanämi
„durnämä ist ein wurm mit bösem namen^. Man verglei-
che die homerische uoiga und x^fiaiga dvgoiwfiog; übri-
gens scheint die an obiger stelle des Rigveda besprochene
krankheit dieselbe zu sein, gegen die der spruch Ath. II, 25
gerichtet ist, auch dort heifst sie garbhäda und kravy&d
und führt aufserdem den namen kanva. — Wenn ferner in
diesem spruch der wurm als ein das fleisch verzehrender
aufgefafst wird, so stellt sich dies ganz zu dem holländi-
schen „si aten sijn vlesch van den bene^, wie denn die
Würmer auch sonst als fressende und stechende aufgefa&t
werden, vgl. den segen gegen den frefsrätticher bei Roch-
holz in Mannhardts zeitschr. IV, 110, Grimm gesch. 468;
daher wird ihnen in dem dritten indischen spruch 9I. 13
das maul verbrannt und in dem oben angefahrten spruch
aus Schönwerth 111,251 vertilgt St. Petrus mit seinem
Schlüssel allen würmern den rüssel, das wird in der äl-
teren mythischen spräche von Donar und seinem feuerstrahl
gegolten haben.
Die Übereinstimmung der sitze der krankheitswürmer
wird eine ausgedehntere in älterer zeit gewesen sein, als
sie sich bis jetzt noch nachweisen lälst; die verschiedenen
namen, die bis jetzt unerklärt blieben, werden vielleicht
weiteren aufschlufs bringen, namentlich läfst sich erwarten,
dafs die Vorstellung von dem bei uns in weitester Verbrei-
tung auftretenden fingerwurm auch in Indien sich wird
aufiBnden lassen. Dafs der zahnwurm bekannt war, zeigt
150 Kuhn
der dritte indische Spruch 9I. 3 ; dafs er auch der späteren
indischen medicin noch bekannt war, zeigt das wort krmi-
dantaka, wurm im zahn, caries (petersb. wb. s.v.), und
dafs er auch sonst allgemein bekannt war, zeigt die glosse
zum Rikpräti^äkhya XVII, 10 bei Regnier III, 189, wel-
che ^yavam durch krmidüshitam dantavarnam erklärt. Den
wurm im äuge nennt der dritte spruch an derselben stelle,
es wird dieselbe krankheit sein, welche die spätere medi-
cin krmigranthi (petersb. wörterb. s. v.) = wurmknoten,
etwa gerstenkorn? nennt. Einen wurm im äuge kennt man
auch in der Oberpfalz Schönw. 111,239: „Wer einen wurm,
wurmdrekl, eine wern, ein wernalöchl im äuge hat, schaut
mit dem kranken äuge durch das nastloch eines spahns
oder brettes und spricht dazu: „ Binkenlöcherl, vertreib
mir mein wernlöcherll'' — Eine biuke heifst nämlich der
ast eines brettes, der gewöhnlich später herausfällt''.
Das alles zeigt, dafs sich für die Vorstellungen von
den krankheiten als würmern bereits bestimmte formen in
der spräche ausgebildet hatten und dafs sie daher unzwei«^
felhafb als altes gemeingut anzusehen sind. Eine weitere
ausdehnung auf das übrige indogermanische gebiet lag
nicht in meiner absieht und mir fehlten auch die mittel
dazu, indefs darf man erwarten, dafs auch bei den Roma-
nen und Neugriechen^ bei den Kelten, Slawen und Litauern
sich noch reste vorfinden und das hier dargelegte erwei-
tern und berichtigen werden. Von den Vorstellungen der
Finnen, Ehsten und Liven hat mir Schiefner, wie immer
bereitwillig helfend, dankenswerthe mittheilungen zugehen
lassen und mir auch einige Übersetzungen finnischer runen
zugeschickt. Alle diese Völker kennen die wOrmer als ver-
anlasser von krankheiten, namentlich tritt auch bei ihnen
der zahnwurm, bei den Ehsten auch der fingerwurm auf^
aber die ganze form der Sprüche ist eine andre, so dafs
sich von den oben angefahrten übereinstimmenden punk-
ten nichts findet; nur eine einzige mittheilung, die Schief-
ner von seinem collegen Wiedemann über ehstnische und
livische Vorstellungen erhielt, zeigt auch bei diesen einen
indische und germanische segenssprUche. 151
farbigen wurm: „Gegen Zahnschmerzen wird das rauchen
von bilsenkrautsamen angerathen. Man leitet mittelst ei-
nes papiernen trichters den rauch auf den kranken zahn.
Dann sollen aus demselben gelbe wörmchen mit ro-
then köpfen hervorkommen, welche die Ursache des
Schmerzes waren ^, Da wir auch bei dem spruch gegen
Verrenkung sahen, dafs er sich bei den Ehsten offenbar
durch germanische Vermittlung gebildet hatte, so wird man
wohl auch für diesen fall einstweilen dasselbe annehmen
müssen. Ob dies auch für die bannung des wurmes in
die eberesche Piru's gilt (man vergl. oben die bannung in
den hollunder, in den birnbaum und in den y^ble, sambu-
cus ebulus), die Schiefner mir aus einer finnischen rune
beibringt, mag dahingestellt bleiben.
Nachträge und Verbesserungen.
Zu no. 1. Meine arbeit war bereits im druck, als
ich von Schiefner noch einige wichtige mittheilungen er-
hielt, die hier folgen mögen. Die bedeutendste unter ih-
nen ist die auffindung der formel des merseburger Spru-
ches in einem russischen segen, welcher zuerst von Saw-
waitow im Journal MocK^HmKHHiii» 1842 th. IV mitgetheilt,
dann von Buslajew, Istoriceskije ocerki russkoi narodnoi
slowesnosti i iskusstwu bd. I (1861) p. 250 f. besprochen
ist. Er lautet mit wortgetreuer lateinischer Übersetzung
nach Schiefner folgcndermafsen : Pristani Gospodi kü do-
bromu seniu djelu, swatyi Petrü i Paweln, Michailo Ar-
changelü, Angely Christowy, rabu Boziju N. N.; zübasa-
liöja, scjepilisja dwje wysoty wmjesto . . . . Srotasja tjelo
8Ü tjeiomü, kost! sü kostiju, zila sü ziloju; zape-
catalü samü Christosü wo wsjakomn celowjekje pecatT;
zapeki tu rann u raba Bozija N. N., wü tri dui i wu tri
casy, ni boli, ui swerbi, bezu krowi, bezu rany, wo wjeki
aminj.
Adsta domine ad bonum hoc opus, sanete Petre et
Paule, Michael Archangele, angeli Christi, servo dei N. N.;
152 Kuhn
contenderunt, concatenatae sunt duae altitudines in unam
locum . . . concrevit corpus CDm corpore, os cum osse, vena
cnm vena; sigillavit ipse Christus in unoquoqne homiue
sigillum; coque hoc vulnus apud servum dei (divinum)
N. N. in tres dies et in tres horas^ neque dolor nee prn-
rigo, sine sanguine, sine vulnere in saecula. Amen.
Ferner theilt er mir vier finnische runen gegen Ver-
stauchung oder Verrenkung bei pferden mit, die alle mehr
oder minder aus derselben quelle zu stammen scheinen;
von ihnen schliefst sich die zweite noch am nächsten an
die oben mitgetheilten formen an, ich theile sie deshalb
ganz mit:
Ward verrenkt der fufs des rosses,
niedersank der fufs des fällens
auf dem steinereichen kirchweg,
in dem eisenharten häufen,
an dem blauen brückenende.
Wo die ader ist verstauchet,
dorthin binde du die ader,
woher sich das fleisch verschoben,
mag das fleisch sich wieder fügen!
Dorthin binde du die ader,
an der haut des armen menschen,
zum ersatz der schlimmen stelle.
Dazu theilt er aus Sjögren's aufzeichnungen folgendes
dabei beobachtete verfahren mit: „Man ninmit ungewa-
schenes garn, seide oder rothen zwirn und haare ans ei-
nem pferdeschweife, welche man auf dem wege gefimden
hat, oder auch, wo es an solchen haaren fehlt, fäden ans
dem bände eines badstubenbesens, welcher beim bade ge-
braucht wird. Alles dies wird zusammengethan und hin-
ter dem rücken mit drei knoten zusammengebunden, dabei
werden die worte der rune hergesagt. Darauf wird die
schadhafte stelle mit lauwarmem wasser oder mit gras ge-
bäht, oder statt des grases mit einem angefeuchteten tnch-
lappen, wobei die rune wiederum hergesagt wird. Dann
wird die stelle auf 24 stunden verbunden, nach ablauf die-
indische und germaniMhe segensspriiche. 1S3
8er zeit das pferd aber an der band geführt, um zu sehen,
ob es den verrenkten fufs niedersetzen und darauf treten
kann. Ist dies nicht der fall, so läfst man den verband
dreimal 24 stunden liegen, das thier aber jeden tag all«
mählich etwas mehr gehen, je nachdem es das auftreten
mit dem kranken fufse verträgt^.
Endlich bringt er auch noch eine mittheilung Wiede-
mann's, wonach man bei den Ehsten die schadhafte stelle
mit beiden daumen bestreicht und dreimal spricht: „nahk
naha wasta, weri were wasta, liha liha wasta, söned sönte
wasta. Haut gegen haut, blut gegen blut, fleisch gegen
fleisch, adem gegen ädern. Dann macht man in einen
schwarzen oder (mit galium) rothgefärbten wollen-
faden neun schlingen, spricht, indem man diese auf
einmal in neun knoten zusammenzieht, jene worte darüber
und bindet den faden um die verstauchte stelle. Kann
man noch den strick von einem gestohlenen ofenbesen dar-
über binden, so hilft es gewifs!^
Ich beschränke mich auf die wiedergäbe dieser mit-
theilungen, da die vergleichungen sich leicht von selber
ziehen und bemerke nur noch zur letzten ehstnischen mit-
theilung, dafs die neun knoten bei vertretenem fufs sich
auch in der Oberpfalz finden : Schönwerth UI, 236. Ob
die russische formel ursprüngliches gemeingut sei, läist
sich f&r jetzt ohne russische oder andre slawische paralle-
len schwer entscheiden; doch neige ich mich dazu die
frage zu bejahen, nachdem ich von herm pastor Bielen-
stein folgende freundliche mittheilung erhalten habe:
„Freilich kennen die Letten den spruch. Sehr oft
habe ich ihn selbst anwenden hören von lettischen kinder-
wärterinnen, wenn ein kind gefallen war und sich wehge-
than hatte. Da wird auf die verletzte stelle geblasen und
dazu (nach kürzester fassung etwa so) gesprochen: „„kaulia'
pl kaulia', assintia' pi assintia, misia^ pi mtsia, knöchlein
zu knöchlein, blutchen zu blutchen, fleischchen zu fleisch-
ohen^^. Auch hört man wohl noch einen scherzhaften
Zusatz: „„kad tu man d&si swistia, tad tu paiiksi wessels!
154 Kuhn
wenn du mir geben wirst butterchen, so wirst du werden
gesund!"" Die reihenfolge der obigen Satzglieder wechselt
auch, so dafs erst das blut, dann knocben, dann fleisch
erwähnt wird."
Mir scheint nun, dafs wenn die formel den Letten
erst von aufsen her, etwa von den Deutschen, zugekom-
men wäre, sie sich schwerlich in der kinderweit eingebür-
gert haben würde. Freilich scheint dem entgegen zu ste-
hen, dafs sie sich als segen gegen Verrenkung dort bis
jetzt nicht gefunden hat, wohl aber andre gänzlich von
ihr verschiedene; doch mag gerade das eindringen in die
kinderstuben ihrer Verwendung als segen ein ende gemacht
haben.
Zu den s. 51 f. mitgetheilten schwedischen und däni-
schen formein vergleiche man noch die bei Grimm myth.'
s. CXLVII no. LH flF. stehenden Sprüche, die theilweise in
den einleitenden werten stimmen. Dort findet sich zu-
gleich einer, der zu der s. 65 besprochenen ersten klasse
von segen gehört; er lautet: Vär herre Jesus rider öfver
hede, dar möter han den lede. „hvart skal du hän?" säde
vär herre Jesus. „Jag skal ät kött at suga blöd", „nej,
jag förmenar dig; du skal ur ben och i kött, ur kött
och i skinn, ur skinn och ända at helfvetes pinal
genom tre namn. Aehnlich ist auch die formel ebend. no.
Lm, die mit den werten „Jesus gik ad vejen fram** be-
ginnt, sowie die deutsche ebend. CXL no. XXVIL Fast
wörtlich stimmt auch bis auf den schlufs der segen gegen
unreine safte bei Wolf beitr. I, 256 no. 16. „Unrein,
geh aus dem mark ins bein, aus dem bein in das fleisch,
aus dem fleisch in die haut, aus der haut in den stein,
aus dem stein in den Rhein, dann werden alle meine safte
rein".
S. 64 z. 4 V. u. Die vermuthung über ge Sich ist
wohl fehlgeschlagen, es ist wohl gesiebt statt gesucht oder
gesucht zu lesen , wie myth. CXL no. XXVII „ sibenzig
gesucht" myth.' 1110 „und geschols und geicht und ge-
siebt" und Mannhardts zeitschr. III, 322 „ ich beschwere
dich gesucht und gegycht.
indische und germanische segenssprUche. 155
S. 69 z. 10 V. u. ist yaxma statt yaxma zu lesen.
S. 71 z. 19. Zu dem geflügelten tbiere des indischen
Spruches trage ich nach, dafs auch eine andre stelle des
Atharva ein solches kennt. In der Taittiriya Sanhita 11,
3. 5 wird nämlich der bekannte mythos vom Soma mitge-
theilt, dafs er mit Schwindsucht gestraft wurde, weil er
von den 33 töchtern des Prajäpati allein der Rohini seine
neigung schenkte,* da nun Soma häufig das beiwort räj4
fährt, so sei davon die Schwindsucht räjayaxma genannt
worden. Zugleich gibt Mädhava s. 426 an , dafs es drei
Stadien (aväntaravi^eshah) der Schwindsucht gebe, nämlich
jayenya (oder jäyanya), päpayaxma und räjayaxma. Nun
findet sich Ath. VII, 76 ein spruch gegen krankheitbrin-
gende thiere, apacit (die abmagernden; sie werden Ath.
VI, 83. 2 bald bunt, bald grau, bald schwarz, bald roth
genannt) genannt, unter denen auch der jayänya genannt
wird, von dem es heifst:
jayänyam yah k^^ca kaküdi ^ritah || 3 ||
paxf jäyänyah patati sa ä vi^ati pürusham |
,,den jäyanya, welcher ins haupt dir zog; geflügelt fliegt
der jäyanya und ziehet in den menschen ein^.
S. 71 z. 23. Der satz: „Noch heute u. s. w.** ist wohl,
da diese etymologie entscheidender begründung entbehrt,
zu streichen, vergl. Grimm deutsches wörterb., der sagt:
„kaum gestatten die ahd. und mhd. formen einen gedan-
ken an elbisches, thörichtes wescn^. Ich hatte im äugen-
blick nur an die mittheilung Maurer^s (isländ. sagen s. 2)
gedacht, dafs älfr auch wohl metaphorisch für einen dum-
men menschen gebraucht werde , vergl. Jon. Arnason Isl.
Thiodsögur I, 1 : „En nu er sä alfur nefndur, er hjäkätle-
gur )>ykir til ords og aeSis, og geingur nsest )>vi a8 vera
„ekki meS öllum mjalla (als obs mit ihm nicht recht rich-
tig wäre)".
S. 115 z. 6 V. u. Aehnliches meldet Aelian de nat«
anim. XVII, 13 vom charadrius: XaQaSgiov di ^v äga ^cu-
QOP rovro, 6 ov fia Jia atifid^HV äS,iov, Ei yovv vnava"
nhiöi^Hg ro awiia IxriQov rig elrd ol Sgifiv ivoQ(pfi, 6 3i
156 Kuhn
dvTißlinai xai udXa ys argiTtroDg^ wanEg oiv ccvricpikoTi'
fWVfievog, 77 Totdös dwißkeipig Idrai t6 nQoeigrjfiivov nd-
&og Ttp dvß-QüiTKp, Von demselben vogel berichtet der
physiologus bei Wackernagel altd. leseb.^lGG: Mit disme
uogile mach man bechennen ob der sieche man irsterben
oder gnesen scol. Ob er sterben scol, so cheret sich der
caradrins uon ime. Ob er aue gnesen scol, so cheret sich
der nogel zuo deme manne, unt tuot sinen snabel über
des mannes munt, unt nimit des mannes unchrafl an sich;
sa uert er üf zuo der sunnen unte liuterit sich da. Von
diesem vogel (charadrius hiaticula), dem Sandregenpfeifer
oder giefs-, gietvogel, der schöne gelbe füfse hat, erzählt
man in Preufsen denselben mythos, der anderwärts vom
grünspecht erzählt wird, dafs er, als gott bei erschafiung
der weit durch die thiere einen grofsen brunnen (teich)
graben liefs, aus furcht seine schönen gelben füfschen zu
beschmutzen nicht mit band anlegte. Deshalb bestimmte
gott, er solle bis in alle ewigkeiten aus keinem brunnen
(teiche) saufen, und daher sieht man ihn immer nur das
in hohlen steinen und regenspuren gesammelte regenwasser
mühsam picken, Reusch sagen des preufs. Samlandes ^ no.
29 s. 36; Grimm myth. 1221. Die Ehsten erzählen ziem-
lich dasselbe vom grüngelben pfingstvogel (oder pirol). Man
wird kaum irren, wenn man annimmt, dafs der indische
glaube vom csltaka, nach welchem er nie von irdischem,
sondern nur wolkenwasser trinkt, auf gleichem gründe be*
ruhe (vgl. zeitschr. f. d. k. des morgenl. IV, 366 ff.; Mano-
hardt zeitschr. DI, 220) ; dazu halte man nun auch den zu
den wölken auffliegenden c&taka mit dem znr sonne auf-
fahrenden charadrius.
S. 126 z. 18. Die Vorstellung, dafs die mahre als thier
erscheine, ist eine beim volk sehr verbreitete, in der Mark
sieht man, durch den namen dazu verleitet, den marder
als dies thier an, mark, sagen s. 374. Als hund erscheint
sie auch in Faye's Norske Polkesagn ' s. 76, wo es heifst,
dafs der alte Ole Brekke behaupte, dafs wenn die mahre
ihn reite, was oft geschehe, so komme sie auf ihn wiö ein
hund und wolle ihm den hals zuschnüren (? qverke).
indische und germanische segenssprUche. 1A7
S. 128 z. 5 V. u. Die zahlen 70 und 72 werden erst
in späterer zeit durch gelehrte zuthat in die Sprüche ge-
kommen sein, vergl. über dieselben Pott Antikaulen 8.62
und Ungleichheit menschlicher rassen s. 244 fF.
A. Kuhn.
uxor (vaga, vacca).
Die deutung Pott's etym. forsch. I',9), wonach uxor
(= vector = vecta) aus wurzel vah und sufBx tor (tri)
bestände, ist von Ebel ( zeitschr. I V, 450 — 451) aus dem
gründe verworfen, weil der passive sinn mit solchem Suf-
fixe unverträglich ist. Benary, der gleichfalls (röm. lautl.
234) uxor aus veh-tor erklärt, behauptet zwar nicht (wie
man nach Ebels aussage glauben könnte), dafs das aktive
sufBx hier passiv gebraucht wäre, ruft aber eine andere
Schwierigkeit hervor, indem er annimmt, dafs dieses wort
ursprünglich nur vom manne, dem flnhrer, gegolten hätte.
Pott's zweite deutung (ib.), vah + $tri (i. e. ducta femina),
die herr Ebel vorzieht, mufs, wie es mich dünkt, auPs ent-
schiedenste verworfen werden; denn ein solches komposi-
tum vorauszusetzen, scheint mir vom indogermanischen
Sprachgeiste durchaus verboten. Wir haben noch Bopp^s
etymologie (glossar, unter yoshanä), wonach uxor aus
juxor verstümmelt, und folglich mit con-jux unter yt^
zu stellen wäre; eine etymologie, die keine anhänger ge-
funden zu haben scheint, wohl wegen der Schwierigkeit,
die apharesis von y im lateinischen anzunehmen (vgl. ins-
besondere juxta, juxtim), denn in hinsieht der bedeu-
tung (etwa die sich verbindende) liefse sich wohl nichts
erhebliches einwenden, vgl. ved. yuj m. mitseiend, ge-
nösse.
Uxor ist aber, wie ich glaube, zu wurzel ra^, tf^ im
sinne von „lieben'^ zurückzufahren, deren latein. reflex eae,
uc lauten mufs; und es bedeutet folglich uc-tor (woraus
158 Aftcoli
uxor; wegen a; = et und der abwesenheit des feminal-
Charakters verweise ich auf Ebel a. a. o., Bopp vgl. graram.
P, 299, n.) nichts anderes als „die liebende*', ganz wie
priyd „die liebende, die geliebte, die frau".
Der griechische reflex von vuq uq (^«x, ixoip)^ die
gangbarsten lateinischen Übersetzungen dieser wurzel, und
insbesondere die geltung sehr gebräuchlicher spröfslinge
davon im klassischen sanskrit, haben uns gewöhnt, darin
ausschliefslich das wünschen, das wollen zu erblicken,
was übrigens freilich dem lieben sehr nahe kommt. In
der ältesten literatur aber wird der wünsch genau als
begicrde und liebe durch diese wurzel ausgedrückt;
und um uns nicht gänzlich auf die aussagen der lexica
zu verlassen, welche dieselbe wirklich durch wünschen,
lieben wiedergeben, wollen wir ein paar vedische stellen
zur bestätigung anführen. Darauf werden wir uns andere
etymologische andeutungen erlauben.
Yo vah ^ivatamo rasas tasya bhäjayate 'ha
nah I uQUtir iva mdtarah lesen wir Sämaveda 11,9,2,
10,2: „Von dem safte, der euch der glücklichste ist, las-
set uns geniefsen, gleichwie liebende mütter*. —
Ib. I. 4, 2, 4, 6: achä va indram matayah svaryu-
vah sadhricir vipvä upatir anüshata | parishva-
janta janayo yathä patim .... „Eueren Indra besin-
gen die gedanken alle, die himmel wünschenden, die ver-
einten, die liebevollen, umarmen (ihn) wie die
frauen den gemahl*. — Ib. II. 6, 2, 15, 2 übersetzt
Benfey ^ipur väva^änah (intens.) „ein sehr geliebtes
kind^,* und endlich ib. I. 6, 1, 5, 5: äd im ayan varani
a vävapanä jushtain patim kala^e gäva indum;
„da eilten zu dem bräutigam, Indu, kosend, zu dem lie-
ben gatten in dem kelch die kühe^. — Was die letzte
stelle betrifft, so habe ich nicht vergessen, dafs väva9äna
(s. Westergaard, und Benfey S. V. G.) sowohl von vap
als von väp soll gezogen werden, und folglich sowohl
magnopere desiderans, amans als mngiens soll
heilsen können; habe aber gerne, gerade durch dieses bei«
uxor (vAqif vacca). 159
spiel, an die vediscben (wiewohl figürlichen) rindslieb-
sc haften (11. 6, 2, 15, 2 verbindet sich der stier mit den
kühen, wie „mit der frau der mann^) und im allgemeinen
an die vedische Verherrlichung, ja Vergötterung des rin-
dergeschlechtes, zum behufe meiner weiteren Zusammen-
stellungen, erinnert.
Vagä ist im altindischen „geliebte, frau'', und wir fin-
den uns nun zu der vermuthung berechtigt, dafs uxor
„die liebende" in diesem ra^d, ganz regelmäfsig von vag
amare mit suffix a (== priyä s. o.) gebildet, sein ganz
genaues indisches ebenbild habe. Man ist durch vagya „dem
willen unterwerf bar, docilis'^, und durch adj. vaga^ wel-
ches selbst docilis und submissus übersetzt wird, ge-
wöhnt worden in vagd frau die submissa zu erblicken.
Man darf aber nicht vergessen, dafs vapa, grammatika-
lisch der begehrende, der wollende, sich gegen die
rein passivische bedeutung submissus sträubt, und dals
folglich, falls es ein altes wort und nicht eine prakritisi-
rung von vapya ist (mahratt. va^a fascinated, subjected),
wir dabei eher an docilis als gefällig, willfährig zu
denken haben (s. auch Benfey wurzellex. I. 346 — 7, und
Amarak. Par. ausg. I, 245). — Vagd ist überdies^ wie be-
kannt, auch das Weibchen des elephanten und des stie-
res. Im Amarakosha finden wir vagd mit bandhyd zu-
sammengestellt, als „vache sterile" ; aber durch das petersb.
Wörterbuch haben wir bereits (unter ukshan) erfahren,
dafs va^ä, als ganz ebenbürtiges femininum, dem ukshan
stier, dem heftig liebenden, dem befruchtenden, im veda
zur Seite steht (va^äbhir ukshabhi: [ähutah]); und wenn
uns alles nicht trügt, so ist dadurch uxor = vapä =
die liebende auf's kräftigste unterstützt.
Doch es ist dies nicht alles. Vacca — worüber so
vieles geschrieben wurde, und worin man eine assimilation
(vacsa vacca) bat sehen wollen, die durch kein sicheres
beispiel unterstützt und durch die verliebe des lateinischen
zu inlautendem o; auPs kräftigste bekämpft wird — vacca
ist unmöglich vom indischen gleichbedeutenden vapä (sei
160 Ascoli, nxor (vafA, vaccaj.
68 nun die unterworfene oder die liebende) zu tren-
nen. Es ist die nämliche wurzel mit gleichbedeutendem
sufBx (vac-ca'')), — immer, nach uns, die liebesbegie-
rige. Auch kann ich nicht umhin hinzuzufügen, dafs der
stier als liebesbegieriger im altind. ushtar ushtra
(pflugstier; büfFel, stier mit dem höcker), und zwar in Wur-
zel und sufSx vollkommen mit uxor identisch, dastOude,
wage aber noch nicht ushtar ushtra von ukshan
(gleichfalls stier) zu trennen. — Wegen uxor = vapa
= vacca mag noch an mätar (mutter) erinnert werden,
welches im Amarakosha unter den namen der kuh steht,
und an vatsa proles, vitulus, carus, amicus.
Schliefslich bemerke ich, ohne dabei irgend einen Zu-
sammenhang mit dem was vorangeht für jetzt behaupten
zu wollen, dafs skr. vagika^ welches im Amarakosha als
synonym vom punya (leer) angefahrt wird, mit lat. va-
ouus im wurzelhaften theile vollkommen Qbereinstimmt,
was jedoch niemand, meines wissens, bis jetzt wahrgenom-
men hat.
*) Wir könnten zugleich im sanskrit eine mit der lateinischen gans
identische formation aufweisen, wenn vaaka (= vsahkAj aus va9+ka) kah,
welches Grimm (gesch. d. deutsch, spr. I. nusg. 33, II. ausg. 23) wiederholt
anführt, wirklich da wäre. Die übrigen Sprachforscher gedenken desMii
nicht, und ich kenne es auch sonst nicht. Ich kenne blofs, ans dem pariM
Amarakosha, vashkaya^t (auch bashkaya^i u. s. w.), vaakayant,
vashkavi^i, avashkaya^f „vache prodnisant beaucoup de yeaiUB**.
Mailand, l.juli 1863. Ascoli.
Corssen, zam oskischen dialekt. 161
Zum oskischen dialekt.
Durch die neuerdings aufgefundenen und im elften
bände dieser Zeitschrift von mir besprochenen oskischen
Sprachdenkmäler fallt auch auf die schon frQher bekannten
inschriften dieses dialektes mancher neue lichtstrahl. Ich
unterziehe daher eines der ältesten und wichtigsten oski-
schen Sprachdenkmäler, den Cippus von Abella einer neuen
prüfung, durch die ich sowohl andere wortformen zu be-
stimmen als auch ftlr die lehre vom verbum neue ergeb-
nisse zu gewinnen hoffe. Zu dem zwecke gebe ich die
durch frühere erklärer, namentlich Peter (allgem. littz.
Halle 1842. II, s. 76 f.) Mommsen (oskische Studien, s. 81 f;
nachtrage zu den osk. Studien s. 60 f; unterital. dial. s.
119 f.), G. Curtius (zeitschr. f. alterthumsw. 1847 s. 492 f)
und Aufrecht und Kirchhof (umbr. sprachd. I, 163f; II,
160.325; Eirchh. stadtr. v. Baut. s. 8f.) gewonnenen si-
cheren ergebnisse blofs durch die lateinische Übersetzung
wieder, unterwerfe hingegen die punkte, die ich sicher
stellen, berichtigen oder ergänzen will einer eingehenden
erörterung. Der erste abschnitt der Vorderseite des Cip-
pus lautet:
Maiioi Vestirikiioi Mai Sir | prupukid
Maio Vestricieo Mai f. Sir -e (?)
sverrunei kvaist | [ujrei Abellanoi inim
-oni quaestori Abellano et
Maiio[i] Jovkiioi Mai Pukalatoi | medikei
Maio Jovicieo Mai f. Pucalato medici
deketasioi Novl[a | noi ilnim ligatois Abel-
-ario Nolano et legatis Abel-
lano[is] | inim ligatois Novlanois, | pos
lanis et legatis Nolanis, qui
8enate[i]s tanginod | suveis potorospid le-
senatus scito sui utrique le-
gat[os] I fufans, ekss kombened.
gati erant, sie convenit.
Zeitschr. f. vgl. sprachf. XUI. 3. 1 1
162 Oonsen
Was zunächst die namen und titel der beiden beam-
ten von Nola und Abella anbetrifil, so hat man in dem
abgekürzten Sir. der ersten zeile den zunamen des Maius
Vestricieus zu suchen, und die worte prupnkid sver-
runei kvaisturei bezeichnen den aus mehreren Wörtern
bestehenden amtstitel desselben, etwa in der art wie bei
den Römern tribuni militares consulari potestate ein titel war.
Bei den Römern gab es verschiedene arten von quaestores,
so quaestores urbani oder aerarii im gegensatze zu den quae-
Stores ad ministeria belli oder quaestores classici, in späterer
zeit auch quaestores candidati principis und quaestores sa-
cri palatii. Somit bedeutet der zusatz prupukid sver-
runei eine ähnliche genauere bestimmung des amtstitels
des quästors von Abella. Sverr-un-ei ist mit dem sufBx
-on, -un gebildet, das sich auch in römischen titeln zeigt
wie Epul-on-es, Curi-on-es, DeCuri-on-es, Cen-
turi-on-es. Nach diesen bildungen zu schliefsen ist auch
in jenem oskischen wort das suffix -on, -un an einen no-
minalstamm getreten, der nach herantreten des vokaliscb
anlautenden sufiixes durch schwinden des auslautenden
stammvokales zu sverr- abgestumpft ist. Da sich ein
derartiges wort auf oskischen Sprachdenkmälern sonst nicht
findet, und zur erklärung aus einer wurzelform sver- sich
ganz verschiedene wege darbieten, ohne dafs sich ein evi-
denter entscheidungsgrund fQr einen derselben fände, so
stehe ich von der weiteren erklärung des in rede stehen-
den Wortes ab. Pru-puk-id sieht Huschke (osk. u. sab.
sprachd. s. 35) als ein compositum von der präposition
pru- und einem nomen von der wurzel pak- in pac-
-isci an, mifst der präposition pru- die bedeutung „öf-
fentlich" bei, die das lateinische pro in pro-scribere,
pro-mulgare u. a. hat und erklärt pru-puk-id „öf-
fentlicher beschluls". Es ist nicht unwahrscheinlich, dafs
das wort aus den angegebenen bestandtheilen zusammen-
gesetzt ist, ob es aber eigentlicher ablativ eines Substan-
tivs oder eine ablativische adverbialform wie amprufid
= im probe ist, und was es in staatsrechtlicher beziehnng
zum oskischen dialekt. 163
neben sverrunei kvaisturei bedeutet, bleibt ganz un-»
sicher.
Gegen die ableitung des bei Wortes deketasioi zn
medikei von einem dem lateinischen dictare entsprechen-
den oskischen verbum sprechen die formen d ei cum, dei-
cans anf der tafel von Bantia. Nach diesen neuoskischen
formen mufs man auch auf dem älteren Sprachdenkmal
den diphthongen ei in den von der wurzelform deik-
abgeleiteten formen erwarten wie im altlat. deicere, nicht
e wie deketasioi zeigt (Bugge zeitschr. V, 1). Was soll
man sich auch unter einem medix dictator neben dem
med ix tuticus eigentlich denken? Da es sich in dem
vorliegenden vertr^e zwischen Nola und Abella unter andern
um die Verwaltung des tempelschatzes, thesavro-, im
herkulestempel handelt, so erwartet man neben dem qn&»
stör von Abella auch für Nola einen beamten, dem die
Verwaltung von Staatsgeldern zustand. Ich leite daher
dek-et-asio-i von einem oskischen verbum ^dek-um,
das dem griech. di^^-aa&ai^ ion, Sixe-a&ai ent-
spricht. Dem gewöhnlichen griech. x entspricht oski«
sches k auch in meeilikiieis = fAeili^iov (Bull. Nap.
n. s. I, 82, vgl. zeitschr. II, 55 ; Kirchh. allgem. monatsschr.
1852, s. 589). Von *dek-um ist mit vokaleinschub der
participialstamm dek-e-to- für dek-to- gebildet, der
„etwas eingenommenes, einnähme^ bedeutet, und von die-
sem mit dem suflfix -asio dek-c-t-a-sio- wie pur-
-asio-, Pluus-asio-, Vereh-asio-. Das wort ent-
spricht also lateinischen bildungen wie no-t-ariu-s, auc-
-t-ariu-8, lec-t-ariu-8 (verf. krit. beitr. s. 331f. 336)
und bezeichnet die als geschäftsmann oder beamter han-
delnde person, den „einnehraer". Unter medikei deke-
tasioi ist also an der vorliegenden stelle ein irgendwie
mit der Verwaltung des Staatsschatzes von Nola betrauter
beumter zu verstehen, der dem kvaistur von Abella und
dem qnaestor aerartus von Rom entspricht.
Dafs der abl. sing, taug- in- od neben dem acc. sing.
tang-in-om und gen. sing, tang-in-eis von einem os-
11*
164 Corssen
kischen yerbum stammt, das dem altlat. tong-ere (nosse,
Bnn. Fest, p.357), goth. thagk-jan entspricht, hat schon
Peter erkannt. Dafs jene casusformen von einem conso-
nantischen stamm tang-in- ausgehen, der durch schwin-
den eines o entstanden ist aus tang-ion- wie umbrisch
nat-in-e aus *nat-ion-e, ist von Bugge unzweifelhaft
richtig dargethan ( zeitschr. V, 3 f.). Gegen meine frühere
erklärung (zeitschr. V, 1 1 1 f.) stimme ich demselben gelehr-
ten zu, wenn er medicat-in-om fflr eine ähnliche acca-
sativform wie tang-in-om hält, das heifst entstanden aus
^medicat-ion-om (zeitschr. VI, 21). Der oskische stamm
tang-in- bedeutet also dasselbe wie das pränestinische
tong-itio, d.i. notio (Fest. a. o.). Ich habe tang-inod
an unserer stelle durch scito wiedergegeben in dem sinne
wie dieses wort in plebi scitum und populi scitum
gebraucht wird, so dafs senateis tanginod eigentlich
ein „erkenntniüs^ oder „weifsthum des rathes der alten^
daher einen „beschlufs^ bedeutet.
Dafs fu-fans die dritte pers. plur. imperf. von wurzel
fu- ist, erkannte schon Curtius (a. o. 480); die behauptung
aber, dafs das zweite f des Wortes sieh aus dem vorher-
gehenden u entwickelt habe, wird derselbe jetzt wohl
schwerlich noch aufrecht erhalten wollen. Die erklärer
der umbrischen Sprachdenkmäler haben nachgewiesen, dab
fu-fans einem lat. *fu-bant für *fu-fuant (skr. bhn-
bhavant) entspricht (umbr. sprachd. 1, 164). Ebel will
fu-fans die bedeutung eines plusquamperfects beilegen
(zeitschr. V, 410); aber diese pafst nicht für die vorlie-
liegende stelle. Da ligatois z. 6 und 7 substantivum ist,
so mufs man auch ligatos z. 9 so ansehen. Nicht die
damals gesandte gewesen waren, sondern die es damals
noch waren trafen das übereinkommen zwischen Nola und
Abella wegen des tempellandes und tempelschatzes des
Herakles. Ich habe also fnfans, um die bedeutung des
imperfects nicht zu verwischen, durch erant übersetzt.
In ekss, ex (tab. Baut. z. 7) habe ich früher das aus-
lautende s für desselben Ursprungs gehalten wie in ab-*8,
zum oskischen dialekt. 165
ec-s, 0-8- für ob-8-, su-s- für sub-8(zeit8cbr.III,292).
Bugge erklärt hingegen ek-8 durch abfall eines auslauten-
den vokales von dem pronominalstamme ek-so- entstan-
den, wie das ek- in ek-kum ßlr ek-dum ^ item von
dem pronominalstamm eko- (zeitschr. VI, 27). Da auch
das enklitische k, c in formen wie eka-k, id-i-k,
exa-c, eizas-c u. a. von dem oskischen pronominalstamm
ko- durch abfall eines auslautenden vokales entstanden ist
(Verf. ausspr. II, 355), so scheint mir Bugge^s ansieht die
richtige zu sein. Welche casusform des zusammengesetz-
ten pronominalstammes ek-so- es war, die zu ek-s ver-
stümmelt worden ist, läfst sich mit voller Sicherheit nicht
bestimmen. Aber am nächsten liegt es an eine alte loca-
tivform zu denken. Aus solcher ist wenigstens im latei-
nischen das enklitische -c entstanden, wie die form hei-
-cei ffir hi-ce, hi-c zeigt (Verf. ausspr. 1,219. 271. 388).
Den folgenden abschnitt des Steines von Abella übersetze
ich folgendermafsen :
Sakaraklom Herekleis, | slaagid pod ist,
Sacellum Herculis, loco quod est,
inim teer[om], | pod op eisod sakaraklod [ist], |
et terra, quae apud illud sacellum est,
pod anter teremniss eh[trad] | ist, pai
quod inter terminos extra est, quae
teremennio mo[inikad] | tanginod profto
terminalia communi scito probata
sei r[ehtid] | amnod, puv idik 8akara[klom]|
sunt recte in circuitu, quo id sacellum
inim idik terom, moini[kom] | moinikei
et ea terra, commune in communi
terei fusid.
terra fuerit.
Hier ist zunächst die bedeutung und etymologie von
slaagid zu untersuchen. Dafs das wort nicht „grenze^
bedeutet, beweisen, abgesehen davon, dafs ftlr diese bedeu-
tung auf dem Cippus von Abella teremen- gebräuchlich
ist, schUg«[id die worte der rückseite des Steines s. Mf:
166 Conseii
Avt anter slag [im Ajbellaoam iuim Novlanam
— terenie[DD]io 8taiet = Autem inter locum Abel-
lanum et Nolanum — terminalia Stent, eine stelle,
von der weiter unten noch die rede sein wird. Wer sich
klar ausdrückt, was man doch von den Verfassern des vor-
liegenden tempel Vertrages annehmen mufs, der sagt nicht:
,,6renzsteine stehen zwischen den grenzen von Abella und
Nola* sondern „auf denselben". Daher ist denn Bugge's
ableitung des oskischen slaagid von skr. räjis, linea, ze-
rles, und die angenommene bedeutung finis (zeitschr. V, 1 )
schon aus diesem gründe unhaltbar, abgesehen davon, daia
italisches g nicht aus sanskritischen j entsteht. Jedenfalls
bat slaagid demnach eine bedeutung wie locus, ager
oder regio. Was die Schreibweise des wertes betrifit, so
steht neben der form slaagid mit doppeltem a zweimal
slagim, z. 34. 54 mit einfachem a. Die doppelte Schrei-
bung der langen vokale ist auf den oskischen sprachdenk*
mälern nicht durchgreifend und consequent angewandt.
Auf dem Cippus von Abella ist sie aufser in slaagid nur
noch in den beiden Wörtern teerom und fiisno, füs-
nam angewandt, und auch diesen stehen die Schreibweisen
fisnam und terom zur seite. Auch auf der weihetafel
von Agnone findet sich ein ähnliches schwanken zwischen
futrei (A, 4) und fuutrei (B, 6). Dafs die doppelte
Schreibung der vokale auch irrthümlich eingetreten ist f&r
kurze vokale, zeigen meeilikieis neben griech. fieil^"
X^ov, uupsens neben opsed, opsannam verglichen
mit lat. öperare (vgl. Bull. Nap. n. s. 11,82). Dasselbe
beweist saah-tom (t. Agn. A, 17) neben sak-arater,
sak-araklom, sak-ahiter, lat. säc-er. Auch fär
paam = quam (Momms. unt. dial. XXIV) mufs man an-
nehmen, dafs das ursprünglich lange feminine a wie in der
entsprechenden lateinischen pronominalform kurz geworden
ist, weil die feminine accuisatiyendung -am sonst immer
nur mit einem a geschrieben wird. Wenn das oskische
das auslautende a im nominativ der femininen a* stamme
zn o sinken liefs in vio, fiisno vu a., so muA maa dar-
zum oskiflchen dialekt. 1tt7
aus folgern, dais es sich vorher wie im lateinischen ge-
kürzt hatte und dai's diese vokalkürzung auch im accusa-
tiv stattfand wie im lateinischen. Femer ist teerora,
terom doch unzweifelhaft nur durch das geschlecht ver^
schieden von lat. terra, und da dessen e kurz ist (vergl.
Verf. krit. beitr. s. 402), so folgt diese vokalkOrze auch
für das oskische wort, und terom ist die richtige Schreib-
art. Soviel steht also fest, dafs die Schreibweise slaagid
neben dem zweimaligen slagini jedenfalls eine irrthüm-
lichc sein kann und die länge des a nicht erweist. Die
ablativform slaagid führt nun auf einen i-stamm slagi-
wie praesentid auf den durch i erweiterten participial-
stamm praesenti-, den auch die lateinischen casusfor-
men praesenti-a praesenti-um zeigen, da die conso-
nantischen stamme, wie tangin-od, lig-ud zeigen, den
ablativ auf -od, -ud bilden. Dafs der stamm slaagi*
weiblich ist, zeigen die beiwörter Abellanam, Novla-
nam zu slagim (z. 54. 55). Peter bat nun slag-im
slaag-id ftlr dasselbe wort erklärt wie loc-us, altlat.
stIoc'US. Die letztere wortform ist aber entstanden aus
""stroc-us und entspricht dem goth. s tri k-s, strich, ahd.
stric, liuea, strih, zona, nhd. streck-e, strich, bedeu-
tet also „strecke, landstrecke, landstrich^ (Verf. krit. beitr.
s. 463). Im oskischen ist also slag-id geworden aus
""strak-id, indem r sich zu 1 erweichte wie in der oski-
schen suf&xform -klo in sakara-klo-m ftkr -kro (a. o.
8. 348), das t zwischen s und r wegfiel wie in der lateini-
schen form slis für stlis statt *stris (a. o. 461 f.), das k
aber sich zu g erweichte wie in degetasios (Mommsen
XV) degetasis (a. o. XVI) neben deketasioi. Der ur-
sprüngliche vokal a hat sich in slag-im unversehrt erhal-
ten wie in den lateinischen namensformen Stlacc-ius,
Stlacc-ia (a. o. 464) und in dem althochdeutschen ver-
bnm stracch-jan. Slaag-id an der vorliegenden stelle
des Cippus von Abella hat also die bcdeutung wie in
loco , tab. Heracl. Kitschi, Prise. Lat.Mon. epigr. t.XXXIU,
54. Quoius ante aedificium semita in loco erat. Locus
168 Corasen
steht in dem sinne von „statte für ein sacellum^ grade
so wie in dem oskiscben vertrag slaagid neben sakara-
klom, Liv. X, 23: In Vico Longo, ubi habitabat, ex parte
aedium, quod satis esset loci, raodico sacello exclusit.
Somit erscheint die Petersche erklärung von slaagid =
loco nach allen Seiten hin gerechtfertigt. Und selbst
wenn die Schreibart aa in dem worte wirklich länge des
vokals bedeutete, so würde das nichts gegen die Verwandt-
schaft desselben mit stlocus beweisen. Im oskischen
konnte das a ja durch vokalsteigerung gelängt sein wie
in lat. päx, päcare, läterna, vägina, suffrägium,
sägire, praesägus, pläcare, mäcerare, actus ne-
ben päcisci, lätere, väcare^ frägilis, sägax, plä-
cere, mäcer, ägere (Verf. ausspr. I, 157). Auch in deo
deutschen Wörtern strich, streichen ist ja der wurzel-
vokal lang. „Landstrich^ ist also die beste Übersetzung
des osk. slaagid.
Die form teremniss ist als acc. plur. längst erkannt
(vergl. Peter a. o. 47). Es fragt sich aber, von welcher
Stammform dieselbe ausging. O- stamme bilden im oski-
schen den acc. plur. auf -oss für -ons wie feih-oss auf
dem Cippus von Abella (B, 31) und leig-oss, loufri-
kon-oss auf der tafel von Pietrabbondante (zeitschr. XT,
403) zeigen. Also kann teremn-iss nur einem i-stamme
oder einem consonantischen stamme angehören und ist von
Mommsen mit recht unter die casusformen der sogenann-
ten dritten deklination gestellt worden (s. 233). Der stamm
des Wortes ist nun tere-men- durch vokaleinschub aus
ter-men- gebildet, dem griech. T^p-^tiov- entsprechend.
Wie das umbrische no-men- im dat. abl. sing, oo-mn-e,
gen, sing, no-mn-er das e des sufSxes -men ausgesto-
fsen hat (AK. umbrische Sprachdenkmäler I, 127 f.), so
das oskische ter-e-mn-iss, während das e sich ge-
halten hat in den formen ter-e-menn-io. Auch die
denominativen verbalformen ter-e-mn-a-ttens, ter-e-
-mn-a-to-st zeigen diese ausstofsung des e. Dafs ter-
-e-menn-io nicht nom. sing, eines a- Stammes ist, wie
zum oskischen dialekt. 169
die frflheren erklärer annahmen, sondern nom. plur. eines
neutralen o- Stammes, haben die erklärer der umbrischen
Sprachdenkmäler unwiderleglich dargethan (umbr. sprachd.
n, 160 anm. Kirchh. stadtr. v. Baut. s. 8 f.). Ter-e-
-menn-io pafst also nicht genau zu den lateinischen sub-
stantivbildungen wie sancti-mon-ia, ali-mon-ia, ca-
sti-mon-ia, caeri-mon-ia (Peter a. o. 71; Curt. a. o.
493) noch zu den neutralen wie patri*mon-iu-m, ma-
tri-mon-iu-m, merci-mon-iu-m, vadi-mon-iu-m.
Vielmehr ist an ter-e-men das adjectivsufBx -io getreten
wie in Fla-min-iu-s an fla-men in Nu-min-iu-s an
nu-men; das n aber ist in ter-e-menn-io verdoppelt
ohne etymologische bedeutung wie in dekman-niois ver-
glichen mit lat. decimanis, indem der hochton der silbe
den consonanten schärfte.
Fflr die Übersetzung von profto set: probata sunt
verweise ich auf die erklärer der umbrischen Sprachdenk-
mäler (a. o.). Auch das a des neutrum pluralis ward also
im oskischen zu o geschwächt, wie das a des nom. sing,
der a-stämme.
Pai, das ich früher ftir einen femininen locativ hielt
und durch qua wiedergegeben habe (zeitschr. V, 85), fasse
ich jetzt als nom. neutr. pl. dem lat. quae entsprechend,
da die locative bedeutuug „wo^ sonst durch die locative
form pu-f = ubi vom relativstamm po- = quo- aus-
gedrückt wird.
Am-no-d habe ich bereits früher nachgewiesen als
ablativform vom nominalstamme am-no- der von der prä-
position *amfi mit dem suffix -no gebildet ist, das auch
in lat. pro-nu-s, po-ne, de-ni-que, super-ne, in-
fer-ne und umbr. per-ne, post-ne an präpositionen ge-
treten ist (Verf. zeitschr. V, 84 — 87). Am-no-d bedeu-
tet also circa, circö, in circuitu, um, ringsum.
Das bis auf r verstümmelte wort vor amnod ergänzt
Mommsen r[ehtodJ. Ich habe r[ehtid] ergänzt aus
folgenden gründen. Im umbrischen findet sich die formet:
sve rehte curatu si =: si recte curatum sit (tab.
170 Coneen
Iguv. V, 24; AK. umbr. sprachd. n, 328). In den lateim-
schen grenzbestimmungen der lex Mamiiia findet sich das
dem umbrischen rehte entsprechende adverbium an fol-
gender stelle: Qui ager intra fines eorum erit, qui termini
in eo agro statu ti erunt, quo in loco terminus non stabit,
in eo loco is, cuius is ager erit, terminum restituendum
cnrato: uti quod recte factum esse volet (vergl. zeitschr.
f. geschichtl. rechtswisseuschaft X, 379). Wie hier reote
neben terminum erscheint, so erwartet man auf dem Cip-
pus von Abella ein dem lat. recte, umbr. rehte entspre-
chendes adverbium neben teremniss, teremennio. Dem
lat. improbe entspricht osk. amprufid, also ist es fol-
gerichtig neben lat. recte, umbr. rehte ein osk. r[ehtidj
anzunehmen. Dann entspricht die oskische formel profto
set r[ehtid] der umbrischen rehte curatu si.
Verschieden sind die meinungen darüber, ob fu-si-d
gleich fu-eri-t conjunctiv perfecti ist (Peter a. o. 70;
Curt. a. o. 494; Kirchh. allgem. monatsschr. 1852, 8.821;
Ebel zeitschr. V, 411) oder ein indicativ fnt. I. (Mommsen
unt. dial. s. 234). Die oskische syntax entscheidet ftlr jene
ansieht. Sätze mit imperativischem sinn, die eine gesetz-
liche bestimmung enthalten, haben im tempelvertrag zwi-
schen Nola und Abelia entweder das verbum im conj. pf.
wie tribarakattins, patensins, [hjerrins, oder im
conj. präs. wie staiet = Stent, eine form, die weiter
unten besprochen werden wird, oder im imperativ wie
estud; niemals kommt ein indic. fut. I in solchen Sätzen
vor. Ganz ebenso stehen auf der tafel von Bantia die
oonj. perf. hipid, fefacid, pruhipid, der conj. präs*
fuid und die imperative deivatud, factnd, estud, li-
citud, actud, censamur; niemals aber erscheint ein
fot. I mit imperativischem sinne in einem satze, der eine
gesetzliche bestimmung enthält. Also ist fu-si-d wie
fu-eri-t die 3. pers. sing. perf.
Eine ganz unerklärliche form ist mir pu-v, die doeh
vom relativstamme po- herkommen mufs. Man wird dazu
gedrängt, dieselbe f&r einen Schreibfehler zu halten statt
zum oskischen dialekt. 171
pu-f, da ein Übergang von f in v im oskischen ebenso
unerhört wäre wie im lateinischen. Es heifst nun weiter
auf dem Cippus von Abella:
[AvtJI
A u t e m
eiseis sakarakleis i[nim] | tereis fruktatinf
eius sacelli et terrae fructus
fr[ukta I tiuf] moiniko potoro[mpid | fu8]id
fructus communis utrorumque fuerit
Avt Novianu[.. | . . . . ] Herekleis fi[ii8n.. |
Autem Nolan.. Herculis templ..
...iispid Novlan[.. | . • .iipv[iai(?)] is. . .
-que Nolan..
Was zunächst die ergänzungen in diesen Sätzen be-
irifift, so willHuschke statt Mommsens avt: in im ergänzen
(osk. und sab. sprachd. s. 40). Das widerlegt sich einfach
dadurch, dafs die buchstaben des Wortes in im am ende
von zeile 19 auf der tafel keinen platz haben, nach dem
räum gemessen, den dasselbe sonst in der zeile einnimmt.
Statt fr[uktatios], wie Mommsen annimmt, muls noth-
wendig fr[uktatiuf] ergänzt werden, seitdem die erklä-
rer der umbrischen Sprachdenkmäler nachgewiesen haben,
dafs fruktatiuf, tribarakkiuf, oittiuf nominative von
weiblichen nominalstämmen auf -iu-f sind (umbr. sprachd.
I, 167; Kirchh. stadtr. v. Baut. s. 17), was schon Peter
zum theil erkannt hatte (a. o. 50). Mommsens ergänzung
fu8[idj ist sehr mit unrecht neuerdings verworfen wor-
den. Aufrecht und Kirchhof wollen statt dessen estud
lesen (a. o.); das kann aber nicht richtig sein, da vor dem
d ganz deutlich ein i auf der tafel geschrieben ist, dessen
oberes stück durch den bruch der tafel zerstört ist, wie
das übereinstimmend die abdrücke von Mommsen (unterit.
dial. taf. VI) und von Lepsius (inscr. umbr. et ose. tab.
XXI) zeigen. Wenn aber Ebel [fusjid unter dem vor-
geben verwirft, formen von verben, die auf -sid oder -st
ausgingen, hätten niemals imperativische bedeutung (ztschr.
III, 59), so liegt der irrthum nach dem oben über fusid
172 Corssen
und den gebrauch des conjunctiv perf. in imperativischem
sinne gesagten auf der hand, und die auf grund dieses
irrthums vermuthete sonst nicht vorkommende form *fuvid
ist eine verfehlte conjectur. Fusid ist ebenso passend am
Schlüsse des in rede stehenden satzes als des vorigen und
Mommsens ergänzung so richtig und zutreffend wie nur
irgend eine. Von den drei letzten zeilen ist Lepsius les-
art fiisn.. ohne zweifei richtig, während sich bei Momm-
Ben nur f i . . findet. Hnschke's vermuthung, dafs in der
vorletzten zeile statt iispid : pispid zu lesen sei, ist
sehr ansprechend (a. o.) ; aber was er sonst zur ergänzung
der drei letzten zeilen beibringt, ist nach seiner gewöhn-
lichen manier auf sand gebaut.
Es sind nun zunächst die nominalbildungen triba-
rak-k-iu-f, frukta-t-iu-f und oit-t-iu-f in betracht
zu ziehen. Die erste derselben erklärt Kirchhof aus ""tri-
barak-t-iu-f also mit demselben suffix gebildet wie oit-
-t-iu-f, so dafs der Charakter vokal das verbum triba-
raka-vum in dem participialstamme *tribarak-to- ge-
schwunden wäre wie in prof-to von profa-um, in
cens-to-m von censa-um, k-t aber in tribarak-k-
-iu-f sich zu k-k assimiliert hatte (stadtr. v. Baut. s. 31).
Bugge wendet dagegen ein, in tribarakk-iu-f könne die
Schreibung mit dem doppelten k in folge der schärfbng
der silbe durch den hochton entstanden sein f&r einfaches
k, so dafs also -iu-f nicht -t-iu-f das suffix wäre (zeits.
in, 425). Lautlich sind beide erklärungen möglich. Die
bctrachtung der beiden formen oit-t-iu-f und frukta«t-
iu-f wird ergeben, welche von beiden den vorzug ver-
dient. Ebel vermuthet, in dem bestandtheil -tiu- dieser
nominative stecke das suffix -tion (zeitschr. VI,423)*
Aber einestheils ist die anf&gung eines mit f anlautenden
nominalsuffixes ohne vermittlungsvokal an -tion nicht
glaublich, andererseits mOfste man erwarten, dafs nach
dem antreten eines Suffixes jenes -tion sich zu -tin-
kflrzte wie in medica-tin-om oder wie das soffix -ion
zu -in in tang-in-om, tang-in-ud. Das suffix -t-iu
zum oskischen dlalekt. 175
in oit-t«iu-f, frukta-t-io-f könnte lautlich dasselbe
sein wie lat. -t-io in in-i-t-iu-m, exerci-t-iu-m; aber
dann könnten jene substantiva im oskischen nicht wohl
feminina sein. Ich stelle daher die oskischen femininen
bildungen oit-t-iu- frukt-a-t-iu- zusammen mit den
lateinischen auf -t-ia wie gra-t-ia, insci-t-ia, per-i-
t-ia, astu-t-ia, argu-t-ia-e, minu-t-ia-e, das heifst,
sie sind mit dem suffix -ia gebildet von den participial-
Stämmen oit-to-, frukta-to* wie jene lateinischen no-
niina von den participialstämmen, gra-to-, in-sci-to-,
peri-to-, astu-to-, argu-to-, minu-to-. Das aus-
lautende a des Suffixes -ia konnte zu o werden wie in
vio, teremennio, dieses aus a entstandene o aber konnte
sich, als das nominativsuffix -f, antrat vor folgendem con-
sonanten zu u verdunkeln wie in sverr-un-ei, kvaiss-
-tur, cens-tur neben lat. -on-i, quaes-tor, cen-sor,
wo es ebenfalls aus ursprünglichem a entstanden ist. Es
fragt sich nun, wie das auslautende f in den nominativ-
formen wie oit-t-iu-f zu erklären ist. Lange's au&tel-
lung, dals dieses f der rest des sufiSxes -vo sei (taf. v.
Baut. s. 12), ist bereits durch die erwiderung zurückge-
wiesen, dafs y im oskischen nicht zu f wird, so wenig
dies im lateinischen der fall ist (Schweitzer zeitschr. III,
209; Bugge zeitschr. III, 423). Bugge sieht in dem f den
rest eines von der wurzel fu- gebildeten Suffixes oder com-
positionsbestandtheiles wie in dem -bu der lateinischen Wör-
ter mor-bu-s, tri-bu-s, furi-bu-ndu-s, so dafs das-
selbe mindestens den wurzelvokal und das nominativzei-
cheu eingebüfst hätte. Er findet dasselbe f auch im goth.
valdu-f-ni und zu b verschoben in fraistu-b-ni (a. o.
424). Noch näher liegt die vergleichung mit den griechi-
schen bildungen wie ;^co(>a-qp-to-v, &ia'(p-og^ &6d-
"fp-io-v, TBxvv'(f"iO'V, 6gvV'(p'iO'V, deren suffixe
-qp-off, '(f'io-v Pott auf die Wurzel griech. ^iJ-, lat. fu-,
skr. bhü- zurückgeführt hat (etym. forsch. 11,498). Ein
suffix der wurzel fu- wäre also an die oskischen femini-
nen Stämme oitt-ia-, frukta-t-ia- angetreten wie an
174 Coresen
die griechischen femininen xiaga-, d'Boi'. Welcher de-
klinationsklasse aber jene oskischen nominativforroen oit-
-t-iu-f und frukta-t-iu-f angehören^ ist wegen der ab-
stumpfung des von der wurzel fu- ausgegangenen Suffixes
-f nicht mehr erkenntlich. Ich kann nach dem gesagten
auch nicht umhin mit Kirchhof tribarak-k-iu-f aus
tribarak-t-iu-f zu erklären, flQr eine eben solche bildung
wie jene beiden.
Noch bleibt bei der vorliegenden frage eins zu erwä-
gen. Mommsen hat, wie weiter unten noch zur spräche
kommen wird, sehr passend eine accusativform [ojittiom
ergänzt (z. 53), die durch das beigefägte alttram eben-
falls als femininum bezeichnet wird. Wie steht nun diese
zu der nominativform [ojittiuf? Ich fasse sie als eine
accusativform des Stammes oittio- für oittia-. Die
durch ein neues sufBx weitergebildete nominativform oit-
tiu-f steht neben der einfacheren accusativform [o]it-
tio-m, wie im lateinischen der durch ein neues sufHx wei-
ter gebildete nominativ sen-ec-s neben der accusativform
sen-em, ähnlich wie die um ein suffix reicheren casusfor-
men it-in-er-is, ioc-in-or-is, iec-in-or-is nebenden
einfachen it-er-is, iec-or-is. Wenn das auslautende a
der femininen nominativform in vio und im neutr. plur.
teremennio nach i zu o sinken konnte, so ist lautlich
diese annähme auch ffir die zum nominativ oittia-f ge-
hörige einfache accusativform [o]ittio-m nicht unge-
rechtfertigt, auch wenn die oskischen Sprachdenkmäler sonst
keine so gebildete accusativform aufweisen, die zu einer
der hier besprochenen nominativformen auf -f gehörte.
Ich wende mich nun zur röckseite des Steines von
Abella. Auf dieser sind, da sie oben lag, als der stein
als thürschwelle diente, viele buchstaben der ersten zeile
(Mo. z. 27 — 30) spurlos hinweggewandelt und verschwun-
den. Indem ich von diesen eine ergänzung versuche, wie
dies auch Mommsen (unterit. dial. s. 121c) und Huschke
(a. o. 8. 341) gethan haben, berücksichtige ich genau ein-
mal den räum der tafel im verhältnifs zu den buchstaben,
zum oskitchen dialekt. 17S
die auf derselben platz haben können, dann aber auch die
auf der tafel oder in anderen oskischen Inschriften vor-
kommenden wortformen und construotionen, verfahre also
genau so, wie jeder philologe bei ergänzung oder herstel-
lung einer griechischen oder lateinischen inschrift. Den
anfang der rückseite also lese ich folgendermafsen:
Ekkum [svai pid herrins] | triibarak[avum, pod
Item si quid voluerint aedificare, quod
postj I liimito[m t]erm[menniom, puf] | Herekleis
post limitem terminalem, ubi Herculis
fiisno mefa | ist, ehtrad feihoss, p[o8] |
fanum medium est, extra ficos, quae
Herekleis fiisnam amfr | et, pert viam
Herculis fanum ambiunt, trans viam
posstist I , pai ip ist, postin slagim |
positum est, quae ibi est, post locum
senateis suveis tangi | nod tribarakavum
senatus sui scito aedificare
lijkitud, inim iok triba | rakkiuf, pam
liceto, et haec aedificatio, quam
Novlanos | tribarakattuset, inim | oittiuf Nov-
Nolani aedificaverint, et usus No-
lanum estud.
lanorum esto.
Ich rechtfertige zunächst die von mir gegebenen er-
gänzungen. Die erste derselben: svai pid nach ekkum
entnehme ich aus dem anfang des folgenden satzes, z. 41:
Ekkum svai pid. Aus der unten gegebenen deutung von
posstist als positum est wird sich die folgerung erge-
ben, dafs ein neutrales pod subject des folgenden relativ-
satzes war, und dafs dieses sich auf das eben ergänzte
neutrale indefinitum pid bezieht. Da Lepsius stich trii-
barakavum giebt, während Moromsen nur triibarak-
las, und Stier, der nach Mommsen den stein in äugen«
schein nahm, versichert das v jener form noch gelesen zu
haben (zeitschr. f. alterthumsw. 1851, s. 470 f.)^ so ist trii-
barakavum als gesichert anzusehen. Dieser infinitiv, von
176 Coresen
dem weiter unten noch die rede sein wird, tnuk von ei-
nem anderen verbum abhängig gewesen sein. Deshalb ha-
ben Mommsen und Huschke ganz richtig eine form von
dem oskisch-umbrischen verbalstamm heri-, veiie hier
ergänzt, und zwar jener eine plurale indicativform *he-
rens, die nicht vorkommt, dieser die 3. pers. sing. fut.
herest = volet, die nicht in den Zusammenhang pafst,
da pid object des vorliegenden satzes ist und subject zu
der hier verlangten verbalform Novlanos und Abella-
nos sind. Mommsen hat also richtig gesehen, dafs hier
die pluralform des betreffenden verbums verlangt wird. Ich
habe aber eine conjunctivform [hjerrins hier ergänzt in
dem von svai abhängigen Vordersatz nach der analogie
von patensins (z. 50) in dem Vordersatz, der von pon
= quom abhängt. Diese form finde ich auch in dem
weiter unten ergänzten [hjerrins. Liimito übersetzt
Mommsen durch limitatus, Huschke durch limitarem.
Aber Himito[m] ist nichts anderes als lat. lim item, ein
accusativ auf -om von dem consonantisch auslautenden
nominalstamm liimit-, wie osk. tangin- om, medicat-
in-om, umbr. uhtur-o, arsfertur-o, ournac-o (AK.
umbr. sprachd. 1, 127) von consonantisch auslautenden stam-
men gebildet sind. Von dem folgenden wort giebt Lep-
sius die buchstaben iermom. Mommsen nur ierm; da
aber der erstere in den ersten sieben zeilen der rOckseite
des Steines mehrere unrichtige lesarten giebt, so muls man
sich an Mommsens lesart halten, zu der auch Stier keine
abänderung bringt. Da aber auch von dieser nur der
buchstabe r ganz unversehrt erhalten ist, während das
obere stück der drei anderen buchstaben undeutlich ge-
worden ist, so habe ich [t]erm[enniom] ergänzt, indem
ich den ersten buchstaben der wortform als t lese, dessen
oberer querbalken sich verwischt haben kann. Freilich
sollte man teremenniom erwarten. Wenn aber auf der
früher von mir behandelten bleiplatte von Capua sich die
form Luvikis mit vokaleinschub findet und daneben Lnv-
kis ohne vokaleinschub (zeitschr. XI, 338) und ebenso auf
zum oskiachen dialekt. 177
zwei DolanischeD pateren Marabieis neben Mar biet
(Monims. uoterit. dial. taf. XIII, 1. 7, s. 277), so kann aucb
auf dem Cippus von Abella teremeunio mit vokalein-
Schub gescb rieben sein neben [t] er m[enniom ] ohne den-
selben. Die bedeutung von liimito[m] [t]erm[ennioai]
= limitem terminalem ist jedenfalls an der vorliegen-
den stelle vollkommen passend. Nach diesen werten wird
die relative conjunction puf durch den Zusammenhang ver-
langt, ist daher auch von Mommsen und Huschke ergänzt
worden. In der lesart der folgenden Wörter fiisno mef[a]
= fanum medium folge ich ebenfalls Mommsen, da
Lepsius lesart fiisname fi keinen anhält zur ergänzung
und erklärung bietet. Mefa fasse ich also als nom. sing,
fem., der sein auslautendes a gewahrt hat wie v ei a (Fest.
p. 368), w&hrend dies a sich sonst auch zu o schwächt.
Unbezweifelt richtig giebt Mommsen auch z. 32 — 33 am-
fret pert, während Lepsius amfretaert las und ein p
für a ansah.
Ich gehe nun zur erklärung derjenigen wortformen
des vorliegenden Satzes über, die einer solchen noch be-
dürfen.
Es kommen hier zunächst die formen triibaraka-
vum, tribarakavum, tribarakattuset, tribarakat-
tine, tribarakkiuf in betracht. Ich untersuche zunächat
die viel besprochene etymologie des verbalstammes triba-
raka-, von dem alle jene bildungen stammen, und gehe
dann zur erklärung der einzelneu formen über. Für die
Schreibweise derselben ist zunächst zu beachten, dafs sich
an vier sicheren stellen die obigen Wertformen mit einem i,
an einer mit ii geschrieben finden, mithin jene Schreibart
als die richtige anzusehen ist, zumal schon oben bei der
besprechung von slaagid und slagim nachgewiesen ist,
dai's sich die doppelte Schreibung von vokalen auf den os-
kischen Sprachdenkmälern auch irrthümlich angewandt fin-
det. Ohne vokaleinschub wurde der in rede stehende zu»
sammengesetzte verbalstamm trib-ark-a- lauten. Dieser
ist ein denominativum von dem nominalstamme trib-arko-,
Zeitochr. f. vf^. Hwachf. XUI. 8. 12
178 Cormen
trib-arka-, trib-arki-, trib-arku- oder trib-ark-,
wie die verba der a-conjugation *deket-a-um, deiv-a-
-um, *frukt-a-um, *medic-a-um, *miric-a-um,
molt*a-um, ops-a-um, *preiv-a-um, *reg-a-iiin,
sakar-a-um, teremn-a-um, *tri8t-a-nm, *vei-a-uin
u. a. deDominativa von nominaistämnien sind (Verf. z. V,
96—98). Peter erklärte den verbalstamm trib-ark-a- als
zusammengesetzt aus dem stamm von triibom (Momms.
XXIY), das terram bedeuten soll, und arare (a.o. s. 76).
Aber triibom bedeutet an der angeführten stelle, wie weiter
unten nachgewiesen werden wird, weder terram, noch ist
es das lateinische tribus, so ähnlich es demselben auch
sieht, und die deutung des zweiten bestandtheiles -arak-a*
als arare erklärt das k desselben nicht. Momrosen hat
daher mit recht diese deutung verworfen (unterit. dial. s.
303). Huschke leitet trib-arak-a- her von tri-, das
aus terom entstanden sein soll und von barak- das mit
dem deutschen brech-en und dem griechischen (>i7V-«' i^-
-|Ut dasselbe wort sein soll. Aber lateinischem f von
f rang er e müfste noth wendig oskisches f entsprechen, also
-farak- der zweite bestandtheil des in rede stehenden
compositum sein. Das ist um so durchschlagender, da
das oskische viel zäher in der festhaltung des ursprüng-
lichen inlautenden f ist als das lateinische, wie die formen
mefiai = mediae, sifei = sibi, fufans = *fabant,
Safinim = Sabiniorum, hafiest = habebit, am-
prufid = improbe, profatted = probavit, puf für
*pufi = ubi, Alfius = Albius, amfret = ambennt,
loufreis = liberi, lonfrikonoss = ^liberigenos un*
zweifelhaft zeigen. Die drei letzteren Wörter erweisen noch
insbesondere, dafs sich im oskischen auch f vor r hielt, wo
es im lateinischen zu b wurde. Es ist also sicher eine irrige
annähme, dafs in einem oskischen wortbestandtheil -barak-
ftir -brak- das b ans f verschoben wäre, während sich
im lateinischen frac-tu-s das f hielt Erst das deutsche
lautverschiebungsgesetz hat im goth. brik-an, ahd. brech-
-an, nhd. brech-an das b hervorgerufen. Huschke's ety«
mologie von trib-arak-a- ist hiermit widerlegt
zum oskischen dialekt. 179
Der Wahrheit am nächsten steht die erklärung von
Mommsen, der den ersten bestandtheil von trib-arak-a-
aus osk. triib-om, den zweiten aus lat. arc-ere erklfirt
(a. o. 8. 303). Triibom wird nun aber dem lateinischen
tri b US gleichgesetzt und dieses mit Pott (et. forsch. I, 217)
als Zusammensetzung vom zahl wort tres mit der verbal-
wurzel fu- als „dreitheil'*, daher im allgemeinen „theil**
gedeutet, so dafs trib-arak-a- eigentlich ,,ein drittel ab-
theilen'^, dann allgemein ,,theilen^ bedeutete. Derselben
ansiebt scheinen die erklärer der umbrischen Sprachdenk-
mäler zu sein, wenn sie im vorbeigehn bemerken, trib-
-arak-a-vum sei der form nach triplicare, ohne sieb-
weiter über die sache auszusprechen (umbr. sprachd. 1, 53).
Aber auch diese deutung läfst sich aus oskischen laut*
gesetzen als unrichtig nachweisen. Das oskische wort trii-
bom kann nicht dasselbe sein wie das lateinische tribum.
Erstens nämlich, da dem lateinischen tribu-, umbrisch
trefu-, trifu- zur seite steht, so mufs auch im oskischen
mit der regelmäfsigen Währung des ursprünglichen f das
entsprechende wort trefu- oder trifu- gelautet haben.
Nach der obigen erklärung ist die wurzel fu- der zweite
bestandtheil jener Wörter. Diese aber insbesondere erhielt,
wo sie zur Wortzusammensetzung oder Wortbildung ver-
wandt wurde, im oskischen immer ihr f, wie die verbal-
formen pro-ffed, aikda-fed, aamana-ffed, fn-fans
zeigen, während es das lateinische in den imperfectbildun-
gen auf -bam und in den futurbildungen auf -bo zu b
sinken liefs. Demnach ist der oskische wortstamm triibo-
verschieden von dem umbr. trifu-, lat. tri bn-, kann also
weder „drittheil^ noch y,theiP bezeichnen. Dies wird nun
zweitens bestätigt durch die betrachtung des Wortzusam-
menhanges, in dem triibom vorkommt Die betreffende
stelle lautet Momms. XXIV, taf. X, 24, 3: V. Viinikiis
Mr. kvaisstur Poropaiians triibom ekak komben-
nieis tanginud opsannam deded, isidum profat-
ted = Vibius Vinicius Marae f. quaestor Pom-
peianus -um hie conventus scito operandum de-
12*
180 Corasen
dit, idem probavit. Die ganze inschrift fand sich auf
der scbeidemauer, welche die sogenannte curia Isiaca vom
Isistempel zu Pompeji trennt. Mit dem dinge, das in die-
ser inschrift triibom genannt wird, soll also die hand-
lung vor sich gehen, die das oskische verbum opsa-um,
lat. oper-are ausdrückt, das heifst: triibom bezeichnet
ein ding, das durch handwerkerarbeit bewerkstelligt oder
hergestellt wird. Insbesondere wird nun aber das verbum
opsa-um auf oskischen Sprachdenkmälern von baumeister-
arbeit gebraucht. So bedeuten in der inschrift des tem-
pelfrieses von Pietrabbondante, wie oben gezeigt ist (Zeit-
schrift XI, 363 f.)? die werte: pestlom opsannam de-
dens : templum operandum dederunt. So erklärt
Mommsen die worte: passtata — opsan . deded : por-
ticum — Operand am dedit(XX. taf. X,20). Wenn auch
hier die genauere bedeutung von passtata nicht ganz si-
cher steht, so bedeutet das wort doch jedenfalls ein bau-
werk oder einen theil eines solchen. Auf einem mauer-
werk geschrieben ist die inschrift, Momms. XXXIX, taf.
XII, 39 a. b: [^Te]vt>s KaXiVLq JStaxxvrivg {Mag^ag
IZofinrisg NvvfAaäii^i^g fiedSei^ ovnctvq [£ii^€]i^
TOVTO Ma^EQTivo [^\7i€klovvrj i öaxoQo = Ste-
nius Calinius Statu f. Mara, Pomptius Numerü
f. medices operaverunt et civitas Mamerti&a
Apollini sacrum. Auch hier können die worte ovn^
öBvg — udnakXovvrji. aaxoQo^ auf ein^n gemftuer ge-
funden, nur bedeuten: „sie haben dem ApoUo ein heilig-
thum gebaut^ nicht sacra fecerunt, wie Mommsen über-
setzt, so wenig im lateinischen sacrum operaverunt in
der bedeutung von sacra fecerunt oder sacrificave-
rnat erscheint. Die vergleichong dieser stellen ergiebf,
daifl auch in den werten triibom — opsannam dedet
auf der mau^ des isistempels zu Pompeji triibom irgend
ein baiiwerk bezeichnet. Da nun fQr den begriff tempel^
gotteshaus, heiligthum bereits drei verschiedene v^drter
nachgewiesen sind, nämlich pestlom, sakaraklom m:id
sakoro, so kann man nicht annehmen, dafs auch trii*
zum oskischen dialekt. 181
boni dieselbe bedeotung habe. Man vergleiche nun latei-
nische inschriflen auf bauwerken. Zu den häufig wieder*
kehrenden formein wie aedifioandum coiraverunt,
faciundum coiravere, die der oskiseben opsannam
dedet entsprechen, finden sich da als object des baues
moirum, moerum, mumm, portas, turreis, fun-
damentum, aedem u. a. (vgl. Ritschi Prise. Latin. Mo-
num. Epigr. Tab. LXIII. LXIV. LXVII; Momms. Insor.
Kegn. Neap. 322. 1119; Fabretti, Glossar. Ital. v. coero-,
p. 882). Da im oskischen der tburm tiurri-, das thor
veru- benannt ist, so wird man eine von diesen bedeu*
tungen dem osk. triibom nicht beilegen können. Es fragt
sich nun, ob sich fär eine bedeutung des Wortes wie ae-
dem, murum, fundamentum auf etymologischem wege
ein anhaltepunkt finden läfst. Ebel vergleicht mit triibom
das kymrische treb, vicus, gälisch a-trab, domicilium,
goth. thaurp, nhd. dorf (zeitschr. VI, 422). Diese Zu-
sammenstellung ist tre£flich, nur hätte aus den oben an-
geführten gründen das lat tribu-, umbr. trifu- aus dem
spiele bleiben müssen. Lautlich st^ht diese Zusammenstel-
lung über jedem zweifei, sachlich ergiebt sich aber f&r die
verglichenen Wörter der allgemeine grundbegri£P „gebäude*.
Nun finden sich auf dem ehemaligen gebiete der oskischen
spräche drei Städte des namens Trebula, nämlich Tre-
bula in Campanien, Trebula Mutusca und Trebula
Suffena im sabinischen, aufserdem ein flecken Trebia
in Umbrien, und der volksname Treplanes, Treblanir
auf den iguvinischen tafeln setzt einen umbrischen Ortsna-
men *Trepla, *Trebla oder einen desselben Stammes
nach einer andern deklination gebildet voraus. Trebula,
*Trebla, *Trepla ist aber ein diminutivum eines Stam-
mes triibu-, tribu-, der durch das beiwort opsannam
als femininum gekennzeichnet ist. Auch in diesen städte-
namen ist also die grundbedeutung „bauwerk^ oder „ge-
mäuer^. Ortsnamen derselben bedeutung sind im griechi-
schen die Städtenamen l^elxog^ ISiov rsixog^ Tai-
182 CoTssen
Xiovg, TBvx^ovaoct, Tbi^Iov^ namentlich ist der letz-
tere eine diminutivform wie Trebula.
Wenn also trilbom „mauer** oder „ bau werk ^ erklärt
werden mufs, so fragt sich nun, was der verbalstamm
trib-äraka* bezeichnet. Wenn in arc-e-re der grund-
begriff „einhegen, wehren, festigen, sichern^ liegt und da-
her arx „wehr, festung" bedeutet, so darf man dieselbe
grundbedeutung auch fOr das oskische verbum -arak-
-a-um für -ark-a-um ansetzen. Das zusammengesetzte
verbum trib-arak-a-um hat hiernach den sinn „ein bau-
werk einhegen** oder „festigen**. Vom geweihten räume
des pomoerium heifst es bei Livius I, 44: certis circa ter-
minis inaugurato consecrabant, ut neque interiore parte
aedificia moenibus continuarentur. So soll nach
den bestimmungen des tempel Vertrages zwischen Abella
und Nola innerhalb des dem Herkules geweihten raumes
(fiisno), dessen grenzen (teremniss) bestimmt angegeben
sind, weder ein Abellaner noch ein Nolaner bauen (triba-
rakavum). Aus diesen gründen ist also trlbarakavum
oben durch aedificare übersetzt worden. Da die tempel
im alterthum zugleich Sammelpunkte des Verkehrs waren, an
denen markte und Volksversammlungen abgehalten wurden,
so zog sich auch anbau in deren nähe. Diesen will auch
der vorliegende vertrag nicht untersagen, er soll nur nicht
innerhalb der dem Herakles geweihten tempelstätie statt-
finden, ut — puri aliquid ab humane cultu pateret soll,
wie Livius an der angeführten stelle vom pomoerium sagt;
aufserhalb der bestimmten grenzen des teropellandes soll
es jedem Abellaner und Nolaner erlaubt sein sich mit Zu-
stimmung des Senates seiner Vaterstadt anzubauen. Ueber
das gebiet von Abella, das an den tempelbezirk angrenzte,
mufs also der abellanische, über das von Nola der nola-
nische senat die Verfügung gehabt, es mufs ager publicus,
Staatsdomäne gewesen sein.
Ich untersuche nun die vom verbalstamme tribaraka-
vorkommenden formen. Tribaraka-vum kann nicht in-
finitiv einer perfectform sein, die der lateinischen auf -vi
zum o«ki8chen dialekt. 183
entspräche, da sich im oskiscben das f der wurzei fu- in
der perfectbilduDg von den verben der a-conjugation sonst
hielt, wie die formen aikda-fed, aamana-fed, pruf-
-fed zeigen, während grade das u schwand, sondern es
ist ein infinitiv des präsens, wie die neuoskiscben formen
molta-um, censa-iim u. a. Aber es fragt sich, wie
sich das v in tribaraka-vum erklärt. Man bat gesagt,
dieses sei eingeschoben oder habe sich aus folgendem
u entwickelt (ßugge zeitschr. II , 383 ; Ebel zeitschr. VI,
422). Aber diese lautentwickelmig findet sich sonst
nicht im oskiscben. Die sache verhält sich anders. Im
altoskiscbeu verhärtet sich u nach o und a vor folgenden
consonanten zu v; das zeigen die formen Lovkanateis,
Luvkis, Luvkl., Novkrinum, Novlanos, lovfreis,
lovfrikouoss, tovtiks, the-savrom, avt. So konnte
mit einer ähnlichen Verhärtung von u zu v die infinitiv-
form von verben der a-conjugation im altoskischen -avm
für -a-um lauten. Dafs sich aus dem v dieser form erst
das folgende u von tribaraka-vum entwickelt hat, schliefse
ich folgendermafsen. Auf münzen von Ausculum Apulum
findet sich dieZaufschrift avj-vaxXi (Momms.unterit.dial.
s. 201.251), während jüngere münzen die formen avöxXa
und avöxki^v .. zeigen (a. o.), aus denen man, verglichen
mit der lateinischen form Ausculum schliefsen mufs, dafs
es eine altoskische form "Avsklom gegeben bat. Aus
dieser entwickelte sich die form Avuskli, welche die zu-
erst angeführte münzaufscbrift avj-vaxXi schreibt. Diese
drückte das altoskische v durch t; aus und setzte zwischen
dieses und das folgende fQr oskisches u stehende i; das
trennungszeichen j. , h. Dieses h dient nämlich auch im
altoskischen wie im umbrischen dazu, den zwischen zwei
getrennt ausgesprochenen aufeinander folgenden vokalen in
der ausspräche hervortretenden hauch zu bezeichnen. Sol-
ches h zeigt sich in den Schreibweisen der wortformen
^olXoj. iau^ xaj.ag^ sakahiter. Wie also aus *Av8-
klom für *Ausklom eine form *Avusklom entstand,
indem aus dem halbvokal v sich der verwandte vokal u
184 Corssen
entwickelte, so erkläre ich tribaraka-vum entstaDden aus
*tribaraka-vm und dieses aus *tribaraka-um.
Es folgt die Untersuchung der formen tribaraka-t-
tu-set und tribaraka-t-tins. Dafs jene die 3. ps.pl.
ind. fut. II, diese die 3. ps. pl. conj. perf. ist, steht längst
fest (Kircbh. stadr. v. Baut. s. 51). Es fragt sich aber
zunächst, was tribaraka-t-tu-set fQr eine bildung ist.
Zu vergleichen sind hier zunächst die formen der 3. pers.
sing. ind. perf. profatted = probavit (Momms. unterit.
dial. s. 288) dadikatted s= dedicavit (zeitschr. XI,
363f) unated = unavit (zeitschr. XI, 403 f.) und der
dritten pers. plur. ind. perf. profattens = probaverunt
und teremnattens = terminaverunt (zeitschr. II,55f.).
Wollte man annehmen, das tt der vorstehenden formen
wäre nur eine mifsbräuchliche Schreibart für einfaches t,
die endungen -ted und -tens derselben aber seien glei-
chen Ursprungs wie das sufBx -O-rj-v des griechischen aor.
passiv, also von skr. würz, dhä-, griech. t/^e-, »^ly- herzu-
leiten, so ist dagegen zu sagen, dafs skr. dh wohl griech.
& und lat. d, nie aber lateinisches t entspricht (Verf. krit
beitr. z. lat. formenl. s.75f.). Da nun dem lat d osk. d, aber
niemals osk. t entspricht, so kann auch osk. t nicht skr.
dh, griech. & entsprechen, mithin können die endungeo
«tted, -ted, -ttens der in rede stehenden verbalformea
nicht mit der griechischen aoristendung -i9*^-v von skr.
WZ. dhä- stammen. Man hat also eine andere erklärung
derselben zu suchen. Schweitzer f&hrt die ansieht eines
ungenannten an, der behauptet, die formen wie profa-t-
-ted, teremna-t-tens, tribaraka-t-tins u. a. seien
von den stammen des part. präs. und den von wurzel fii-
ausgehenden perfectendungen -fed, -fens, -fins gebildet^
und scheint dieser ansieht beizustimmen (zeitschr. 111,215).
Gegen dieselbe ist einsuwenden, dafs die participialstämme
des präsens im oskischen, wie praesentid = praesente
Sseigt, ihr n wahren, dafs man also auch in jenen verbal-
formen das u vor t erhalten finden müftte, wenn jene ab-
leitung richtig wäre* Weiter unten werden eine anzahl
zum oskifchea dialekt. 185
Ton verbalformen besprochen werden, die vom partie. präs.
gebildet sind, und diese haben das n des participialstam-
mes vor t gewahrt.
Auch die zuletzt angeführte abieitnng der hier in frage
stehenden verbalformen ist also nicht richtig. Man wird
vielmehr auf den stamm des partic. perf. geführt als das
nominale thema, von dem dieselben ausgegangen sind, also
die Stämme profa-to-« dadika-to-, una-to-, terem-
na-to-, tribaraka-to- von den verben profa-um, da-
dika-um, una-um, teremna-um, tribaraka-um. Von
diesen participialstämmen sind die denominativen verba
''profa-t-a-um, *dadika-t-a-um, *una-t-a-um, *te-
remna-t-a-um, ''tribaraka-t-a-um gebildet wie die
lateinischen verba iac-t-a-re, mac-t-a-re, labefac-t-
-a-re, sec-t-a-ri, spec-t-a-re, dic-t-a-re, nic-t-
-a-re, cap-t-a-re, rap-t-a-re, temp-t-a-re, ar-t-
a-re, mer-t-a-re u. a. von den participialstämmen iac-
-to-, mac-to-, labefac-to-, sec-to-, spec-to-,
dic-to-, nic-to-, cap-to-, rap^to-, temp-to-, ar-to-,
mer-to-. An jene denominativa vom stamme des perf.
pass. wurden nun zur perfectbildung formen des hülfszeit-
wortes der wurzel fu- gefügt. Traten diese an verba der
a-conjugation, so konnte das a derselben erhalten bleiben
wie in aikda-fed, aamana-fed. Es konnte aber auch
der vokal des conjugationscharakters ganz schwinden, und
dann assimilierte sich das anlautende f der form von der
wurzel fu- dem vorhergehenden consonanten. Das zeigt
deutlich prof-fed f&r *profa-fed (AK. nmbr. sprachd.
II, 160 anm.) verglichen mit ops-ed för *opsa-fed ne-
ben opsa-nnam. In ops-ed ist also erst der charak-
tervokal a geschwunden, dann hat sich das f des Suffixes
-fed zu s assimiliert, nach p konnte aber nur ein s ge-
sprochen und geschrieben werden. So ist profa-t-ted
entstanden aus *profa-ta-fed, in dem der charaktervo-
kal a schwand und f sich dem vorhergehenden t assimi-
lierte, ebenso tribaraka-t-tuset aus *tribaraka-t-a-
fuset, in gleicher weise auch tribaraka-t-tins aus
186 Coneen
""tribaraka-t-a-fiDä und ähnlich die übrigen hier be-
sprochenen gleich gebildeten perfectformen. Dafs im um-
brischeu grade so der conjugationscharakter a von verben
der a-coDJiigation schwand und das anlautende f der form
von Wurzel f u - sich dem vorhergehenden consonanten assi-
milierte, zeigt die form port-ust fllr *porta-fust =:por-
taverit verglichen mit porta-ia = portet (AK. umbr.
sprachd. I, 145 f.)* Im lateinischen geben so das a des
conjugationscharakters im perfect und den davon abgelei-
teten formen auf crep*ui, cub-ui, dom-ui, son-ui,
vet-ui, mic-ui, fric-ui, sec-ui. Sie weichen nur darin
von jenen umbrischen und oskischen formen ab, dafs sie
das f der wurzel fu- ganz eingebüfst haben. Auch der
volskische dialekt zeigt dieselbe perfectbildung wie die be-
sprochene oskische in der form sistiatiens = statue-
runt, die, wie ich anderen orts nachgewiesen habe, zu-
nächst aus ""si-sta-t-tens entstanden ist (de Volscor.
ling. p. 5), das auf ursprüngliches ^si-sta-t-a-fens zu-
rückführt, indem auch hier der charaktervokal des deno-
minativen verbum schwand und f sich zu t assimilierte.
Von Seiten der lautlehre wie der wortbildungslehre glaube
ich also meine erklärung der obigen oskischen verbalfop-
men gerechtfertigt zu haben. Man könnte vielleicht ein-
wenden, es sei doch seltsam, dafs das oskische statt der
gewöhnlichen regelrechten perfecta von verboi der a-con-
jugation wie aamana-fed oder pruf-fed, zu solchen
weitschichtigen perfektbildungen greife, indem es von den
participien perf. pass. neue denominativa der a-conjngation
und von diesen wieder zusammengesetzte perfecta bildet
Dagegen ist zu sagen, dafs auch im lateinischen und an-
deren verwandten sprachen einfache perfecta aus dem ijre-
brauch kommen und durch stellvertretende ersetzt werden.
So ist, um bei dem lateinischen stehen zu bleiben, das
perfectum von fero abgekommen und tuli an dessen stelle
getreten, in tollo ist statt des einfachen perfecta das vom
compositum sustuli gebräuchlich geworden, so statt des
regelrechten perfecta von medeor das perfectum piedi-
znm oskischen dialekt. 187
catus 8um des denominativB medicari vom nomen me-
dicus. So konnten auch im oskischen statt einfacher re-
gelrechter perfecta vfie aikda-fed, prof-fed perfecta
von denominativen des participialstammes treten wie pro-
fa-t-ted u. a. Eine wesentlich verwandte ändernng des
Sprachgebrauchs zeigt sich auch in der verschiedenen Bil-
dung des lateinischen und oskischen perfects des passivs
und den davon abgeleiteten formen. Im altlateinischen
wurde dasselbe wie die passive präsensform durch anfä-
gung der endung -u-r von dem activen perfectum gebil-
det; das zeigen die alten formen faxit-ur, turbassit-ur
neben faxit, turbassit (Verf. ausspr. 11, 38 ), an deren
stelle dann später das umschreibende perf. pass. mit dem
part. perf. pass. und den conjugationsformen der hOlfszeit-
wörter es- und fu- getreten ist wie in factus erit, tur-
batus fuerit u. a. Im oskischen zeigt eben jene alte bil-
dung der 3. pers. sing. ind. fut. U pass. die form com-
-parasc-ust-er, von einem verbum com-parasc-um,
durch vokaleinschub aus *com-parsc-um erweitert, das
dem lat. com-posc-ere entspricht (Verf zeitschr. X,162).
Daneben zeigt sich dann im oskischen das umschreibende
perf. pass. in den formen profto set ss= probata sunt,
scriftas set == scriptae sunt, teremnatost = ter-
roinata est, pusstist = positum est. Das part. perf.
pass. ist also im oskischen zu neubildnngen des activen
wie des passiven perf. verwandt worden. Neuere sprachen
umschreiben bekanntlich vielfach ihr perf. act. durch das
participium perf pass. mit hinzugefQgtem hülfsverbum.
Das wort fiisno, von dem aulser diesem nom. sing,
noch der acc. sing, fiisnam und der locat. fiisnim vor-
kommen, habe ich bereits bei der erklärung der inschrift
von Pietrabbondante mit umbr. fesna zusammengestellt,
mit diesem und lat. fesiae, feriae, festus von skr. wz.
bh4s-, splendere, lucere hergeleitet und als „heiligen, gott-
geweihten bezirk*' erklärt (zeitschr. XI, 418 — 424, vgl. Verf.
krit. beitr. s. 195 f.). Theile dieses fiisno waren das sa-
karaklom, das heilige haus des Herakles und das terom,
188 Conaen
das heilige laod, das den pascua und lucus bei dem
tempel der Juno Lacinia entspricht, von denen unten noch
die rede sein wird.
Feihoss ist von Peter (a. o. 8.77) ficos erklärt
worden. Mommsen deutet das wort res fixa und bringt
OS mit figere zusammen (unterit. dial. s. 380)* Das wäre
lautlich möglich, da auch die oskische namensform Mahiis
der lateinischen Magius entspricht (Verf. zeitsehr.XI,327).
Aber es findet sich nirgends ein anhält zu bestimmen, was
mit einem solchen „festgemachten dinge ^ eigentlich ge-
meint sei, da grenzmarken, grenzsteine, grenzpfale sonst
teremennio genannt werden. Bugge will feihoss toi"
Xovg erklären. Dieses stehe wahrscheinlich fQr *r>roi-
Xovg und stamme von skr. wz. tvaksh- (zeitschr. V, 4).
Um diese annähme glaublich zu machen, müfste man ent-
weder beweisen, dafs oskisches und lateinisches f griechi-
schem und sanskritischem t entspräche, was niemals der
fall ist, oder dafs auf italischem sprachboden anlautendes t
wegfiele und folgendes v sich dann zu f gestaltet hätte,
was ebenso wenig vorkommt. Skr. dvara neben lat fo-
res und griech. avxov neben lat. ficus beweisen für jene
annahmen gar nichts (vgl. Verf. krit. beitr. s. 177 f.). Man
sieht nun aber auch gar nicht ab, aus welchem gnuide
die ansieht von Peter, dafs feihoss ficos bedeute, oboe
Widerlegung von den späteren erklärem beseitigt worden
ist. Peter führt aus Livius die stelle über den tempelbe-
zirk der Lacinischen Juno an, XXIV, 3: Luous ibi fre-
quenti silva et proceris abietis arboribus saeptus laeta
in medio pascua habuit, ubi omnis generis sacrum deae
pecus pascebatur. Also hier werden bäume genannt, wel-
che den heiligen bezirk der Juno Lacinia umscbliefsen und
es wird auch die baumart genannt, nämlich tannen. Dazu
pafst es also sehr wohl, wenn auf dem stein von Abella
bäume genannt werden, welche den tempelbezirk des He-
rakles begrenzen, und wenn hier ebenfalls die baumart,
nämlich feigenbäume, bestinmit bezeichnet wird. In einer
andern Urkunde einer römischen tempel weihung heifst es:
zum oskiachen dialekt. 188
Or. 2090: Tempi am cum arboribus constituit Auch
hier werden also bäume als zubehör zu einem tempelbe-
zirk aufgef&hrt. Sachlich ist also Peters gleichstellung
von osk. fei ho SS und lat. ficos wohl gerechtfertigt. Lautp-
lieh könnte man noch einwenden, dafs sich oskisches h
an der stelle von lateinischem c bis jetzt mit Sicherheit
nur vor t in den oben angefahrten formen nachweisen Iftlst.
Die beiden namensformen Marhies und Marahieis sind
casusformen von einem stamme Mar hio-, Marahio-, der
aller Wahrscheinlichkeit nach dem lateinischen Marcio-
entspricht. Mommsen bemerkt zwar, dafs auf den beiden
nclanischen pateren, wo diese namen vorkommen, nicht
alles als rein oskiseh gelten könne (untcrit. dial. s. 277);
aber durch den vokaleinschub des a nach r, den die form
Marahieis neben Marhies zeigt, sind diese namen als
oskische gekennzeichnet. Ich zweifele daher nicht, dafs
auch in feihoss das oskische h aus c erweicht ist wie in
Uhtavis, ehtrad, saahtom, Marahieis, Marhieis,
während in den entsprechenden lateinischen wortformen
Octavius, ecstra, sanctum, Marcius sich das c hielt.
Dafs aber ficus im lateinischen, wo es den bäum bezeich-
net, femininum ist, während feihoss mascuiinum ist, kann
man nicht als grund gegen die Zusammenstellung beider
geltend machen. Neben dem lateinischen femininum terra
steht ja auch das oskische neutrum terom neben grie-
chisch-lateinischem thesaurus im oskischen das neutrale
thesavrom.
Meine Übersetzung von pert viam : trans viam
ist durch den früher von mir gegebenen nachweis gerecht-
fertigt, dafs die umbrisch- oskische präposition pert „ge-
trennt, abseits, jenseits^ bezeichnet und besonders auf den
iguviniscben tafeln wie auf dem stein von Abella in dieser
letzteren bedeutung erscheint, dafs per-t eine casusform
eines nominalstammes per-ti- ist, wahrscheinlich eine ab-
gestumpfte ablativform, am nächsten verwandt mit osk.
per- um 9 das die bedeutung sine hat in der formet pe-
rum dolom mallom sr= sine dolo malo auf der tafel
190 Consen
von Bantia (z. 14. 15. Kirchh. stadtr. v. Bant. s. 79) und
mit lat. per-en- in per-en-die wie mit per (zeitschr.
VI, 101 - 110, vgl. Ebel zeitschr. V, 417f.). Pert viam
steht also in dem vorliegenden vertrag wie trans viam
in dem grenzregulierungsvertrag zwischen Genuaten und
Veiturier, Ritschi, Prise. Lat. Mon. epigr. tab. XX, 11:
Ibei terminus stat propter viam Postumiam, inde al-
ter trans viam Postumiam terminus stat.
In der wortform posstist hat Mommsen richtig eine
3. pers. sing. ind. perf. pass. des oskischen verbum erkannt,
das dem lat. ponere entspricht. In derselben gehört der be*
standtheil posst- jedenfalls einem participialstamme po-
sto- an, der in den latein. participialformen postum,
opposta, disposta, praeposta, compostum, repo*
st US (Verf. ausspr. I, 22) ebenso gestaltet erscheint. Das
doppelte 8 in posst- ist ebenso mifsbräuchliche Schreib-
weise wie in kv aisstur. Es läfst sich nun aber nachwei-
sen, dafs postist nicht positus est bedeutet, wie Momm-
sen annimmt, sondern positum est. In der ioschrift über
den pompejanischen strafsenbau (zeitschr. II, 55; vgl. Kirchh.
allgem. monatsschr. 1852, p. 589; Bullet. Napol. n. s. 1,82)
bedeutet vio teremnatost: via terminata est. Hier er-
scheint also ist enklitisch an das vorhergehende partici*
pium gelehnt wie est in den Schreibweisen lateinischer in*
Schriften situst, vocitatust, relatast, dedicatast,
positast, vocitatast, sitast, passast, quälest, ne-
cessest, nequitiaest, nostrost, seniost. Hieristalso
überall est zu st abgestumpft und ebenso ist in der oski-
schen form teremnatost. Wäre also ist an postos oder
posst US getreten, so hätte eine form ^postost oder
*po8stust entstehen müssen, die den lat situst, vocita-
tust analog ebenfalls ist zu ^st abgestumpft hätte, vor fol-
gendem t aber nur eines der beiden so zusammengetroflfenen
s bewahren konnte. Man kann dagegen nicht einwenden, im
oskischen sei vor dem s des nominativs das o der o-stämroe
immer geschwunden. Facus estnd erscheint aufdertafel
von Bantia (z. 32) unzweifelhaft in der bedeutung faotus
zum oskischen dialekt. 191
est. Man kann nicht umbin das facns einfach als nom. sg.
part. perf. pass. anzusehen und Kirchhofs meinuug beizutreten,
dafs *factus sich im oskischen zu ^faccus assimilierte,
und dafür nach der häufigen inconsequenz der oskischen
Sprachdenkmäler in der Schreibung einfacher oder doppel-
ter consonanten facns geschrieben ward ( umbr. sprachd.
1,169; stadtr. v. Baut. 8.31). Ebenso kann praefucus
(t. Baut. z. 23) = praefectus nur aus *praefuctus er-
klärt werden (Kirchh. a. o. s. 40). Bugge, von der Vor-
aussetzung ausgehend, dafs das o der o- stamme vor dem
8 des nominativs immer wegfallen mfisse, erklärt die no-
minativformen facus, praefucus, sipus aus *facvus,
*praefucvus, *sipvus. Aber erstens zeigen die nomi-
nativformen [Plajpiu fttr *Flapius und Hereniu fiir
Herenius (Verf. zeitschr. XI, 339. 401 f.), dafs jener Weg-
fall des auslautenden Stammvokals vor dem s des nomina-
tivs keineswegs iiberall stattfindet; zweitens aber bildet das
Suffix -vo in den von Bugge verglichenen lateinischen bil-
dungen wie individuus, perspicuus u. a. nirgends im
lateinischen oder den verwandten sprachen participien perf.
pass., was doch facus und praefucus sicher sind, und
individuus, perspicuus sind handgreiflich in ihrer be-
deutung verschieden von indivisus, perspectus. Auf
mortuus kann man sich natürlich hier nicht berufen, da
in diesem worte das suffix -vo nicht an einen verbalstamm
getreten ist, sondern an den abgestumpften nominalstamm
mort-. Dasselbe bedeutet also „mit dem tod behaftet^
und ist nur an die stelle eines verloren gegangenen parti-
cips von mori getreten. Also nach der analogie der os-
kischen Schreibweise terminatost und der lateinischen
bitust, vocitatust müfste man fQr osk. "^posstus ist:
*po8stu8t erwarten. Denkt man sich aber vollends an
eine nominativform ^possts, die das auslautende o des
Stammes eingebüfst hätte, ist angeftigt, so gäbe das ent-
weder *posstsi8t oder gar ^posstsst, das in der aus-
spräche nur auf "^post hinauskommen könnte. Ich fasse
daher posstist als neutrales positnm est und begründe
192 Consen
dieses folgeodermafseD. Dafs das auslautende m im oslci-
schen einen ähnlichen schwachen, dumpfen ton hatte wie
im lateinischen, besonders im altlateinischcn und in der
spätlateinisehen Volkssprache, ergiebt sich daraus, dals es
auch auf oskischen Sprachdenkmälern häufig nicht geschrie-
ben wird. So finden sich in der inschrift über den Wege-
bau von Pompeji (a. o.) neben viam punttram Staf[i]a-
nam, dekviarim die Schreibweisen via, Pompaiiana,
kaila, Joviia und ebenso ius-su = ii-dem und ini
mit weglassung des m geschrieben. Auf andern denkmä-
lern fehlt das auslautende m in isidu (Mommsen XXI)
tiurri, ini, veru, Sarinu (a. o. XXIX a. b). Für veru
Sarinu, das portam Sarinam bedeutet (Bugge zeitschr.
II, 385; Verf. zeitschr. II, 129 f.) findet sich einmal versa-
rinu geschrieben. Hier ist also die silbe -um von *ver-uni
in ausspräche und schrift ganz geschwunden, wie im latei-
nischen die endsilben -am, -em, -im, -um ganz ver-
klingen konnten (Verf. ausspr. II, 106f.). So konnte dem-
nach auch von ""posstum die endung -um schwinden wie
von "^ver-um zumal vor vokalischem anlaut des folgenden
Wortes ist, daher posstist tüv ""posstum ist gespro-
chen werden wie im lateinischen animadvertere für
animum advertere, venire fQr venum ire. Jeden-
falls ist es lehrreich, dals der oskische dialekt dieselbe
neigung zeigt, in der ausspräche endsilben, die anf vokale
oder schwachtönende consonanten auslauten, mit dem an«-
laut des folgenden wertes zu verschleifen und zu Ter-
schmelzen wie das lateinische, und das ist ein neuer be«-
weis dafür, wie verkehrt es ist, bei der synizese und sy-
nalöphe im lateinischen von dichterischen licenzen zu reden.
Die Partikel i-p kann der lateinischen i<-bi nur 8o weit
gleichgesetzt werden (Mommsen unterit. dial. s. 265), als
beide den pronominalstamm i enthalten. Die der lateini-
schen i-bi, i-bei entsprechende pronominalpartikel würde
oskisch sicherlich *i-fei lauten, wie lateinischem si-bi,
si-bei, oskisch si-fei auf der bleiplatte von Capua (zeii-
flckrift XI, 338) entspricht, oder mit abfall des auslauten-
znm oskischen dialekt 193
den vokale *i-f nach der analogie von pu-f für *pu-fei
= u-bi. Die form pu-f zeigt, dafs von *i-f das aus-
lautende f nicht zu p geworden wäre, mithin dasselbe in
i-p anderen Ursprungs sein mufs. Mit dem p von nei-p,
ne-p = ne-que, das aus der enklitischen partikel -pld
= *que gekürzt ist (Mommsen unterit. dial. s. 281. 290)
vermag ich das p von i-p nicht gleichzustellen wegen der
bedeutung des wertes „daselbst^; ich finde in demselben
vielmehr die lateinische partikel -pe von nem-pe, die zu
p abgestumpft erscheint in den zusammengesetzten prono-
men und pronominalpartikeln i-p-su-s, ea-p-se, eam-
-p-se, eo-p-se, se-p-se, sa-p-sa, re-a-p-se (fllr
re-ea-p-se), si-rem-p-se (Verf. ausspr. 11,274). Die
oskische partikel i-p entspricht also dem bestandtlieil i-p-
von i-p-su-s, nur dafs das i in jener nicht der prono-
minalstamm i- ist, sondern eine abgestumpfte casusform
desselben, also etwa eine neutrale accusativform oder eine
locativform. Wenn i-p-su-s, dessen letzter bestandthcil
der pronominalstamm so-, sa- ist, der „selbst, selber" be-
deutet, so ist klar, dafs im oskischen i-p „daselbst" be-
deuten, also auf den sinn von i-bi hinauskommen konnte.
Postin, umbr. pustin ist richtig als eine locativ-
form erkannt worden und zwar von einem nominalstamm
posti-, dessen ablativform noch im lat. postid-ea er-
scheint, aber auch in den abgestumpften formen lat. po-
ste, post, pos, osk. post, umbr. post, pos, pus (Curt.
zeitschr. I, 268,* Bugge zeitschr. V,4f.; AK. umbr. sprachd.
II, 325f.). An den stamm posti- ist also dieselbe loca-
tivendung -in getreten, die in den locativen hört- in,
kerrii-in von den stammen horto- und kerriio- und
in der sabellischen locativform as-in == in ara vom
stamme asa (Verf. zeitschr. X, 15) sich zeigt (Verf. zeitschr.
V, 127) und posti-in verschmolz dann zu postin.
Curtius deutung von oit-tiu-f aus altlat. oit-ier,
ut-i (a. o. s. 494) ist schlagend und die bedeutung usus
nicht zweifelhaft. Von dem sufBx -tiu-f ist oben die rede
gewesen.
Zeitachr. f. vgl. tprmchf. XIII. 3. 13
194 Corsaen
Nach den bisherigen erörterungen brauche ich f&r den
folgenden satz des Steines von Abella nur die Übersetzung
zu geben:
Ekkum svai pid Abellanos | tribarakattuset.
Item si quid Abellani aedificaverint,
iok tri I barakkiuf inim oittiuf | Abellanum
haec aedificatio et usus Abellanorum
estud:
esto.
Auch der nächste satz bietet wenig bemerkenswerthes:
Avt I post feihois, pos fisnam am | fret,
Autem post ficos, quae fanum ambeunt^
eisel terei nep Abel | lanos nep NovlanoB
in illa terra neque Abellani neque Noiani
pidum I tribarakattins.
quidem aedificaverint.
Da in den oskischen partikeln au-ti, av-t, au-t,
den umbrischen o-te, u-te, den lateinischen au-tem,
au-t, der griechischen av-re die gemeinsame grundbe-
deutung »andrerseits" vorliegt, und lat. au-tem diese be-
deutung nachweislich im gebrauch der besten Schriftsteller
noch hat, so habe ich das oskische av-t hier durch au-
-tem wiedergegeben, ohne mich an die lateinische Wort-
stellung zu binden.
Pi-dum erklärt Mommsen zweifelnd quid-dam(uii-
terit. dial. 290). Allein ich verstehe nicht, wie die bedeu-
tung „ein gewisses^ in den Zusammenhang des obigen
Satzes passen soll. Man erwartet ein wort mit der be-
deutung von quid-quam „irgend etwas". Ich habe des-
halb früher pi-dum aus ""pid-pum erklären wollen, das
ich dem lateinischen quod-cum-qne gleichstellte, so daCs
also p sich vorhergehendem d assimiliert hätte, und dann
nur ein d geschrieben wäre. Allein da das oskische pid-
pid SB quid^quid lehrt, dafs sich das anlautende p ei-
ner enklitisoh angefügten form des pronomen relativnm
oder indefinitom vorhergehendem d nicht assimiliert, so
mufs ich jenen erklämngsversuch verwerfen. Folgerichtig
zum oskischen dialekt. 195
mufs man in dem -dum von pi-dum dasselbe wort fin-
den wie in isi-dum, isi-du = i-dem und in ius-su
für *iu8-dum = ii-dem, also das lateinische enklitische
-dem, über dessen ursprüngliche bcdeutung „den tag,
damals^, aus der die gewöhnliche „eben^ hervorgegangen
ist, ich meine ansieht anderen orts wiederholt dargelegt
habe (ausspr. II, 148 f. 283. 356 ; krit. beitr. s. 498. 504).
Pi-dum entspricht also genau dem lat. qui-dem und be-
deutet wie dieses „freilich, allerdings^. Es dient im zu-
sammenhange des vorliegenden satzes dazu das ausgespro-
chene verbot schärfer hervorzuheben.
Anlafs zu eingehenden sprachlichen Untersuchungen
bieten noch die beiden letzten sätze auf der rückseite des
Steines von Abella.
Avt the I savrom, pod esei terei ist, | pon
Autem thesaurum, quod in ea terra est, cum
patensins, moinikad ta[n] | ginod patensins,
aperuerint, communi scito aperuerint,
inim pid e[sei] | thesavrei pokkapid
et quid (quid) in eo thesauro quandoque
e[htrad] | [ojittiom alttram, altt[ros] j
extra usum alterum, alteri
[hjerrins.
ceperint.
Hier ist zunächst die sprachlich merkwürdige form
patensins in betracht zu ziehen. Mommsen hat den sinn
des verbum: aperire richtig erkannt, fafst die form aber
als 3. pers. plur. conj. praes. (unterit. dial. s. 285). Dafs die^
selbe die 3. pers. plur. conj. perf. ist und im nachsatz, der
die Imperativische gesetzliche bestimmung enthält, verwandt
ist wie in demselben vertrag die conjunctivformen des perf.
fusid und tribarakattins und wie auf der tafel von
Bantia hipid, pruhipid, fefacid, ist von Bugge un-
zweifelhaft richtig nachgewiesen (zeitschr. V, 5). Aber in
der erklärung des bestandtheiles patens- der verbalform
patens-ins geht dieser gelehrte fehl. Er behauptet näm-
lich, von WZ. pat- sei ein oskisches substantivum *pat-
13*
196 Corssen
-n-08, ofibung gebildet, aus diesem durch ausfall des o
*pat-n-8 entstanden und dann zwischen t und n ein e
eingeschoben worden. Von dem so entstandnen thema
Spatens- sei dann ein denominatives verbum ^patens-
-a-um gebildet (a. o. 6). Aber nirgends ist im oskischen
eine spur davon zu finden, dafs so ein beliebiges e einge-
schoben würde. War die angebliche form *pat-n-8 «u
hart für die ausspräche, nun so hatte ja die oskische spra^
che ein einfaches mittel diese härte zu meiden, nämlich
das a der vorhergehenden silbe nach der üblichen weise
des vokaleinschubs zwischen t und n durchlauten zu las-
sen und *pat-a-n-8 zu bilden aus *pat-n-s wie Al-a-
-faternum für *Alfaternum, sak-a-rater für *8akra-
ter. Die obige erklärung ist also unhaltbar und eine an-
dere zu suchen. Bugge folgert aus dem ablativ prae-
sentid = praesente richtig, dafs derselbe nicht von
einem consonantischen thema praesent- gebildet sein
könnte, da sonst der ablativ auf -ud auslauten müfste wie
lig-ud, tangin-ud von den consonantischen stammen
lig- und tangin- fbr tangion-, sondern zu dem i-stamme
praesent-i- gehöre, dafs also participialstämme auf -nt
im oskischen durch angefügtes i erweitert seien (zeitschr.
m, 425). Dies wird bestätigt durch die lateinischen for-
men abl. sing, praesent-i, nom. acc. plur. neutr. prae-
sent-i-a, gen. plur. praesent-i-um, die wenigstens zei-
gen, dafs in gewissen casus eine erweiterung von partici-
pialstämmen auf -nt durch hinzugefügtes i stattgefunden
hat. Diese Wahrnehmung Bugges bietet den Schlüssel zur
deutung der form patens-ins. Von einem dem lateini-
schen patere entsprechenden oskischen verbum würde der
durch i erweiterte participialstamm patenti- lauten, ein
von demselben gebildetes verbum der a-conjugation also
pat-enti-a-um. Wie nun aus Bantia, der ursprünglichen
im lateinischen erhaltenen form des Stadtnamens, im oski-
schen neben der form des einwohnernamens Baut- in-s =
Bant-inu-s durch die auf italischem sprachboden weit
verbreitete assibilation des t vor i mit folgendem vokal nnd
zum oskiechen dialekt. 197
schwinden des i BaDsa geworden ist (vgl. Verf. krit. beitr.
8.478 f.), so ward aus patenti-a-um regelrecht patens-
-a-uin. Von diesem verbam ist nun patens*ins grade
so gebildet, wie von tribarakata*um: tribarakat-
-tins. Die an den verbalstamm herangetretene form des
hülfszeitworts fu- war *-fins för *-fuins, der charakter-
vokal der a-conjugation fiel vor derselben aus wie in den
oben besprochenen perfectformen ops-ed, prof-fed u.a.,
das f derselben assimilierte sich dem s von pateus-, wie
dieselbe assimilation in ops-ed stattgefunden hat. Nach
n ward aber nur einfaches s gehört und gesprochen, so-
mit ist jede spur des f geschwunden. Im lateinischen ist
ein denominatives verbum der a-conjugation vom stamme
eines part. präs. act. gebildet par-ent-a-re vom partici-
pialstamme par-ent-. Lautlich wäre es auch möglich,
dafs von dem oskischen participialstamm pat-enti- durch
anfügung des suffixes -ia erst ein substantivum gebildet
wäre nach art der lateinischen lic-ent-ia, pati-ent-ia,
paenit-ent-ia, impud-ent-ia, ignor-ant-ia und von
einem substantivum "^pat-ent-ia erst das denominative
verbum pat-enti-a-um. So ergiebt für das lateinische aus
der alten wortform lic-ent-i-a-tu (Laber. Non. p. 144;
Gerl. Ribb. Com. rell. Laber. v. 70), dafs von dem nomen
lic-ent-ia erst ein denominatives verbum *lic-ent-i-
-a-re und von diesem erst jenes alte substantivum gebil-
det ist, wie die bildungen consul-a-tu-s, tribun-a-
-tu-8, princip-a-tu-s u. a. von denominativen verben
der a-conjugation ausgegangen sind (vgl. Verf. krit. beitr.
s. 339). Allein da das oskische, wie oben nachgewiesen
ist, vom part perf. pass. denominative verba der a-conju-
gation gebildet hat, so liegt die schlufsfolgerung nahe, dafs
sie solche auch vom part. präs. act. bildete. Ich ziehe so-
mit die oben gegebene einfachere erklärung von paten-
sins vor.
Diese erhält eine stütze durch einige umbrische ver-
balformen, die hier zergliedert werden sollen; und zwar
zunächst die formen combifianpiust (t. Ig. VI b, 49),
198 Corssen
combifiansiust (a. o. VIb, 52), combifianpust (a. o.
Vna,5), combifianpi (a. o. VIb, 52; vergl. AK. umbr.
sprachd. II, 241. 249. 275). Diese gehen mit der impera-
tivform kumpifiatu und der conjunctivform kupifiaia
auf ein zusammengesetztes verbum der a-conjugation com-
-bifia-um zurück. Den sinn desselben: conspicere haben
Aufrecht und Kirchhof aus dem zusammenhange richtig
erschlossen (a. o. 275). Bngge hat diese bedeutung durch
die etymologische erklärung, nach der die wurzelform bif-
in dem verbum -bif-i-a-um auf skr. wz. budh- animad-
vertere, cognoscere zurückzuführen ist (zeitschr. III, 40;
vgl. Verf. krit. beitr. s. 200), sicher gestellt. Von dem ver-
bum com-bifia-um würde der stamm des part. präs. act.
nach oskischer und lateinischer weise durch ein hinzugetrete-
nes i erweitert, com-bifianti- gelautet haben und ein von
demselben abgeleitetes verbum der a-conjugation *com-
*bifianti-a-um wie vonosk. patenti-: *patenti-a-nm.
Nun ging im umbrischen der k-laut vor folgendem i oder
e in einen scharfen zischlaut über, der entweder durch ei-
nen eigenen buchstaben d, das ist ^, oder durch einfaches
8 ausgedrückt wird; so z. b. in Sanpie neben Sansie,
vestipia neben vestisia (AK. umbr. sprachd. I, 71 f.).
Folgte nach dem i noch ein vokal, so fiel auch das i nach
9 und s zum theil aus, so in vesti^a, vestisa neben
vestipia, vestisia. Da nun die assibilation des t zu s
vor i mit folgendem vokal im lateinischen wie in den ver-
wandten dialekten frühzeitig weit um sich gegriffen hat
(vgl. Verf. krit. beitr. s. 468 f.)? so ist man berechtigt diese
auch für das umbrische anzunehmen.
Dafs dem so ist, beweisen die verbalformen pnrti-
tius, purdinpiust, purdin^ust, purdin^us, die, wie
sich weiter unten ergeben wird, aus der grundform *pur-
dintiust durch assibilation entstanden sind. Aus dem
verbalstamme com-bifiantia- konnte also durch dieselbe
assimilation com-bifian^ia-, com-bifiansia- und mit
schwinden des i com-bifian^a-, com-bifiansa- wer-
den. Von diesen sind die formen der 3. pers. sing. ind. fut.
zum oskischen dialekt. 199
II act. com-bifian^i-ust, com-bifiansi-ust, Com-
bi fianp-ust ebenso gebildet wie vom verbalstamme der
a-coDJugation porta-: port-ust, d.h. der charaktervo-
kal a und das anlautende f des ao den verbalstamm ge-
fügten -fust sind geschwunden. Dafs com-bifianp-i
3. pers. sing. conj. perf. act. ist, ergiebt erstens der zusam-
menhang, t. Iguv. VI, 51: Sururont combifiatu va*
pefe avieclu, neip amboltu, prepa desva combi-
fian^i = Deinde conspicito ad lapides (?) -os,
neve ambulato, prinsquam -am conspexerit (AK.
umbr. sprachd. 11, 248. 275). Dals hier nach pre-pa =
prius-qnam der conj. perf. besser palst als der conj. präs«,
den die erklärer der umbr. Sprachdenkmäler hier anneh-
men, ist klar. Da nun sonst der conjunctivcharakter des
präsens im umbrischen immer ia oder a ist (a. o. I, 141)
mit alleiniger ausnähme des conj. präs. der wurzel es-
(a. o. 143), so kann auch com-bifianp-i mit seinem con-
junctivzeichen i nicht präsens sein. Com-bifian9-i hat
das personalzeichen t eingebüfst wie si f&r ""sit, fa^ia für
""fa^iat, portaia f&r ""portaiat, es zeigt den conjunctiv-
Charakter i wie die formen des perf. conj. osk. hip-i-d,
pruhip-i-d, fefac-i-d, tribarakatt-i-ns, patens-
-i-ns, und hat wie die oben besprochenen perfectfor-
men und wie patens-i-ns den charaktervokal a und
das f des hülfszeitworts eingebüfst. Com-bifian^-i ist
also 3. pers. sing. conj. perf. act. und die form ist sprach-
lich deshalb wichtig, weil sonst bis jetzt noch keine form
des conj. perf auf umbrischen Sprachdenkmälern nachge-
wiesen ist
Es sollen nun die umbrischen verbalformen pur-titi-
-us, pur-tin9-ust, pur-tin^-us, pur-din^-us, pur-
-dins-ust, pur-dins-us, pur-tii-us als bildungen
nachgewiesen werden, die von einer grundform *pur-
-dinti-ust ausgegangen und bis auf die erste durch assi-
bilation des t entstellt sind, ähnlich wie com-bifianpi-
ust, com-bifian^-ust, combifians-iust, und ebenso
wie diese von dem stamm eines part. präs. act. ausgegan-
200 Corssen
gen sind. Dafs alle jene formen, deren einige das auslau-
tende t der dritten person eingebüfst haben, gleichbedeu-
tend sind und den sinn von porrexerit haben, ist von
den erklärern der umbrischen Sprachdenkmäler scharfsin-
nig nachgewiesen worden. Um sich davon zu überzeugen,
vergleiche man folgende stellen der iguvinischen tafeln:
la, 33: Api-purtitius -titu = Postquam — porre-
xerit — dato (AK. II, 224. 231); Vlla, 43: Ape pur-
tinpiust, carsitu = Postquam porrexerit, calato
(a. o. 287 f. 289); Ib, 33: Pune purtinpus, karetu =
Cum porrexerit, calato (a. o.); VIb, 37: Ape — pur-
dinpus — dirstu = Postquam — porrexerit — dato
(a. o. 224f. 230); VIb, 38: Dirstu — pue — purdinpus
= Dato — quo — porrexerit (a. o.); VIb, 16: Ape
eam purdinsust — dito = Postquam eam porre-
xerit — dato (a. o. 203. 210); VIb, 24: Eront poi —
purdinsust — fetu = Idem qui — porrexerit —
facito (a. o. II, 213. 230); VIb, 23: Ape purdinsus —
fetu = Postquam porrexerit— facito (a.o.); la, 27:
Ape — purtiius — fetu = Postquam — porrexe-
rit — facito (a. o.); Ia,30: Ape erek purtiius — fetu
= Postquam id porrexerit — facito (a.o.231);IIa,7:
Pune purtiius — fetu = Cum porrexerit — facito
(a. o. 381); IIa,9: Ape purtiius — fetu = Postquam
porrexerit — facito (a. o.). Dafs alle diese in rede
stehenden formen von einer grundform 'pur-dinti-ust
verbildet sind durch assibilation, ist den genannten forschem
nicht entgangen (a. o. 11, 213. 204; vergl. I, 145); die bil-
düng dieser grundform aber lassen dieselben unerklärt. Auf
diese wende ich nun die von osk. patens-ins, umbr. com-
-bifianp-iust u.a. gegebene erklärung an. Die wurzel
da-, „geben^ erscheint umbrisch zu *-di- geschwächt in den
formen des part. perf. pass. pur-di-to, pur-di-tom,
pur-di-ta, pur-ti-to, pur-ti-taf, von dem zusammen-
gesetzten verbalstamm pur-di-, wie in der oskischen da-
-di-ka-fed = de-di-ca-vit und in den lateinischen
e-di-tum, de-di-tum, pro-di-tum, tra-di-tum a.a.
zum oskischen dialekt. 201
Von dem verbalthema pur-di- wird regelrecht ein partici-
pialstamm pur-dint- und mit der besprochenen er Weite-
rung durch i: pur-dinti- gebildet wie von com-bifia-
com-bifianti-, von pur-dinti- das denominative verbum
*pur-dinti-a-um wie von com-bifianti-: *com-bi-
fianti-a-ura. Wie aus diesem durch assibilation, schwin-
den des Charaktervokals a und des anlautenden f von -fnst
die formen pur-tin9i-u8t, pur-tinp-us, pur-dinp-us,
pur-dins-ust, pur-dins-us entstanden, ergiebt sich
nach dem oben gesagten von selbst. Dagegen hat pur-
-titi-us den dentalen von der assibilation unberührt be*
wahrt, nur den nasalen vor demselben schwinden lassen,
steht also der grundform am nächsten. Am meisten ent-
stellt ist die form pur-tii-us, in der das t vor iu, nach-
dem es zu 9 oder s assibiliert war, ganz geschwunden ist.
DaTs im nmbrischen 9 oder s vor folgendem i ganz schwin-
den konnte, zeigen die formen fei tu = facito, feia =
faciat neben fapia, volskisch fasia = faciat und um-
brisch deitu = dicito (AK. umbr. sprachd. 1,30. 73. 141;
Verf. d. Volscor. ling. p. 15). Die hier behandelten umr
brischen verbalformen bestätigen also die richtigkeit der
obigen erklärung von patensins, und diese ganze Unter-
suchung hat neue belege herausgestellt fbr den weitgrei-
fenden einfluis der assibilation auch auf dem boden der
altitalischen sprachen.
W. Corssen.
(Fortsetzaog folgt.)
202 BoUensen
Ueber die 2. und 3. du, in den historischen Zei-
ten des griechischen ; über t;, w und accente.
Während das indische die 2. und 3. du. in allen zeitec
durchgängig unterscheidet — praes. 2 thas 3 tas, perf
2 thu8 3 tus, in den nebenzeiten 2 tarn 3 tarn — fallen in
griechischen die 2. und 3. du. in den hauptzeiten zusam«
men, wogegen in den nebenzeiten die 2 und 3 du. siel
durch verschiedene Währung und färbung des vo-
cals unterscheidet — 2 rov a&ov 3 xtiv 6&t]v. Dem indi-
schen geht das doppelte unterscheidungsmittel ab, da sein
aiphabet es nicht zur graphischen darstellung eines hellen
€ und dunklen o gebracht hat, obgleich die grammatikei
dem a eine hellere und dunklere lautung zuschreiben, Pän.
VIII, 4, 68.
In den personalsuüGxen der hauptzeiten herrscht im
griechischen, wie gesagt, die dunkle lautung vor und 2. und
3. du. fallen zusammen. Wollte man in den nebenzeitex
eine gleiche Übereinstimmung der vocalförbung herstellen,
so ergäbe sich : 2 rev ö&ev, 3 t/;i/ a&rjv oder 2 rov a&ov,
3 Tcov aäü)v. Die 2. du. auf tbv a&av läfst sich nur er-
schliefsen, aber in den texten nicht belegen. Doch führt
darauf die 2. du. auf t;;v bei den Attikern: üxirrjv Soph.
O. R. 1497, rjXXa^arriv Eurip. Ale. 677, tbtiri^v Plat. Symp.
189 C, evnhijv, i7isSrjui]adTrjv Plat. Euthyd. 273E, rjartpf ib.
294 E, UsyetJiv Plat. Legg. III, 705 D, ixoiviavr^adrfjv ib.
VI, 733 A. Aus dem gesicherten vorkommen dieser en-
dung 2 T}]v dürfen wir schliefsen, dals die helle lautung
im alterthume wirklich statt hatte und zwar zu einer zeit,
wo die graphische Unterscheidung von kurzem und langem
e, o noch nicht in die schrift eingeführt war. Da nun
auch Zenodot an zwei stellen der Ilias X, 543 kaftivfjv
und XI, 781 7j&BXiTi}V las f&r kcißerov und ti&Ubtov, so
ist es wohl aufser zweifei, dafs in der 2. du. die alterthüm-
liche endung tbv war, die allmählich aufser gebrauch kam
und nur mifsverständlich mit der dritten auf tt]v zusam-
mengeworfen ward. Wie sollte Zenodot auf rr^v verfallen,
über die 2. und 3. du. in den histor. Zeiten des griechischen u.s.w. 203
wenn er nicht handschriftlich die helle lautung vorgefun-
den? Ich glaube daher, dafs an den genannten stellen die
alterthüniliche lautung in ihrer reinheit herzustellen und
XaßiTBVy riifilBTBv zu lesen. Bei den Attikern läfst sich
die Bache nicht ändern, da sl^^ertjv bei Sophocles durchs
metrum geschützt ist.
Umgekehrt trefien wir in der 3. du. die kurzen Suf-
fixe mit dunkler lautung top a&ov statt ti]v öi9i]v in fol-
genden stellen: dicixerov Hom. II. X, 364, kxBvx^Tov ib.
Xin, 346, ka(f>v(f6BTov ib. XVIII, 583, &a)Q}]aa6(7&ov ib.
XIII, 301, irov Hes. Erg. 197, 'itparov Plat. Euthyd. 274 A.
An eine Verwechselung der 3. person mit der 2ten darf
man um so weniger denken, als dies dem zuge der histo-
rischen Zeiten widerspricht, die 3te von der 2ten durch
längung zu unterscheiden. Vielmehr empfiehlt sich die
annähme einer Verkürzung oder eine ungenaue graphische
darstellung der ursprünglichen längen riov a&(ov. Allen
zweifei hebt der imperativ. Dieser schliefst sich nämlich
in den arischen sprachen den nebenzeiten an, was be-
sonders aus dem dual erkenntlich, dessen endungen im alt-
indischen vollständig dieselben sind wie im imperfect' und
aorist, nämlich 2 tarn 3 täm, so dafs im griechischem im-
perativ 2 Tov 3 T(M)V die entsprechenden endungen vorlie-
gen. Da nun altind. a sich im griechischen spaltet in e
und o^ so ergiebt sich f&r dasselbe 2 rev a&$v, 3 Tf]v
a&fjv und 2 tov a&ov^ 3 twv a&wv. Die helle lautung
haben wir vorher gefunden, die dunkle erkennen wir im
imperativ und damit auch in den nebenzeiten. Die letz-
tere wird bestätigt durch novinrnrirMV und ixnmtkxtüv
von zwei linien bei Archimedes de Helic. p. 232 nach Ah-
rens dial. Dor. p. 298. Die bedenken des grofsen philolo-
gen dürften sich durch unsere betrachtung heben.
Die vorher angeführten formen erklären sich nun als
eine Verkürzung ursprünglicher länge, die herzustellen, wo
das metrum sie gestattet. Da wo dies metrisch nicht zu-
lässig, muls wenigstens auf der vorletzten silbe der accent
beharren, um anzudeuten, dals die verkürzte form nur eine
201 BolleuscD
raetriscbe, keine sprachliche ist. Lies darum Hom. II. XIII,
301 &ufQT]aai6&(jüv ^ Hes. Erg. 197 umv; bei Piaton 1. 1. da-
gegen beruht diparov auf mifsverständnifs. An den übri-
gen stellen bei Homer schreibe dicoxeTov, krtvx^Tov, Xatpvö'
öivov. Eine ungerechtfertigte Zurückziehung des accentes
erkenne ich auch in iva aiöouev II. I, 363. XVI, 19. Die
Verkürzung des conjunctivs elduiuev ergicbt sich als eine
freiheit des verses, aber durchaus nicht als wirkliche sprach-
form. Der accent darf in solchem falle nie verrückt wer-
den. €iö6fi6v bietet auch den vortheil, dafs es nicht un-
terschiedlos mit dem indic. aor. siöouev vidimus Od. IX,
182 zusammenfällt.
Was die entstehung der graphischen zeichen f&r lan-
ges e und 6 anbetrifil, so beruhen sie auf Verdoppelung.
Sobald sich nämlich die prosodische Unterscheidung lan-
ger und kurzer vocale entschieden geltend macht, tritt auch
das bedürfnifs hervor, dieselben irgend wie graphisch dar-
zustellen. Im indischen, griechischen und lateinischen geht
man von der kürze aus und betrachtet die länge als deren
Verdoppelung. Darauf beruht augenscheinlich die graphi-
sche darstellung des langen o (co), Gemäfs dieser doppel-
form erhält co, sobald es den ton hat, auch einen doppel-
ten accent {äoo d. i. Sw)^ um die einheit der lautung zu
wahren neben anerkennung des doppelten sichtbaren Zei-
chens. Die unmittelbare zusammenrückung zweier tonzei-
chen entspricht ganz und gar dem zusammenrQcken zweier
gleicher schriftzeichen. Die Operation deckt sich aber
nur vollständig, wenn auch die tonzeichen oder accente
einander gleich sind. In der that lassen sich beide accente
auf die alte Schreibweise ßovatQotfi^Sov zurückf&hren, vor-
ausgesetzt, dafs die schrift bereits den steifen geradlinigen
zug der inschriften im verkehre des lebens aufgegeben und
die schräge richtung angenommen hatte, vgl. meine erör-
terung über die altpersische keilschrift Melanges Asiat,
t. in, 8. 317 f. Damach ist der acut der accent der rechts-
läufigen, der gravis der accent der linksläufigen schrift-
zeile. Die Vereinigung beider verschieden gerichteten zei-
über die 2. nnd 3. du. in den histor. zeiten des griechischen u. s. w. 205
eben desselben accentes entspricht nun der Vereinigung
zweier gleicher schriftzeichen aufs genauste. Die beiden
verschieden gerichteten accente unmittelbar verbunden hei-
fsen circumflex, der also an und für sich kein besonderer
accent, sondern nur ein graphisches mittel zwei zusam-
mengerückte vocale als eine betonte silbe erscheinen zu
lassen, zwei kürzen als eine betonte länge in der schrift
zu versinnbilden. Da die theorie jede länge = zwei kür-
zen fafste, so liefs man auch die andern längen {ä 7 v)
am doppelaccent tbeil nehmen, sobald sie betont waren.
In der currentschrifl, wo ee und oo in je iine figur ver-
schmelzen, wird der doppelaccent unnütz, ja störend we-
gen seiner unbeharrlichkeit. Denn trotz der so veran-
schaulichten einheit der lautung macht sich der Widerspruch
geltend, dafs ein laut durch zwei vocale d. i. durch zwei
Silben dargestellt wird. Was das ohr als einheit aufTafst,
löst sich fbrs äuge immerhin in ein doppeltes ton- und
schriftzeichen auf. In der betonung unterscheidet sich das
griechische von allen andern geschwistersprachen durch das
feste gesetz, dafs der ton nicht über die drittletzte hinaus-
rücken darf Nur in gewissen häufungen enclitischer wört-
chen scheint das gesetz beeinträchtigt zu werden, sei es
dafs die theorie hier unzulänglich oder aber ein früherer
zustand herüberragt, wo die beschränkung auf die dritt-
letzte noch nicht mafsgebend war. Die Freiheit der beto-
nung ist durch besagtes gesetz wesentlich eingeschränkt
worden im vergleich mit den anderen arischen sprachen.
Im griechischen ordnet sich die betonung dem
gewicht der laute unter, während sie in den ge-
schwistersprachen dieselben beherrscht.
Um den Widerspruch zu vermeiden, als ob der rechts-
läufige accent oder der acut — der erste theil des dop-
pelaccentes — etwa auf der vierten silbe vom ende stehen
könnte, rückten ihn die theoretiker bei der erweiterung der
silbenzahl oder des silbengewichts vom ersten der verei-
nigten vocale auf den zweiten, wodurch der linkslänfige
verdrängt ward und nun statt des doppelaccentes (circum-
206 BoUensen
flex) das einfache recbtsläufige tonzeichen (acut) übrig
blieb d. i. aus öoojua ward doouaroq^ aus ndidsg naiScov.
Das bisher über oo ^ at bemerkte gilt auch von »/,
sobald dies auf dieselbe weise entstanden wie (o. Indem
man das schrifbzeichen H aus dem semitischen n ableitet,
scheint man den dadurch versinnbildeten laut für einfach
auszugeben. Dann läfst sich nicht absehen, warum sich
die graphik nicht mit dem einfachen E begnügte wie mit
a i V. Wirklich schrieb man ursprünglich reg ßoksg för
jt]g ßoltjg. Piaton bemerkt im Cratyl. 426 C ausdrücklieb,
dafs der Grieche vor alters nur € hatte und fügt ib. 41 IE
hinzu, dafs (natürlich bei weiterer entwickelung des alpha-
bets) €6 für 7] gebraucht ward ov yccQ vojjaig t6 clqxcuov
äxakeiTOf dkX' (ivTi rov rjva d (d. i. b) Jidsi XkyBiv ävo-
voeaavv. Ebenso wird in der amykläischen und phliasischen
inschrift langes e durch es wiedergegeben und auch das
homerische SieXov II. X, 466 scheint nichts weiter als ein
rest alter Schreibart für Sijlov zu sein. Öaekov erhielt sich,
weil man es für dreisilbig hielt. Für die dreisilbigkeit
scheinen Öicclov = cfavBoov bei Hesych. und evöeleXov Od.
II, 167 zu sprechen. Richtiger wird sein, beide gruppen
zu trennen. Sie stammen zwar von einer gemeinsamen
Wurzel div scheinen, gehen aber aus von zwei geschie-
denen Stämmen, nämlich dijkog von da statt dya, SiccXog
und SeUkog von diva. Somit meine ich, dafs SsBlog zwei-
silbig wie S'^kog und nach der accenttheorie SüXog zu
schreiben sei.
Es steht zwar fest, dafs die länge des e durch dop-
pelung dargestellt ward, dies hilft uns aber ganz und gar
nichts, wenn rj eine entlehnte figur und somit auch ein
entlehnter laut ist. H vertritt ursprünglich nur einen con-
sonanten und zwar den luftigsten (h), der später nicht ein-
mal gewürdigt ward im griechischen aiphabet zu fignri-
ren. Und dieser leere hauch soll der Vertreter des zweit-
dicksten lautes geworden sein? dies überschreitet doch die
grenzen der möglichkeit. Allerdings treffen wir das alte
haachzeichen 5 bereits in der psammetichischen inschrifl
über die 2. und 8. du. in den histor. Zeiten des griechischen n. s. w. 207
als langen vocal an, doch kann uns die zufällige Überein-
stimmung der figur nicht von der ursprünglichen Identität
überzeugen: denn wir beobachten wie in der graphik der
inschriften beide ursprünglich verschiedene figaren, aber
in ihren zügen nahe verwandt, einander immer ähnlicher
werden, bis sie endlich unterschiedlos zusammenfallen. Das
hauchzeichen verschwindet dann ganz aus der griechischen
Schrifttafel, indem es sich in die spiritus auflöst. Wir sa^
hen beim eircumflex, dafs er nichts anderes denn ein dop-
pelter acut mit rechts- und linksläufiger richtuug, herge-
nommen von der alten Schreibweise ßovazQoqtidov. Auf
gleiche weise erklärt sich natur- und schriftgemäfs die alte
figur des rj — B. Sie ergibt sich als die Verdoppelung
des 6 einmal rechtsläufig E, dann linksläufig mit umkeh-
rung der buchstaben wie auf der grabschrift des Amiadas,
also 3. Rücken wir beide zusammen, so erhalten wir E3
und zusammengeschoben zu einer figur B, aus der alle
Wandlungen unseres schriftzeichens hervorgehen.
Witzenhausen a. d. Werra.
F. Bollensen.
20S Zeyfd
lieber persclo s, pesclo.
Bei dem Substantiv persclo 8. pesclo entsteht die
frage, ob es von der wurzel pers- mit dem afBx clo, oder
von der wurzel persk mit dem affix lo abgeleitet sei.
Die wurzel pers, von der es fest steht, dafs sie precari
bedeutet, ist identisch mit der des litauischen persz-u (ge-
sprochen persch-u), welches die verwandte bedeutung hat
in matrimonium mihi peto virginem. Ebenso entspricht sie
dem skr. pratschh und dem lat. prec-ari, in denen sich
der vokal, der dort vor das r gestellt ist, hinter demsel-
ben befindet, sowie dem zend. perep und osk. parasc (in
com-parasc-ust-er in der tab. Bantin. 4), in denen der vo-
kal der Stammsilbe hinter dem r wiederholt ist. Für sans-
kritisches palatales tschh in pratschh ist also im osk.
parasc sc ebenso regelrecht gesetzt, wie dem skr. tschh id
lat. sci(n)d- gegenübersteht. Ich kann deshalb Mommsen
unterital. dial. p. 271 und Corssen in dieser zeitschr. bd.
XI, p. 364 und 365 nicht beistimmen, wenn diese in dem
oskischen comparacuster eine inchoativform sehen, so
wenig als ich es billigen kann, wenn dieser ebendaselbst
behauptet, dafs das umbr. persclum das bildungselement
sc- inchoativer verba enthalte und daher aus perc-sc-
-clum vom verbalstamme perc-sc entstanden sei, oder
wenn er lat. poscere für eine inchoativbildung hält, nicht
nur, weil lateinischem po-posc-erint in form und bedeu-
tung umbrisches pe-purk-urent entspricht, gerade wie
dem lateinischen compescere dessen nebenform comp er-
cere, sondern auch, weil poscere, gleichwie compe-
scere und dispescere (composita von pasc-ere, wo-
von pasc-eolus, verschieden von pa-sc-erc, weiden),
während die inchoativa nur das pcrfect. ihres primitivum
haben, in diesem tempus sein sc behauptet, woraus offen-
bar hervorgeht, dafs dasselbe radikal ist. Ebenso regel-
recht aber wird im lateinischen prec-ari das sanskriti-
sche tschh durch die gutturalis c und im lit. persz-u und
umbr. pers durch Zischlaute vertreten. Wie nämlich im
über pendo t. pesclo. ^09
litauischen persz-n das sanskritische tschh seine guttu-
rale natur aufgegeben hat, so ist dies auch im umbrischen
per 8 der fall. Daher ist es nicht zulässig, mit Aufrecht
und Kirchhoff umbr. sprachd. bd. I p. 74 und 143, bd.
II p. 28 und 413 anzunehmen, dafs die umbriscbe wurzel
des verbum precari nicht pers, sondern persk gelautet
habe und nur in pers -ni wegen der allzu grofsen conso-
nantenhftufung das k ausgefallen sei. S. hierüber des verf.
abhandlung de vocab. umbr. fiction. Marienwerder 1861.
p. n.
Setzen wir nun den fall, dals persclo von dieser
Wurzel pers mit dem affix clo gebildet sei, so müfste die-
ses substantivum, da pers = römisch prec-ari ist, ent-
weder gebet, oder betstätte, bethaus, tempel be-
deuten. Die bedeutung gebet nun liefse sich allerdings
mit VIb, 15 und 36 wegen des an beiden stellen unmit-
telbar vorhergehenden gebets vereinigen und würde auch
VII. a, 8 und 24, III, 12 und 21 nicht unangemessen sein;
allein nicht passen würde sie la, 1 = Via, 1. Ebenso
lassen sie VII a, 20 und 34 nicht zu; denn bei dieser be-
deutung würden, wie dort die worte Ennom persciu eso
deitu, so hier die worte Ennom persciu eso persnimu ganz
überflüssiger weise in das gebet eingeschaltet sein. An
den gleichlautenden stellen endlich Via, 27 — 28, 37 — 38,
47 — 48 und VIb, 30 pafst diese bedeutung nicht zu den
unmittelbar folgenden verbis. Sehen wir daher, ob die be-
deutung bethaus, tempel, welche Corssen in d. zeit-
schrifl XI, 365 — 367 fftr persclo zu erweisen gesucht hat,
in der that diesem worte zukommt. Allerdings sind nicht
dagegen la, 1 = Via, 1 und III, 21; allein VIb, 15—16
„pesclu semu vesticatu, atripursatu" und VIb, 36 „persciu
sehemu atrepusatu", wo es schon an sich keineswegs noth-
wendig ist persciu s. pesciu lokal zu fassen, spricht das
adjectiv semu, welches doch wohl dimidio bedeutet, ge-
radezu gegen diese aufTassung. Wenn ferner zu anfang
der pars prior der auf die Praestita Cerfia sich beziehen-
den handlung, welche Ib, 29 durch die worte veskln vetu
Zeitschr. f. vgl. sprachf. XIII, 3. 14
210 Zeyfs
atru, alfu bezeichnet ist, VII a, 9 unmittelbar vor dem ge-
bet an diese göttin gesagt wird: Enom vesclir adrir ru-
seme eso persnihimu, so könnte allerdings VII a, 20, wo
in das gebet die worte Ennom persclu eso deitu einge-
schoben sind, der ablativ. persclu allenfalls im gegensatz
zum localis ruseme = mri im lokalen sinne: bethaus,
tempel stehen; allein geradezu unmöglich ist es bald dar-
auf im anfang der pars posterior VII a, 23 — 24 diese be-
deutung anzunehmen. Zwar übersetzt Corssen in dieser
zeitschr. XI, 366 Enom ruseme persclu vesticatu „auf
dem tempellande und im tempel^; allein unmöglich könnte,
wenn beide substantiva, asyndetisch neben einander ge*
stellt, auf gleiche weise den ort, wo zu tanzen wäre, be-
zeichnen sollten, das erstere im localis, das andere im
ablativ. stehen; vielmehr müfsten in diesem falle entweder
beide im localis oder beide im lokal gebrauchten ablativ.
stehen. Dasselbe ist der fall VII a, 8 enom pefsclu ru-
seme vesticatu. Es mufs also persclu vielmehr bedeuten:
bei oder während der opferhandlung, wie Aufrecht und
Kirchhoff umbr. sprachd. bd. II, 203 es gefafst haben.
Dann folgt aus der vergleichung von ruseme eso pers-
nihimu (VII a, 9) mit Ennom persclu eso deitu (Vlla,
20) und Ennom persclu eso persnimu (VII a, 34) nicht,
wie Corssen meint, dafs an diesen beiden stellen persclu
bei deitu und persnimu ebenso raumbezeichnung sei,
wie ruseme; denn einmal ist ruseme localis, persclu
aber ablat. Sodann scheint es mir, da es zu anfang der
pars prior unmittelbar vor dem gebet an die Praestita Cerfia
VII a, 9 heifst: ruseme eso persnihimu, sich von selbst
zu verstehen, dafs auch der letzte theil desselben gebets
ruseme = ruri gesprochen werden müsse, weshalb es nicht
nöthig war VII a, 20 zu den werten Ennom persclu eBO
deitu unmittelbar vor diesem letzten theile noch zur be-
zeichnung des orts ruseme hinzuzufügen, und auf völlig,
gleiche weise scheint es mir, da es zu anfang der pars po-
sterior VUa, 23 — 24 heifst: Ennom ruseme persclu ve-
sticatu und bald darauf unmittelbar vor dem gebete an
ttber peradu t. pesclu. 211
die Praestita Cer6a Vlla, 25 e8o persnimu, Diohtder er-
klärung zu bedürfen, dafs auch dessen letzter theil raseme
zu sprechen sei , weswegen auch hier Vlla, 34 ee gans
überflüssig gewesen wäre zu den werten Ennom peraolu
eso persnimu unmittelbar vor diesem letzten theile nooh
zur ortgbezeichnuug ruseme hinzuzusetzen. Hieraus gdit
aber hervor, dals der ablat. persclu, wie VIb, 15 und 36,
Vlla, 8 „enom persclu ruseme vesticatu" und Vlla, 24:
„Enom ruseme persclu vesticatu^, so auch Vlla, 20 und
Vlla, 34 nicht den ort bezeichne, sondern mit Aufrecht
und Kirch hoff umbr. sprachd. bd. II, 203 gefällst werden
müsse: bei oder während der opferhandlung. Was ferner
die gleichlautenden stellen Via, 27 — 28, 37 — 38, 47—48
und VIb, 30 betrifft, so ist es offenbar, dafs das umbrische
vasetom est, welches römischem vacatum est entspricht,
transitive bedeutung hat. Corssen meint nun, dafs au
diesen stellen dieses wort in seiner eigentlichen bedeutung:
leer machen, leer lassen gebraucht sei und dafs diese
bedeutung zu perscler s .pescler in der bedeutung bethaus,
tempel vortrefflich passe. Allein im gegentheil ist weder
ersichtlich, worauf sich der ausdruck: quod tni templi
vacuefactum est beziehen solle, da an opfergaben doch nicht
zu denken ist, die nicht überall im tempel dargebracht
wurden; noch pafst hier perscler in der bedeutung von
tempel zu dem unmittelbar folgenden pesetom ests^
peccatum est. Vielmehr scheint es mir klar zu sein, dafe
auch hier persclo eine handlung bezeichne und vasetom
est in dem sinne von unterlassen gebraucht, und zwar
mit Aufrecht und Kirchhoff umbr. sprachd. bd. II, p.
150 und 151 von der Unterlassung irgend einer formalität
bei Vollziehung des Opfers zu verstehen sei. Ganz über-
gangen endlich hat Corssen die stelle III, 12 „erak pir
persklu uretu sakre uvem". Hier ist der ort, wo die an-
befohlene handlung geschehen soll, durch erak bezeichnet,
welchea sich auf das vorhergegangene arvamen bezieht;
persklu also mufs anders, mufs auch hier von einer band*
lung gedeutet werden.
14*
212 Zeyfs
Auch Grotefend ßudim. ling. umbr. Partie. 11,21 und
Aufrecht und Kirch hoff an den angeflihrten stellen ha-
ben das wort persclom von der umbrischen wurzel des verb.
prec-ari abgeleitet, dagegen die meinung geäufsert, dafs
aus dessen erster bedeutung, der des gebets, die einer ntiit
gebet begleiteten opferhandlung, eines bittopfers sich ent-
wickelt habe. Daher hat Grotefend Rudim. ling. umbr.
Part. II, 21; m, 1.16; IV, 9. 15. 20 es durch lustratio,
Aufrecht und Kirchhoff umbr. sprach, bd. II, p 28
durch litatio, bd. IT, p. 29 durch sacrificium, bd. II, p. 413
endlich durch cerimonia wiedergegeben. Schwerlich aber
möchte die bedeutung eines opfers, welche auch ich fbr
die richtige halte, aus der des gebets abgeleitet werdmi
können, da eine opferhandlung, die freilich mit gebet be-
gleitet ist, doch dem begriffe nach von diesem sich wesent-
lich unterscheidet. Ist deshalb die ableitung von der
wurzel pers == prec-ari zu verwerfen, so bleibt keine an-
dere übrig, als die von der wurzel persk, an die schon
Lassen beitr. z. deut. der Eugub. taf. p. 46 dachte.
Die wurzel persk haben nun aber, was dieser ablei-
tung entgegensteht. Aufrecht und Kirch hoff umbr.
sprachd. bd. II, p. 191 und 413 für die eines intransitiven
verbum erklärt. Der grund dieser erklärung ist folgender.
Das verbum persk kommt, aufser IIb, 19 „vesklu pnstra
pestu", welches für persktu steht, nur in Verbindung mit
dem substant. supa s. sopa vor, welches, wie dessen acc.
sing, sopam (VII a, 38) s. sopa (VIb, 17), acc. pl. supaf
(IIa, 22) s. supa (la, 9. 16; IIa, 22) und abl. sing, supa
(IIa, 30 ^supa spantea pertentu**, verglichen mit dem abl.
plur. „supes sanes pertentu" IV, 8) beweisen, einem a-
stamme angehört. Wenn wir daher VIb, 5 „Ape sopo
postro peperscnst% VII a, 8 »Ape supo postro pepe-
scus** und IIa, 32 „supa pustra perstu", welches fCkr
persktu steht, fänden, so könnten, wie Aufrecht und
Kirchhoff behaupten, sopo postro nur als nom. sing,
mit zu o geschwächtem auslautenden a erklärt werden;
wäre aber sopo als nomin. Subjekt des satzes, so müfste
über persclo s. pesclo. 213
dessen verbum noibwendig ein intransitivum sein. Es fragt
sich, ob dies die einzig mögliche erklärung sei. Zunächst
befremdet, wenn wir die vier stellen, an denen das verbum
persk vorkommt, im Zusammenhang lesen, der Wechsel
des Subjekts, der in allen vier stellen jedenfalls statt ftnde,
wenn das verbum persk ftlr intransitiv gehalten werden
mOfste, indem wir dann mitten zwischen sätze, deren sab*
jekt persönlich ist, einen satz eingeschoben ftnden, desseli
Subjekt sächlich wäre. Allerdings findet auf den iguvin.
tafeln ein solcher Wechsel des Subjekts zuweilen statt, wie
IIa, 21 — 22 in den werten „esunu perae futu% aber doch
nur selten. Auffallend würde es also sein, wenn wir ihn
gerade in allen diesen vier stellen anträfen. Nicht zu Ober-
sehen ist ferner IV, 17 — 18 „Inumek vesti^a, persuntru,
supu ereile hule sevakne skalseta kunikaz purtuvitu%
wo wegen purtuvitu supu durchaus acc. sein mufs. Auf-
recht und Kirch hoff vermuthen zwar umbr. sprachd.
bd. II, p. 376, dafs fQr supu hier die praep. super zu
lesen sei; allein es ist mit dieser stelle nicht blofs IV,
18 — 20 „Inumek vestisia, persuntru turse super ereile
sevakne skaUeta kunikaz purtuvitu^ zu vergleichen,
wegen der jene änderung Aufrecht und Kirchhoff räth-
lich scheint, sondern auch VIb, 5 „Ape sopo postro pe-
perskust, vestisia et mefa spefa scalsie conegos fetu^,
welche stelle jener änderung deutlich widerstreitet. Deren
sopo ist doch wohl mit dem accus, supu identisch, sopo
würde denmach accus, sing. sein. Wir werden also zu der
annähme genöthigt, nicht sowohl, dafs das substant. sopa
eine nebenform nach der o - declination gehabt habe, als
vielmehr, dafs, wie im nom. sing., so auch im acc.
sing, das auslautende a der Wörter der a-decli-
nation sich in der älteren periode auch zu u, in
der jüngeren zu o geschwächt und diese ge-
schwächte form neben der ungeschwächten be-
standen habe, und zwar um so mehr, als das a der
neutra im acc. plur. schon in der älteren spräche in u, in
der jüngeren in o überzugehen pflegt. So steht nichts der
214 Zeyrs, Über persclo s. pesclo.
annähme entgegen, dafs das verbum persk 8. pesk ein
traneitivum sei. Die bedeutung desselben aber kann nor,
wie aus den yier stellen erhellt und wie auch Husch ke
iguv. tafeln p. 42 und 698 gesehen hat, darreichen, of-
ferre sein. Deshalb kann man es schwerlich mit Lassen
a. a. o* p. 46 mit dem simplex der lateinischen composita
compesco und dispesco identificiren, welches halten,
nicht aber vorhalten, darreichen bedeutet. Eis ergibt
sich aber hieraus, dais persc-lom s. pesc-lom eine dar-
reichung, ein opfer bedeutet. Im sabellischen dialekt scheint
ihm pesc-o (auf dem cippus von S. Benedetto) zu ent-
sprechen, worüber s. Corssen in dieser zeitschr. bd. IX,
p. 161 und bd. XI, p. 368.
Das affix endlich, mit dem die Umbrer dieses Substan-
tiv gebildet haben, ist -lo s= lat. -ulo, nicht -clo. Zwar
haben Aufrecht und Kirchhoff umbr. sprachd. bd. U,
p. 28, Schweizer in d. zeitschr. bd. III, p.381 und Cors-
sen in d. zeitschr. bd. XI, p. 364 behauptet, dafs im um-
brlschen wie im lateinischen das c des afSzes -clo bei der
anfbgung an wurzeln, die auf eine guttnralis schliefsen, ab-
falle, und haben daher persclo als mittelst des afßxes -clo
gebildet erklärt; dafs dieses aber irrig ist und solche la-
teinische Wörter, wie cingulum, jaculum, speculum, gleioh-
wi6 das umbrische persclom, mittelst des affixes -nlo isk
umbr. -lo gebildet sind, hat Ebel in d. zeitschr. bd. IV,
p. 339 deutlich gezeigt. Vergl. aufserdem Bopp vergl.
gramm. (erste ausg.) p. 1386 und Corssen selbst in d.
zeitschr. bd. IX, p. 161.
Marienw erder. Zeyfs.
Hirzel, zum fatunim im indogermanischen. 215
Zum futurum im indogermanischen.
Schleicher hat in seinem compendiam der vergl. gr.
II, p. 618 die alternative gestellt, in griecbiscbeo futurfor-
inen wie *T€vaaja) (rsviiu, r^voi), also in futurformeii der
auf eine liqnida auslautenden wurzeln, das « der zureiten
Silbe entweder als hilfsTocal (Tev-t^ajo))^ oder als das £ der
Wurzel eg {nv^eaja)) aufzufassen. Dieses letztere hei&t
nichts anderes als: in jenem e ist möglicherweise der an-
laut der alten im imdogermanischen zur bildung des futti-
rums verwendeten praesensform der wurzel as erhalten.
Im gründe genommen kann eine solche alternative
nicht aufgestellt werden, wenn zuvor, wie bei Schleicher
im anfange des paragraphen über die bildung des zusam-
mengesetzten futurums, angenommen ist, dafs schon in der
indog. Ursprache eine praesensform der wurzel as mit Ver-
lust ihres anlautenden a an die wurzelauslaute getreten
sei. Denn fand schon in der Ursprache bei der composi-
tion der wurzeln mit asjami der abwurf von dessen anlaut
atatt, war also schon in der Ursprache ein ""tan-asj&mi z. b.
nicht . vorhanden, wie sollte es möglich sein, dafs jener an-
laut im griechischen erschiene, dals hier ein Tev-ei^w (4 sd$
anlaut von wurzel as gefafst) sich vorfände, das doch ohne
eine entsprechende form der grundsprache, aus der es ent-
standen, gar nicht denkbar ist? — Es ist nur dann mög-
lich, das zweite e in rtvaajw u. a. f als e der wurzel eg
zu fassen, wenn es auch gestattet ist, anzunehmen, in der
indog. Ursprache sei der anlaut jenes asjimi bei dessen
Zusammensetzung mit den verschiedenen wurzeln zur hüj^
düng des futurums möglicherweise wenigstens nicht durchs
weg verloren gegangen.
Folgerichtig müfste demnach die oben angeführte al-
ternative so lauten: e mxBVEOjtj u. a. kann entweder als
zwischen wurzel und futurendung sjämi {ajw) eingeschobner
hilfsvocal, oder als anlaut der alten wurzel agy
deren praesens das futurum bildete, betrachtet werden; ist
dies letztere der fall, so muis angenommen werden, dai's
216 Hinsei
asjämi, nicht sjami, die eudung des futurums in der indog.
Ursprache war; von dessen sonst geschwundenem anlaut
haben sich spuren im griechischen erhalten.
Die folgenden Bemerkungen haben den zweck, das so
gestellte dilemma genauer zn prüfen um zu fragen, ob nicht
von den beiden uns frei gestellten erklärungen der genann-
ten griech. futurformen die eine als die allein wahrschein-
liche sich erweisen lasse. Es ist klar, dafs je nachdem
dies der fall ist, der eine oder der andere theil unserer
alternative wird fallen müssen.
Der umstand, dafs von den drei grofsen hauptabzwei-
gungen des indogermanischen Stammes, arisch, graecoitalo-
keltisch, slawolettogermanisch jede wenigstens in einem ih-
rer theile futurformen auf s (d. h. bildungen dieses tempos
auf urspr. sjämi) aufweist*), hat darauf geführt, dafs die
in rede stehende bildung der indogerm. Ursprache unzwei-
felhaft angehöre. Und da zwischen den stammen der wur-
zeln und den endungen des futurums nirgends ein vocal
sich zu zeigen schien, den man für etwas anderes denn
einen hilfsvocal hätte halten können, so hat man angenom-
men, dafs jenes praesens'''') von as, mit dem die sämmt-
lichen futurformen zusammengesetzt sind, bereits in der
Ursprache seinen anlaut verloren habe, dafs es dort, seines
anlauts bereits verlustig, zur composition verwendet wor-
den sei. Seitdem nun aber nachgewiesen worden''''*), dafs
formen wie repio), revio nur durch die mittelstufen revsato^
tevBöjiDj nicht aber aus rtvöiw erklärt werden können****),
hat sich im griechischen auf einmal eine reihe von formen
dargebotcfH, die allerdings sofort die vermuthung erweckon,
die Schleicher 1. c. aufgestellt hat, dafs nämlich der bei
*) Die arUche im altindUchen und altbaktrischen, die graecoitalokel-
tbche im griechischen und italischen, die slawolettogennanische im altbulga-
riflchen nnd litauischen, Tgl. Schleicher, comp. §. 29 S.
**) oder ftitamm, was hier gleichgültig ist
***) snent too O. Cmtias, temp. u. modi, p. 816.
****) wie Bopp nooh heste will, yergL gramm. II*, $. 666.
zum futumm im iodogermanUchen. 217
den sog. verbis liqiiidis zwischen stamm und endung er-
scheinende vocal das 6 der wurzel €^' (as) sein könne.
Dafs sich vom griechischen standpunct dieser vermu-
thung nicht das geringste entgegenstellt, wird jedermann
sofort zugeben. Dieselbe könnte uns widerlegt werden,
falls sich gegen das, was als ihre consequenz betrachtet
werden mufs, etwas erhebliches einwenden liefse. Da oben
bemerkt ist, dafs die annähme, € in rtviöjta sei anlaut von
cv;, die weitere fordert, asjämi, nicht sjami, sei in der Ur-
sprache die endung des futurums gewesen, so wird dem-
nach diese letztere annähme genauer ins äuge zu fassen
sein. Es fragt sich also, stellt sich der angegebnen con-
sequenz von Schleichers vermuthung, der annähme, da&
bei der bildung des futurums in der Ursprache der anlaut
des hilfsverbums beibehalten wurde, etwas wesentliches
entgegen?
Ich weifs, indem ich diese frage zu beantworten ver-
suche, durchaus nichts geltend zu machen, was dieselbe
bejahen lielse. Dagegen zur Verneinung derselben einen
punct, der, obwohl nur ein einziger, mir dennoch von der
gröfsten bedeutusg zu sein scheint.
Stimmt es nicht mit allen unseru Vorstellungen von
der indogermanischen Ursprache, die wir uns ja als eine
von unursprünglichkeiten noch ganz unberührte spräche
denken, auf das genaueste überein, wenn dieselbe das zur
bildung des Aiturums zu verwendende dement asjami, das
ja, wo es selbständig war, d. h. nicht zur Zusammensetzung
gebraucht wurde, unzweifelhaft seinen anlaut bewahrte, wo
es anging, auch in der composition desselben nicht be-
raubte? und müssen wir nicht, eben weil der Ursprache
allgemeiner character der der ursprQnglichkeit ist, in den
sprachen, aus denen wir uns ihr bild entwerfen, alles was
diesen character weiterhin bestätigen könnte, wenn irgend
möglich so fafseu, dafs dadurch jener character weiterhin
wirklich bestätigt wird? — Im vorliegenden fall geschieht
dies letztere und vermeiden wir einen Widerspruch gegen
den grundcbaraoter der Ursprache dadurch, dafs wir, ver-
218 Hirzel
anlafst durch die feststehende erklärung der formen ravtS
etc. aas Tsvenju)^ der Ursprache eine zusammensetzuDg mit
dem im anlaut unversehrten asjämi in der that zusprechen.
Wenn es demnach keinem zweifei zu unterliegen scheint,
dafs in den angeführten verbis, den sog. liquidis, das €
der Wurzel eg erhalten sei, und dafs also auch in der Ur-
sprache, wenigstens bei den jenen griechischen entspre-
chenden verbis (solcher, deren würzet auf eine liquida aus-
lautete) asjämi toU angetreten sei, so fragt sich nun aber
weiter, ob denn jene Zusammensetzung mit dem vollen as*
jämi wie im griechischen, so auch in der Ursprache blofs
bei denjenigen wurzeln, die auf eine liquida ausgingen,
stattgefunden habe, oder ob eine solche nicht auch weiter»
hin, ja als ursprünglich an allen wurzeln vor sich gegan-
gen, anzunehmen sei. Es wäre doch wohl sehr aufföllig,
wenn die Ursprache ihrem wesen so sehr entsprechende
formen, ebenso sporadisch, als das griechische sie zeigt,
aufgewiesen haben sollte.
Hierüber läfst sich, ohne noch den boden des griechi-
schen zu verlassen, wie ich glaube, folgendes sagen:
Dafs in der Ursprache nicht blos an die mit liquidis
auslautenden wurzeln, sondern überhaupt an alle conso-
nantisch auslautenden das volle asjami zum ausdruck der
futurbeziehung antrat, dafür spricht mit grofser entschied
denheit vornehmlich zweierlei: Erstens, wir würden mit der
annähme, dafs die Ursprache das volle asjämi nur bei den
auf liquidae ausgehenden wurzeln nicht bei andern ver^
wendete, derselben ein dem griechischen ähnliches laatge«
setz, eine abneigung gegen die Verbindung von liquida -4-
spirans vindiciren, die sie, da überhaupt lautgesetze ihr
unbekannt waren, ohne zweifei nicht gehabt hat. Zwei-
tens: es giebt im griechischen noch einige andere, nicht
auf liquidae auslautende wurzeln, die ebenfalls im futurum
vor der endung ein € zeigen, und dieses 6 hat den vollen
ansprnch, ebenso wie das bei den verbis liquidis zwischen
Wurzel und endung erscheinende erklärt zu werden. Was
aber hätte ein hilfevocal bei fuctxwiAai d. i. fjiaxB6o/»ai (ws.
zum faturnm im indogermanischen. 219
uax)t was bei köovpicti d. i. iötaofiai (wz. iÖ, sad)*) ge-
sollt? Da jticiSiouai und i{d)(SOfiat zu bilden der griechi-
schen spräche kein lantgesetz verboten hätte, so müssen
wir annehmen, dafs hier, wie bei den verbis liquidis, das
6 eine andre bedeutung hat, dafs es der anlaut des aheii
asjämi sei.
Es spricht aber für die ursprünglich allgemeine an-
wendnng von asjami bei der bildung des Futurums drittens
auch noch das sanskrit.
Benfey hat k. s. gramm., §. 293, die ansieht ausge-
sprochen, dafs das i vor den mit s anlautenden endungen
der sog. „vier letzten verbalformen^ eine Schwächung des
a der zur bildung jener formen verwendeten wurzel as sein
möge. In der that stellt sich dieser annähme, die aber
ebenso wie Schleichers erklärung der fiitura die verba li-
quida im griechischen, fQr die Ursprache im futurum ein
unverstümmeltes asjami fordert, vom standpunct des sans-
krit durchaus nichts entgegen. Denn das wird uns doch
unmöglich von dieser annähme zurückbringen können, daft
im sanskrit überall, wo Schwierigkeiten in der ausspräche
zu heben waren, i als hiUsvocal erscheint, und dafs, weil
in dieser spräche i so oft bilfsvocal ist, eben darum auch
in den futurformen (also z. b. bhödishj&mi wurzel bhud)
ein solcher sein müsse. Die äufserliche gleichheit zweier
oder mehrerer laute bedingt nicht eine gleichartigkeit in
bezug auf ihre entstehnng und ihr wesenl Und etwas an-
deres Iftfst sich gegen Benfeys auffassung nicht sagen.
Für dieselbe scheint mir sogar noch etwas zu spr^
chen, was von B. selbst nicht hervorgehoben worden ist
Dies ist der umstand, dafs es im sanskrit eine anzahl von
verbis giebt, die arbiträr im futurum i bald haben, bald
nicht haben. V^. Benfey, k. s. gramm. §. 308. Es stimmt
ohne zweifei weit besser mit der erklärung, jenes i sei das
geschwächte a von asjami und bereits im schwinden be-
griffen, wenn wurzel mrg im fut. märgishjämi und märk-
*) hiezn vielleicht noch einige andere, G. Cnrtins temp. n. modi p.816.
2*20 Uirzel
shjämi bildet, als mit der, es sei bilfsvocal. Dieser letz-
tere, den ja lautliche Schwierigkeiten hervorrufen, ist in
einer form immer gleich nöthig; ein ursprünglicher, aber
im schwinden begrifiener laut kann mit gröfserem rechte
in ein und derselben form bald Torhanden, bald nicht vor-
handen sein.
Da also im sanskrit in der grofsen mehrzahl der con-
sonan tisch auslautenden wurzeln i Tor dem s der futuren-
dung erscheint und wir dies i mit dem gröfsten rechte f&r
das geschwächte a eines in der Ursprache angetretenen
asjämi halten können, da ferner im griechischen ebenfalls
Air die annähme eines ursprünglichen asjämi hinreichende
gründe vorhanden sind""), so glaube ich, dafs wir nicht
daran zweifeln dürfen, in der Ursprache sei asjämi an alle
consonantisch auslautenden wurzeln unverstümmelt ange-
treten, ja sei überhaupt enduug des futurums gewesen.
Diese letztere behauptung scheint noch einer weitern
rechtfertigung zu bedürfen. Wenn wir aber annehmen,
dafs an die consonantisch auslautenden wurzeln asjämi ur-
sprünglich vollständig antrat, so ist es einfach forderung
der consequenz, diese endung ursprünglich auch für die
vocalisch auslautenden anzusetzen. Natürlich ist, dafs bei
den meisten vocalischen wurzeln der anlaut des hilfsveiv
bums sogleich vom auslaut der wurzel verschlungen wurde,
dä-asjämi wurde däsjämi, dviaa), aber in bhavishjämi z. b.,
Wurzel bhu, die grundform wäre "bhavasjämi, tritt, gehal-
ten durch den Übergang des u vom gesteigerten au zu ▼,
der anlaut des hilfsverbums deutlich hervor. Derselbe
schwächte sich zu i wie in den meisten formen von con-
sonantisch auslautenden wurzeln.
Nachdem wir im vorstehenden zu dem resultat ge-
kommen sind, das seines anlautes nicht beraubte asjämi sei
*) Man kann vielleicht auch das e der nrnbrischen und oskischen fu-
turfbrmen auf -est, osk. didest u. a. als anlaut des hilfsverbums fassen. Vgl.
Schleicher, comp. p. 619. — Die slaw. und lit futurformen liefern weder
für unsere noch für die hergebrachte erklärung des futurums einen beweis.
zum fhtnniin im indogennanisclien. 22!
als die urspröngliche endung des futurums im indogerma-
nischen anzusehen, bleibt uns Qbrig, die Ursachen in kur-
zem anzugeben, denen zufolge in den aus der Ursprache
hervorgegangnen andern sprachen, vornehmlich der indi-
schen und der griechischen, der anlaut des alten hilftver-
bums so spärlich erhalten, theils geschwächt, theils ganz
verloren worden ist.
Ich glaube, dals die hauptursache dieses Schwindens
des anlautes der wurzel as in den meisten formen fast al-
ler sprachen, die das zusammengesetzte futurum bilden,
nirgends anders als in der accentuation zu suchen ist, die
sowohl Bopp vergl. accentsyst. p. 120, als Benfey K. S.
gramm. p. 187 dem „auxiliar- futurum^ ursprünglich auf
der Stammsilbe vindiciren. In folge dieser accentuation —
und wohl auch weil die zweiten glieder von compositen
Oberhaupt häufig geschwächt werden — trat im sanskrit
zuerst nur Schwächung des a von asjämi zu i, dann erst
vollständiges schwinden des vokales ein (eine grundform
*märgasjämi wird mär^ishjämi und dann märkshjämi*); im
griechischen dagegen, welches Oberhaupt die Schwächung
von a {s) in t nicht besonders liebt, trat nicht erst Schwä-
chung, sondern sogleich vollständige Vernichtung des vo-
cales ein {Xem-acj fOr XeiTt-eacD vollständig entsprechend
skr. formen wie väkshjämi, u. a m., sowie lit. duk-siü, ver-
tem, u. a.). Nur da, wo das wirken jener accentuation eine
Verletzung der griechischen lautgesetze mit sich gebracht
haben wOrde, trat ausfall jenes durch s vertretenen a von
asjämi nicht ein und ihre abneignng gegen die Verbindung
liquida -{- spirans erhielt der griechischen spräche in rc-
v€(t/w, reveco, Oberhaupt den futuris der verba liquida**),
eine reihe höchst alterthOmlicher bildungen. Neben diese
letztern stellen sich aufserdem noch die bereits oben ge-
*) Bei der ersten pers. sing, konnte die betonung um so mehr auf die
Schwächung von a einflufs haben, als die länge des k in der endung fimi
mit ihr zusammenwirkte. Mitten inne stehend zwischen einer betonten und
einer langen silbe mufste ä um so leichter erdrllckt werden.
**) Ausgenommen sind von diesen allein die futura xü.-at und nii^ow.
222 Hirzel, snm futurum im indogennaniflchen.
nannten futurformen uayov^iai, fiaX'Baoum und iSovfiat^
idiao^iat. Ich glaube, dafs wir dieselben für nichts ande-
res halten können, als fQr zufällige reste der alten ur-
sprünglichen bildung, reste wie sie sich bei andern bildcm-
gen und in andern sprachen vielfach erhalten haben, ohne
dafs man gerade den grund dieser erhaltung nachzuweisen
vermöchte.
Es ist im vorstehenden in der kürze versucht worden
nachzuweisen, dafs von den zwei von Schleicher gebotenen
erklärungen des futurums der verba liquida im griechischen
(und derjenigen andern, die sich ihnen in diesen bildungen
anschliefsen) diejenige die wahrscheinlichere sei, nach wel-
cher das bei jenen verbis zwischen wurzel und endung er-
scheinende € nicht hilfsvocal, sondern anlaut der praesens-
form des hilfsverbums, asjämi, ist. Bei diesem versuche
stellte sich heraus, dafs in der Ursprache asjämi, nicht
sjämi, das futurbildende dement gewesen sein mufs. Von
dieses letztern elementes anlaut hat das sanskrit noch weit
zahlreichere spuren, als das griechische aufzuweisen. — Wenn
die zur bekräftigung dieser ansieht hier vorgetragenen
gründe gebilligt werden, so gewinnen wir — dies sei den
gemachten bemerkungen schliefslich hinzugefügt — mit dem
Satze: rBv-saju) = tan-ishjami = tan-asjämi wenigstens das
eine, dafs wir dem griechischen wie dem indischen eine
reihe jener doch immer als nothbehelfe fignrirenden hilfe-
vocale mehr abgesprochen und eine viel organischere bil-
dung zurückgegeben haben.
Frauen feld, canton Thiirgau, october 1863.
Dr. Ludwig Hirzel.
Michaelis, einige lingnistieche bemerkangen. 223
Einige linguistische bemerkungen.
Es sei dem unterzeichneten gestattet zu dem, was hr.
C. Arendt im XII. bände s. 441 — 444 dieser Zeitschrift
Ober einige seiner linguistischen abhandlungen gesagt hat,
ein paar kurze bemerkungen zu machen, deren zweck es
ist zu einer Verständigung über die angeregten punkte zu
fahren.
1) In bezug auf die abhandlung über den unterschied
der consonantes tenues und mediae, welche sich einer an-
erkennenden znstimmung des hrn. Arendt erfreut, sei nur
bemerkt, dass ich die benennung crassae nur als gegen-
satz zu tenues vorgeschlagen habe, dass ich aber im all-
gemeinen mit hrn. Arendt die benennung „tönend und
tonlos^ vorziehe, wie ich dies auch in meiner abhandlung
ausgesprochen habe.
2) Wenn ich in den altindischen mediae aspiratae noch
eine gewisse primäre mischung von hauch imd stimme an-
nehme, so soll sich dies eben nur auf die älteste aussprä-
che dieser laute beziehen, in welcher meiner ansiebt nach
der hauch noch näher mit der articulation verbunden war
als in der späteren ausspräche. Sollte nicht auch die von
hrn. Arendt gemachte bemerkung, dass diese laute in den
indischen sprachen die onomatopoetische rolle des f und
ch übernehmen, einigermaßen für meine ansieht sprechen?
Dieselbe scheint auch keineswegs dem satze entgegenzu-
stehen, dass das lautsjstem jeder spräche ein auf physio-
logischen gesetzen beruhendes ganzes bildet; doch kann
ich mir nicht denken, dass dieses von anfang an vollkom-
men scharf ausgebildet dastand, und man wird wohl ver-
suchen dürfen sich die allmähliche schärfere herausbildung
und gliederung der laute aus einem früheren, noch so zu
sagen mehr chaotischen zustande zu erklären.
3) Meine ansieht, dass der ach -laut historisch dem
ich-laut vorangegangen sei, beruht theils auf dem histori-
schen zusammenhange des ch mit dem laryngalen h, theils
darauf, dafs ich nicht annehmen kann, dass die schweize-
224 Micliaelis
riscbe guttural-aussprache des cb nach den hoben vocalen
aus einer früheren, hier bequemeren palataleu sollte her-
vorgegangen sein, wie nach hm. Arendt's ansieht doch der
fall sein müsste.
4) In bezug auf die s- laute, d. h. die dentalen frioa-
tivlaute, habe ich zunächst zu bemerken, dass die zahl der
laute, welche ich als tonlose s-laute unterscheide, des ce*
rebralen hier zu geschweigen, nicht 8, wie mein hr. recen-
sent angibt, sondern nur 4 ist, nämlich tb, ß, c (9), s.
Jeder dieser laute kann allerdings nach meinen beob-
achtungen auf zwei weisen gebildet werden, mit nach oben
oder nach unten gewandter Zungenspitze, wie ich es nennet
apical oder dorsal, doch habe ich ausdrücklich hervor-
gehoben, dass ich diesen unterschied nur als eine verschie-
dene bildungsweise derselben laute ansehe. Da dieser un-
terschied nicht zu charakteristisch verschiedenen lauten
fllhrt, so hätte ich ihn für den speciellen zweck meiner
Schrift, welcher dahin ging, das physiologische Verhältnis
des deutschen ß und des franz. c (9) zu unserm s festzu-
stellen, ganz unberücksichtigt lassen können, wenn ich
nicht geglaubt hätte, durch die ausführung desselben das
Verhältnis meiner theorie der s-laute zu der Brücke^scben
in ein helleres licht zu stellen.
Hr. Arendt hält nun mit mehreren andern forschem ß
für lautlich identisch mit tonlosem s und nur etymologisch
davon unterschieden, während ich mit Jacob Grimm sie
auch für lautlich verschieden halte. Grimm sagt in der
vorrede zum Wörterbuch spalte LIX: „s lautet scharf und
sausend, z gedämpft und dieszend, noch an lispelndes th
mahnend, aus dem es ja entsprang, im anlaut oder auch
in- und auslautend nach andern consonanten und langen
vocalen wird es härter, dicker, nach kurzen vocalen wei-
cher, flüssiger, dem s sich nähernd^. Dies kann ich nur
so auffassen, dafs das frühere 5, unser ß, zwischen th und
s stehe, wohin ich es ebenfalls gestellt habe. Ich habe
nur versucht, diesem ausspruche Grimms und einem ähn-
lichen in der grammatik, den ich in meiner schrift ange-
einige linguistische bemerkungen. 225
führt habe, eine bestimmte physiologische deatnng zu ge-
ben, und zu dem ende die Untersuchung der physiologie
dieser laute von dem Standpunkte aus, auf welchen Brflcke
sie gebracht hatte, noch etwas weiter fortzuftihren. Von
dem unterschiede des s und ß, zu dem ich auf diesem
wege gekommen bin, wird man sich am leichtesten über-
zeugen, wenn man mit möglichst scharfer articulation eini-
gemale hintereinander die Wörter russ und rüß ausspricht
und dabei auf das gefühl in der Zungenspitze und im obe*
ren Zahnfleische achtet. Auch die beobachtung vor einem
Spiegel lässt bei zweckmäßiger beleuchtung den unterschied
erkennen.
Es hängt dieser unterschied, wie ich bereits in mei-
ner Schrift angedeutet habe, mit dem unterschiede in der
Quantität der vocale zusammen. Wenn man nämlich nach-
einander die kurzen und langen vocale i, i; e, e; ä, ä;
ö, ö; ü, ü ausspricht, so kann man bei hinreichender be-
leuchtung vor einem Spiegel wahrnehmen, dass die Zungen-
spitze bei den langen vocalen im allgemeinen etwas weiter
vorrückt als bei den entsprechenden kurzen. Eine folge
davon ist, dass auch die durch den vordertheil der zunge
als unteres organ gebildeten dentallaute nach langen
vocalen im allgemeinen etwas weiter vorgerückt gebildet
werden als nach kurzen. Dieser unterschied kann bei den
dentalen fricativlauten nicht bloß von der zunge gef&hlt,
sondern auch von einem feinen obre herausgehört werden,
was der nichtphysiologe nach dem ungefthren eindrucke
gewöhnlich so ausdrückt, dass er (abgesehen von dem lis-
pelnden th) den laut mit vorgeschobenerer articulation als
einen schärferen bezeichnet. Da man nun auch zugleich
oft den tonlosen laut, im gegensatz zu dem tönenden, den
schärferen nennt, so erklärt sich daraus, wie nach die^
ser allerdings verschiedenes durcheinander werfenden termi-
nologie Chladni, Rofsberg u. a. die laute tönendes f, tonlo-
ses s und ß als weichen, schärferen und schärfsten
bezeichnen konnten, während in der that sich f von s
Zeitichr. f. vgl. Bprachf. Xlll. 8. 15
226 Michaelis
durch die intonatioa, ß aber von 8 durch die vorgeschobe-
nere articnlation unterscheidet.
Die Heyse'sche regel: essen, iss; fassen, fasß
etc., aber faßen, faß, d. h. „nach kurzem vocal ss, nach
langem ß^, beruht danach nicht auf bloß willkürlicher fest-
stellung, wie Grimm früher meinte, sondern hat eine ganz
richtige physiologische und' historische grundlage, obwohl
Heyse selbst sie nicht richtig motivirt hat, und nach dem
damaligen Standpunkte der Sprachphysiologie auch nicht
richtig motiviren konnte. Das ss ist hier nicht, wie Heyse
meinte und worin ihm bisher alle seine anhänger beigetre-
ten sind, ein bloß graphisch maskirter Stellvertreter von
ßß, sondern wirklich das in der articulationsstelle hinter
das ß zurückgewichene geminirte tonlose s.
5) Dass femer auch das franz. c vor e und i, 9 vor
a, o, u und ebenso engl, c vor e, i bei ganz scharfer auf-
fassung von dem tonlosen s unterschieden sei und seine
Stellung zwischen th und s einzunehmen habe, ist mir, ob-
wohl es über die bisherige ansieht der französischen und
englischen phonetiker hinausgeht, doch bereits von ver-
schiedenen Franzosen und Engländern zugegeben worden.
Ich berufe mich hier auf prof. Solly, welcher mir sagte:
„Darin scheinen sie allerdings recht zu haben, dass o
(cense) ein schärferer laut ist als s (sense)^, wodurch der
unterschied in derselben ausdrucks weise zugestanden wird,
die ich oben beim ß besprochen habe. Dass sich diese
ansieht, der jetzt allgemein verbreiteten gegenüber, erst
allmählich wird bahn brechen können, steht allerdings zo er-
warten, doch hoffe ich dass sie mit der zeit durchdringen
werde.
Zweifelhaft könnte es noch sein, ob nicht deutsches
mit franz. 9 zusammenfiele, wie auch von einigen angenom-
men worden ist. Dieser zweifei könnte noch dadurch er-
höht werden, dass spanisches c vor e, i im laute sogar
mit engl, tb zusammengefallen ist; allein nach meinen beob-
acbtungen steht das franz. und engl, c dem th im klänge
nicht so nah wie deutsches ß, nnd auch die zungenstel-
lung scheint mir eine mittlere zwischen der von ß und s
einige linguistische bemerkungen. 2i^
ZU sein, so dass ich durch das ohr wie durch die zunge
auf die 4 stufen: th, D, c (9), s geleitet wurde.
6) Ein gewisser einfluss der quantität des vocals auf
den folgenden consonanten findet auch bei den dentalen
schlusslauten d, t statt, wovon man sich überzeugen kann,
wenn man die zungenstellung bei der ungezwungenen aus-
spräche von Wörtern, wie widder und wider, ratte und
rate etc. physiologisch prüft. Da dies aber hier keine
so merkbare klangverschiedenheit zur folge hat wie für die
fricativlaute, so liegt hier kein orthographisches bedürfnis
zu einer so weit gehenden theilung vor. Dasselbe gilt von
dem n, dessen articulationsstelle z. b. in mann ebenfalls
etwas abweicht von der in mahn. Ich führe dies hier
nur deshalb an, um damit zugleich noch den mir gemach*
ten Vorwurf zurückzuweisen, dass ich bei der besprechung
des ach- und ich -lautes nicht auch auf den ähnlichen un-
terschied in den g- und k- lauten hingewiesen habe. Die
fricativlaute bieten durch das mannigfach local modificirte
reibungsgeräusch, welches den schlusslauten fehlt, eine
größere, dem obre auffallendere mannigfaltigkeit der klang-
verhältnisse dar als diese, weshalb auch für jene eher das
bedürfnis einer weiter gehenden Scheidung eintritt. Ein
blick auf irgend eine linguistische tabelle zeigt die über-
wiegende zahl und feinere gliederung der fricativlaute, im
gegensatz zu den explosivlauten, und deshalb glaubte ich
die ch-laute für sich besprechen zu dürfen, ohne dabei auch
auf die g- und k- laute einzugehen.
Berlin, november 1863. G. Michaelis.
15*
228 Schweizer-Sidler
Die deutschen Ortsnamen. Von Ernat Förstemann. Nordhausen 1863.
Ferd. Förstemanns verlag. VI und 354 es.
Herr dr. Förstemann bietet uns mit diesem werke ein kur-
zes bandbuch zu seiner bekannten Sammlung von Ortsnamen, uod
ein solcher Wegweiser kann uns erst die rechte einsieht in da»
scheinbare gewirre öffnen. Was dort in alphabetischer Ord-
nung zerstreut ist, wird hier unter realen und sprachlichen ge-
sichtspnncten in helles licht gesetzt, und wir gewinnen für cal-
turgeschichte, den deutschen Sprachschatz und die deutsche gram-
matik manchen recht willkommenen aufschlnfs. Auch in diesem
werke ist der hohe ernst sichtbar, mit welchem hr. F. seine um-
fassende aufgäbe ins äuge fafst; und der fleifs, mit welchem er
sie verfolgt, die behutsamkeit, mit welcher er deren lösung ver-
sucht, durften nur von allzu scharfen richtern getadelt werden.
Dafs noch vieles zu bessern, gar manches nachzutragen ist, das
weifs der verf. selbst recht wohl; aber er darf sich sagen, dafs
er einen breiten grund gelegt bat und wohl geeignet, um den
fortbau noch stolzer aufzuführen. Wollten wir im ganzen etwas
an dem vorliegenden buche rügen, so könnten wir vielleicht
mit recht etwa aussetzen, dafs die allgemeinen partieen dessel-
ben zuweilen etwas gewunden und nicht scharf genug erschei-
nen. So gerade das erste capitel „gegenständ der forschung*, in
welchem erörtert wird, was ein deutscher Ortsname nach des verf.
ansieht sei, und nun der begriff von eigenname, von ort und
deutsch bestimmt ist. Der zweite abschnitt nmfafst die biblio-
graphie; der dritte zählt in organischer Ordnung die grand-
wörter in den Ortsnamen auf und sucht deren bedentungen fest-
zustellen. Wir heben hier einiges heraus. Unter die ableitun-
gen, welche auf wasser gehen, rechnet der verf., wie uns scheint,
mit bestem rechte auch Flevo, welches mit e zu schreiben Klotz,
denken wir, keinen grund hatte. Dem Flevo aber gesellt F.
die Flöhe bei. Zweifelnd nar jvird bei Bremen des altn. und
ags. brim, mare gedacht, welches Wortes herkunft von der skr.
Wurzel bhram, gnech, ßgefiSiVf lat. fremere wohl gewifs ist.
Davon trennt Corssen mit unrecht fretum, und selbst die
Frentani können wohl kaum irgendwo anders passender un-
tergebracht werden. Nicht daz hap, wie im mittelhochdeut-
schen, aber die bab im sinne von hafen und hafendamm oder
hafenmaner ist an unserm Zürichsee gfing und gfibe. Beachtend-
anzeigen. JSW
werth sind solche bemerkongen , wie diejenige über den aas-
gang ach, welcher gar nicht allein auf ahva, aha ^fliefsendes
Wasser^ zurückgeht, sondern oft die ableitong auf -ahi zu ver-
treten hat oder gar das keltische -acum ist So erweist sich
auch -an dem kritischen äuge nicht immer als deutsch. Schwie-
rig sind die niederdeutschen namen auf -apa, welche oberdeotsch
anf -affa auslauten. Hat man mit recht das skr. ap, griech.
Mecadnioiy ital. Appuli verglichen, deren p gar nicht statt ei-
nes filtern k stehen mufs, dann mufs man wohl die deutschen
formen als irgend woher erborgte betrachten, die sich erst bei
der zweiten, oberdeutschen lautbewegung verschoben. Noch schwie-
riger wurden die in rede stehenden lantverhältnisse , wenn Jak.
Orimm mit seiner deutang des Ubier namens das richtige getrof-
fen hätte. Dafs lit. upe „flufs^ zu ap gehöre, Ifiognet Cortiua
grundzage II, 57. An der dentschheit aber von ara. Aar u.8.f.
SU s weifein, liegt kein genügender grand darin, dafs dessen Wur-
zel auch in gallischen flufsnamen auftritt. S. 31 theilt uns der
verf. die entdecknng eines verschollenen strawa und strod,
strud mit, gleiches sinnes und Ursprunges mit ström, also
auch mit JSrgvfi:^^ ^TQVfAcaVy Rumo u. s. f. von w. srn für stru.
Dafs dieselbe lantgestalt für bäum und wald vorkommt, das
bat nach der schönen aaseinandersetzung von Kuhn zeitschr. IV,
s. 26 nichts bedenkliches; nur liegt in Ortsnamen, wie Esgene-
strnat u. s. f. (s. 59) nichts zwingendes, da bei uns auch ein Er-
lenbach sich findet Schön ist der ausdruck houbit für „quelle^,
Lob. Rhem. 128. Etiam x^iffi; proprie ostium fontis, qnodRomani
Caput appellant, significare videtur. Döderlein hom. gloss. p. 41.
Ein sod braucht gar nicht ursprünglich auf warme quellen zu ge-
hen; dafür geben uns das deutsche und die verwandten sprachen
beispiel und beweis sattsam an die band. Wat im sinne von
vadum, gadba ist doch, denken wir, durch unser zürchersches
Wat belegt, vgl. Ettmüller 44. urfar und uover gelten herrn
Förstemann als dasselbe, und so urtheilt auch Weinhold in sei-
ner alemannischen grammatik, der uo durch die stufen ar, a, o
hindurch entstehen läfst. Genauer angesehen kommt das der
Pottiscben etymologie sehr nahe, die als grundformen für goth.
US, ahd. ar, ar, ir u. s. f. a, uo skr. avas, ava hinstellt, und
er wird die Wahrheit getroffen haben. Für wald und berg he-
ben wir nnsern zürcherschen ausdruck s*pirg für die gegend
über dem flachlande hervor, und in Elgg heifsen die „Kellen-
230 Schweizer-Sidler
lfinder% d. b. die bewohoer des gebietes, wo massenhaft hölzerne
keilen fabriciert werden, Pirgsler, gewifs benennungen, die
nicht von beate nnd gestern herrühren. Oiessübel ist ein
name, der den besochern ansers Uetliberges wohl bekannt ist.
Ettmüiler in Meiers Ortsnamen erklärt ihn als ^Orienhugel^ oder
„Kieshugel **, was Meier als Züricher, der nie anders als Grie
oder Chies sprechen hörte, nicht hätte annehmen sollen. Der
ansdrock bnol, bei uns buel, wird denn doch nichts anderes
sein als bnhil, wie Ja aach znol für zugil vorkommt Stock
heifst eine örtlichkeit am Zürich. Den waldnamen hard, ahd.
hart läfst der verf. freilich zweifelnd aus haar ^anhöbe auf der
heide^ entstehen und meint, er möchte eigentlich den ^hochwald'^
meinen. Das hard bei Zürich liegt gerade in der tiefe. Ueber
die ausspräche bemerken wir, dafs dieses hard mit k und aas-
lautender media gesprochen wird, dagegen bei Elgg (Winterthar)
der „Ouegenhart^ ganz deutlich ä und auslautende tenois zeigt
und ebenso Dinhart, Dinert u.a. Wackernagel sieht in hart
^einen nicht geackerten boden^, und diese etymologie möchte
ihre bestätignng finden in den Ortsnamen Härti und dem ge-
schlechtsnamen Herter. Harz ist vielleicht eher als contra-
hierter genetiv, denn als ein beispiel neuer lautverschiebaug sa
erklären. Anziehend ist das über Hesi, Heissi beigebrachte.
Schon J. Grimm benutzte übrigens die namensgleichheit mit s.
Caesia, um den zug des Gt'Tmanicus gegen die Marser zu be-
stimmen. Ist auch hain allerdings aus hagan entstanden, so
doch kaum goth. haithi aus hag-ithi. Der ursprüngliche suio
des Wortes ist einfach der „des feldes^, dygog^ wie im skr.
kshStra. Vgl. Loo Meyer, orient und occident, U^ 87. — Gel-
ben wir über die zum theil sehr ansprechenden erörterangen von
wald und feld weg und nehmen beispiele von grundwörtem, die
anf künstlichen anbau gehen, vor. „Das ahd. war „domiciliiim%
sagt F., giebt einigen sehr alten völkernamen wie Angrivarii,
Chattuarii u. dergl. den Ursprung^. Etwas anders fafst dieses
-varii Zeufs, die Deutschen, s. 99 aaf, und zuletzt wohl hat es
MüUeBfaofF verzeichnifs der röm. prov. s. 529 dahin erklärt, dafs
es eigentlich „vertheidiger, dann Inhaber und besitzer^ bedeute.
Dafs mindestens Cyavari (Grimm mythol. i80), ein laname
der Schwaben, nicht auf wohnang geben kann, ist selbstverständ-
lich. -Wir erinnern dabei an das in den veden manigfach vor-
kommende var im sinne von „wählen, ehren ^. Wil, wenn es
auzeigen. 231
nichts mit lat. villa zu thun bat, müffite am ende auf dieselbe
Wurzel fuhren. Gewifs thut der verf. wohl seine frßhere mei-
nung, als sei goth. haim aus bag-m entstanden, nunmehr in
zweifei zu ziehen. Wir denken, die bildong aus w. ksbi und
die gleichstellung mit skr. ksbema stehe fest genug. Dorf,
dessen gleichheit mit turba auch die ursprungliche bedeutong
bestätigt, wird in unserer muudart nicht nur in -dolf (Kradolf,
daher der gescblecbtsname Kradolfer) auch in -dlaf verderbt,
wie in Burgdlef = Burgdorf. Der besitz fordert grenzen, und
zu einer deutschen bezeichnung solcher dienen verschiedene
ausdrücke. Von mark ist das allbekannt Und innerhalb der
grenzen liegt reich und bezirk. Von all diesen gesichtspancten
aus werden örtlichkeiten benannt, und F. fuhrt uns davon recht
instructive beispiele vor.
Cap. IV behandelt die reichern bestimmnngswörter, und
auch dieses wieder in organischer Ordnung. Die neigong auf et-
was anderes, aofser dem bezeichneten gegenstände selbst liegen-
des hinzuweisen, soll der laodname Alisa tia, jetzt Elsafs, be-
weisen als das land der andern, d. h. auf dem andern ufer sit-
zenden. Wir sehen keinen grund an dieser deutung zu zwei-
feln. J. Grimm im wurzell. fafst freilich den namen etwas an-
ders. Unter den weltgegenden ist besonders westen bedeutsam,
wenn der verf. recht hat nicht nur Wisaraha, Visurgis, son-
dern auch Vistula als ^^westflüsse^ zu deuten. In Winterthur
dachte längst Wackernagel an eine Volksetymologie aus win-
triu, wenn schon dort der wein selbst noch im ll.jahrh. die
gute des heutigen von ferne nicht erreichte. Wie wichtig die
flösse von jeher waren, wie tief ins leben sie griffen, das wird
uns recht anschaulich durch die massen von Ortsnamen, welche sich
an dieselben anschliefsen. Als dahin gehörend fafst F. auch einige
alte Völkernamen, wie Ripuarii „die anwohner der ripa des
Rheins % die Chasuarii als anwohner der Hase, und auch die
Ampsivarii mag er trotz der beliebten anknüpfung an ans deus
nicht von der Ems losreifsen. Er äufsert einen freilich unschul-
digen spott gegen diejenigen, welche hier an der synkope an-
stofs nehmen. Die beliebte anknüpfung an ans bat Müllenhoil
— denn diesem gilt es — längst aufgegeben, und auch er nimmt
in der zeitschr. von Haupt IX, 239 eine geographische bedeutuug
des namens Ansivarii an. Nur, dafs die Ansivarier an der
Ems gewohnt und davon den namen haben, hält er wohl nicht
2d2 Schweizer-Sidler
mit unrecht für eine nichtige annähme. Solche synkope aber,
wie sie F. aufstellt, hat allerdings für jene zeit sonderlich etwas
sehr bedenkliches. Auch des verf. Vaplivarii werden bei Mnl-
lenboff keine gnade finden, da dieser forscher erst jungst in dem
VAPII . VARII der tab. Peuting. Überreste der beiden namen An-
sivarii und Angrivarii gesehen hat. Unter den orten, die
von der hirse den namen bekommen, ist gewifs richtig auch un-
ser Hirslanden aufgeführt, wenn gleich heute diese bezeichnang
keine bedeutung mehr hat; heifst doch der ort in der frühesten
zeit schon Hirslanda> nicht Hirzl., während wir heute noch
vom gasthof zum Hirzen und vom Hirzen graben hören. la
Kriechestat sieht der verf. eine Zusammensetzung mit einem
nicht ganz bekannten bäume, und vergleicht frz. crequier ^ Schle-
hen^. Ich erinnere mich, dafs wir in unserm pfarrgute Chrie-
chen hatten, eine art kleiner pflaumen; der bäum war ein cul-
turbaum. Sehr instructiv ist die eindringliche erörterung der Orts-
namen, die mit personennamen zusammengesetzt sind, und P.
hat das entschiedene verdienst hier durch richtige anordnung licht
geschafft zu haben. Die anfänglich recht wunderlich aussehen-
den Verstümmelungen und Verkrümmungen werden uns in ihrem
werden treflPlich vorgeführt
In einem fünften abschnitte werden die verschiedenen wei-
sen besprochen, in denen sich diese demente zu einem ganzen
vereinigen. Wo die eigentliche composition behandelt ist, geht
F. etwas genauer auf die in Ortsnamen so wichtigen themata aof
ing (inga) ein und stellt die sätze auf, 1) dafs die bedeutung des
Suffixes ursprünglich nur die Verwandtschaft mit dem begriffe des
Stammwortes bezeichne; 2) dafs es zunächst zur bildung von ad-
jectiven verwandt worden sei: so sei Dagmaringahem eine
dagmarische wohnnng, wie Bochinafeld ein buchenfeld. Und
es läfst sich ja gar nicht läugnen, dafs in dem Suffixe, verglei-
chen wir die verwandten sprachen, wirklich nichts anderes liegt,
als was der verf. darin sieht. Sehr ansprechend und auch der
grammatik noch neues bietend ist die darstellung der uneigent-
lichen composition d. h. der blofsen anrückung der bestimmungs-
wörter. Freilich wird sich der kundige hüten die altscheinen-
den casusformen im hochdeutschen überall auch für wirklich alt zu
halten. Schon Dietrich und neulich Weinhold haben klar gewie-
sen, dafs hier gar nicht dasselbe gesetz der schwere der vokale
gelte, wie etwa im sanskrit and den sogenannten elassischen
anzeigen. 233
Sprachen, dafs ein a und u oft nachweislich far einen dunkeln
ton des a, e, i stehe. Da nach F. nach weis feststeht, dafs die
uneigentliche composition bei persönlichen bestimmungswörtern
fast ausnahmslos herrsche, so folgt naturlich die frage, ob etwa
auch in Bojohaemum Bojo schon als gen. plur. zu fassen sei«
Die frage läfst sich freilich nicht bestimmt beantworten, dage-
gen auch die möglichkeit, dafs ein o neben e schon damals be-
standen, sich nicht bestreiten.
Cap. VI ist die hier sehr umfangreiche cllipse, cap. VII
deren gegentheil, die differenzierung, erörtert. Wie leicht
ein genetivus des bestimmungswortes allein übrig bleiben konnte,
beweisen uns griechische ausdrucke, wie elg to didaaxdXov
q}Oizäp und das auch in der Schweiz hfiufige „i's Müllers^ a.s.f.
Besonders hfiufig aber, wie bekannt, und bemerkenswerth ist die
dativische ellipse. Die beispiele, welche der verf. in der ein-
leitung zu deren einzelbesprechung gibt, nämlich Nordhusa
und Sundhusa, wären änfserst interessant, wenn sie sich als
echte alte pluralnominative von neutralen a- stammen erweisen
liefsen. Dafs sich solche nominative auf o, u lange erhielten, ist
bekannt. Die altsächsischen dative auf -iun von stammen auf
i and ia bringen F. auf die kaum mit ja zu beantwortende, wenn
auch nicht unsinnige frage, ob nicht Tevde^iov und Tivroßovg-
yiov schon von den Griechen mifsverstandetae dative pluralis
seien; es mufste denn doch auch Asciburgium so gedeutet
werden. Mit einer derartigen erklärung von Povyiov wäre des
Ptolemäus Weisheit gerettet. Statt der dativischen ellipsen kön-
nen aber wieder auch formelle nominative eintreten, so nament-
lich bei dem suffixe -ing, und dahin rechnet der verf. nicht
nor Pap Inga u. a., sondern auch die ans gothische und altsächs-
08 erinnernden namen auf -ingas, welche besonders auch in
schweizerischen Urkunden oft vorkommen, wie in Ascwendin-
gas etc. Man könnte da einen genetivus singularis sehen wol-
len, wenn das nicht Affaltrawangas hinderte. Sind das aber
nominative der mehrzahl, dann thut Weinhold unrecht diese en-
dung als vor dem aufkommen der alemannischen spräche erlo-
schen zu erklären.
In dem abschnitt VIII über „die suffixe^ spricht der Ver-
fasser einleitend über die casusendungen und fordert mit allem
rechte von der deutschen grammatik, dafs sie den casusendun-
gen, wie sie die Ortsnamen bieten, die gröfste Sorgfalt angedei-
234 Schweizer-Sidler
heu lasse; dann werden die einzelnen bieber gebörenden wortr
bildenden Suffixe behandelt und nicht nur ihrem Stoffe und, wo
dieses möglich, ihrer bedeutung nach, sondern namentlich auch
nach der gegend ihres Vorkommens gründlich erörtert. Wo der
verf. von der auf -ones endigenden gruppe spricht, welche geo-
graphisch und genealogisch ihr bestimmtes gebiet umfassen soll,
da scheidet es sehr richtig die stammnamen Ingaevones oder
Ingvaeones, Istaevones oder Istvaeones und Hermino-
nes von den übrigen. Gewifs hat MüUenhoff in der deotung
dieser namen im ganzen das richtige getroffen, wenn er sie als
hieratische auffafst, die dann natürlich, weil sie nicht bezeich-
nung von einzelnen Völkern sind, allmählich verklingen. Beiläufig
möchten wir noch einmal den gedanken änfsern, ob nicht, da
Mannus dem Manu entspricht, Tuisto auf Tvastar, Ingus
und Erman auf Agnis und Aryaman gehen, Istus bleibt
uns freilich ein räthsel. Die Vi th ones, die 234 angeführt sind,
liefsen sich als solche wohl deuten; aber die beste Überlieferung
spricht ja gegen diese namensform. Wie es mit den Cbrestini
(s. 235) steht, zeigt uns MüUenhoff verzeichnifs der röm. prov.
s. 520 f. Kühn sind die s. 238 und 239 geäufserten vermnthun-
gen über die namen Tungri, Sigambri u. s. f. Sigambri,
für Siganavarii gesetzt ist eine Verstümmelung, welche wir
der alten spräche nimmer zumuthen. Wenn F. die deutung von
Völkernamen aus den namen bestimmter örtlichkeiten als die
beste fährte anräth und dieselbe natürlicher nennt, als wenn maa
in dem namen eines Volkes den sinn von siegesstarken und dgl.
finden wolle, so geht er nun offenbar nach dieser seite zu weit;
ethischer völkernamen werden uns immer eine schöne zahl ste-
hen bleiben, wenn auch die deutung Sigambri aas sigugam-
bri nicht gerade gelungen scheint. Den Tiberis hätte der verf.
(241) kaum zu keltischem dubr aqua und zu Tauber gestellt,
wenn er die bemerk ungen über teforom in Mommsens unterit^
dialecten gekannt hätte. Und sichererer beweise bedürfte es, um
die Thüringer von den Herrn unduri loszureifsen und von
dem fiüfschen Tyra benannt sein zu lassen, als sie der verf.
gibt. Er behauptet aber zum Schlüsse seiner erörterung den
namen auf -ingi geradezu: Unter allen Ingivölkern ist übri-
gens nur eines deutlich patronymisch, die spätem LatharingL
Auch der name der Cherusei soll ein geographischer sein und
bewohner des Herisilandes bedeuten. Wir bestreiten nicht den
anzeigen. 29^
Scharfsinn und die gelebrsamkeit, welche F. hier aufwendet, um
die althergebrachte anknupfnng an hairu ^schwert^ umzustür-
zen; aber er selbst mnfs wohl zugestehen, dafs seine erklärung
gar nicht über allen zweifei erhaben ist Noch weniger aber
überzeugt uns die annähme eines solchen heres in dem namen
Caervesi (s. 277), da mindestens die namen der Völker, welche
Cäsar jenseits des Rheines als Germani auffuhrt, und wohl am
ende auch die völker selbst keltische sind. Cap. IX behandelt
die Ortsnamen im räume, cap. X in der zeit, cap. XI deutsch
und fremd; und cap. XII schliefst mit den aufgaben für die Zu-
kunft Auch diese capitel enthalten nicht nur einen grofsen reich-
thum des werth vollsten , mit aafserordentlichem flcifse and der
loben 8 wertbesten Sorgfalt zusammengebrachten materiales, son-
dern nicht minder zeichnen sie sich aus durch eine feine verwer*
thung des Stoffes.
G^ewifs wird dieses buch des herm Förstemann reiche fruchte
tragen und namentlich von einer leichtfertigen behandlung der
Ortsnamen zurückschrecken, indem er zeigt, welch wunderbare
entstellungen in denselben eingebrochen sind, wie bunt sich hei-
misches und fremdes mischen. Aber auch für deutsche Sprach-
geschichte ist es von wesentlicher bedeutung, nicht nur weil es
uns eine reihe von beispielen grofsen lautwechsels vorführt, son-
dern auch, weil es uns neue blicke in die weisen der ableitung
und Zusammensetzung, in die abkürzung der nomina und selbst
in deren syntactische Verwendung thun läfst.
Zürich im november 1863.
H. Scbweizer-Sidler.
Beovulf. Mit ausführlichem glossar herausgegeben von Morits Heyne.
Paderborn. Ferd. Schöningh. 1863. 8.
Das Beovulflied ist in seiner Wichtigkeit für die erkenntnifs
des deutschen alterthums während der letzten dreifsig jähre zu
immer rascher wachsender anerkennung gekommen. Indessen
texte waren bis auf Grein 's vortreffliche ausgäbe sämmtlicher
poetischer stücke der angelsächsischen litteratur in Deutschland
schwer oder nur in unzureichender weise bearbeitet, zu haben —
und auch nach dieser ausgäbe nicht in solcher wohlfeilheit, wie
236 Leo
man sie wünschen mufste, ^enn dies älteste ans erhaltene deut*
sehe heldengedicbt gegenständ academischer Vorlesungen werden
sollte, wie es zu werden in jeder hinsieht verdient, üeber die
grundsätze, nach welchen die nun vorliegende einzelausgabe ge-^
arbeitet ist, spricht sich der Verfasser in der vorrede aus. Uebef
die art, wie diese grundsätze durchgeführt sind, hat referent
durch den umstand, dafs der herausgeber ihm selbst seine arbeit
dedicirt hat, die möglichkeit verloren ein urtheil zu äufsern. £r
darf nur sagen, dafs diese arbeit dem, was er davon erwartete
and brauchte, in jeder hinsieht entspricht.
Dies aber wird ihm, ohne sich dem vorwürfe der unbeschei-
denheit blofszustellen, noch freistehen, über ganz vereinzelte pancte
angelsächsischer etymologie an die anzeige dieser aasgabe einige
bemerkungen anknüpfen zu dürfen.
Im glossar (s. 235) findet sich: „scerven, verschüttet?** —
and (s. 236) „sceorp, kleid^. Grimm hat von jenem scerven
oder scerpen gehandelt in der vorrede zu Andreas p. XXXVI
and XXXVII und in den anmerkungen s. 133 und 134. Er
kömmt zu der erklärung: „verschüttet*', welche der herausgeber
adoptirt, und bei welcher auch referent sich lange beruhigt hat
trotz Grimms eigner bemerkung, dafs sie ihm nicht vollständig
genüge. Grimm hat mit fug und recht auf das altnordische Zeit-
wort skirpa zurückgegriffen, sich aber durch die erste von Biörn
Haldorsen angegebene bedeutung: exspuere, ore ejicere auf eine
falsche fährte führen lassen. Offenbar ist die zweite angegebene
bedeutung: post se relinquere die ursprüngliche — and dies wort
dann nur ein euphemistischer ausdruck zarter höflichkeit für die
häfsliche thatsache der exspuitio. Nehmen wir dem nordischen
skirpa analog ein angelsächsisches zeitwort sceorpan in der
bedeutung: post se relinquere an, so kommen wir auf eine an-
dere und nach allen selten ungleich besser passende bedeatang
der angelsächsischen Wörter scerpen und sceorp. Die stelle im
Andreas: meodu scerpen vearö äfter symbeldäge — schildert
dann den schrecken, der die menschen ergriff ob der gewaltigen
flath: ^sogar der meth ward im stiebe gelassen nach dem
gelage*' — niemand wagte beim becher zu bleiben. Ganz ebenso
erklärt sich die stelle im Beovalf, wo von dem kämpfe die rede
ist zwischen Beovulf und Grendel. Die Gelten ruhen schon, als
Grendel in den saal kömmt, und als der kämpf beginnt, der in
forcbtbarem getöse und mit gebrüll des unthieres verläuft. Die
anzeigen. 237
Dänen (welche sich xarQckgezogen haben, um den ermüdeten
Geaten den schlaf nach der harten reiseanstrengung zu gönnen)
sitzen noch anderwärts in der barg bei den bierhörnern — da
hören sie mit einem male das furchtbare gedröhn and das trin-
ken vergeht ihnen; sie lassen das hier im stiebe: ^Denam eal*
lam vearS, ceasterbaendum, ceura gehvylcum eorlam eala seer-
pen^ „allen den Dänen (oder bei allen, von allen den Dänen),
die in der barg waren, aach den kühnsten beiden, ward das
hier im stiebe gelassen^ — sie tranken nicht weiter, so ergriff
sie der schrecken. — Dies zusammengehören mit dem altnordi-
schen skirpa entscheidet zugleich über die lesart — es mufs
scerpen heifsen — nicht scerven (wie unser herausgeber noch
hat); Orimm wagte nicht fest zu entscheiden, weil die gestalt
des angelsächsischen p und v in der schrift sich so nahe stehen,
dafs man in vielen fällen völlig zweifelhaft sein kann. Und nun
gewinnt auch das in compositis begegnende sceorp, was man
seither durch: kleidung erklärte, ein ganz anderes gesiebt. Im
Beovulf begegnet: bildesceorp, in der Judith guOsceorp
— es sind die im kämpfe verlorenen, im stiebe gelassenen beute-
stucke, die spolia opima. An Zusammenhang mit scearp ist
bei diesen Wörtern nicht zu denken — letzteres wort hängt of-
fenbar mit sc er an, tondere, secare zusammen und ist eine Wei-
terbildung in p, wie sceard (die scherbe) in d; serüd (das zu-
geschnittene) ind; seeort (das abgeschnittene) in t. Die ein-
zige Schwierigkeit könnte bereitet werden durch gescyrple,
was im Andreas in der bedeutung: kleidung^ ausrustung vorzu-
kommen scheint — doch fragt sich noch, ob dies die richtige be-
deutung ist, denn da im altnordischen skerpa nicht blos acuere^
acuminare, sondern auch: torrefacere bedeutet und davon scorpa,
crusta durior (schürf ), skorpinn, corrugatus, contortus, skorpna,
corrugari herkommen, könnten die worte: „va;ron hi on gescjr^
plan seipferendum eorlas onlice^ bedeuten: sie, die männer, wa-
ren ihrem wettergedörrtem ansehen nach Seefahrern ähnlich, —
so dafs: gescjrple das wetterharte, dürre, sebarfrunzliehe we-
sen und ansehen bezeichnete; — sodann aber könnte gescyrple
vielleicht auch wirklich kleidung, ausrustung bedeuten, ganz in
derselben weise wie reaf, was ursprünglich auch: raub, beute-
stuck bedeutet, nachher nicht blofs mantel und kleidungsstuck,
sondern tuchstuck, vorbang, tuch überhaupt bedeutet, — und
könnte in dieser weise gescyrple zu sceorp das beutestück
gezogen werden.
238 I-'CO, anzeigen.
Und nun komme ich noch einmal auf das vielbesprocheoe,
auch nur dreimal bis jetzt aufgefundene um bor zurück. Das
wort ist offenbar gebildet wie sigor von sige; wie salor von
sele; wie dogor von d&g u. s.w. und setzt also neben sich ein
nomen ymb voraus oder ymbe. Die bedeutung laust sich aus
den drei stellen, wo das wort begegnet, ziemlich sicher stellen.
In den versus gnomici (31) ist vom sterben die rede und es
heifst daselbst: fus sceal feran, fsege sveltan and dogra gehvam
ymb gedal sacan middangeardes: meotud ^na vat hvSr se cvealm
cymet$. )>e )>eonan of c^ööe geviteö, umbor yceö )>a (das kind,
die nacbkommenschaft wächst da), fir adl nimeS: )>y veor!Se5
on foldan fela fira cynnes; ne sy )>äs magotimbres gemet ofer
eorSan; gif hi ne vanige, se )>as voruld teode. Diese stelle be-
weist deutlich, das wort umbor mufs: kind, nachkommenschafi
oder so etwas bedeutet haben. Altenglisch bedeutet ymp einen
keim, ein kind — und dafs dies wort alt ist, sieht man an dem
angelsächsischen denominativum impian (besser ympian), was
wohl ursprünglich bedeutete: keimen machen, oder nachher:
pflanzen und impfen. Sele ist ein saal; salor ein mächtiger
Baal; sige eine an einem anderen gewonnene niederlage, ein
sieg; sigor ein grofser sieg; däg ein tag, aber dogor, ein vol-
ler tag von vier und zwanzig stunden; dyn oder )>yn, ein ge-
tos; )>unor ein mächtiges getös, ein donner; ata hafer (in frü*
her zeit das hauptnahrungs mittel), ätor, eine zu mächtige nab-
rung, gift. — Die bildungen in or sind mit einem werte aog*
mentativa oder complectiva. Umbor bezeichnet also wohl ein
kind als complex alles davon entspriefsenden, ein kind als kfiiif*
tigen Stammvater, einen sprossenreichen, sprossenmächtigen keini,
einen Stammhalter. Im althochdeutschen bezeichnet impi piano
einen bienenschwarm, und die bienen selbst werden impen (also
ursprünglich: keime, geschlechter) genannt Dem althochdeut-
schen impi mufs aber nach richtigem lautwechsel ein angelsäch-
sisches imbe entsprochen haben, welches das von uns vorausge-
setzte ymb oder ymbe ist, was sich wohl nur unorganisch in
ymp verhärtet und so auch ein denominativum ympian, im-
pian erzeugt hat. Die bedeutung kind, sprofs pafst dann
auch vortrefflich zu den beiden stellen, wo umbor im Beovulf
begegnet (46. 1167).
Leo.
Ebel, mlsceUen. 299
Lateinisches.
1) Nummus.
Nu mm US, nicht Dumus, wird bei Pleckeisen, 50 artikel
u. 8. w. trotz der ableitung von pofiog als die allein beglaubigte
form festgehalten; wie erklärt sich aber das doppel-m? Ich
meine, wir haben hier gar nicht vofiog selbst vor uns, sondern
sein derivatum vofiifiog, in welchem der vocal ebenso ausgesto-
fsen ist wie in summns = *supmns aus *8upimus (= i;;ra-
jog); nummus wäre also die gesetzliche, landesübliche
mQnze.
2) Arno.
Es ist mir nicht gegeben, mich blindlings irgend einer noch
so grofsen autoritfit zu unterwerfen oder einer noch so verbrei-
teten ansieht anzuschliefseu ; ich habe daher bei verschiedenen
gelegenheiten meine zweifei gegen hergebrachte annahmen offen
ausgesprochen, andre nur deshalb zurückgehalten, weil ich mich
nicht rein negierend verhalten mochte und doch nichts besseres
an die stelle zu setzen wufste. So habe ich mich auch nie ent-
schliefsen können der üblichen herleitung des lat. amo ans skr.
kam (kamäyami) entsckieden beizustimmen; denn so sicher der
Wegfall eines k in vermis, ubi n. a. vor v und dann auch vor
u stattgefunden hat, so zweifelhaft ist dieselbe annähme im latei-
nischen vor andern vocalen. Gleiche bedenken haben Fictet
(zeitschr. V, 341) bewogen, sich an die wurzel skr. am zu wen-
den, deren causale „krank sein^ bedeutet; hier scheint mir je-
doch die bedeutung zu wenig treffendes zu bieten, wenngleich
ich niemandem verwehren will, nach subjectiver anschauung liebe
für krankheit zu halten; ich schlage deshalb eine andre ablei-
tung vor, auf die das latein selbst hindeutet. Das alte a bat
sich bekanntlich im lateinischen ebensowohl wie im griechischen
(wenn auch hier mit gröfserer consequenz) in a, e, o gespalten;
häufiger findet sich o neben e: moneo — mens, doceo —
decus*), collis — cello, seltner aufser der composition a ne-
*) Die XI, 15 gegebene deutung des skr. di9 und 7a9a8 ans *dyak
habe ich übrigens schon V, 188 ausgesprochen und daraus sowohl das e in
index als den diphthong in SeCSfyftai erklärt, was Leo Meyer ¥11,200
abersehen hat.
240 £bel , miscUen.
ben e, doch fehlt es auch dafür nicht an beispielen: maneo —
fiBpoHy Callas — cello, vagari — vehi (V, 393), placere
(nebst placare) — plectere. Wir sind also vollkommen be-
rechtigt, amare und emere aas einer warzel abzaleiteo, mag
diese nun dem skr. yam oder nam entsprechen (ksLj^ti, ima
oder goth. niman); es fragt sich nnr, in welcher weise sich die
begriffe vermitteln, and hier stehen ans drei wege offen. Man
könnte an den gewöhnlichen begriff von emere anknüpfen and
die coemptio zam belege anfuhren, oder auf die grandbedea-
tung des skr. yam (dem emo denn docb näher liegt als dem
nam) zurückgehen und sich auf das homerische dvögl dafiijpai
berufen, wobei jedenfalls die naiv- sinnliche auffassung der alten
getroffen wäre; es giebt aber noch einen dritten weg in der
mitte zwischen beiden, der mir der richtigste scheint, nämlich
vom gruudbegriffe des lat. emere ^nehmen^ auszugehen, so dafs
amare recht eigentlich „nehmen wollen^ (etwa auch „in besitz
nehmen^) bedeutete. Für die letzte deutung scheint auch das
zu sprechen, was mich von dem zusammenhange zwischen emere
and amare überzeugt hat, das analoge verhältnifs zwischen adi-
mere und ad amare, in welchem sich die präposition von
amare aus schwerer begreift. Flaben wir aber recht, beide aaf
skr. yam zurückzufuhren, so gewinnen wir einen ebenso über-
raschenden als bedeutungsvollen etymologischen Zusammenhang
zwischen dem lat. amare und dem griech. yafiBlv^ dessen y
dem skr. y entspricht.
Dem begriffswechsel zwischen emere und amare stehl ein
ähnlicher in einem und demselben worte zur seite, in ciras^
wie unser theuer von kauf and liebe gebraucht, welches Bopp
ebenfalls zur wurzel kam zieht, gewifs mit unrecht: denn cftrus
darf nicht von der alle celtischen dialecte durchziehenden wnr*
zel car (altir. caru beitr. III, 47) getrennt werden, die nicht ent-
lehnt sein kann; auf romanischem Sprachgebiete hat, soviel ich
weifs, nur das französische ein verbum chörir erzeugt = *ca^
riscere, eine folge celtischen Sprachgefühls.
October 1863. H. Ebel.
Corsseii, zain oskischen dialekt. *241
Zum oskischen dialekt.
(Fortsetzung.)
Pukkapid, auf der tafel vou Bautia [pjocapid
(z. 30) und pocapit (z. 8) ist von Mommsen flbersetzt
quandoque (unterit. diul. s. 288) von Kirchhof: ali-
quando. Dafs das wort adverbielle bedcutung hat, zeigt
der Satz der tafel von Bautia, z. 30: Suaepis — [pjo-
capid Ban8a[e fjust^ wo es weder subject noch object
sein kaun. Puk-ka-pid ist nun zunächst durch assimi-
lation entstanden aus *pod*ka*pid. Das einfache pod
kommt in adverbieller bedeutung vor, t. Bant. 23: Saae
praefucus pod post exac Bansae fust.= Si prae-
fectus quando posthac Bantiae fuerit. Mommsen
faist hier das pod als temporalen ablativ des neutrum mit
indefiniter bedeutung und übersetzt es mit K lenze: quando
(a. o. 8.291). Dafs der oskische ablativ pod die indefi*
nite bedeutung ebenso gut haben kann wie der lateinische
quo- in quo-dam und in Verbindungen wie: si quo
loco fuerit, dafs dieser ablativ pod ebenso wie zahl-
reiche andere ablative einen temporalen sinn haben kann,
mithin die Verbindung suae -pod — fust bedeuten kann
si — quo (tempore) — fuerit, ist jedenfalls einleuch-
tend. Wenn auf der tafel vou Bautia das einfache pis
sowohl quisquis »wer irgend^ (z. 8. 19) als aliquis be-
deuten kann, so kann auch pod den sinn „wann irgend^
haben. Mithin ist Klenzes Übersetzung von pod : quando
vollständig spracbgemäfs und Kirchhofs abänderung des
pod in po[capi]d ungerechtfertigt, zumal über die lesung
der stelle auf der tafel kein zweifei walten kann. Das
-ka- von puk ka-pid ist irgend eine alte casusform des
demonstrativen pronominalstammes ka-, dessen locativform
-cei, -ce, -ci, -c im lateinischen enklitisch angefügt er-
scheint in hei-cei, hi-ce, hi-ci-ne, hi-c (Verf. ausspr.
1,219.271.338) und dem oskischen enklitischen -k (-c)
entspricht in den pronominalformen eka-k, eki-k, ekas-k,
izi-c, idi-k, exa-c, exei-c, eizas-c, eizazun-c,
ZeiUchr. f. vgl. sprachf. XIIL 4. 16
242 Corosen
cizei-c. Jenes -ka mufs eine von diesem -k (-c) ver-
schiedene casusform gewesen sein und zwar eine feminine,
und da liegt es nahe, es fiir eine ursprüngliche ablativ-
form mit adverbieller bedeutung zu halten wie die lateini-
schen adverbien qua, illa-c, ista-c, ita (Verf. ansspr-
I, 331f.) contra, intra, extra, supra. Dais das oski-
sche enklitische -ka wie diese lateinischen ablativformeo
das auslautende d des ablativs einbüisen konnte, zeigt das
enklitische -p in ne-p, nei-p s= ne-que, das aus -pid
entstanden ist, und mit dem d auch noch den vorherge-
henden vokal einbOfste. Der demonstrative sinn des en-
klitischen -cei, -ce, -ci, -c im lateinischen läfst sich im
deutschen durch „eben^ wiedergeben; diesen sinn hat also
auch -k und -ka im oskischen. Das -pid in puk-ka-
-pid ist dasselbe wie in potoros-pid = uter-qae,
entspricht also genau dem -que in uter-que, quis-que
u. a., das aus *-qued entstanden und wie osk. -pid eine
ablativische advcrbialform nach der art von facilumed
ist (Verf. ausspr. 1,337. 335; U, 260f.). Nach dieser zer»
gliederung ist also der sinn von puk-ka-pld „wann eben
irgend wie^. Da nun lat. quandoque bedeutet „wann
einmal irgend wie^, so ergiebt sich, dafs die zusammen*
Stellung beider Wörter in der bedeutung richtig ist.
Ich habe nun, ehe ich in der erklärung weiter gebe,
von den ergänzungen verstümmelter Wörter in z. 53. 54
der vorliegenden inschrifi rechenschaft zu geben Nie-
mand wird den satz in frage stellen, dafs man die hier
vorkommenden verstümmelten wortformen .ittiom, alttr..,
.errins zu wörteni zu ergänzen suchen muls, die sich
in dem uns bekannten wortvorrath des oskischen vorfin-
den, und dafs nur eine nach allen Seiten hin schlagende
evidenz der beweisführung ausnahmsweise von diesem kri-
tischen verfahren entbinden kann. Demgemäfs habe ich
schon früher .errins zu [hjerrins ergänzt (zeitschr. VI,
423). In der so hergestellten 3. pers. plur. conj. perf. act.
ist an das verbalthema heri-, das die auf der bleiplatte
von Capua vorkommende conjunctivform heri-iad ergab
sum (xkUchen dialekt. 248
(Verf. zeitschr. XI, 344f.) die form *-fin8 ftr ^-fains
von WZ. fu- getreten, der charaktervocal der conjugations-
klasse geschwunden und das f dem Torhergehenden r der
Wurzel her- assimiliert, wie diese bildnngs weise oben f&r
die entsprecbenden formen der a-conjugation tribarakat-
tins und patensins nachgewiesen worden ist. Die form
heri-iad hat an der obigen stelle die bedeutung capiat
(a. o. 356); demnach entspricht [hjerrins in der bedeu-
tung dem lateinischen ceperint und steht wie tribara-
kattins und patensins im nachsatz, der die imperativi-
sche vertra'Tsbestimmung enthält. Unzweifelhaft richtig igt
Ebels ergänzung alttr[os] als subjeot im nom. plur. ssu
der pluralform [hjerrins. Mommsens ergänzung [o]it-
tiom yerwirft Ebel, da Lepsius .ittam gelesen habe, und
nimmt an, jener habe zu viel, dieser zu wenig gelesen;
.ittom sei zu lesen und dieses zu [ajittom zu ergänzen,
das ein accusativ zu der auf der tafel von Bantia vorkom-
menden genetivform aeteis sei und partem bedeute. Ich
mufs diese conjectur für verfehlt halten. Dafs Mommsen
schärfer sah als Lepsius und einen wesentlich verbesserten
text des Steines von Abella gegeben hat, davon kann sich
jeder durch vergleichung beider textabdrücke überzeugen,
und wem das zu mühsam ist, den verweise ich beispiels-
weise auf die bei Lepsius vorkommenden falschen lesarten:
manioi (z. 1. 3), vosei (z. Iti), fiisname fi (z. 30) eta-
ert (z. 33), pukkaaid (z. 32), mostaiet (z. ö8). Nun
ist wohl zu beachten, dals die schrift gegen ende der rück-
seite des Steines zahlreiche ligaturen zeigt, gewifs weil der
Steinmetz fürchtete mit dem räum nicht auszureichen, dafs
insbesondere i häufig mit dem folgenden buchstaben ver-
bunden ist, so dais blofs der kurze querstrich das kenn-
zeichen desselben ist. So ist auch in Mommsens ahdruck
der lesart .ittiom das zweite i nur durch jenen querstrich
ausgedrückt, der an den rechten schrägen balken des o
augefügt ist, und zwar deutlich und scharf ausgeprägt.
Stier hat nach Mommsen den stein gesehen und hat ange-
geben, wo dessen text ihm nicht ganz genau den schrift-
16*
244 CorRftcn
zQgen zu entsprechen schienen, wie er sie gesehen (zeitschr.
f. aherthumsw. 1851 , s. 470f.). Er mufs also die lesart
• ittiom für richtig befanden haben, da er gegen dieselbe
nichts bemerkt. Man mufs also nach den sonst geltenden
grundsätzen der textkritik diese lesart als die richtige an-
sehen, man darf sie nicht beseitigen einer unhaltbaren an-
nähme zu Hebe, dafs den nominativbildungen auf -t-ia»f
das Suffix -ion oder -t-ion zu gründe liege. Auch mufste
doch das doppelte t von .ittiom davor wenigstens war-
nen, hier eine casusform von dem stamme des genetivs
aeteis in den text zu bringen. Dazu kommt nun end-
lich, dafs ja jenes aeteis, wie das zugehörige adjectivQm
minstreis zeigt (t. Baut. 13. 18. 27) ein masculinnm oder
neutrum ist, während sich das wort, von welchem Momm-
sen .ittiom las, durch das beigesetzte alttram als feaii-
ninnm ausweist. Mommsens herstellung von [ojittiom
ist also vollkommen gerechtfertigt. Dafs [ojittiom eine
accusativform zu [o]ittiuf sein kann, davon ist schon
oben die rede gewesen. Diese casusformen bedeuten an
den beiden stellen, wo sie vorkommen, eigentlich usus,
ususfructus, nutzniefsung, daher wohl aligemeiner „be-
sitz*. Der sinn der in rede stehenden stelle des vertrage
ist also „was auiserhalb des besitzes der einen parte! ist,
soll die andere nehmen", das heifst: bei öflFnung der Schatz-
kammer darf jede von beiden parteien nur das vom geräth
des tempelschatzes brauchen, was ihr gehört.
Der letzte satz des Vertrages lautet :
Avt anter slagi[m] | Abellanam inim Nov-
Autem inter locum Abellanum et No-
lanam, | [pJoUad vio uruvo ist, tedur | [ejisai
lanum, quacumque via ourva est, istic in ea
viai mefiai tereme[n | n]io staiet.
via media terminalia Stent.
In diesen worten ist zunächst Mommsens ergänzung
[p] oll ad zu besprechen. Bugge vermuthet statt dessen
[sjollad (zeitschr. V, 8). Aber die construction des satzes
eifordeit mit zwingender pothwendigkeit ein relativum an
zum OHkischen dialekt. 241^
dieser stelle. Der satz, dessen prädikat ist, und der, des-
sen prädikat staiet ist, können nicht neben einander ste-
hende bauptsätze sein. Wären sie das, so würden sie duroh
irgend eine conjunction wie inim, avt oder ekkuin ver-
bunden sein, wie die übrigen nebeneinander geordneten
bauptsätze des Vertrags. Das ist mufs vielmehr verbum
eines Zwischensatzes sein. Dies wird die ganze folgende
erkJärung des satzes bestätigen. Allerdings kann [pjollad
nicht so ohne weiteres ullä sein, wie Mommsen annimmt
(unterit. dial. s. 289), da ullus sicheriich diminutivum von
unus ist und dieses kein anlautendes p eingebüfst hat.
Wohl aber kann es durch die Verbindung eines casus vom
relativstamnje po- mit dem ablativ -oUad entstanden
sein. Man könnte f&r die erklärung dieses letzteren an
altlat. oll US denken. Allein von diesem pronomen findet
sich im oskischen, umbrisoben^ völkischen und sabellischen
keine spur. Ich suche es also aus dem uns vorliegenden
wortvorrath oskischer Wörter zu erklären, meinem oben
ausgesprochenen priucip gemäfs. Die porfectform un-a-
-t«ed = uu-a-vit ist von dem nominalstamme uno-, lat.
uno- ausgegangen, der durch trübung des diphtbongen oi
aus oino- entstanden ist(Verf.zeitschr. XI, 4 16). Von. die-
sem ist das diminutivum ollo- für uUo- gebildet, indem
vor dem 1 der diminutivendung der auslautende stammvo*
kal schwand, und der nun mit dem 1 zusammentreffende
consonant sich demselben assimilierte, vne in olam ?=
ollam auf der bleiplatte von Capua, entstanden aus *attc-
-8-la, *auc-la (Verf. zeitschr. XI, 360). Dafs der aus-
gang -Uo von diminutivstämmeu dem oskischen geläufig
war wie dem lateinischen, zeigen auch die namen Abel-
lanos, Novellum, Bivellis, Jubellius. Wenn aber
im oskischen die form oll ad lautete für ullad, wie man
erwarten sollte, so erklärt sich das aus dem unverkennba-
ren schwanken dieses dialektes zwischen u und o. So
stehen die accusative veru, Sarinu, dolum, nesimum
neben donom, hortom, dolom, saabtom u.a., so die
ablative aragetud, atrud, tanginud, preivatud
246 Comen
neben Bovaianod, sakaraklod, so censtur, keenss-
stnr, embratur neben kenzsor Versorei, ohne dar^
sich ein vorwalten des o in älteren und des n in jüngeren
Sprachdenkmälern nachweisen liefse (vergl. Verf. ausspr. 1^
246 f.)* Dafs o vor 11 dem oskischen mundgerecht war,
zeigen sollus und olam fbr ollam. Die Zusammenset-
zung von oll ad mit einer casusform des relativstammes
po* erkläre ich nun folgendermafsen. Das oskische pro-
nomen relativum konnte sich wie das lateinische enklitisch
an das folgende wort anschliefsen. Das zeigen die Schreib-
weisen paeeizeis, paeancensto (Verf. ausspr. II, 382,
vergl. 356) und die lateinischen Wortverbindungen quam-
diu, quemadmodum, queadmodnm, quousque
quorsum f&r quo vorsum, quotannis, quotkalen-
dis, quantopere u.a. (a. o.). So konnte sich im oski-
schen auch eine casusform vom relativstamme po- enkli-
tisch an oll ad anschliefsen. Welche das gewesen ist, läfst
sich mit voller Sicherheit nicht mehr bestimmen. Am
wahrscheinlichsten ist es, dafs es eine feminine ablativform
*pad war, die sich enklitisch angeftkgt erst zu *pa, dann
zu p abstumpfte wie das -p von nei-p, ne-p aus der
ablativischen form -pld geworden ist. Das d des ablar
tivs haben auch die formen eka-k, exa-c, eisa-k,
eiza-c eingebüfst in ihrer Verbindung mit dem enkKtischen
k(o), und in den oben besprochenen wortverbinchmgea
posstist für posstum ist und versarinu fbr verum
sarinum ist die silbe -um des ersten wertes geschwun-
den. Aber auch wenn das p von [p]oIlad rest ein^ an-
deren casusform^ z. b. einer locativferm *pei nach der anar
logie von elsei, esel, eizei-c oder *pai nach der ana-
logie von eisai, viai, mefiai war, ist dessen abstum-
pfung zu p erklärlich. Ist das gesagte richtig, so bedeutet
also [p]ollad „wo an irgend einer stelle^ und die Aber*
Setzung quacumque ist gerechtfertigt.
Tednr erklärt Aufrecht aus skr. tatra „dort*^ (umbr.
sprachd. I, 22anm.), eine deutung, die vortrefflich in den
Zusammenhang pafet imd sich als vollkommen ftbereinstim-
zum oskischen dialekt. 247
mend mit oskisohen lautgesetzeD erweisen l&fst. Skr. ta-
-tra ward Dämlich auf italischem sprachboden zunächst
regelrecht zu *te-tro, dann durch erweichung des t vor
r zu *te-dro. Diese zeigt sich in den oskischen namens«
formeu Ader-l[a] = Atella (Mommsen unterit. dial. 8.
245). Dieser name ist nämlich, wie Mommsen richtig ge-
sehen, aus dem adjectivstamme atro- gebildet und bedeutet
„schwarzburg'^. Das t ist zuerst in denjenigen oskischen
formen desselben zu d erweicht worden, wo der dental un-
mittelbar vor folgendem r stand wie in den lateinischen
atri, atro u. a. Das bestätigen die umbrischen formen
adro, adrer, adrir, in denen dieselbe erweichung des
t vor r zu d stattfand. Die gleiche erweichung zeigen
die lateinischen formen quadr-atu-s, quadra-ginta,
quadra-gesimns, quadri-duo neben quattuor, qua-
ter. Ans *te-dro ffir *te-tro, skr. ta-tra ist dann
durch vokaleinschub, indem das o der folgenden silbe zwi-
schen den beiden vorhergehenden consonanten durchlautete,
*te-d-o-ro geworden, wie aus *po-tr-os-pid, po-t-o-
-r-os-pid neben po-t-e-r-ci-pid, aus *8ak-ro: sakr
-o-ro neben sak-a-r-aklod. Von te-*doro fiel das aus-
lautende o ab wie mit den schwachlautenden endconsonaD-
ten 8 und m stammhaftes o geschwunden ist in famel,
Aukil, ver-, posst- fllr 'famelos, *AukiIo8, *ve-
rom, *po88tom. Indem endlich das o vor auslautendem
r sich zu u verdunkelte, ward aus *te-dor: te-dur, wie
das Suffix -tor in keenzs-tor lat. cen-sor, quaes-
-tor, impera-tor zu -tur geworden ist in cens-tur,
kvaiss-tur, embra-tur. Somit ist Aufrechts erkläruBg
von te-dur aus skr. ta-tra durchaus richtig und stich-
haltig.
Noch bleibt das letzte wort des Steines von Abella zu
untersuchen, die form staiet. Nachdem dieselbe von den
älteren erkläreru für eine singularform des conjunctivs ge»
halten worden ist, hat Kirchhof unzweifelhaft erwiesen, dafs
es eine 3. pers. plur. und stait in der weiheinschrift von
Agnone die zugehörige 3. pers. sing. ist. Auch Kirchhof
248 CoraBen
fafst aber beide formen als conjunctivformen des präsens
von der wurzel sta- (stadtr. v. Bant. s. 9). Diese ansteht
hat neuerdings Bugge zu widerlegen versucht, von der
Voraussetzung ausgehend, dafs oskische conjunctivformen
das auslautende t in der 3. pers. sing, immer zu d, in der
3. pers. plur. immer zu s erweicht haben möfsten (zeitscbr.
V, 7; 111,422; V, 8). Ich glaube nachgewiesen zu habeu,
dafs die theorie von dem unterschied sogenannter starker
formen ftkr den indicativ des präsens und futunim und
schwacher fQr die . conjunctive und präterita fär das um-
brische unhaltbar ist und mit den thatsachen der spräche
in Widerspruch steht (zeitscbr. XI, 350 f.). Daraus ergiebt
sich fär die vorliegende frage wenigstens die berechtigung,
zunächst und vorläufig einmal abzusehn von derselben theo-
rie für das oskische und aus den denkmälern selbst die
bedeutung der verbalformen stait und staiet festzustellen.
Bugge behauptet also, beide seien indicativformen, indem
die wurzel sta- durch ein hinzugetretenes i erweitert sei
wie der nmbrische verbalstamm sta-h-i-. Ich habe mich
durch die geschickte darstellung verleiten lassen seiner an*
sieht beizustimmen (de Volscor. ling. p. 8), mufe aber jetzt
meine Zustimmung zurücknehmen. Ich untersuche also zu-
nächst die form staiet auf dem Cippus von Abella. Sieht
man von dem letzten satz ab, dessen verbum finitum staiet
ist, so besteht der ganze tempelvertrag nach den eingängig
Worten (z. 1 — 10) aus sechs Sätzen, welche sechs haopt-.
bestimmungen des Vertrags enthalten. In allen diesen sind
entweder imperativformen oder conjunctivformen mit im-
perativischer bedeutung die verba finita; so im ersten Fu-
sid (z. 19), im zweiten [fu]8id (z. 23), im dritten Hki-
tud (z. 36) und durch inim verbunden estud (z. 40), im
vierten estnd (z. 44), im fßnften tribarakattins (z.48),
im sechsten patensins (z. 51) und durch inim verbiui*
den [hjerrins (z. 54). Daraus würde man, falls man
staiet noch gar nicht kennte, folgern, dafs auch der sie-
bente und letzte satz eine Vertragsbestimmung enthielte
und das verbum finitum entweder eine Imperativform oder
zum otkUchen dialekt. 249
eine conjunctivform wäre, nnd da staiet das erstere nicht
sein kann, es als conjnnctivform ansprechen. Die sechs
Sätze, welche die Verfügungen des Vertrags enthalten, und
aufserdem ein ganz verstOmmelter sind durch conjunctio-
nen verbunden, und zwar 1 und 2 durch avt (s. 19) nach
Mommsens unzweifelhafter ergänzung, 2 und 3 durch avt
(z. 23) 3 und 4 durch ekkum (z. 27), 4 und 5 durch ek-
knm (z*41), 5 und 6 durch avt (z. 44), 6 und 7 durch
avt (z. 48). Wenn nun der letzte satz, dessen verbum
finitum staiet ist, ebenfalls mit avt eingeleitet wird, so
mufs man schliefsen, dals derselbe ebensowohl eine ver*
tragsbestimmung enthält wie die vorhergehenden sätsse, na-
mentlich die vier mit avt angcknQpfteo, dafs das verbum
tinitura desselben ebenfalls eine conjnnctivform mit impe-
rativischem sinn ist, wenn es eine iroperativform nicht sein
kann, kurz man mufs staiet hiernach: stent erklären.
Man kann nicht annehmen, dafs avt am Schlüsse die blofs
thatsächliche oder historische bemerkung einleiten solle,
dals marksteine auf der grenze stehen. Bugge sagt zwar,
seile 15 stehe ja geschrieben, dafs die grenzsteine schon
approbiert seien, es habe also keinen sinn zu sagen „da
und da sollen grenzsteine stehen^. Aber zeile 15 f. steht:
pai teremennio mo[infkad] tanginod proftu set
= quae terminalia communi scito probata sunt
Hier ist von grenzpfölen oder marksteinen nichts zu lesen ;
teremennio sind ganz allgemein „dinge, die zur grenze
gehören^, grenzzeichen, grenzlinien, grenzpunkte, und als
solche sind insbesondere nachher die feigenbäume, fei-
hoss, die sich rings um den tempelbezirk herumziehen
und der daranstofsende weg, vio hervoi^hoben. Diese
grenzbestimmungen sind also bereits früher getroffen, ehe
die gemischte commission der uolanischen und abellani-
schen beamten zusammentrat zur schliefsung des auf dem
steine verzeichneten Vertrages, vermut blich schon beim bau
des Heraklestempels. Auch im letzten satzc bezeichnet
teremennio an sich nichts anderes als „dinge, die zur
grenze gehören^; aber das dabei stehende staiet zeigt.
250 Corssen
dals dieselben aufgestellt werden sollen, und daraus allein
ergiebt sich, dafs hier nicht natörliche markzeichen, son-
dern grenzsteine oder grenxpföhle gemeint sind. Die com-
mission der in den eingangsworten genannten städtischen
beamten eint sich in betreff des tempels und des tempel-
landes, dessen grenzen bereits früher bestimmt sind, im
wesentlichen über folgende punkte: 1) dafs tempel und
tempeliand gemeinsames eigenthum der Äbellaner und No-
laner sein soll, 2) dafs ebenso die nutzung gemeinsam sein
soll, 3) dafs anbau für private nur anfserhalb, nicht innere
halb der grenzen des tempellandes gestattet sein soll, und
zwar für jeden nur auf beschlufs des Senates seiner Stadt,
der dem Nolaner wie dem Äbellaner den rechtlichen be*-
sitztitel verleiht, 4) dafs die Schatzkammer nur auf ge-
meinsamen beschlufs beider städte geöffnet werden soll und
jede von beiden nur von dem ihr gehörenden theil des
Schatzes gebrauch machen soll, 5) dafs an bestimmten stel-
len grenzsteitie gesetzt werden sollen. Die letzte bestim-
mung soll offenbar die verrückung oder Verwischung der
grenzen zwischen dem tempellande und dem benachbarten
acker verhindern. Der syntaktische Zusammenhang wie der
sachliche inhalt des vorliegenden Vertrages ergiebt also,
dafs staiet den sinn hat „sollen stehen, sollen errichtet
werden % mithin 3. pers. plur. conj. ist wie Stent. Der
conjunctiv präs. hat hier die imperativische bedeutnng wie
potians = possint, potlad = possit, heriiad s=s
capiat in den fluchformeln auf der bleiplatte von Gapua
(Verf. zeitschr. XI, 338f.).
Es kommt nun die form st alt auf der weihetafel von
Agnone in betracht. Die Vorderseite dieser tafel b^nnt
mit den einleitenden werten: Statos pos set hortin
Kerriiin ass stati qui sunt in templo Cereali (Ver£
d. Volscor. 1. p. 6). Es folgt dann eine reihe namen v<m
gdttern denen feststehend, statif (a. o.) ein opfer darge-
bracht werden soll, und die werte des schlufssatzes, auf
die es hier ankommt, lauten z. 15 — 20: Deivai Genetai
statif aasai — aaahtom teforom — sakahiter ss
7.nm oskiseben dialekt. 251
Divae Genetae statim in ara — sanctnm — um
sanciatur. Hier iet sakahiter mit dem h geschrieben,
das nur den zwischen zwei getrennt gesprochenen vokalen
bemerkbaren hauch ausdrückt, wie m jroloj.ofi, xajag,
j4vj.v(fxXi und noch häufiger in der umbrischen Schreib-
weise. Saka-h-i-ter ftkr saka-i-ter ist also die 3. ps.
sing. conj. präs. pass. des denominativen verbum der a-con-
jugation sak-a-um vom oskischen nominalstamme sak-o-,
der mit den römisch -sabinischen götternamen Sanc-u-s
wie mit sac-er und sanc-tu-s verwandt ist. Charakter
dieser conjunctivform ist i wie in sta i-et, tada-i-t,
deiva-id. Die rüokseite der tafel von Agnone beginnt
mit den eingangsworten: Aasas ekask eestint hortoi
=s Arae hae exstant templo. Dafs in diesen ee-sti-nt
dem lateinischen ex-sta-nt entspricht, indem das a der wz.
sta- sich im zweiten gliede des compositum zu i schwächte
wie in da-di-katted, habe ich bereits fr Qher nachgewie-
sen (zeitschr. XI,370). Auf die eingangsworte folgt wie
auf der Vorderseite eine reihe von götternamen im dativ,
und der satz schliefst mit denselben werten wie der schlufs-
satz der Vorderseite, nur dafs hier das sakahiter „soll
geheiligt worden^ als von selbst verständlich weggelassen
ist wie auf lateinischen weihinschriflen sacravit, conse-
cravit, dedit. Dann folgt der zusatz: Horz dekman-
niols stait. Ich habe anderen orts den nach weis ge-
führt, dafs dek-m-ann-io-is hier dec-i-m-is „zehn-
ten^ bedeutet (d. Volscor. ling. p. 7) und horz stait den
sinn hat wie im lateinischen fana sistore, templa con*
stituere. Ich habe daher jene sohlnfsworte der weihe-
inschrift von Agnone übersetzt: Templnm decimis sta-
tutum est (a. o. p. 8). Ich folgte damals, wie gesagt, der
unhaltbaren ansieht von Bugge; ich hätte Obersetzen sollen:
statuatur oder sistatur. Dieser schlufssatz der rückseite
steht nämlich seinem sinne nach parallel dem vorherge-
henden satz derselben seite und dem eotsprechenden satz
der Vorderseite, der mit sakahiter schliefst, enthält also
wie diese Sätze eine Verordnung oder bestimmung. Mithin
^'2 Corasen
ist stait derselbe modus wie sakahiter, uämlich 3. pers*
siog. conj. präs. mit imperativischer Bedeutung, entspricht
also dem lat. stet, dem griecb. oral}}. Der in rede ste-
hende satz bedeutet also: der tempel soll durch zehnteo
bestehen oder unterhalten werden. Auf die indicativfonn
sacarater z. 21 der Vorderseite der tafol kann man sich
nicht berufen, um stait zur indicativform zu stempeln.
Von zeile 20 beginnt nämlich ein ganz neuer abschnitt der
Vorderseite, der nach dem abdruck bei Mommseu auch
durch einen qucrstrich von dem vorigen getrennt ist. Die
ersten worte desselben: Fluusasiais az hortom saka-
rater = Floralibus (deabus) ad templum sacra-
tur, denen eine anzahl namen von göttiunen folgt, sind
eingangs Worte wie zu anfang der Vorderseite: Statos
pos set hortin kerriiin und zu anfang der rQckseite:
Aasas ekask eestint, denen ebenso namen von gott*
heiteu im dativ folgen. Somit steht der indicativ sakra.
ter in eingangsworten wie sct und eestint. Es ist also
irrig von diesen drei indicativformen in eingangsworten,
die eine art Überschrift zu den folgenden bestimmungen
bilden, zu schliefsen, dafs stait in der schlufsbestimmung
eine indicativform sei, man mufs vielmehr folgern, dals es
eine conjunctivform sei wie sakahiter am schlufs eines
Satzes, der eine Verordnung oder bestimmung enthAlt;
Wer also nicht von der vorgefafsten meinung aasgeht^
alle conjunctivformen und perfectformen mflfsten im aingu-
laris ihr auslautendes t zu d, im pluralis zu s abschwä-
chen, mufs mit Kirchhof stait als S.pers. sing. conj. prfts.
= stet und staiet als 3. pers. plur. conj. pris. s» stent
ansehen. £s ist nun nicht zu läugnen, dafs in der 3. pers«
sing. conj. pr&s. und perf. die erweich ung des t zu d in
der mehrzidil von fällen stattfindet; so in den präsensfor-
men potiad, heriiad, deivaid, fuid. Allein daneben
findet sich tadait (vgl. Verf. zeitschr. V, 94f.). Will man
hier das t als Schreibfehler erklären, so ist das freilich
eine bequeme manier, sprachliche formen los zu werden,
die sich eiucr theorie nicht fügen wollen. Auf der talidi
zum oBkisclion dtalekt 253
von Bantia kann sich die ältere form tadait ebenso gut
erhalten haben, wie die ältere form censtur, während
sich die durch assimilation entstellte, also jQngere form
kenzsor schon in einer inschrift mit oskiseher Schrift
findet.
Ferner setzt die passive conjunctivform sakahiter
eine active form *sakait voraus, also kann hiernach die
erweichung des t zu d in der 3. pers. conj. noch nicht ein-
getreten sein, wenigstens nicht durchgreifend stattgefunden
haben, als die passivbildung mit -r, dem rest des reflexiv-
pronomens se, auf italischem sprachboden aufkam. Doch
dagegen läf-st sich freilich einwenden, dafs dieselbe sich
ja erst nach der aussonderung einer besonderen oskischen
mundart ausgebildet haben könne. Also abgesehen von
sakahiter stehen den oben angefahrten vier formen der
3. pers. sing. conj. präs , die das t zu d erweicht haben,
zwei gegenüber, die es gewahrt haben, tadait und stait.
Die 3. pers. sing. conj. perf. zeigt die abschwäehung des t
zu d in fusid, hipid, pruhipid, fefaeid; ein beispiel,
wo sich das t gehalten hätte, findet sich ni<fht. Die 3. ps.
sing. ind. perf. hat in der regel ebenfalls t zu d erweicht;
so in aamanafed, proffed, opsed, profatted, da-
dikatted, unated; aber daneben findet sich in der in-
schrift von Pietrabbondante die perfectform ombnet (Verf.
zeitschr. XI, 403. 414f.). Man darf hiernach nur sagen:
die 3. pers. sing. conj. präs. und perf. und die 3. pers. sing,
ind. perf. hat das auslautende t meist zu d erweicht; in-
dessen haben sich auch ältere formen auf t erhalten, wie
stait, tadait, ombnet. Dafs nun aber die 3. pers. ind.
sing. präs. und fut. das auslautende t immer gewahrt hätte,
daf&r liegt gar kein kriterium vor. Für das präsens kann
nur die einzige form faamat angeführt werden; denn in
ist konnte wegen des vorhergehenden scharfen Zischlautes
das t natürlich nicht in d übergehen. Soll nun dieses eine
faamat ausreichen, als allgemeine regel hinzustellen, dais
das auslautende t der 3. pers. sing. ind. präs. sich im oski-
schen immer hielt, während es im umbrischen ganz suhwin-
254 Coreflen
den konnte, wie die formen heri, habe aseigen (Verf.
zeitscbr. XI, 346f.)? Die 3ten pers. sing. ind. fut. didest,
berest, hafiest konnten ebenso wenig wie ist das t za
d sinken lassen, aber nicht weil es futurformen waren,
sondern weil das scharfe s das scharfe t hielt. Aucb sie
können also keinen beweis flQr die theorie von Bugge ab-
geben. Auch die pluralform wollen sich derselben keines-
wegs fügen. In der 3 pers. plur. conj. präs. und perf. zeigt
sich die abschwächung des auslautenden t zu s in dei-
cans, potians, tribarakattins, patensins, ebenso
in der 3« pers. plur. ind. perf. uupsens (ovTiaevs) und
teremnattens und in der 3. pers. plur. ind. imperf. fu-
fans. Aber die 3. pers. plur. fut. I und U censazet,
tribarakattuset, angetuzet stehen mit Bugges theorie
in Widerspruch , da sie mit futurformen von den wurzeln
fu- und es- zusammengesetzt sind, die ursprunglich dem
modus des conjunctivs, griech. Optativs, skr. poteutialis an-
gehören. Die herausgeber der umbrischen Sprachdenkmä-
ler erklären das st der 3. pers. siug. fut. I in formen wie
fere-st = feret und das -ren der 3* pers. plur fut. I
in stall e-ren = stabunt für hervorgegangen aus den
conjunctivformen von wz. es-, die altlateinisch siet, sient
lauten; ebenso die endung -u-st der 3. pers. sing. fiit. II
in formen wie ben-u-st = venerit, fak-n-st = fe-
cerit, port-u-8t=:portaverit und die endung -u-rent
der 3. pers. plur. fut. II in bildungen wie ben-u-rent =
veuerint, fac-u-rent = fecerint, hab-u-rent =
habuerint als hervorgegangen aus wz. fu- mit den con*
juuctivformen von wz. es-, die altlat. siet, sient lauten,
also aus *fu-sies, *fu-sient (umbr. sprachd. 1, 144. 145).
Dagegen will Bugge das -st sämmtlicher umbrischer nnd
oskischer futurformen aus dem indicativ est und die plu-
ralendungen des futurum osk. -set, -zet, umbr. -rent,
-ren aus der indicativform lat. sunt, osk. umbr. -sent
erklären (zeitscbr. II, 384). Zu dem zwecke behauptet er,
die altlateiuischen futurformen wie levasso, capso u. a.
seien wahrscheinlich fut. I. Diese von Bopp und Madwig
znm oskischen dialekt. 2!U(
ohne beweis hiogestellte behauptung ist längst von G. Her-
mann und Curtius widerlegt worden und der nachweis ge-
führt, dafs sie fut. U sind, die von den perfectstämmen
durch ausstofsung des perfectcbarakters i gebildet sind.
Ich habe die ganze masse ähnlicher synkopierter formen
zusammengestellt und nach nochmaliger prOfung den be*
weis, dafs sie fut. II sind, als durchaus stichhaltig befan-
den (ausspr, II, 27 — 42). Ferner behauptet ßugge, das
lateinische futurum ero sei eine präsensform, die sich blofs
durch einsetzung eines bindevokals von präsens sum im-
tersohiede. Bopp hat überzeugend nachgewiesen, dafs im
sanskrit das sogenannte auxiliarfuturum in der endung
-s-jä-mi, die formen wie da-s-ja-mi zeigen, das futu-
rum der Wurzel as- gewahrt hat, jene endung also aus
*a8-jä-mi hervorgegangen ist, dafs der ausdruck der zu«
kunft in dem -ja- liegt, das im sanskrit den modus po-
teutialis, im griechischen den optativ, im lateinischen den
conjunctiv bezeichnet, dafs dem skr. -s-jä-mi fQr *a8-
-jä-mi, gr. -a-icj fQr *6rT-iai- in dorischen futuren wie
Soad-ri^a^iü) entspricht, deren bestandtheil -(Ti- sich in der
homerischen spräche zu crr;, im attischen dialekt zu blofsem
a getrübt hat. Hieraus schliefst Bopp, dafs das lateini-
sche futurum aus er-o aus *e-sio, skr. *as-jä-mi ent-
standen ist und die an andere verbalstämme angefügte ver-
stümmelte form -r-o aus -s-io, skr. -s-jä-mi (vergl.
gramm. II, s. 540 f. 2. ausg.)« Curtius hat diesen beweis
in seiner sorgsamen und klaren weise weiter ausgeAlhrt
und bestätigt (temp. und mod. I, 308 f.) und Schleicher
sieht das als eine sichere sprachliche thatsache an (Com-
pend. II, 617). Einen gegenbeweis gegen diese ansieht hat
Bugge nicht gegeben, denn die berufung auf eine litaui-
sche form des präsens essu, auf das spanische eres (es)
und das italienische essere (esse) wird wohl schwerlich
jemand als solchen ansehen. Ich verweise zur Unterstüt-
zung von Bopps beweisföhrung, deren es freilich kaum
noch bedarf, noch auf messungeu hin wie placarTs, de-
derls, occideris, fuerls, miscuerls, erlt, condi-
256 CorMcn
derit, dixerltis, dederitis, transieritis, üontige-
ritisy fecerlmus, capslmus u. a. (Verf. ausspr. 1,352 f.).
Wer die mcssung des i als länge hier nicht für eine grund-
lose Schrulle römischer dichter halten will, mufs hiemach
anerkennen, dafs die endungen -ris, -rit, -simus, -rl-
mus, -ritis aus -sies, -siet, -sienius, -sietis ent-
standen sind wie sim, sis, sit u. s. w. aus altlateinischen
siem, sies, siet, mithin Bopps beweis unwiderleglich
richtig ist. Die futurbedeutung ist also in diesen formen
ausgedrückt durch den moduscharakter -io, -ie-, -i-,
skr. -ja-. Wie die futurendung -ro aus -sio, ist daher
auch die andere lateinische futurendung -bo aus -bio f&r
fu-io entstanden, wie Bopp und Curtius richtig geschlos-
sen haben. Das bestätigt auch die messung vaeni-bit
bei Plautus (Verf. a. o. p. 356). Die ganze auffassung,
dafs die lateinischen futurenduugen -ro und -bo von con-
junctivfornien der wurzeln es- und fu- ausgegangen sind,
wird endlich noch dadurch bestätigt, dafs ja auch die ein-
fachen lateinischen futurformen wie audiam, legam, an-
dient, legent nichts anderes als conjunctivformen sind.
Da somit Bugges ansieht über die behandelten latei-
nischen fnturformen irrig ist, so kann auch seine behaup-
tung, dafs die obigen oskischen futurformen auf -st, -set,
-zet mit indicativformen der wurzel es- gebildet seien,
nicht bestehen. Schon dafs dieselben herausgerissen wflr*
den aus allem Zusammenhang mit dem futurum des latei«
nischen und der verwandten sprachen, schon das allein
genügt, die unhaltbarkeit jener ansieht zu zeigen. Aber •
diese läfst sich auch aus den oskischen Sprachdenkmälern
speciell nachweisen. Bugge erklärt fu-st als 3. pers. sing,
fut. I entstanden aus *fu-est, zusammengesetzt mit der
indicativform est (zeitschr. II, 385) und auch Ebel erklärt
dasselbe für eine futurform (zeitschr. V, 413). Nun be-
trachte man folgenden satz der tafel von Bantia, z. 28:
Pr. censtur Bansae [ni pis fu]id, nei suae q. fust
= Praetor, censor Bantiae ne quis sit, nisi quae-
stor fuerit. So übersetzt die stelle Kirchhof (stadtr. v.
zam oskiftchen dialekt WI
Bant. 8. 80) fafst also fust IeJs S.penu sing. fat. 11. Die
angefahrten worte gehören dem letzten abschnitt der tafel
von Bantia an, der die reihenfolge bestimmt, in der die
städtischen ämter zu Bantia verwaltet werden sollen, idso
nach römischem Sprachgebrauch eine lex annalis (z. 28
bis 30). Die erste zeile desselben besagt unzweifdhaft:
ohne quästor gewesen zu sein, kann niemand prfttor oder
oensor werden. Diesen sinn soll nach Ebels erklärnng von
fust das gesetz so ausdrücken: ,,prätor und censor soll
niemand sein, wenn er nicht qnftstor sein wird^. Wäre
dem so, dann hätte sich der gesetzgeber in höchst bedenk-
licher weise unklar ausgedrückt, denn jener sinn kommt
nur heraus, wenn gesagt wird „wenn er nicht quästor ge-
wesen sein wird^. So hätte sich ein römischer gesetzge-
ber ausgedrückt; wir sagen ungenauer „wenn er nicht —
gewesen ist^. Dem gegenüber greift nun Ebel zu der
wunderlichen vermuthung, in Bantia seien wohl die titel
der beamten auch nach niederlegung des amtes lebensläng-
lich geblieben. Aber der oskische tezt der tafel von Ban-
tia ist ja die Übertragung eines römischen gesetzes, ist in
römischer schrift geschrieben und weisH die römischen
beamtennamen auf, von denen sich auf Sprachdenkmälern
mit einheimischer schrift keine spur findet (vgl. Mommsen,
unterit. dial. s. 154). Soll nun ein römischer volks- oder
senatsbeschlnfs bei den Bantinern, abweichend von dem rö*
mischen brauch, die lebenslängliche dauer der titel beson-
ders festgesetzt haben? Wo ist es überhaupt sitte gewe-
sen, daüs jemand den titel eines niederen amtes noch fort-
föhrt, wenn er ein höheres antritt? Fust ist also fut. II,
und keine einzige stelle, wo diese form in nmbrischen und
oskischen Sprachdenkmälern vorkommt (Ebel a. o.) spricht
dagegen. Fusid ist oben als perf. conj. nachgewiesen. Wenn
nun im lateinischen fue-rit, entstanden aus *fue*sit so-
wohl 3. pers. sing. ind. fut. II als 3. pers. sing. conj. perf.
ist, so kann man doch nicht umhin zu schliefsen, dafs osk.
fu-st und fu-sid beide aus einer gemeinsamen grundform
*fu-sit hervorgegangen sind, und dais das -sit in *fue-
Zeitochr. f. TgL spracht XIII. 4. 17
258 Coresen
sit, *fa-8it auf skr. -sjati zurückzuführen ist. Daraas
folgt, dafs dasselbe auch für die mit -fu-st für *-fu-8it
zasammengesetzten formen des fut. II gilt, wie osk. die*
-u-st, hip-u-st, be-bn-u-st (verschrieben ce-bn-
-u-st), per-em-u-st, per-tem-u-st, ur-u-st, fe-fac-
-u-st, com-parasc-u-st-er und umbr. ben-u-st, ter»
•u-st, fak-u-st, i-u-st, co-vort-u-st, a-tera-fu-st,
ampr-e-fus[t]. Es ergiebt sich ferner daraus, dafs auch
in den formen des fiit. I osk. dide-st, bere-st, per«
teme-st, hafie-st das -st aus -sit, lat. siet, skr*
-sjati hervorgegangen ist. Wie verhalten sich nun dazn
die pluralformen des fut. II osk. tribarakatt-u-set, an*
get-u-zet, umbr. ben-u-rent, fac-u-rent, dersik-
-u-rent, pru-sik-u-rent, pro-can-u-rent, hab-u«
-rent und die pluralformen des fut. I osk. censa-zet,
umbr. stahe-ren? Man könnte einwenden: wenn das -st
in den obigen singularformen aus -sit entstanden ist, so
müfsten auch die dazugehörigen pluralformen nach s den
vokal i zeigen, wie die pluralformen des perf. conj. [h]err-
-ins, patens-ins, tribarakatt-ins. Ich entgegne: die
oskisch - umbrischen futurendungeu -set, -zet, -rent,
-ren, -u-set, -u-zet verhalten sich hinsichtlich ihres
vokals vor den endconsonanten zu der enduug -ins, ent-
standen aus *-fu-in8, der 3. ps. pl. conj. perf., wie die laU
futurformen erunt, fue-runt zu den conjunctivformen
sint, fuerint. Wie oskisch und umbrisch die 3. ps. pL
präs. sent der lat. sunt entspricht, so jene pluralisehen fii*
turendungen -sct^ -zet, -reut, -ren der lat. futorendong
-runt in erunt. Die endung -runt ist aus *-8iunt ent-
standen und dieses mit abscbwächung des a zu u aus skr.
-sjanti; eben daher stammen die endungen -set, -zet,
-rent, -ren; doch haben sie das ursprüngliche a zu e
geschwächt wie in sent von skr. asanti.
Ich glaube somit erwiesen zu haben, dafs alle bespro-
chenen Alturformen im oskischen und umbrischen zurück-
zufahren sind auf dasjenige sanskritfuturum , dessen erste
person die endung -sjä-mi zeigt, wie das lateinische fu-
zam Mkitcheii dialekt 5M
turum ero auf ursprOngliohes *a8jä-mi zurückgeht. lo
dieser futurbildung wird die bedeutung dea futorum, wie
Bopp nachgewiesen hat, durch den moduecharakter -ja
ausgedrQckt. Da nun dieser auf italischem sprachbodeo
sich in den formen -ia, -ie, -i^ -a, -e als conjunctiy-
charakter zeigt, so kann niemand zweifeln, dafs die be-
sprochenen futurformen, die eben jenes -ja in sich bergen,
wenn auch bis zur Unkenntlichkeit verstömmelt, ebensowohl
ursprQngliche conjunctivformen waren wie die einfachen
futurformen audiam, tegam, audies, teges u.a. Wenn
also jene conjunctivischen pluralformen des umbrischen und
oskischen futuruins auf -set, -zet, -rent, das auslau-
tende t gewahrt haben, so ist die theorie nicht richtig,
dafs alle conjunctivformen im oskischen ihr auslautendes
t zu 8 abschwächten. Somit sind stait, staiet conjunc-
tivformen, wie der Zusammenhang der stellen, an denen sie
vorkommen, ergab.
Endlich fragt es sich, ob wirklich alle dritte personen
des ind. plur. praes. immer ihr auslautendes t gewahrt h»-
ben. Dies ist der fall in eestint = exstant, amfret
= ambeunt, sent=sunt. Aber eituns, das Momm-
sen ganz richtig eunt erklärt hat (unterit. dial. XXIX, a.b.
s. 185. 257), hat das t zu s abgeschwächt Die inschrift,
in der das wort vorkommt, lautet: Eksuk amvianud
eituns | anter tiurri XII ini ver | sarinu, puf faa-
mat I Mr. Aadiriis. Nach den von Mommsen (a. c),
Bugge (zeitschr. II, 385) und mir (zeitschr. V, 129 vergl.
a V i a t a s , zeitschr. X , 141; krit. bei tr. b, ] 84 ) gegebenen
erklärungen übersetze ich: Hoc ambitu eunt inter tur-
rem XII et portam Sarinam, ubi Mara Adirins
Vibi fil. habitat. Aufrechts deutung von eituns =*
cunto (zeitschr. I, 188) verwirft Bugge mit recht, indem
er entgegnet, dafs auslautendes -ns im oskischen wohl aus
auslautendem -nt, aber nicht aus der imperativendung
-nto entstehe (zeitschr. 111,423). Aufserdem ist mir nicht
klar, was in einer inschrift, welche als Wegweiser dienen
soll, die befehlsform des verbum bedeuten soll. Ich habe
17*
260 Consent zum OBkiechen dialekt.
ei-tu-ns als eine bildang vom nominalstamme ei-ta«
erklärt wie sta-tu-unt von sta-tu. Ei-tu- ist von
Wurzel i- ebenso gebildet wie sta-tu von wz. sta-. Nun
zeigt ee-sti-nt = ex*8ta-nt, dafs die plnralendung -nt
an vokalisch auslautende verbalstämme auch ohne bildungs-
vokal trat, also konnte von einem verbalstamme ei-tn-
die dritte person pluralis *ei-tu-nt lauten. Möglich ist
auch, dafs dieselbe nach der analogie von sta-tu-unt
*ei-t-u-unt lautete, dann aber die beiden n verschoic^-
zen. Da sich nun die ganze theorie von dem unterschiede
starker pluralformen auf -nt und schwacher auf -ns als
unhaltbar erwiesen hat und kein lautliches hindemifs im
wege steht, weshalb sich das auslautende t von *ei-ta-nt
nicht ebenso zu s abgeschwächt haben sollte, wie von an-
deren ursprünglich auf -nt auslautenden pluralformen, so
vermag ich keinen grund abzusehen, weshalb nicht ei-
-tu-ns aus *ei-tu-nt entstanden sein sollte. Das hat
doch jedenfalls mehr analogie wie Bugges annähme, ei t uns
sei eine neuere pluralbildung des imperativs von der sin-
gnlarform *eitud etwa wie griech. keyeTioaav von i«-
yiro) (zeitschr. II, 423). Das „etwa^ klingt hier so, als
ob Bugge an seine eigene vermuthung nicht recht glaubte.
So viel ist gewifs, dafs von einer solchen neueren impe-
rativbildung im bereich der italischen sprachen bisher noch
keine spur aufgefunden worden ist. Also die 3. pers. plur.
ind. präs. eituns = eunt zeigt, dafs auch pluralfonnen
vom indicativ des präsens ihr auslautendes t zu s sinken
lassen konnten, wie umgekehrt das letzte wort auf dem
Cippus von Abella staiet = Stent beweist, dafs auch
pluralformen des conjunctivs im oskischen ihr auslautendes
t wahren konnten.
W. Corssen.
£bel, zur lautgescbiditc, WL
Zur lautgeschichte.
Vorbemerkung, Wenn ich jetzt mit einer arbeit
hervortrete, die aus allerhand inneren und äufeeren grün-
den fast ein volles ^nonum prematnr in annum*^ erfahren
hat (denn dieser erste artikel war bis auf den schlufs schon
zu Ostern 1856 drnckfertig, das material zn den folgenden,
worauf sich verschiedene hindeutungen im fünften bände
dieser Zeitschrift beziehen, damals ebenfalls der hauptaache
nach beisammen,- ich mochte jedoch nicht vor abschluft
des ganzen mit einem einzelnen artikel hervortreten, und
dazu schien mir ein genaueres eingehen auf die cdtiscben
sprachen nöthig, welches mich eben zunilchst von der Vol-
lendung dieser arbeit abgehalten hat), so verzichte ich da-
mit den lesern gegenüber in mancher beziehung allerdings
auf den reiz der neuheit, da inzwischen mehreres hier be-
rührte in dieser Zeitschrift anderweitige besprechung ge-
funden hat; ich habe daher, als ich endlich zeit gewonnen
hatte auf mein thema zurückzukommen, einen angenblick
angestanden, ob es nicht besser wäre, mich auf eine abge-
sonderte besprechung einiger punkte (wie z. b. des altbak-
trischen v und y beitr. III, 44 fgd.) zu beschränken; nach
reiflicher Überlegung habe ich indessen doch, schon um
nicht mifsverstanden zu werden, eine darstellung meiner
ansichten im zusammenhange f&r nöthig gehalten, wenn
gleich jetzt mit einigen kürzungen; ich gebe deshalb zu-
nächst diesen ersten artikel, einige zusätze und bemerkun-
gen abgerechnet, in unveränderter form.
Eine Untersuchung über die aspiraten kann sich ge-
wisser Voruntersuchungen über ausspräche und Stellung im
lautsystem um so weniger begeben, je gröfser gerade hier
die gefahr ist, bucbstaben und laute zu verwechseln, und
je weniger die physiologen bei dergleichen Untersuchungen
auf das bedürfnifs des Sprachforschers rücksicht genommen
haben. Seitens der Sprachforscher sind meist nur einzekie
262 Ebel
beziehangen zwischen den lauten gelegentlich ins angc ge^
fafst worden, wie von Kuhn in dem aufsatz über das in-
dische 9a (in Höfer's Zeitschrift) und in den forschnngeu
über das alte S, von Benary ober consonantenverbindun-
gen im anlaut, und letzterer hat überdies fast nur den
mafsstab der schwere angelegt, so besonders beim v; Heyse
(bei Höfer bd. IV) „über das System der sprachlaute" bat
bei vielem trefflichen doch theils zu subtile distiuctionen
ftr den praktischen zweck des Sprachforschers, theils geht
er über gewisse unterschiede zu leicht hinweg, wie er denn
namentlich das verhältnifs zwischen aspiraten, Spiranten
und halbvocalen nicht klar genug festgestellt hat. Es be«
darf also wohl keiner rechtfertigung, wenn wir mit aus-
schlufs alles dessen, was nur für den physiologen, nicht
fllr den Sprachforscher von praktischer bedeutung ist, die
Untersuchung wieder aufnehmen, und im einzelnen unsern
eignen weg versuchen, sowie es andrerseits entschuldigang
finden wird, wenn sich bei der Verschiedenheit in der gel-
tung gleicher zeichen an verschiedenen orten und zu ver-
schiedenen Zeiten (z. b. des h im sanskrit, lateinischen, go-
tischen, alt- und neuhochdeutschen) und in der bedeutung
gewisser namen (wie „halbvocale" bei alten und neueren)
nicht immer ein sicheres ergebnifs herausstellen sollte; auch
das bewufstsein des nichtwissens ist ja oft schon ein ge-
winn.
Drei wichtige Unterscheidungen ziehen sich durch alle
sonstigen unterschiede der consonanten hindurch und kreu-
zen sich mannigfach mit diesen und unter einander: f ) nach
der dauer schieden die alten zwischen mutae und se-
mivocales (eine benennung, gegen die hinsichtlich des f
schon Priscian I, 4 einspruch erhebt), die neuurn seit J.
Müller gewöhnlich zwischen explosivae und continuae,
die polnischen grammatiker haben seit langer zeit augen-
blickliche (chwilowe) und dauernde (trwaj^ce) unter-
schieden, die Scheidung liegt übrigens mit ausnähme der
späteren namen zeta, vau, wozu bei uns noch jod und we
kommen, schon in den römischen, beute noch bei uns ge-
zur lautgüschichte. 28S
bränchlichen buchstabeDnamen vor; 2) nach der härte
oder schärfe der ausspräche scheiden sich die mutae in
tenucä und mediae, alle coosonanten in harte oder
weiche, in der sanskritgrammatik dumpfe (snrdae) und
tönende (sonantes), im polnischen starke (mocne) und
schwache (slabe) genannt, am passendsten vielleicht
stol's- und druck laute zu nennen; 3) nach dem hauche,
wobei es fCkr praktische zwecke gleichgültig ist, ob man
den übrigen consonanteu aufser aspiratae und spiran*
tes jeden hauch abspricht oder mit Heyse einen Spiritus
lenis beilegt. Ordnen wir aber die hiute nach ihrer näch-
sten Verwandtschaft, und lassen wir den reinen hauch (tat.
und nhd. h, griech. Spiritus asper), der nach Heyse 9,kei-
nem bestimmten organ angehört, wiewohl er eine gewisse
Verwandtschaft zu den kehllauten zeigt^, und die mehrfa-
chen modificationen der oralen liquidae (r und 1) vorläufig
bei öcite, so ergibt sich zunächst folgendes lautsystera:
lab. m
ling. n
pal. n
Hier stehen bei jedem organe (dessen beneunung wir vor-
läufig der griechischen grammatik entnommen haben) in
der oberen zeile die harten oder stofs-, in der untern die
welchen oder drucklaute. Die beiden andern eintheiluugen
finden sich aber durch die nächste lautverwandtschaft eU
was gestört; wir sehen die aspirierten laute in dritter und
vierter reihe, die mutae in zweiter und dritter beisammen,
die hauchlosen laute in 1. 2. 5 und die continuae in 1.4.5
sind dajTjegen getrennt. Besonders nah verwandt erschei-
nen nasal (der eigentlich mit gröfserem rechte muta hiefse
als die gewöhnlich so benannten explosivac, da z. b. beim
m die lippen während seiner ganzen dauer geschlossen blei-
ben, wogegen b erst in dem moment lautbar wird, wo der
lippenverschluis aufhört) und media, daher der häufige
p
ph
f
b
bh
V w
t
th
sz
d
dh
8 r, 1
k
kb
cb
g
gh
j y.
264 Ebel
fibergang von mb, nd, ng in mm, nn, nn (engl, finger
zu nhd. finger), des bn in mn (in stimme = gotb.
stibna sogar bis mm vorgerQckt), der nothwendige von
bm in mm, unsere ausspräche des gn als nn (Agnes),
auch wohl mindestens in der mitte der Wörter die grie-
chische und lateinische*), der Wechsel des m mit b im la-
teinischen (hibernus = j^etjeifpii/oV) puber = skr. pu-
mams), womit der Übergang der nasale in mediae beim
schnupfen**) übereinstimmt, die Verwandlung des mbh,
ndhf ngh in mb, nd, ng, die im lateinischen regel ge-
worden ist (ambo, fnndus, ango), im griechischen we-
nigstens häufig vorkommt, endlich des ju^r, it, }'x in ü/^,
^'^\ y/f ^16 in ^^f neugriechischen ausspräche als regel
auftritt. Noch mehr gilt das von spirans und halbvo-
cal, die so nahe aneinander grenzen, dals man sie viel-
fach verwechselt hat, was namentlich auch Heyse begeg-
net ist. Für unsern nächsten zweck ist besonders die Stel-
lung der aspirata zwischen hauchloser muta und
Spirans wichtig, wodurch sich die häufigsten entartungen
*) Dafür sprechen trotz den Schweigens der alten grammatiker doch b0
gewichtige gründe, dafs für mich kein zweifei bleibt. Im griechischen
ist die analogie von äftfia^ etfiVfK;^ ifintftfiai (von niftnm) für 9Tiyfitiy
nyi'o^, Iffquyfiat (in composition dagegen ffvyyvüfifi wie ifinrim) und der
iibeiigang Ton ylyrofiah f^yrmon*^ in yd-oftat, yirman^, anch die btsttaffig«
Position (dem yq^ yl gegenüber) za beachten; im lateinischen ikUen ^
gründe noch schwerer ins gewicht. Hier geht 1) sowohl tennls al» media
regelmAfsig vor nasalen in nasale über: somnns, aber t*fti*e;, At. evsp-
nasy um so mehr ist agnas neben d/tf^q nasal zu fassen; 2) das n von
in- (af-) füllt sonst nie ans, vor gn aber in der schrift bestftndig: igna-
rns, ignotns, womit cognosco, cognatus stimmt; auch die Schreibart
agnosco, agnatus neben agglomero, aggredior weist auf nasalen
laut hin; 3) die romanische ausspräche des gn (selbst der Übergang des
omnis in ital. ogni, vergl. span. Ifiez neben Agnes) ericlürt sich viel
leichter ans fin als aus gn, das nicht einmal in nn unmittelbar ttbergehn
konnte; auch lat flamma setzt nicht sowohl *flagma als vielmehr
^flaftma voraus. Man könnte im lateinischen selbst für den anlaut nosco
statt gnosco anfitbrea, obwohl hier die Schreibung Cn. für Gnaeus be-
denken macht.
**) Es ist gewifs nicht ohne bedeutung, dafs gerade im ^norden, wo
katanrhalisohe krankheiten der loftwege ab vorzügliche todemrsache genannt
werden, aseimilation oder ausfall der nasale vor tenuea als lautgesets anl^
tritt: altn. geck, batt sUtt *gcnk, *bant, altir. ctft = centum, c6ic
as quinque, a peothe (eonun peocata) statt *am pecthe.
zur lautgeschiohte. fib
der aspiraten zu Spiranten wie die Übergänge zwischen ten«
und med. einer- und asp. andrerseits erklären. Der Über-
gang eines alleinstehenden bh in m tritt wohl nur da ein,
wo die asp. zuerst zur reinen media geworden ist, wie
er denn gerade in den germanischen und litoslavischen
sprachen auftritt; nur ist hier wie überall die Zwischen-
stufe (b) nicht immer historisch nachzuweisen. Am auf-
fallendsten erscheint, dafs unter den labialen selbst die der
mundstellung nach am weitesten von einander entfernten
laute, nasal und balbvocal oder weiche spirans, unter den
dentalen n und 1 vielfach ihre stelle tauschen; der grund
dieser Verwandtschaft kann, wenn nicht Vermittlung durch
mediae (m, b, bh, v; n, d, dh, 1) angenommen wird,
nur in der beiden gemeinsamen continuität liegen; auf
diese weise schliefsen sich dann die oben gegebenen reihen
zu kreisen.
Hinsichtlich der ausspräche der tenues aspiratae
liegt eine dreifache möglichkeit vor:
1) tenuis und spir. asper werden deutlich getrennt
hinter einander gesprochen, wie nach Colebrooke^s angäbe
im Sanskrit, was insofern auch möglich ist, als nach th
und ph nur vocale vorzukommen scheinen, nach kh nur
nach 7, welches sehr deutlich halbvocalisch gesprochen
sein mufs. Dies wäre also, wie Förstemann einmal be-
merkte, eine tenuis asperat a. Ob das aber wirklich
die echte alte ausspräche ist, bleibt mindestens zweifelhaft,
ja selbst ob in neuerer seit in allen theilen Indiens so ge-
sprochen ist; der Grieche Galanos schreibt wenigstens in
den beiden einzigen beispielen bei Höfer (H, 180) Zayav-'
vd&ag und uovXafpdXa sein & und (p fQr skr. th und ph.
[Auch nach dem aufsatze von Arendt beitr. II, 283 kann
ich es noch nicht für erwiesen ansehen, dafs diese aus-
spräche zu allen zeiten und an allen orten gegolten habe.]
2) Hinter der tenuis wird der durch das bestimmte
organ modificierte hauch, also die entsprechende spirans
gesprochen: pf, z = ts, kch, eine ausspräche, die im
neuhochdeutschen mit ausnähme des kch (wenn das
266 Ebel
nicht etwa von Schweizorn goaprochen wird, wo Hebel im
anlaut ch schreibt, wie ich allerdings vermuthe) die herr-
schende geworden ist, und deren anfange wohl schon in
die Übergangsperiode vom althochdeutschen zum mittel-
hochdeutschen fallen. Jede hochdeutsche aspirata (aufser
ch) hat sich seitdem in diesen doppellaut und die spirans
gespalten.
3) Die tenuis wird mit der spirans (dem organisch
modificierten hauche) verschmolzen, d. h. der hauch
wird durch das geschlossene organ gestofsen. Man versu-
che z. b. zu blasen, indem man die lippen schliefst, also f
mit derselben mundstellung wie p zu sprechen, und man
wird den eigenthQmlichen laut des griechischen ip er-
zeugen, wie er sich aus Prise. I, 4 ergibt: Hoc tarnen scire
debemus, quod non fixis labris est pronuntianda f, quo-
modo p et h, atque hoc solum interest. Ebendasselbe fin-
det mutatis mutandis bei den andern organen statt, und
wenn bei dem englishen th oder neugriechischen & eine
kleine Schwankung in der ausspräche eintritt, so dafs mau
bald mehr ein t, bald mehr einen zischlaut zu hören glaubt,
so können wir deshalb nicht mit Heyse eine entartung zur
Spirans darin finden, zu der ja das engl, th (und zwar so-
wohl das echte, harte th als das weiche, das dh geschrie-
ben werden sollte) nur bei dem wird, der es nicht ausspre*
chen kann; vielmehr liegt in der starken annäherung die-
ses lautes an einen f-laut (und zwar an das eben beschrie-
bene (f)^ die wir oft bei Engländern vernehmen können^
ein beweis mehr, dafs die englische und neugriechische
ausspräche des th von der altgriechischen wenigstens nicht
wesentlich verschieden ist, wenn sie auch bei den Neu-
griechen ein wenig mehr zur spirans neigen mag*). Am
♦) Diese hiuneigung, kcincswoges einen völligen Übergang zur (Spirans
habe ich aus nengriech. <yr ftlr altgriech. a!^ (gegenüber dem engl, tfas ohne
Vermittlung eines e im plural) geschlossen imd bei einer bemerkung zeitschr.
VllI, 380 im sinne gehabt, die Arendt beitr. U, 420 mifsvcrstandeu hat,
wenn er meint, ich sei geneigt, das altgriech. 0- dem skr. th, wie es jet«t
gesprochen wird, phonetisch ^chzastellen.
zur lautgtetchichtc. 267
nächsten bat wohl das kh von jeher dem kehlspiranten
gestanden, wie denn anch hier nicht eine spur von difie-
reuz romischer und griechischer ausspräche zu finden ist,
und schon im sanskrit die etymologisch entsprechende med.
asp. gh überaus häufig in h übergegangen erscheint.
Diese Verschmelzung der tenuis mit dem hauche jedes
Organs ist also wohl die echte ausspräche der wirklichen
aspirate, und wie sich nur aus ihr, nicht aus der ersten
art, ph, th, kh getrennt zu sprechen, die doppelte ent-
artung in deutsch pf, z einer- und f, sz, ch andrerseits
begreifen läfst [während bei der traditionellen ausspräche
des skr. th n. s. w. nach Arendt's erörterungen beitr. II,
296 die europäische tenuis t an dessen stelle gar keine
lautveränderung voraussetzen würde], so können wir auch
nicht annehmen, dafs die Griechen ph, th, kh getrennt
gesprochen hätten, wie vielfach behauptet ist. Dem ein-
zigen gründe, der sich dafür aufstellen läfst, der Schreib-
art TTcp^ XX, r& in der Verdopplung, stehen (selbst wenn
man das ausdrückliche zeugnifs Priscian^s für die aussprä-
che des (f und sein hoc solum iuterest mit der an-
nähme beseitigen wollte, dafs sich die ausspräche bis zu
seiner zeit schon geändert haben könnte) drei viel wichti-
gere gründe entgegen: 1) dafs man das bedürfnifs einer
besondem bezeichnnng der aspiraten gefühlt hat; wenn
man sich längere zeit mit //// und KH beholfen hat, so
lag der grund darin, dafs das semitische aiphabet, welches
die Griechen annahmen, n und (jf, x und % so wenig schied
als b und b h , g und g h ; für d" konnte man dagegen das
besondere zeichen des :3 mit einer geringen umdeutnng
benutzen, und that es; 2) dafs nasale und orale liquidae
auf die aspiratae folgen, meist selbst im aulaut: f/:Ao|,
ccix^trj; yjiy iht, rpv (aufser dem komischen (fvei) fehlen im
anlaut, (pu (wie n/a, ßu) überhaupt; 3) dafs sogar zwei
aspiraten verbunden werden: x^t ^f*'^t gewifs ein schlagen-
der beweis gegen jene ausspräche, da doch unmöglich
phth, khth, höchstens pth, kth wie im sanskrit ver^
268 £bel
hunden werden konnte; die Verbindungen qp/, x^f' ^^^^ '^9
1?^ kommen nur deshalb nicht vor, weil das griechische
überhaupt keine andre muta Verbindung kennt, als solche,
bei denen die dentalis die zweite stelle einnimmt, *) and
weil dentale mutae sich vor jedem consonanten ohne an-
tersehied, vor dem sie nicht (wie vor dem x des perfecta)
ausfallen, in die spirans 6 verwandeln. Dazu kommt noch
4) die altgriechische Schreibung X^ und <P2 vor der an-
wendung des | und ?//, die eine absolute Unmöglichkeit
voraussetzt, wenn ;^, ^ = kh, ph sind; endlich beweist
5) auch das ionische an I'titiov^ hnogafa gegen die aas*
spräche ph, denn sonst würde es sich von «y' innov,
itfoodw nicht unterscheiden. — Dafs übrigens die dritte
ausspräche an sich auch aus der zweiten hervorgehen könnte,
zeigt das spanische 9 oder z (von den Engländern, wie
ich aus einer alten spanischen grammatik in englischer
spräche ersehen, mit th bezeichnet, dem es also minde-
stens nahe stehen inufs), das zunächst aus ts (mittelbar
aus kj, tj) entstanden ist; ebenso das lispelnde sz fär z
der jüdischen ausspräche.
Die mediae aspiratae sind wohl auch im sanskrit
kaum getrennt zu sprechen, obgleich die Verbindungen
gdh, gbh, dgh, dbh, bgh, bdh entstehen, denn wir
finden sogar im anlaut ghn, dhm, ghr, dhr, bhr, bhl,
dbv verbunden; dafs asp. vor asp. in med. übergeht, stimmt
zu einer ähnlichen erscheinung bei ten. und spin im deut-
schen, wo umgekehrt got. ht, ft, st bleiben, statt nach
allgemeiner regel in hth, fth, sth überzugehen. [Die
möglichkeit kann man nun wohl nach Arendt^s aofübrun-
gen nicht mehr bezweifeln, aber dafs dergleichen Verbin-
dungen wie ghn ohne eine art schwa gesprochen werden
*) Mir scheint deshalb aocli heute noch die erklttrung von rix im. die
ich bereits 1848 in einer ungedmcktou abhandlung de redoplicatione graeca
ausgesprochen und nachher bei Ahrens wiedergeftinden habe, aas %ti{^[)itm
die natürlichste; CnrCius* anitlhrungen III, 412 können meine bedenken ge-
gen den Übergang von c in » vor zwei mntis nicht beseitigen, da sich die
muta in allen beispielen mit continva verbunden zeigt; auch tifno^ ist ja
aoa fxyro« entstandmi.
zur lantgeflGhichte. 29§
können, das bezweifle ich auch heute noch.] Einheitliche
laute dieser art, also ein bb, das dem (f genau entspricht,
eine dem v sehr nahe stehende muta u. s. w. finden sich
im deutschen mundartlich, vielleicht auch im neugriechi-
schen, dessen /? wohl schwerlich gerade unser v (deut-
sches w) ist. Ob das griechische med. asp. gehabt hat^
wie von philologen vielfach angenommen wird, ist noch
sehr zweifelhaft, wiewohl es unrecht ist, wenn diese Vor-
aussetzung von Seiten der Sprachvergleichung ganz ignorirt
wird. Es sind dafQr zwei gründe vorhanden, die aber
beide keine volle beweiskraft haben: 1) die ausspräche der
Neugriechen, aber diese kann nichts beweisen, denn die
Neugriechen sprechen statt ^, welches die alten notorisch
anders als die Römer ihr f gesprochen haben, nach allen
Zeugnissen auch f wie wir; übrigens habe ich eine derar-
tige entstellung der reinen media auch bei kindern wahr-
genommen, namentlich b wie bh (die dem oben beschrie-
benen cp entsprechende media) und d wie dh sprechen hö-
ren, von gh wird unten die rede sein; 2) der name media
und stellen der alten, welche sie zwischen ten. und asp.
setzen, jedoch auch diese beweisen nichts klar. So sagt
Dionys. Halic. de comp. verb. 14: tptXä fdv x6 x% x xai ro
n Tial ro r, Saaea ro x ^^i ^o fp ^^^ ^o ^'t xoipa Sk ccjH"
ifolv ro T6 y xal ro ß xal ro d, femer vom ß: rov ftiv
yag ipikcireoov ^(Trt, rov 8i Saavv^goVf ebenso: piiaov Si
xai knixoivov ro ö^ und: ro di y fMirgitag xai ftera^ rov-
rcuv. Nicht deutlicher drücken sich Dionysius Thrax und
seine commentatoren aus, oder Priscian. I, 5: Inter c sine
aspiratione et cum aspiratione est g, inter t qnoque et tb
est.d, et inter p et ph sive f est b. Sunt igitur hae tres,
hoc est b g d, mediae, quae nee penitus carent aspiratione
nee eam plenam possident. Hoc autem ostendit etiam ip-
sius palati pulsus et linguae vel labrorum consimilis qui-
dem in ternis, in p et ph vel f et b, et rursus in c et ch
et g, similiter in t et th et d. Sed in levibus exterior fit
pulsus, in asperis interior, in mediis inter utrumque supra-
dictorum locum. Geradezu für aspiriert werden die me-
270 Ebel
diae eigeotlich nirgend erklärt; haben also die grammati«
ker nicht etwa die ganze Behauptung nur aufgestellt, am
den namen, dessen Bedeutung sie nicht verstanden, nach
ihrer art zu erklären, so liegt die annähme sehr nahe, dais
sie bald mit, bald ohne aspiration gesprochen seien, etwa
wie das spanische b (vor vocalen aspiriert, vor 1 und r
rein) oder wie die altnordischen mediae b (nur nach b und
m erhalten) und d (nur nach 1, m, n, d rein), wodurch sich
der name und die stelle des Dion. Hai. erklären liefse«
Ein dritter grund, den man ftlr die aspiration der mediae
aufgestellt hat, der Übergang des jr in ß und die bezeich-
nung des lat. v durch /9, beweist vollends gar nichts, da
er sich ebensowohl dagegen als dafür geltend machen läfet;
denn wenn die Griechen bei der bezeichnung des lat. v
zwischen ß und ov schwankten, wenn die Aeolier das di-
gamma vor vocalen stehen liefsen, vor o aber in ß ver-
wandelten, so ist damit die Verschiedenheit der laute ß
und lat. V, ß und j: erwiesen, der grad der Verschiedenheit
zweifelhaft. Dagegen läfst sich geltend machen, dafs
die med. durch med. redupliciert werden, dafs sie selten
in asp. übergehen, in der regel einer ursprünglichen med.
entsprechen und nur in wenigen fällen (meist nach nasa-
len, oder wenn eine aspirata in der vorhergehenden silbe
steht) einer skr. aspirata, endlich dafs die Römer, die ge-
wifs keine med. asp. gesprochen haben, nichts von einer
Verschiedenheit der griechischen ausspräche erwähnen; doch
sind auch diese gegengründe von keinem allzugrofsen ge-
wicht, mit ausnähme des letzten etwa, der jedoch auch
nur auf allgemeiner annähme beruht, die noch nicht streng
erwiesen ist. Der ausdruck des Dion. Hai. liefse sich al-
lenfalls aus einer Verwechslung zwischen dicker (hauchen-
der) intonation und gröfserer schwere erklären, worauf die
benennung „tönende^ in der skr. grammatik führen könnte;
denn dafs die mediae schwerer sind als die tenues (dann
aber freilich auch als die aspiratae), scheint aus dem bei-
derseitigen verhältnifs in der Stellung muta cum liquida
hervorzugehen. Jedenfalls ist diese frage noch durchaus
zur lantgeflchichtG. 271
Dicht als erledigt zu betrachten, wie vielfach gesche-
hen ist.
Der aspirierten media steht nun zunächst die weiche
Spirans wie der aspirierten tenuis die harte, und entar-
tung und Verwechslung Hegt hier fast noch näher. Wenn
Heyse das Vorhandensein weicher Spiranten läugnet, so ist
das ein entschiedener irrthum, zu dem ihn die schriebe-
Zeichnung verführt hat, der aber um so- auflallender ist, da
er selbst eine Verschiedenheit in der ausspräche des w an-
erkannt hat, die ihn auf den richtigen weg hätte leiten
sollen. Wir müssen hier zuvörderst die oben unterlassene
Scheidung der gaumen- und (wie es in der sanskritgram-
matik heifst) kehllaute nachholen. Offenbar stehen sich
gegenüber das reine g und k, wie es überall vor a, o, u
ZU sprechen ist, und ein gequetschtes g und k (fast gj
und kj), wie es der Pole vor e durch gi, ki bezeichnet
(vor ursprünglichem y durch die Verwandlung dieses vo-
eals in i), der Lette mit einem strich durch den buchsta-
ben. Dieselbe Verschiedenheit tritt bei den Spiranten noch
deutlicher hervor. Wir haben vier harte Spiranten, das
labiale f, das dentale scharfe s (unser fs), das gutturale
ch (wie wir es hinter a, o, u sprechen, der Pole überall,
auch hinter e und i) und das palatale ch (bei uns hinter
e, i, den umlauten und consonanten, doch auch z. b. in
papachen); diesen vier harten stehen aber (so wie den
ten. die med.) vier weiche Spiranten zur seite, die genau
mit derselben mundstellung, aber mit druck statt stofs (ei-
nen weiteren unterschied kann ich auch zwischen ten. und
med. nicht finden) hervorgebracht werden: das labiale v
in braver (hart: brav), das dentale weiche s in grasen
(hart: gras), das gutturale g (gh) in norddeutscher aus-
spräche tages (hart: tag) und das palatale j in köuiges
(hart: könig), wie schon Kuhn bei Höfer a. a. o. zum
theil dargethan hat. — Gerade bei der bezeichnung der
Spiranten läfst uns aber die schrift ganz im stich; wir be-
zeichnen theils mehrere laute mit einem zeichen wie ch,
s, theils einen laut mit mehreren zeichen wie s und fs,
272 Ebel
80 dafs es in jedem einzelnen falle genauer phonetischer
prüfung bedarf. So kommt es denn, dafs zwei zeichen,
w und j, zugleich weiche Spiranten und halbvocale be-
zeichnen können, und Heyse ist mit recht dagegen au%e<-
treten, dafs manche die beiden schlechthin für Spiranten
erklärt haben, z. b. Schleicher, hat aber übersehen, dals
sie das ebensowohl sein können als halbvocale. (Ich werde
hier zur Vermeidung unnützer weitläuftigkeiten die Spiran-
ten durch
f s ch hh
V z j jh,
die halbvocale durch w und j bezeichnen.)
Entschiedene halbvocale sind sie da, wo sie aus
der Schmelzung der vocale u und i entstehen, wie das engl,
w (daher verschmilzt das w in who mit dem folgenden o
zu oo = ü, und die diphthonge au, eu, ou werden un-
ter umständen aw, ew, ow geschrieben, das a in water
empfangt ebenso wie in quarter durch den halbvocal die
getrübte ausspräche ä) und das franz. j vor vocalen (daher
wird ayez wie aiiez gesprochen), und in sehr vielen fäl-
len, wo vocale geschrieben werden (wie in lilie, statae
bei schnellerer ausspräche, jedenfalls auch im griechischen,
das keine halbvocale schrieb, z. b. in TQ(pa nach älterer
ausspräche, in fivia, etri^ (pilolsv, xaio)); Spiranten sind
sie, wo sie in f und ch übergehen können, so in den mei«
sten fallen in unsrer nhd. ausspräche, wie denn j oft aus
g entsteht, fieim v erklärt sich nun auch ganz einfach
durch die spirantische natur eine scheinbar sehr auffallende
angäbe der indischen grammatiker, nämlich dafs es ein
dental -labial sei; denn was Heyse vom f bemerkt (wie wir
oben gesehn haben, schon Priscian andeutet), dafs es nicht
mit geschlossenen lippen gesprochen wird, sondern indem
die Unterlippe den oberzähnen nahe kommt, das gilt auch
von unserm v (auch wo wir im deutschen w schrdben, in
den meisten fällen), und nichts anderes haben offenbar die
indischen grammatiker bei ihrer angäbe im äuge gehabt.
Was also Bcnary in der römischen lantlehre und in dieser
zur Uiitgeschichte. 37i
Zeitschrift über yersduedenbeiten des v oud j bemerkt bat,
das ist voUkommeD richtig, nur daüs es sich nicht auf grö-
fsere und geringere schwere allein reduciert, auch nicht
einmal diesem Verhältnisse correspondiert; denn engl, w
ist schwerer als v, das (u geschriebene) w hinter q ist aber
leichter als v. Im einzelnen wird sich freilich in den ver-
schiedenen sprachen die grenze namentlich zwischen bb
(span. b), V und w nicht immer feststellen lassen, da die
laute auch in derselben spräche oft in einander überge»
hen*); den versuch müssen wir indessen doch machen«
Zuvor haben wir aber noch von den zwischenlauten
zwischen dentalen und gaumiauten zu sprechen, da sieb
hier neue Spiranten entwickeln.
Die slavischen sprachen, namentlich das polni-
sche, in dem die assibilaten am vollständigsten ent-
wickelt sind, zeigen uns drei reihen solcher laute (oder
lautcomplexe) :
1) ten. c, med. dz, spir. s, z
2) cz(c), di, sz(ä), 4
3) c$, di, i, i;
zur dritten reihe gehört aufserdem der nasal n, gerade
wie im sanskrit zu den sogenannten palatalen das n, und
eine liquida 1 (beinahe ly), zur zweiten die liquida rz
(böhmisch f); die dritte steht den combinationen ty, dy,
sy, zy phonetisch und etymologisch am nächsten (nur t
und d gehen im polnischen in ö und di über, während c
und dz sowohl aus k und g als aus t und d entstehen
*) Einen interessanten beleg hierzu bietet das irische, indem die as-
pirierten mediae bh nnd dh nebst gb nicht blofB in Spiranten v und j oder
jh tibergegangen sind, sondern auch in halbvocale, selbst voUstindlg vocif-
lisiert erscheinen: bh wird nach O'Donovan in Munster wie v gesprochen,
in Nordirland vor a, o, u wie w, in füllen wie gab bar (a goat) bildet es
mit a einen diphthong au, der in Ulster sogar in öw übergeht; dh und
gh werden im anlaut je nach der eigenschaft des folgenden vocals wie jh
oder j gesprochen, in- und auslautend ist der laut des gb in Verlängerung
des vorigen vocals untergegangen, dlighe (}9m\ sngh (juice) wie deutsch
dlihe, suh (dHe, sü), während adh und agh z. b. in adharc (a faom)
in ai diphthongieren. (Man vergl. übrigens auch unser maid =: magd,
getraide, mehr der art im mhd. wie seit (sagt) und heute noch in schwä-
bischen mundarten).
Zeitschr. f. vgl. sprachf. XIII. 4. 18
274 Kbel
können). Alle diese assibilationen der mutae stehen
als lantcomplexe und vei-schmelzungen derselben auf einer
Knie mit den aspiraten, wie wir sie denn auch zum theil
an deren stelle finden, die tenuis der ersten reihe im hoch-
deutschen z, tz als aspirata der zweiten laut Verschiebung,
die media im polnischen dzwon glocke, dz wo nid läuten
(d^wiek klang), entsprechend dem skr. dh der würze!
dhvan; damit stimmt auch das franz. ch (= ö) statt des
fr&nkischen und ahd. ch (=kh oder hh), umgekehrt steht
Span. X, jetzt j (= hh) för franz. ch und arab. seh; auch
das iran. z ft\r skr. h ist zu vergleichen. Daher ist es
nicht wohl denkbar, dafs sich neben und aus ihnen neue
aspiraten entwickeln; dagegen erscheint der Übergang
der muta in spirans hier ebenfalls hänfig: das franz. c
(vor palatalen vocalen) wird durchweg s gesprochen, sein
j (= i) vertritt das ital. gl (= d4), das portug. ch (= 8)
verhält sich ebenso zum span. c h (= c ) ; das poln. ± steht
neben dz als erweichung des g, während man d± erwar-
ten sollte, und cz wirklich dem c als erweichung des k
regelrecht zur seite steht, dem poln. dz = skr. dh ent-
spricht z im ksl. z von u (=lit. zvänas), zvineti, zv^kü,
dem engl, ch statt k das altfries. sz. Deshalb finden sich
in andern sprachen nur einzelne dieser laute wieder: im
neuhochdeutschen ans der ersten reihe alle mit wob-
schlufs des dz, aus der zweiten nur seh, denn unser
tsch ist allemal durch zusammenrückung aus t-sch ent-
standen, alle übrigen kommen höchstens mundartlich vor
(in der jastrower mundart z. b. 6 und di statt k und g);
im französischen sind nur die Spiranten (s, z, ch, j)
vorhanden, im italienischen noch die mutae z = ts
und 3= dz, ci, gl, im schwedischen noch die tenuis
der dritten reihe, k im anlaut vor palatalen vocalen = c;
im englischen vielleicht noch die meisten, da die zweite
reihe inch,j, sh, zi vollständig vorliegt, und die aus-
spräche in nature, soldier, Session, glazier zum theil
in die dritte reihe hinüberspielt. Im sanskrit würden
die sogenannten palatale c, ch, j,jh nach der angäbe
zur lantgeschichte. 275
der Engläuder der zweiten reihe zufallen; wir dürfen aber
wohl überzeugt sein, dafs ihre bezeiobnung durch engl, ch
und j ungenau ist, und ein Pole vielmehr sein 6 und dt
dafür setzen würde, somit die palatale c, j und die spi-
raus 9 der zweiten reihe angehören, Tielleicht noch weni*
ger zischend als im polnischen*) (während wir für ch und
jh eine ausspräche wie poln.cz, d^ vermuthen). Daftkr
spricht vor allem die vergleichuug des n, das kaum an-
ders gesprochen werden kann als poln. n (dem franz. gn
ähnlich, aber weicher); sodann die griechische bezeichnung
des altpersischeu c in Cispis, das doch wohl mit recht
dem skr. c gleichgestellt wird, durch die combination re
(statt Ti wegen des folgenden i) in Teianr^g (Her. VII, 11)
und nicht durch einen zischlaut [wozu fQr die media das
zeitschr. Vin, 307 berührte Ariobardianes neben Ario-
barzanes gestellt werden kann]; ferner der Wechsel der
Schreibung in cut und cyut, injut und jyut neben
dyut, das als secundäre würzet offenbar von dyu oder
div stammt; endlich das verhältnifs der Spiranten unter
einander und den mutis gegenüber. Wie nämlich poln. c
und dz aus dentalem t und s, d und z zusammenge*
setzt sind, cz und d± dagegen aus lingualem t und 8S,
d und z (wobei die zunge von vornherein mehr gegen den
gaumen zurückgebogen werden mufs, in die Stellung, die
sie beim sz uud z einnimmt, damit sich nicht wie bei un-
serm zusammengerückten t-sch ein rein dentales t, d vom
lingualen Spiranten absetze), so werden auch c und d£,
bei denen gerade wie bei i und t (die unserm palatalen
ch und j sehr nahe kommen; daher hört man bei perso*
neu, die gewohnt sind, hh tief guttural zu sprechen, wie
bei den Juden öfters statt unseres palat ch den laut des
poln. s) der zischlaut kaum merklich ist, nicht aus rein
*) Man hat vielfach ky, gy oder den palatalen laut des k, g dafUr
angesetzt; dem beizutreten verhiudeit mich die in mehreren fUllen klar vor-
liegende entätehung aus ty, dy, da wir in den sprachen vielfach ty mu
ky entstehen sehen, kaum ky aus ty. [Ein vereinzeltes beispiel bietet die
pariser volksinundart in amiki^, ghieu bei Diez I', 270.]
18'
<276 Rbel
deutalem t, d mit y gebildet, sondern die zunge wird von
vorn berein ein klein wenig höher angesetzt aU bei den
reinen dentalen. Ebenso wie eich hier das erste element
des lautcomplcxes dem zweiten accommodiert, so assimi-
liert sich ein zischlaut, der diesen assibilaten vortritt, der
folgenden muta: st verwandelt sich in sd oder szcz, zd
in tdi oder ±d±^ aber sk in sc. Ein analoges verhält-
nifs findet aber im sanskrit zwischen den Zischlauten und
den entsprechenden mutis statt: das skr. st verwandelt sich
in sht, sobald s in sh übergehen mufs, 9t unter allen um-
standen in sht, so in 9c, st in sht, so da(s bald der
erste, bald der zweite laut auf den andern assimilierend
wirkt; und die analogie mit dem polnischen, dessen assi-
bilaten allerdings (auch der zeit nach) ebenso verschiede-
nen Ursprungs scheinen als die hochdeutschen aspiraten
und Spiranten, tritt noch mehr hervor, wenn wir bedenken,
dafs hier den dentalcombinatioucn dieselben Spiranten zur
Seite stehen wie den einfachen dentalen, den lingualverbin-
dungen dieselben wie den einfachen lingualen im sanskrit,
und dafs ftir szcz mundartlich sogar szt gesprochen wird
(wie altslav. szt = neusl. szcz) mit lingualem t wie skr.
sht; im einzelnen stimmt mit der Verwandlung beider laute
im skr. sht aus 9t die erscheinung überein, dafs im pol-
nischen an den stellen szcz, ±d± auftritt, wo t, d ohne
vorhergehenden zischlaut in die dentale c, dz fibergehen
würden. Stimmen also die Zischlaute (spiranten) des sans-
krit mit den polnischen überein, so können wir nicht zwei-
feln, dafs auch die mutae der entsprechenden klassen bis
auf einen gewissen punkt übereinstimmen. Im sanskrit wer-
den nun als harte Spiranten angeführt s, 9 (oder s) und
sh^ das polnische zeigt ebenfalls drei harte Zischlaute s,
<, sz; darüber sind alle einig, dafs skr. s und sh genau
denselben laut haben wie poln. s und sz, und dafs 9 dem
sh sehr nahe kommt, gerade wie poln. i dem sz; wenn
also 9 ein zischlaut ist, kann es keinen andern laut haben
als poln. ^, und den hat jedenfalls Wilson mit dem ss in
Session bezeichnen wollen. Dafs aber skr. 9 wirklich
zur Iantge«chichte. 277
ein Zischlaut ist, nicht, wie Kuhn gefolgert hat, das ihf&
allerdings sehr nahe stehende palat. ch, das geht theils
aus den Umschreibungen bei Wilson und Galanos beryor^
theils aus der angeflihrten correspondene der ziachlaute
mit den mutis einer-, mit den polnischen ziaohlauten aoh!
drerseits. Die consequenz in der spräche, die Kuhn iSk
der annähme voraussetzte, dafs dem j auch ein ch znc.
Seite stehen müfste, findet sich erstlich in den sprachen
vielfach gestört*), und zweitens haben wir durchaus kei-
nen grund, das skr. y f&r unser j , den weichen Spiranten,
zu halten, dagegen mehrfachen, eine rein halbvocaliscbe
ausspräche anzunehmen. Die a. a. o. (11, 173) beigebrachte
stelle erklärt sich auch meiner meinung nach Tiel leichter,
wenn man umgekehrt annimmt, dafs der gerügte fehler
der ausspräche gerade in der Setzung der Spiranten j und
oh bestand, die der Inder nur durch den nächstliegenden
balbvocal y andeuten konnte; dann begreift sich auch, wie
akhyat unter die beispiele palst; es ist eben derselbe feh-
ler, den viele Deutsche bei der ausspräche des franz. gag«
ner oder fille machen, wenn sie ganj^ oder wohl gar
flieh sprechen, also akh-jat oder akh-chat statt ak-
hyat (akhiat).
Harte Spiranten sind also im sanskrit jedenfalls
s, ^, sh; es fragt sich, ob gutturale und labiale gar
keine harte spirans aufzuweisen haben. Ich glaube, ja,
und zwar beide im visarga, der vor ihnen die stelle der
Zischlaute vertritt. Der visarga ist jedenfalls etwas mehr
als ein blo&er hauch, vor gutturalen gewils unserm guttu-
ralen hh entweder ganz gleich oder wenigstens sehr ähn-
*) Es lohnte wohl der mUhe, einmal die fälle zusammenzustellen, wo
die verschiedenen sprachen eine inconsequenz entweder im buchstaben-
oder im lnutsystem zeigen, ersteres z. b. im altnord. y (statt ue) neben ae
und oe, letzteres im slavischen z, z neben c, e, umgekehrt im griechischen
ff(f neben t, in der irischen ausspräche des th als h neben dh als j oder
jh; im sanskrit fehlen z. b. die weichen Zischlaute z, i neben den harten
s, sh, da s (sh) unmittelbar in r übergeht, v ist theils Spirant, theils (w)
balbvocal, y nur halbvocal; im polnischen ist w entschieden (v) Spirant, J
«BttchiedDn (y) halbYocaL
278 Ebel
lieh, sicherlich aber ein harter hauchlaut, da er nur vor
temies und s eintritt (auch im slavischen wird s ssn ch,
wenn auch unter andern bedingungen); röcksichtlich der
doppelten Schreibart h und s vor folgendem s läfst sich
hochd. chs (jetzt ks, ursprünglich jedenfalls hhs gespro-
chen) neben ndd. ss vergleichen: ochse = osse, fuchs
d^ vofs. Nun finden wir aber noch zwei benennungen
f&r den visarga: die erste, ardhavisarga, bezieht sich
nur auf die form und gilt vor gutturalen und labialen, geht
uns also hier nichts an; die zweite aber, upadhmäniya,
wird nur vor labialen angewandt und dieser upadhm. aus-
drücklich zu den lippenlauten gerechnet, B. R. s. v. 68 h*
thya. Gestaltet sich aber der hauch labial, so mufs er
nothwendig zu f werden, und darauf deutet auch der name
upadhmäntya (blaselaut) hin, da man doch einen kehl-
hauch oder „den reinen lungenhauch^ h so wenig als den
Zischlaut einen blaselaut nennen kann. Konnte s vor gut-
turalen in hh übergehen, so konnte wohl auch hh vor lip-
penlauten zu f werden ; ja s konnte sogar direct zu f wer-
den, so wunderbar das scheinen mag. Analogieen dazu
finden sich nicht nur indirect im griechischen und itali-
schen, wo die den Spiranten zunächst stehenden aspiraten
& und (p (nebst f ) denselben Übergang zeigen : y iy(i = &'>jg^
rufer (ruber) = kgv&gog^ sondern auch direct im edti-
schen, wo irisch s = kymrisch f ist, und bald b, bald f
ursprünglich erscheint. [Vergl. einstweilen beitrage II, 82.]
üebrigens ist die Verwandlung des as in ö vor tönenden
noch viel anffallender.
Weiche Spiranten sind im sanskrit h und zum
theil V (y ist wohl immer reiner halbvocal). Skr. h ist
nicht blolser hauch, sondern spirans, denn es hat conso-
nanten vor und hinter sich und zwar nicht blofs die halb-
vocalischen y und w; aber weiche spirans, denn es duldet
nur liquidae und halbvocale (hmal, hnu, blas, hrt) und
verwandelt t, th in dh oder dh (dugdha, Itdha von
WZ. duh, lih),- dafür spricht auch der iranische und sla-
vische Übergang in z. Die ausspräche mufs also unserm
zur lautgeschichte. ^9
g b (uud dem bebr. r) sehr nahe sieben, und wenn Galatios
brabmau durch ßga^f^ccv wiedergibt, so ist das jedenfalls
nur annähernd richtig, die wahre ausspräche wohl br'ajh-
man. Eine weiche dentale spirans (unser weiches s, got.
und slav. z) fehlt dem sanskrit, es mfifste denn das s in.
sm, sn weicher gesprochen sein, woftlr die belege fehlen^:
da sich die liquidae allen lauten anschmiegen; doch Ter-
gleiche mau die Schreibung masj; sonst geht s ohne sieht-:
bares mittelglied in r über. Dafs das v im sanskrit jeden-
falls nicht immer halbvocal ist, zeigt seine nahe Verwandt-
schaft mit b, auf die wir später noch zurückkommen wer^
den; ja sogar der für den reinen halbvocal unmögliche
Übergang in p findet statt (drapsa von drav gerade wie
neugriech. ixXaipa statt exkavaa); auch stehen consonanten
hinter v, was bei skr. y nicht vorkommt, obgleich es sich
scheinbar mit d und j berührt (mit g wohl nicht unmittel-
bar). Durch die benennung „halbvokal^ bei den sanskrit-
grammatikern dürfen wir uns nicht irre machen lassen*);
nennen doch die römischen grammatiker sogar f eine se-
mivocalis; auch verrathen sie das halb wahre derselben
selbst durch die bezeichnung als dental- labial (s. oben).
Dagegen ist das v jedenfalls halbvocal (w), wo es durch.
Schmelzung des u entstanden ist, auch meist hinter conso-
nanten (namentlich hinter h und aspiraten und hinter jedem
consonanten im anlaut). Das y ist wohl immer reiner halb-
vocal; es hat nie consonanten hinter sich und steht hinter
consonanten auch da, wo v nicht vorkommt, z. b. in khyä,
chyu; für die verschiedene natur beider buchstaben ist
namentlich das bezeichnend, dafs die Verbindung vy auch
im anlaut häufig vorkommt, das umgekehrte y v (d. hJ nach
unsrer bezeichnung jw) nirgends (wie es scheint, auch
aufserhalb des sanskrit nicht). Ebenso ist im polnischen
w entschiedener spirant, phonetisch mit f wechselnd im
*) Ebenso behaupten die polnischen grammatiker, dafs es in ihrer sprä-
che kuine diphthonge gebe, und doch lauten ihr aj, cj, oj am ende und
vor consonanten ganz entschieden diphthongisch trotz der abweichenden
Schreibung.
280 Kbel
auslaot und selbst hinter consonanten (twuj klingt nach
der angäbe polnischer grammatiker wie tf6j), j dagegen
entschiedener halbvoeal, der in der neaeren Orthographie
sogar zur bezeichnung der diphthonge gebraucht wird;
auch im französischen ist v entschiedener spirant, der
mit f wechselt (neuf, nenve), y reiner halbvocal (und
vocal, in pays sogar =:ii), während die spiransj lingual
ist (= slav. ±).
Im altpersisohen deuten die Schreibungen uv^ iy
vor Tocalen und im auslaut, im zend die zeichen nu s=s
w, ii = y fbr beide laute auf halbvocalische ausspräche,
daher das griech/Y ardffntig fQr Vi^tä^pa, auch das neu*
pers. Gushtasp; doch findet sich im zend auch v sicher^
y wahrscheinlich als spirant. Ibeitr. III, 44 fgd.]
Im lateinischen ist h reiner hauch wie der grieoh.
Spiritus asper; es duldet nur vocale vor und hinter sich
und steht (aufser ah, vah) nie auslautend, schwindet auch
(sinkt zum lenis herab) Tor und nach i und j: mejo, ajo,
pius, vor und nach u und v: struo struxi, nix niTis,
daher erscheint es als hiatustilger in ahdnus neben aönus
(in welcher eigenschaft es auch im italienischen vorkommt)«
In andern italischen sprachen scheint es freilich danebeh
auch harter spirant, so im umbr. screihtor^ screhior
neben osk. scriftas (oder ist hier stummes h ausunehmeB
wie im neuhochdeutschen, und umbn aha statt ft 2U Tei^<
gleichen?). Das lateinische hat also nur zwei harte spi«
ranten s und f (dessen Verbindungen fl und fr aind^ io
andern italischen sprachen auch ft). Die weichen Spi-
ranten gehen dem latein der classischen periode gänzlich
ab, da hier weder j und v Spiranten sind, noch ein wei-
ches s (z) existiert, vielmehr s zwischen vocalen dem an^
schein nach unmittelbar in r übergeht, vor liquidis aua-^
AUt. In älterer zeit dürfen wir jedoch wohl wenigstens
einen weichen Spiranten nach analogie des oskischen vor-
aussetzen, dessen z z. b. im gen. plur. -azum ebenso das
skr. -äs am mit dem lat. -ärum vermittelt, wie das goth.
-izö als mittelstufe zum ahd. -iro hinÜberfiUurt; schwer-
zur lantgetehichte. 7Sl
lieh sind Farius^ Valerins, Papirias und ähnlicbe
formen nnmittelbar aus Fusius u. 8. w. mit scharfem s
hervorgegangen, vielmehr mufs das s in diesen Wörtern
erst den weichen laut (z) gehabt haben, den es io Clao^
aus s=s Claudius jedenfalls hatte. Während den latein
hier ein Weicher Spirant mit dem öbergange in r oder
(denn das s in casmen, casmSna hat doch wohl anoh
den weichen laot (z) gehabt) dem ausfall verloren gegan*
gen ist, hat es erst in spätester zeit, zum theil erst auf
romanischem gebiete, einen Spiranten in v gewonnen, kaum
einen zweiten in j. Dafs beide nrsprfln^ich nur halb-
Yocale sind, deutet schon die beeeiehnnng durch i (ii)
und n an. Das j ist reiner halbvocal nicht nur bis in die
letzte zeit der lebenden spräche geblieben, daher es nur
vor und zwischen vocalen erscheint, mit i verschmilzt oder
vor ihm ausfällt, btgae, reicis, und in beständigem wecb-
selverhältnifs zu ihm verbleibt, etiam, abjete, sondern
auch wahrscheinlich in allen italischen sprachen, da keine
ein besonderes zeichen daf&r kennt. (Die romanischeB
Spiranten franz. und prov. j und c h sogar an stelle eines
erst halbvocal gewordenen tonlosen e und i im hiatus (cage,
grange, sache) widersprechen nur scheinbar dem vocal
oder halbvocal in aie, feuille, gloire, da prov« sapcbe
und ital. saccia eine Vorstufe sap-tya aus sap-dia vor-
aussetzen wie diacere sr jacere, aus der sich ital. gi
(sss di) entwickelte, also franz. j (s= ±) nicht aus lat. j
(=B j) verhärtet, sondern aus ital. gl geschwächt ist, wi«
Spirans aus aspirata, s. oben.) Das v scheint geschwankt
zu haben, denn andre italische sprachen haben ein beson*»
deres zeichen und Verbindungen wie osk. oevs, was auf
Spiranten deutet (wir finden also hier denselben gegensatz
zwischen y und v wie im sanskrit und polnischen), im la-
teinischen ist es aber entschiedener halbvocal: wir
finden keine consonantenverbindung, in der v vortritt, kein
nv, mv, nur Iv und rv und selbst da noch auflösungen
wie siluae neben silvac, mindestens bis in Augustes zeit
kein vu, sondern quom oder cum, secundns, looun-i
282 £bel
tur, divos oder dius, volnus; daher die vocalisieruDg
in cautus, jütus, öpiter (aus avip.) und der Übergang
des alteu ov in (ou) ü oder d, nundinae, nönus^
Nöla = osk. Nüvla (d. h. Novula), der ausfall in am&-
runt, fini^runt, finisse, ndsti^ das schwinden des D
in coventio (wie in coagulum, cogo) und die coq*
traction in contio, eunctus (= covinctus). Allmäh-
lich scheint sich zwar die ausspräche verhärtet zu haben,
da divus, vult fQr divos, volt auftreten, doch bleiben
cavi, mövi, jüvi, langui (statt ^langvui), fervi oder,
ferbui, und selbst im franz. pluie verräth sich noch halb-
vocalische ausspräche von piuvia, während sonst in den
romanischen sprachen der Spirant v herrscht und nameiit*
lieh im anlaut dem germanischen w (gu) gegenübertritt.
Stets bis in die neuzeit halbvocal geblieben ist das w in
sueo, coquo, anguis, urgueo, und das ist der grnnd,
warum wir in diesen Verbindungen heute noch u schrei-
ben. Aus dieser ausspräche erklärt sich übrigens auch,
was Priscian I, 2 anführt: Praeterea tamen i et u vocales,
quando mediae sunt, alternos inter se sonos videntur con-
fundere, teste Donato, ut vir, optumus, quis. Et i qui-
dem, quando post u consonantem loco digamma functum
aeolici ponitur brevis, sequente d, vel m, vel r, vel t, vel J^
sonum y graecae videtur habere, ut video, vim, virtna, Vi-:
tium, vix; u autem quamvis contractum eundem tamen,
hoü est, j habet sonum, inter q et e, vel i, vel ae diph»
thongum positum, ut que, quis, quae; nee non inter g et
easdem voeales, cum in una syllaba sie invenitur, ut pin-
gue, sanguis, linguae. Die beiden hier besprochenen er-
scheinungen, die in allen beispielen auiser optomus statt*
finden, sind eben nur bei balbvocalischer ausspräche mög-
lich: zu der trübung des i durch das vorhergehende u,
das im w noch vernehmbar ist, stimmt die trübung des a
im englischen water, what, quarter; zu der affeotion
des im w noch vernehmbaren u-lauts durch den folgenden
palatalen vocal die französische ausspräche des qu wie cü
in equestre, quinaire, quintuple (dagegen jJs coü
zar laatgeschichte. %Hß
in cquateiir, quantum). Mit dem ersten falle kommt
auch das o fUr skr. va im lat. fforor, socer u. a. fiberr
ein, wo Tielleicht das a ähnlich wie im englischen durch
das ausfallende w getröbt ist, doch ist möglicherweise ^n^
Vorstufe *6ueror, ""suecer in analogie mit dem griech«,
jr&xvoog anzunehmen (wie vomo neben kuiut); sicher schliefst
sich das griechische xodQccvrtjg aus quadrans an, wäb*
rend Taoxvviog, !/4xvlag^ Kvolvog aus Tarquinius,
Aquila, Quirinus sowohl zum ersten als zum zweiten
falle gerechnet werden können. [Genau genommen hat sor
wohl in o = wa als in Q = wi beiderseitige assimilation
des u und a, des u und i stattgefunden, die sich daher im
mittellaute o, fl treffen; wenigstens beweisen alle diese
lautvcränderungen unzweideutig, dals ein echter halbvocal
gesprochen wurde, die ftufserste Verkürzung des kurzen
u-vocals im hiatus.]
Im gotischen scheint h nicht überall blofser hauch,
wie im neuhochdeutschen (wo es sogar, in spir. lenis überge*
gangen, Verlängerung des vorigen vocals bewirkt hat, daher
als hiatustilger (blähen) und dehnungszeichen gilt; eine
interessante parallele dazu bietet das sanskrit mit seinem
weichen spirauten h, der z. b. in lidha aus lih-ta, nach-
dem er den folgenden consonanten zur med. asp. umge*
wandelt, selbst verschwunden ist, aber den vocal verlän-
gert hat), lateinischen, griechischen, sondern vielfach Spi-
rans, denn es hat consonanten vor und hinter sich und
steht im auslaut, aufans, ]>airh, und zwar harter, denn
es verbindet sich mit s und t und vertritt k und g vor i
und im auslaut, entschieden guttural, nicht palatal, denn
es verwandelt i in ai (warum aber auch u in au?). Sein
theilweise früher ausfall weist zwar anscheinend wieder auf
das gegentheil hin; ich glaube indessen, dafs sich dieser
ausfall und die damit zu vergleichenden assimilationen (na-
mentlich in jah) auch ans der ausspräche hh erklären
lassen, da wir in Berlin ein ganz entsprechendes verschlei-
fen des hh sehr oft vom gemeinen mann zu hören bekom-
men, z. b. in nonnich statt noch nicht (mittelstufe
284 £b«l
'Dojbnicby wo das n erweichend gewirkt bat). Abd*
und mbd. h scheint ebenfalls verschiedenes zu umfassen:
fränkisch entschiedener spirant, wie die Schreibart Ohio-
doveus u. ä. (Grimm gescb. d. d. spräche 543) zeigt, sinkt
es im anlaut zum blofsen hauch, der vor I, r verschwin-
det, im neuhochdeutschen auch vor w (selbst im inlaut:
aue); aUmählich nimmt die Schreibung cb f&r die harte
Spirans Qberhand, und nhd. h ist nur noch der reine hauch,
so dafs sich drei stufen entwickelt haben: geschiobte,
geschehen, geschah. — Got« y und j (obwohl noch
zum theil — nicht mehr überall 1 — mit u und i im Wech-
sel) müssen schon zu Ulfila^s zeit theilweise zu Spiranten
geschärft sein, denn er unterscheidet qu und hu, wo w
halbvocal ist, durch besondre zeichen (warum nicht auch
gy?). Althochdeutsch und mittelhochdeutsch schei-
den sich y, weiche spirans, aus f entstanden, aber früh
zweideutig, bald hart^ bald weich lautend, wie noch im
neuhochdeutschen (brav, sklave), und w, ursprünglich
reiner halbvocal (wie die romanischen sprachen mit ihrem
gu dem — damals schon Spirant gewordenen — lat. y ge-
genüber bezeugen), wovon sich spuren noch bis in die an-
fange des neuhochdeutschen erhalten haben: fraw, frauw,
daher auch im anlaut vor r, 1 abgefallen, inlautend jedoch
hinter r, 1 allmählich vielfach (wie im anlaut neuhochdeutsch
überall) zur spirans geworden, daher nhd. färbe statt
mhd. varwe, während fahl neben falb noch die doppelte
geltung zeigt. Auch j ist mit der zeit zum entschiedenen
Spiranten geworden, wie der Übergang in g im mhd. gibe,
jghen zeigt, im neuhochdeutschen anlautend selbst aus i
entstandenes, je, jeder (neben immer, niel), während
formen wie mhd, seit sogar (ähnlich wie im irischen, s.
oben die anm. 8.273) die media durch die stufen j, y
hindurch yocalisiert zeigen; daher auch in lehnwörtem:
latwerge, lolch, eppich, käfig, mennig (Diez 1%
167); eine spur von halbvocal erscheint noch nhd. in lilie,
levkoje, das mhd. j im inlaut (blaejen, blüejen) ist
indessen wie w hinter vocalen (dröuweu) im neuhoch-.
Ktur Uutgetchlchte. S0i
deutseben ausgefallen. — Im nordischen sind v und j
reine halbvocale (w, y), daher ihr ab- und ausfall mit
Veränderung folgender voeale (wie sie im hochdeutschen
komen aus quem an zeigt), die spirans v ist daher bei
neueren auch besonders bezeichnet: f v.
Ein rein halbvocalisches w findet sich noch im letti-
schen, wo nach Hesseiberg taws (dein) fast wie taus,
kaum tau WS klingt, sowie aj vor consonanten wie ai mit
wenig hörbarem j lautet; dagegen aws (schaf) mit deut*
lieber spirans, vielleicht weil hier i, dort a ausgefallen ist.
Die keltischen sprachen theilen sich. Im anlaut hat
der gadhelische zweig die spirans v zu f verhärtet, duf
sogar aspiriert wird (fh, schon in den ältesten denkmälem
stumm), der kymrische den halbvocal w in gw gestärkt
und zum theil vocalisiert; gallisch *viras (vir) wird in
fer (fear), kymr. gur (gwr). In der mitte sind j und
V meist ausgefallen [doch zeigt sich nach Stokes^ bemer-
kungen beitr. II, 101 hinter consonanten (r, 1, d) galli-
sches V ähnlich wie im anlaut behandelt: gall. tarvos
(taurus) = altir. tarb, d. h. neuir. tarbh (spirans v), aber
= altwelsch taru, jetzt tarw, kom. tarow (halbvocal w
vocalisiert); wir dürfen also vermuthen, dais auch j, das
im gadhelischen anlaut abgefallen, im kymrischen als i er-
halten ist, dort als spirant (etwa erst zu h geworden) ver-
haucht, hier als halbvocal erhalten und vocalisiert ist]. Von
den Spiranten v und j, die im irischen aus der aspiration
der mediae hervorgegangen sind, und deren Verwandlung
in halbvocale und vocale ist schon oben (s. 273 anm.) die
rede gewesen.
Im griechischen ist noch eine spur der doppelnator
des j und v zu erkennen, wenn gleich im allgemeinen wohl
anzunehmen ist, dafs y und w hier als halbvocale im älte-
sten griechisch vorhanden gewesen und als halbvocale nach-
her untergegangen sind. Die Spiranten v und j sind in
die mediae ^? und y übergegangen (oder v durch ß bezeich-
net worden?): äol. ß(}6dov, lacon. ßutvog u. s. w., yafMiw.
Auch der Obergang von (f zu ^ injrgrjyvvfii, wenn dies
286 Rbel
mit recht = f ran go und skr. bhanj gesetzt wird*), wörde
sich am besten durch spirantische ausspräche vermitteln,
dagegen läfst das q> hinter a in (Ttpeli^ sich auf andre weise
erklären, nämlich durch die annähme eines einschubs zwi-
schen (T und dem halbvocal ^, also on^elg = (fffBlg^ und
da (p kein f ist, scheint diese erklärung den vorzug zu ver-
dienen. Wenn j in den weichen zischlaut (z) übergebt,
der sich mit 5 zu J verbindet, hinter t und & zu a ver-
härtet, so deutet das zwar auf einen Spiranten, doch ist
derselbe eben erst in dieser Verbindung aus dem halbvocal
entstanden, also die grundform des C nicht dj, sondern
dy; besonders weist darauf die Vertretung des y durch C
hin, verglichen mit dem spätlatein. diaeere = ital. giacere;
der beweis aber liegt in formen wie fieiLWv, x^ucaoiVy de-
ren diphthong nur aus halbvocalischer ausspräche des y
zu erklären ist: nkyyutv fiiSytov fieidyiav uei'^ujv, nicht die
Spirans, sondern der halbvocal bedurfte der stütze, die
dem y das d, wie dem w das g (beiden hin und wieder b)
bot. Die semivocales w und y sind im griechischen
entweder vocalisiert: veaig SLixs^eaig, avotjxtog ^us a^Qtj-'
xrog, Öodv aus Öjr'qv^ 'Idoveg = altpers. Yäunä, bvt£ ne-
ben 6t B aus yoTB (wobei aber nicht zu vergessen ist, dafs
sehr häufig das sanskrit selbst im vedadialekt noch die
Priorität des u, i bezeugt, namentlich im inlaut), zum theil
(wie mehrfach im sanskrit) mit ausfall des folgenden vo-
cals: vTii/og == skr. svapna-s (lat. somnus mit ausfall
des w, aber afTection des vocals, s. oben), zum theil mit
metathesis nach zwei richtungen hin: 1) rerv^^o^ aas gall.
tarvos, xei()(io aus *xeQyü} (ursprünglich wohl mit epeo-
thesis *TaiQjrog^ *xBigyu}j wofür formen wie novkvg, dvi\
auch fiBiL^uiVy XQtioauiv zu sprechen scheinen), 2) avwg (ans
dem sich nachher äfiog^ rfoig^ Iwg entwickelt hat) statt
*avaa}g = skr. ush&s, grandform *vasäs; oder sie sind
* ) Mir sind nachgerade bedenken gegen diese vcrglcichnng aufjg^eitiegen,
namentlich wegen gnxnq scheint mir skr. vra9ö näher zn liegen; doch bleibt
dann immer noch ^riy fv fit = skr. bhanijmi ttbrig.
zur laotgeschichtc. M7
durch vocalvorschlag*) eine weile erhalteu : Hgo)]^ kre*
tisch cieoaa (d.h. ^j^iQCriy afhotsa) neben Igat} s=s ^ioa^,
im inlaut Tiohjog neben n6?>,€(og =» noX^yog (d. b. nokyjg
aus TTohog); oder sie haben sich mit dem hauch beklei-
det, hinter dem sie dann ausgefallen sind, namentlich im
anlaut l^OTisoog aus jikcTiBQoq (wie v für jedes v im an-
laut)**), vuüg aus yvueig, daher oy«^, (Tcjpe/g (zunächst aus
ortig, anelg = oTtftg, (JTtjretg). Das stärkste mittel, sie »u
erhalten, war der Vorschub einer muta, am natürlich-
sten der media, also yj: (wie in iranischen sprachen, im
kymrischen, bei germanischen Wörtern in den romanischen
sprachen) und Sy (wie auf romanischem gebiete in verschie«
denen Wandlungen); natürlich waren sie aber anch in die-
sen Combi nationen ebenso wenig vor dem verhauchen ge-
schützt wie in anderen Stellungen (z. b. im ionischen yoaog
statt xfoüog^ vergl. franz. qui, selbst ital. chi statt lat.
qui), wo ihre ehemalige existenz nur noch an der einwir-
kung auf den vorigen consonanten {Troaog = xfOfSog; viel-
leicht Ti(r(raofg = xyiaaageg?) oder auf den folgenden vo-
cal ((i^og n. ^=.ßiyQg^ ooavog = varuna-s) kenntlich ist;
daher finden wir y statt ß (obwohl von Ährens bezweifelt)
in hesychischen glossen, 8 (dem inlaut fiS entsprechend) im
böotisehen Atvg u. a. statt Z^vg = äytig. Ausfallen konn-
ten zwar Spiranten eben sowohl als halbvocale, doch spricht
die analogie mehr dafür, dal's gerade w und y ausgefallen
sind, nicht v und j, die sich eher zu ß und y verhärten
mochten; namentlich deutet eine Veränderung, die wir auf
griechischem boden selbst beobachten können, daraufhin.
Ohne zweifei existieren nämlich im griechischen noch ui>-
geschriebene oder als vocale geschriebene halbvocale, z. b.
* ) Unmittelbaren fibergang des ß in den weitabliegenden vocal < kann
ich so wenig annehmen wie den des halbvocals (selbst wenn es ein weicher
Spirant wäre) in den spir. asper; noch weniger glaublich ist es, dafs in^ot
neben f/*oI, wie man gewöhnlich annimmt, der asper völlig verschwanden,
dann in ot wieder eingetreten wäre; dafs hier sowohl wie in andern Tillen
von einer grundform mit hw auszugehn ist, zeigt auch das hesych. iWk»
**) Auch dem altpers. u scheint ein h zu inhärieren, da wir u- statt
hu- = skr. SU- geüchricben finden.
288 Ebel
in Alyvntiog bei Homer 6 mal, 'HkexTgmiif^j bei Hesiod,
aber auch in nkeicov (TtXioiv), xcciu {xdo)), Tgqia (Troja),
fAVia (neben nXvi^u), nicht nkvivw), pv6i;j niwv (da eich zwi-
schen t^, L und den folgenden vocal unfehlbar ein vermit-
telnder laut einschiebt), und deshalb machen eben t und v
(zum theil selbst o, dem sich in axtjxua leicht ein nach-
schlagendes w beigesellt) keinen derartigen hiatus wie a
und € und sind der elision viel weniger unterworfen ; wenn
sich nun neben nleioiVj xaiw, 'taXatog, alti&Ha^ wxBia^ Aa*
Xoif^y^ kntaxevaöavra auch nXeojv, xäai, äol. ndlaog, ala-'
v^ea, episch wxia, äol. kaxotjVf invöxedaavra u. ä. finden,
so läfst sich doch nicht annehmen, dafs hier noch ein mit-
telglied mit der spirans übersprungen sei, während tiXuhhv^
wenn man den diphthong nicht nach unsrer gewöhnlichen,
fehlerhaften art ausspricht, sondern beide demente deut-
lich hören läfst, vielmehr halbvocalisches y enthält (wie
franz. ayez), also von nXimv (bei dem sich ein vermitteln-
des y fast von selbst einstellt) kaum wesentlich verschie-
den ist. — Das griechische, wie es uns im atticismus und
in der xoiviq vorliegt, hat aufser a (und aa^ das vielleicht
verschiedenen laut hatte) gar keine Spiranten. Weich scheint
das a vor /?, y {nßivvvui^ uiayco) und ft (wie die Schreib-
art ZfAvgva, L^fiixQog andeutet) gesprochen zu sein, natdr-
lich auch im äolischen ad statt ^.
Das neuhochdeutsche besitzt, wie schon oben ge-
sagt, alle vier harte und vier weiche Spiranten. Dazu
kommt noch ein fOnfter harter seh (der weiche nur mund-
artlich), der doppelten Ursprungs ist, aus sk (aspiriert
s-hh) und aus s vor w und liquidis (scbwan, schleim,
schmaus, schnee, schreie), süddeutsch auch vor mu-
tis (bei uns nur im anlaut): geischt (und mundartlich
hinter r: wurscht). Unser w (v) und j sind zwar ge-
meiniglich Spiranten, doch ist der hälbvocal y noch in
levkoje, lilie zu erkennen, der halbvokal w noch vor-
handen in qu, schw, zw. (Obwohl an sich auch spiran-
tische ausspräche in diesen Verbindungen möglich ist, haben
doch alle, von denen ich mir dieselben habe vorsprechen
zur lautgeschichte. 289
lassen, und denen ich sie aaf beide arten vorgesprochen,
die halbvoealische natur des w best&tigt; kein einziger
sprach v, wie wir das w im an- und inlaat sonst aus-
sprechen.)
Die slavischen sprachen scheinen j balbvocalisch,
V als Spirans zu fassen; ftür das kirchenslavische deutet
wenigstens die schrifl schon darauf hin, die f&r v einen
neuen buchstaben erfunden, fiQr y das griechische i benutzt
und die halbvocalische natur durch Verbindung mit dem
folgenden vocal angedeutet hat, auch das verschmelzen des
j (y) mit folgeudem i spricht daf&r. Vom polnischen weifs
ich das bestimmt; das w sprechen die Polen härter, spi-
rantisch wie wir, das j ganz weich, halbvocalisch , nicht
blofs in der mitte, wo dem moja (mea) ein diphthong in-
härirt, wie den franz. y- Verbindungen, sondern auch im
anlaut, wo sie z. b. unser jQngling wie ingling, unser
ja wie iä, fast eä sprechen. Von den slavischen Spiran-
ten (unser ch fehlt, sowie f in echtslavischen Wörtern, das
poln. ch ist ilberall hh) ist oben schon die rede gewesen.
Bei dentalen und lingualen erscheinen nun an der stelle
der halbvocale, mit denen sie eine gewisse ähnlichkeit zei-
gen*), die oralen liquidae 1 und r, von denen jenes
im Sanskrit den dentalen, dies den lingualen beigezählt
wird. Dazu stimmt auch, dafs im sanskrit das s nur nach
i und u, nach denen es sonst in das linguale sh tibertritt,
zu r werden kann, nicht nach a (hinter dem dagegen der
iranische Übergang in h auftritt), ferner dafs a vor r häufig
in i und u übergeht: tiras, pitur, puru; letzteres fin-
det sich jedoch auch vor 1: gilati, pulati, und bei bei-
den liquidis hat mau abstufungeu in der ausspräche beob-
achtet, bei denen die Stellung der zunge fast den ganzen
* ) Beide können z. b. im sanskrit und in slavischen dialekten als vo-
cale auftreten, r und 1 böhmisch und bulgarisch, r serbisch, und im grie-
chischen tritt tt in mehreren lauterscheinungen den vocalen an die seite: f
im anlaut, 7% hinter ^* wie hinter vocalen, namentlich i und *.
Zeitschr. f. vgl. sprachf. XIH, 4. 19
290 F.bol
räum von den lipj^en bis «-in den hinteren theil des gau-
mens durchläuft. Beim r macht sich vorzüglich der ge-
gensatz zwischen dentaler und gutturaler ausspräche
geltend (letztere, mit dem hintern theil der znnge, ist be-
sonders uns Berlinern eigen, und ich selbst bin fast drei-
l'sig jähr alt geworden, e\)e es mir gelingen wollte, das r
mit der Zungenspitze herauszubringen, zuerst hinter conäo
nanten, dann erst im anlaut), die labiale modiiieation ist
dagegen so selten (obgleich durch das crctische T()i^ dV-
öüui'/M (?) statt r>r/i, lii-iijroiyM belegt und mit einer ähn-
lichen erscheinung beim polnischen t zu vergleichen, das
fast wie ül lautet, von Deutschen aber oft als rl aufge-
fafst wird), dafs sie mir in praxi erst ein einziges mal vor-
gekommen ist, bei einem ßlnfjährigen kinde, welches deut-
lich halbvocalisch wauf, quanz statt 'rauf, kränz
sprach. Dieser Wechsel in der ausspräche des r scheint
mir indessen mehr für den physiologen interessant, als för
die Sprachgeschichte bedeutend, in der aufser der Verwandt-
schaft mit s einer-, mit 1 andrerseits der Wechsel mit d
die hauptrollc spielt, ndd. harr statt hadde, ansgenon)-
men etwa das palatal-linguale lit. r, poln. rz (= hohm. f ),
dem sich formen wie ital. muojo aus morior anreihen.
Auf gutturale ausspräche bei den Goten weist das ai und
aü vor r (wie vor h) hin; deshalb blieb die gotische et^
weichung des s auch bei z stehn. Die dentale ausspräche
scheint den Römern und andern italischen Völkern eigen
gewesen zu sein, bei denen s durch z in r überginge dr
(wie schon Benary zeitschr. I bemerkt hat) selten, im an-
laut fast gar nicht vorkommt, jedenfalls wegen der su na-
hen Verwandtschaft beider laute (vgl. dl, öl)^ die im grie*
chiseben und sanskrit viel geringer war, endlich r mit 1
in beständigem Wechsel blieb.
Wichtiger ftlr die lautgesohichte erscheinen die mo-
dificationendesl, die nach laut und entstehung wie-
der im slavischen am deutlichsten vorliegen. Durch die
einwirkung eines labialen vocals (ü, u, y, o) ist das 1
zum polnischen ) geworden, welches Schleicher als guttii-
zur Uutgeschichte. ttl
rales, Heyse als linguiJes bezeichnet, bei dem aber mit
der zurückhieguDg der zunge an den gaumen fast unwiU-
körlicb eine Verengung des lippeneanales eintritt, so dafs
man es in gewissem sinne auch labial nennen könnte; durch
die eines folgenden palatalen vocals (i, i, e) zum pala^
talen 1, in dem aber der y-laut viel weniger vernehmlich
ist als im franz. 1 mouille. Im polnischen hat das er-
stere so weit um sich gegriffen (wozu wohl schon das sehr
viel beitrug, dafs die meisten ursprQnglichen a in slav. o
und ü, sehr viele slav. a — namentlich hinter r und 1 -*
im polnischen noch weiter in o fibergegangen sind), da£i
unser gewöhnliches mittleres 1 ganz verschwunden uad
jedes nicht palatale 1 zu I geworden ist (daher wird gerade
beim 1 ausnahmsweise die palatale qualität gar nicht be*
zeichnet), ja der hier sich einstellende verschlag eines hal-
ben ü-lauts hat den vorigen vocal vielfach getrübt: lehrer
klagen über die unreine ausspräche des a vor }, die pol-
nischen bauern sprechen ganz deutlich Mi c haut statt
Micbat (vgl. das oberschles. myüch statt milch), und
e ist vielfach in der schrift, noch häufiger in der aussprä-
che vor t in o übergegangen. Im serbischen ist dies 1
(das schon im polnischen hinter consonanten und im aus-
laut oft kaum von u, o zu unterscheiden ist) am ende der
Silben in o fibergegangen (selo darf, demin. seoce; kotao
kessel, gen. kötla) oder mit ihm verschmolzen (söko falk,
g. soköla, kolac pflock, g. koca), in der mitte ist hier
das altslav. lü zu u geworden (vuk = ksl. vlüku, böhm.
bulg. vlk, wolf), während r ilQr altslav. rfi als vocal gilt
(prst tingcr). -— Nächst dem slavischen verräth das fran-
zösische diese laute am deutlichsten: das l in dem schein-
baren (in Wirklichkeit jedenfalls erst durch aul vermittel-
ten) übergange des al in au, des ol in ou, des el (il)
in eau (eu) — faut, voudrai, chateau, eux — , der
in andern romanischen sprachen nur spurweise auftritt; das
ly im ill: feuille, depouiller, fille (seltner il: huile)
— das wir auf romanischem gebiete auch sonst wiederfin-
den, sogar für die gemiiiation 11 und consouantenverbin-
19*
29*2 KIkI
düngen, span. oaballo, ital. oreglia, wovon weiter unten
die rede sein wird. Hier überwiegt aber das i-element
(das im polnischen kaum hörbar ist) dermafsen, dals das !
vielfach ganz schwindet und der palatal namentlich in den
mundarten alle romanischen Verwandlungen des j durch-
macht: venet. fiol, piem. fioeu (franz. auszusprechen),
paja, mail. canaja, bria, walach. fiu, aju, span. una
port. unha, venet. agio, genues. figgio, logodor. (sard.)
Äzn, sicil. fogghin, calabr. figghiu, span. hijo, ajo,
paja (== ital. figlio, figliuolo, paglia, canaglia?
hriglia, aglio, *unglia, foglio). — Nur die erste nio-
dification des 1 finden wir auf germanischem gebietein
mehr oder minder deutlichen spuren wieder: leise angc^
deutet im altnord. ä, 6, ia (iö, iä) statt a, o, e vor ge-
wissen 1- Verbindungen, im engl. calm,calf, calves; stär-
ker im engl, talk, fall, im schwed. ä, dän. o, eng). 6
(fälla, folde, fold falten), endlich holländ. ou aus a)
und ol vor d und t (vgl. schwed. hälla, dän. holde, engJ.
hold, mnl. und nnl. houden halten; eng), old, mnl. oiit
alt; mnl. nnl. hout holz); — desgleichen in den theils un-
zweifelhaft, theils vermuthlich kretischen glossen: avxcet\
(d'xvüvce, avun, avffog^ t^evyetT&cci, avyeiv^ evffiJv statt cr>.-
xdv^ nlxvova u. s. w. — Beide arten des 1 sind auch im
umbrischen zu vermuthen: ) in muta (multa), Tutu
(vultum), comatis (commolitis), kutef (clam), vielleicht
auch cumne (culmine?); dagegen palatales V in 9I (gegen-
über dem kl in pihaclu^ naraklum).
Aber auch im lateinischen deuten pepuli, volo,
vultur neben pello, vellem, celsus auf einen ähnli-
chen unterschied hin, und die angaben der alten bestätigen
das. Nach den bei Schneider I, 297 zusammengetragenen
stellen der römischen grammatiker hat I einen (nur von
Priscian angefÄhrten) mittleren laut zu anfang: lectus,
lecta, lectum; den gröberen (plenum; largius, pinguias
profertur) im inlaut einfach, vor und hinter consonanten:
sol, Silva, flavus, clarus; den feineren (exilem; sub-
tilius effertur) in der Verdopplung: ille, AIHa, M etellus.
zur lautgeschichte. 293
Daraus crkläreu sich uuu mehrere eracheiQUDgeQ: 1) der
Wechsel des o und u vor einfachem I, wo nicht assinuhtr-
tion wirkt (fragilis, familia, sepelio, Yelim), mit e
und i vor doppeltem: pepuli, perculi, occülo^ i^oLo,
vult, vulsi, facultas, olim und ultra nebeü' pelio,
percello, vellem, velli, facillimus, ille; {dahin ge-
boren auch mel, fei, vel, in denen die gemination nar
des auslauts wegen vereinfacht erscheint); auch in redo-
plication und Zusammensetzung: insulsus von salsus,
l>epuli von pello gegen cecini, accentus, aber fe*-
felli von falle; namentlich aber in den deminutivsuffixen
-ulus (-olus nach e und i) neben -ellus, -illus: ta«>
hclla von tabula; — 2) die bevorzugnng des o, u bei
Versetzungen: pulmo =a nkBVftoDv; fulgeo neben cpkiywj
flagrare, flamma; tuli, tolero neben (t) latus;— 3)der
eiuschub des u in vinculum, perioulum, piaculum
für älteres vinclum, periclum, umbr. pthaclu, und
neben lavacrum, in manipulus neben templum, in
stabulum neben volabrum, auch in lehn Wörtern: Her-
cules, Aesculapius tLixB'Hgaxk^^, l-iaxktpuog; — 4) der
eintritt des o und u f&r das a, e andrer sprachen vor ein-
fachem 1: famulus = osk. famel, mulgeo ss afiil/Wj
molo = got. mala und ksl. melj«!, culmus = xdlauog;
auch in lehnwörtern: crapula, catapulta von x^ai7ui).ti^
xaranikTtj^. — Dazu stimmt auch die behandlnng des 1
in den romanischen sprachen gröfstentheils, wenngleich
hier nicht durchgehende Übereinstimmung erwartet werden
kann, da zwei einander bisweilen widersprechende factoreD^
dabei mitwirken, und die gestaliung zo ul oder ly isttvi
theil im sprachcharakter b^ründet ist, das spanische z. b.
am meisten ly, das französische am meisten ül liebt, so
dafs es sogar melius in mieux verwandelt hat.
i) Das anlautende 1 (medium nach Priscian) ist fast
nirgends verändert (einzelne r, n und dissimilationen tn it;-'
giglio (lilium) und gioglio, prov. juolh, span. joyo
(lolium) abgerechnet), nur hin und wieder zugesetzt oder
weggelassen. Der scheinbare Wechsel im dacorom* icpure
79i Ebel
(lepus) wird durch die nebenform epure und das macedo-
r<Mki. li epure auf seine wahre quelle (den palatalen Yocal)
^— man vergleiche im inlaut aju, fiu (allium, filius) —
znrückgeftkhrt, wie in den andern Beispielen bei DiezI, 190.
2) Das doppel-1 (exile, snbtilius) findet sich häufig
palatal erweicht, namentlich im spanischen (cuello, ca-
b all 0)5 das also hierin wie in manchen punkten (z. b.
mayor neben maggiore) dem lateinischen lautlich näher
steht als das italienische (collo, cavallo); im oalabre-
sischen nujo ss nullo ist die er weichung sogar bis zum
ausfall des 1 vor i (y) fortgeschritten. Der grelle Wider-
spruch^ in dem hierzu das franz. chäteau, cbevaux asa
stehen scheint, ist eben nur scheinbar.
'i) Das einfache 1 im inlaut (plenum, largius, pin-
guius) erscheint im lateinischen in drei stufen mit labial^
vocal verbunden) und wir werden wohl nicht irren, wenn
wir nach den vortretenden vocalen die stärke der labialen
affection bemessen:
a) 1 vor consonanten ist allmählich überall, wo vo-
calwechsel stattfindet, bis zum entschiedensten labialvocal
u vorgedrungen: vulnus, vult, culter, insulsus, vul-
tus, cultus, facultas, multa, ebenso im anslaat:
exul, praesul, consul, facul — vergK umbr. mntn,
vutu, kutef — . Wir finden hier das u im fransösischen
nach a allmählich als r^el durchgeftkfart, aube, cband,
faux, taupe, bäume, haut (gleichviel, ob die oonao-
nantenverbindung schon lateinisch oder erst romanisdi war)^
natürlich auch da, wo durch vooalsynoope 11 vereinfiMsht
wurde, faut (fallit), cbevaux (caballos), so eux neben
ils (illos), daher zum theil selbst im aualaut, ch&teau
(casteUom), weil hier dies end-m abgefallen, vgl. moa ne-
ben mol moUe, beau neben bei belle; ausnahmsweiee
dann sogar in Gaule (Gallia) und in burgundischen formen
wie Aulemain (Ällemand). Im provenpalieohen er-
scheint das u nur vor s und t häufig, im auslant selten
und mundartlich; anderweitig nur in spuren, wie port.
outro (mit ou wie im ndL), sicil. autru (sa altro)^ neap.
zur lautgeschichte. iM
baozaiio, selbst cavodo (=s balzano, caldo). — Das ädff-^
fallende portug. baitre := vultur, muito =3: nialtus, spän.
buitre, muy uud mucbo erklfirt sich vieileicht aus de^
guUuralen seite dieser l-affectioti) da die behandlung des
et (wovon später) im port direito, span. dereeho (di-
rectus) und pleito (plecto) hierzu stimmt, also aus eiuetn
vorangegaDguen *muhhto, *muchto;
b) 1 zwischen vocalen ist durchaus nicht immer
bis u gegangen (reduplication : pepuli, composition: oc-
culo, suftix: bibulus), meist bei o stehen geblieben (colo,
moio, volo; viola, alveolus), läfst auch noch wechset
mit i zu, auch aufser assimilationen (famiiia, exilium,
consilium, facilis), desilui, rutilus, celer, Tergl.
scelus neben culpa, mufste also schon weniger stark
afficiert sein* Demgemftis zeigt denn auch dies 1 in den
romanischen sprachen keine entschiedene verliebe f&r u
(ausfall namentlich im portugiesischen: aguia, c6r =
aquila, color), aber auch selten erweichung (it. pigliare,
sp. prov. pillar, fr. piller);
c) 1 hinter consonanten erscheint zwar oft durch
u getrennt, aber nicht immer (periclitari, templum),
namentlich nicht im anlaut (clavis, claudo), und im ro-
manischen ist die u-qualität gftnziich geschwunden, abge-
rechnet ein paar französische formen wie vieux (vetulus)
neben vieil, yeux (oculos) neben oeil, die sich wegen
eines folgenden consonanten zu a) stellen, wobei aber die
französische Vorliebe ftr öl za bedenken ist Die aller-
dings erklftrliohe abweichung des romanischen tritt vor-
züglich hier hervor, indem sich sogar ein palatales I
hinter consonanten einstellt, und zwar mit ausnähme der
nordwestlichen sprachen, die eine entschiedene verliebe ftlr
nl zeigen, in jeder stelle des worts. Die ßllle sind fol-
gende:
1) das 1 wird zwar palatal afficiert, bleibt aber nebst
dem voraufgehenden consonanten bestehen, also
eil, gli, plT, blT, fli (tl ist schon vor dem eintritt die-
ser affection in cl verwandelt worden, spfttlat. veclus ==
296 Ebel
vetulus, rhätorom. iuclegier = i titeiligere, offenbar we-
gen der zu nahen Verwandtschaft beider laute *), komoot
ako in allen Verwandlungen vollständig mit cl überein).
Diese, wie Diez richtig bemerkt, erste stufe des lautwecb-
sels findet sich in keiner der sechs hauptsprachen, nur
noch in mundarten, und zwar im macedorom. an- und
inlautend: cliäe (clavis), gljinde (glans), vecliu (vetu-
los), ocliu (oculus), unglie (ungula); nur im anlant in
der mundart von Metz: glioure (gloire), plien (plein),
blianc (blanc), und im normannischen dialekt: clio-
cher (clocher), gliand (gland), bliond (blond), flieu
(fieur). — In allen hauptsprachen und der mehrzahl der
mundarten schwindet aber einer der beiden consonanten,
also entweder:
2) der erste consonant bleibt, ly wird ganz und
gar zu halbvocalischem i erweicht; das ausgefallene 1 macht
sich aber in der regel a) noch dadurch bemerkbar, dafs
die gutturale nicht palatal werden, so im dacorom. chiae^
ghinde, vechiu, ochiu, unghie, im italischen an-
lautend regelmäfsig, inlautend als nebenform, chiave,
ghianda, vecchio, occhio, unghia, pinma, dop-
pio, biasimare, fibbia, fiamma, soffice (supplex)
— von mundartlichen Veränderungen des ersten consonaii«
ten wird in einem folgenden artikel die rede sein. -* Auf
andern gebieten kommt diese form nur noch in einer fran-
zösischen mundart, der von Nancy, vor, im anlant: kii
(clef), piomb, biei (bl^), fiamme, onfi^ (enfler), und
mit Veränderung der gutturale (vgl. griech. yi^ ss *& aas ^
im lothring. tiö (clou), diore (gloire). — b) In oberita-
li sehen mundarten schwindet jede nachwjrkung des 1 so
gänzlich, dafs die gutturale auch hier palatal werden: mai-
länd. ciav (chiave), venet. genues. gianda (ghianda), sard.
becciu (vecchio), logodor. sogar jau d. h. giau (chiavo),
*) Vielleicht sind schon lat. -er um und -dum nichts als euphoni-
sche Verwandlungen des -trum und -tlum, vgL lavacrum neben loci^ör,
poculum neben skr. pitra-m.
zur luutgeschicbte.' tM
piemont. oDgia (uugbia). -«> Vielleicht liefse sich auf diese
weise die spanische und portugiesische nebenfonn ch er-
klären, Span, cacho (catulus), hacha (facula), ancho
(amplus), port. facha, ancho, so dafs cj (und pj) in t|,
c (span. ch) übergegangen, und das in i (port. cb) ge*
schwächt wäre; doch scheinen die oben erwähnten formen
ft)r multus und die abweichende behandlung dos i im
hiatus einen andern weg zu weisen.
3) Oder der erste consonant schwindet, und
das palatale 1 bleibt a) zunächst bestehn: im spani-
schen anlaut llaye(clavis), Ilande(glans), llaga(plaga),
11 am a (flamma), seltner im inlaut viello (vetulus), escoll-o
(scopulus), trillar (tribulare); inlautend im italieni-
schen neben der andern form yeglio, oreglia (neben
vecchio, orecchia), vegliare, scoglio, nicht ftkr fl,
für bl nur im neapol. neglia (nebula), im portugiesi-
schen gewöhnlich: velho, olho, orelha, escolho, im
prov. vielh, olh, aurelha, velhar, escolh und
franz. vieil, oeil, oreille, veiller, 6cueil, hier aber
neben formen wie tuile (tegula), das sich dem buile
(oleum) an die seite stellt. Die französische ausspräche
des 1 mouille führt indessen schon hinüber b) zu völligem
schwinden des 1, und so war nur noch ein schritt zu
tbun, um von y zum Spiranten zu gelangen, den wir im
span. j mit gutturaler geltung (= jh) mundartlich im an-
laut, herrschend im inlaut finden: viejo, ojo, oreja,
teja (tegula), manojo (manipulus), ganz entsprechend der
spanischen behandlung des li in hijo (tilius). Wenn das
port. j (lingual =: 2, franz. j) sich im anlaut meist zu
ch (= s) verhärtet, chavc (clavis), chover (pluere),
chama (flamma), so ist darin wohl noch eine nachwir-
kung der abgefallenen tenuis zu erkennen; auf gleiche
weise läfst sich hier ch im inlaut erklären. Für das span.
ch (= c) scheint jedoch die vermuthung näher zu liegen,
dafs hier ein rest des gröberen 1 erhalten sei und zwar
mehr guttural gefafst, etwa wie armenisch gh (doch wohl
gutturaler spirant jh) statt 1, dai's also cacho aus *cathho
298 Ebel, Kur lantgeschichte.
"catcfao (verhärtet au« *eatjho) ao eatetanden sei wie
mucho aus "inujhto (*muhlito ^muchto, umgestellt
io *mutcho, während port. muito durch die Zwischen-
stufen *niujto *muyto entsprang); doch ist diese combi-
nation so schwierig, dafs ich hier nicht su entscheiden
wage.
Nov. 1863. H. Ebel.
Nachtrag zu s. 273. Aehnliches wie im irischen
zeigt sich auch auf romanischem Sprachgebiet: g bis
zu i erweicht im port. inteiro (integrum), im prov. flai-
rar (fragrare), leial (legalis), ligar liar (ligare), fransö-
siscb ganz allgemein; sogar aus c entstandenes g wird ku
y oder f&llt (hinter i) aus: pacare = prov. pagar pa-
yar, franz. payer; precari = prov. pregar preyar,
franz. prier; b bis zu u im proven^alischen auslaut beu
(bibit), deu (debet), escriu (scribit). Zu g aus c = i
scheinen auch formen wie prov. franz. faire zu gehören,
zwischen welchem und dem lat. facere das logodorische
faghere die brücke bildet.
H. Ebel.
SchweiKeHSi(fler, anzeigen. 'i99
KritUche beitrage uur lAteiuiBchen formenlehre , von \V. Corsa eii. Leip-
zig, druck und verlag von Teubner. 1868.
Cor88en8 umfassende leistangen auf dem geMete der la-
tüioischen grammalik uud seine trefflichen untersucfaungcn auf
dem felde der italischen dialecte, so weit diese uoserm spracb-
{itamm angehören, sind sowohl den pflegern der classiscben pbi-
lologie als denjenigen, die sich vorzüglich der vergleichenden
Sprachforschung zuwenden, zu wohl bekannt, als dafs es bei ei-
nor anzeige von dessen neuestem werke einer einlSfslichen hin-
Weisung auf jene bedurfte. Der Stoff, den dieses neueste werk
behandelt, ist derselbe wie dort, und nicht minder ist dessen
gesammtcbaracter derselbe. Auch hier herrscht jene finfserst ge-
naue und innerhalb der grenzen, welche sich der verf. gezogen,
höchst umsichtige beobacbtung der einzelheiten und derco beson-
nene Verwendung fflr die aufhellung von in der spräche walten-
den lautgesetzen. Corssens richtnng in der Sprachforschung ist
von Benfey in einer geistreichen abhandlung als individuali-
sierende bezeichnet und mifsbilligt worden, wobei jedoch die
fülle und genauigkeit von C.'s wissen, sein ernst und Scharfsinn
alle anerkennung funden. G. bewegt sich nämlich in seinen bei-
den letzten gröfsem werken möglichst auf dem engern gebiete
der italischen sprachen und wehrt mit aller macht fQr dieselben
solchen lautwandel ab, der nicht auf diesem engern gebiete er-
wiesen werden kann; er mufs demnach nicht selten vergleichung
und deutung von wurzeln und Wörtern, besonders aber von Suf-
fixen angreifen oder unbeachtet lassen, welche auf weiterm bo-
den gewonnen zu sein schienen. Dort nftmlich herrseht die fiber>
Zeugung, dafii Griechen und Römer viel häufiger, als es G. an-
nimmt, aoB Wune! und stamm fertig gebildetes erbgnt in die
neue heimat mitgenommen haben. Pur eine solche richtnng,
die im gegensatze mit der individualisierenden steht, liegt ein
wesentlicher gmnd in der eindringlichem beechfiftigung mit dem
sanskrit, besonders mit der so reichen , durchsichtigen und be-
weglichen vedensprache. Diese richtnng — das aber kann mit
Sicherheit nur derjenige beurtheilen, der selbst auf dem weitem
felde heimisch ist und liebend den immer frisch hervorquellen-
den entdeckungen folgt — hat ihre volle berecbtigung, und trotz
dem gröbern spotte und den feinern Sticheleien, die sie selbst
von solchen erfährt, die gar nicht pedantisch am alten kleben.
300 Schweizer-Sidler
wird sich endlich manches ihrer jetzt noch verwegen scheinen-
den resaltatc zu fester geltang erheben. Wer sollte es dagegen
nicht nur nicht läugnen, sondern es nicht willig ond gerne an-
erkennen, dafs die als individualisierende gut bezeichnete ricb-
tung, wie sie unter den als streng wissenschaftlich geschätzten
Hprachforschern Curtius und theil weise noch scharfer Corsaen
einhalten, ein sehr heilsames und an positiven ergebnissen gar
nicht arnaes correctiv gegen verschiedene auswuchse in sich trage,
welche bei der minder begrenzten und furchtloser ausschreiten-
den Sprachforschung nothwendig häufiger vorkommen müsBen.
l>er verf. deutet selbst an, dafs beide richtuogen neben einander
bestand haben sollen, und die egi^* qpil// — möge sie das blei-
ben! — endlich nur zum heile der gesunden Sprachforschung
ausschlagen könne. Ist auch heute noch über gar manches aaf
diesem gebiete streit, so ist doch anderseits über nicht wenigeres
schon fest entschieden, was selbst noch vor einem decenniom
nicht gefunden oder nicht aufgemacht war. Uns tiel auf, dafa
C, während er im übrigen auf so grofse keuschhcit der methade
ansproch macht, nicht ganz selten sanskritwurzeln, welche, da
sie durch keine stellen belegt sind, theils gar nicht unzweifelhaft
dastehen, theils geradezu als denominativa oder als falsch er-
.schlössen nachgewiesen werden können, ohne bedenken herbei-
zieht, sobald sie nur gegen die als richtig festgesetzten itaiiscbeo
lautgesetze keine einspräche thun. Auch kleine Widerspruche
bleiben nicht aus, wie das in der weiteren besprechung sich ber»
ausstellen wird. Wollen wir, ehe wir von den einzelnen imterr
suchungen selbst sprechen, noch ein wort von der darstellung
sagen, so ist die anordnung des Stoffes und die bebandlang der
gegenstände durchaus klar; aber ohne dafs die kUrheit litte,
durfte die form etwas knapper, namentlich nicht ein.nnd der-
selbe gedanke, nicht eine und dieselbe abweisung und sarück-
weisung allzu oft wiederholt sein. Bopps grofse darf so wenig
als diejenige J. Grimms geschmälert werden, wenn sie im ein-
zelnen irrten und selbst im irrthume verharrten. Wer an der
darstellung sonst mäkeln wollte, der könnte wohl manche naeh-
lässigkeiten im stilc herausfinden; wir unterlassen es soldie aaf-
zuxählen, weil der bedeutsame innere gehalt dadurch nirgend
geschwächt wird, vielleicht sogar eine gröfsere Unmittelbarkeit
der entwickelung darin hervortritt.
Der aasdruck formen lehre ist hier in einem weitem sinne
anzeii^en. 301
gefiifftt. Es konini<*D allerdings aach eine anzahl der eigentlich
sogenannten formen zur Sprache, aber viel häufiger handelt es
sich um secandäre würzet- und um Wortbildung. Die anordnong
ist nach den lautverhält nissen gemacht; zuerst werden die ein-
zelnen classen der consonanten, dann die vocale und endlieh
der accent besprochen. Wir werden versuchen die wichtigsten
hauptsätze, welche C. aufstellt, herauszuheben und daran einzelne
bemerkungen über und gegen einzelne belage anknüpfen, welche
freilich, da die anzeige sonst zu sehr angewachsen wäre, bei
weitem nicht alles umfassen, was gesagt werden könnte.
Zunächst handelt C. von den gutturalen und zuerst vom
verschwinden des c vor vocalen und consonanten im anlaute.
Bin beispiel des Schwindens von c vor v soll vermis sein. Das
läfst sich nicht beweisen. Der nuch Unserer ansieht sehr beson«
none Aufrecht, Unftdiaffixe, s. 27H sagt: The usual comparison
(von vermis) with the Sanscrit krmi is worthless, und Curttus
griech. etyrool. II, 130 stimmt ihm bei. Wie vor 1 in laudi be-
stimmt ein c aufgegeben ist, so soll ein solches auch im anlaute
von Ittscinia verloren sein und luscinia die tonsänge rin
bedeuten. Geben wir zu, dafs eins für cluos, clovos stehen
und ton bedeuten könnte, obgleich die wz. ^ru, du selbst im
sinne von tönen, wie ihn C. aufstellt, unsers wissens nirgend
vorkommt und deutsches hlut gewifs eigentlich „hörbar, gehört**
bezeichnet, — so ist doch „ tonsfingerin'^ ein etwas auffallender
ausdruck für den vogel, der entweder als „Sängerin** überhaupt
oder im deutschen nahtigall als „ nachtsängerin ** erscheint.
Wir sehen keinen grund von der bei Freund u. a. angedeute-
ten Zusammensetzung mit dem stamme losco, so dafs lusci-
nia echt lateinisch für luscicinia steht, abgehen zu müssen'.
Denn dafs Inscum die „dfimmernng** bezeichnen durfte, das ist
wohl unbestreitbar. Dagegen hätte als sicheres beispiel von weg-
gefallenem c vor 1 loidus, Indus angefBhrt werden können,
welches Aufrecht trefflich auf skr. wz. krid bezogen und so
auch eine hübsche grundanschauung für das wort gefunden hat.
Ebenso wird libnm anlautendes c eingebufst habeu. Die neuere
erklärung von percontari aus perconctari, skr. wz. 9ankh,
will der verf. nicht gelten lassen und zieht die der alten ans
contus wieder hervor. Was die handschriftliche autoritfit bei
Plautus betrifft, so lesen wir mil. gl. v. 292 in Z perconcta-
rior, rell. percunctarier, Stichus 36t) in B, C, D per-
302 Schweizer-Sidlor
coDCtor, A, F, Z percontor, v. 870 C, D perconctamor,
B, Z percontatnur, A perciinctamur; Mostet 1. 682 A per-
cunctare, rell. percontare Bach 575 F. Z. percontarier,
rell. percunctarier; IVrsa I, 98 liest Ri. perconctare. Wir
meinen, dafs die Plautushandschriften nicht gerade laat gegen
die neuere erklärung sprechen; und die form perconctari
mahnt doch nicht an cunctus. Ebenso läugnet C. den aasfall
eines c in testis für textis, wie ihn Li. Meyer angenommeQ;
aber unbedenklich ist auch seine scharfsinnige deutong dieses
Wortes nicht. Das einmal vorkommende oskische tristamen-
tud fuhrt ihn auf eine w. ters, welche er im sanskritwurzelver-
zeichnifs unter tras wiederfindet, so dafs sich testis aus ter-
stis erklärte und den unterstutzer vor gericht bedeutete.
Legen wir auch kein gewicht darauf, dafs der zeuge sonst in
der spräche als der „dabeistehende, dazukommende^ oder als
,ider um die s. wissende^ oder „die s. ans licht führende^ er-
scheint, so ist doch nicht zu übersehen, dafs die sanskritwurzel
tras in der angeführten bedentung unbelegt ist, dafs im Dhätap.
mehrfacher sinn, „halten, festhalten oder zurückhalten, hemmen
oder nehmen^ angegeben wird, dafs endlich das präsens tr4-
sayati lautet. Für seine erklärung mufste C. eine mit s aus
träi weiter gebildete wurzel (vgl. tr^gto)) ansetzen, sonst in te-
stis vielmehr den ahd. leidari „accusator, delator^ sehen. Wie
dann das zweite testis vom verf. erklärt wird, wissen wirnicht
ßesondern fieifs wendet C. auf, um die ansieht von FleckeiaeD
u.a., dafs c im inlaute zwischen vokalen oder zwischen vokal
und t ausfalle, zu widerlegen. Uns scheint es, dafs es ihm ge-
lungen sei einige Wörter richtiger zu deuten, nicht aber die ganze
sprachliche erscheinung als irrthümlich angenommen zu erweisen.
Wenn auch sectius, setius von w. sag (segnis) herkommen,
so ist doch eben setius zunächst aus sectius entstanden. Die
erklärung von convicium aus convoco ist sehr grandlich
durchgeführt; aber die annähme, dafs neben convoco conveco
existiert habe und die länge des i behält immer etwas bedenk-
liches. Dafür, dafs s u s p i c i o , nicht s u s p i t i o die richtige schrei-
bang sei, ist der beweis nicht geleistet, und ebensowenig dafSr,
dafs suspicio unmittelbar vom verbalstamme herkomme. Demi
einmal ist nicht ausgemacht, dafs im altlateinischen nicht ein
spicitum neben spectum existiert habe, und durfte dann ein
suspetio nicht zu suspitio werden? Während die schöne den-
au2fiigen. 303
tung von otiam aus wc. av, so dafs otiam dem Binne aod der
Wurzel nach dem skr. avas entspräche, wohl das rechte getrof-
fen, und oitier, uti ihr nicht im wege steht, wird die erklfi-
rung von vitare, invitus, invitare, alles aus skr. wa« vi,
kaum viele befriedigen. Die in der wz. vi liegende grnndanr
schauung ist nicht desi derare, amare, sondern gehen, und
daraus entwickelt sich ,.,Hn etwas gehen, sich in etwas ergehen,
es geiiiefsen". Die bedeutung iacere, proicere, die übri-
gens doch für Vitium ^gebrechen '^ nicht gerade pafst, kann ich
einmal nicht nachweisen, wohl aber ,)gehen machen, entfernen,
geleiten^ (ßenfey vergl. oiam). Aufs oatürlichste entfalten sich
sachlich vitare aus } vic, invitus aus )> vec, invitare aas
invicitare. Selbst wenn man aus invicitus ( vec) ervSt ein in-
vectus hervorgehen, aus diesem ein invetus sich entwickeln
lassen mufstc, wird ein endliches invitus dem kenner der latei-
nischen Sprachgeschichte nicht ungeheuerlich vorkommen. Ge*
gen C/s deutung von litera, littera läfst sich weniger ein-
wenden. Mehrere der indogermanischen sprachen haben je zwei
ausdrucke für die bezeichnung mit buchstaben, einerseits vom
aufstreichen, anderseits vom eingraben hergenommen. So haben
wir skr. likh für yQdq>eiVy scribere und daneben lipi (lipi)
für Schrift als aufgestrichene, übrigens per abusum auch für
eingegrabene gebraucht; im gothischen vrits ^buchstabe^, alt-
Sachs, vrit an, ahd. risan und meljan scribere. Nach sanskr.
lipi durfte man lat. litera, littera auch ans liptera entste-
hen lassen. Der grund aber gegen likh ist unzureichend, dafs
ja sicher in der indogermanischen urzeit noch keine schrift, also
auch kein wort dafür da gewesen sei; immerhin kann doch eine
indogermanische wnrxel likh für „eingraben^ und selbst für ^«ei-
chen eingraben^ existiert haben. Wieder um vieles unsicherer
sind die ansichten von C. über niti und simitu. Dann wen-
det er sich gegen die ansieht, dafs lat. cc aus es entstanden sei,
und erweisen läfst sich diese entstehung nicht. Dem für bucca
angenommenen ursprünglichem *bacca entspricht ahd. paccho
„backe^. Die wÖrter Saccus, soccus, sagum fuhrt C. auf die
unbelegte sanskritwurzel sag (vgl. sthag) „decken^ zurück. Dafs
sagum „die hülle^ bezeichnet, ist sehr wahrschc^inlich, und das
got. skohs bedeutet wohl bestimmt „das deckende^. Dafs den
ausdrücken flaccus, floccus, fragescere u. s. f. die skr. wz.
bharg', q^QVYeiv^ fi'igo, briuwen zu gründe liege, müssen
3l»4 Schweizer-Sidler
wir des sinnes and des lautes wegen bestimmt iSugnen. Dage-
gen durfte C. mit diesen ausdrucken einerseits keltisches brace,
audrersi'its wohl auch deulaches brack und seine zusammen*
Setzungen (s. Grimms d. wb. unter d. w.), ferner bruch ^palus^
vergleichen. Die deutschen flock und frack sind aus dem
romanischen erborgt. Siecus deutet C. aus siticus. Aach sei,
behauptet er, nicht sc aus es transponiert, musca nicht gleich
skr. maksha. Wenn er aber musca mit skr. makshikä gleich-
setzt, so nimmt er selbst für das lateinische eine ganz fertige
wortform aus dem sanskrit herüber. Ldfst er griechisches fAVta
aus fAVHia entstehen, so statuiert er etwas for diese spräche noch
sehr bestrittenes; denn nai) ist gleich p&jü, belongs to the root
n^, and has quite arbitrarily been compared with pa^a (Aaf-
recht U. S. 273), und dafs fAeimp nicht far fuximp steht, wissen
wir längst von Curtius a. a. An dieser stelle hfitte nun aach
Benfeys meinung über das sco der inchoativa erwähnung ver-
dient and widerlegt werden mSssen. Dafür, dafs anlautendes
sc ausnahmsweise sein c verliere, sind anerkannte beispiele auf-
geführt. Ob freilich lat. supare zu skr. kship gehöre, ist nicht
so ganz ausgemacht, und noch unsicherer ist schippen dazu
gerechnet, welches eine schlechte form für schuppen, die nie-
derdeutsche gestalt von oberd. schupfen, „bringe in bewe*
gung, stofse^ ist. Zu sirpea u. s. f zählt auch der Spott-
name Sirpicus, Tac. ann. I, 23. Curtius legte natürlich dem
V. sarpio nicht die bedeutung „scheitle^ bei, sondern dieses* iil
drackfehler fQr sehn eitle. Gegen Meier und Aufrecht ist der
beweis, dafs sons nicht für ksons stehe, nicht geleistet, und
ersterer nimmt eben auch für das deutsche suntSa dieselbe e^'-
mologie an^ wogegen das nicht streitet, dafs in scado ^schmde^
das sc der wurzcl erhalten ist. Ferner tritt G. gegen die erkli-
rung vom inchoativen -sco atis -sio auf, und wir möchten nicht
für dieselbe einstehen. Er selbst denkt daran dieses -sco ans
der sanskritworzel sa6 zu deuten. Wiebtiger als diese sehr un-
sichere annähme sind die beiläufigen bemerkungen fiber die bil-
düng des lateinischen inchoativums überhaupt. Mit dem bin de-
vokal e ist -sco in qniesco angesetzt, wenn Gallins N. A.
VII, 15 recht thut hier e anzunehmen. Pur das perfectum steht
der stamm qnie- fest. Sehr eindringlich greift der verf. den
von Bopp, Benfej u. a. aufgestellten satz an, dafs in einzelnen
fSIlen zwischen vokalen v in c Obergegangen sei. Diese for-
anzeigen. mto
scher sahen sich zo dem satEe berechtigt durch gewisse forma-
tionen, welche kraft ihrer bedeataog selbst das onwahrschein-
liche wahrscheinlich dünken liefsen. Die widerlegong von Corssen
ist mit aufserordentlicher grandlichkeit durcbgefahrt and macht
uns in vollem mafse mit der Verwendung des wortbildenden c
im allgemeinen bekannt. Zu den ausdrucken parcos u. 8.£
verdient auch das vedische spar verglichen cu werden; dagegen
ist die annähme einer wurasel svär, sür ^stark sein^ sehr kühn
und bedenklich. Neben sür wird ja auch ^ür gestellt, und die-
ses ist naturlich nur falsch aus ^üra ^held^ erschlossen, wie
sür aus süri. Ceber q rücken wir zu g fort. Dafs dieses ans
altem h, vielmehr ans ursprünglichem gh herstammen könne
und dafs es in dafür geeigneter Umgebung einzeln ans e er-
weicht sei, steht fest. Das letztere nimmt C auch in den Wör-
tern ingruere, congruere an, als deren auagangapnnkt er
wieder ^ru, clu „tönen^ setzt. Wäre „znsammenlauten, an-
lauten, einstimmen^ die grondanschauung, wie sie sich doch
kaum annehmen läfst, dann mufsten wir vielmehr an eine ab-
leitung von wurzel gar denken. Beiläufig machen wir auf das
schreib- oder druckversehen s. 55 z. 2 v. n. aufmerksam. Unter
den beispiolen, die ein inlautendes v nach ausfall von g zeigen,
stehen s. 57 fovere, favilla, favus, welche alle auf skr wz.
bhaj, bhag zurückgeführt werden, deren grundbedcntnng „wär-
men^, die secundären „kochen, backen^ und „verehren, lieben^
gewesen sein sollen. Wir haben im sprachgebranche nicht den
geringsten anhaltspunkt für eine solche annähme, und die ve-
densprache leitet uns für die uranschauung von bhaj „verehren^
eher anderswo hin. Wenn dieselbe wurzelform wirklich auch
„kochen^ bedeutet, wie nur die grammatiker und lexicograpben
angeben, dann dürfen wir kühn annehmen, dafs sie eine entar-
tung von bharj ist. Bbakta „gekochter reis^ und bhajana
„topf^ scheinen allerdings ein bhaj mit dieser bedeutuug vor-
aussetzen. Sinnig und lautlich untadelhaft ist die dentung von
favus als „gebäck^. Ebenso kurz wollen wir über das anlau-
tende v für gv, die entwickelung von inlautendem gv aus g nnd
das von gv allein übrig bleibende g im anlaute sein. Die mei-
sten beispiele sind einleuchtend und anerkannt. Als druckfehler
sind hier s. 57 abgesprungenes t in ja^hara und s. 65 goth.
g^ns statt quens anzugeben. Für venter stellte Benfey als
Wurzel Jan gignere auf. Ihre erklärung von iat. volare ans
Zeitflchr. f. vgl. spmchf. XIII. 4. 20
,106 Schweizer-Sidlor
warsel gar, gal gründen ßenfey und Meyer wesentlich auf
garnt ^flQgel^, und denken dabei an die verschiedenen rieh-
tongsweisen, welche in pat und in gotb. reisan, abd. risan
liegen. Nun ist freilich wahr, dafs in gar, gal diese richtangs-
verschiedenheit nirgend hervortritt und der ausdrack garut für
paksha u. s. f. nur von grammatikern und lexicographen fiber-
liefert zu werden scheint: diese umstände machen die scharfsin-
nige dentung von Benfey und Meyer zweifelhaft. In granum,
körn sieht C. nicht das ,)Zerriebene, zermalmte^ sondern das
^ausgestreute, ausgesprengte^, und setzt als dessen worzel gbar
an, wobei denn doch sehr zu beachten, dafs gbar nicht eigent-
lich ^ streuen ^, sondern „ beträufeln ^ beifst. Da darüber kein
zweifei sein kann, dafs got. quairnns, lit. girnos u. s. f. aaf
eine Wurzel gar „zerreiben^ zurückführen, wie m üble und seine
verwandten auf wz. mal = mar, skr. p^shana auf pish „con-
terere% so darf „korn^ und ,)kern^ wohl mit fug als das zer-
reibbare aufgefafst werden. Wie der verf. vibrare und nord.
bifa lautlich mit jivri einigt, sagt er uns nicht. In victima
sieht er eine superlativform von einem adjectivstamm vico von
WZ. vig, läfst sich aber über die bildung dieses Stammes and
über die Verstümmelung im superlativus nicht weiter ans. Die
Wurzel von vigere lautete jedenfalls nie auf c aus. Ihr i, wor-
auf schon Curtius hingewiesen, ist aus e, a entstanden, und sie
liegt den skr. Wörtern vajra „donnerkeil^, vaja ,)härtung, Stär-
kung^ zu gründe. Endlich sucht der verf. die meinnng sa wi-
derlegen, dafs g vor v sich entwickle und schliefslich letsteres
selbst schwinden könne.
Rücksichtlich des t hält C. mit Curtius u. a. dafür, dafs das-
selbe nirgend dem griechischen & entspreche, und das tr2gt uns
eine tre£fliche darstellung der mit t anfangenden Suffixe des la-
teinischen ein. In seiner deutung von rutilns und sonst macht
der verf. gebrauch von der Überlieferung, dafs man einstmals
adgretus statt adgressus gesagt habe. Aach der abergang
von sc in lat. st wird bestritten, ein procefs, der im sanskrit
seine bestimmte analogie hätte. Stercus wird mit deutschem
dreck verglichen; wir halten dieses zunächst an tergo. Als
beispiel, in welchem die deutsche lautverschiebung auch nicht
durchgedrungen, führt C. kallon auf; es ist nicht so sicher,
dafs dieses gleich xaUip ist, als diesem bestimmt haldn, holon
entspricht. Unter d mufste besonders untersucht werden, ob
anseigen. 307
dieses denn so häufig als iu oeaerer zeit aDgenommco ward,
einen] ursprünglichen t gleichstehe, und da legt der verf. aller-
dings starke beweisgrunde gegen eine siölche annähme vor. Sehr
natürlich stellt er d e ra u m als superlativform von d e auf. Wenn
er beifugt, demus stehe neben dem um, wie rursus neben
rursam, so wäre näherer aufschlnfs über das s erwünscht ge-
wesen. Am nächsten liegt es wohl, das s als comparativisches
zu fassen. Sehr einläfslich wird Kuhns gleichsetzung von red,
redi- mit skr. prati, al tgriech. ^r^ort bekämpft doch, wie ea
uns scheint, nicht mit erfolg. Das ist nicht zu läugnen, dafs
prati im sanskrit wirklich zuweilen die bedeutung von „zurück^
hat. 0£fenbar geht C. darin zu weit, dafs er jeden abfall von
p vor r verwirft und z. b. rogare auf regere „erregen^ zu-
rückführt. Das g statt c in diesem worte hat bekanntlich nichts
bedenkliches. Weiter folgt eine ausfuhrliche sehr instrnctive be-
handlung der suffixe, welche mit d anlauten und am ende auf
wz.dare zurückgeführt werden. Es kann nicht fehlen, dafs die
deutung einzelner Wörter bedenklich ist. So wird hier tardus
wieder auf dasselbe tras, tars, wie testis bezogen; wir den-
ken die formel terere tempns weise uns einfach an terere.
Die vergheichung von snrdus mit svarts, sordes u. s. f., wel-
che Orimm aufstellte, hat ihre bestimmte analogie in goth. dumbs,
kelt. dubh „niger^. Das goth. svare ist schwer zu deuten,
svers, ahd. swäri „schwer^ bedeutetr wohl sicher eigentlich
^ziehend, gewichtig^ und hängt mit litauischen wurzeln und gr,
cvQBip zusammen. Die herleitung des adj. sudus von skr. 9udh
scheint uns unmöglich und die analogie von 9va9ura hat na-
türlich kein gewicht Qndh steht nicht allein: die ursprünglich-
ste einfädle wurzelgestalt ist wohl ^vi, woher ^vas, cras:
dann wird diese in ^vit exweitert, und endlich schliefsen sich
^udh und ^ubh an, also nirgend eine spur von s. Die erklä-
rung von nudus aus nugdus gleich skr. nagnas dürfen wir
als gesichert betrachten, aber nicht ebenso die gleichstellung von
nag mit nij „rein machen, abwaschen^, aber nie „baar, ledig
machen^. Canus nehmen wir gleich casnus. Studere reifst
C. von anevdtiv los und stellt es zu cjsvraiy wohin wohl auch
tneri gehört. Taedere soll auf skr. tu „excitare^ zurückge-
hen; aber tu heifst nur „stark werden^ und erscheint so ange-
messen als WZ. von totus, osk. tovto u. s. f. Uns ißt diese ab-
leituug noch nicht ausgemacht, obgleich wir uns des sollicitnm
20*
308 Schweizer-Sidler
taediam bei Horaz wohl erinnern. Ein l&ngcrer abschnitt be-
handelt in vielfach neuer weise das schon so oft besprochene la-
teinische und italische gerundium. Das resultat läuft darauf hin-
aus, dafs dasselbe zusammengesetzt sei aus noniina auf -on und
-do, und do verstärke nur, was -on an sich schon bezeichne,
nämlich das haften des in der verbalwurzel liegenden thätig-
keits- oder zustandsbegriffes. Mag man mit der etymologiachen
deutnng sich einverstanden erklären oder nicht, sicher ist die-
selbe methodisch tre£flich begründet und nebenbei das orsprang-
liehe wesen und die entwickelung der bezuglichen wortgestalten
aufs feinste erörtert. Beiläufig bemerken wir nur, dafs auch die
sogenannten futura pass. der verwandten sprachen im gründe
nicht passiva sind. Syntactisch hat das vom skr. -tavya, so
viel uns in erinnerung ist, an einer stelle der ürva^i Bollensen
nachgewiesen; das lateinische -tivus, das ich mit Benfey zu
tavya und -leog ziehe, bedeutet nur ^was zu etwas ist oder
dient^. Bndlich macht der verf. noch auf einige fälle der aphfi-
resis von d vor r aufmerksam und schliefst dann die behand-
lung der Zahnlaute mit der behauptung, dafs d vor r nie su t
geworden, trux ist zu skr. tarh „zermalmen^ gestellt, aber
das entsprechen der laute c und h nicht begründet.
Die darstellung der labialen gibt wieder reiche ausbeute. Der
Übergang eines inlautenden v in p wird auf das bestimmteste dem
lateinischen abgesprochen und eine andere erklärung der dafür
beigebrachten beispiele versucht, die freilich auch nicht immer
sicher ist, wie die Zusammenstellung von lapis mit Xaxtg. Was
aber C. gegen ßenfeys ansichten über durch p vermehrte, also
secundäre wurzeln, und gegen die erweichung eines solchen p
einwendet, geht sicher zu weit, wenn auch Benfey seinerseits
zu viel damit erklären mochte. Das p in carpo a. ä., die er-
weichung in skr. pibä-mi, pivämi, lat. bibo onterstötsen die
meinung jenes scharfsinnigen gelehrten stark. Auch die ein-
Wendung gegen eine als ursprüngliche causativbiidang erklfirte
form, dafs sie das perfectum stark bilde, ist nicht stichhaltig ond
spräche namentlich auch gegen des verf. eigene deatungen von
parcere aas parco u. s. w. Er weifs so gut als wir, dafs die
Sprache das lebendige bewufstsein über eine formation verlieren,
dafs sie eben aas solchen formationen secundäre warseln sehaflTen
kann. Die Wörter, in denen f, inlautend b erscheint, sind treff-
lich behandelt. Dafs forma nicht von ferre, sondern gleich
anzeigen. 309
firmus, fertne, fere von wz. dhar komme, scheint auch uns
richtig. Dem skr. dbariman wird aoter andern die bedeutang
,,ge8talt^ ebenfalls beigelegt, und formala entspricht gut dem
ved. dbariman und dem begriffe von dharma und i^Aoa.
Schwer wird es uns formido von wz. bhram zotrennen, und,
spricht auch Ciceros darstellnng für Corssen, so ist es doch aoch
wahr, dafs die worter eben ihre geschichte haben. Wir kennen
eine einzige stelle in den vedas, die etwa für des verf. ansieht
angeführt werden könnte, nämlich R. V. M. I, 37. 7, ni v6 yk-
maya manosho dadhre, wo ni dhar im passivum niedergehalten
werden, sich ducken heifst. Nicht so sicher als fulcire n. s. w.
werden auch forum, fornix u. a. worter anf dhar bezogen.
Dafs fingere nicht mit isq^i^yon gleich gesetzt werden kann, das
beweist uns eben das gotische daigs, unser Teig, dessen den-
taler anlaut unmöglich aus <Tg) entstanden sein kann. Sehr gründ-
lich wird von C. die wortreihe behandelt, die er von einem ver-
bum feo ausgegangen denkt, und namentlich aufs neue das wort
filius erörtert, welches der verf. gegen Cnrtius als „ein dem
erzeuger angehöriger^ erklärt. Hübsche aufschlüsse auch über
italische eigennamen bietet die betrachtung von inlautendem ans
dh entfaltetem f, an welche sich dann diejenige des im lateini-
schen inlaute meist dafür stehenden b anschliefst. Schade, dafe
das lateinische verbum, das gotbische vaurd, deutsches wort
nicht ganz bestimmt gedeutet werden können. Mit der wnrzel
vardh, caedere,- hangen sie sicher nicht zusammen; aber viel-
leicht ist es nicht ungereimt an gar zu denken, obgleich schon
garrire — mit einem g beginnend — dahin gehört Zu mer-
ken ist aber, dafs neben gar auch gur und gürdh sich zeigt,
welches anf ein gvar saruckgeführt werden kann. Wollten wir
svar herbeiziehen, so stehen ihm noch gröfsere lautliche Schwie-
rigkeiten entgegen, da im latein. sosnrrare und im deutschen
swerjan „schwören^ u. s. w. daneben sich fänden, während wir
griech. Iq^ ohne bedenken auf diese wnrzel zurückführen. Man-
ches wünschten wir auch ans der reichen Sammlung von Wör-
tern, in denen f oder f neben h aus gh hervorgegangen sein
soll, anzuführen, über dieses und jenes unsere bedenken oder
gegründeten zweifei auszusprechen; aber wir müssen uns anf
recht weniges beschränken. Dafs C. furere von ^oqhv trennt,
daran mag er recht thun, und sinnig fuhrt er furere vielmehr
auf WZ. ghar zurück. Er hätte nur dabei noch der vedischen
310 Schweizer-Sidler
form bri und der daneben mit bh anlautenden Wörter gedenken
sollen. Dafs viridis nicht n)it harit, holos einer worsel
sei, scheint uns durchaus nicht ausgemacht, vielmehr Aafrechts
a. a. Zusammenstellung auch durch deutsches grün aufs schöoste
bestätigt Ueberhaupt scheint uns C. allzu streng an dem salz
festzuhalten, dafs sich die laute immer nur nach einer richtuDg
hin entwickeln. Reich sind die erorterungen über hostis and
gast Ihre wnrzel ist nach C. ghas ^verschlingen, fressen^
orsprfinglicher aber wohl „verletzen, schädigen % da ghas gleich
hins für bans zu fassen sei. Aber da sind nun die sanskrit-
gelehrten strenger. Mit vollem rechte hat Benfey in Hins eine
desiderativform von han gesehen. Die wz. ghas hat im sanskrit
keine weitere bedeutung als „ essen , fressen ^, und daneben fin-
det sich wieder bhas, zu welchem sich baps verhält wie jaksh
zu ghas. Soll demnach C.'s deutung lautlich und sachlich
richtig sein, so mufs sich aus der bedeutung „verzehren^ die
von „verletzen^ erst entwickelt haben. Der deutsche ausdrack
gast hat eine gar nicht arme geschichte. In unserer zurcher-
mundart heifst de wuest gast oder de gast allein so viel als
de uflat „der häfsliche, sittlich oder körperlich schmatzige
mensch^. Den schlufs dieses abscbnittes macht die Widerlegung
des Satzes, dafs die aspiration, hier f, durch Versetzung in den
anlaut gekommen, und der behauptung, dafs der labio- dentale
hauchlaut f im lateinischen auch aus p hervorgegangen sei.
Die vierte hauptabtheilung bilden die nasale. Nie soU m
aus V entstanden sein, wenn auch dieser ubergang in andern
gliedern unsers Sprachstammes nicht gelaagnet werden kaoa.
Wenn C. für melior, fidia die skr. wz. mal aufstellt und die-
ses mul und mül gleichsetzt, so ist das erste leider wieder an*
belegt, das letztere secundär, aus müla „Wurzel^ gesogen. £Ke
hier von C. vorgetragene ableitung des wertes homo ist wohl
von den meisten wissenschaftlichen etymologen längst angenom-
men; Benfey aber beharrt bei der ableitung von wz. bhd. Das
allein wurde nicht stark gegen diese erklärnng sprechen, dafo
„geborenes, wesen^ für „mensch^ eine zu allgemeine und anb&-
stimmte bezeichnnng sei; vgl. skr. j an tu, Jana; and allza ka-
tegorisch läugnet wohl der verf. die möglichkeit der entstehong
von hu man US aus hominanus; vergl. snblimis aos sablimen.
F und m^ b und m sollen nicht unter sich wechseln, dnbenos
nnd dubins neben dominus aos dadh zq erklären sein, also
anzeigen. 311
mit demselben QbergaDg von db der ws. dbä in f, b, der bei
anlafs von famalas gegen Cortias bestriUen warde. Sebr pre-
cär ist die, um die annähme von weggefallenem anlautenden m
wegzur&amen, vorgebrachte erklfirang von imitari ans einer
WZ. ac, ui}y ic. Im inlaate von idoneos, tenebrae soll n
arsprfinglicb , ersteres eine ableitang von idb ^brennen, leuch-
ten^, letzteres von tan sein. Vgl. aber auch litauisch tamsaa
„caliginosus^ tamsa „caligo% alts. thimstar, Grimm gesch. d.
d. spräche s. 337. Fernities und pernicies als zwei ver-
schiedene Wörter zu fassen, ist nicht unbedenklich. Auch in den
von G. erwähnten stellen wird jeder unbefangene tam für ta-
rnen fassen. Vgl. ferner Flaut. Sdchus, v. 44. Da batderAmbr.
TAMFGL ganz im sinne von tamen, und wie anders kann
man verstehen ib. v. 472: Locätast opera nunc quidem: tam
gratiast?
Bei der besprechung der liquidae wird der fibergang von n
in 1 bestritten, die gleicbstellung von xoVi^ mit lens, von alias,
alter mit anyas, anlaras. Benfey handelt noch ,,orient und
occident^ II, 560 ff. unbeirrt durch die neuen bedenken über ul-
timus, ulterior, ultra, als, dva u. s. f. Was Kuhn beitr. I,
267 ff. von anya sagt, nahmen auch wir früher an, etwas auf-
fallend ist nur die pronominaldeclination. Falsch sei auch Wech-
sel von V und 1 angenommen in der ableitung -lentus. Hübsch
ist die auseinandersetzung des doppelten 11. R sei, das mufs C.
zugeben, erst in 1 übergangen, aber nicht überall^ wo man es
statuierte, sei es sicher. Ganz eigenthumlich sind die von ve-
stigium und vestibulum gegebenen erklärungen. Beide wor-
ter sollen von einem verlorenen sahst, v est i a) wohnung, b)da8
bleiben herkommen. Sicher ist die erklfirung von castrum,
welche ganz gleich jungst von Benfey gegeben worden. Aber
dem skr. 6ha d liegt nicht kad, sondern skad zu gründe, und
das umbr.-osk. castru heifst ursprünglich ^ort der wohnung, an-
siedelung^ vgl. skr. 6hadis und 6hardis. Ueber labor gibt
auch J. Grimm (d. w. und d. gr. arbeit) aufschlufs. Gewifs
liegt die wz. rabb zu gründe; vgl. nur den vedischen gebrauch
und die composita. Ueberraschen wird die sanskritkundigen die
deutung von multa „bufse^ aus wz. smar. Smfta heifst na-
türlich aestimatus nur im sinne von ahd. mari. L. Meyer
setzte wohl für vel eher ein vetr als ein veios voraus. Wie
r im lateinischen nicht bedeutungslos eingeschoben ist, so sei es.
312 Schweizer-Sidler
meint der verf., aach nicht nach anlautender mata geschwaodeu.
Aber lat fungor kann einmal von skr. buj, frui und gotb.
brnks nicht absolut getrennt werden. Bhuj bat namentlich ia
compositis nicht selten die bedeutung verwalten; die con-
struction von fnngi ist dieselbe wie bei frui, und zumal die
römische amtsverwaltung ist genufs eines beneficium. Dagegen
wird ausfall von r vor folgendem conss. in manchen fällen ein*
geräumt. So in pestis. Aber was da der verf. über die be-
deutung des skr. a sagt, ist unrichtig. Der abfall von auslauten-
dem r mag recht selten vorgekommen sein; aber simitu neben
simitur kann kaum nach C. benrtheilt werden. Rr durch a»-
similation ist nicht selten. Currus kann schon der bedeutung
wegen nicht zu karsh gehören, zu dem jedesfalls verrere ge-
zogen werden mufs. Zunächst liegt currere zu gründe, und
dieses ist vielleicht eine s-bildungvon dar, wie deutsches hors,
hros, ross. Aus n sei lat. r nie entstanden, nicht in anser,
nicht in creperus u. s. f. Ob in anser, hängt mit der frage
über die suffize zusammen, über die noch ungleiche meinung
herrscht; einen neuen interessanten fall hat Benfey im letzten
hefte seiner Zeitschrift hervorgehoben. Für creperus, cre-
pusculum ist wohl unbestreitbar, dafs sie mit skr. ksbapas
„nacht, dunkelheit^ innig zusammenhangen; aber die lautverhfilt-
nisse sind nicht ganz klar. Bei cras können wir nicht über die
annähme wegkommen, dafs da v in r übergegangen, ein Über-
gang, der z. b. für das germanische erwiesen ist. Es iftt viel
Qowahrscheinlicher, dafs in den hier einschlagenden sanskritwör-
tem ein r ausgefallen sei.
Im sechsten capitel sind die Sibilanten besprochen. Mit er-
folg tritt C. gegen euphonisch eingeschobenes s auf. Dann no-
tersacht er die fälle von dem im anlaute vor consonanten ge«
schwundenen s. Beweisen läfst sich Bopps annähme über vas
allerdings nicht in der art, dafs die historischen zwischenatafen
vorgeführt würden; aber es spricht denn doch alles dafür, dafs
ein rest von tva im uom. plur. stecke. Wenn L. Mejer tor-
pere mit deutschem starr zusammenstellte, so hat er natürlich
nur die primitive wurzel im äuge. Die formen starp ond
stark konnten sich neben einander aus jener entfalten, and G.
übertreibt ganz gegen seinen character offenbar den Wechsel ei-
nes urspr. k gegen p im lateinischen. So soll auch tempns
ein p für c haben. Dafs wir recht thaten, cavere mit scbaaen
auzeigen. 313
zu vergleichen, beweist das von C. unbeachtete gQth. uskavs
^cautus^. ScauQS ist eigentlich spectabilis und ^ glänzen^
braucht cavere (»benso wenig zu heifsen als speeere wegen
conspicuQS. Treffliche aafschlusse, einen bedeutenden gewinn
für das verständnifs der declination einer reibe von Wörtern bietet
uns der abschnitt über ausgefallenes inlautendes s. Uebrigens
kommt hier der verf. unwillkürlich den anschanungen von Ben-
fey über suffixwandel sehr nahe. Nicht minder bedeutend ist
die erörterung der assibilation in den gruppen ti und ci.
Den Wegfall von anlautendem j in emere und -üere von
i n d u c r e bestreitet C. Für das erstere aber hat ihn Gurtius gr.
etym. II, 321 f. möglichst fest begründet, und es wird wohl kein
kundiger die ableitung von kam gegen diejenige von yam ein«
tauschen. Als grundanschauung von yam hat Benfey „strecken^
erwiesen. Und geradezu unmöglich wird der kenner der sans-
kritsprache die erklärung von induere, exuere aus av finden,
während diejenige aus yu mehr als nur wahrscheinlich gemacht
werden kann. In desto gröfserem umfange statuiert C. den aus-
fall eines aus i verhärteten (?) j in ableitungen von der Wur-
zel div.
Vielfach belegt ist der abfall von v vor r, 1 im anlaute.
Für dQoaog eine andere als die von Benfey begründete etymolo-
gie, so dafs es gleich drapsa ^tropfend ^ sei aufzuspüren, scheint
uns nnnöthige arbeit. Mit der darstellnng des Schwindens von
V nach s endigt die Untersuchung über die consonanten.
Viel kürzer ist der zweite haupttheil unsers Werkes über die
vokale. Auch da fehlt es nicht an schönen aufschlüssen und an
behauptongen , die zum widerspräche reizen. So wird in sehr
scharfsinniger weise zu begründen versucht, dafs ab, 4, au, af
drei verschiedene quellen haben, indem ab dem skr. apa, au
und & dem skr. ava, af dem skr. adhi c. abL entsprechen. Was
über ex und e gesagt ist, ist sicherer als das über die acc.me,
te, se vorgebrachte, dafs sie nur der Verwechselung mit dem
ablativus ihr e verdanken. Sehr beachtenswertb ist die behand-
lung der latein. starken perfectformen , wie egi, cepi n. a., die
man meistens aus einer in den stamm gedrungenen reduplication
erklärt Wir dürfen uns aber hier nicht auf dieselbe einlassen,
ohne ausführlich zu werden. Mit grofser umsieht wird, wo es
sich um die tilgung der vocale handelt, Ritschis in dem programm
de decl. qu. lat. recond. aufgestellte ansieht geprüft, und der verf.
314 Corssen
entscheidet sich dagegen. Der letzte abschnitt ^zar betonang^
bezweckt den wider8pruch von Curtius gegen Corssens (ruber
geftufserte meinungen darüber zu widerlegen.
Wir schliefBen unsre anzeige mit herzlichem danke gegen
den Verfasser, dem wir ferner zeit und kräfte wünschen, seine
forschungen auf dem gebiete der italischen sprachen mit dersel-
ben energie fortzusetzen. Sind auch dessen specielle kenntnisse
im Sanskrit und altdeutschen nicht so umfassend als diejenigen
vieler vergleichenden Sprachforscher unserer zeit, so werden wir
ihm freudig eine um so eindringlichere künde auf dem von ihm
auserlesenen engern gebiete einräumen und anerkennen, dafs er
dieselbe in vollem mafse zur hebung der Sprachwissenschaft ver-
wendet.
Zürich, in den weihnachtsferien 1863.
H. Schweizer*Sidler.
Glossarium Italicum , in quo omnia vocabula continentur ex Umbricis,
Sabinis, Oscis, Volscis, Etruscis caeterisque monumentiA qua esupersimt
collecta et cum interpretationibus variorum explicantur cora et stadio
Arlodantis Fabretti. Aug. Tanrinor. Fase. I— VIIl, A — OS 1858
— 1862 (das ganze auf 10 fascikel berechnet mit 30 lithographiert«!
tafeln, welche die gröfseren inschriften und tabellen von alphabet«o
enthalten, mit eingedruckten holzschnitten von münzen and klwiieren
inschriften).
Als zweck seines werkes giebt der Verfasser an, die eigeb*
nisse sprachlicher forschungen anf dem gebiet der altitalisehen
sprachen zusammenzufassen, nicht sowohl fnr diejenigen, die aof
diesem gebiete bewandert sind (che han fama di maettri n^e
filologicbe discipline), sondern für diejenigen, die daselbst weni-
ger zu hause sind und sich auf bequemerem wege mit den er-
gebnissen historischer und philologischer forscbnng ober das alte
Italien bekannt machen wollen (ai meno versati in qoesto genere
di Btadi ed a quanti amano inoltrarsi per men aspro cammino
nel campo d^elle ricerche storiche e filologiche suU' antica Ita-
iia). Zu diesem zwecke hat der verf. nicht nur oskische, aabel-
lische, nmbrische, volskische und etruskische Wörter gesammelt,
sondern auch solche lateinische wortformen, die von dem ge-
ameigen. 3li
wohnlichen bei den schrifutellero gebr&ochlichen latein abwei-
chen, aUo entweder der älteren spräche vor Augustus, oder dem
provincieilen latein oder der späteren Volkssprache aogehören^
endlich auch die namen von Städten, bergen, flassen aod Völker-
schaften des alten Italiens. Ehe ich mein artheil im allgemei-
nen über das vorliegende buch aasspreche, bebe ich einzelne
punkte hervor, auf die ich dasselbe besonders stutzen werde.
Von dem bestreben geleitet möglichst viel seltene vom gebrauch
der schriftsteiler abweichende lateinische wortformen beizubrin-
gen, fuhrt der verf. mehrfach abweichende Schreibweisen als be-
sondere wortformen auf, selbst wenn jene Schreibweisen aus der
fehlerhaften Orthographie der späten kaiserzeit hervorgegangen
sind. In inschriften dieser zeit findet sich bekanntlich vielfach
h geschrieben, wo es nicht hin gehört, hingegen weggelassen,
wo es stehen mufs, b und v wechseln regellos, ae, oc, e wer-
den nicht genau geschieden, ae findet sich selbst für kurzes e,
and diese Schreibweisen sind massenhaft in die handscbriften
übergegangen. Dergleichen Schreibweisen dürfen nicht als beson-
dere wortformen in einem Wörterbuch aufgeführt werden; heo-
rom, hobitus, Hoctavius, horiundus, ic, abeo (für ha-
beo) u.a. arvitrium, atabos, belabram, bela, inbicto,
bendo, Jobis, iobenis a. a. aei, aeorum, aeclesia,
baene und zahlreiche andere sind aber vom verf. als besondere
wortformen angefahrt. Bs finden sich ferner bucbstabeoverhiii-
dangen als Wörter aufgenommen, die keine wörter sind. So ist
z. b. *abbire als wort aufgeführt; aber es ist erwiesen, dafs
dafür abbitere za lesen ist (Schneider, latein. gram m. I, p. 632
anm., vgl. philolog. jahrg. XVIII, s. 723); *abagio ist kein wirk-
lich gebraachtes lateinisches wort Wenn es bei Varro heifst
VII, 31: Adagio est littera commatata abagio, dicta ab eo
quod ambit orationem, so ist dieses abagio das blofse erzeugnifs
einer etymologischen grille des Varro; ad-ag-iu-m stammt wie
a-io für *ag-io von skr. würz, ah-, inquam (Ref. de Volscor.
ling. p. 16). Aus aesculnieis macht der verf. irrig eine no-
minativform *aesculnieus statt aesculnius, da -eis ja die
alte endung des dat. abl. plur. für -is ist; *iovisiurandom ist
eine unform, die der verf. aus Ennius werten iusiurandum
Jovis angenommen hat; Jovispater war in der spräche nie
vorhanden, sondern ist eine etymologische erklärung des Gellius
von Jupiter. Aus einer inschrift, Ball. Nap. I, 90: Cusia. Uil.
316 Corssen
Ma Mater, wo das Ma ein abgekürzter name ist, wird eine
lateinische form *iiiama(er für mater hergestellt und in das
glossar aufgenommen. Ein oskiscbes verbum *manaffed, *ma-
nafed kommt in den Sprachdenkmälern nicht vor, sondern ovr
das compositum aa-manaffed, aa-manafed, nur dieses durfte
also in dem glossar angeführt werden; ein oskisches wort *inoai
giebt es nicht; ich habe längst nachgewiesen, dafs diese, buch-
stabenverbindung mit der vorhergehenden medicat zn medi-
catinom zu verbinden ist (zeitschr. V, 111, vgl. Bugge, zeitscbr.
VI, 21). Es ist sehr anzuerkennen, dafs Fabretti die ergeboisse
der neueren Sprachforschung würdigt, zumal dies bei den italie-
nischen gelehrten bis jetzt nur in geringem grade zu bemerken
ist. Er stellt demgemäfs bei vielen wortformen diejenige bedeo-
tung, die auf sprachlich methodischem wege sicher gestellt ist«
voran; dann aber Ififst er häufig eine anzahl anderer völlig on-
wissenschaftiicher und sprachwidriger erklärungsversuche folgen
von Lanzi, Gori, Fasseri, Guarini, Franchini, Fiorelli, Orioli,
JMinervini, Grotcfend, Huschke u. a., ja er fuhrt sogar die eige-
nen Worte derselben an, auch wenn sie blofs ins blaue hinein
gerathen haben. Dergleichen einfalle sind zum beispiel aeteis
= reis (Fr.), amnud = oifAVog (Gu.) = omne, ope
(H.), ampert = comperto, aperto (Fr.) = circnmfert
(Gu.), anferener = offerentur (Go.) = infernates (Pa-X
antakre = acervatim (Gr.), aragetud = adigito (Gr. H.)
asif = assir (H.), faamat = g)jy<T4 (Fi. Gu.) deivaat =
moratnr (H.) u.a. Zu solchen einfallen setzt F. selbst gele*
gentlich ein ^male, pessime, inepte^. Sie sind des anfSbreos nicht
mehr werth, nachdem die richtigen bedeutungen sicher festge-
stellt sind, sie sind für denjenigen, der sich erst unterrichten
will, sogar hindernisse, sich die richtige ansiebt anzueignen. Und
der verf. will ja grade den möglichst bequemen weg sum ver-
stand nifs weisen. Es genügte auf solche völlig werthlose deu-
tungen höchstens noch durch citate hinzuweisen und das betref-
fende male, pessime, inepte hinzuzufügen. Das Glossarium IIa-
licum hat das Schicksal vieler solcher werke gehabt, die in ein-
zelnen heften erscheinen und allmählich in einer reibe von jäh-
ren vollendet werden, nämlich dafs inzwischen die forschnng
weiter fortschreitet und infolge dessen die ersten abschnitte der-
selben veraltet erscheinen, weil sie die neusten ei^bnisse nicht
enthalten So fehlen bei F. Wörter italischer dialekte, deren be-
auseigen. 317
deutung ich neuerdings festgestellt zu haln^n glaube , z. b. aus
der oskischen Inschrift von Pietrabbondante oinim = una
(zeitschr. XI, 403) lovfrikonoss = freigeborene (a. 0.416)
und aus der sabellischen inschrift von Crecchio esmen = io
hoc, esmenek = in h ac (a. o. X, 6. 25) kipera =» capro
i. e. bono (a. o. 21) komenei = in comitio (a. o. 25). Bei
nnderen Wörtern fehlen die von mir auf grund von speciulunter*
suchungen gegebenen deutungen; so von den sabelliscbeu wurt*
formen der bronze von Rapino agine = fest (zeitschr. IX,
146), aisos pacris = sacri paciferi (a. o. 138), asignas
aviatas =: insignia circumvecta (a. o. 140f.), iafce = ibi
(a. o. 148) und von dem stein von Crecchio asin = ad aram
(a. o. X, 15), bie = bove (a. o. 23). Bei Etruria, Etrnscns
war die ableitung von umbr. etrn = alter nnd die deutung
^fremdland, fremdling'' zu erwähnen (zeitschr. III, 272); für
axare, axamenta glaube ich die richtige ableitung von skr.
WZ. ah-, in quam gegeben zu haben (de ling. Volscor. p. 17).
Auch an unsichern und falschen Worterklärungen fehlt es nicht.
Ohne genügende begrunduug sind deutungen etrurischer wortfor-
men hingestellt, amce = amicavit, ornavit, altinom =
alimentam, amrithi = afißgorog skr. amrta, arasa =
ad aras. Haltlose vermuthungeo sind osk. damu = damns
oder =: dtjfioaios^ sicher falsch ist leigoss = lucos, das
als unbezweifelt hingestellt wird (vgl. ref. zeitschr. XI, 416) das
-manafed in aa-manafed ist keineswegs mandavit, son-
dern perfect eines verbnm -man- a- um, eines denominativum
vom stamme manu- mit der bedeutang manu absolvere,
perficere, operare, wie ich nachgewiesen zu haben glaube
(zeitschr. XI, 335 f.). Lat. ead erklärt der verf. für den acc.
plur. neotr., wfthrend es in der Verbindung advorsum ead ein
adverbiell gebrauchter abl. fem. ist wie hac in der Verbindung
post-hac. eä in den Verbindungen ant-eä, post-eä. Ein eben
solches adverbium ist osk. eka-k, keineswegs eine accusativ-
form. Haice soll abl. fem. sing, sein, während es acc. plur.
ueutr. ist, vgl. Sc. de Bacch. Ritschi, Prise. Lat. Mon. ep. t. XVIII,
22: Haice utei in conventionid exdeicatis = haec ut in con-
tione edicatis. Die Schreibweise eafdem (tab. Heracl. a. o.
XXXIII, 2) hat mit umbr. eaf = eas nichts zu thun, ist viel-
mehr verschrieben aus eaedem = eadem eine neutrale form
wie ha-e-c, qua-e, in denen ein demonstratives i, e an die
318 CorMen
formen ha-, qna- getreten ist (vergl. Verf. krit beitr. 8.542).
E-de-pol ist grundfalsch ans mo deus Polin z(iayet) er-
klärt; das e ist vielmehr interjection wie im anfang des Carmen
Arvale: E nos lases invate, de- ist ein alter vokativ von deoB,
verschmolzen aus *dee; das e von E-ccere, E-eaetor ist
eben jenes e, nicht aus me entstanden. Aput ist keineswegs
eine ältere form als apnd, da dieses sich in einer der beiden
ältesten scipionengrabscbriften findet; balba soll -bei NaeTins
eine ältere form für vulva sein; aber an der betreffenden stelle
ist ja von einer ,,zwiebel^ die rede. *Diviana für Diana ist
gar kein lateinisches wort. Bei Varro, L. L. V, 68. Mull, ateht
zwar: Quidam Di an am vocant (sc lunam), vocabulum — La-
tinum, et hinc quod luna in altitudinem et latitutinem simul eat,
Diviana appellata. Aber die handschriften bieten De via na,
De vi na; das erstere ist wahrscheinlich die richtige lesart, in-
dem Varro das wort Diana mit devius in Verbindung brachte,
da er ja sagt, es sehreibe sich von der bahn (via) des mondes
her. *Diviana oder *Deviana ist eine etymologische ficlion
wie *abagio. Commanuculus wird als besondere wortform
angeführt, ist aber lediglich ein schreib- oder lesefehler für com-
manupulus. *Labo soll eine wortform sein für iabores,
während es an der betreffenden stelle des Fronto ausdrucklich
als stuck oder theil eines Wortes bezeichnet wird. Nach dem
gesagten fasse ich mein urtheil über das vorliegende buch fol-
gendermafsen zusammen.
Das glänzend ausgestattete werk bekundet ungemeioen miiii-
melfieifs und die bewährte ausgebreitete kenntnifs des Verfassers
von dem inschriftlichen material, es benutzt in anerkeDnenswer»
ther weise die ergcbnisde der neueren sprachforschoag and giebt
die hierher gehörigen litterarischen nachweise mit grofiser voll*
ständigkeit und genanigkeit. Aber es fehlt snm theil «n kriti*
scher Sichtung und abgrenzung des massenhaften materials, da^
her sind falsche Schreibweisen als besondre wortibrmen «ofge»
föhrt, verkehrte und längst widerlegte deutuogen wieder hervor-
gezogen, bnchstabenverbin dangen, die keine Wörter sind, als sol-
che angegeben, während mehrere wirkliche wortformen fehlen;
endlich finden sich mehrfach unbegröndete oder fals^e erklär
rnngen von wortformen.
Das werk ist eine grofse und nützliche fundgmbe von spraeb-
liebem material; aber den beabsichtigten bequemeren weg snr
anzeigen. 319
kennttiifs altitalischer sprachen hat es Dicht gebahnt. Wer von
diesen noch nichts weifs und sich in möglichst leichter nnd be-
qaeraer weise darüber belehrang verschaffen will, der wird das
eher erreichen, wenn er die beiden klar and popnlär geschrie-
benen aufsätze von Kirchhof über die italischen dialekte in der
allgemeinen monatsschrift (1852, s. 577 — 598. 801— 824) liest,
als wenn er das Glossarium Italicaro stadiert. Endlich erscbeiol
die abfassung eines solchen werkes, das auch alle etraskischen
wortformen enthalten soll, doch verfrüht, so lange nicht auf
grund zuverlässiger Inschriften durch sorgsame und strenge for-
scbung die lautlehre, wortbiegungslebre und wortbildungslehre
dieses dialektes wenigstens einigerniafsen sicher gestellt und dem
planlosen herumtappen und willkuhrlichen deuteln auf diesem
gebiete ein riegel vorgeschoben ist. Möge der Verfasser, von
dessen gelehrsamkeit und arbeitskraft man jedenfalls nur mit
hochachtung reden darf, der Sprachwissenschaft rocht bald den
dienst leisten, ein Corpus inscriptionum Etruscarum zu vollenden
und an's licht zu fordern.
Gorssen.
Nordböhmisch der hiebe neben der diche.
(Zu seitschr. XI, 159).
Zu den von mir im XL bände dieser Zeitschrift besproche-
nen formen eines demonstrativpronomens hat sich noch ein höchst
interessantes seitenstuck in der nachbarschaft ausfindig machen
lassen. Die mondart der Umgebung von Friedland bei Reicheo-
berg (z. z. in den dörfern Lnsdorf, Hegewald) kennt in schönster
analogie mit den formen der zwickaner mundart (der diche,
doche, dichtsche, dochtsche, dilte, dolte, doltsche)
mit gleichfalls demonstrativer geltung die formen: der hiebe,
hochte, hoichtche, hulte, holte, holte, hultche, holt-
che; das pronomen mit dem h-anlaut steht auch neben dem
pronomen mit dem d-anlaut in einem dorfe beisammen, z. b. in
Hegewald: der doichtche (unser *der dolch-t-ige) neben: der
hiebe, holte, höltche.
W&hrend die von mir gegebene erkl&rung der zwickauer
formen kaum einen Widerspruch erfahren durfte, da der cusam-
320 Pettcn, niiscellcu.
menbang mit den englischen, schwedischen, dfiniscben formen
In Grimms grammatik III, 49 augenfällig ist, unterliegt die ety-
mologische aufhellung der friedländer formen einigen Schwierig-
keiten.
Ich vermuthe, dafs wir diese eigenthumlichen bildangen aof
das alte demonstrativpronomen hi zurückzuführen haben, dafs
sich also der hiebe gerade so zu *hileik8 verhält, wie der di-
che zu *theleiks oder sollte der hiebe dem angelsächsischen
se ylca, engl, this ilke (Grimm III, 50) und dem skr. idr^a
znr Seite zu stellen sein?
Verwandtes aus andern deutschen raundarten ist mir nicht
bekannt, es mufste denn das demonstrative bell im Oberinuthal
(Frommanns zeitschr. III, 107, Schopfs tirolisches idiotikon 668)
nicht au.s selb mit Wechsel von s und h erklärt werden.
Südböhmisch ruawas, ruawie u.a. w.
Der nordböhmischen rarität mag sich eine andre aus Sud-
böhmen anschliefsen. Das pronomen interrogativum mit seinen
adverbien erhält in der mundart von Prachatitz am böhmerwaide
durch vortretendes rua geltung eines unbestimmten vielfachen.
Mein gewährsmann, der uns leider zu früh gestorbene dorfnovel-
list Joseph Messner erklärte mir ruawas, ruawie, rnawo,
ruawann mit: mehrere verschiedene dinge, auf mehrere ver-
schiedene arten, an mehrern verschiedenen orten, zu mebrem
verschiedenen zeiten.
Es scheint mir unzweifelhaft, dafs diese böbmerwälder find*
linge mit dem richtigen ua für mhd. uo zu mbd. ruochen gehören;
die deutung kann höchstens schwanken zwischen got ruoche
(wa3, wie, wä, wenne), in welchem falle das schweizerische geh
was, geb wie, geh wo zu vergleichen ist (für gott geh was
u. s.w. Frommann III, 347 und Grimm III, 74) oder ich en-
ruoche, i'nrnoche oder enruoche (imperativisch). Nach den
im mhd. Wörterbuch 11^ 1, 322 und 798 enthaltenen citaten tind
alle drei erklärungsarten möglich; die aus Saochenwirt gegebe-
nen beispiele könnten die erklärung aus imperativiscbem moche
für enruoche am meisten empfehlen.
Ob sich wohl anderwärts nebenformen zu onserm Pracha-
titzer ruawas finden? Messner^ der seine nachbarschaft aufs ge-
naueste gekannt hat, gab mir an, dafs das gebiet dieses ma von
Prachatitz bis ins ^bisthum^ d. i. bis Passau reiche.
Leitmeritz, december 1863. Ignas Petters*
Pütl. nunan. elemcnto iu <len langobardischen ge'setzen. 321
Romanisclie elemente in den langobardischen
gesetzen.
(Schlufs.)
Partikeln.
Der gebrauch von quod mit einem finit-verbum statt
des acc. c. inf. mag, als zu gewöhnlich, hier nur kurz be-
röhrt werden. Es entspricht, aufser unserem, jedoch der
form nach demonstrativen dafs, dem ital. che^ sp. pg.
pr. fr. qne^ von welchem jedoch Diez 11,410; 111,294, ih-
res aus quod nicht erklärlichen vokales halber, mit recht
annimmt, sie hätten aus quid ihren Ursprung genommen.
Letzteres kommt wirklich öfters im ma. an stelle von quod
vor. Z. b. 1. Sal. im Cod. Paris, p. 126 Lasp.: Si aliquis
alicui jure imputaverit, quid (dafs er) perJurasset (also auch
hier plusq. statt perf.), wofür in der Em. quod se perju-
rasset. Etwas verdächtig wird die sache aber durch die
heroldische ausgäbe, welche „quod aliquid peijuratus sit^
liest. In demselben codex jedoch p.l24. 132: quid si statt des
üblichen: quod si; und quid {sta,it quod) superius dizimus;
ut eorum quid (quod) viderunt testimonium prebeant. —
Von nam^ enim in adversativem (einwendendem) gebrauche,
sowie von non — nisi (nicht, — sondern nur) haben wir
schon weiter oben gehandelt.
Einer besonderen hervorhebung jedoch bedarf die zwar
nicht nothwendige, allein oft vorkommende Verwendung von
quod und (dem damit synonymen gebrauche von quia als
„dafs^ im ma. entsprechend) von quia^ um damit eine di-
rekte rede einzuleiten, also der art, dafs sie mit dem
ort der Grie^ihen und, etymologisch noch enger, mit dem
keh (relativpronomen, sowie unserer mit das im gründe
einheitlichen conj. dafs parallel gehend) bei den Persern
hinter vv. dicendi einen passenden vergleich zuläfst. Diez
III, 3ü7 sieht das quia bei direkter anfQhrung als einen
durch die vulgata weiterverbreiteten gräcismus an, wel-
cher in den volkspsrachen nicht heimisch geworden. In-
defs das franz. dire que oui, que non, span. decir que si,
Zeiluchr. f. vgl.jprachf. XIIT. 5. 21
3*22 l'ott
quo noD Diez III, 21)1, und der in die. nach sagen und
anderen verben, die eine mittheilung der gedanken aus-
drücken, 298. 30() zeigen, dafs auch diesen sprachen der
gebrauch einer partikel nicht fern lag, welche, in ähnlicher
weise als die fragpartikelu und gleich unser«) anführungs-
zeichen, das amt übernommen hat, den inhalt einer frem-
den rede (gleichwie: er sprach dies, was — nun folgt:)
nicht blofs in referirend mittelbarer weise, sondern in
ihrer eigensten form, unmittelbar wie sie gesprochen wurde,
d.h. also sie gleichsam mit dramatischer lebendigkeit
wiederholend, einzuleiten und als solchen aus dem flusso
von des sprechenden eignen worten für den hörenden be-
merkbarer an die Oberfläche zu heben, ganz ebenso wie,
nur beim abschlusso der anführung, das skr. sein Ui
(d. i. so; lat. haec ille) verwendet. Jetzt einige belege.
?• 111 no. 9 (38): et ipse dixerit quia: „Nescio qui sint^
und bald darauf: dicit ei, quod: y,Ego scio quia (dafs) ei
credere potes". Also au der zweiten stelle unstreitig quod,
um nicht von einem quia unliebsamer weise ein zweites
abhängig zu machen. Jedoch auch p. 40 no. 153 dicant per
ordinem quod: y^Parentilla (lat. und it. pareutela; doch vgl.
querella) nostra sie (auch gutlat. st. talis) fuit'' cet. — P. 12\)
nisi simpliciter dixerit quod: „Comparavi deFranco (ich habe
es gekauft von — ) aut Nescio de qualem hominem (franz.
gt*«/ welcher)", von N.N. — Dann mit quia: P,71 et omnibus
vocem pregonia (mit heroldsstimme; vgl. praecouio conten-
dere Suet. Ner. 24) innotiscat, quia: „Cavallum inveni, et
nescio cujus (gen., oder wie: cujum pecus?) sif*. — P. 142
et dixerent (-int), quia: y^Wifanms^ cet. G raff I, 784, das
Warnzeichen, z. b. dai's man irgendwo uicht gehen dürfe,
unbeachtet lassen. Sodann: Jureut quia: „Interfuimus'^
cet. — Ferner p. 144: ut jurent unusquisque actor, et di-
cat (Wechsel des uum.) per evangelium (per in lat. weise,
beim evang. Die lesart ovangelias wahrscheinlich ak
fem. plur. aus dem neutr. pl.) quia: „Quodcunque cogno-
vero quod eoutra rationem*) alequid tultum est (auch sonst
♦) It. contro ogni diritto e ragione wider nUe gcbtthr. AI» adj. con-
roman. clemoiite in den langobardischen f^esetzen. 828
toltumj weggenommen, wie regelrecht von lat. tollere; ii.
maltolio erpressung, franz. maltöie von iolte aufläge), facio
cxinde (davon) noditiam (jetzt it. dar notizia, nachricht
geben) domno regi ut relaxetur^ (etwa res, damit die sache
abgemacht — ihr abgeholfen — werde? It. rilasciarej ntudk"
lassen, erlassen); sie tarnen ut dicat in ipso sacramentum
(schlechtweg eid, nicht wie bei den Römern ausschliels-
lieh: öoxog argaTianixu^, Gloss. Philox.) quod (hier: „dafs^
in indirekter rede) non consentiefidutn (svie it. ger, anf-do)
ad amicum^ non ad parentem (nicht nachgebend einem
freunde oder verwandten, it. pareute, als dativ 8. Diez III,
94; auch eine lesart consentiendo amico, das subst. etwa
daL), non ad praemium (mittelst lohn) corruptus (it. cor-
rotto, bestochen), nisi quod (und er nur — ; zu ergänzen
davor vermuthlich sit) certo sciat quod contra rationem
tultum est, et cum nobis paruerit (it. panni es däucht mir),
retensituni (ohschon auch in den noten mit t, vermuthlich
rec. d. h. es, geprüft) per nostram jussionem relaxetur.
Ein schlufs-s in forsitans kommt zu häufig vor, als
dafs es blofs gelegentlicher Schreibfehler sein könnte. Z. b.
p. 101. 107. 112. 122. 134. 137. Das it. forse Diez II, 402
bringt mich nun auf den gedanken, ob nicht in ihm, wie
in forsitan-s hinten ein dubitatives wenn (it. se^ lat. si)
zu suchen, was mindestens besser pafste, als etwa lat. sil
(ital. Ätfl), das ja überdies in forsitatiy wenn auch nur noch
wenig gefühlt, schon einmal steckt.
Modo^ und compp., für jetzt, von jetzt, inskünf-
tige u. s. w. So fahrt könig Liutprand, nachdem er von
genti nostre cxpedivilia (erspriefsliches, quod expedit; vgl.
it. giotevole^ quod juvat) gesprochen, das von ihm anbe-
fohlen worden: et nunc quidem — pcrspeximus (prosp.?)
otiam et modo (alsbald, von nun an) adjungere (den frü-
heren edicten). — — Nam quod (was aber; mit nachfol-
gendem anakoluth, als ob quac stände) antea statuta sunt.
trario alla rngione, widerrechtlich. La ragione non pno nwlla contra la forzii,
i^cwalt Reht über rechU
21*
324 Pott
modo (von jetzt) menime rovolvantiir (gleichsam umkehren;
worunter gemeint wird : wieder in anwendung kommen). —
P. 124: ita amodo (von nun an) et in futuro (acc.) deveat
permanere, soll es bleiben. — P. 203 (vgl p. 1 10) Amodo
autem et deinceps statuimus (bestimmen wir) ut — und
gleichermafsen p. 139: Nunc itaque statuere previdimus
(it. prevedere, vorsehen), ut nuUa amodo (fürder) femina
facere presumat. — Usque modo (bis jetzt) p. 121. — P-
138: Si quis miser aut insipiens (i. non sapiens p. 220, also
etwa: närrisch, blödsinnig) homo prcsumpserit sponsare (it.
sposare heirathen, frz. epouser; daher engl, spoused) mulie-
rem babentem vero (quae habet virum) sibi (sive) ipse
vir ejus aegrotus sit sibi sanus, sicut modo (jüngst) et no-
bis talem causam adnuntiatam (vermuthlich durch anako-
luth: accepimus) est. Was haben wir unter miser (auch
miser homo p. 140, wo s. v. a. „ein schlechter, erbärmlicher
ehemann") zu verstehen? Schwerlich kann es hier so viel
sein als misellus (aussätziger), mlxd.misel^ indem wissent-
lich doch kaum je ein frauenzimmer sich dazu verstanden
hätte, mit einem manne in Verbindung zu treten, den seine
scheufsliche krankheit damals aus aller menschlichen ge-
Seilschaft verbannte (p. 45). Kaum auch, wie urspr. unser
elend (landesverwiesen, exsul). Vielmehr, wie bei DC«
miserabiles personae^ auch miseri homines statt pauperes^
bedürftige. — Eine gar nicht seltene erscbeinung ist po-
steus (flQr postea, roman. poisa-s mit s Diez, altrom. sprach-
denkm. s. 46, postquam), worin ich einen comparativ aus
post suche, im gegensatz zu prius, kaum f. posterius, nicht
aber eine Verbindung mit einem casus von ä, da eos kaum
zulässig wäre, so der acc. neutr. ea, span. ant-es (ante ip-
sum) für potius Diez II, 390. 410. — F. 141: Si quis —
in casam alienam introierit ad resedendum et ei cens^tm
reddendum (um darin zu wohnen und dem eigentbOmer
miethzins, it. censo, zu zahlen) et postea (dies öfter in dem
artikel) aliquid emerit de Ulis rebus quas secum adduzit
(d. b. nicht: aliquid illarum rerum, sondern etwas gekauf-
tes, z. b. aekergeräth, vieh, nicht erst von dem auf dem
roman. elemente in den langobardischen gesetzen. 32&
gute erworbeneu bezahlt, sondern von seinem mitgebrach-
ten, z. b. aus dem vermögen seiner frau) — — : tunc ip-
suni negotium (die fQr den haushält nöthige Sache, X(Pif^^)
dimittat in ipsam casam (lasse es in dem hause) et reoi-
piat pretium suum (den ihm gebührenden preis). — Nam
si (wenn jedoch) de illo laborem comparaverit (von der
arbeit es kauft) quod (allgemein: was) postea laboravit ant
fecit, posieus — introibit (-vit), in ipso cespite dimittat ubi
laboravit. Also etwa meliorisationen des grundstOcks. —
Hoc autcm ideo nunc adfiximus (nachträglich hinzugefügt
— eigentlich angeheftet), quia tantummodo causa ista —
per cawarßda sie judicatam (-ta) est, nam in Edicto scripta
non fuit. Das langob. wort wahrscheinlich mit suff. -ida
Grimm II, 242 und präf. ca- (ga.-). Vgl. Graff IV, 1236:
gihuuorbithu (conversione, Verwandlung). Etwa: nach ge-
wohnheitsrechtlichem verfahren (mhd. gewirbe, ich verfahre)?
Oder: nach Übereinstimmung? — P. 139: Nam posteus
(postquam) mundium feccrit. Femer XI: et post ejus cfe-
cessutn (nach des mannes tode) ad alium ambolaverit ma«
ritum (einen anderen heirathet) sine voluntate heredes (gen.
-is oder plur. mit weglassung von de davor statt gen.?)
prioris mariti, faida et anagrip non requiratur; quia po-
steus Romanum maritum sc copolavitj worin das se wahr«
scheinlich nach ital. weise dativisch (sibi) steht, kaum als
acc. (sich mit d. m.). Vergl. p. 219. Epor. copolaverit i.
sociaverit in conjugio (statt acc). Alio viro (eher accus,
als dativ) se copolare p. 139. — An die stelle von
quum setzen die romanischen sprachen quando. P. 140
kommt aufser dem quando auch zweimal quandum vor,
was vou einer vermengung mit dum herzurühren scheint.
Et ipsa ex peccatis*) scandalum (in schände zu gerathen)
cucurrere (das eine cu verschrieben, etwa ine?) visa est
quandum ad hoc malum (preisgäbe an einen anderen auf
anstiften des eigenen mannes) penitrandum (perpetrandum)
*) Sündhafter weise. So auch p. 103: Si frater fratreiu in pecc<Uis
occiderit. Ferner, et super alius (-os) vadunt pro peccntis^ über andere her-
fallen. Vgl. franz. envahir aus invadere Diez etyni. wÖrterb.
326 Pott
accessit, quia in majorem (masc. statt nentr.) scandalum
carrere non potuit^ quandum [quam d.?] se ad mortem traxit
(it. trarsi herbeilaufen, hinziehen; etwa: als hätte sie sich
selbst getödtet?). — P. 203: dominus suus — eum (servum)
cum illam quam sibi uxorem tulerit (der freien, welche er sich
zur frau nahm) possideat perpetim (hinfort) cum filiis eo-
rum. Zu perpes^ tis (perpetuus, continuus), welche ich
lieber zu pateo als peto (etwa: reichen?) bringen möchte,
mit 8u£F. -tim, obschon perpetim kein t-t (noch daraus s-t)
zeigt. — Certius (ganz gewifs). Z. b. p. 203 : quod certitis
ipse, supra quem (ital. sopra^ sotra präp. über, wegen) pro-
clamavit, illam ei (genauer ipsi, sibi) fecerit (sc. plagam).
Ferner p. 204: et cognitum fuit ceriins judici, wie ja auch
der comparativ in certiorem facere.
Unde (it. onde^ donde^ frz. dont) in den romanischen
sprachen für alle mit der präpos. de ausgedrückten Ver-
hältnisse (Diez III, 338). Daher p. 109: Si quis rapuerit
qualemcunque femina libera (acc.) saecularem, unde (för
welches verbrechen) in anteriore Edicto legitur conpositio
solidorum DCCCC. — P. 135: Hoc autem de his causis
dicimus, unde (in betreff deren) cartolam commutationis
aut vinditiouis (tausch- oder kaufur.kunde) homenis (homi-
nes) inter se non faciunt; nam (jedoch) unde cartolam fa-
oiunt et ostenduntur (cartolae), sie deveat esse (soll es 80
gehalten werden) sicut in ipsa cartolam legitur. — P. 145:
et unde (wovon, d. h. von der tödtung) habent dolore (iu
statt -em), habeant in alico (einigermafsen, it. in qualcbe
modo) propter mercedem (aus der als wehrgeld empfange-
nen summe) consolationem. — Ebenda: cognovimus multos
actores nostros qui tollebant (erhoben, nahmen) de siogulis
unde (von dem — so viel) decem solidos, unde sex, unde
amplius (eher =» noch weniger?): et dabant talem spatium
{dare späsiio m., frist geben) atque tranquilla (statt tran-
quillita f. oder tranquillo m. ruhe, ungestörtheit), donec
ipse qui homicidium faciebat obsegrare (durch bitten er-
reichen, it. ossecrare inständigst bitten — gleichsam bei
allem, was heilig ist) poterint (mit weglassen von u conj.
ruinan. ulementc in den Inngobardischen gesctzen. 3^
pcrf., oder wohl besser statt possent conj. imperf. von it«
potere), ut exinde nihil darent (mit Wechsel des numerus).
— P. 1 14: Res ipsas unde legitur non possederit. — P.120:
linde (worQl)er) ipsa conpellatio agitur.
F. 65: Si quis tintinno (eine schelle) de super*) eo^
rallo aut bovem (von dem halse herab) furaverit. Dano
p. 22: crimen ipsum de super se eicerc, die beschuldigung
von sich abwälzen. So auch p. 97 als bibeicitat: omnem
(als ob auch die III. ein neutr. -m erheischte) datum per-
fectum (und alle vollkommene gäbe) de sursum est (kommt
von oben herab). It. dal (gleichsam de-ab illo) di so-
pra^ dal di sotto (franz. dessus mit sursum, susum, und
dessous aus subtil s), von oben, von unten. Si ambo caa-
satores de sub ipso sculdahis sunt (p. 106). Desgl. p. 90.
107: Si homines de sub uno judice, de (sub weggelassen)
duobus tarnen sculdahis, causa [mj habuerit [-intj.
Als neu oder wegen neuer anwcnduug bcmer-
, kenswerthe Wörter.
Nach den obigen ausführungen , welche zumeist das
in den langobardischen gesetzen fibliche grammatische
gebahren einigermai'sen im überblicke vor äugen zu führen
bestimmt sind, beschäftigen wir uns jetzt noch mit einigen
ausdrücken von lexikalisch wichtigem interesse. Also z. b.
bezeichnungen von Verwandtschaft. P. 1 lO: statuere pre-
videmus, ut amodo (von jetzt, inskünftige) nullus homo
presumat relicta (die hinterlassene wittwe) de consoprmo
(s. Diez etym. wörterb. cngino s. 119) aut insoprino suo
uxorem ducere. In Adelungs glossar wird gefragt, ob
unter dem zweiten ausdrucke der filius consobrini zu ver-
stehen sei. Ein comp, mit sobrinus (sp. sobrinOj na neveu,
niece) haben wir jedenfalls vor uns; allein die lesung des
*) Auch in: 8i «luls ^oyiut [d. i. corri^iuA Diez etyiii. wörterb. 8.321. 1)
de boviH |e8] juiutorios (/.um annpannen, wie juiiicnta, s. p. 58) koiiiito (I«h
de orllich genoinniuii sein: von ileu ochsen selbst. Allein nichts hindert, e»
für orsatz des gen. zu halten.
a2H Pott
nicht nar sonst unbekannten als auch von seiten der präp.
völlig unverständlichen wertes halte ich für irrig. Unter
den varr. p. 3G1 heilst es: Cav. aut bisobrino; deest iu
Verc. Das bringt uns auf die rechte fahrte. Da wir iu
unsern texten öfters b statt v (geschr. u) finden, ist klar:
uisoprino müssen wir lesen, und dann bekommen wir (das
8 doppelt genommen) ein analogon zu bisneptis^ abneptis;
und bisoüus (ital. bisavo, sp. bisabuelo^ franz. mit deminu-
tiv-endung bisateul)^ bisavius, proavus. DC. Sp. biz-nieio^
ta Arridre-petit-fils ou petite-fille. (Nieto, a von nepo-
tes durch Verpflanzung in decl. IL I.). Das i in frz. ateui,
eule (sp. abuelo^ la^ it. atolOj a ohne dasselbe) hat seinen
grund in avius^ abius statt avus bei DC. und auch öflcrs
in unsern edictcn z. b. p. 120. 122. 139. Etwa nur an-
scheinend in analogie mit acta, worin -ta motions-endung;
und wahrscheinlich vielmehr adjectivisch (mit ergänzuDg
von pater?). — Gleichfalls p. 110: Item hoc censemus et
precipimus (meinen und befehlen wir), ut nullus presumat
cummatrem (ital. comare, frz. commdre^ gevatterin; sp. co-
madre aufserdem hebeamme; gleichsam mitmutter) suam
uxorem ducere, sed nee filiam quam de sacro fönte levavit
(nee filias de fönte p. 91), ueque filius ejus presumat filiam
illius uxorem ducere qui eum de fönte suscepit^ quia spi^
ritalis (it. spiritale geistlich, neben dem richtigeren «ptrt-
tuale) germani (geschwister) esse noscuntur (angesehen wer-
den als — ?). It. levare al sacro fönte ^ gevatter stehn,
was, des al wegen, eigentlich wohl: auf den bänden hal-
ten bei dem taufstein, il fönte battesimale, frz. tenir sur
(über) les fonts (plur.), und, streng genommen, nicht: aus
der taufe heben. Pathe: figlioccio^ a, frz. /i/feti/, lle. —
P. 132 no. III: Si quis aldiane[a-m? art hörige, leibeigne]
alienam aut suam ad oxorem tollere (zur frau nehmen) vo-
luerit, faciat eam fcidribora*)^ sicut Edictus contenit de
*) WUribora p, 53 gleichsam „wiedergeboren**, regeneratus, 8o dafa sio
dadurch zur freien und gleichsam ^ wohlgeboren** wird? P. 40: Si quis dere-
liquerit dlium Icgitimum uuum, quod est /«{/um. Dazu die Varianten p. 802:
Ita Verc; wolforan Epored.; fulbor Cav. et Ha.; fulbor Heroldus; cd.
roinau. demente in den langobardischen gesetzen. dSfi9
ancillam; uain qui sine ipsa ordinatione (gleichsam stao-
deserhöhung, wie z. b. in regem aliquis ordinatur?) quasi
oxorein (nur gleitbsam als concubine, kebse) habuerit,
filii qui ex ea nati fuerint non sint legetimi, sed natu^
ralis (-es). „Natürliche kinder", d.h. nicht im gegen-
sat^ zur kunst, sondern gleichsam in roher natOrlichkeit
erzeugt, ohne die eindäramung der lex (legitimi, rechtm&-
Tsig), also gegenüber den ehelichen (von ahd. ewa^ urspr.
gesetz, später ehe Graflf I, 510). Vgl. im englischen die
bezeich nung der verschwägern ng: Father, mother tu
law (im gesotz), son, daughter — in law; brother, sister —
in law, zur Unterscheidung von der wirklichen physischen
oder der blu tsver wand tschaft. Man vergleiche den streit
darüber, ob die Wörter (fvasi oder vouro seien (Steinthal^
gesch. der sprach wiss. s. 72). — Vesme p. 219 matrinia
(iU matrigna) i. noverca. Allein p. 110: De bis qui de in-
licito matrimonio (gleichsam mutterschaft, welche durch
die ehe ihre berech tigung erhält) nati sunt vel uascuntur,
id est de matrinia^ ßliaslra { it, figliastra Stieftochter) vel
cognata^ quod est (worunter zu verstehen, nämlich nach
ital. sprachgebrauche, hoc est) uxor fratris aut soror uxo-
ris. Im italienischen bedeuten cognata „Schwägerin^ und
cognato „Schwager", ganz wie neugriech. xovi/««^*«, -Jov;
Rofs, reisen auf den griech. inseln III, 183, obschon die-
selben in Wirklichkeit keine cognati sind, sondern blol's
affines. — Ebenso p. 47: Nulli leceat noveream suam, id
est matrini€un qui (statt quae) fuit uxor patri(8), neque
Murat. fulboram; Canciari fulboran\ cod. Cathedr. Matin. apud Murat /«/-
bomet (das et blofs wkderholang des folgenden lat. ei filias naturalis). Etwa
„vollgeboren", wie Vollblut, vollbUrtige gesch wister? Vgl. Grimm II,
632. Doch, wenn/ im zweiten gliede besseres recht hätte, etwa zu ahd.
fülle fuor (praevaluit) von foll foran (kaum uuola ferit, beiie, und wohl-
farth in betreff der lesart wolforan) Graff III, 556. Bedenklich ist aber
nicht nur, dals im part. prät. goth. /«rnw* das a bleibt, sondern dafs auch
kein recht zusagender sinn herauskommt. Das fulfrca, fulfreal der lango-
bardischen gesetzc (s. Graff III, 786) könnte auch etwa: »vull (ganz) frei"
bezeichnen wollen, obschon die lesung fulc/ree auf comp, mit volk leitet
Etwa vor dem volke (publice) frei erklärt? Ganz verschieden ags. folcfrea
gcfolgsherr, wie no^fttiv laoiv
privignaui, id vai liliaslra., iioque cugnaia^ qui (quae) fuit
oxor fratris, oxorein ducere. — P. 42 iio. 1()4: Si quis ex
parentibus (verwandten, it. i parenti), id est barbas (mit
8 aus it. barba iii. onkel) quod est patnius, aut quicunquc*
kix proximis, dixerit de nepote (it. nepote hier unstreitig f.
iiefle, und nicht enkel) suo aut consoprino (vetter) doloso
animo, quod de adulterio natus, nain non (nicht aber) de
certo patre. Dagegen no. 1()3: Si quis in inorte[-m] paren-
tibus suis iosidiatus fuerit (heinnlich nach dem leben trach-
tet, wie etwas später: cujus de anima tractat^ it. insidiar
la vita altrui, aber tratlatore anstifter böser händel), i*!
est si frater in morte (statt acc?) fratri suo, barbanes quod
est patruis (also auch barbanes wohl als dativ auf -is), seu
consubrini[-s?] insidiatus aut (oder zu deren tödtung?)
consiliatus liicrit. P. 47 no. 186: elegendo qui muiidiuoi
ejus (inulieris) in potestatom debeat habere, vult a patrc*
(wolle sie nun zum vater), si habuerit, vult ad fratres, vult
ad barbanes (als ob nach decl. III, zu den oheimen, it.
barbani)^ vult ad manura regia (in den königlichen schütz).
Die oheiine, eigentlich die bärtigen, als ehrentitel Diez
etymol. wörterb. s. 385, wie lat. barbatus im walachischeu
die bedoutung „männlich^ bekommt. Dief. barbanus ojme,
vedder, vaders broder in seinem Gloss. Germ.-Lat. Mit
gleichem sut^ix die bezeichnung der tauten p. 170: nam
amedanis (die tauten, engl. auni\ im Matr. amiiis^ was der
endung nach unstreitig richtiger amitae) suorum nepotum
(ihrer nefFen) possessionem capere nullu modo (das zweite
u statt o) potebant (poterant), quia nihil de eisdem ome-
danibus (also fälschlich nach III, da kaum wie iiliabus;
im Ma. hier richtig: amitis) prior contiuebat Edictus (f.D.).
— P. 126: Si quis cum servo aut aldione vel cum perte-
nentem (it. pertinente^ angehörig) alicuo (mit dem angehö-
rigen — hörigen? — eines anderen) de qualiscumque (-s
falsch, und kaum plur.) rem conveuerit. Vgl. p. 203 uxo-
rem tulerit qui (quae) ad palatium juxta legem pertinebat.
Dagegen p. 110: qui cum palatio aut rege tenent (es hal-
ten, s. Adelungs glossar), wie it. tener con^ per uno; te-
romaii. eleinento in den langobardiflohen pfosctzou. 331
nere il partito di alcimo; franz. tenir pour ou contre quel-
qu'un.
Körpertheile. P. 79: Si quis homiiii \\bero brachio
(acc. brachiiim, it. braccio^ franz. bras) super (oberhalb, it.
SU mit verlast nicht nur von p wegen des verwandten u,
wie in franz. sur, sondern auch von r, wie z. b. in marmo)
govito (lat. cubitum n. oder us m.), hoc est murioth (s.
Grimm gesch. s. H96 ), ruporit ( it. rottura di braccio , di
gamba arm-, beinbruch. Frz. casser aus lat. quassare), con-
ponat solidos XX; si autem (lat. sin) snbtus (it. sotto, frz.
sous, als präpp., während im latein. blofs adv.) gotnitum
(lt. gomito m.), quod est treno^ conponat solidos XVI.
Vergl. Gloss. Matrit. p. 233: Tibia i. e. subtus genuculum
(it. ginocchio^ das erste o statt u, knie. Ascoli Studj crit.
p. 73). Si coxa (acc, it. coscia Oberschenkel, franz. cuisse
Diez etym. wörterb. s. 113. 1) ruperit super f7enic?//Mm (mit
deui feineren, allein etymologisch unberechtigten i statt u).
Si vero semus aut clodus fuerit sqq. Das letzte wort, lat.
claudus (bei Plautus auch clndus)^ ist dem Italiäner abhan-
den gekommen, da chiodo sowie chiovo aus clatus ent»
sprang. Diez etym. wörterb. s. ii95. Dagegen semus kann
nur etwa „verstümmelt** oder „halblahm** bezeichnen wol-
len. Semus ^ mutilatus, qui non integro est corpore (aus
lat. semi-) DC, it. scemo u. s. w. Diez a. a. o. s; 307. It.
luna scema mond im abnehmen, wie im DC. vetus inter-
pres Juvenalis ad Sat. 6 (vielmehr VII, 89): Semestris
(halbmonatlich, mit aufgeben des einen m vor m) autem
Luna dicitur, cum mensis medium permensa est spatium:
aut xemum (leg. semum; vielleicht nicht noth wendig, we-
gen span. xemcj halber fufs) dicit, cui ut (luna) plena sit,
parum admodum est. Danach ist Xymam (also auf luna,
nicht spatium bezogen) Juven. ed. Schrevelii p. 2o6 und
in Juv. Commentarii vetusti ed. Gramer p. 28b*, so viel ich
muthmafse, zu verbessern und zu erklären. Gramer indefs
will lesen: ad XV. diem scilicet cui, ut pl. sit u. s. w., was
eben so willkürlich ist als unnütz, indem das dicit (vergl.
d. zeitschr. 1, 386) im munde des scholiasten auf den autor
332 Pott
geht, welchen er commentirt. Jener will sagen: Juvenal
meine, verstehe unter seinen werten (dieit) einen fast vol-
len mond. — Si quis alium intra capsum plagaverit (ital.
piagare^ frz. player verwunden), conponat ei sol. XX., bei
Zaehariae Fragm. p. 57 fibersetzt: \f^civ rtg iregq) elg r«
xüvcß a Tov au)uaTo<i ^^-V^iJ (dor. nka^eu Theoer. 22, 124
zusammenhängend mit plaga), ^f]iuova&a) vo^iafiara x\
Bei Skarlatos in seinem ncugriech. wörterb. xovtpccQt (rö
xoQui ano raig nXdraiq ^vjg rd fiegid). 'Okuog^ corsage.
Auch (TxeksTov carcasse. Die ableitung von xov(fog (leicht)
sei deutlich. Dies jedoch wohl nur insofern, als leere
höhlungen (an unserer stelle aber wird die bnist- und viel-
leicht auch die bauchhöhle gemeint) leicht zu sein pfle-
gen und daher xovcpov „cavitas*^ bedeutet, s. DC. Aehn-
lieh bei Vesme p. 33. 34 z. b. CI: Si quis aldium (Graff
I, 246) alienum (statt dativ) aut servum ministerialem (der
ein handwerk versteht) plagam (d. i. vulnus) intra capso
(it. ca^so^ thorax, die brüst) aut sagitta (it. saetta; franz.
ganz anders: fleche, vgl. flitzbogen) aut con (instr. und so-
mit beides, nach form und gebrauch, vollkommen italiä-
nisch) qualecit (qualibet) arma (oder mit jeder anderen
waffe; s. früher neutrum) fecerit (lat. infligere, inferre), con-
ponat solides sex, excepto (also unverändert) operas et
mercedis medici (mit ausnähme der heilungskosteo). Casso
mit gleicher assimilation , wie in cassa aus lat. capta; it.
esso aus volksmäfsigem lat. issus (ipse), nämlich aus cap^
sum^ bei DC. thorax, pars concaea corporis costis circum-
data, wo auch engl, ehest d. i. unser brustkasten, indefs
nur dann mit recht angezogen wird, im fall man auch kä-
sten (Graff IV, 530) aus kapse, ahd. kafsa ib. 379 =
lat. capsa (kapsei aus Capsula, woher homo de Capsula „ein
mann wie aus der lade genommen^, so übertrieben schmuck)
entstanden glaubt. Das t vielleicht, wie öfters hinter s,
z. b. einS't^ zumal des auklangs au kiste wegen, das aus
lat. cista (noch zur zeit, wo man es ohne zischen sprach),
xiöTfi (zu xeiuaij vgl. (h\xt}^ mit etwas auifölligem c) ent-
lehnt worden. Capsa vielleicht als aufnehmendes gefäfs.
roinan. elcmenio in den langobanlisclien gesetzen. 33S
von capere^ capessere. Möglicherweise selbst casses jäger-
garu wie frz. chasser aus capiare (jedoch unter eindrängen
von i hinter t) abgeleitet. D^egen p. 203: petitio illius
cassa maneat, d. h. hohl, nichtig (wie anderwärts in den
edicten taciuz für irrita; und schon lat. cassare kassiren,
it. vernichten, für unkräftig erklären). — . P. 33 art. 103^
Si quis servum alienum (statt dativ) rnsticano (der zum
feldbau dient, gegensatz z. b. ministerialis, band werker)
plagam in caput (auf den köpf, oder: am köpfe?) fecerit
iit cutiga tantum rumpatur. Noch genauer bestimmt in
art. 46: ut ciiiica tantum rumpatur (d. h. was) quod ca*
pilli coperiunt (f. coop., it. coprire^ frz couvrir). It. pren-
dere uno per la cftticagna^ einvn beim köpf kriegen, bei
dem haar, das an dem genick ist. D. h. köpf haut, aus
cuticula^ dessen (ohnehin betontes) i unstreitig nur aus
versnoth lang gebraucht worden von Juv. XI, 203 und
Pers. IV, 18. Da -cula^ da im ital. zu -chia würde, ist
wahrscheinlich nicht an dieses, sondern an blofses -ca, wie
in scutica^ 6u£f. -agna aus lat. -aneus gesetzt. Diez II, 281
z. b. calcagno (calx pedis). Vgl. it. mali cutanei'^ fubcu-
taneo^ unter der haut befindlich, aber Schwanzriemen (po-
stilena) : soccodagnolo aus coda^ lat. cauda, CuHca schwer-
lich als kfirzung aus cutis capitis. Sonderbar genug aber
mufs einem späteren abschreiber von dem titel no. VII in
Liutpr. Ed. p. 89: De morgincapud mulieris, indem der
germanische Ursprung des wertes „ morgengabe ** verdun-
kelt war, das irrlicht von einer comp, desselben mit
lat. Caput (im sinne von kapital) vor den äugen getanzt
haben.
Gebrechen. Im Edict. Roth. no. 62 (vgl. 68): et si
(manum) sie sideracerit et non perexcusserit a corpore,
wenn er die band nur gelähmt hat und nicht gänzlich (per)
vom körper abgeschlagen. Schon im alten latein siderari^
atrrooßoketdi^cct^ gelähmt sein, wie auch bei Dief. gloss.
lat.-germ. sideratus (i. ictuatus, sidere afflatus) gheroert
(vergl. vom schlage gerflhrt), ags. faerunge (etwa adv.
faeringa, unversehens) astorfen (abgestorben). Bei Zacha-
334 Pott
riae p. 58: *Eav ^t^impäeifj (welk geworden, abgestorben)
xai ovTc äxxonjj änu rov aciitaTog, — P. 28: Si quis alii
plagam in nasum fecerit, eonponat ei solidos sedicem, Bi
resoluiacerit {kh ovlojatj Zach. p. 56, also mit soUus ver-
wandt), ut tantum ccchatrice-s (kaum plur., sondern it. ce-
cairice mit neiiangesetztem zeichen des nom, sing.) appa-
reat. Dazu Vesme p. 289 : Resolut averit. Ita semperVerc;
recentiores codd. resolidaoerü. Letzteres, bei Dietenb. gloss.
lat.-germ., vgl. etym. forsch. II, 482, „wieder fest macheu%
an unserer stelle unstreitig: „wieder fest wird, anheilt^.
Auch vom obre: si resolutaverit, was demnach, als schwe-
rere lesart, nicht verdient beiseit gelegt zu werden. We-
der aber an salous (it. saldo ^ wohl nach analogie von lat.
validus, valde, und daher: la piaga si salda^ die wunde
schliefst sich), salus (resalutare bedeutet: wieder grQfsen),
noch an sollus ganz, etym. forsch. I, 780 möchte ich dabei
denken, sondern, der geringen Sicherheit in rOcksicht der
bedeutung ungeachtet, weil doch die form kaum einen an-
deren weg offen läfst, an resolutus^ das also hier wohl
mag für „wiederhergestellt" genommen sein, wo das
übel gehoben (aufgelöst). — P. 138: Si quis fororem
accepto battederU hominem liberum aut mulierem liberam
aut puellam qiii (statt quae) in scandalum (zu einem ge-
zänke) ubi veri (viri) litigunt venireut (wahrscheinlich statt
venerint und nicht conj. impf.), et per ipsas feritas (schlage)
ponderosus vel ponderosas (unstreitig sing, -a, wenn je-
mand — ) facti fuerent. Richtig ohne allen zweifei erklärt
(las adj. DC. durch: herniosus. Der anfang scheint nicht:
von wnth ergriffen, furore correptus, oder captus, wie ca^
pit tne odium; sondern acc. abs. nach weise von: capere
odium, wenn er in wuth kommt. Vielleicht nachdem die
wuth (in ihm) entbrannt, etwa wie bei Virg. VI, 250: Aridior
nubes occtpt/ ignem, fängt feuer. — Im glossar von Ivrea
p. 220: Egrotus i. inßnnus^ so dafs mithin der gute latei-
nische ausdruck durch einen romanischen, wenigstens sei-
ner gebrauchs weise neuen erläutert wird. Infirmus be-
deutet nämlich im latein nur: nicht stark, sdiwacblicb.
roman. demente in den langobardischeii gesctzcn. 335
Infirina atqiie ctiam aegra (was also mehr sagen will) va-
letiido. Cic. Brut. 48. Mit allmälig gesteigerter bedoutuug
jedoch steht inßrmitas (it. infermitd) für krankbeit, und it.
infermo ist: ein kranker. So wird es z. b. p. 55 bei Vesme
eine infirinitas geheÜ'sen, wenn einer ist lebrosui (it. leb-
broso^ leproso aussätzig, Graff VI, 305, vergl. mhd. misel)
aut demoniosus (statt daemoniacus, it. demoniaco, beses-
sen). De inßnnitate (lat. ex morbo, de vulnere) convalue-
rit p. 106. Vgl. it. uscir (exire) di malatlia genesen.
Vögel. P. 68: Si quis aceptorem {it, a' störe ^ durch
falsche umdeutung aus accipitrem, s. meine etym. legenden,
iui philologus suppl.-bd. II, 260), grova ant cecinum dome-
sticum (zahm) alienum intrigaverit u. s. w. Das verbuni
hier eher: wer sie beschädigt, als: sie beunruhigt, wie die
erklärung im Gloss. Epored. p. 216: intrigatu i. plagatuni
(also: verwundet) wahrscheinlich macht. Grova ist it. grtia
(was auch als familieuname vorkonuiit), indem eine Ver-
breiterung des u eintrat, wie in plucia^ flucins u. s. w.
Uebrigens ward das wort aus decl. III (seinem themati-
schen ausgange zufolge vielmehr IV) im lateinischen mit-
telst des Zusatzes -a in die I. verpflanzt, wie mau lat. nu-
rus, US dem geschlechte zu liebe hinten, um -o zu ver-
meiden, mit fem. a versah: nuora. Eine zweite ital. form
yrü dagegen ist noch das hLgru-Sj während eine dritte
grüe dem, bei Phädrus VIU, 7 vorfindlichcn nom. gruia
sich anschmiegt. Port, ^roa masc. Diez gramm. II, 18.(1).
— Den zuletzt genannten vogelnamen anlaugend hüte man
sich mit it. cicogna (ciconia) zu verwechseln. Gemeint
vielmehr ist sonder zweifet cecino, nach Jagemann im Dicc.
ehedem ein Schwan, anstatt des alten cecero^ cigno (lat.
cygnus*)). Wohl nur aus reinem, indefs sonderbarem zu-
*) Ich lese irgendwo (nur fehlt mir das citat): ^Seuahor (Stammvater
von Titurel), wohl gleichbedeutend mit Sen-iber, ist gleich Celtiber, weil Sen
oder Seim [kaum aus dem deutächen und selbst wohl nicht aus frz. ('ygne|
im armorikanischeu noch heute schwan bezeichnet; der schwan aber das
heerzeichen der Scnonen, eines herrschenden celtenstammes [also, mcmt
vcnnuüilich der autor, nach dem schwan benannt) ^eweseu^.
.336 Pott
fall heifst „der schwarze runde knoten in form einer kir-
sche, am schnabel des schwans'* bei den Jägern cece (lat.
(licer, kichererbse).
Feuer. Bei Zachariä p. 69: Si quis focum {TtvQj it.
fuoco^ (rz. feu feuer, nicht: heerd) in itinere fecerit, nod
Si quis focum (;n\>) super novem pedes a foculare (it. fa^
colare heerd, während das primitive lat. focus schon das-
selbe sagt) portaverit == idv rtg nvQ ^|w»7«i/ ivvia nodiav
(tTio Tov xaiiiviou (caminus, fornax DC.) ßaaräay u. s. w.
Der Schol. ad Juv. VII, 25 erklärt: Id est, fac focum
(mach ein feuer an, it. far fuoco) et combure (die gedichte).
In Alexi Gramm. Daco-Valachica p. 232: Locu focolui (ort
für das feuer) Focus; aber foau Ignis. „Ignis 1. (d.i. vel)
focus Tan^ Corn. bei Zeufs II, 1122. Ebenso aber auch
bei DC. Gloss. Gr. App. p. 86: 'Icfria (eigentlich heerd, al-
lein auch f. feuer), l^rto rijg airtag Tavrtjg rjusig Kiyo^Bv
To 71VQ ßa(}ßa()iL,ovTBg (wie focus ja auch erst in vul-
garer rede) lariav (ohne asper nach neugriech. weise und
mit /, wie im ion. larii}^ vermuthlich unter assimilirendem
einflufs des zweiten i\ öioti eig tov vctov Trjg'LöTiag vTviJQ*
yjv dei nore t6 tivq äoßeaTov. Der grund zu gelehrt; und
— einfach per synecd. Bei Diefenbach mhd. wörterb, fo^
carium (franz. foyer) eyn hert. Dagegen foculare fStober,
vwhii. focher Benecke 111,357, indem man ihn nicht nur
zur kohlung, sondern auch zum anfachen des feuere
(darum: fach er, schwerlich weil mehrfach gelegt) ver-
wendet. S. noch d. zeitschr. I, 389. Focale bei Adelung:
Stipes, caudex (holz auf den heerd?) und daraus engliach
fewel^ fuel brcunholz, Feuerung, nach weise von jewel Ju-
wel, aus jocale (tand), und, im vokale etwas anders, ver-
muthlich wegen des voraufgehenden v: vowel vokal. P. 123:
8i quis carrum et boves in silva sua invenerit, et lignamen
(it. legname holz, bauholz) superposito aut cum qualem-
cumque rem (franz. quelquechose) honerato (oneratum).
Geräth. P. 67: Si in pedica aut in taliola (it. tag-
Huola fangeisen zu iltissen u. s. w.; etwa weil es das thier
festhält und auch wohl in dessen giieder einschneidet
roman. demente in den Ungobardischen gesetzen. 997
nebst tagliuolo von tagliare?) fera tenta fuerit (gefangen
gehalten wird) et in horainem aut in peculium (vieb) dam^
num fecerit (it. fare danno)^ ipse conponat qui pedica (it
trapola, falle) misit (legte; nicbt: schickte), bei Zacharift
p. 80 6 nqv nayiStt ßalwp, wo der artikel beginnt: *Ea9
slg nayiSa tj €lg (jLayyavov &fiQiov xgar^df xal üg ai^
&Q(07tov rj slg xrijvov ^7jfiiap noiijay, „Festgehalten wird*
aus ngr. xgarw^ frz. retenir (mit gewalt, XQctTog)^ xari^Biv^
welchen sinn jedoch (mit acc.) es auch schon im älteren
griech. zuweilen vertritt. Mi^ts doXog xgcttuadio (nee do-
lus teneatur, es bleibe kein groll zurück). Eig könnte das
erste mal schon ganz, wie im neugriechischen, fnr hv ge*
setzt sein; doch hatte man hier wohl noch im besonderen
das vorausgegangene hineingerathen in die falle vor äu-
gen. Sollte das zweite mal aber Big, lat. in (hominem) im
feindlichen sinne gegen (oder verübt an — ) bezeichnen?
Den blofsen dativ vertreten sie wohl kaum. — Zach. p. 80
giebt an , wie 24 sttmden nach dem aufgeben der Verfol-
gung das angeschossene wild dem schützen gehört, elg
ovo^a (name, person) tov ro^Bvaavrog Hano t6 ^aiov; —
quando eam (feram) postposuerii (zu verfolgen aufgehört
hat, it. posporre hintansetzen, vernachlftssigen) et se ab ea
tomaverit (it. distomare^ wovon abstehen). — P. 77: Si
quis pastoriam de caballo alieno tulerit. Die spannkette
für die pferde, Sprungriemen, heifst iL pastoja^ fessel am
füfse auf der weide (daher zu pastor, pastnra) Diez etym.
wörterb. Vergl. Kuhn, beitr. III, 323 und „die gftnse im
tüder% eine der fibersohriften in Rügens memoiren bd. I.
In der griech. Obersetzung: *£dp rtg nidovxlov k^ innov
aQtj. UidovxXov erklärt DC. quasi ped*ungnla, welche
deutung jedoch hier nicht pafst, da vielmehr das wort wie
von pedica ausgehend gedacht sein mufs seines u unge-
achtet. Vergl. Diefenbach gloss. germ.-lat. p. 420. Dage-
gen: Si quis capistrum {xaniatQiov mit deminntiv-endung,
it. capestro halfter) de capite caballi tulerit. Also etwa
capiS'irum mit Umwandlung des t vor t in s, gleichsam
als kopfzeug vorgestellt, obschon das sufi'. -trum^ als von
ZeiUchr. f. vgl. gprachf. XIII. 6. 22
338 Pott
verben ableitend, eher herleitung von capisBO, •eseo (half-
ter — zum greifen?) rechtfertigte. — Zach. p. 77: Si
quis vitem exspoliaverit i. c. adminicula tulerit super IQ
aut IV. Ein winzerausdruck für die stäbe, auf welche
der weiustock sich umrankend stQtzt; im Gloss. Matrit.
p. 234 erklärt durch adjutoria de pali (schon ital.), mitbin :
halfen (stützen) der pfähle, it. pali^ lat. pedamen. Nicht also
etwa für die claviculae. Gr. kciv n^ ßkaazovg (Skarlatos:
bourgeon, rejeton; DC. ßkaötd^iov^ pampinus; also kaom
jtXaötovq^ was der Cod. allenfalls auch zu lesen gestattete)
äno xkifiarog xkäiptj (als anakoluth xkhjja^ im Cod.) xai
dfpaviay rd xkifAara. Die reben oder das gelftnder? Im
letzteren falle aus xXivat^ wie x?uficc^^ vergl. DC. xAciia-
TiQTj Vitis arbustiva. Oder, was vermöge des itakismus
(s. zu anf.) recht wohl anginge, aus xkijua Cep, sarment?
Letzterenfalls würde man doch unstreitig den plur. ei^
warten, indem xkrjuce schwerlich collectiv steht und die
Verletzung eines einzigen rebstockes weiterhin vorkommt.
Aber geländer und pfähle, s. demnächst, wozu? — Wei-
ter: Si quis palum (it. palo, weinpfahl) quod est carratimm
(d. i. ;|fa^ofX£oi/ als deminutiv von x^Q^> weinpfahl, woher
bei Columella characatae viueae; also nicht aus quadratns).
Dafür griechisch: '£dv Tig Tiakovxiv dno xkifiarog (vom
geländer?) xUipt] xal xQartj&rj — und man sich des pfah-
les bemächtigt, um sich ihn rechtswidrig zuzueignen (DG.
XQdxriua Possessio. Bona). llaXoixiv (neutr. statt *foy),
bei Skarlatos nakovxi Pieu, ist natürlich deminutiv von
palus, i, obschon an letzterem, da es nicht nach IV geht,
das ov keine rechtfertigung besitzt. — Vesme p. 65: Si quis
vitem de una fossam (d. h. doch wohl: nur einen wein-
stock, der in einem einzigen loche steckt, also ohne ab-
senker) asto capelaverit (mit vorbedacht abschneidet), cofr-
ponat solide uno (acc). Mit einer ziemlich billigen bnfse.
Noch billiger: Si quis trauicem de vitem inciderit, conpo-
nat tnedio (halb, dimidium; vergl. it. me«so mitte, hälfte)
solide. An TQd(pri^y r^fdnri^ balken, pfabi, pfoeten, darf
man nach dem zusammenhange nicht denken. Es wird
roman. elemente in den langobardischen gesetsen. 998
lat. traducem sein könoen, wo nicht ein mit it. iralce^ tral"
cio rebscbofs, gleichstämmiges wort.
Grenzverrückung. De snaida in silva alterius
facta. Vesme p. 57. Aber p. 234 aus Gloss. Matrit. Te
clatura id est sinaida^ worin das i zur mildemng der aus*
Sprache zweier conss. eingeschoben worden. D. h. nun;
einschnitt Graff VI, 844, sowohl nach dem langobardi-
sehen als nach dem romanischen ausdrucke. Zaohariä p.
73: Si senrus extra (ohne) jussionem domini sui theclatu-
ram (it. tagliatura schnitt, einschnitt; span. tcyadura Gou-
pure, taillade, incision) aut sinaidem in silva alterius fece-
rit, manus ejus incidetur. Dies nach dem jus talionis. Ein
bloises an- oder einsehneiden der hand, nach strengem
wortverstande der präp. »n, übrigens ist schwerlich gemeint^
sondern, wie inddere in unseren texten (auch zufolge
Zach. p. 55, freilich auch in andern Wörtern i^x. statt kxx.^
kyxonreiv statt kxx.) zum öfteren vorkommt und wie auch
die griech. Übersetzung hier verlangt, ein völliges abhauen
derselben. *E(ip ug öoikog ävev rijg xekaw^iag rov xvgior
avTOV äxxonrjv noi^aji tj ötoQiafAOv (abgrenzung) iv rro
koyyq) (ilL, mit erloschenem rhinismus, lug wald, DC. koy-
yog Saltus, silva. Item vallis, angustiae), kxxun^ xsigog
aTiairdod-ta, D. h. es werde ihm durch abhauen der hand
gleichsam die strafe abgefordert. Vgl. poenas expetere ab
aliquo (wie umgekehrt dare poenas) und bei DG. anaiT}}-
Tai vectigalium exactores. Mithin zunächst unstreitig vom
einfordern der mulcta oder in dingen von geldeswerth
als strafe. Dafs es sich an unserer stelle um betrügeri-
sche verrückung der grenzen handele, ersieht man auch
aus Anschütz, lombarda- common tare p. 57 im Tit. de
eo qui terminum antiquum corrupit et novum fecerit, wo*
rill es z. b. heifst: Set si propter intentionem (in böser
absieht, sich von des andern eigenthum was zuzueignen)
Signa nova in silva posuerii (grenzsteine oder -pfthle?),
XL solides über conponat, servus XX aut manum perdal.
„Die Göchhausen wird Ihnen den garten und durch die
schnei fsen (in Sachsen gradlinige durchhaue durch das
22*
34« Pott
holz) die hQbscbestcn aussichtspunkte von Ettersburg zei-
gen". Hohe freunde, von Robert Heller s. 185. Wahr-
scheinlich verw. mit uiederd. snaat f. grenze, 6. Heyse wör-
terb. unter: schnaiteln. Bei Hebel schnatte, wunde.
Bemcrkenswerth indefs wäre bei den Langobarden das d
in snaida und nicht etwa z gemäfs den ^schneifsen^ und
dein t in niederd. snaat. Indefs haben wir doch jetzt
noch schnitzen und schneiden nebeneinander. Die ^x-
xoTtTj im walde ist nun, allem vermuthen nach, als ein
durch hau oder aushau mittelst fällung von bäumen nnd
abhauens von zweigen zu verstehen, so dafs ein räum zur
grenzbestimmung frei blieb. Frz. laie heilst ein durch den
wald gehauener weg. Diez etym. wörterb. 671. Nicht aber
das aushauen eines Stückes aus bäumen, steinen u. s. w.
die grenze entlang, was als zeichen hätte dienen müssen,
ähnlich wie man gegenwärtig mittelst des forsthamniers
bäume zum fallen bestimmt und sonst anderweitig dem,
welcher sie bekommen soll, anweist. — P. 113: Si quis
aslalaria [astt^l.PJ alterius capellaverit. D. h., wie Adelung
gewifs mit recht erklärt, wer eines fremden Silva unde h€Utae
aut hastilia (it. asia schaft) caedebautur (also von uns genannt
„Stangenholz") abhaut. — P. 150: Si quis porcus (-os) in
silva alienam diffensam miserit, d. h. nun entweder wirk*
lieh: verwahrt durch eine feuz, oder blofs, in welchem sn
hüten (durch zeichen etwa) verboten („zuschlagt).
Diebe. Statt für haben die langobardischen gesetaee
meistens furo^ onis (vgl. d. zeitschr. 1,315). Daraus erklärt
sich dann ital. furoncello wie ladroncello^ kleiner dieb (aus
ladrone^ lat. latro)^ obschon ein deminutiv zu dem amplia-
tivum furone^ grofser dieb, sich nicht sonderlich schickte.
Auch ohne n im primitiv it. arconcello (arco, lat. arcns
IV) und borroncello (borro, graben). Vgl. bei Zeuis, Gramm.
Celt. p. 281. iäid'dn (furunculus glossirt) als deminutiv von
täid (für). Beim DC. forania^ mulier quae fiiratur. Von
für auch das frettchen, s. Förstemann d. zeitschr. I, 505,
frz. furei (Mustela furo L.) mit deminutiv -endung gleich
mtir-ef, murmelthier Diez II, 305 (1). Aehnliob vom steh-
roman. elemente in den langobardischen gesetzen. 341
len (skr. mus) ja auch der name der maus. Z. b. p. 17:
Si portonarius furanem hominem sciens (wissend, dafs er
ein dieb sei) transposuerit (fibersetzt) cum aliquas res for-
tivas. Ferner p. 123. De furonibus. Et ipse de eo faciat
quod voluerit, mache mit dem diebe was er will, — wftb»
rend iui lateinischen der blofse ablativ genfigt. It. che
farö io di voi? Diez III, 149. Et si postea in furto ten-
tus fuerit (ertappt, festgehalten), decalmt eum {decahare
im it.: zum kahlkopf machen) et cedat (caedat) per disd-
plinam sicnt devit furoneni (wie es sich für einen dieb ge-
hört) et pouat ei signum in fronte et faciae (durch brand-
marken?), et si nee sie emendare (statt -i pass., sich bes-
sern) voluerit, et post ipsas distrinctiones (trotz solcher
Zwangsmittel, solcher bestrafung) in furtum tentus fiierit
(im rfickfalle), vindat (i statt e) eum foris provincia. I>w-
ciplina hier, wie bei den Italiänern, geifsel zur Züchtigung.
Span, disciplinas pl. Discipline, esp^ce de fouet de corde-
lettes ou de chaine. Disciplinare bei Diefenbach gloss.
lat-gerni. nicht blofs: lehren, sondern auch: zfichtigen, ka-
steien. P. 60: Si mulier libera fulfrea (s. ob.) super furtum
(fiber dem stehlen) comprehinsa fuerit, wie in furto compre-
hensus Caes. B. G. 16 fin. und vom Hesperus, der fures com-
prehendit Catull. 62, 35. Oder: Si aldia aut ancilla super
furtum tempta (d. i. tenta, festgehalten, wie häufig tem-
ptare). Mit beiden vergleicht sich rQcksichtlich der präp.
fiber (bei) it. esser colto (eig. collectus) sul furto. — Vesme
p. 21: Si quis scamarcu (trotz des -as, wohl nach deck I
m., nicht f.) intra provincia celaverit aut anonam dederit,
anime suae incurrat periculum (soll er es mit dem leben
— oder: mit dem tode, mortis — bufsen), aut conponat
rcgi solidus (-os) nonientos (i statt g). S. Grimm, gesch.
8. 695. DC. v. Scamares. Für germanisch möchte ich das
wort nicht halten. Vergl. Schaffarik, slaw. alterth. I, 51.
Russisch ist sisimora (als wäre es redupl.) ein listiger be-
trfiger, spitzbube. Der hohen strafe wegen kann unter
diesem namen nur etwas schlimmeres gemeint sein als in
skcmmardkas lith. zufolge Mielckc deutch-lith. wörterb. s.
342 * Pott
445: Spielleute Psalm. 68, 26 , russ. skomoröch lustigma-
eher, Bpielleute. Rein zufällig ist der anklang an ung. «isa-
mär esel, das sich schon durch den accent als aus mlat.
sagmarius (saumthier), it. somdro (lastthier, esel, maulthier)
entstanden bekennt.
Hexe schelten. P. 49: De crimen (statt eriminc,
beschuldigung) nefando. Si quis mundium de puella libera
aut mnlierem (statt ablat.) hahens eamque (das -que unge-
nau hinter dem part, oder gleichsam emphatisch: obgleich
er hat, — sie dennoch) strigam quod est (der folgende ac-
cusativ durch eine art attraction) mascam clamaverit^ ex-
cepto pater aut frater (statt ablativ; oder vermuthlich: es
sei denn der vater oder bruder), amittat mundium ipsius.
Clamare ist hier gebraucht, wie it. chiamare^ heilaen, nen-
nen. Diez etym. wörterb. s. 98. 1. Vgl. rufname. Masca,
jetzt maske, it. maschera^ woher maskerade, hatte also ehe-
mals gleich larva larve, maske, eigentlich gespenst, noch
einen lebendigeren sinn. Ueber die streghe (sing, strega^
hexe) in Rom s. Stahr, Ein jähr in Italien II, 409. Die«
etym. wörterb. s. 335. 472. Walach. in Lex. Bud. p. 678
strigöe (saga, maga venefica). Bulgar. stHiä^ spätgriech.
arglyka. Alban. bei Bianchi: Sctriga^ pharraaceutria; striga^
saga (vgl. V. Hahn, wörterb. s. 127a), striginia^ praeoan*
tatio, aber sortetij (magia), aooTcioi {a bipunctirt, gespro«
chen wie unser seh) Wahrsager, wie frz. sorcier aas sars^
woher ja desgl. sortilegus. — Ebenda: Si quis — form--
cariam (ital. hurenhaft) aut strigam clamaverit. — Tuno
pro ipsum vanum inproperii sermonem^ quod non oonve-
nerat loqui, conponat cet. It. improperio Schimpfwort, wie
im späteren lat. improperare z. b. lex Sal. p. 85 ed. Lasp.,
schimpflich vorwerfen. Ich bin des glaubens, so wenig
gleichstftmmig mit opprobrium^ approbrare {TtQOfpogd, vor-
warf), als zu improprius und etwa anschioklichkeit (vergL
frz. propre, geeignet), sondern, als draufloefahren, zu pTtH
perare, vgl. insultare (eigentlich draufspringen und dadurch
beschimpfen).
Urkunde, docament. P. 206 ut soli notaiii breve
roman. elemente in den langobardischen gesetsen. 34S
(brief, wahrscbeinliob statt brevem ebenda; wenn neutr.,
etwa scriptum), sicut et cetera munimma (scbreiben, wo-
durch man sich schützt); allein p. 201 ut brebes (etwa
epistolas?) nonnisi notar [-ii] scribant. Jedoch an erster
stelle auch: Bt quiscunque deinceps brevis fuerit absqne
notarii subscriptionem ostensus, — P. 134: Si quis poese«
derit qualiscunque (statt acc.) rem movilem (mobilem) aot«
immovilem — per cartolam falsam, wogegen demnächst
per ipso monime (munimen) falsum. — P. 202: De munü
mine perdita (etwa am ersten werte hinten -a, oder am
zweiten -o?). P. 204: Preveat sagramentum (leiste den
eid) idem possessor — quod de eamdem rem vel casa (bans)
veracia habuissei (statt conj. perf.) munimina (dokumente),
sed ea per ignem aut a:&alaUonem seu depredationem per^
didisset. It. scialare ausduften, ausdunsten, hat mich auf
den gedanken gebracht, ob nicht das ungewöhnliche wort
könne aus lat. exhalatio entstanden sein. Man müfste sich
die dokumente als durch vermoderung im feuchten un-
brauchbar geworden vorstellen. Jedoch Vesme p. 452 er-
innert an it. assalto (anfall, angriff; sturmlaufen), wobei
nur das a vor t (durch formen mit i, wie assaglimento aus
as$alire^ frz. assailUr, wOrde es mit nichten gerechtfertigt)
sein bedenken hätte. Wäre auf das seu verlafs, dafs es
hier, wie Oblichermaisen im guten latein,nur einen unterschied
in der bezeichnung \ex$ul,\, jedoch keinen in der Wirklich-
keit angebe, so müfste man meine vorhin gewagte erkli-
mng unbedingt verwerfen. Wirklich aber ist p. 205 onr
von gewaltsamem Verluste von dokumenten die rede. Näm-
lich : ut multi sua munimina — amiserint et amittant, dum
et oppida et villac plurime a paganis cremate sunt, et, no-
stris exigentibns meritis^ sepius cremantur et disperduntur.
ideoque iniquum videtur, ut talibus accidentis [Ita Matr.;
accidentius Per., woraus Vesme p. 452 acddentibus machen
möchte, obschon es von accidentum bei Adelung oder von
acddentia — also -iis — durch solche Unfälle noch besser
pafste] amisso munimine aliqnis id perdat. Zu meritU wird
keine Variante angemerkt. Soll es heifsen: indem unser
344 Pott
Yortheil (mit einem freilich nicht nachweisbaren sinne des
Wortes) solche Verwüstungen erheischt, etwa im kämpfe mit
dem feinde? Oder, da meritis kaum für merentes (Solda-
ten) oder gar emeriti steht, das wort als hinten verschrie-
ben und im acc. genommen: indem die unseren eintreiben
merita militaria i. e. annonam militibus praestandam ? Mit-
hin etwa bei gewaltsamem fouragiren durch die eigenen
kriegsleute. Merittim bedeutet nämlich proventus, frz. pro-
fits, z. b. terrae meritum» Hätte man bei eintreibung von
steuern {merita bei Adelung: exactio, praestatio sub no-
mine meriti) sengen und brennen wollen im eigenen lande,
das wäre doch etwas zu stark. Gemeint ist aber bei cre-
mantur und vollends disperduntur wohl nur munimina, und
nicht oppida et villae als subject.
Hülfe, wache. Zach. p. 67 (bei Vesme p. 23): Et
qui ad illius mortui (getödteten) injuriani vindicandam de-
negaverit solacia, si quidem rogatus fuerit (aufgefordert,
nicht etwa blofs: gebeten). Griech. ei ()b xai avrol oi iSioi
Tov (povov naQaxaXaad'evTeg ix^i^Ttjaouai u. s. w. Vgl. DC.
Gloss. mediae Graec. p. 1121 aus dem Synodicon adv. tra-
goediam Irenaei cap. 189: ad loca in quae jussi sunt duci
cum competenti solatio. D. h. mit einer, zur Unterstützung,
gleichsam zu trostbringender hülfe aufgebrachten mann-
schaft, wie in d. zeitschr. I, 349 mit mehrerem gezeigt
worden. Vesme p. 24: Si quis de ipsum exeroitum do*
cem suum (seinem führer; it. doge^ dogio doge von Vene-
dig, sonst duca herzog) ad justam causam persequendam
denegaverit solacia (hülfleistungen, beistand). Ferner: Si
dox exercitalem suum (militem, qui in exercitu militat; da-
neben exercitualis mit u, vcrgl. spiritalis) molestaverit, ga-
staldius eum solaciet. Frz. soulager erleichtern, zu tragen
helfen, aber it. soUazzare, wie solatiari in Dief. gloss. lat-
germ., ergötzen. Diez, etym. wörterb. s. 323. — P. 39:
Si quis magistros (meister) comacinos (s. früher) — con-
duxerit ad opera dictandi [etwa vermengt mit opera dic-
tandi — causa?] — d.h. wohl: befehlweise den bau zu
leiten (ital. deitare dictiren, vorschreiben) aut soladum diur-
roman. elemente in den Ungobardischen gesetzen. 345
num prestandum (beistand, hülfe) inter servus suos cet.
Vgl. trost unde hulffe thör. gescbicbUquellen dritter band.
Düringiscbe ebronik deis Job. Rotbe, berausg. von R. v.
Liliencron s. 729. Ferner Graff V, 474 trdst {unser : trost),
wiedergegeben nicht blofs durch solatium, sondern auch
auxilium, und scheint sonach der mittelalterliche gebrauch
von solatium auf Übersetzung eines gormanischen ausdruk-
kes oder doch auf anlehnung an ihn zu beruhen. Man
beachte indefs auch Graff ebenda 8.479 trust (agmen) und
trustis^ wo er auf den Übergang der bedeutungen von ,,trost,
hülfe, schütz^ hinweist. Mhd. trost Benecke no. 3: der,
dessen mau sich tröstet; Schützer, helfen — P. 24: Si quis
in exercitum ambulare contempserit (nicht zum beere ge-
hen und keine kriegsdienste leisten will) aut in sciUca (noch
wache thun), dit (d. i. det) regi et doci suo solides XX.
Ambulare ist im ma. ganz einfach: gehen; keinesweges,
worauf die deminutiv -endung (wahrsch. eines adj. — vgl.
funambulus — aus ambirc) hindeuten soll, beschränkt auf
lustwandelndes umhergehen. Abambulantes ^ abscedentes
Fest. p. 22. Walach. preämblu herumführen, also wie meh*
rere andere intransitiva von dessen gleichen Diez III, 103
no. 4 zum fact. umgeschlagen, und daher refl. , wie franz.
se promener, me pr» ich spaziere. Nach weise des franz.
aller ä cheval sagt der Walacbe mergu (migro) — oder
ämblu — cälare (aus lat. caballus). Ueber die wunder-
lichen Umbildungen des wertes s. schon in d. zeitschr. I,
315. Cum non angan (ambulent) pes nut st. Qu'ils n'ail"
knt pas pieds nuds. Fr.-Micbel, Races maudites I, 183.
In dem angan zeigt sich also eine andere nmformung als
im it. andare. Dort wurde mbl zu ng nach der guttural-
classe, hier, vermuthlich zunächst unter anflösung von 1
zu i, zu der dental -Verbindung nd, während das französi-
sche in aller eine assimilation eintreten liefs nach aussto-
fsen des nasals. Obiges sciilca sollte — nach der gewöhn-
lichen verirrung zwischen t und c, — sculta sein = it.
scolta wache, schildwache; vollständiger ascolta dass. und
anhören, zuhören. Engl, scout feld wache; streifwache, pa-
346 Pott
trouille, wie staut aus: etolz. It. scoltare^ fns. 4cauter^ lat.
auscultare hören, horchen, lauschen; also mit dem ohre
(auris, r statt s), wie unser spähen sich auf das ausschauoi
bezieht. Etwas anderes ist scout fOr schultheifs, scbulze,
franz. Scoutite (scultetus), langob. saddahis Grimm gesch.
s. 693.
Wir wollen uns hier ein anderes wort merken mit ei-
ner dem lateinischen fremden Bedeutung. N&mlich virtus
f&r gewaltth&tigkeit, vis, violentia (s. DC); also —
in malam partem. Vgl. mhd. manheit (von man, wie lat.
virtus von vir) 1 ) tapferkeit, 2) die männliche, tapfere, ge-
waltige that. Zwar finde ich nicht ahd. geuualt gewalt,
wohl aber mäht bei Graff II, 61? unter anderem mit vir-
tus übersetzt. Daher, ins albanesische eingedrungen: ß%Q^
TVT't^ gegisch körperliche kraft. Von Hahn, alb. wtb. s. 8.
Reinhold, Noctes Pelasg. Prodr. p. 13. — F. 27 no, 41:
Si quis hominem liberum (statt lat. dativ, vgl. Diez HI, 97
insidiari vielleicht aufser alicui auch aliquem) insidiatus
fuerit cum virtutem aut solatium (mit gewalt, d, h. allein;
oder in gemeinschaft anderer zu seiner hülfe), vedens (auch
it. vedere) eum inparatum sempliciter (it. semplice eben-
falls mit e) ambolautom aut stantem (ohne arg gehend oder
stehend) subito super eum adveniens (über ihn kommend,
ihn überfallend), et turpiter eum tenuerit — conponat eo
(darum) quod in turpe et derisiculum ipsius eum male
tractavit. (It. maltrattare^ frz. maltraiter.) Zum geepAtt,
sonst deridiculum. Wegen des s ebenso p. 48, vgl. it. "cb-
risihile u. s. w. — F. 61: Freveat (praebeat) sagramentom
(es schwöre) ille qui eum (servum) tenuit, quod non asto
(d. h. dolose) eum laxassit (it. lasdare fortlassen, gehen
lassen. Z. b. Lasciami, non mi ten^r piü, io te ne priego),
— sed cum tota virtutem (mit aller macht) custodire vo-
luissit. — F. 1 1 i : Si quis alii homini wadiam (bfirgschaft)
dederit et fidejussorem posuerit (einen bürgen stellt), et
ipse fidejussor eum pigneraverit (auspfändet?), et pignera
ipsa ad creditorem (f. dativ) ejus dederit, et postea ei (dem
gläubiger) ipse cujus pignera Aierit (statt -int) per eirhH
roinan. elemeute in den langobardischen gesetzen. 347
tem (per vim, ngog ßiav) tolerit (abstulerit, ademerit). —
P. 142 no. V: Si bomeDis lu iino vico habitantis (plur.
statt -es) aliqua intentionis (accus., aber mit Vernachlässi-
gung der congruenz im num.: fViedlicbe absiebten auf —
oder: Streitigkeiten wegen — ) habuerit (statt plur.) de
campo, aut vinea, prado (it. statt prato), aut silva aut de
alias res, et coilexerint se (it. colse le rose, er brach ro-
sen, eig. collegit) una pars cum virtutem (gewaltthätiger
weise), et dixerent quia (griech. ort) Wifamus (s. oben) et
expellimus eos de ipsum locum per virtutem foras. — Im
Edict. Rotbaris p. 9 : Quanta pro subjectorum nostromm
(unterthanen, it. soggetH) coramoda (acc. statt ahl.) nostrae
fuit sollicitudinis cura et est, subter adnexa tenor decla-
rat. In der späteren juristischen spräche tenor legis; it.
tenore^ tinore^ was übrigens masc. geblieben (gegen teneur
f. im franz.): inhalt einer schrift; also wie inhalt von : hal-
ten, continere, enthalten. Precipue tam propter adsiduas
fatigationos ( belästigungen ) pauperum quam ctiam super-
fluas (nicht: Qberflflssige, sondern: zu übertriebene) exac-
tiones (Steuererhebungen u. s. w.) ab bis (die denen abver-
langt werden) qui majore virtute habentur (welche in grö-
fserer gewalt, abhängigkeit, gehalten werden), quos modo
(zur zeit, jetzt) vim (das wäre auch virtutem) pati cogno-
vimus. Auch p. 146: Relatum est nobis, quod aliquis (uni-
formirt, 9o scheint es mit dem folgenden, statt aliqui) ho-
minis (-es) perfidi et in malitiam astuti, dum per se non
presumpsessent (nicht gewagt hätten) mano fortia aut via-
lento ordinem (statt abl.) intrare in vicum aut casam alie-
nam — fecerunt collegere (liefsen sich versammeln) mulie-
res suas — et miserunt eas super*) homines (schickten sie
über menschen her) qui minore habebant virtute (geringere
macht, Streitmacht). In den Gl. Epored. p. 220 wird nun
mano fortia i. virtute glossirt. Wenn fortia subst. ist =
it forzay ivz, force: so müfste mano etwa genitivisch ge-
*) Znm Überfall. Vergl. p. 11. Si qiiis per injuria sua vindicandam
(eine erlittene unbiU zu rächen) wptr quemcunque currerit (ohne redupl.).
318 Pott
dacht und das ganze ein compositum sein. Oder ist ge-
meint: mit gewaltthätiger (it. forte stark) band?
Vertrag, ehevertrag. Zu dessen bezeichnung fin-
den wir in unserem kreise sehr oft den ausdruck fabula^
welcher, unter berücksichtigung seines etymons {fari spre-
chen), in etwas an Sonderbarkeit verliert, da man mittelst
besprechung zum erzielten übereinkommen zu gelangeu
pflegt. Haec onmia inter se conlocuti sunt p. 119, haben
alles besprochen. Schwerlich dem alten latein gemäfs
mit acc. der sache, was z. b. durch: inter se muUum de
aliqua re, als mehr adverbial nur schwach entschuldigt
würde. Für sprahha hat Graff VI, 382 auch die bedeu-
tung deliberatio und, doch wohl in obigem sinne, fabula;
sowie 390 sprahhon (causam dicere, concionari). Vergl.
bauernsprache, rechtsspruch u. s. w. Span, hablar (aus lat.
fabulari) Parier; habla Langue, langage, idiome. Discours,
harangae, raisonnement. Paroles. Diez ctym.wörterb. s. 140.
Vgl. parole aus parabola s. 253. Im Gloss. Matrit. p. 234
gatnaalos^ id est confabularios. Bei DC. confabulaii^ qai
ex fabula seu foedere nuptiali orti sunt. V. Gamales; als
rechtmäfsige kinder? Sponsi (vergl. gemahl Graflf II, 652),
verlobte, die sich versprochen (einander das ehegelöb-
nifs oder ehe versprechen gegeben) haben. Man vgl. ahd.
mahal (concio, pactio, foedus nuptiarum), und gelangten
wir noch leichter zu fabula, im fall mahal dem goth* maihl,
ayood, Versammlungsplatz, und daher mathleins^ rede^ Xa-
ha Joh. 8, 43 anverwandt sein sollte. So heifst es nun
im Edict. Roth. no. 178: De sponsalibus et nuptiis (Vesme
p. 45): Si quis sponsaverit*) puellam liberam aut mulie-
*) Spiitlat. zur braut machen von sich, aliquam, sich mit ihr verlo-
ben, wogegen it. fj^oswe, frz. cpouser beirathen. Allein auch: zur braut ma-
chen von jemand anderem, an ihn verloben. Z. b. p. 101: Potestatem
— dandum aut spunsandum (mit weglassung von ad, oder» f. gen. -i) filiam
aut sororcm suam. — P. 109: si quiscunique secularis (weltlicher) paren-
tem nostram saecularem disjwnsat (mit unserer verwandten sich verlobt) cum
( iustr.) solo anolo (ring), eam subnrrnt et suam facit (durch den kanf9chUliiig,
arrha, sich zu eigen macht). 8. Dicfcnbach gloss. ldt.-germ. desponaare
(altlat. desponsata alicoi), aber, bei dem beständigen Scheinwechsel von de
und di, it. disposart.
roman. elemente in den lango bardischen gesetzen. 349
rem ot post sponsalia facta (verlobungsfeier; etwa auch
darbringung Üblicher gescbenke) et fabola (Cav. facula, it.
favola) firmatam (nach recbtmäfsiger absohliefsoug des ehe-
Vertrages; vgl. auch p. 48 no. 191) duos annos neclezerit
eam tollere (sie zur frau zu nehmen vers&umt) et dilaia-
verit (distulerit, verschiebt, s. sp.) nuptias exsequi, poit
trausactum biennium potestatcm habeat pater aut frater —
distringere (inf.: dazu anzuhalten, zu zwingeu, statt des
gen. vom gerundium) fidejussorem, quatinus adimpleat (dais
er erfülle, leiste, in betreflP von leistung) metam illam quae
(vielleicht neutral: alles was) in diae (die) sposalicioruni
(aber it. sposalisio heiratb, trauung) promisit. Distringo
hat im guten latein vermöge des in der präpos. liegenden
sinnes nur die negative bedeutung des h indem s. It. dt-
strignere ist zusammendrängen, zusammenpressen, fig. drük-
ken, quälen, beängstigen. Bei uns hier heilst es s. v. a.
zwingeu, wie ahd. dmngan Graff V, 269 mit stringero,
constringere glossirt wird, ja selbst distringere ebenso Dief.
gloss. lat-germ. p. 1 87. Si intra Statutes quattuor dies me-
nime eum ad justitiam faciendum (das neutr., weil justi-
tiam der von ihm abhängige acc.) disirinxerii p. 10. Des-
gleichen p. 157 et judex ille, cujus arimannus hoc distule-
rit (wie oben dilataverit) implere, si non (sc. eum) distrin-
xerit, P. 111: aut forte per districtione ( durch zwang,
also etwa anwendung der tortur) a puplico (i. comite, vor
den öffentlichen bcamten) facta manifestata fuerit (klar
gemacht worden, sc. res, ein diebstabl). Auch p. 47 se-
paretur ab ea constridus (dazu genöthigt) a rege. Meta^
auch meda Vesme p. 432, brautgeschenk, morgengabe, spon-
salitium, methium ist unser miethe (Graff II, 703), alts.
meda. Allein, möglicherweise davon verschieden, ags. ftie-
ordj dessen r statt z in goth. mizdo^ auch griech. fAiad^og,
wie nicht minder zend mijda (j, wie im franz.), mi:ida,
miida Recompense, vgl. Grimm gesch. I, 413; — leider —
ihrem Ursprünge nach noch unaufgeklärt. Die Schreibung
meffium neben methium könnte etwa zu letzterem sich ver-
halten wie ahd. fliuhan fliehen zu goth. thliuhan. An com*
aso Pott
pos. mit goth. faihu (vermögen) zu glauben machte mir
der Wegfall oder die assimilation des dentales »cbwer. Mit*
phium bei Sebilter liefse fast auf eine Verbindung gleich
unserem mitgift rathen. — Dann im nächsten artikel:
8i sponsus dixerit de sponsa sua quod adulterassit (hier
absolut und überhaupt unzucht treiben; lat. auch von einer
niulier: ad. cum adolescente) postquam eam spunsatcun ha-
buit (zur verlobten hatte, oder nach weise des romaoischeii
perf.: sich mit ihr verlobt hatte), leceat pareutibus eam
purißcare cum duodecim sagramentalibus (eidhelfern) ; tunc
post purifigatam (sc. eam, oder als subst?), acipiat ea
(statt eam) sponsus sicut tu priori fabula stetit^ wie in
dem vorausgegangenen vertrage fest steht, festgesetzt
worden. P. 121 meneme siare (sc. donatio) deveat, wie
bald darauf stabile (p. 106, aber stabilem mit m als wäre
OS neutr. nach IL oder stabile ordine p. 105) deveat re-
manere. Darin auch: Et si ille supraestis (f. superstes,
allein wahrscheinlich als aus sopra — vgl. soprappiü Qber-
sc^hufs — und essere entspringend vorgestellt) fucrit qni
(die nicht gestattete) ipsam donationem sine launechild de«
dit^ possit eam a (d. i. ad) se recollegere (wieder zu sich
zurücknehmen). Ebenda: et (sc. judex) una cum ipsis aut
per se ipsum (in eigner person) aut per missum suum (darofa
seinen beauftragten) bouam personam Deum timentem res
ipsas dividant, sie tamen ut omni tempore sortis (-ee) stare
debeant, et adaequatio percurrat. Der schluls wird bessere
erläuterung bekommen durch p. 120 kap. I: vel ubi men-
sura tracta est (wo grenzlinien gezogen sind) sortes 9tas^
tes adaequentur. Als gleiche theile landes, x1^qo$, die
also dem eigenthümer für immer verbleiben, und nicht
wieder von zeit zu zeit neu verloost werden sollen. Vgl.
beständig, constans. P. 112 (vgl. Albertus p. 123): Si qoit
judex aut actor publicus — inter homenis qui aliquam
discordiam habent trewas tolerit^ et unus ex ipsis homini-
bus inter quos ipsas trewas (gedachter friedeDsvertmg;
scheinbarer franz. plur. von tr^e und daher das c in engL
tniee, oder aus g in itaL tregna?) tulta (statt ae?) snnt.
roraan. elemente in den Ungobardischen g«s6tzen. SM
eas ruperit. It. rompere il paito, franz. rompre la tr^ye.
Altrom. treugam noo prendrei Diez, altrom sprachd. s. II,
wie hier auch ein wort für nehtneo. — För streit um eine
Sache, contentio de aliqua re, kommt häufig in den lauge«
bardischen gesetzen intentio (angriff, anklage s. Freund)
▼or, was im ahd. mdlizze (intentio), malizze (ooutentio),
mahalezii (causa) Graff II, 651 seinen Widerschein finden
mag. P. 94: Si homines in uno vico (dorf) habitantes ali-
qua intentione (accus.) habuerit (statt int) de campo. —
P. I2ti ut nullo tempore exinde inienitonis aut causaiionis
(lites, controversiae, DC.) procedant (wohl mit andeutung
der processe). — P. 133: statuimus ut (pueila) non intran-
tem (keineswegs statt intrans, sondern fbr inennte) ipso
duodecimo anno, sed expieto, sie sit legitimam (statt nom.,
etwa weil man einen acc. c. inf. im sinn hatte, od. -um n«?)
ad maritandum. Vgl. bei Hebel manne^ tmibe einen mann,
ein weib nehmen. Ideo nunc hoc dicimus, quia multe (it.
molte) intentionis (als acc.) de causam istam cognovimus;
et apparit nobis, quod immatura causa sit ante expletus
[-os] duodicem annos. Es könnte freilich dies zweite causa
ffir Sache, angelegenheit genommen sein, wie das erste
mal. DQrfte man aber zum subj. die pueila und zu deren
prädicate immatura causa machen: so würde auch das kei-
nen schlechten sinn geben. Es wäre dann ein mädchen
unter 12 jähren als ein noch unreifes ding (it. cosa, frz.
chose) bezeichnet, wie wir z. b. im deutschen: ^sie ist
noch ein junges ding^ sagen; ja auch bella cosetta^ ein
artiges ding (eig. dingelcben) im ital. von einem mädchen
gesagt wird. — P. 1 35 : Et dum ad resecandas inte»iiane$
inproborum noster intenderit animus, sowie si amodo de
bis capitolis — aliqua intentio excreverit (wenn von jetzt
hierüber ein streit entsteht). Das resecare, wie p. 136 vi-
cium (p. 219 remanere glossirt, was aber vermuthlich falsch
gelesen, statt remouere) ; p. 1 1 1 ut vitium non crescat, sed
ampniemus^ ist vom abschneiden, d.h. verhindern (tod
vom herein durch vorbeugen) zu verstehen, also anders
als secare lites (schlichten) und decidere, entscheiden.
352 Pott
P. 220 wird altercatione (aus: alter der partheiung wegen,
wie zwist von: zwei) mit intentione glossirt.
Mitleid, gotteslohn, Seelenheil. P. 45 beiist
es vom aussätzigen, er solle von dem tage an, wo man
ihn aus dem hause stöfst, um für sich getrennt zu leben,
als „mortuus'^ betrachtet werden. Tarnen dum advixerit
(vgl. Freund und DC; vgl. quo-ad, und den terminus ad
quem, d. h. bis zu seinem lebensende) de rebus quas reli-
querit (also gleichsam von seiner hinterlassenschafb) pro
mercedis intuitu nutriatur. Pietatis intuiiu wird Modest.
Dig. 34, I, 14 gesagt; und so bezeichnet nun der hier ge-
brauchte ausdruck: „aus gnaden-rücksicht^, aus erbarmen
(s. Diez etymol. wörterb. über mercä). It. intuito 6. v. a. ri-
guardo, was unter anderem: hinsieht, rücksicht, betracht,
ansehung. So desgleichen p. 23: et cognoscitur quod pro
mercedis causam (aus erbarmen; ja nicht: des lohnes we^
gen), nam non furandi animo (nicht aber mit der absieht
zu stehlen) — einem von ihm gefundenen todten die apo-
lia ausgezogen habe, — spolia reddat quas super eum (an
ihm, an seinem leibe) invenit, et amplius ei calomnia (be*
schuldigung) non geueretur. Ueberschrieben ist das kapi-
tel De rahairaubus (-us statt 6s als acc. plur.), d. h. von
leichen-beraubungen; ahd. hrSraub Grafl'IV, 1132 von hreOj
auch hreh^ reh (cadaver). Dagegen plodraub ibid. no. 14
heifst wohl: „blutraub^, als beraubung eines zuvor erschla-
genen (Graff II, 357; III, 253), welche also mit blutver-
gieisen verbunden war. Aehnlicb wie franz. avoir sur soi
(z. b. d'argent) auch p. 105: Quae talem Signum (it. s^rao
m.) super se (an sich), id est velamen et veste(m) sanete
Dei genetrices Mariae, quocunque genio (in irgend einer
weise) in se suscipiunt. — Propter Deum et animae suae
mercedem (um gottes und seines seelenheiles willen, womit
jemand von ersterem begnadet wird) p. 105. Dammeias
schade ib., wie zu dem it. adj. dannioj was schaden thui|
kann. Vergl. übrigens nicht dazu in gegensatz: indemni-
tas. — P. 130: Et si ipsa, sua volontatem (nach ihrem ei-
genen willen, lat nitro, d.h. nach der andern seite hin,
roman. elemente in den langobardischen gesetzen. 9M
folglich von sich aus; nicht etwa von anderwärts her ge-
zwungen), ante anni spacium hoc facere disposuerit (ital.
disporre beschlieisen, verf&gen), veniat ad palatiom r^[8]
et dicat clementiae ejus (sr. gnaden, sr. buldrollen majestftt)
volontatem suam — per ejus permissum (it. com pm'messo
mit erlaubnifs) accipiat religiones (e kurz as is) Telameo.
It. velame hölle, Verhüllung. Eine menge Schleier; von eelo
(vela, segel). Weiter: propter logrum pecuniae (um geld-
gewinn) vel saecuii hujus (dieser weit) cupiditatem hoc fa-
cere querit (begehrt), nam non (nicht aber) ob amorem Bei
(in der alten eidesformel pro deo amur Diez, altrom. sprach-
denkm. s. 7) aut animae ejus (des gatten) salvandam qoia
post mortem viri sui, dum dolor recens est, in qnale par-
tem (wohin) voluerit animnm ejus (d. h. wohl suum) pot-
est: nam cum in se revertitur (wenn sie jedoch wieder zo
sich kommt, sich besinnt, von dem trennungsschmerze) et
carnis delictationis (it. dilettazione; fleischeslQste, it. con-
cupiscenza) eis (allgemeiner gefafst: den wittwen) obvene-
rit (statt -int, wieder Qber sie kommen), quod pejus est,
in adulterium cadit (sie, wenn — im kloster und Christus
angetraut — geistig — in einen ehebruch verfiele). — P.
105: habeat licentiam de rebus suis pro animam 8uam{{&r
seine seele, it. salvezza delP anima) in sanctis locis causa
pietatis (hier enger in dem romanischen sinne von it. pietä,
frz. pitii, liebreiche gesinnung gegen den bedürftigen, mit>
leid, und nicht frz. pUU) vel in senodochio (s statt x), ju-
dicare (gerichtlich zuerkennen) quod voluerit. VergL pro
anima $ua p. 118. — Auf eine andere erkl&rung dieser
Worte könnte man p. 99 verfallen. Daselbst: Si quislibet
(quil.) Langobardus, ut habit (mit sich bringt) casus bu-
manae fragilitatis^ egrotaverit, quanquam (was also kein hin-
dernifs abgiebt) in lectolo rejaceat (ohne umlaut; krank
danieder liegt, indem die präpos., wie in recubare, s. v. a.
resupinus ausdrückt), potestatem habeat dum vivit et reote
loqui potest (vernünftig, nicht etwa phantasirt) pro anima
$ua judicandi (nicht etwa pro animi sui voluntate, nach
seinem gutdünken, so dafs judicandi, zu wohlthätigen zwek-
Zeitachr. f. vgl. aprachf. XIII. 5. 23
354 Pott
ken etwas zu vermachen, zum folgenden gehörte, sondern
sowohl für das Seelenheil als — an andere) vel dispensandi
(zu verfügen durch vertheilung) de rebus suis quid aut qua-
liter voluerit, et quod judicaverit stabilem debeat manere.
Edoniare i. purificare im Gloss. Epored., aber p. 233
nach dem Matr. absolvere, mit mancherlei Varianten p.
281.456 stammt ohne allen zweifei von ii, idoneo (schick-
lich; fähig, tOchtig zu etwas), lat. idonetts (geeignet), z. b.
actor idonens Cic. Verr.; justum vadem, idoneum sponso*
rem Fest. p. 84. Lindem.; auch: zahlßlhig, bei den jari-
sten; hinzugenommen d. zeitschr. 1,349. Auch idonei ho-
mines Vesme p. 172. In DC. App. ad Gloss. Lat. p. 113
eandoniaverint ^ al. adexoniaeerint. Letzteres aus exania
(euxonia^ ossenium u. s. w.) d. zeitschr. 1,340, wie lat. cemsa
einwand; die (thätigkeit verhindernde) krankheit. Vgl. Edda
s. 300. Simrock: ab wehr (Syn) ist vorgeschoben, wenn
man die schuld längnet. P. 21. 22: aduniare vermuthlich
unter unberechtigtem hinschielen nach dem it. adunare (ver-
sammeln, vereinen), als wäre gleichsam ein act der Ver-
söhnung gemeint. Nämlich: quia, postquam corda regrum
in manum Dei esse credimus, non est possevilem (statt
possibile) ut homo possit aduniare quem rex occidere (st. pass.)
jusserit. Ferner: Si quis qualemcunque hominem ad regem
incusaverit (beim könige verklagt) quod anime perteneat
periculum (wofür sich todesstrafe gebührt), leciat ei qui
accusatus fuerit cum sacramentalibus satisfacere (schwö-
ren) et se aduniare (reinigen, als schuldlos heraussteUen).
Im Gloss. Epored. p. 219: Urbis i. civiiatem. It. cUtäy
cUtdde^ cittdte^ Stadt. Et cum regnasset — Verona dm-
täte p. 438; aber p. 8 mit der präp. occisus est m Verona
in palatio, wie it. in Vienna u. s. w. Allein auch p. 9:
Dato (gegeben, im sinne des datums, it. data) Tidno (statt
Ticini), in Palatio. Wie es nun dem werte urbs erging,
dafs andere Wörter im romanischen an dessen stelle tra-
ten, so auch dem lat. domus. Frz. maison aus mansiOj d. h.
Wohnung (dauerhafter aufenthalt). Im italiänischen kam,
weil die häuser der meisten leute in hütten bestanden, da-
roiimii. olcmente in den lan^obardischen besetzen. 955
für casa in anfoabme. Z. b. p. 169: dimittunt ad casa
(domum, nach hause, Schiltcri Gloss. p. 217; ^oher denn
auch frz. chez soi etym. forsch. 1, 165 ausg. 2) de exercitu
(aus dem heere entlassen). It. andare a casa, nach hause
gehen; uscir (exire) di casa ausgehen; stare oder essere
in casa zu hause sein. Wal. a casa (domi, domum) Lex.
Valach. Bud. p. 103. Ein etymologisch unaufgehelltes wort
ist p. 110 ca8a(m) blnttaverint ^ vielleicht plündern bedeu-
tend. P. 220: Matrimonio i. conjudio. It. conjugiOy con-
giugio; also -dio vermuthlich zischend, wie ti vor voka-
len. — Non pepercit i. non toardaviL It. guardare, in acht
nehmen, bewahren (frz. garder), beschützen. Aus ahd.
wartSn, acht haben. Diez etym. wörterb. — (Wadiam suam)
solvendam i. Uberandam. Vgl. p. 111 no. Vlllr Si quis al-
ten homini toadiam dederit, et antequam eam per fidejus-
sorem liberit (das pfand durch Zahlung gleichsam wieder frei
macht) violenter de manu iliius abstraxerit cui ea (eam)
dedit. Wadiaj gewöhnlich wadium (pignus u. s. w.) s. DC,
ital. gaggio m. Diez etym. wörterb., und liberare (bei DC.
praebere, dare), it. Hverare übergeben, unser liefern Diez
a. a. o. Cramer, In Juv. Comm. vett p. 292: Liberias igi-
tur non est iila a Servitute exemtio, sed a debito liberaiio:
et centies in jure nostro liberari dicuntur debitores, pi-
gnora caet. — Decalvare (spätlat. und ital.) i. taliare schnei-
den (it. tagliare), spez. haare; also eigentlich tondere. —
Frustare i. scuvare, Etiamnum Itali scopare fQgt der ber-
ausgeber hinzu, d. i. den staupbesen geben: dargli le scape
(lat. scopae; franz. mit v in Verkleinerungsform Scoueeiie
besen; kehrwisch = it. scopetta), scopare, aber auch /hf-
stare (s. DC.) mit ruthen hauen, peitschen; dar la frusta
(peitsche, ruthe, spitzgerte u. s. w. ; schwerlich also zu tat.
fnstis). Daher frusta-scopette herrchen, der immer an sei-
nen kleidem bürstet dgl. Bei DC. scobare fegen; scoba-
ces hexen, die auf besen nach dem hexensabbath reiten.
Ein dem guten latein fremder gebrauch von dimittere,
demittere ist der von „hinterlassen" (relinquere) a) kin-
der; z. b. p. 75: Si contegerit (contigerit) homini post
23*
366 Pott
datum (idejussore (acc.) de sacramentum et sagramentales
nominatus (-os, nach ncnniing der eidesbelfer) mori, et
ßlius dimiserit (und söhne biuterläfst; p. 54 s\ heredis non
de reliquerit). Ferner b) schulden p. 79: Si mandio
(nom.) de puella libera (de statt gen.), parentis mortooe
(aca abs.: wenn die verwandten todt sind), ad curtem re*
gis ceciderit (an den hof des königs fällt; s. früher), et
pater vel frater deeito (it. debito) demiserit^ in quoda (qaota)
portionem patri vel fratris (wohl aus versehen statt fratri)
heredis (it erede, gleichsam wieder mit nominativ-s) 8ac-
cesserit, ita et de vi tum persolvat. — Dann auch freilas-
sen, manumittere. Z. b. p. 90: Si quis servum vel anoilla
in eoclesia liberum dimiserit. ^ Femer p. 132: Si qnis
fedejussorem aut devitorem suum pigneraverit (auspfändet),
et (mit Wechsel des subj.: und der bOrge oder Schuldner,
wie es weiterhin ausdrücklich heifst) ipsum pignum (statt
pignus) recoUegere (durch einlösen wieder an sich zn neh-
men) neglexerit, et eum (das pfand; s. früher genus) per
duodicem dies dimiserit (bei dem Pfandnehmer gelassen
hat), ille qui pignum ipsum aput se habit, si servns anl
anoilla est custodiat ut ei fatiga (it. auffallend mit c, wie
regelrecht in predica: fatica mühe, arbeit, anstrengong,
(rz, fatigue) non faciat (er hüte sich, dafs er ihnen nicht
zu schwere arbeit und anstrengung auferlegt) et fadat mhk
eum operas facere (sondern lasse den Sklaven nnr solche
arbeiten für sich — nämlich den auspf&nder — machen)
sicut suum proprium servum aut ancillam; et super (inso-
per) habest licentiam repinerare (repignerare, was aber
hier nicht in dem üblichen sinne des wiedereinlösens
gebraucht sein kann, sondern von einer abermaligen a wei-
ten pfandnahme) usque in secundam vicem, ut sht ipsa
in dubblo (doppelt) quantum deoitum ipse (m. wie it. de*
bito) est. P. 109: ut accipiat ex ipsis solidis mnndoald
qui fuerit pro fatigio suo (für seine bemühung) et ezactione
(beitreibung) de ipsa poena solides numero CL. Eine bil-
dung, wie litigium. — Et dicat juratus (beeidigt; dorch
schwur), qnia non asto animo eum per pugna faticare qoe»
romaD. elemente in den laogobardischen gesetzen. 3(7
rat, dais er ihn nicht böswillig darch eioen kämpf zu be-
lästigen suche. — Unde jam multas faiigationis (belästi-
guugeu und verdrufs) habuimus p. 116. — In einer einlei-
tung zu Liutpr. edicten p. 114: Ergo si pro g^titie nostrae
salvatione stut pauperum fatigatione aliquid poaeaniiia ooni-
cere, wie p. 124 pro quietudine pauperum, aber auch ter-
niinus unde (von wo ab) nostri subjecti non fatigentur. Das
p. f. kann nur heifsen sollen: ziu* erlcicbterung der
last, welche auf den armen liegt. Also, wie auch von uns
ohne anstand „ein mittel für den husten^ gesagt wird, wo
*wir ein solches gegen ihn meinen; nicht zu dessen för*
derung, sondern — beseitigung. — Vgl. im nächsten arti-
kel: Si quis permissum habuerit (erlaubnifs hat) de devi*
torem, ut per bove (ital. plur. ohne s) aut cavallus (p. 58
vgl. 65 Joco, it. giogo joch) domitus (acc. plur.) pignerare
(als pfand sich sicher stellen) possit, — et intra duodecim
noctes (mit germanischer Zählung von nachten statt tage
als frist) — potestatem habeat eas menare (zu treiben, zu
führen) sicut proprias et governare (lenken, beim anspan-
nen). — P. o9 : Non leciat pro qualevit (statt quolibet) de-
citum {debito im it., allein auch detta ^ lat. debita summa,
was vielleicht zu dem falschen a in qualevit den anlafs
gab) casa (acc.) ordinata (ordentlich eingerichtetes haus)
tributaria (weil sonst die beitreibung der abgäbe seine
Schwierigkeit hätte) /octint (gleichsam in locum, anstatt, an
stelle von, loco ; it. in luogo dt-) pigneris tollere (it. togliere
nehmen). Vergl. p. 133: Si quis servurn alienum — looo
pigneris tenuerit. — It. mettersi^ porsi a un lavoro, sich an
eine arbeit machen, frz. se mettre sur (z. b. les livres) sich
über etwas hermachen, finden ihren Widerschein p. 67 no.
311 : Si quis super fera ab alio plagata aut in taliola tenta
(oder in der falle festgehalten) aut a canibus circumdata,
eter suum (iter, seinen weg) posponens (ohne t, wie in it.
poiporre)^ volens eam locrari (lucrari, erbeuten), super
ipsam (gleichsam durch wiederaufnähme des obigen fera)
se miserit. — P. 136: Et si ei ferita venerit (wenn der
eine wunde erhält) cui crimen ipsum inmetHtur (gegen den
358 Pott
die beschuldigung erhoben worden). Modo vcro (jetzt
aber), dum repetirent (conj. impf, oder perf.?) singolis ho-
menis (doch wohl nom.: da einzelne wiederholt die Be-
schuldigung von jemandem vorbrachten), cui forte aliquam
duritiam (it. durezza härte; hartes verfahren; während hier
groll gemeint wird) detenebant, quod parentis ejus (einen
verwandten von sich) — per veninum occisissit. Ebenso
p. 136 humicidium unde duritiam inter se teneant. — P.
113: Si quis servum alienum — in sacramento miserit
(ebenso mulierem p. 127), zum eide stellt, aut mano in
caldaria (it. caldiera, ampliativ calderone, franz. chaudron)*
mittere fecerit (stecken lassen). — P. 162: Si mancipios
(also männlich, wie im it. mancipio) cujuscumque post (nach,
d. h. zu) alium hominem fugierit, et dominus secutus (des-
sen ihn verfolgender herr) invitaverit in pacem (ital. tu
pace^ in frieden; ahd. friuntlicho gruozten, i. e. pacifice
GraflF III, 784) ut reddatur in gratiam^ und so noch öfter.
It. per grazia, d. h. umsonst, gleichsam um sonst nichts
als dank, lat. gratis f. gratiis, für blofse dauksagung, actio
gratiarum. In betrefiP des post merke man sich auch noch
aus p. 64: si post suam rem ingreditur, in einen fremden
garten nicht stehlens wegen, sondern blofs: nach seinem
eigenthume geht, vergl. andare a pigliare (holen geben).
Weiter p. 62: Si — gastaldius (schwerlich: ein ange-
stellter gleich unseren beamten, sondern nach weise von
goth. gastalds^ se gerens, gleichsam Übersetzung von acioTj
Sachwalter, gestor negotiorum. Vergl. Graff VI, 667) aut
actor regis ipsum mancipium post secundam aut tertiam
contestatiouem (gerichtliche aufForderung, litis contestatio)
reddere dilataverit. Das verbum bedeutet: verschieben,
ein sinn, welchen das latein noch nicht zuläfst, wohl aber
das italiänische. Indem lat. diläto doch aller Wahrschein-
lichkeit nach von latus (breit, weit) kommt, und nicht von
dem part. zu difiero: scheint der obige, mit differo stim-
mende sinn in dildto lediglich durch etymologisch eigent-
lich unberechtigte einmischung von dildtus erst hineinge-
tragen, vne lat. dilatio Verschiebung; dikUoriae exceptiones
roman. elemente in den langobardischen gesetzeD. 9I#
bei Gajus, und it. dilata Frist, aufscfaub, in gericbten, ver-
muthen lassen. Ganz äbnlich p. 53 no. 22 1 : Si parentes
(vielleicht it. parente mit angesetztem -s des nom. sg.) ejus
hoc facere distolerit^ tunc leceat gastaidius regis aat scnl-
dabis ipsam in curte (acc.) regis ducere, et in puele inter
ancillas statuere (stellen). Lateinisch inüfste an stelle der
bier in einander gemengten construction es beifsen, entwe»
der: liceat gastaldium (acc. c. inf., wie z. b. no. 197; allen-
falls aucb dativ mit iuf.) — ducere, oder licet (ut) gastai-
dius ducat. S. mhd. phiesel Benecke wtb. II, 493. — P. 59
no. 251 wieder: si sculdabis dilataverit facere. Ebenda:
vadat (gebe, nach ital.-frz. gebrauche) ad sculdabis, et tit-
iemit (wie öflers, gleichsam mit Umdrehung der vokale st.
intimet, zeige ihm au; vergl. unser: erinnern, gleichsam
innerlich machen) causam suam, quia (dafs) devitor ip-
sius alias res non habit u. s. w.
P. 55: Et si aucilla ipsa post tempore (d. h. wohl: in
der zeit nachher, und nicht: post tempus) filius (kaum vera-
schen statt acc. sg. , sondern acc. pl. auf -os statt liberos,
kinder, bei wiederholter geburt) fecerit, tunc ille qui eam
prius (unrechtmäfsig) vindedit et vindicare non poterit (ohne
dafs er — bei verlangtem beweise, dafs sie sein eigenthum
sei — diesen wird zu führen vermögen) qualiter seit (sit?
wie ich auch no. 229 am Schlüsse ändere; söhn oder toeh-
ter) filius ipsus (möglicher weise nom. sing., wie it. esso,
hinten mit o; oder acc. plur.) per suo dispendio (mit eige-
nem aufwände, aus seinen mittein) reconparit (it. rtcompe-
rare; conj. präs.), vergl. it. far un bambino, frz. eile a faii
un enfant, sie hat ein kind bekommen. — P. 134: et hi^
buerit filius (kinder) et de anteriorem conjoge et de sequen-
tem (d. i. secundo).
P. 33 quod mixtos [-usj in morte ipsius mulieris non
fuissit ncc per se (in eigner person) nee per subposita per-
sona, dafs der ebemann nicht bet heiligt gewesen am
tode seiner frau. Vgl. das aus jenem part. entsprungene
it. mestare^ sich womit bemengen; lat. se negotiis alienis
immiscere^ sich einmischen. Beides doch dem sinne nach
360 Pott
von obigem mixtus noch verschieden. — P. 40 aut falmine
percnti aut a vento arborem tnovito (d. h. indem arbor im
ma« m. ist: ab arbore per ventum mota, 8. partieip; Dfiiii«>
lieh : niedergeworfen) aut propria morte (durch Selbstmord,
ital. uccision dt se stesso^ nach weise von amor proprio
Selbstliebe; propria lode, lode di se stesso, selbstlob u.8.w.
Proprius fllr ipse Diez III, 71) mori. — P. 149: Item de
infantibus qui intra aetatem sunt (noch unerwachsen ), et
necessitatem majorem (grofse noth, raangel am nothdOrfti-
gen, ahd. dürftig necessitas Graff V, 210) babent, et a fame
moriuntur (hyperb. in gefahr sind hungers zu sterben wie
it. morire di fame, sehr hungern). — Et in cartola indicit
(statt -et, conj. präs.), quia (dafs) pro famis necessiiaie
(wegen hungersnoth) ista vinditio facta est; et qui acte
comisso (statt acc.) habuerit (und wer den ihm übertrage-
nen, commissum, act des Verkaufs auszuführen hat), non
presumat de ipsis infantibus emere. — P. 136 ist von mala
iractatio (it. maltrattamento, mifsbandlung) die rede. Dar-
unter: si eam fame negaverit^ gleichsam hungers sterben
d. h. darben läfst (necaverit; was sonst im romanischen
die engere bedeutung des ertränkens erhalten hat) und
nicht etwa: das nothdürftigste verweigert. Dagegen p.
138: Si quis malitiose et per superva (superbiam, aus über-
muth) — mulierem — sedentem ad necessitatem corportM
«m, vel in alium locum (an einem anderen körpertheil, als
den entblölsten nates, also z. b. etwa loca muliebria, TgL
p. 137; etwa inter mingendum, lavandum, beim säugen
u. s. w.) ubi ipsa femina pro sua necessitatem (also wohl:
nach ihrem bedürfnifs überhaupt) nuda esse vedetor (un-
bekleidet betroffen wird, oder: wo sich zu entblöfsen ihr
gefällt?), pungere vel percutere presumpserit. Span, nach
Cormons Dict. Necesidades plur. N^cessitös, besoins corpo-
rels: celui draller ä la garde-robe est appell^, Necesidad
mayar („grofses geschäft^), et celui de faire de Teau, JVa-
cesidad menor. Deutsch: leibesnothdurft, seine noth*
durft verrichten. — P. 37: Si duo fuerent coUeganieSy
medietas repotetur illi mortui, et medietatem reddat paren-
roman. elemente in den langobardischen gesetzen. 9111
tibus (den verwandten) coUega ipsius. Wird von zweien
beim fällen eines baumes bescbftftigien arbeitern der eine
erschlagen, so gilt, indem die schuld sieh auf beide gleich-
mäfsig vertheilt, dafs die eine hälfte des bufssatzes dem
verunglückten angerechnet wird. Entweder ist also Uli
mortuo zu lesen, oder illi (als regelrechter genitiv fflr illius
gedacht) mortui rechtfertigt sich als: antheil des todten.
Desgleichen kommt p. 38: magister comacinus cum colle-
gantes^ d. h. ein baumeister mit seinen genossen vor. Das
wort ist meines erachtens nicht particip zu dem ital. refl.
collegarsi sich verbinden (aus lat. coUigare), in bQndnils
treten; vielmehr entstanden aus coUdga (mithin auch das
e in collegantes lang), indem Diefenb. Gloss. collegare^ ge-
sellenschaft machen, kennt.
P. 71: Si quis cavallum (ital. cavallOj franz. cheval)
ascenderit, et infra vicinia tantum cavalegaverit ^ id est
prope ipsum vicum (also vicinia zu vicus, hier wahrschein-
lich dorf), conponat solides II, nam (jedoch) si in antea
(weiter fort; innanzi) eum (es) caealegare presumpserit et
dominum non rogaverit, in actogild (neunfach) reddat. It.
cavalcare reiten, und sogar mit accusativ, z. b. la capra
(die ziege reiten f. sich etwas aufbinden lassen). — P. 148:
Si quis invenerit libera (accus.) mulierem aut puellam per
campum suum (sein) seminatum (besäet; ital. campo setnir
nato di grano Saatfeld) ambolantem (einfach: gehend) et
viam indicantem (gleichsam auch fQr andere einen weg
vormachend), pignerit [-et] eam (der pfände sie aus, s. firü-
her genus im verbum). Et parentes aut mundoald ejus
(der Verwalter ihres mundiums, gleichsam ihr vormund)
conponat pro ipsa solides sex, sicut lex est: nam si (wenn
er jedoch) ipsa (ital. essa^ selbige, accus.) comprehendere
presumpserit et ad casam suam (nach seinem hause) lega-
tarn (ital. legatOj lat. ligatus) aut submanicatam (ligatam
manicis), conponat solides centum, medietatem regi, et
medietatem (ei) cujus causa est; sie tamen, ut conpositio
illa de sex solidis in ipsa conpositione conputetur (doch
gemeint, dafs er — unter abzug von 6 — nur 94 za zah-
362 Pott
len braucht). Et si pulsatus (vor gericht angeklagt) fue-
rit ille in cujus inuudio fuerit mulier aut puella ipsa, quod
astu (statt asto s. früher) et iniquo aniino femioa ipsa
(statt accusativ) ambulare per laborem alterius (bestelltes
feld, franz. terre labour^e^ enseniencee; vgl. ital. lavoreria)
fecissit (er sie habe gehen heil'sen ; plusquamperf. st. per£),
ut ei conponerit (so dafs — kaum: damit — er ihm — dem
kläger — bufse zahlen möfste, — im falle letzterer recht
bekommt), tunc preveat sacramentum (dann leiste er den
eid) quod, cupiditatem habendum de ipsa conpositione^
asto animo per laborem ipsius ipsa femina non ambolassit
(dafs durch das fcld desselbigen selbige frauensperson nicht
böswillig gegangen sei), nee damnuin asto faciendum (noch
indem sie schaden habe anrichten wollen); et si juraverit
(der beklagte), tunc ipse qui eam comprehensit (ital. prät.
compresi) conponat solides contum, nt supra: cet. Hiebei
hat nun der Zwischensatz: cupiditatem — conpositione,
p. 402 mit den varr. Cav. et Par. 4()13 non habendum,
sowie Epor. conpositionem ipsa^ Cav. de composicio ipsa
(also mit nachstellung von ipsa) für mich nicht geringe
Schwierigkeit, allenfalls selbst noch hinzugenommen: ut ci
conponerit, Cav. et Ma. conponeret deberet. Man über-
setze nämlich nun etwa: „aus begierde ihretwegen (de
ipsa sc. femina) sühngeld zu erhalten (statt habendi)^ oder
besser, in einklang mit dem gebrauche des italienischen
gerundiums (s. früher): „indem er hat (avendo) verlan-
gen nach dem (selbigen) bufsgelde, dessentwegen^ — wie
pafste das doch auf den Mundoald? Sah dieser etwa von
dem jähzornigen charakter des feldbesitzers voraus, er
werde sich an dem frauenzimmer, das er auf seinem acker
betraf, thätlich vergreifen und dadurch eine bufse verwir-
ken, dessen hälfte ihm, dem mundoald, zufallen werde;
und . darum also hätte letzterer selber seine Schutzbefoh-
lene zu durchschreitung des fremden feldes veranlafst?
Merkwürdig genug aber wäre dann die ungenauigkeit, die
ja an zweiter stelle nicht: ambolassit, sondern wieder:
ambulare fecissit erwarten liefse, derart, dafs, solcher vor-
ruman. elemente in den langobardiscben gesetzen. 363
aussetzung nach, das gerundium habendum statt babens
(oder, wenn man von der vor ambolassit stebenden nega-
tion absiebt, non babens) im finitverbum ein ibm confor-
mes Subjekt besäfse. Man könnte biegegen aber einwer-
fen, was zwang den kläger dazu, sein recbt Ober die gt'
bQhrlichen grenzen binaus zu verfolgen, zumal wenn er
die absiebt des gcgners voraus merkte? Nehmen wir aber
eine zweite möglichkeit an, es werde vom beklagten mun-
doald excipirt, der kläger bringe obige beschuldigung
von böswilligem durchscbreiten seines feldes nur vor,
weil verlangen tragend nach dem, für diesen fall, weitaus
gröfseren bufssatz : dann wäre von dem gesetzgeber seine '
meinung noch hei weitem undeutlicher, als vorhin, ja ge-
radezu stammelnd, vorgetragen. Ich muls nämlich sehr
bezweifeln, es könne das habendum auf ein draufsen ste-
hendes Subjekt bezogen werden, gleichsam für: accusatore
haben te cupiditatem compositionis. — P. 125: Quantum
(statt quanto) magis non debent necUctum (altlat. neglec-
tum) in Dei causa ponere^ quae plus est (als die mensch-
liche nostra causa), ad iuquirendum. Vgl. ital. porre in
non cale, verwahrlosen, aufser acht setzen. Buchstäblich
setzen gleichsam in das „es macht mich nicht heifs^. Cale
als impers.: es kümmert mich (franz. il ne m^en chaut von
chaloir^ brennt mich), während lateinisch nur: caleo ali-
qua re. — P. 204 : Neglectui ejus rite deputabitur (wird
ihm als versäumnifs angerechnet werden), quod — ezinde
appellare contempsit (defsbalb klage anzustellen unter-
liefs). Vergl. aliquid delicto deputare, anrechnen. Ter-
tull. de Poen. 3. — In fbrstlichen erlassen visi stimus (wir*
haben geruhet*), statt nobis visum est (placuit). Z. b.
p. 108, vergl. p. 99. 128, im Edictum Liutprandi: sie
terminentur et finem accipiant, sicut in presenti pagina
statuere visi sumus. Ferner £dictum quod — Rothari
rex facere eisus est. Ueberhaupt aber, um „das gefallen
*) D. h. curavimus. Nicht so feierlich p. 97: ubi et prudenter hoc
inserere — statt gerondium — cwatpit dicens. P. lOS adjungera curaTimns.
364 Spiegel
tinden worau, gern thun, engl, to like^ zu bezeichneu.
Z. b. p. 114: qui per gradus et tempora in boDO proficit
opere, et semper ad incliora tendere videiur. — P. 109:
vestem monastiga induere tedentur^ die ein nonnenkleid
anzuziehen belieben.
Nun ich hoffe, man wird au8 unseren vorflQhruDgen
die Überzeugung mit binwegnehmen, die bezeichnung: la-
teinisch sei fdr die spräche der langobardischen edicte
kaum noch gerechtfertigt. Wir stehen rQcksichtlich ihrer
bereits tief hinein in den anfangen des romanenthums.
Pott.
Varia.
Dal's das altbaktrische berufen sei in der vergleichen-
den grainmatik eine bedeutende Stellung, die nächste neben
dem Sanskrit, einzunehmen, wird niemand leugnen wollen
und darum keines weitläufigen beweises bedürfen. Wenn
diese spraclie bis jetzt noch wenig bei der erklärung schwie-
riger Wörter der classischen sprachen mitgewirkt hat, BO
lag dies daran, dafs bisher die Interpretation altbaktrisoher
texte allzusehr durch spraohvergleichende mittel betrieben
wurde und daher die altbaktrische philologie in allzu gro-
fser abhängigkeit von der Sprachvergleichung war, um
selbständige beitrage zu ihr liefern zu können. Der gmnd
liegt auf der band. Will man das lexikalische verständ-
nifs einer spräche duroh vergleichung der verwandten sprar
chen fördern, so ist das erste erfordernifs, dafs die ver-
wandten Wörter in den schwestersprachen, die man ver-
gleichen will, selbst schon klar und deutlich sind. An-
ders verhalt sich die Sache, wenn man noch ein anderes
philologisches hilfsmittel zur erforschung einer unbekann-
ten Sprache herbeiziehen kann, wie z. b. die tradition, wel-
che bei dem studiom des altbaktrischen jetzt ziemlich all-
varia. 985
gemein anerkannt ist. Hier leitet dann die Sprachverglei-
chung nicht mehr ausschliefslich die forscbong, sie l&fst
sich leiten, und bei diesem zusammenwirken Terschiedener
hülfsmittel kann es geschehen, dafs Wortsippen klar und
deutlich hervortreten, welche nun ihrerseits wieder licht
auf die verwandten sprachen werfen. Einige Beispiele die-
ser art sollen im folgenden besprochen werden.
1) hie, haecö, hikväo und lat. siccus.
Bopp hat, wenn ich nicht irre, zuerst lat. siccus mit
altb. huska skr. ^ushka verglichen. Dafs pushka and huska
identisch sind, ist gewifs, und wenn das sanskrit ^ushka
zeigt, statt des zu erwartenden sushka, so darf man getrost
sagen, dafs eine falsche schreibang in dieser spräche ein-
gang gefunden habe. Damit sind nun allerdings auch die
Schwierigkeiten beseitigt, welche uns bedenklich machen
könnten, ein im sanskrit mit 9 anfangendes wort mit einem
lateinischen za vergleichen, das mit s beginnt. Aber die
gleichsetzung von skr. u mit lat. i ist immer bedenklich
erschienen, ebenso die assimilation von sk in co und darum
ist man auch der Bopp^schen ansieht nicht allgemein bei-
getreten und noch neuerdings hat sich Corssen (kritische
beitrage zur lat. formenlehre p. 30) dagegen ausgesprochen,
aber seine eigene etymologie hat mich auch nicht fiber-
zeugt. Er nimmt siccus als aus einem ungebräuchlichen
siticus erstanden an, dieses wort soll — wie dies in der
that mit sitiens bisweilen der fall ist — mit „trooken^
übersetzt werden können. Was mich betrifit, so halte ich
noch jetzt an meiner schon frflher (Übersetzung des avesta
I, 106) ausgesprochenen ansieht fest, dafs siccus mit einer
altbaktrischen wurzel hie zusammenhinge. Da aber diese
Wurzel, welche „trocken sein^ bedeutet, in den übrigen in-
dogermanischen sprachen schwach vertreten ist, so wird
es nöthig sein einige beispiele anzufahren. Das caussata-
vum des verbums findet sich z. b.:
Yd. V, 43 U9 vätö zanm haSoay&t, (wenn) der wind die
erde trocknen wird.
:)6() Spiegel
Ein abgeleitetes nominalthema ha^co (haecagb)^ das trok-
kenheit bedeutet:
Vd. VII, 68 te haecaghö avaptrahe aogazdaptema ba-
vaihti: sie siud am meisten vermebrer der unfrucht-
baren bitze. Adj. hiku:
Vd. XVIII, 62; Y9. LXI, 30; yo abmai ae9mem baraiti
bikus, welcber ibm (dem feuer) brennholz bringt:
trockne reisen Ein anderes adjectiv hikvao, staubig:
Vd. in, 37 pan^nväogbem bikväogbem jarezem baraiti
väcem : (wer) mit schmutz und staub bedeckt eine wei-
nerliche rede führt.
Hiermit zusammenhängend ist wohl auch biskva, cf.
Vd. VIII, 109. busko hiskväi: der trockene dem trockenen.
Ich bemerke zum Überflüsse, dafs die bedcutungen
trocknen, trockenheit u. s. w. nicht blos von mir, sondern
von der tradition den Wörtern gegeben werden. Es ist för
sie ohne zweifei eine wurzel hie anzunehmen; mit huska
hängen sie nicht zusammen, dieses stammt von einer Wur-
zel hus, von der Y9. IX, 15 agbaoshemne (nicht vertrock-
nend) kommt. Im sanskrit möchte ich sikatä (sandy soil,
gravel or stone) an diese wurzel hie anscbliefsen.
2) vrika, vehrka, wilkas, Xvxog^ vulf —
urupis, raopis, lupus. —
vulpes, gurba — gadhwö, catus. —
Die namen des wolfes in den verschiedenen indoger-
manischen sprachen sind schon vielfach gegenständ der er-
örterung gewesen, namentlich ist die zasammengehdri^eit
des lat. lupus mit skr. vrika tbcils bejaht, tbeils verneint
worden. Pott (etym. forsch. I, 149 1. ausg.) äufsert sich
darüber folgendermafsen, nachdem er vorher lat. valpes aus
lup4-vi hergeleitet hat: „das deutsche wort wolf, das ich
mit vulpes gleichen Ursprungs glaube, bat ein anderes raub-
thier zum Substrat, lupus stammt vermuthlich ebenfidls
von lup, das skr. vrika könnte freilich beides zweifelhaft
zu machen scheinen, da ein Wechsel zwischen r und I, k
varia. 907
und p nachweislich stattgeftinden hat, indessen sprechen
doch vielleicht altn. vargr (latro, maleficus, lupus) und
das sab. irpus (lupus), die dem skr. vrika näher zo liegen
scheinen, dagegen, wiewohl sonderbarer weise 4^6 griech.
kvxog^ das sicherlich mit lucere in keiner etymologischen
beziehung steht, sich, man kann nicht sagen, nach welcher
von beiden Seiten neigt ^. Die jetzige läge der sache ist
nun, wie mir scheint, die folgende: 1) Es ist kein zweifei,
dai's skr. vrika, altb. vehrka, lit. wilkas ein und dasselbe
wort sind. Ebenso wenig läfst sich bezweifeln, dafs goth.
vulfs zu dieser Wortsippe gehören kann, denn goth. f ent-»
spricht öfler ursprünglichem k (cf. Schleicher Compendium
§. 196). Auch ist zuzugeben, dafs diese Wörter auf die
sanskritische wurzel vrapc, zerreifsen, zurückgehen.
2) Dagegen hat A. Weber (cf. d. zeitschr. 11, 80) gr.
?yVxos vom skr. vrika abgetrennt und mit der skr. wurzel
lufic, zerreifsen, zusammengestellt. Weber hätte ft^glich
auch noch gr. Ai;/|, ?.vyx6g (wofbr sich auch die neuere
nebenform Xvyyoq finden soll) herbeiziehen können. Die
ansieht Webers scheint von Schweizer (zeitschr. VI, 144)
gebilligt zu werden, dagegen stellen Schleicher (beitr. I, 6)
6. Curtius (grundzüge I, 130) Xvxog zu altindog. varkas,
woraus durch metathesis vrakas geworden sein soll. Das
eintreten von v an die stelle eines ursprünglichen a ist
zwar auffallend, aber doch nicht ohne beispiel, wie vv^ =
nakta, ovv^ = nakha beweisen (cf. Curtius 1. c. 11, 287).
3) Mehr bestritten ist noch, dais lat. lupus mit vrika
zusammenzustellen sei. Förstemann (zeitschr. 1, 494) äufsert
sich darüber sehr zweifelhaft, Schleicher (beitr. 1,6) sagt
geradezu, dafs es nicht dazu gehöre, „denn im lateinischen
bleibt ursprünglicher guttural und wird nicht labial". Eine
passende wurzel um lupus anderweitig abzuleiten, findet
mau in skr. lup: rumpere, irrumpere, die auch von wölfen
gebraucht wird. Dagegen hat Lottner (zeitschr. VII, 174),
mit rücksicht auf popina neben coquo, an der gewöhnlichen
ansieht, dafs lupus =: vrika sei, festgehalten. Auch Curtius
(grundz. 1,131) will lupus nicht von kvxog getrennt wissen.
368 Spiegel
4) Dais vulpes von den obigen Wörtern zu trennen sei,
ist oft gesagt worden; eine bestimmte ableitung, aulser der
von Pott gegebenen, ist mir nicht bekannt.
Es sind also die wurzeln vra9C9 lunc und lup, die sich
um die ehre streiten, den obigen Wörtern das dasein g^
geben zu haben. Es ist nun gewifs bezeichnend, dafs eine
so alte spräche, wie das altbaktrische, derivata von allen
diesen drei wurzeln kennt und daSs wilde thiere damit be-
nannt sind. Was zuerst die wurzel vrapc (altindog. vark)
betrifit, so haben wir schon oben vehrka dazu gestellt und
brauchen hier nicht weiter darüber zu reden. Zur wurzel
ruc oder lunc darf man sicher das Vd. VI, 103 voritom-
mende raozha stellen, das ursprüngliche c ist zwischen zwei
vocalen erweicht worden oder ruzh ist wohl, wie skr. luDJ,
eine Spielart derselben wurzel und raozha ist wohl auch
der bedeutung nach Ivy^, luchs. Von der wurzel rop
kommt endlich urupis, wie im Avesta ein angeblich zam
hnndegeschlecht gehörendes thier genannt wird, nach der
neueren tradition ist es das wiesei. Femer wird zum haiH
degeschlecht gerechnet das thier raopis (Vd. XIII, 48) luudi
der tradition robäh, der fuchs. Das vorkommen dieser drei
wurzeln im altbaktrischen zur bezeichnung so ähnlicher
thiere spricht meines erachtens zu gunsten der treDBimg
auch in den andern sprachen.
Das lat. vulpes hat Burnouf (Etudes p. 25) mit altb.
urupis zu vermitteln gesucht, wrie ich glaube mit unrecht.
Wir müfsten, wäre diese gleichsetzung richtig, für urupis
eine wurzel varp ansetzen, diese könnte zwar in urp, nicht
aber in urup zusammengezogen werden, man sieht also
besser in urup die wurzel rup, mit Torgesohlagenen o, wie
es im altbaktrischen regel ist und das wort ist somit sehr
genau verwandt mit raopis. Einen thiernamen, der Ton
der wurzel varp stammte, wüfste ich im alteränisehen nidil
zu finden, aber neupers. tt^ß^ gurba, katze, mnfs doch nr*
sprünglich varpaka gelautet haben und dieses wort bat
nach meiner ansieht das nächste anrecht mit ndpee Ter-
glichen zn werden. Die erwähnung von gurba fÜirt uns
varia. 389
auf die naraen der katsen Oberhaupt. Ueber unser deut-
sches katze hat schon Förstemann (zeitschr. I, 501) gespro-
chen, es findet sich das wort wieder in abd. catta und
neulateinisch catus, letzteres hat Förstemann ans dem deut*
sehen entlehnt angesehen. Da nun im sanskrit die namen
der katze ganz anders lauten (märjara, mäij&la of. Pott
zeitschr. f&r die künde des morgenl. IV, 26; Kuhn in We-
bers ind. Studien I, 344), so hat man daraus geschlossen,
dafs die katze erst später, nach der Sprachtrennung, zum
haustbiere geworden sei. Ind^fs ist der name doch auch
im Orient ziemlich verbreitet, im arabischen heifst die katze
JaÄ, im georgischen khata, im ossetischen aber gaede. Das
Stammwort hat neulich Fr. Müller glQcklich aufgefunden:
es ist altb. gadhwa (cf. beitrage zur lautlehre der armeni-
schen spräche III, p. 4 des bes. abdrucks) und dazu ge*
hört auch armenisch katu =:= katov. Zwar glaube ich
nicht, dafs man bezüglich des wertes gadhwa von der tra-
ditionellen bedeutung (hund) abweichen darf, aber dies
nimmt der MüUer'schen etymologie nichts von ihrem wer-
the und die katze kann somit zu den thieren gezählt wer
den, deren namen in den indogermanischen sprachen ziem-
lich allgemein wiederkehren.
3) har, haurv, haurva — lat. servus, observare,
solvere, aolus.
Benfey hat bereits vor längerer zeit (griech. wnrz^
lexikon II, 297) richtig gesehen, dafs lat. servus, observare
mit altb. haurva zusammengehöre, wie dies wort in pa^us-
haurva, viehwächter, erscheint und noch neuerdings (Orient
und Occident II, 519) hat er lat. salus mit skr. sarvatati
altb. baurvatat zu lat. solus gestellt. Die richtigkeit dieser
ableitungen wird erst vollkommen klar, wenn man die Wur-
zel, von welcher haurva stammt, im altbaktrischen selbst
in ihren verschiedenen Verzweigungen verfolgt. Das wich-
tigste dürfte das folgende sein.
Zeitschr. f. vgl. sprachf. XIII. 5. 24
370 Spiegel
Die einfachste form der wurzel ist har, welche schüt-
zen bedeutet, sie erscheint im avesta in vielerlei ableitun-
gen. So steht Vd. 11, 13 hareta, was ich mit ^em&hrcr*
gegeben habe, Windischmanu „beschOtzer", beides ist rich-
tig, das bewahren, beschützen ist das allgemeine, das be-
schützen vor hunger das besondere. Dasselbe wort findet
man wieder Yp. LVI, 7. 3. Häufig ist besonders das ab-
straktum harethra, schütz, unterhalt, z. b. Vd. XIII, 108
gaSthananm harethr&i, zum schütz Vd. XV, 51. 52 yözi noit
harethrem baraiti aStadha aSsha jö apereuäyakd adbftityA
agharethrem irishyät d. h. wenn er nicht nahrung bringt
(oder schütz), so dafs dieses kind aus mangel an ricbtigrer
nahrung (oder schütz) schaden nehmen sollte. Ferner ha-
retö Vd. XXn, 14: dath&ni td.... hazagrem anumayananm
haretö vi^po-gaonananm, ich gebe dir 1000 stück
kleinvieh, genährtes von allen arten. Einige Male findet
sich auch das substantivum här6 herr: Y9. XXXI, 13 hftrft
aibt ashä aibi vaenaht vippä als herr übersiehst du das
reine alles. Y9. XLIII, 2 härö mainyü ahüm bis urvathA
mazdä (du) der herr, der himmlische, fireund f&r die bei-
den weiten.
An diese wurzel har schliefst sich im altbaktrischen
die erweiterung haurv, die neben har steht wie skr. pfauv
neben altb. pi. Y^. LVI, 7. 4 76 anavaghabdemnö zadnA-
gha nis haurvaiti mazdäo dämann, der ohne zu scblafim
mit Wachsamkeit beschützt alle geschöpfe des Mazda.^ So
auch in der Parallelstelle Y9. 10, 103. An diese erweite«
rang der wurzel schliefst sich nun nngesnobt pa^shaonra
vis-haurva, beschützer des viehs, besohfltzer des lebens, an.
Auch haurva altpers. har'uva, nenp. j^ bar und skr. sarra
gehören hieher und die genannten Wörter lassen sieh in
den classischen sprachen (solus, olog) ohne Schwierigkeit
vermitteln.
4) nap, napti, aviiffiog,
Ueber lat. nepes, neptis sowie das dazu gehörige gr.
avBtpiog und die entsprechenden Wörter in den verwandten
▼aruu S71
sprachen ist schon vielfach die rede gewesen, die ableitcing
dieser Wörter ist aber immer noch nicht feetgeetellt. Das
skr. napät, in den schwachen casos naptri, will Benfey
(glossar zum Sämaveda s. v. nap&t) als eine soMunmena»'
hang ans napatri ansehen und Kuhn (Weber ind. stud. I,
326) scheint diese ahleitung gut zu heifsen. Dagegen hält
Weber (a. a. o. not.) seine schon früher angestellte rer-
muthung fest, dafs nap nur eine ältere form der wurzel
nabh (ligare, nectere) sei. Einige feste anhaltspunkte las«
Ben sich, wie ich glaube, durch herbeiziehung der formen
gewinnen, die im altbaktrischen auf die würzet nap zurück-
zuführen sind.
Ich kann mich wohl der mühe überheben, die stellen
vollständig aufzuzählen, an welchen die betreflPenden wör«
ter vorkommen: Windischmann (zoroastr. Studien p. 177 flg.)
hat sie bereits besprochen, ihm entlehne ich das folgende
als fQr unsern zweck wichtig. Das altbaktrische kennt wie
das Sanskrit ein thema napät, von dem es den nom. sg.
napäo (cf. niqpäo^e-tao Yt. 8, 33) oder auch den nom. voc.
napö bildet (Y9. LXIV, 53. Vd. XII, 37), den aoc. nap&-
tem, die schwachen casus aber aus naptar, wie schon Bur-
nouf bemerkt hat, ganz wie im sanskrit« Das wert napat,
wo es ohne weitem beisatz steht, heifst enkel, so Vd.
XXI, 37, wo auch das femininum napti enkelin daneben
vorkommt. Diese worte mufs man nap-ät, nap-ti abthei-
len, das beweisen andere, daneben vorkommende worte wie
näf.6 Verwandtschaft, 0^-70 vfrwandt(Yt. 13,87.120) bamö-
-n4f-aSna von gleicher zucht, von gleid^em geschleohte (Yi.
5, 13). Alle diese worte beweisen klar, dafs eine wurzel
nap, naf anzusetzen ist. Zu diesen eben angeführten wer-
ten fügen wir noch uap-ti Verwandtschaft (Vd. XIII, 7),
das von dem eben angefahrten nap-ti, enkelin, verschieden
sein dürfte. Auf eine erweichung der wurzel weist nab in
nabänazdista, der nächste der Verwandtschaft, nach, wel-
ches bekanntlich mit skr. näbhanedishtha enge verbun-
den ist.
Was heifst nun aber nap? Die antwort darauf giebt
24*
372 Spiegel, varia.
das altbaktrische, denn Vd. VII, 76 fioden wir das wort
nap-ta in der bedeutung feucht. Dals damit das wort
naphtha identisch ist, nur dafs hier aspiration der bei-
den mittleren consonanten eingetreten ist, leuchtet ein.
Windischmann (a. a. o. p. 182) hat schon vänog^ waldthal,
damit verglichen und die, wie mir scheint, vollkommen
richtige ansieht ausgesprochen, dafs aus dem begriff der
befruchtenden feuchtigkeit der der erzeugung und verwandtr
Schaft entstanden sei. Wenn er aber hinzusetzt, dals akr.
n&bhi, nabel, nichts damit zu thun habe, so muls ich dies
bezweifeln, denn auch die wurzel nabh wird nichts weiter
heifsen, wie nabhas, vi(fog und die davon abgeleiteten Wör-
ter beweisen. Das lateinische nep-tunus hat gleichfalls
schon Windischmann (a. a. o. p. 186) hiehergezogen, gr.
ävtxfJiog möchte ich eher an altb. napti, Verwandtschaft,
als an napti, enkelin, anschliefsen.
5) hakha soccus.
Das lat. soccus erklärt man für sog-cus von sag te-
gere, das was den fiifs bedeckt (Corssen krit. beitr. p. 27).
Sollte es nicht erlaubt sein an altbaktrisch hakha zu den-
ken, welches wort die fufssohle bezeichnet (Vd. VIII, 219
flg.)? Die wurzel, welche dem werte zu gründe liegt, kann
kaum eine andere sein als die, von welcher auch hakhi,
skr. sakhi, lat. socius stammt, nämlich die wurzel hao, skr.
sac, anhangen. Hakha ist somit das — an der erde —
anhangende und die bedeutung „anhangend^ würde aach
wohl auch für soccus rechtfertigen lassen.
Fr. Spiegel.
Schweizer-Sidler, anzeigen. 973
Grammatik der deutschen mundarten, von Karl Weinhold. Erster theil.
Das alemannische gebiet. Auch unter dem titel: Alemannische gram-
raatik von dr. K. W. Berlin, Dttmmler. 1868. X und 477 bs.
Herr prof. Wein hold, der aach einem weitern gebildeten
publicum durch seine darstellung der deutschen frauen im mit-
telalter und durch sein werk über das nordische leben recht vor-
theilhaft bekannt ist, hat sich seit jähren mit eifer in Forschun-
gen über dialektc und mundarten bewegt und von seinem ge-
schick zu denselben nicht selten beweise gegeben. Wir können
uns nur recht sehr freuen über seinen entschlufs in einer reihe
von einzelnen bänden die sämmtlichen deutschen dialekte in
gründliche Untersuchung zu ziehen, und wünschen ihm von her-
zen die theilname des deutschen Volkes, mnth und kraft für
die durchfuhrung dieser grofsen, aber auch äufserst frachtbaren
aufgäbe. Erst durch ihre lösung wird es möglich annähernd die
gesammte fülle und die freiheit des sprachlichen lebens auf dem
ansehnlichen gebiete zu überschauen, erst so, von den ästen und
zweigen aus, die lebendige kraft des ganzen mächtigen baumes
zu beurtheilen und zu bewundern. Nicht umsonst drang der
selige J. Grimm bei jedem anlasse recht sehr auf die hebung der
schätze, welche in den . dialekten und mundarten liegen. Der
erste theil des Weinholdischen Werkes umfafst den alemannischen
dialekt, der namentlich mit rücksicht auf die beweglicheren vocale .
vom verf. in den alemannischen im engern sinne, in den schwä-
bischen und elsässischen zerlegt wird. Herr W., ein mann der
Wissenschaft, behandelt seinen gegenständ streng historisch, d.h.
er zieht alle ihm zu geböte stehenden schriftlichen quellen far
die alemannische spräche vom hohen alterthnm an sorgfältig zu
rathe, und das reiche verzeichnifs der litteratur, die er benutzte,
flöfst uns volle achtung ein. Das ist natürlich, dafs, für die äl-
tere zeit zumal, auch viel allgemein deutsches mit aufgenommen
werden mufste, und dafs z. b. alemannisches und bairisches sich
nicht immer leicht ausscheiden liefsen. Aufser den gedruckten
quellen gibt es nun allerdings auch noch viele ungedruckte, und
die lebenden mundarten sind eine durchaus nothwendige ergän-
zung von derlei forschungen. Dafs sich W. um diese gar sehr
bekümmert, zeigt sein buch, sagte er es auch nicht, fast auf jeder
Seite; aber freilich ist namentlich hier nicht nur nicht an Voll-
ständigkeit zu denken, sondern auch mifsverständnisse and schiefe
lyji Schweizer-Sidler
auffassaog einzelner laute sind zumal für denjenigen unvermeid-
lieb, der einer ganz verschiedenen heimat angehört; and es wftre
im höchsten grade ungerecht, anstatt dem verf. für seine reiche
arbeit dankbar zu sein und sich der prächtigen grundlage zd
freuen, dieselbe zu bemäkeln. Fassen wir die uberspradelnde
fülle des Stoffes und dessen freie beweglichkeit ins äuge, so d&if-
ten wir auch nicht mit recht über mangel an Übersichtlichkeit
klagen; und die scharf gegliederten rückblicke sind mit lob her-
vorzuheben. Das hätten wir wohl gewünscht, dafs mindesteus
den althochdeutschen Wörtern, die oft aus sehr entlegenen qael-
len stammen, eine Übersetzung beigegeben worden wäre: sicher
würde dadurch mancher leser gewonnen, und mancher, der sich
das werk durchzuarbeiten vorgenommen, vermöchte eher es bis
zu ende und ganz zu nützen. Vielleicht hilft der verf. diesem
mangel durch einen index ab. Dem allgemeinen urtheile nuo
specielle hervorhebung besonders gelungener partien, abweichende
ansichten über einzelne puncte, zusätze und berichtig ungen ans
der lebenden mundart zunächst aus der gegeud um Zürich liio-
sozufügen, wird uns bei dem massenhaften inhalte schwer, and
wir sehen uns gezwungen aus dem vielen, was wir uns ange-
merkt, mit sparsamer band zu wählen, um nicht allzu sehr das
mafs zu überschreiten. Gerne werden wir dem verf. allfiälllge
anfragen brieflich zu beantworten suchen. Wo wir bei anffib-
rung von mundartlichem den. ort nicht besonders nennen, ist im-
mer Zürich und seine nächste Umgebung gemeint.
Die einleitung bestimmt in aller kürze den umfang des na-
mens Alemannen, und sofort beginnt dann das erste bneh,
in welchem die laute, zunächst die vocale der alemannischen sprä-
che bestimmt werden. Im allgemeinen dürfen wir von dem vo-
calismus von Zürich sagen, dafs er rein und sauber gebliehen
ist Der kurzen alten ä hat besonders die gegend um Winterthar
in zweisilbigen Wörtern noch manche, wie grabe (graben),
chnabe (die erwachsenen unverheiratheten mänoer) u. s. f. in
Z. schon grabe, chnäbe, doch auch hier noch abe, v&ter.
a statt des sehr offen gesprochenen und so in den meisten ftlleo
recht wohlthätig von umgelautetera e unterschiedenen % ist in
harumme (eigentlich herum). Der umlaut fehlt in kantU
kenntlich: das bild ist ganz kantli; afüro, aber gedehnt, steht
in den part. cha (gekommen), gnä (genommen) und ist anch in
varabe zu hören. Unser a neigt sich übrigeos gegen o hin,
anzeigen. il7§
ohne, wie im östlicheo theil des cantoos, ganz in dieses über-
zugehen. A für a ist viel b&ttfiger, als es oacb W. scheint, ä
für e die gewöhnliche ausspräche. Zwischen geschlossenem und
ofifenein tone steht e vor rt, rd in mSrt (markt), wSrd(werth)
and uwerd (onwerth), und ganz geschlossen ist 6 in aberill«
(april). Metme = metemen findet sich in ansern gegendtd
noch in Ortsnamen, wie MStmehasli, Metmestett^ a. s. f. Fuf
vieh hört man in Z. und Umgebung noch immer Fe, in andero
gegenden des cuntous Fach. Der kurzen e, e in zweisilbigen
Wörtern sind wieder mehr um Winterthur als in Zürich, so dort
Igbe, hier labe, aber auch hier noch chegel, lege und legg^.
Verkürztes e sprechen wir in wenig und wengeli (diminutiv).
Wenn serbe serble arescere in serawen e hatte, so w&re e
auch hier verkürzt. E für ö und ö ist nicht gerade hfiufig, wie
in sättig (sotän, ein solcher) in seile = sollen, w611e >=
wollen, sett, weit, vielleicht Jn selli »> aufserordentlich, sehr:
er ist en s611i brave ma. Det sagen wir für dort, in andern
gegenden der Schweiz dort, dert. Aber dech für doch ist
gar nicht allgemein. Wir unterscheiden deutlich ei mal, emal,
^mmel, ammel: eim&l ist kei mal (einmal ist keinmal), i ha's
em&l gmeint, iez numme (ich habe es einst gemeint, jetzt nicht
mehr) i meine's ^mmel (ich meine es wenigstens), ammel
hanTs eso gmacht (sonst machte ich es so) oder i mache's
ammel eso (ich mache es im gegebenen falle so). Statt 4m-
mel auch ammigs, kftnno und kfts für keiner, keines hört
man auch bei uns neben keine und keis oder vielmehr ^känne
n. 8. f. d. b. enk., ebenso ^n und es als artikel. Ein scharfes e
haben wir in beige (heiligenbild, dann bild überhaupt, was an
der cantonsgrenze gegen Thurgau schild heifst); in h^lse (■»
heilison, etwas als neujahrsgeschenk geben), helsw^gge (keil-
förmiges backwerk, das zu neujahr geschenkt wird; vgl. w^gge
als der hervorragende theil des aufgesetzten brotes und in der
redensart: schl^gel k wdgge, schlegel an den keil, d.h. rfibrig,
hell ige tag neben heilige tag. Die sjncope von e in ge ist
sehr häufig, doch nicht durchgedrungen, z. b. nicht in gebore
(geboren). Vor anlautenden explosiven fällt in der regel die
ganze vorsilbe und läfst sich nur in einer Verhärtung des anlaa-
tes spüren. In be fällt e wohl nicht aus vor folgendem m und n,
auch nicht vor k in bekänne u. s. f. In ietwädere fehlen
die laute eh, ib. Aber in wässere, plaudere, scbnädere
376 Schweizer-SidU^r
a. a. bleiben beide e. Die apokope gebt sehr weit. Wir spre-
chen stimm, bluem, stei, aber nie nam für nlim^, h^s^
oder häs, birre oder bir, keine a. in Wörtern wie mildi (milde),
Site (seite). Reich sind die beispiele von den fällen der hier ge*
nannten Verschmelzung: abem wäg, üsem wäg, hinderm
hüs im gärtli, ums hüs umme; aber bei uns selten nme
berg für um de berg u. s. f., dann zaudert chind^ verwandt,
zoberst, zunderst, zunderobsi verkehrt, derde, dang^,
skönigs u.dgl. Heute noch haben wir nachschlagendes e in
d&durre, nähe-laufe, stan^, gane, tu ene (ich stehe, gehe,
thae) und in einigen gegenden unseres cantons das schwaartige
e: warem u.a. Das in §.21 genannte gwirbe ist noch sehr
allgemein: er gwirbet immer öppis, muess immer ö. gwirbe,
und auch das unter den schwäbischen vocalen angeführte
schmirze ist nicht ungebräuchlich: es bezeichnet einen etwas
ziehenden schmerz verursachen. Aber glirnig, was dort mit
aufgeführt ist, sagen wir nicht, sondern gierig. Durchaus an-
richtig ist die annähme, dafs britt für brett jetzt allgemein
alemannisch sei ; wir haben nie so sprechen boren. Und nicht min-
der falsch ist die behauptung, dafs die (?) heutige mundart darch-
gehends i für ü spreche. Der kurzen i haben wir noch recht
viele behalten, so in lig^ oder ligge, i gibe (gebe) a. s. f.
da wir die brechung nicht unrichtig ausdehnen. Durch kurzang
sind neue i hinzugekommen in sider postea, ine u. s. f. Viele
1 im zweiten theil von Zusammensetzungen sind eindringlinge;
so in Mändig, Zistig, Dunstig, Fritig, Samstig, lebtig,
miner lebtig (in meinen lebeustagen ), Herbrig (berberge).
Almig (almend), Schuepis (örtlichkeit in zug), Schuepiser
(geschlechtsname) in dem eigenthümlich verderbten Orblig for
ferien, urlaub, wogegen e in hin echt (diese nacht), wienecht
(weihnacht). O für e, ö ist bei uns selten; doch erscbrockeli
statt erscbrockeli hört man noch aus dem munde alter leate.
O für u hören wir etwa noch in forcht und auch förchterli
für „fürchterlich^. Aber o für au, besonders vor m, ist durch-
aus nicht allgemein schweizerisch. In der zusammensetzang
kann au von bäum zu bom, hon werden (in Bonstetten,
ortsn.) oder zu bun in hungert; im übrigen sprechen wir hier
nie anders als bäum, gaum^, suum. Rapp thut ganz unrecht
daran, o als allgemein schweizerisch für den unbestimmten vokal
in tonlosen Suffixen oder flexionen aufzustellen. Wir sprechen
anMigen. 377
deatlich anderscht, smitsety «waschet, ussert, sigerist,
einist a. s. f. Ö in gfölgig, töcbter (nogOt bosche sind
heate noch lebendig, aoch frösch (im sg.f.) ob, eb, b6b «= «ob^;
sonst ist dieses ö beschränkt. Schwöster, trösche, frömd
sind die einzig gehörten formen, im Aargao aach Mönsch. Dane-
ben haben wir in der alten beileidsformel got erg^ts'i's'leid
„gott mache euch das leid vergessen^, nie ergötze. Beson-
ders ZQ mericen sind einerseits: merchömed neben i ch&mö
(komme), auch mer chönd, imper. cbömed oder chönd, an-
derseits mer gönd (geben) stönd (stehen), iraper.pl. gönd,
stönd; conj. gong, stönd pl. göngid, stöndid u. s. f. Für
die appenzelliscben rönna, rönnig, gwönna, gwöss, de-
zwöschet, also nach r and besonders w sprechen wir 5, rönne,
gwfiss, gunne, derzwuschet. Sehr oft bebalten wir altes u,
so in hinderrucks, ganne ,)göanen% trock^ (dräcken),
gnnn^ (gewonnen), g m o 1 c h e (gemolken), wiiche, wuchetli,
in dem alten präteritam sung^ (was freilieh zunächst nicht hie-
her gehört) in dem spruchlein:
wie die alt^ sänge
so zwitschered die iung^,
sammer, sunne (sunn), wulle, wuUi, früher galdig, in
Stube, kugle (kugel und kugeln). Verkürztes u haben wir in
üf, US, wenn sie als wirkliche präpositionen erscheinen, üssert
(aufser), ganz wie im oberschwäbischen. Eine dritte form zu
den angeführten gramsele und gromsele ist grumsele vom
matten webklagen der kinder. Verkürztes iu, ü haben wir mit
den Elsässern gemein in lumd^ (leomond), Inmdesziogniss
verlumde, fründ, gfrunt (verwandt). Für sonst sprechen
wir süst, die Toggenborger süs. Aofser den oben genannten
Wörtern mit 8 für i, gewifs darch den einflufs der umgebenden
conss., sind aus unserer gegend anzuführen nnmrn'«^, wümm^
(vindemiare), wüss^, brunn^ (brennen), schümmel, aber
nicht külche, sondern chill^, eindlif (eilf ) u. s. f. So häufig,
als es nach W. scheint, ist ä statt a in der Schweiz nicht Hier
hört man nur gwalt, spält, dach. A durch Verkürzung der
form haben wir in fane (fange), pl. mer fanged oder mer
faend, od. fönd, faend, so auch im imp. pl., i schläne(nie: ich
schlage), pl. mer schlönd, conj. seh log, in läne, mer lönd
u s. w. Das a für altes ai, ei ist besonders in Stein am Rhein
sehr üblich und greift oft sogar das I an. Man erzählt sich fol-
378 Schweizer-Sidler
gendes geschieh tcheD : Ein söhn aus dem gasthof zum Schwan
in Stein reiste in die fremde uod erhielt von seiner besorgten
mutter die Weisung überall ei zu schreiben und zu sprechen, wo
man in St. a habe. Als er in einer herberge namen und iiei-
matsort anzugeben hatte, zeichnete er sich: N. N. zum Schwei-
nen in Stein. A für au, ou kann nicht der(I) heutigen mund*
art der Schweiz zugeschrieben werden. Nur striim erinnere ich
mich von altern leuten gehört zu haben für ström, stroom.
In räm ist solches a fQr au, ou allgemein deutsch geworden.
Za merken ist hier auch das echt zQrchersche blä, gra, wo vo-
kal folgt, mit euphonischem n: en blane rock, jetzt io Z.
meist schon (in folge der schuicultur) au gesprochen; in Win-
terthur hört man grou, blou» Die verdumpfung des au in a
läf^t sich übrigens auch im altlateinischen spuren, wie umgekehrt
die diphthongisierung eines (für altes a stehenden) 6 in au in
ausculari, auriga. Das ae für e spricht man auch in Z. in
gael (um Winterthur aber geschlossener), waeg, faech, nicht
aber für oe. Ebenso hört man in unserm cantone, aber doch
eher mit kurzem vokale, ger für gar. Neben frage: i frage,
de fr&gist, etc. gfraget haben wir mit einem gegen o hin-
neigenden äe : i fräegc, de fraegist, gfräeget. Das e aus
zusammenziebuüg ist bei uns sehr verbreitet, nur nicht aus ede.
Doch ist der laut verschieden, mehr dem offenen e zugeneigt in
ne (nehmen), ge (geben), vor nd geradezu ä: gänd (gebet),
nSnd (nehmet), geschlossenes vor altem h gse, vers^, gsSnd,
gschö, gsch^t. Für ege haben wir nur ei, treit, leit u.8.f.
üfhenn lebt bei uns nicht mehr, sondern dafSr üfh^bö oder
ufhä. Allerdings findet sich in unserer mundart vielfach nnd
besonders vor r gelängtes e in nere, zere, w^r^, schwSr^,
her u. s. f., mehr nach ae hinneigend vor r, in gern, fem
(vorm jähre), scherbe a. s. f. In lerne ist das e meist noch
kurz, aber viel häufiger auch für discere ler^ gebraucht. In
Wörtern, wie frävel, fr&vle, redner ist die erste siibe kurz
geblieben. Gist nnd git (dieses letztere bei uns nur für geis)
sind in gist ond git übergegangen; aber mit! erscheinen noch:
chit, list (du liegst), lit (er liegt), nicht pflit, da pflegen
wenigstens im sinne von solere bei uns immer durch i bi mi
gwönet wiedergegeben wird; aber nach dem obigen versest,
gschet. Das i für ei in chline, chlises, cbli ist auch bei
ans durchgedrungen. Die dehnung von o ist bei ons allerdings
anseigeo. 999
nicht selten, und ältere leoCe sprechen wohl sIl, wie hif, ban
nahe bäf; aber in tole: i ch& de mansch nud töle, haben wir ein
bestimmtes Ö, ö auch nicht nberall vor rt, nicht in dem frem-
den p forte, porte, wohl aber in wort, port; vor rn nicht
in «Örn, hörn. Umgekehrt herrscht verknnung von 6 ior oa
in manchen wortem vor labialen in Appenzell: i glöb^(glaobe)9
aberhöptine (überhaupt). Unechtes reines oe findet sich in
hoech: hüshoech u. s. f.; in chroemer, loe (lan) liegt es
vielmehr gegen a hin, ebenso in noecbberle sich als nachbar
gericren, besonders bei liebschaften , doch nur nachher für vi-
cinus, oder auch noch nacbbür. Ü für ue, üe ist bei ans nn-
gewöhniich. ünnig spricht man im Toggenbnrg. Um Zürich
hören wir wohl noch naeje, maeje, draeje, am Winterthur
neie, dreie, bei uns kein gai für gaech (mehr geschlossen),
kein geit, steit (wie im canton Bern) nur gät, stkU Für
tair = tor porta haben wir tär. Wenn W. au, on für ü
nur ans dem Appenzeller mittellande nachweisen kann, so kön-
nen wir es auch für Zürich bezeugen, wo es sich im silbenans-
laute findet in bou, boue, son, trone n.sf. Aber das scheint
eine neuemng; denn daneben bestehen noch bümeister, bü-
herr, bngarte. Vgl. eu in neu and ei in sei u. 8. f., wäh-
rend der strafsenname Niumert noch gSng und gäbe ist. Zu
maaend für muget merken wir das Zugersche mlui^d. Ver-
goust, broust, chonst (kanst, feuerherd) u. ä. mit ihren um-
laaten berohen aber auf einem bestimmten Sprachgesetze, das
sich auch im schwäbischen auser für unser und au sei für
am sei geltend macht. Ebenso chaust in Zug für chäst, chäst,
channst, bei uns enser, eisel (insel), eissig (emsig), föuf
(fünf), eifel (infula) u. s. f., im Toggenburg dagegen fise (un-
ser), füfi (fünf). Es ist dasselbe gesetz, nach welchem im latei-
nischen vor ns und nf lange vokale, im griechischen für -avg^
'Ovg, '8vg die dipbthongen aig (oder «), -ov^y Big sich einfinden,
ein gesetz, dessen Wirkungen J. Grimm zum theil ausgeführt hat,
und welches hofi'entlich unser freund Fritz Staub, ein treff-
licher kenner der schweizerischen mundarten, bald näher begrün-
den und durch eine masse von beispielen belegen wird. Das ei
aus zusammenziehung von egi ist bei uns sehr häufig; aus edi
wird es entstanden sein in dem gassennamen Preiergässli in
Zürich. El für e in dem alten deisn scheint falsch angesetst,
da hier ei zeichen des nom. pl. ist. Warum deo und chnSo
380 Schweizer-Sidler
auf ig leiten sollten, sehen wir nicht recht ein: das entere ist
ableitang von w. ta im s. ,, wachsen^, das andere entspricht zq-
versichtlich dem skr. g'änu, griech. yowy lat gena. Neben
chnia haben wir in diesem w. öa in chnoalige koielings
und im v. chnöue. Unter den Beispielen von eo für altes
awi steht falsch auch sleuwen, irslewet, da diesem S zu-
kommt. Das appenzellische breula lautet bei uns nur bruel^
Heusche für heischen ist jetzt noch ziemlich allgemein, ebenso
cbleube statt chleib^, und in Wörtern, wie verseichnifs,
spricht man im Aargau noch eu. Ob auch das leuje im can-
ton Bern, neben dem auch luwe vorkommen soll, in dieser
weise seine erklärung finde, weifs ich nicht Ich kenne die ber-
nersprache nicht genug, um sicher annehmen zu dürfen, es stehe
für leije, was im Elsafs für lige, ligge erscheint. Das le
als brechung von i ist auch im canton St. Gallen, namentlich in
siene, gsiene (zürcherisch gsene, sehe) zu hören; kriesi für
cerasum ist allgemein schweizerisch, ebenso wiege, in Bern
spielt; aber statt stiege sagen wir stfige. Zu beachten ist
auch das ie im conj. vcrstiend, was doch vielleicht nicht fSr
verstüend steht, wenn wir daneben das auffallende miech
für machte (conj.) halten. Zwar liederli sagen auch wir. Dem
herrn verf. können wir versichern, dafs das für i stehende ie
wirklich diphthongisch gesprochen wird. Noch jetzt spricht man
deutlich liecht nicht nur für das alte lieht, lux, auch für
licht, leicht, nur nicht in villfcht, noch tiechsel f. deichsei
und uienecht f. Weihnacht. Ie == io = uo, ue ist in Basel
sehr durchgehend. Das alemannische hat allerdings in sehr oft
noch erhalten , und das namentlich im pr&sens von V. V. der
u-conjugation, nicht nur i ginze, auch mer giused, infin.
giuze u. s. f.; aber doch müssen dieb und lieb bei uns Uogst
eingedrungen sein, und bemerkenswerth ist, dafs wir gerade das
im mittelhochdeutschen fester gebliebene iu fahren lassen, und
bläu^, chöue, röue, euer, spren neben spriar, wie fiar
siuri, chniu, driu, sprechen. Vergl. oben an und ei im sil-
benauslaute. Das schwäbische stueffkind, tue ff u. a. stehen
vielleicht unserm stinfk. u. s. f. tiuf, tiufi näher als den for-
men mitie. Auch in niut dauert das alte iu fort, io but, hStig
ist es verkürzt Das ist unrichtig, dafs in Zürich on für an ge-
sprochen werde. Ou haben wir für n vor ns, und wo wir un-
ser mundartliches ü verschriftdeutschen, In ouf u. s. f. Speuze
«nzeigieii. SM
und speasle sagen wir beute noch in eigentlichem and über»
tragenem sinne (vom sich im lorne oder mit Verachtung abwen-
denden) für speien. Ebenso ist nodi an in langn^, üs
laugn^ (läugnen). Für Bonstetten spricht das volk noch
Banstetten; aber hier steht an nicht für altes o, sondern ist
selbst das alte: dieser Ortsname lautete anfänglich Bau m st
Ein ganz eigenthümliches au ist das in unserm gescblechtsna»
men Vater laus, was sicher nicht für Vater lüs steht Der
ahne ist vielleicht aus Schwaben eingewandert, wo man hilf laus
findet Üe in tüer, vertüere für dürr u. s. f. geht auch noch
in an Sern canton hinein. Wie in liecht für licht vor ch ein
ie sich auftbut, so gilt bei uns allgemein füecbt, füechti
(feuchtigkeit), und man hört sehr oft, namentlich im östlichen
theil des canton Zürich, es tu echt mi, es h&t mi tüecht für:
es dünkt mich. Dem schwäbischen ue entspricht üe in unserm
rüebig und im toggenbnrgischen : stfiend z. b. s' ist nud
z' tuend, hier z' tue. Auch wir brauchen rüefen für rufen.
Ueber den vokalismus von Schwaben und dem Elsafs treten wir
nicht ein; einige interessante einzelheiten desselben fanden wir
uns bei unsern mundarten herauszuheben veranlagt.
Ein zweiter sehr umfassender abschnitt unsere bnches be-
schlfigt die alemannischen consonanten. Wer sich mit der ge-
schichtlichen entwickelung des Deutschen näher beschäftigt hat,
hat es auch erfahren, dafs es im consonantismus viel an entwk-
ren gibt Weinhold hat sich schon dadurch verdient gemacht,
dafs er für ein grofses gebiet der spräche eine ungewöhnliche
masse materiales zusammengebracht hat; aber er bat auch Ord-
nung in die masse zu bringen gewufst Werden dafür dem verf.
die pfleger deutscher und allgemeinerer Sprachwissenschaft über*
haupt dankbar sein, so gewifs besonders diejenigen, denen die
alemannischen mundarten am nächsten li^en. Noch heute ist
in unserer mundart vom streng alemannischen consonantismus
viel, fast alles gewahrt, und wir könnten aus ihr zu Weinhcdds
darstellung reiche zuthaten liefern, die nur neue beläge zu den
alten wären. Wir beschränken uns auf weniges. Das ist nicht
ganz richtig, dafs noch die heutige mundart durchgehende p im
auslaute habe für echtes b. In lib und labe, in gwerb und
dergl. haben wir durchaus die media, sprechen dagegen aller*
dings uerderpli, wiechintli, gruntli neben chind, grund.
Das s. 116 erwähnte unechte p haben wir nicht mehr in sim-
382 Schweizer-Sidler
berni& (faber) in ^rbe o. s. f., ganz deutlich noch in ver-
stümplet z. b. de prnef ist verstümplet, d. h. es hat so
viele, die ihn treiben, dafs er nichts mehr abwirft. Herrschend
ist das p in fällen, wie ghept, bhept (er h&t si schuli bbept
geklagt), ops u. s. f. Stompe fflr stamme! sagen wir heute
noch, im übrigen kenne ich kein weiteres beispiel für solches p.
Das härtere haben wir auch in scblirpen für slirben. Wir brau-
chen aber dieses wort nicht nur als verbum, sondern schlirpen
sind uns auch pantoffeln. In facht and p facht schwanken wir
heute noch. Das wort wird vorzuglich von weiblichen arbeiten,
nnd namentlich vom stricken gebraucht. Dem sinne nach ist
also hier pactum besonders gleich pensum. Noch in einem
wort, aber um der hineinspielenden Volksetymologie willen, ha-
ben wir übrigens dieses f, nämlich in forzeie, forzeiche por-
ticas. S. 123 anm. 2 ist von einem schweizerischen nafer, nu*
fer die rede: dieses lautet bei ans nuefer „lebendig, thätig*^.
Wo vom ausstofsen des f die rede ist, ist hostet angeführt«
In diesem werte verschiebt man in Z. noch einmal. Wir haben
hier neben Stfissihofstat Peterhostez und grossi Hostes.
Doch wir setzen solche einzelne bemerkungen nicht über die
andern consonantenreihen fort. Auch das zweite buch, die
Wortbildung, ist im ganzen trefflich gearbeitet. Lost und ei*
fer mangelt dem referenten nicht auch hier über einzelnes seine
abweichende meinung zu begründen und des uns noch gebliebe-
nen eine merkwürdige fülle auszuschütten; aber er wurde da*
mit die grenzen einer anieige weit fiberschreiten, und spart das
materlal für eine eigene arbeit auf. Von positiv aortchtigem
habe ich in diesem abschnitte wenig gefunden; denn über das
wesen der wurzel, über ihre formation und dgl. Iftfst sieh nosb
immer streiten, obgleich wir in deren auffassung und abseh&lnDg
sehr weit vorgeschritten sind. Greifen wir einige pnacte her*
aus, die zum theil die deutsche grammatik überhaupt angeben.
Auf s. 246 erklärt W. die adverbia auf -o als gleicher bildung
mit den gothischen auf ba, und führt dieses «ba auf skr« vat
„wie^ suruck. Wir sweifeln daran, dafs dieses allgenoteine InIII-
gung finden werde. Diese annähme läfst sich jedenfalls nioht
beweisen, nicht einmal durch analogien sich wahrscheinlich ma-
chen. Ebenso kühn ist die erklärnng von a in wSls, wola a. I.
aus skr. thä, des i in pauchini u. s. f. aus di gleich ti in itL
Seihst das griechische ei ist ja keineswegs bis cur evidenz sicher
anseigen. Ml
aas yadi erkifirt worden. Auf 8. 215 ist dorcb einen druck*
fehler sQgese statt sägese ^tense*' hineingekommen. Aber
drückt doch in der coniposition oioht nur eteigernng und Wie-
derholung aus, sondern auch das dem rechten abgewandte, enl-
fernle. An (Ä) und llne, ab und äbe sind in der mnndart
verschieden gebraucht Die vollen formen sind noch viel lebeiF
diger local. Der pronominalstamm hi im deutschen ist nicht
derselbe mit dem lateinischen ho, hi, sondern mit lateini-
schem ci in citra etc., ce in hie, nunc, tunc, sie. Vergl.
Schleicher, beitrage I, 48 ff. Auf sa — auch im sanskrit sas-
min — mag wirklich sar zurückzuführen sein und dem sans-
kritischen saträ entsprechen. Auch wollen wir nicht bestrei-
ten, dafs daspr&fix sih (wie lateinisch sie) daher stamme, and
ebenso wird das prfif. dih, deh, doh auf den pronominai-
stamm ta zurückgehen. In unserer mundart ist ein bestimmter
unterschied zwischen nnd (in Winterthur nid) and niat. fi«r-
steres bezeichnet immer: nicht, letzteres steht wohl für niuts
und heifst: nichts. Die Zusammensetzung mit si ist bei ans
ausgedehnter: nicht nur obsi, nidsi, fOrsi, auch bindersi
(hinderschi) findet sich.
Das dritte bach omfafst die wortbiegong. In §• 332 ist die
annähme wiederholt, dafs nrsprunglich alle V. V. der vierten
unterabtheilung der a-klasse ihr prftsens auf -ja gebildet hfitten.
Anders und wir meinen richtiger faCst Grein die Sache aaf in
seinem schriftchen ^ablaut*' etc. §. 13. Der conj. von st4n,
stSn — stae, staei ist gar nicht über die ganze Schweiz aas-
gebreitet; hier sagt man: stönd, stondist, stönd u. s. f. Das
s. 326 angeführte gschrüe, gschruwe hört man im Toggen-
burg ond anderswo, hier durchweg gschroue, verschrouc
u. s. f.; puw^ im Toggenburg u. s. f. pou^ in Zürich ist heute
noch stark gebildetes particip. Zu lÄ (lassen). Wir lassen hier
(s. oben) sehr stark das ö sich entwickeln: mer lönd u. s.f.
Conj. i löss, de lösist n. s. f. I lüff deva (ich liefe davon)
im conj. und gl5ffe sind noch heute die gangbaren formen.
Die heutige Schweizermundart hat mindestens in unsern gegen-
den das ist der zweiten person nicht gerade häufig, z. b. sa-
gen wir de giust ^dn giefsest*', de schaffist und schaffst,
wachsist und wachst u. s. f. Gerade ohne umlaut heifst es
bei uns de grapst (du gräbst), de fänst (du fährst), wie denn
384 Schweizer-Sidlcr
Überhaupt der unilaut auch in der dritten pers. sing, ungewöhn-
lich ist und z. b. in keinem der von W. angeführten mhd. fälle
vorkommt. Im präs. conj. haben wir in erster und dritter pers.
sing, entweder i in der endung oder apokope, letztere selten
nach ursprünglicher länge und positionslanger silbe, wie er sieh
für ziehi(St. G. ziuchi), trib, schelt u. s. f., doch in werd,
gsch&ch (geschehe), gab u. s. f. Dagegen ist die apocope des
schon im urdentschen kurzen i in der dritten und des i der er-
sten pers. praet c. regel: i naem, i gaeb u. s. f. neben d^
naemist, gaebist. In der zweiten pers. sing, des imperativs
haben wir auch in sitzen u. ä. keinerlei zusatz zum stamme.
Nicht nur im schwäbischen, auch in der mundart der Appen-
zeller, St. Galler u. a. finden sich die formen: ztüend, znend,
zgend; es ist nüd z tuend sagt man, wenn man sich scheinbar
weigert eine wohlthat oder ein geschenk anzunehmen. Die im-
peradvform bis, die heute noch gfing und gäbe ist, erklärt W.
als zweite person des präsens, was freilich ohne analogie ist;
aber noch gewagter ist es, darin einen rest der alten imperativ-
endong zu sehen. Zu dem schat in §. 362 stellt sich unser
noch lebendes schat für schadet Die endungen des ploralia
sind bei uns durchweg, wie in §. 363 angegeben wird, in et ver-
derbt Im imperativus, p. 2. sing, findet auch in der schwachen
conjugation regelmäfsig apokope statt. Im particip des perfec-
tums fällt noch oft, doch gar nicht immer, das auslautende t, d
des Stammes nach s. 381. So in gscbänt: er hat si gschtot
(verwundet), verriebt für verrichtet Das präsens von haben
flectieren wir: i han (hä) oder am Zürichsee hän, de h&st,
er hat, mer händ u. s. f. Conj. i heb, de hSbist n« s. £
oder i häi, i häig, de häigist u. s. f. Imper. heb, hSnd;
part praet gha oder gh&: de muost gh^ hl. Der inf. ab-
solut hä. Conj. praet hetti, de H6tti hat zum Wetti gseit: der
Hätte ich hat zum Wollte ich gesagt Heute noch sagen wir
nur: wurk^, gwürkt Starke participia in schwachen V. V.
sind bei uns nicht selten, wie pou^, glösch^, gsch^ch^
u. 8. f., aber daneben auch im conj. prät i ver glich ti. Prnng^
hört man oft neben p rächt Es liegt doch wohl kein zwingen-
ger grund vor in magum (s. 391) das a als für ä stehend an-
zusehen. Nicht aus unserer Züricher mundart, aber aus einem
theil des cantons, aus Zug u. s. f., führen wir mond neben
möund statt mögen, -et, -en als heute noch vorkommend an.
anzeigen. 38»
Die part. perf. dieser praeteritopraes. bilden wir nicht nach den
neuern schwachen formen, sondern mögen, chönnen etc., doch
gönnet. Von sollen haben wir schon oben ansere form s^lle
= sollen und neben diesem angefahrt. So steht auch s^ll
neben soll (conj.), s^tt neben sott „ich sollte^. Merkwfirdig
ist, dafs wir von diesem v. keinen indicativ brauchen, wie aach
neben i will gleicbbedeatend i wott vorkommt In gönnen
ist der umlaut bei ans noch nicht eingedrungen, aber dafür ist
der vokal u überall eingeführt: i gunn^ etc. tär mit einem nach
o hinneigenden a ist bei uns noch sehr gebräuchlich; plar. mer
täred u. s. f.
In §. 390 spricht der verf. von den flexionen des sabstao-
tivams. Wenn er meint, das -sas des nom. plar. habe sich viel-
leicht in dem -er, -ir des nom. acc. plar. nentr. erhalten, so ist
das bestimmt ein irrtham. Wie sollte sich denn die endang der
geschlechteten formen gerade nur im neotrom erhalten haben?
Jenes "ir entspricht ja sicher der sanskritischen bildungssilbe
-as, lat.-as u. s. f., und kam, wie wir neulich wieder von Die-
trich gelernt, gar nicht nur im ploralis vor. Nicht klar ist ans
die nothwendigkeit stamm und thema su unterscheiden, wie es
8.411 geschehen. Das s. 421 für den Übergang in schwache
deklin. angefahrte beispiel chlegd^ findet sich heute noch. Wenn
W. §.400 meint, fihia sei eigentlich eine nominative form, so
müfste es dann ein masculinum fiha annehmen. Von einem
im nom. der schwachen deklination allgemeinen a in der Schweiz
wissen wir nichts. In s&me u. ä. ist ein laotloses e. Sehr häufig
findet sich apokope: in schenk, schultheiss, schw an (neben
Schwank „gasthofsbezeichnang^), vorpot, has, ma, äff,
ratz, Schw&b a. s. t
Doch schliefsen wir diese anzeige; genog sind der einzel-
nen kleinigkeiten ao^ezfihlt Wir wiederholen zu ende dem
verf. unsern wfirmsten dank namentlich auch dafür, dafs er es
uns möglich gemacht hat eine grammatik der heutigen aleman-
nischen mundarten nach den gesetzen jetziger Sprachwissenschaft
zu entwerfen.
Zürich, am nenjahrstag 1864.
H. Schweizer-Sidler.
Zeitechr. f. vgl. sprachf. XIII, 5. 25
386 Spiegel
Hercule et Cacub, Etudc de mythologie comparee, par M. Br^al. ParU
1863. 177 pg.
Der in der Überschrift genannte mythenkreis Ist wohl der
erste, der überhaupt mit den vedischen anschauangen verglichen
worden ist. Btsi non is sam, sagt Rosen in Rigv. I, 6. 5, Dach*
dem er den mjthas von Vritra erzählt hat, qui speciosa fabola-
mm, qnae apud diversos et longe dissitos popolos circamferantor,
similitudine facile addacar, ut sacrorum commerciam inier eo9
obtinaisse credam, non possum tarnen quin hoc loco ad miram,
quae isti veterum Indorum de vaccarum raptu narratiooi com
notissima Romanorum fabula de Caco et Evandro intercedit,
convenientiam lectorum animos advertam. Zugleich aber warnt
er vor allzugrofsem glauben an solche zusammentreffende mj*
then ohne vorhergegangene genaue Untersuchung, da die fihn-
lichkeit sonst leicht dem zufalle ihren Ursprung verdanken and
mithin die ganze vergleichung nichtig sein könne. Seitdem hat
bekanntlich die vergleichende mythologie das geschäft übemoD-
men, solche trügerische, zufällige äbnlicbkeiten von den begroo*
deten beweisen ursprunglicher Verwandtschaft zu scheiden and
die obige vergleichung hat, wenn irgend eine, die probe bestan-
den. Obwohl dies allgemein anerkannt ist, so hat es doch mei-
n«s Wissens bis jetzt an einer genauen allseitigen besprecbong
des gegenständes gefehlt und der verf. obiger schrift hat sich
darum eine höchst dankenswerthe aufgäbe gestellt, wenn er
den ganzen hieher gehörigen mjtbenkreis einer genauen be-
trachtung unterwirft. — Nach einer kurzen eioleitang, in wel-
cher er die frühem ansichten über mythologie and ihr TarhAIt-
nifs zu den anscbauungen der vergleichenden mythologie prfift,
wendet sich hr. B. zu dem eigentlichen gegenständ seines Wer-
kes und beginnt, wie es sich gebohrt, mit der dariegaog der
mythen in den einzelmythologien, die zur vergleichang herbeige-
zogen werden sollen. Im interesse des fransösischen pablikoms,
für welches der verf. zun&chst schreibt, hat es derselbe ffir pas-
send gehalten mit dem bekannteren, den mythen der klassischen
sprachen zu beginnen, für die leser dieser Zeitschrift ist es wohl
angenehmer, wenn wir von der einfachsten fassung, der indi-
schen, ausgehen, und von da allmfihlig gegen westen fort-
schreiten.
Zu den deutlichsten und am meisten besprochenen mythen, wel-
anzeigen. 887
che der veda erzählt, gebort der kämpf des Indra mit dem d&mon
Vfitra. Dieser, ein dreiköpfiges iiDgeheoer, hat die himmlischen
kdhe fortgetrieben und in eine höhle eingesperrt; Indra verfolgt
den räaber and erschlägt ihn, nachdem er die höhle geMToet,
mit seinem blitze, die kfihe bringt er wieder zorflok, ihre milch
strömt im regen auf die erde herab. Von dieser that erbSlt In-
dra angeblich den namen Vritrahan, VHtratödter, der ihm aooh
in späterer zeit noch geblieben ist. Die näheren umstände des
kampfes sind jedoch in den vedas sehr schwankend angegeben.
Bald ist es Indra allein, der die that vollbringt, bald hat er ge-
hülfen, namentlich die Maruts oder die winde. Aber auch ober
die hauptpersonen des kampfes steht die vedische ansieht nichts
weniger als fest, häufig treten andere gottheiten, wie Agni, Trita,
Brihaspati etc. an die stelle des Indra, auch der geg^oer fuhrt
nicht immer blos den namen Vritra, sondern auch noch andere«
unter denen wir Abi, Qushna, ^ambara namentlich hervorheben
wollen. Der sinn des mjthus aber, der schon oft besprochen
worden ist, kann vermöge seiner dnrchsichtigkeit kaum bezwei-
felt werden, selbst den einheimischen indischen erklärern ist er
noch deutlich gewesen. Es ist der kämpf, der sich im gewitter
darstellt, Indra ist der gott des leuchtenden blauen himmels,
Vritra oder Ahi bezeichnet die schwarzen wölken, welche die
gewässer gefangen halten; die wölken werden mit dem blitze
gespalten und die wasser strömen auf die erde herab. — Wen-
den wir uns zu dem den vediscben Indern am nächsten ver-
wandten Volke, den alten Eräniem, so glaube ich, dafe wir auch
hier finden, wie nahe beide Völker unter sich zusammenhängen,
nur wird man uns gestatten müssen in der auffassung etwas von
unserm verf. (p. 124 — 138) abzuweichen. Hr. B. findet den in-
dischen kämpf zwischen Indra and Vritra hauptsächlich in dem
kämpfe zwischen AhararMazdäo und A^- Main jus wieder, so
dafs die Vfitramjthe gewisser mafsen der angelpunkt der irani-
schen religion geworden wäre, nur dafs die physische grondlage
durchaus entfernt und die moralische in den Vordergrund gestellt
ist Andere hieher gehörige iranische mythen kennt zwar der
verf. auch (p. 130), aber er legt ihnen weniger gewicht bei. Wir
sind nicht gesonnen, hrn. B.'s gewifs scharfsinnige ansieht schlecht-
hin zu verneinen, wir halten es im gegentheil für ganz möglich,
da£s Ahuro-Mazdao und Agro-Mainyus auf diese art entstanden
seien. Allein von der möglichkeit bis zur Wirklichkeit ist eben
25*
388 Spiegel
noch ein weiter schritt and für diese fehlt es ans darchaas an
beweisen. Die meisten gottheiten treten ans im avesta schon
fertig and dogmatisch genau bestimmt entgegen, nar bei weni-
gen läfst sich noch die geschichte ihrer entwicklang nachweiBen.
Wenn man daher Ahara-Mazdao und A^o-Mainjas als rein anf
eranischen boden entstandene gottheiten aafTafst, wie ich mit
Windischmann thue, so wird sich auch schwerlich viel dagegen
einwenden lassen. Unter diesen umständen mochte ich onter
den vergleichbaren anschaaungen des avesta lieber den kämpf
des Tistiya and Apaosha in den Vordergrund stellen (cf. Yt. 6,
13 — 34). Tistrya, das regenbringende gestirn, wird oft dareh
den dämon Apaosha bekämpft und auf seinem wege zarOckgetrie-
ben, so dafs er das nöthige wasser nicht erhalten kann, das er
zur befeuchtung der erde herabgicfsen mufs, bis ihn Abaro-
Mazdäo mit übernatürlicher kraft unterstutzt. Dann scblSgt H-
strya den Apaosha mit der blitzeswaffe, im donner vernehmen
wir noch das geschrei des geschlagenen dämons (cf. Bundehesh
17, 8 flg.). An einer andern stelle (Vd. V, 50 flg.) wird swsr
Ahuro-MazdiU) als der vertheiler des regenwassers genannt ond
ich habe diese fassung früher für die ursprüngliche gehalten, da-
gegen hat sich aber Windischmann (Zoroastr. Stadien p. 168)
und, wie ich glaube, mit recht erklärt. Wie mir scheint ist der
ursprüngliche mythus, trotz aller änderungen, ziemlich rein fest-
gehalten. Er theilt mit der vedischen darstellung die gewifs nr-
ursprÜDglichen züge, dafs der kämpf zwischen Tistrya nnd Apa-
osha nicht als einmaliger Vorgang, sondern als immer sich wie-
derholende thatsache gefafst wird, die sich stets im gewitter wie-
derholt; ferner dafs das ereignifs im avesta wie im veda, am
himmel, in der luft und nicht auf der erde vor sich geht Dafs
sich derselbe Vorgang bei den Er&niern aach noch in anderer
form dargestellt findet and dafs dem vedischen kämpfe swischen
Trita und der schlänge der ör&nische zwischen Thra^taona nnd
der schlänge Dahäka entspreche, hat schon vor Iftngerer seit
R. Roth gesehen nnd hr. B. stimmt ihm bei. Hier hat sich aber
das avesta schon weiter von seinem urbilde entfernt, als es bei
dem kämpfe des Tistrja mit Apaosha der fall war, das avesto
setzt diesen kämpf auf die erde and sieht in den handelnden
personen mythische könige.
Von der Untersuchung über den mjthas und seinem gehalt
trennen wir ganz die frage nach dem namen der handelnden
anseigen. 389
persönlichkeiten. Wir haben gesehen, dafs die in ähnlichen kftm-
pfen bei den Braniern auftretenden Persönlichkeiten mit den ve-
dischen den namen nach nicht identisch sind, namentlieh ist dies
in dem von ans an die spitze gestellten mythns der fall. Es ist
aber bekannt, dafs dem indischen vritrahan ein altbaktrisehes
verethraghna entspricht and selbst dem indischen vfitra steht ein
altb. verethra entgegen. Hierin hat man von jeher den haopt-
beweis gesehen für das Vorhandensein der vritrasage bei den al-
ten Eräniern, aber, wie ref. Sberzeagt ist, durchaus mit unrecht.
Es ist zwar allgemein zugestanden, dafs verethraghna im alt-
baktrischen nicht mehr Vritra tödtend, sondern ganz allgemein
siegreich heifse, aber man siebt darin eine blos spätere entartnng
des ursprunglichen begriffs. Auch im veda heifst vritra feind,
aber als grundbedeutung nimmt man den dämon Vritra, von vri,
claudere (cf. die vorl. sehr. pp. 104. 105). Der gedankengang
wäre demnach der folgende: Vritra heifst ursprunglich der zu-
rückhaltende dämon, dann der feind überhaupt, vritraghna oder
verethraghna zunächst den Vritra tödtend, dann 2) feinde töd-
tend, 3) siegreich überhaupt Gegen diese annähme habe ich
schon vor jähren (ind. stud. III, 418. 419) mich erklärt und ob-
wohl ich im einzelnen manches anders fasse als damals, so bin
ich in der hauptsache noch heute derselben ansieht wie damals.
Ks gehört diese frage entschieden vor das forum der verglei-
chenden Sprachwissenschaft, sie darf aber kein endgültiges or-
theil abgeben, |bevor sie alle parteien abgehört ab. Wenn auch
die obige anordnung der bedeutungen ganz unverfänglich er-
scheinen kann, wenn man das sanskrit allein betrachtet, so
scheint sie doch unstatthaft, wenn man die Sachlage im altbak-
trischen ohne Voreingenommenheit ins äuge fafst; diese spräche
aber nach dem sanskrit a priori modeln zu wollen, wäre ebenso
ungereimt, als wenn man die bedeutungen des sanskrit nach den
Ermittlungen im altbaktrischen regeln wollte. Es ist nun gewifs,
dafs in der genannten spräche verethra sieg, verethravaf sieg-
reich bedeutet, diese bedeutungen können sich nicht aus einem
Worte entwickelt haben, welches in seiner grundbedeutung einen
zurückhaltenden dämon bezeichnete. Dagegen schliefst sich ve-
rethra und verethraghna ungesucht an die wurzel vri zurückhal-
ten, wehren, an, wovon noch varetis die wehrhaftigkeit, vareto
der bewehrte, neup. v> JT gurd, der held, stammt. Alle diese
thatsacheu hat die vergleichende Sprachwissenschaft im äuge za
d90 Spiegel
bebalteo, ehe sie die grandbedeutang eines Wortes io der ari-
schen periode bestimmt. Mir scheint es nicht zweifelhaft , dafo
damals das wort vritra oder verethra ein adjectiv war (wie es
ja aach im veda noch als ein solches vorkommt), das etwa die
bedeatangen: zurückhaltend, stark, hatte and dafs sich erat dar-
aus die bedeutung eines zurückhaltenden dämons als feind xax
fioxi^p entwickelt hat. Wenn wir somit nicht abstreiteo, dafii
die Worte vritra und vritraghna in die arische periode hinauf-
reichen, so müssen wir dagegen bestreiten, dafs sie eine hervo^
ragend mythologische bedeutung damals gehabt haben. Ob da-
her die Eranier jemals einen dämon kannten, der Vritra hieb,
scheint mir mehr als zweifelhaft. Aber was kommt daraaf an?
Dafs sie den mythus kannten, der gewohnlich an den namen
Vfitra sich anschlicfst, haben wir gesehen, dafs dieser name aber
selbst in der vedischen periode nichts weniger als feststand, bat
unser verf. zur genüge gezeigt. Auch scheint es uns wahrscheio-
lich, dafs die verschiedenen bedeutungen der wurzel vri, die wir
jetzt reinlich auseinander halten, damals in jener alten zeit noch
mehr in einander verschwammen und es sollte uns nicht wan-
dern, wenn man das wort vritra in anderen sprachen and in
ganz andern beziehungen wieder entdeckte.
Auch die Griechen und Römer haben den entsprechenden mythns
noch bewahrt, wenn auch freilich lange nicht so durchsichtig als er
bei den asiatischen Völkern erscheint, auch ist der kämpf vom hiin-
rael auf die erde verlegt. Die ähnlichkeit des italischen mythas Fom
Herkules und seinem kämpfe mit Cacus ist längst bemerkt wor-
den, die Identität stellt sich aber noch schöner heraus, wenn
man, wie der verf. thut, ihn in Italien selbst geschichtlich rück-
wärts verfolgt und in seiner ursprunglichen gestalt darstellt. Es
ergiebt sich, dafs Hercules erst ziemlich sp&t, am die seit der
kriege gegen Pyrrhus (p. 54) an die stelle eines altitalischen
gottes getreten ist. Dieser italische gott kann aber kaum Her-
culus gewesen sein, der eine feldgottheit ist and die spätere
gleichsetzung mit dem griechischen Herakles nur der anfälligen
ähnlichkeit seines namens zu danken hat. Der gott, dem die
Römer auf der ara maxima opferten, dessen cultos eine sehr be-
deutende Stellung in der altitalischen religion einnahm, heifst io
alten quellen theils Sancns, theiis Recaranus oder Oaranas.
Hr. B. macht (p. 56 flg.) in der that sehr wahrscheinlich, dafs
dieser alte gott niemand anders als Jupiter gewesen sein könne.
anzeigen. 991
Auch mit seiner berleituDg de8 oamens Recaranus (von kfi
chen, schaffen, cf. ceros ood creare) aiDd wir eioverstandeo, da-
gegen scheint uns der name Sancas, der doch wohl sa sacer,
sanctus, sancire gehört, noch nicht gans aufgeklärt an aeio, hr.
B. stellt (p. 56 not.) die wurzel sac, sag aaf^ die er mit griech»
äyiog und skr. y aj vermitteln will , doch scheint mir dies swei-
felhaft, die wurzel scheint mir jedenfalls sac zu sein, in sagmen-
tum finden wir nur die im lateinischen gewöhnliche erweichaog
des c vor m wie segmentum von secare. Auch der name Cacoa
scheint nicht ursprunglich zu sein, sondern ursprunglich Cacius
oder Caecius gelautet zu haben, wie schon Härtung vermnthet
hat. — Aus der griechischen mjthologie zieht hr. B. zunächst
den mythus von Geryon herbei, der noch als tQiaoifiatog und
tQixoQtj^og gilt, wie auch bei Indern und Eraniern der schlänge
drei köpfe beigelegt werden. In gesellschaft des Geryon befin-
det sich der hirt Eurytion and sein band Orthros, seine Woh-
nung wird weit weg nahe am ocean auf der insel Eurythia ge-
dacht ; dort besitzt er grofse heerden von purpurnen rindern und
kühen, deren fabelhafte färbe noch andeutet, dafs sie früher mit
der sonne in bernhrnng gestanden haben. Diese heerden wer-
den von Herakles ihrem eigenthumer entrissen, nachdem er sa^
wohl diesen selbst als seine geholfen erschlagen hat. — Wie
sich in Italien alte brauche an die mythe von Cacus und seinem
besieger anschlieCsen , so in Griechenland die Stiftung der olym-
pischen spiele an die thaten des Herakles, beweis genug, daCs
diese, zum theil wenigstens, in sehr alte zeit zurückgehen. —
Auch im germanischen findet hr. B. unsern mythus in einzelnen
zügen der nibelungensage wieder. Nachdem uns hr. B. das ma-
terial vollständig mitgetheilt hat, weiches für diesen mythus noch
vorliegt, geht er daran, die ursprüngliche form desselben und
seine bedeutung festzustellen. Es handelt sich dabei um drei
punkte, nämlich: wer sind und was bedeuten die beiden käm-
pfenden mächte und was der geraubte gegenständ? Dafs auch
die indische form der sage nicht mehr die ganz ursprüngliche
sein kann, ist klar, denn Indra ist ein rein indischer, nicht ein
indogermanischer gott. Im anschlufs an M. Muller (cf. d. zeitschr.
V, 148) nimmt hr. B. an, dafs Indra an die stelle einer älteren
gottheit, des Dyaus oder himmelsgewölbes, getreten sei, welche
wir in Z&igy Jupiter etc., wiederfinden. Nach demselben gelehr-
ten wird der hund des Eurytion, Orthros mit dem Vritra zu-
a92 £bel
sammengeBtellt (p. 104. Müller 1. c. p. 150). Auch ich habe
schon froher (cf. meine übers, des avesta II, p. CXI) dieser an-
sieht zagestimmt, dagegen ist sie neuerdings von Pott (etymoL
forsch. II, 747 2 a.) verworfen worden. Aufserdem sacht hr. B.
auch noch in Typhon ein gegenbild des indischen Vritra (p. 105).
An den zweiten indischen namen Ahi, schlänge, schliefst er sehr
wahrscheinlich (p. 107) eine ganze reihe griechischer ungeheuer
an, als Variationen derselben Idee. Den grund, warum man die
wölken gerade mit schlangen verglich, findet hr. B. einerseits
darin, dafs die geschlängelte form der blitze namentlich die Vor-
stellung von einer schlänge hervorrief, dann aber auch, dafs die
Wurzel, von der das wort für schlänge in den meisten indoger-
manischen sprachen gebildet ist (cf. ahi, azhi, Ix^Sy anguis) zu-
gleich die idee des bösen in sich befafste (aiiihas, agha im skr.,
anzo, agha im altb. , ix^Qog im gr.). Die letztere etymologie,
die meines wissens A. Weber angehört, dürfte doch noch man-
chen bedenken unterliegen (cf. Benfey, wurzell. II, 163; Schwei-
zer in d zeitschr. I, 152). — Bezüglich der kühe, welche geraubt
werden, erinnert hr. B. daran (p. 108 flg.), dafs gävas ursprung-
lich „die gehenden^ heifst und nichts weiter bezeichnet als die
von der sonne erleuchteten wölken. Die alten Indogermanen
sahen also am himmel und in der luft ein gegenbild ihres eige>
nen treibens auf erden.
Wir müssen es uns versagen, dem verf. auch bei seiner dar-
legung der allmähligen Veränderungen zu folgen, welche der my*
thus erfahren hat. Schon das gesagte wird hinreichen zu zeigen,
dafs hr. B. durch seine ausführliche belencbtung dieses schönen
mythus unsern dank verdient hat und wir wünschen von ihm
und andern bald ähnliche beitrage zur erforschung der einzelmy-
then zu erhalten.
Fr. Spiegel.
L. Benloew, recherches sur rorigine des noms de nombre japh^tiques
et s^mitlqnes. Giessen 1861
versucht in eine der mysteriösesten partien unserer sprachbildnng
einzudringen, naturlich nicht überall mit gleichem erfolge, wohl
aber überall mit geist und interessanten Seitenblicken. Die be-
nennangen der einiahl aoas »s oinos, goth. ains (= skr. Sna),
skr. eka, zend aSva = griecb. oJog^ Ja führt der verf. gewifs
richtig auf den pronominalstamm i (mit gana) in siisammenset-
sung mit na, ka, va suruck, weniger evident dor. oiip, &g^ opos
(= skr. ana, sl. ooo) auf den stamm a, lAOPog^ ftip, ftia aaf das
pronomen der ersten person ma (hier ziehen wir Leo Meyer's
deutung bei weitem vor); dao u. s. w. aaf das pron. tu (tvam
du, tva andrer) mit erweichung, wozu de neben skr. tn passen
wurde; tri auf wz. tar ^überschreiten^, wobei uns nur die den-
tung der verwand tschaftsnamen (pitr = der abwesende herr
u. 8. w.) etwas gekünstelt erscheint, tisras f. auf tri-stras (von
stri); catur auf ekatur (eins und drei); pancan auf päni cana
(une main quelconque); sechs, als dessen grnndform er zend
csvas ansieht, auf wz. xn, ^vco (schneiden), indem man einen
finger der zweiten band gelöst, gehoben hfitte; saptan als ur-
sprüngliche Ordinalzahl sap-ta-ma, deren grundform im goth. si-
bun bewahrt scheint, auf das semitische sheba (numerus sol-
lemnis); ashtäu fafst er als du. part. pass. von anc = aj ^les
deuz (doigts ou pouces) recourb^s^ mit interessantem hin weis
aaf anga, anga, anguri u. fi.; navan nicht als novus, sondern als
novissimas numerus; da^an von einer wz. 'da^ zeigen [die wir
in d. zeitschr. durch 'dja^ mit di9 vermittelt haben]. Bemer^
kungen über die ordinalformen der letzten zahlen sind einge-
streut, die besprechung der nSchst höheren zahlen enthält nichts
wesentlich neues. Nach der behandlang der semitischen zahlen
kommt der verf. auf die zahlen für 1000 d. s. w., and stellt end-
lich eine vergleichung zwischen semitischen und indogermani-
schen sprachen an, in der wir ihm nicht überallhin zu folgen
vermögen.
O. Schade, paradigmen zur deutschen grammatik gothisch, althochdeuttcfa,
mittelhochdeutsch, neuhochdeutsch fUr Vorlesungen. Halle 18G0
enthält sehr genaue Zusammenstellungen (mitunter vielleicht zu
sehr ins einzelne gehend) zur erläuterung der lautverhältnisse,
declinationen und conjugationen , wobei auch auf die hypotheti-
schen älteren formen rücksicht genommen wird. Gewundert hat
uns nur, dafs, während der verf. unseren ansatz der starken ad-
jectivüexion und conjugation mit aufgenommen hat, er für den
gen. der a-stämme die urform *dagais noch festhält.
394 Ebei
G. Gurcke, deutsche schulgrammatik. Hamburg 1861
beruht auf wissenschaftlicher kenntnis der »prache und gibt hin-
weise auf die ältere form, soweit die schule dies irgend verstat-
tet, enthält auch proben aus mundarten und älteren sprachperio-
den, sowie in der lautlehre eine vergleichende betrachtung der
vocale und consonanten, in der Wortbildung Verzeichnisse von
Personennamen und fremdwörtern (lehnwörtern) mit angäbe des
Ursprungs, als zusätze für oberklassen; kurz das buch dient überall
dem zwecke, den schuler zu weiterer, wissenschaftlicher beschfif-
tignng mit der spräche anzuregen, und das bessere vorzuberei-
ten, so auch in der Orthographie, wo der verf. sich zunächst an
die forderungen der hannoverschen conferenz und Ruprecbt's als
das geringste mafs an seh liefst.
M. Raschke, proben und gnindsäze der deutschen Schreibung aufs fttnf
jarhunderten. Wien 1862
verfährt in dieser beziehung viel radicaler, indem er in seiner
eignen Schreibung weit über das mafs hinausgeht, das Schleicher
innehält, z. b. sin t, iergent, fon, dekoratiwem, fälerhaft
schreibt, auch in den vorschlagen zur besserung, trotz der ange-
gebenen drei stufen (auf deren zweiter seine eigene Schreibung
steht), und trotzdem er zunächst noch die sogenannte deutsche
Schrift und die grofsen anfangsbuchstaben festhält, hie und da schon
auf erster stufe zu weit geht. Wir erwarten gerade von solchen
Vorschlägen viel weniger erfolg als von gemäfsigteren , konneD
es auch nicht billigen, wenn z. b. als zweite regel auf erster
stufe aufgestellt wird : die Verdoppelung der Selbstlaute hört aaf ;
wir glauben vielmehr, hätte man früher, statt diese unschädliche
und naturgemäfseste bezeichnung der dehnung (schaaf n. s. w.)
anzugreifen, damit angefangen das fehlerhafte ie und h abschaf-
fen zu wollen, so wären wir längst weiter in der besserung ge-
kommen. Uebrigens ist das schriftchen interessant durch be-
richte über die verschiedenen besserungsversuche in andern l&o-
dern, wie durch beigegebeoe Schriftproben.
Michaelis, dr. G., tlber den unterschied der consonantes tenues und
mediae und Über die Unterscheidung des ach- und ich -lautes (aus der
Zeitschrift fUr Stenographie und Orthographie). Berlin 1862
schlägt vor 1) die mediae crassae (aax^ia) su nennen, weil
anzeigen. 815
bei ihnen ioo gegensats za den tenaes die stimme mittone (wo-
von eich ref. noch nie bat Qbersengen können, was auch, wie
er aas diesem scbriftchen ersieht, Du BoiB-Rejmond läagoet);
2) wenn man die beiden ch-laute, wie Da Bois-Reymond ver-
langt, durch die schrift unterscheiden wolle, was er jedoeh (ref.
anch) für unnöthig hält, sein bisheriges zeichen o nar für den
ich-laat za verwenden, für den ach -laut das gewöhnliche ch sa
behalten.
Vogel, Schulgrammatik der griechischen spräche für anfUngcr und geüb-
tere- Erster theil: formenlehre. Stuttgart 1860
enthält zwar im einzelnen manches gute, hat aber doch die er-
gebnisso der neueren Sprachwissenschaft zu wenig benutzt (in
erster decl. werden z. b. Stämme auf a und ij unterschieden, za
jenen aber auch Qi^a gerechnet, ja auch stamme auf ag und i;^
angegeben) und sich zu viel willkurlichkeiten erlaubt (nom. plur.
auf ai: „das ursprungliche eg lautete fast i^, aber so, dafs das g
am ende fast gar nicht gehört wurde, weswegen es bin wegfiel;
das gehörte i aber blieb ^), um den heutigen anforderungen der
Wissenschaft genügen zn können.
Oct. 1863. H. Ebel.
Miscellen.
Unter dieser Überschrift mögen mir einige kurze beraerkan-
gen verstattet sein, meist durch ausstellungen vcranlafst, die in
dieser Zeitschrift gegen einzelne meiner etymologischen combi-
nationen erhoben sind.
1) aöTid^Ojuai,
Hier mufs ich ein versehen bekennen, für das vielleicht in
der aufserordentlichen menge des von mir in den grundzugen
der griech. etymologie zu verarbeitenden Stoffes eine gewisse ent-
schuldigung gefunden werden kann. Duntzer weist zeitschr.
XIU, 9 darauf hin, dafs dcnd^ead'ai allerdings bei Homer vor-
kommt. Vermuthlich bin ich zn der entgegengesetzten behaop-
tang dorch Sehers Argus bomericus verleitet, indem ich dort nar
anter a nachsah, denn zufällig findet sich bei Homer nar das
396 Curtius
imperfect ijCTidCorro. Far die sache wird dadurch freilich we-
nig geändert, denn die schon hier hervortretende bedeutong ^ will-
kommen heifsen, grüfsen ** und zwar dcjij ineaai « (K, 542)
oder ;^€^(T(V (7, 35) ist der von mir bestrittenen Verwandtschaft
mit skr. svag' amplecti wenig günstig, danaatogy das ich nach
Diintzer nicht übergehen durfte, ist absichtlich bei Seite geblie-
ben, weil auch solche verba, deren stamm auf / ausgeht, dies
nach der analogie der dentalen stamme mit C im präsens in a
übergehen lassen z. b. agnaatog trotz agna^ und neben agnoLKtog,
Es konnte folglich diese form für die frage nach der herkuoft
nichts beweisen. Bei der kürze, die ich mir für jenes buch zum
gesetz machte, habe ich mich in der regel auf das nothwendig-
ste beschränkt.
2) nvBv^Kov, nXevjiiwv, pulmo.
Vielleicht ist eben diese kürze schuld daran ^ dafs Walter
XII, 402 meine bemerkung über das verhältnifs dieser formen
zu einander mifsverstanden hat. Ich sage darüber I, 245 fol-
gendes: „Bei pulmo kann man an entlehnung denken, doch
spricht die metathesis und der vocal dagegen^. W. entgegnet,
pul könne doch nicht metathesis von wz. pnu sein. Gewifs nicht,
ich habe das auch nicht behauptet, sondern meinte dies. Hät-
ten die Römer das griechische nXevfjimv als fremdwort in ihre
spräche aufgenommen, so wäre die form plumo, nicht pulmo
und im suffix nicht langer vocal (pulmonis wie sermonis), son-
dern kurzer (pulminis) im anschiufs an das griech. TiXetSfiopog ta
erwarten gewesen. Passen wir dagegen pulmo als ein echt la-
teinisches wort, so werden wir am besten von einer gräcoitali-
schen wurzel pnu eingehen, welche in jeder der beiden familien
unabhängig in das geläufigere plu umsprang, jedoch so, dafs sich
in einzelnen griechischen mundarten die alte form pnu, nw er-
hielt. Aus plü-mon mit diphthongischem aus eu entstandenem a
(vgl. Lücetius = altlat. Leucesios), ward dann durch metathesis
pul-mon, das sich dazu ähnlich verhält wie porro zu HQoam, ter
zu T^«V, tertius zu tgitog. — Was übrigens die von Walter mit
so vieler gründliohkeit behandelte vocaleinschiebung betrifft, so
scheint ihm bei abfassnng seines aufsatzes der zweite theil mei-
ner grundzüge nicht zur band gewesen zu sein. Sonst würde
er wohl auf meine dort gegebene kürzere bebandlong desselben
themas hie und da rücksicht genommen haben. Ich bemerke
miscellen. 807
dies nar deshalb, weil mich die sorgfältige prufung dessen, was
ich im ersten bände Torgebracht habe, erfreat hat und weil ich
allerdings der meinang bin, dafs wir ans wechselseitig in die
bände zu arbeiten haben.
3) fei und bilis
trenne ich nicht sowohl des i wegen, wie Walter XII, 412 ver-
muthet, sondern wegen des anlautenden consonanten. Dafs zwei
so geläufige consonanten jwie f und b im anlaut ohne jeglichen
anlafs und noch dazu bei zwei gleichbedeutenden Wörtern inner-
halb einer und derselben mundart vertauscht werden könnten,
scheint mir undenkbar. Man berufe sich nicht auf den Inlaut
Im inlaut verschmäht das lateinische bekanntlich das f, das sich
nur in wenigen Wörtern dort findet, und so begreift man, wie
neben dem regelmäfsigen raber sich das singaläre rofus verein-
zelt erhielt. In fei entspricht f der alten gatturalen aspirata, wie
sollte es daza kommen in die labiale media umzuspringen? Ich
wufste keine irgend befriedigende analogie für solchen Vorgang.
Das von Walter angefahrte bitere kann am wenigsten in be-
traoht kommen. Das wort hat aoch in der bedeutung mit «pei-
räp keine speciellere gemeinschaft und ist von mir II, Ö9, wie
ich glaube mit recht, zu wz. ßa gestellt, welche ohne das erwei-
ternde t in ar-bi-ter vorliegt Aach ist bitere nur in der com-
position feststehend, betere aber im simplez wohl die richtigere
Schreibart qtoitäp fasse ich als frequentativ von wz. gw (fSr
(pof-iräv), und insofern entspricht ihm genau das lateinische fu-
-tä-re (futavit fuit, futavere fuere Placidi GL). Mit jener wz. ba
hängt übrigens vielleicht auch du-b-iu-s und du-b-itare zusam-
men, was dfiqag'ßijveir wahrscheinlich macht, es hiefse also
eigentlich zwie-gehend , wie doch aach aweifel, goth. tveifl-s , ein
compositum sein wird.
4) fjiokvßog und plumbum.
Dafs die von mir in den grundzugen I, 337 gegebene Zu-
sammenstellung in einzelnen punkten noch zweifei zuläfst, habe
ich durch den zusatz ,)Wie es scheint^ selbst angedeutet. Walter
XII, 404 bestreitet besonders die möglichkeit, dafs das lat b aus
V entstanden sein könne. Er trifft darin mit Corssen uberein,
der, ohne auf diesen besondern fall einzugehen, in seinen bei-
tragen zar lat formenlehre s. 157 ff. einen solchen ubergang für
398 Cartio«
das gebiet des lateinischen läogoet. Allein in einem worte l&fst
er ihn dennoch zu, in ferb-oi neben ferv-eo, wo dissimilatioD zar
Vermeidung der gehässigen lautgruppe vu anzuerkennen sein
wird. Die anderweitige erklärung dieses Stammes, welche Wal-
ter s. 414 versucht, will mir nicht einleuchten. Es fragt sich
nun, ob derselbe lautübergang nicht auch in einzelnen andern
fällen in folge ganz besondrer lautverhältnisse anzuerkennen ist,
und ob nicht plumbu-m dazu gehört. Zwar auf das u nach b
¥nll ich kein gewicht legen, da es nur dem nom. acc. angehört,
und ohne zweifei auch da erst verhältnifsmäfsig spät aus o ent-
standen ist. Wohl aber konnte der vorhergehende nasal, der
sich nur schwer mit dem labialen Spiranten verbindet, auf die-
sen verhärtend wirken. Einen analogen fall weifs ich freilich
dafür so wenig wie für den noch schwerer zu erklärenden Über-
gang der vorausgesetzten anlautenden ml in pl beizubringen.
Aber das gleiche gilt in bezug auf die von Walter behaupteten
lautaffectionen. Wo entstände sonst griechisches /u aus p, wie
er es annimmt, um von der vorausgesetzten wz. plag zu fwXvßO'g
ZQ gelangen? Ueberdies fehlt es für diese wurzel an jedem that-
sächlichen halt. — Was aber das i des ahd. pli, gen. pltwes
(altn h\j) betrifft, so ist Jac. Grimm (gramm I', 96) der an-
sieht, dafs dieser vocal in einigen fällen aus dem diphthong iu
entstanden sei, „auch pliuwes, meint er, würde nicht befrem-
den^, iu würde aber als Steigerung von u zu fassen sein, and
die von mir vorausgesetzte grundform mluva sich so mit der vor-
liegenden vermitteln lassen.
5) Wurzel agx.
Hier finde ich weniger anlafs zum bestreiten, als vielmehr
zur Zustimmung und ergänznng. Die s. 377 g^ebeoen iMam-
menstellungen scheinen mir gröfstentheils fiberseiigend. Auch
ich hatte mir zu dQax-nj schon eine wz. dga spinnen, weben no-
tirt. Diese liegt aber, was Walter entgangen ist, am deutlich-
sten in aQX-v-g netz vor, das sich an jener worzel verhält wie
unser netz (goth. nati) za nähen (ahd. naian), wie r^te, Fer-
muthlicb für sr^-te za ser-e-re. Za oQKv-g verhält sich die ne»
benform o^xtr-o-f^ genan wie zo ddxQv dang/vo-v. Die grandbe-
deatang liegt noch klarer vor in oQx-avii to gdfifMj q^ «er ütij'
ftora iyxazaftXaxovinp cd dicd^oiuvai (Hesyeb.). Dafs dieselbe
worzel, die wir doch sieberiich für eine aoe wz. ar darob das
mucelloi. 389
determinativ k gebildete halten dSrfeti, ihr r in 1 verwandelt,
wird durch Walter's treffliche TergleiehaDg von ij/^-o-x-arf/ evi-
dent. Dagegen lassen wir hix-nj wohl beaser bei seite, schon
weil es in seiner bedeutang flaum einer ganz andern begriffsreihe
angehört ond ebenso die parse AaxMig^ wofor s. 878 XoMMig
verdruckt ist. Sie ¥mrd es sich so gat wie der gesammtname
der schwarzen Schwestern Mol^at gefallen lassen müssen, ihren
namen einem geistigeren begriffe za verdanken. Denn warum
man den zasammenhang mit Xa^Biv und l.axpg verwerfen sollte,
ist nicht abzusehen.
6) (fQccaao) und farcio.
Die Zusammenstellung dieser verba wird von Walter XII, 385
in zweifei gezogen. (pQdaam (d. i. qiQOM'jta) soll zwar dem go-
thischen bairga entsprechen, aber „in betracht seiner völlig mifs-
stimmenden bedeutung^ von farcio verschieden sein, denn, ffihrt
W. fort, ,,man wird doch nicht behaupten wollen, dafs einscblie-
fsen und vollstopfen congruente begriffe sind^. Gewifs nicht,
um congruente begriffe handelt es sich aber auch in der etjmo-
logie selten, sondern nm verwandte Vorstellungen, die aus einer
gemeinsamen grnndvorstellnng hervorgehen können. Eine ganz
sinnliche, und doch, mit jenen beiden bestimmteren Vorstellungen
verglichen, allgemeinere Vorstellung liegt im litauischen bruku
dränge, zwänge vor. Eine jede menge, die nach aufsen geschützt
werden soll, wird nach innen zusammengedrängt. ' Daher finden
wir denn denselben bedeutungsubergang auch bei mehrern an-
dern wurzeln. So bei wz.^eil (grundz. II, 126). Die bedeutnng
des Zusammendrängens liegt in dlsrreg (vgl. freqoentes) und
wiXafAogy die der schützenden abwehr in eUagy schutzwehr und
lat. Valium, etwas modificirt im lakonischen ßijhifia (d. i. jBihnut)
= xooilvfia, qtgayfAa vor. Das skr. v&ra-s multitudo and v&ra-
-ja-mi arceo zeigt dieselben Varianten. Ebenso hat eiQjetp die
doppelbedeutung einschliefsen, einsperren und ansscbliefsen, ab-
sperren^ und die homerische spräche weifs nichts von jenem of-
fenbar erst später üblich gewordenen unterschiede der aspiration,
durch den man später die beiden bedeotungen sonderte, saepe
d.i. frequenter und saepire d. i. q>Qaaanv wird man nicht
von einander trennen wollen. Im lat stipare mit seinem griech.
analogon <T7eg)£i»' (grundz. 1, 182) berühren sich die begriffe fest
und voll machen, ähnlich wie im deutschen stopfen, verstopfen,
400 Curtius, miflcellen.
während die negative Seite des begriffs im engl, stop bervortritf.
Wenden wir ans nach dieser amschaa za qigdaaia and farcio
zurück, so ist mir bei aasarbeitung der grondzuge ein altlatein.
wort entgangen, das beide verba zn vermitteln geeignet ist, fra-
xare vigiliam circamire (Paul. Epit 91). Das wort sieht ganz
wie ein echt lateinisches freqnentativnm aus (vgl. taxare) mit der
bedeutung zu wahren, zu hüten suchen. Mehr aber als alles das
ist der gebrauch der beiden verba selbst instructiv. Dem lat.
Simplex farcio ist es allerdings so gegangen wie dem einfachen
emere, er hat sich in einer ganz besondern anwendung ausscbliefs-
lieh festgesetzt. Aber wie die ursprünglich viel weitere bedeu-
tung nehmen in adimere, demere, promere, su(bi)mere sofort
hervorspringt, so können wir eine solche in confertus, refertos
erkennen. q)Qd668ip aber hat nicht blofs häufig die vorausge-
setzte und im lit. bruku bis auf den heutigen tag erhaltene g^nd-
bedeutung drängen z. b. II. A^, 130 q)Qd^aPT€g dogv davgi^ He-
rod. XI, 6 qfQaianeg ra y^ggUy sondern heifst auch bisweilen
geradezu anfüllen, versehen z. b. Find. Isthm. I, 66 J4Xq>eov ig^
peci q)Qd^ai xega, anderswo aber verstopfen z. b. Plato Tim. p.
84 d nlevfjimv vnb QSVfAdtmtf (pqax'd'eig, ja selbst vollstopfen z; b.
Oppian Cyneg. 4, 7 ngadifj doXoiai nBcpgayiiivfi ^ also cor dolis
refertum. In den compositis ifxq)gdöao} {iiiqigayiia\ iniq>gdacm^
vnoq)gdccco treten manche dieser berührungspunkte im gebrauche
von farcio und q}gdaaco noch deutlicher hervor.
In der Zusammenstellung dieser beiden verba bin ich nicht
blofs, wie ich angegeben habe, Lobeck, sondern ohne es zu wis-
sen auch Döderlein gefolgt, der, wie ich jetzt sehe, in seinen
synonymen und etymologien VI, 122 die begriffe fast in dersel-
ben weise vermittelt Diesem jetzt auch verstorbenen wardigen
manne haben wir jungern oft widersprechen müssen. Um so
mehr wird es jetzt angemessen sein anzuerkennen, wie vielfach
anregend er auch für unsre Stadien durch seine of^ barokken
und in bezug auf die laute willkürlichen, aber immer aas fein-
ster kenntnifs der alten sprachen hervorgegangenen etymologi-
schen kreuz- und quersfige gewirkt hat Wo es sich um Wort-
bedeutung handelt, ist die Übereinstimmung dieser beiden sel-
ten zusammentreffenden mftnner nicht ganz gering anzuschlagen.
Leipzig, 6. febr. 1864. 6. Cnrtins.
Sonne, sprachlidie und mytholog. nntennchniigien. 401
Sprachliche und mythologische Untersuchun-
gen, angeknüpft an Rigveda 1, 50.
Zweite hlüfte. v. 10 — 18.
Üd vayäm tämasas pari jyötish pa^yanta üttaram |
dev&m devaträ süryam äganma jyotir uttam&m || — 10.
UdyaDD ady& mitramaha ärohann üttaram divam |
hrdrogam mäma sürya barimänam ca nä^aya || — 11.
Qükeshu me barimänam ropanäkäsu dadbmasi |
ätbo baridraveshu me barimänam ni dadbmasi || — 12.
U'd agäd ayam ädityo vi^vena sabasä saha |
dvisb&ntam mäbyam randb&yan mo ab4m dvishat^ ra-
dham. II — 13.'
Aufblickend ob der finstemis zum lichte hin dem höheren,
nah^n unter göttern wir dem gott, dem Suria, dem höch-
sten licht — 10.
Ansehend heut, freundmftchtigerl zum hohem himmel stei-
gend an,
das berzweh*) mein, o Suria, die gelbsucht auch laTs
schwinden dul — 11.
In papageien setzen wir, in drofseln meine gelbsucht ab,
und weiterhin baridrava's**) wir setzen meine gelbsucht
ab. — 12.
Auf steiget, sieh! der Aditya, mit aller siegesmacht zumal:
den fdnd damiederbeugend mir; beugt' ich dem feinde
nimmer mich! — 13.
Das Personalpronomen der 1 . ps. plur. skr. yay4m lau-
tet im altpersischen ebenfalls vayam ; wir werden also nicht
fehlgreifen, wenn wir diese wortform, wo nicht als indo-
germanisch, so doch als urarisch voraussetzen. Auf dies
urarische vayam mufs also auch die entsprechende zend-
form zurückgeben, welche Bopp §. 42 vaSm, Spiegel beitr.
*) d. h. magen web.
**^ ^, Kuhn, oben p. 114.
Zeitschr. f. vgl. sprachf. XIII. 6. 26
402 Soone
II, p. 32 vaem transcribiert. Die beiden zendischen diph-
thonge nämlich, welche — früher von Burnouf und Bopp
a^ und aö gelesen — jetzt von letzterem durch ai und au
gegeben werden, diese beiden diphthonge, welche in der
regel einem indogermanischen ai und au = skr. e und o
entsprechen, laufen in gewissen fällen doch den indischen
lautcomplexen aya und ava parallel, und zwar ist gerade
in skr. vayäm = zend. vaSm (ältere transcription) ein fall
der art gegeben. Diese erscheinung aber gestattet zwie-
fache deutung: einmal, dafs selbst in diesem falle die frag-
Uchem laute ae und aö als echte diphthonge zu CaXsen;
oder dafs sie, weil indischer doppelsilbe entsprechend,
auch in der zendischen Umbildung nach doppelsilben ge-
blieben seien. Setzen wir einen concreten fall: a- stamme
bilden im zend den acc. sing, auf -em , dies geschwicbt
aus «am; stamme auf -ya und -va denselben casus auf -im
-um, offenbar contrahiert aus -yem -vera*); danach soll-
ten also Stämme auf ^aya und -ava bilden zunächst -ayeni
-avem, contrahiert -aim -aüm, und wenn statt dessen -a^m
-aöm nach älterer, -aem -aom nach Spiegels, -aim -aam
nach Bopps jetziger transcription erscheint, so ist dies
letztere entweder aus -aim -aüm gekürzt, oder, was riob-
tiger scheint, aus -ayem -avem durch elision des scbwar
chen e gebildet worden. In diesen accusativen also, wie-
wohl einer indischen doppelsilbe ('^ayam, -avam) entspre-
chend, wäre -aem -aom == -aim **aum, die acc. kavaem
als Jambus, mainyaom als spondeus zu mefsen. Auch
setzt Spiegel II, p. 26 gerade für unser n fall ausdrücklich
den diphthong; wenn er also p. 32 y«em (skr» vayajBn) ohne
geg«nbemerkang giebt, so wird «r dies prmiomeii ebenfalls
*) ]>Qrch dieselbe contraction erklKrt sich auch der acc. sing, der seit-
disohn i- and iHstttiiime, desBen dantellang bei Bopp §. 64, Spitgtl btHr.
II, p..2$ nicht (Iberzeagt; es wäre befremdend, wenn der aiialaot -m, vor
welchem sich a zu'e, & zu ä (Bopps an) schwächt oder verdunkelt, das
vorhergehende i und u verlängern, also verstärken sollte. Vielmehr bildeten
die themen paiti, tanu in vedischer weise den acc. sing, paiti-am,. tann-am.
also geschwächt paiti-em, tann-em, was sich dann zn paitfm, tanüm con-
trahierte.
«sprachliche und mythologitche antenochungen. 4n
diphthongisch = vaim gelegen haben. Anders Bopp, wet*
eher im gegeneatze zu der sonst gewählten transcription
(ai, au) §. 42 n&m (skr. ay&m) vtuka*)^ und cwar naoh
maisgabe des sanskrit als doppelsilben ansetzt» Bs sei. eine
^Umstellung der buchstaben^ anzunehmen, Yzjkak zu ^Taaim^
darans va^m geworden. Obgleich der ausdruck ein wenig
an des werk des setzers erinnert, so könnte man die a»»
sieht theilen, wenn *vaaim lediglich als ideelle mittelstufe
gelten dürfte. Dem ist aber nicht so; die Verengung des
ai zu e, wie gerade auf arischem Sprachgebiete deutlioii,
vollzieht sich erst nach langem sträuben der spräche, setit
also Vaaim als geschichtlieh existente form voraus. Dann
aber möchte es doch bedenklich sein, der spräche dnroh
lautumsetzung den häfslichsten hiat (a-a) aufzubürden**),
um ihn sodann durch lautverengung wieder abzumildern.
Darf schon diese erwägung den zweifei an Bopps ansieht
motivieren, so kommt ein zweites moment hinzu. Die laut-
complexe ayam und avam nämlich sollten analog be*
handelt werden; die proportionen:
i tns ayem : avem
ayam : avam j =s a^m : aöm = aem : aom
( xaz aim : aüm = aim : aum
sind theoretisch gleich richtig; und welche von ihnen f&r
unsem fall zu wählen, nach zendischen gesetzen zu ent-
scheiden. Die Proportion dagegen bei Bopp §. 379 coU.
§. 42:
ayam : avam »* aim : aüm
ist nicht folgerichtig: »itweder a6m : aöm, oder aim : aftm,
nur diese wähl stand frei. Auch setzen wir die contractioti
von *avem *mravem *yavem §. 379. 519 — nach der eli-
sion des e — als völlig regelrecht, mülsen aber, bei den
*) und §.519 fradai9aein statt firAdai^aiin.
^) wenn anderwUrts z. b. der aasfall der Spiranten zu ebenso JMfiK
liehen hiaten fiUirt, so beweist das nichts Air unseni faU; dort aberwiegt
die abneignng gegen die Spiranten, wogegen das send eioem y swiscliaB ▼(H
calen keineswegs, wohl aber der endong -am abgeneigt ist; mithüs der her-
gang: \&yim vayem vay'm vaim.
26*
404 Sonne
unabweisbaren parallelismus der lautformeln ayam und
aram, gerade deshalb §• 42 auch *ayem *vayem nicht mit
Bopp zu aem va^m (doppelsilbe), sondern zu aim vaim
(diphthong) umbilden. Uebrigens beruht der wiederspruch
bei Bopp darauf, dafs er §. 42 einerseits unterhifsen nach
der in §• 3 gegebenen regel aus ayam vay^m zunächst die
mittelstufen *ayem *vayem * ), aus dieser das weitere zu
entwickeln; anderseits filr aSm vadm sich auf heterogene**)
fUle bemfen hat« Wenn wir demnach die vorhin beregte
frage: ob die zendischen laute ae und ao selbst insofern
sie (vor -m) indischem aya und ava entsprechen als echte
(einsilbige) diphthonge zu fafsen? — wenn wir diese frage
bejahen, so erinnern wir weiter noch daran, dafe die for*
mein aya und ava im indischen selbst (s. Kuhn beitr. m,
p. 469) gelegentlicli einsilbig zu lesen sind; wollen aber
einen wenigstens scheinbaren gegengrund ebenso wenig
verschweigen. Wenn nämlich zend. ae, ao = skr. e, o:
diese indischen laute aber vedisch nicht selten = aS, aö
(doppelsilbe) z. b. medha, soma =t maedba, saöma zu
lesen sind: so könnte diese ausspräche gerade die ältere
transcription der entsprechenden zendformen — maSdha
haöma***) — ^ mithin ae ao als doppelsilben beglaubigen.
Dennoch aber, das zusammentreffen vedischer reoitat]<m
mit zendischer Orthographie bleibt ein bedeutungsloser sn*
fall; und wurde schon Westphals (zeitschr. IX, p. 444 ff.)
metrische betrachtung för zend. ae ao die einsilbigkeit yer-
börgen , welcher wir denn auch die von Bopp §. 42 noch
zugelafsene ausnähme (adm, vadm) unterordnen mllfseD.
Däucht uns doch, man müfse in der spräche mit gleicher
regel, wie in der metrik mit gleichem rhytfamns, meften
so weit als möglich. Machen wir die probe am femimn,
skr. iyam. Die proportion:
*) wogegen er doch I, p. 476 n. den acc. gium aus der mitteUtnfe
garem erklirt.
**) heterogen, weil ile den einfloTs des y nnr in offener, nicht in ge-
sehlodsener silbe (ray^) beweisen.
***) neuere transcription: maedha haoma, Spiegel; maidha hanma.
sprachliche und mythologische Untersuchungen. 405
skr. ayam (m.) : iyim (fem.) a» *ayem : *iyem = *ay'm
: •iy'm = zend. aim : Im —
ist augenscheinlich correct, das zendiscbe feminin müfste
also £m lauten; und lautet so. Wir bedürfen also ftlr masc.
und fem. des verschiedenen mafsstabs nicht, welchen Bopp
an diese formen legt.
Wie das lautverhältnis skr. vay&m : zend. vaem bei
Knhn beitr. III, p. 470 gefafst sei, ist bei der kürze des
ausdrucks, dafs y einen diphthongierenden einflnfs auf das
folgende a ausübe, nicht mit Sicherheit zu ersehen, wenn
schon die transcriptiou vaSm doppelsilbe anzudeuten scheint.
Hieneben wird daselbst die quantität in lat. vös gegen
skr. vas dem längenden einflufs des ▼ beigemeisen. Setzen
wir V- als anlaut, (y) als beliebigen kurzen, (y)als belie*
bigen langen vocal, N als beliebigen consonanten: so über-
wiegen im latein wurzeln resp. stamme der form v(y)N
um ein geringes Yor denen von der form v(y)N, doch so-
weit mir die etyma dieser letztem erkennbar, scheint die
länge vom anlaut unabhängig. Es würde zu weit fhhren
die falle hier sämmtlich durchzugehen*); beschränken wir
iius auf die form voN, so ist in vox die länge proethnisch,
in vomer wahrscheinlich ersatzdehnung (zeitschr. VIII, p.
452), dagegen in voco, volo 1., volo 3., voro, volvo (volu-
tus), vomo, deren Verwandtschaft bekannt, die alte kürze
bewahrt; vöveo dürfte als denominativ zu *vovo (nom. *vo-
vo-s oder -m) = *guovo *govo (guniert) zu wz. gu skr.
gu jogove (verkünden, insbes. lobsingen, j6gü lobsänger)
gehören, da das gelübde als feierliche Verkündigung gege-
ben wird**). Hier beweist der anlaut v freilich die be-
kannte macht den folgenden***) vocal — urspr. a — zu
dunkeln, wie sie sich im germanischen (Grimm gramm. 1%
p. 341 f ), ja im englischen in der ausspräche von want.
*) es sind von beiden formen zusammen gegen 70 wurzeln und stamme.
♦♦) voveo gehört dann zu Gurtins grundz. II, no. 642, ist aber an form
und bedeutong differenziert.
*•♦) im latein auch den vorhergehenden, wie in novus, tovos (tuus) und
sonst
406 Sonne
wot u. s. w« noch jetzt betbätigt; obne dafs diese dunke-
lung jedocb einen einfluCs übte auf die alte quantität. Se-
hen wir indessen davon ab; beruhe die länge in tös (: vas)
auf dem halbvocal des anlauts: wie wäre das gleiche ver>
hältnis in nös : nas dann wohl zu deuten? Ebenso — dOr«*
fen wir nicht sagen; anders — wäre gegen die analogie.
Und wiederum, werden wir die kürze der indischen enkli-
tika nicht lieber durch correption, als die länge des ton-
fiUligen lateinischen pronomens durch production zu den*
ten haben? und dies um so mehr, als die entsprechenden
enkliticä des dem sanskrit nächstverwandten, des zendi-
schen gathadialekts , näo väo — in bekannter weise aus
*näs Väs — eben jene dem latein eigne länge aufzuweisen
haben ?
So steht denn auch bei dieser kleinen frage die sprach*
forschung im gewohnten gegensatze zu den exacten wifsen-
Schäften: während hier er wägung der gegebenen uiomenie
jeden zweifei tilgt, ruft sie dort den zweifei recht eigent-
lich hervor — und wie oft vermag sie nichts als das. An
derselben stelle p. 468 ff. wird eine eigenheit der vedischeo
metrik — dafs die lautformela av- und ay- mehrfach länge
bilden — durch Wiederherstellung des ursprünglichen vo-
cals, also ^ävas, äyas (statt ^avas^ ayas) durch älteres
pauas, aias erklärt Diese darstellung überzeugt um so
mehr, als hier meistentheils guna vor i und u vorliegt. So
liegt augenscheinlich in wz. pu {xviia) p4u-as f&vas, ws« i
(ei^i) ai-as 4yas die natürliche lautentwickelung; die Stei-
gerung ü : 4u, i : ai zufolge der betonung. Jedoch voll-
zog sich die liquidierung der voeale sicher nur in gewis-
ser abstufting — kiaa ai^as 4yas, ^uas gau^'ss pävasc so
zwar, dafs das durch den hiat erzeugte, furtive j und v
erstarkend das vorhergehende i und u allmälich absorbierte
und so die primitive länge kürzte. Verlor dann irgend-
wie die Wurzelsilbe den accent, so trat die liquidierung
um so rascher ein; so behauptete das primitive t&uas
(stärke, WZ. tu) neben tavas sich gewis leichter als neben
dem adj. taväs (stark), dafs aber in solchen f&llen der ton
sprachliche und mytholugUche Untersuchungen. 4#?
(auch des adjektivs) ursprünglich auf die würzet fiel, zeigt
die guuierung selbst. Dals es aber mit der liquidierung
also hergegangen, darüber gewährt die spräche einen kla-
ren fingen&eig in der weise, wie in composition der aus«
laut i und u durch resp. y und ▼ als anlaut des zweitai
gliedes mehrfach aufgesogen wird. So schmilzt skr. isho
(pfeil) mit -varga (wz. varg vrj, abwehren) zu ishv&rga
(pfeilabwehrer; statt ishu- varga) * ), uru-va^ zu urvi9i**)i,
die Partikeln tu und nü mit vai zu tvai, nvai zusammen;
in der flexion cinu- mit -vas willkürlich zu cinuvas cinvas,
acinu- mit -va desgl. zu acinuva acinva; ebenso a-niya zu
anya, freilich nur graphisch (dreisilbig), dagegen sind
verkürzte comparative wie väsyas navyas — aus vastyaa
uaviyas — wirklich disyllaba geworden. Offenbar schwand
der absorbierte, im comparativ sogar ein langer vocal zu-
folge der tonlosigkeit, denn auch tu und nü mufsten hier
proklitisch werden; doch lälst sich i und u auch in obi-
gen diphthongen ai und au (aias, tauas) annähernd als
tonlos setzen, da der hochton auf den gunavocal fiel. —
lieber eine analoge erscheinuug im zend s. Spiegel I. o.
II, p. 22; im altpersischen erinnert die Schreibweise aniya
= skr. anya, haruwa = sarva an den ursprünglich voca-
lischen unlaut dieser und ähnlicher suffixe. In dem svavis
der lateinischen dichter war liquidierung schwerlich popu-
lär, da die Romanen sie verwerfen: Tasso Ger. lib. XII,
G6 Un non so che di fie- | bile e | soa- | ve; Camoens (in
einer canzone) Voäo aves, | mil suaves | passarinhos nos
raminhos • . . estäo cantando.
Wir haben jetzt den weg bereitet, um auch gewisse
fragen griechischer lautlehre erwägen zu können. — Wir
♦) gebildet wie Av/.v^(oy^} (H. VI, 130) = licht-abwehreiid oder
-einschliefsend, ^iy.nffoyo fernab wehrend , Welcker götterl. 1, p. 460,
deflsen priorität (zeitschr. passim) übersehen worden.
^) von vi^a willc, macht Rv. X, 171, 4 devänäip va^a, gotterwille:
also nrva^i = weitwaltend? Dann vergl. mit ihr und ihrem söhne Arn
(dem fcucr, Kuhn hcrabk. p. 85) die tochter der Unendlichkeit {*AnfiQr,Oi¥
(f. Aditi) Et\n>fiidovaat welche Od. VII, 7 feuer auzUndet.
408 Sonne
werden also zunächst Ährens beitreten , wenn er dial. I,
p. 3 6 ff. in ftolischen formen wie av)]o avuig ^bvuj ctviäerog
üVQtiyri u. s. w. diphthongische ausspräche setzt, als vocali-
sierung aber eines altern digammas können wir dieselbe
nur im an laut der wurzel resp. des Suffixes gelten lafseo.
Also ^QrjyvvfAt hFQ^Y^ "D^ daraus BVQayt], €pa -+- suff« jrog
(fofug^ daraus (pavog. Wo dagegen nichts sondern t; der
Wurzel eignet, da beruht, wenn es erscheint, digamma auf
(secundärer) liquidierung. Also wz. ;^t;, guniert x^^^*h '>*
quidiert x^'^y ^^^ zwar, wie der daktylus iyx^vs {= iy^
;^6f£) bei Alkftos zeigt, zunächst gewis in tonloser silbe;
zuletzt xi(o. Ebenso wz. &v w 8v: &tv(o vbv(o öevofiai
u. s. w.; ob in avrio au oder av als ältere wurzelform zu
setzen, läfst sich kaum entscheiden. In aijwg und nagctva
— aus avacDg und nagavaa (Pott und Benfey wurzellex.
n, p. 335) — ist der diphthong, in ^vads dagegen, ans
ha^aSs wz. svad, trotz lat. suävis digamma**) primitiy.
Schwierig ist vavo-g vao-g ep. vijo-g (tempel); etwa vrid-
dhiert aus (zeitschr. XU, p. 350) wz. nu = nam? Dano
wäre vavo-g : vifiog = wz. nu : wz. nam, auch vavog ur-
sprOnglich etwa i. q. siedelung, einkehr, wie auch lat. tcm-
plum ursprünglich nichts weniger als ein gebäude, aedes
(wz. idh ai&oa) ursprünglich nur brandstätte, opferheerd
gewesen; eine spur davon, dafs vavog von haus aus nicht
sowohl das gebäude als den geweihten boden bezeichnete,
liefse sich wohl — trotz der authentischen interpretation
Odyss. XII, 346 'Uekiip niova vr^ov TW^OfABV^ äw Si XB
&elfAep aydXuata 'noXXä xai kff&Xd — in dem attribot
niiüv finden, wenn es wie bei d^pLog und aygog auch bei
vr^og ursprünglich vom fetten boden zu fafsen ist — Jhvm
Sevofiai, sonst Ssoj Siofiat^ von wz. Sv, urform du. Die
Proportion
*) das wäre lat »fti prÄs. »fovo partic. ♦fovent, contrahiert fSnt (fons)
cf. Iliad. IX, 16 x^i^ j^^» vdo»^: vergl. xeitachr. YIII, p. 74. 6«w6hnUch
tritt dieser wunel bekanntlich -d zu, ta-d =s goth. gut : fandere, giatan.
^) doch scheint es auch im griechischen eine neigung cum n gehabt
zu haben, s. w. u.
sprachliche und mythologiache tmtenachungeii. 460
wurzelf. drä : dm : dram \
jf na : nam (
j, yu : yam )
berechtigt die wz£ da da dam aar als Spielart gleiober
grandform anzusetzen. Zunächst also deckt sich wz. d&
(petersb. wtb. 111,579) 3. ps, dyati — synkopiert aus da-
j&ii — mit ÖBJeri^ öeei (binden; Sidauaij öiSrjui)^ und von
dieser bedeutung als der sinnlichen mQfsen wir ausgehen.
Damit leicht vereint sich wz. dam (wörterb. lU, 515) 3. ps.
damyati (zahm sein) caus. dam&yati = dafidei lat. domat.
Zu dieser wurzel wird wb. I. c. auch skr. dam4 = iofio
gezogen, unstreitig mit recht; aber den schlufs, dafs do^to
deshalb von deftco zu trennen sei, können wir nicht thei*
len. Eine tonne, ein schiff binden oder bauen ist das-
selbe. Warum sollten diese Wörter nicht vom binden, fe-
stigen ausgehen, oder galt der urzeit ein gebind aus zwei-
gen etwa nicht als haus? die bewohner von Tusculum
konnten es bezeugen, als sie Frascati bauten. — Die dritte
wzf. du hat sich in dieser bedeutung (binden, gebunden-
heit) zu yu (yauti, yunäti) erweicht, aber gehalten in dem
subst. düvas, euphonisch aas du-as, i. e. Verehrung (der
götter); dieser begriff, wie wir flQr die Synonyma apas und
namas schon sonst bemerkt, basiert auf dem vorausgesetz-
ten rechtsverhältnis zwischen gott und menschen, also dü-
vas das wozu man verbanden, schuldige ehre, und die pa^
rallele mit skr. &pas (werk, besonders im cult) = lat. opus
ist um so weniger zu verkennen, als diese letztern auf die
alte WZ. apere (binden, zeitschr. V, p. 363 ), also auf den-
selben grundbegriff zurückgehen. Opas est victimam red-
dere, aber gebundenheit ist mangel, opus est victimä. Den
in der that „ merkwürdigen Zusammenhang der begriffe
opus, sacrificium, necessitas^ belegt fQrs slavische und fin-
nische J. Grimm gesch, d. d. spräche p. 328, und würde
♦) In der bedeutung »gehen* nur als nomen, zeitschr. XII, p. 296. Zu
d& : du : dam cf. Benfey wurzelL II, p. 200 ff., zu dtl ihftcu ib. p. 204f.
410 Sonne
auch die goth. wz. tharb (tharf tbaürbam i. e. egeo, ege-
mus) ib. p. 902 glücklicher gedeutet haben, wenn er vom
rechtsbegriflP ausgegangen wäre. Goth. tharb = TaQ(p :
Tagffv dicht, rccgcpog dickicht, Tgce(fe(^ Festland, Odyss.
XXIII, 237 nokkri öe negl xi^o\ xirgocftv*) äXfirj^ IX, 246
TJuiav fiip d'geipag ^vxoio ydkaxTog, hier wie noch eonoi
der begriff der dichtigkeit, gedrungenheit unverkennbar.
Aber ragcp = indog. tarph senkt sich im sanskrit (zeitschr.
X, p. 419) SU darbh (binden, verknüpfen, eig. dicht ma-
chen, oder intransitiv gefa&t: dicht, gedrungen sein), mit
dessen perf. dadarbha nicht blos rirootpa^ sondern aach
goth. tharf, sowie ahd. derb (azymus) nhd. derb**) mit skr.
darbhä (büschel, wisch, eig. bund, gedrungenheit) identisch
ist***). Auch ist die primitive bedeutung von ich darf
= bin gedrungen, gebunden noch jetzt nicht ganz erlo-
schen z, b. Theokr. XIV, 16 iÖBi, ftovov coTipog emijPj man
durfte nur (= war nur gebunden zu) sagen wessen. Dar
mit kommen wir zu Sei (opus est) = diu dif-u ösihu
{iÖ6vt](7s Homer) cl. I wzf. öv (dagegen öio) öiSefia^ =
de-jui cl. IV wzf. de) ; wir legen auch hier den begriff des
bindens, der gebundenheit zu gründe. Sei seil, avdyxt] es
bindet die nothweudigkeit, dann abstrahiert (unpersönlich)
öei ^fi noiP^isai, Öei fioi rivog^ so dafs auch hier, wie bei
lat opus est, gebundenheit zum maogel wird; S^voptfu j!fo-
pLai (eig. gebunden sein) ermangeln, bedürfen, bitteo« —
Die beiden wurzelformen du dam erweichen sich durch
mittelstufen 'dyu *dyam zu den gleichbedeutenden skr.
wurzelf. yu, yam. Aus *dyu gnniert *dyav-as, synkopiert
dyis == öji^g : djwg-pviu ^iawvfii Hj^wfffiai CataTTjQ, indem
Suffix -as in bekannter weise über die specialfbrmeD lun-
*) i.e. nirrtjy^v. Man beachte perf. IT, da es der primitiven bedeu-
tang vorxiigsweise treu bleibt
** ) nhd. derb : die um g«lftaflge bedeutung tritt Bwar nach Grimm d.
wb. II, p. 1012 erst in neuerer zeit hervor, wird aber doch die ursprüng-
liche sein, vgl. Graff ahd. sprachsch. V, p.220.. Anders Grünm gescb. p.902.
***) Auch läifßoq (ß aus i/;) gehört hieher, falls es ursprünglich die
erstenrung, regung^losigkeit des Schrecks bezeichnete.
sprachliche imd rnjUiologiBehe untersachnngeii. 411
ausgriff'). WtL *djam yam Ahrt za skr. yama zwiU
liog (eig. gebinde, paar): sollte wx. dt» (bioden) zum zweig-
ten Zahlwort th. du*a du-i skr. dvia 8vw oL 8. w. gef&brt
haben? Diese hypothese würde natürlich nur dann einigen
werth gewinnen, wenn diese darsteUung der wzff. dA : da :
dam stich hält.
Es wurde vorhin bemerkt, äol. tpavog sei Yocalisieit
aus q>a-j:oq^ weil hier digamma anlaut des sufGxes; auch
ist in (f-aog bei Homer die Wurzelsilbe stets kurz. Aber
im plural (fdea (daktylus) ist sie laug. Dieser wieder-
spruch zeigt, dafs hier die länge nicht, wie man ratben
könnte, auf dem ausfall des digamma beruhe, da dasselbe
ja auch im singular ausfiel; überdies, Homer d. h. die hö-
hezeit des epos, oder wo nicht, so doch die Vorgänger
sprachen dies digamma noch, und nicht blofs q>dta^ son-
dern die altem formen tpofBa (pqfeaa nicht minder fügten
sich dem hexameter. Als wurzelhaft — nach dem vor-
bilde von skr* bhä 3. p. bbäti — läist sich die länge des
plurals nicht setzen, weil die Verkürzung eben dieser länge
im Singular unbegreiflich wäre. Vielmehr ist anzuerken-
nen, dafs hier (im plural) der wurzelvocal sich längte durch
gleichmäfsige Wirkung des metrums sowohl als des — noch
nicht verstummten sondern gesprochenen — digammas. Al-
lerdings war die indogermanische Ursprache in den grofsen
grundzflgen bereits prosodisch geregelt. Aber sie war dies
ohne rüoksicht auf daktylischen rhythmus, ja ohne rück-
eicht aof rhythmus überhaupt. Die ältesten verse schie-
den sich von ungebundener rede ohne zweifei nicht rhyth-
misch, nicht als iambische, daktylische reihen u. s. w., son-
dern zunächst nur durch fixierte silbenzahl. Solche sil-
benreihen dem ohr ftkhlbar zu machen, konnten jene pri-
mitiven aöden sich dann weiter der alliteration , der asso-
nanz oder einer ungleich feinem und folgenreicheren weise,
des rhythmischen silbenfalls bedienen. Dafs derselbe an-
*) 8. Kahn zeitachr. II, p. 469, destten darstellani; auch Benfey VIII,
p. 94 beitritt. Anders Curtius grundz. II, p. 197.
412 Sonne
iaoglich — wie die assonanz oder späterhin der reim —
nur am schlnfse der reihe eingehalten worden, zeigen die
vedischen lieder; von hier aus aber rückwärts breitete er
sich über die ganze reihe, und die primitive silbenzählung
fügte sich dem rhythmischen princip. Im Veda sehen wir
die iambische reihe im auslauf vorgebildet; bei Homer im
ganzen die Vollendung der daktylischen, welche während
eines halben Jahrtausends*) die griechische poesie be»
herrschte; trotz dessen mflfsen, ob die sänger des helden-
epos sie misachten mochten, daneben im volksliede kunst-
lose Jamben und trochäen fortbestanden haben. Solchen
liedem entnahm sodann Archilochos die rhythmischen ele-
meute seiner kunstpoesie, und behandelte insbesondere sein
iambisches fiiroov der vedischen reihe insoweit conform,
als er den rhythmus nur im zweiten fufse rein hervor^
treten, im ersten die syllaba anceps gelten liefs: lafse man
sie gelten für die ganze reihe excl. des schlulsmetrons,
und die vedische jagati- und trishtubh-zeile ist fertig, oder
vielmehr durch jene concession in ihrer gröfsern alterthüm-
lichkeit wieder erreicht. Mochten aber die aöden sich in
daktylen oder jamben üben: zur darstellung des rhythmus
durcii die spräche mufste diese letztere sich jenem mehr
oder minder anbequemen, der rhythmus die gegebene spraob»
form um so stärker modificieren, je femer derselbe unge*
bnndener rede stand. Dais aber der iambische rhythmus
dem alltagsleben ungleich näher stehe als der daktylische,
sah schon Aristoteles'''^); der daktylus also muiste schon
insofern, und bei mehrhundertjähriger herrschaft sehr be*
deutend, auf die gestaltung der sprachform wirken. Meint
man, die griechische füge vor jeder Schwestersprache sich
dem daktylus, so ist das trotz der faktischen richtigkeit
des urtheils streng genommen unwahr. Als indogermani*
sches idiom steht das griechische jenem rhythmus von haus
***) angenommen dafs dessen erste hälfte vor Homer fiel.
♦♦) Poet. 4 nlturta y«^ iaffßtta Hyofitw h tf ütaXiniM iji n(}6q
spraclüiche und mythologische mitennchiingen. 41^
aus nicht näher, nicht {Seroer denn die sohwesteridiome.
Die thatsache also, dafs dasselbe dem daktflus sich be-
sonders leicht anschmieprt, war folge, nicht Toraosseträng
der rhythmischen entwickelung. Die wähl xwiscfaen -o
und -17 (d. h. zwischen a und &) und wieder dem looativ-
oharacter: ciygovoiiog^ mTtijfioXyog*), kXaiprißoXog^ /IvkoiyB^
vtjg in der composition, die wähl zwischen ^orego und
'(OTBQO in der comparation, die Synkope in Uff^^^ xixlero
und dgl. war durch den daktylus bestimmt, und die frage,
durch welche mittel das epos den im wortfufs gegebenen
creticus und tribrachys zu bewältigen gesucht, könnte den
gegenständ einer besondern und gewis instructiyen Unter-
suchung bilden. Jene yorhomerischen aöden bildeten, da-
rin unserm Göthe nicht unähnlich, ihre metrischen reihen
nur nach dem gehör, so dafs neben dem daktylischen gmnd-
ton auch tribrachys, jambus, trochäus, wie die gelegenheit
sich bot, harmlos mit unterliefen. Durch solche vorObung
aber trat prosodischer einklang und wiederspruch der
sprachform mit der forderung correcter rfaythmik allmälicli
ins bewufstsein, und Homer, als erbe jener zeit, folgt im
ganzen bereits einer strengeren regel, wenn er dabei jener
primitiven Unbefangenheit doch keineswegs durchaus ent-
sagt. Um die erste kOrze des tribrachys, insoweit er den
daktylus vertritt, durch uncialen zu bezeichnen: Homer
also wird in 'AOavatog^ 'liuBvog, d'YyaTiQsg — in jive-
uoeigj Ti&EfABVogj 'Okeöixagnog — in 'EhxTivogj nEgi&oog
— in 'OXofA^og^ 'Ogavog^ &0gi8ag u. 8. w. den tribrachys
schlankweg als daktylus gebraucht haben. Die nachfolger
dagegen, in einseitigem aber begreiflichem streben nach
rhythmischer correctheit, glaubten mit dergleichen dingen
möglichst aufräumen zu sollen, und so bildete sich, wie
wir glauben möchten, durch ihre recitation in tjPBuoeig**)^
Tt&i]fi6Vogi (akeffixagTtog — eikdripogy Ilugi&oog — ovAo-
*) ein altes feminin kann ich in diesem wort nicht finden.
**) man bedenke x. b. daA i/cf/^ocK (vriddhi vor taddhita) griechischer
Wortbildung wiederspricht.
4U Sonne
pLBPog^ ovgavdg, &ov()idog — der bekannte vocalismos, wel-
cher schlierslich im neuem aiphabet auch schrifUicb fixiert
wurde*). Diese beseitigung der alten kürze, oder will man
lieber der alten syllaba anceps, vollzog sich bei ihrem se«
cundären character ohne consequenz« doch nicht ohne ein«
flufs auf ungebundene rede, und nicht ohne ein gewisses
inneres recht. Für alolov "(kpiv Iltad. XII, 208, ^Etpvgiy
Od. VU, 1 19, 'Enirovog XII, 423 muiste man sich bei dem
factum der durch qp und n gebildeten position beruhigen,
wie denn Kuhn beitr. III, p. 472 f&rs Tedische dieselbe
erscheinung für th und kh , p. 476 für p nachweist; Tor
den liquiden Xuvq dagegen wurde dehnung (diphthongie-
rung) durch den yocalischen beiklang dieser laute begün-
stigt. Wie sich dieser beiklang schon in unsrer beoen-
nung derselben, eL eM eN eR, ausspricht, setze man z. b.
!Alvs^6aig nEgid-oog *UX6uevog = a*NefAOBig na^Fiß'oog o^Ao-
fABVog**)^ und die dehnung tiveuosig cett. bildet sich Yon
selbst. Aber wohl zu beachten ist, dafs dieselbe nicht
durch das metrum, nicht durch die liquida, sondern durch
das zusammenwirken beider zu gleichem zwecke her*
beigeführt worden. Dieselbe dehnung vor R N M belegt
fQrs vedische Kuhn 1. c. p. 464 — 467; es fehlen beispiele
f&r L, weil dieser laut als wurzelcharacter — und dieser
besonders würde in betracht kommen — in der Sitom
spräche überhaupt hinter dem R zurücktritt. Bemerkeo»-
werth ist dabei dafs, im gegensatze zum hellenisohen eo
wie zum eignen verfahren in fällen andrer art, die indi-
schen gelehrten gerade diese dehnung schrifUicb unbeseioh*
net lafsen.
Durfte also unter dem drucke des metrums, insofern
die folgende liquida ihm entg^enkam, der kurze vooal sich
dehnen, so mofste unter eben diesem drucke vor den spi«
*) Solche Wie sind gewis zu scheiden von längen andrer art, faltchen
formen sogar, welche anf irriger transcription ins neuere alphahet beruhen.
'**) es Tersteht sich, dafs das hier vorgeschobene < nur als an den-
tnng, als embrTOBlscher veeal (shVa, svarabhakti) sn aebmen ift; daraas
dann voller vocal im anlaut: iQv&f^öq u. s. w.
sprachliche und mjrtholof^he onterrachungeii. 4lft
ranten jod und vau die gleiche debnung um so sichrer
eintreten; stehen beide doch noch jetst dem reinen vocal
manichfach sehr nahe, wie k. b. in span. arroyo, engl, pe-
wet ***• sprich arröi'^o, pfn^it — die vocale i and n deot-
lieh, die Spiranten j und ▼ (w) nur leise anklingen. Im
griechischen dagegen scheint, wie vorhin vor i^ivp^ anch
vor den Spiranten dieser vocalische beiklang nur schwalch
vernehmbar gewesen zu sein*), doch begünstigte derselbe
die metrische l&ngung der vorhergehenden kür;ie, wogegen
die Spiranten selbst späterhin ausfallen. So der Übergang
Iliad. V, 255 oxvE^jta oxvB-^tx) oKVB^m uxvtm. Eine di-
recte vocalisierung des alten j liegt in diesem u ebenso
wenig, wie bei lesb. aSixijta noÖ7]w in dem 17. Hier beseitigt
die dehnung den cretious, wie desgl. in den verben auf
-cro» Odyss. XI, 584 ditfßj^-jwv Si\^f&mv, Iliad. III, 25
nsivJ'jwv nuv&oiVy XVI, 758 neivAovTB, XX, 490 aW-
lAaifiA-ju "fAust; und wenn das gleiche verfahren in oga-
jopiBV ÖQaJe oQajofiai OQcifeto ogajofABvog cett. den tribra-
chys beseitigeii konnte, so wnrde statt dessen contrscr
tion beliebt. Hierin war die ungebundene rede vorange-
gangen, und das epos folgte, zu dessen verfahren wohl ge*
rade diejenigen formen, welche die ursprüngliche moren-
zahl (oQccofjiev ogäfiav, wo ao = oi zwei moren) in con-
traction unverändert lafsen, den ersten anstols gaben.
Denn wie in rastloser stoffiimbildung die natur doch kein
atom verloren giebt, so vollzieht auch in der sprachform
die Umbildung sich zögionid, schonend, m^^Uchst conser-
vierend; und hier war die neuerung gering. Aber sie
griff auch ohne zwang des metrums weiter, und contractio-
nen wie ögw 6(x^^ ogä oo^v oQuiv OQtavro oq^to iQaa&ai
— contractionen also mit abmindern ng der morenzahl
sind Homer allerdings bereits geläufig. Dafs aber ander-
seits, dem altern epos wenigstens, fiberall wo sie der vers
empfahl nicht minder auch die grundform wohlgelitten ge-
*) im anlaut Ifidi-a cett. entfaltet er sich bekanntlich znin vollen vo-
cal, tthalich wie die dampfen i und u im aeiulaTiscbeii nicht selten wieder
volltönend werden.
416 Sonne
wesen, dürfen wir als selbstverständlich setzen*). Freilich
ist von dieser freiheit in unsern texten wenig wahrzuneh«
men. Denn wie das epos weiter erbte, Alhrte, natfirlich
aber etwas monoton, die wachsende neigung zur contrac*
tion zu einem dritten schritt: die Sänger huldigten ihr dem
metrum zum trotze. Der altem weise nämlich:
Iliad. V, 244 äpdg* ogam xgaTiQta am aoi fASfiaäre fMo^
Od. XVn, 545 ovx ogasig 6 fioi vios htinrage näaw
Iliad. IV, 347 vvp Sk (fiXonq x ogdoiTSj xai al 8ixa nvQ^
yoi^ *Axaifinv —
Od. I, 229 aiaxBa nolX' ogataVj og rig tziwtos yt /uc-
xkX&oi,
Iliad. XVII, 637 ol nov Sbvq* ogaovrBg axrix^Sar ovo*
iti^ (paaiv —
Od. XVUI, 4 oifSi ßiri^ elSog 8k fiäka fiiyag rjv oga-
ea&ai:
dieser altem weise also substituierte man jetzt die con-
tractionen 6q(S og^g 6g(pT6 ogäv ogaivTBg ogäcß-ai u« 8. w.,
jedoch, wie der vers gebot, ohne minderung der moren-
zahl. Also Iliad. III, 234 nävTccg ogcH iXixonnag — hatte
in bgü die contractionssilbe zwei, V, 244 ävSg* ogai xfa^
TBgci dagegen wie in der grandform drei moren. Diese
differenz fQhlbar zu machen, war sache der reoitaüon.
Traf die contraction eine grundform, deren a-j (wie in
nsiväcovy 8. vorhin) zufolge des creticus verlängert war, wie
(grundformen) IL XIII, 79 fiBvoivAoij XIX, 164 fABvoiviBi,
Xffl, 75 fxaiu&ovai, XV, 82 fisvoivdya^**), VII, 157 vfiä-
oifAt, Od. V, 122 vr^BO&B, XI, 288 (naPTBg) fAvdopvoy 1, 39
{fAijtB) fxv&Ba&ai — : so fielen auf die contractionssilbe in
fABvoivw u. s. w. vier moren. Späterhin, bei schriftUcher
abfafsuug, glaubte man diese nflancen der recitation auch
*) waa Cnrtias grundz. II, p. 186 vom digamma sagt, gilt auch von
der contraction.
**) I snbscr. umlant, reflex der npftter abgeworfenen endnng; wie rt*-
flprnchHche nnd in3rtholo|!^8cho nntennchnngen. 417
schriftlich bemerkbar machen zq mflisen, ond so worden
jetzt z. b. fbr die erste ps. sing, zwei moren durch -o»,
drei durch -oo;, vier durch -oioi bezeichnet Doch wnrde
(ata gemieden, sobald diese vier moren auch durch too zu
erreichen waren, also die grundformen H. VII, 157 r^ßdoifu^
IX, 446 7]ßdovTa, Od. XI, 288 fivAovro durch ^ßcio$fu
t)ßwovT(t updovTo gegeben: allein nun auch jene drei moren
— 0(0 — in gleichem falle durch oo^ mithin grundformen
wie II. XXIV, 664 yocwtuev, XVII, 637 ogauvreg, XXIII,
448 elgoQccovTO durch yoooiusv OQOovTeg eigogoovro zu ge-
ben, vor dieser consequenz schrak man zurück, wohl um
die contraction als solche nicht zu verwischen; doch kommt
freilich auch die Überlieferung der sängerschulen in be-
tracht. Was man daher als epische diectasis, distraction,
zerdehnung darzustellen pflegt, reduciert sich unsrer mei-
nung nach auf den metrisch-orthographischen ausdruck der
weise, wie je nach der grnndform die contractionssilbe
zwischen drei und vier moren schwankt Es soll also z. b.
die Schreibweise ogout diese form keineswegs als volksfib-
lich*) beglaubigen, sondern lediglich den leser avertieren,
dafs die contrahierte form oow an gegebener stelle wie die
grundform selbst als anapäst und nicht als Jambus z&hle.
Als grundregel mithin ergiebt sich, dafs die zerdehnung
den wortfufs der grundform ohne Steigerung der morenzahl
unverändert wiedergebe. Es ist das einfach, und doch
nichts weniger als anerkannt Dafs distraction die con-
traction voraussetze, bemerkt Buttmann lexil. 1% p. 229,
und doch hat Passow Odyss. V, 119 ayaaa&6j XVI,' 203
aydaatfai {aydo^ai) s. v. äyafiai verzeichnet, Buttmann
lexil. I, p. 9 die zerdehnung aä vor den suftixen -t« und
'Tai in abrede genommen. Er übersah, dafs zerdehnungen
*) auf xo//oo)<Tt, tiyo{t6ojvrn^ wie Uerodot IV, 191, VI, 11 gcflchrieben
haben soll, ist nichts zu geben, s. Bredow de dial. üerodotea p. 385. Das-
selbe gilt von den bei Lobeck Rhem. p. 188 f. verzeichneten fAUen. Wonn
es aber daselbst heifst: Interim poeticac quoque figurationis ratio explicari
non potest — so darf selbst ein Lobeck der wifsenschaft nicht vrirsthrei'
ben, was erklärbar oder unerklärbar «ei.
Zeit8chr. f. vgl. sprachf. XIII. G. 27
418 So» De
wie 6(jaäTt ö()aäTai aus öoasTe oyaerai die inorenzahl der
gruudform steigern würdeu; er übersah Hes. e. 241 ti/y;^«-
vaätat — aus uiixccva^rai — wo eben diese distractioD
durchaus correct ist; er übersah, dafs es überall nicht auf
die Suffixe sondern auf die contractionsvocale ankommt.
Der distraction nicht fähig ist nur die contrahierte dop-
pelkürze. Stand diese in ogäufiai z. b. in arsi, so war,
da epische dehnung*) hier nicht beliebt wurde, contraction
— ohne ininderung der morenzahl — nothwendig, mithin
distraction unmöglich. Stand sie in thesi, so war die
Wurzel z. b. in ä-vifiae nothwendig laug. Trat also con-
traction ein, so hatte man bei schriftlicher abfafsung kei-
nen anlafs, dem correcten spondeus den ebenso correcten
aber unschönen daktylus i-fifiäa zu substituieren. Also
kein öooofuv ö^aÜTair im indicativ, aber gegen oQocofAtv
OQiäxai als conjunktiv ist nichts zu erinnern, und diese
formen nur zufallig nicht belegt. Spätlinge freilich, wie
Quintus Oppian Aratus, bilden indicative o^aärc ogaärai,
wie sie auch plurale TctQaäxa x^gdätct bilden (Lobeck zo
Buttmann II, p. 28, lexil. I, p. 229), doch bei gelehrter
willkühr halten wir uns uicht auf.
Aber bei Hes. sc. 101 r} ur^v xal x^are^oi; 7th{) idv
äaxai TioXtfiüLo wollen wir doch ein wenig verweileo.
Buttmanu lexil. I, p. 9 bezweifelt die lesart, weil zmr zer-
dehnung keine metrische urache sei, und Hesychius die
glosse aT(u . nh^QovTai vielleicht daher habe; Lobeck da-
gegen (zu Buttmann II, p. 93. 124) setzt äaxai. als auflö*
sung (nicht zerdehnung) von axai s= äixai^ wie Tiai^^ dU"
Xq^, Diese beiden Wörter nun zwar sind keinesw^[8 auf-
lösungen, aber Buttmanns metrische notiz ist richtig. War
die fprm einmal contrahiert, so blieb sie contrahiert, und
wir würden arm lesen. Dafs ein wurzelverb wie «w cl. I
♦) Bie erscheint deutlich nur in dyaiofihov = ayäjofjiivov Odjss. XX,
16 (Hes. th. 619 aymfH¥0(i)\, versteckt in der distractioni^rm mo ans Sjq^
drei moren: Bnttmaim §. 105 anra. 5 citiert Paus. III, 8, 9 nvnioofttvov aus
Hvxäjofifvof (Homer MUMia^ttvo); von älterem datum ist fivmöfitvo =s fivöh-
jofitvo Odyss. IV. 106; XV, 400, sonst firu/ntfo.
sprachliche und uiythologi»che untersuchuDgeu. 419
iDÜ decuudären wie dgdw cl. X keine parallele zulai'se, we-
nigstens keinenfalls sie fordre, scheint von beiden gelehr-
ten vielmehr gefehlt als begriffen worden zu sein; und wie-
der ein irrthum andrer art liegt in dem ansatz einer wür-
zet a, welche nicht existiert. Dagegen haben die verff.
des petersb. wtb. (s. v. av) skr. Ävämi mit äw (lat. aveo)
mit bestem rechte zusammengestellt, wie man sich durch
die congruenz der verbalfbrmen sowohl:
idg. praes. avämi skr. avami ccfwui ofio,
„ fut. avasyami ^ avishyjimi ofeqjiüfn deaio äauj
^ aor. avasam „ ävisham aj:6aafi 'äeaa aaa
„ partic. avata-s ^ avita-s ofSTo-g dsTo-^ «ro-^(l.aro^),
als durch die congruenz der bedeutung überzeugen wird.
Diese ist fürs indische zunächst subjectiv: freude haben,
sich gütlich thun (sich weiden), sättigen an etwas — wie
Iliad. XXI, 70 {iyx^hi) iefiivfi XQ^^^ äfitvai*) dvSQofLioio.
XXIIl, 157 youu) fiiv Hau xai aoat. XXIV, 71(j äaea&e
xXav&iiöio, XIX, 307 {öitow^ noTijtog) äoaa&cn (pikov
^OQ — ; dann objectiv: gütlich thun, sättigen — wie Iliad.
XI, 817 äg UQ ifjUkkere , . . äiTStv ra^ictg xvvag dgym
ötjfup. XVIII, 280 inTtovg navroiov d()o^wv day. IX, 488
üifjou T daaiui (ai). V, 289 ctiuaTog aaai '^gfjn **). Lat.
aveo cl. X zeigt besonders in dem grufs ave (= X^^9^)
jene subjcctive, im sonstigen gebrauch die verallgemeinerte
bßdeutung des indischen verbs, lust, gefallen finden; wo-
gegen der secundäre gebrauch in causativem sinne — be-
gQnatigen, fördern — auf sanskrit und zend beschränkt
scheint. Das präsens äarai bei Hesiod können wir nach
alle diesem, vergl. Öiarai dyauat Jiga^ai i?<,afiat x^ji^a/aai
ngiciuai — nur als dfarai fafsen***). Es ist dies eine
specifisch griechische classe der /u^-conjugation, mit et als
♦) contrahiert aat qAf/Kiar.
•*) Vw/f*»' II. XIX, 402 gehört zu i'i^^i, doch würde der nachweis ein«
besondre Untersuchung über diei» verb erfordern; vergl. Benfey wurzellex. T,
p. 898.
*♦*) Buttmanu lexil. 1, p. 230 verw^ihrt sich gegen itaiiai^ und iu sei-
nem sinne mit recht, da er au die wurzel a glaubte.
27*
420 Sonne
constantcm bindevocal; doch wollen wir dabei nicht über-
sehen, dafs auch zcnd. avami = ccfMfit sein präteritam
aväm — was griech. ofijv lauten würde — nach der fii-
conjugation bildet. Ferner ist
igaptai : igaro = äjraucei : * äfaxo^
und wie k^axo-q attribut ist des gegenständes, welcher die
durch tga^ai bezeichnete empfindnng hervorrnft, ebenso
kann *(ifaT6'g^ nach der unzweifelhaften bedeutung von
äfarai^ attribut sein des gegenständes, welcher mit inne-
rer freude, behagen, befriedigung erfiillt. Doch ist dies
wort, wie das ebenso gebildete aTiQiarog^ in dieser bedeu-
tung nur mit dem a priv. (a-ofaro-g) belegt. So erklärt
sich Odyss. XXI, 90 ro^a Xmovrs fivrjanjQsaaiv äs&kov
aajravov' ov yaQ xtL den freiem zu einem freudelosen
wettkampf (einem wettkampf, dessen sie nicht froh werden
sollen), denn nicht leicht dürfte dieser bogen sich span-
nen lafsen. Später XXI, 5 wiederholt Odysseus diesen
obgleich in seinem munde minder angemefsenen ansdmck,
welchen gerade in bezug auf diesen wettkampf die sage
fixiert haben mochte. Ebenso ist die formel unverkennbar
Hiad. XI V, 27 1 äyQei vvv uoi Ojnoaaov aofarov JSrv/og
vScDQ — beim freudelosen wafser der Styx , wie Hes. th.
785 TtoXvcivvfiov vdioQ den schauerlichen schwur^ f^^fyo
nrjfia ß-tölaiv ib. 792, ogxog ösivorarog XV, 88, euphemi-
stisch andeutend. Die Quantität betrefiend : so ist die deh-
nung des or, wie sich noch weiter zeigen wird, vor dmn
^ normal, die hinter dem ^ dagegen, welche man XIV^
271 annimmt, wird ursprünglich entbehrlich gewesen sein«
Bekanntlich erscheint im vierten fufs vor der bukolischen
cäsur mitunter der trochäus*), und diese freiheit wird zur
zeit, da jene formel sich fixierte, unbeschränkt gewesen
sein. Sicher scheint uns für diese drei stellen wenigstens
so viel, dafs sie nicht zu trennen — in gleicher weise
zu fafsen — und das dritte a als organisch kurz zu setzen
*) im deutschen hexameter vermag selbst das gebildete ohr im vierten
ftifo troch&UB und npondeus kaum zu scheiden.
sprachliche und mythologische untersnchangeii. 421
sei. Nicht minder aber als fftr ääavog steht auch in den
Wendungen XI, 480 (Odysseus) doXwv at ijdk novoiOy XIII,
746 (Achilleus) avt]Q aro^ noXiiAOio, XXII, 218 (Hektor)
fiä^fig atov 7UQ hovra^ V, 388 ^^?;tf «ro^* noXifioio die
herkömmliche fafsung — azog uners&ttlich — auf schwa-
chen fbisen. Will man sie retten, so ist arog = a''Cif§^
TO'-g, und zwar oferu als partic. fut. pass. zu setzen, so
dafs das wort mit ä-aTi-sTü ä-ox-Bto {an ox aus a^n aex
synkopiert) d-^fiö-eTo a-ti-ero u. s. w. analog wird. Homer
kennt die contraction des et priv. in cixu)P, aber ixoiv da-
neben, und der gegensatz bleibt fühlbar. Aeschylus Eum.
554 contrahiert (oIbt' äxlavarog aiarog, aber die negation
bleibt hörbar. Von aiog = a^aferog gölte weder dies
noch jenes; und a priv. wird, trotz der parallele mit axo-
{)t]Togj durch nichts verbürgt. Ich würde daher lieber aro
= of^BTO*) als partic. perf. intransitiver**) bedeutung
setzen: arug***) noXiuoio i.e. der am kämpfe seine lust
hat, kämpf begierig, XiXaioiAivog noXifÄOw III, 133 vgl. Hör.
C. III, 4, 58 Hinc avidus stetit Volcanus, Sali. Jug. 35
Avidus consul belli gerundi. Diesem aro == ofsro idg.
av-a-td entspricht mit abschwächung des bindevocals zu i
skr. avita, dessen substantivisches neutrum avita-m (gefal-
len, freude) im compositum adrogha-avita „arglosigkeit lie-
bend" bedeutet. — Endlich Hesiod. th. 714 Fvi^g r äarog
TtoXiuoLo, Da contraction sich hier dem metrum fügt, so
bleibt distraction ausgeschlofsen. Ist die form verderbt,
so wäre dir 6g (ap^xog) als gmodform zu arog (aro^) zu
schreiben. Ist sie correct: so wäre c^aro (oxyt.) grund-
wort zu a-djrato, jedoch in aktivem sinne (wie Sivaptai
övvccTo mächtig, vermögend), also mit aro nur an bedeu-
tung gleich. Denn als Superlativ, was sonst nahe läge,
läfst sich ofazo kaum setzen, da die parallelen "Exaxo
ic^ccTo vnaxo nvuaxo jiuaaccTo vearu ftv^ccro TigoHtü (=
*) i bindevocal, Bopp §.818.
**) Benfey kurze sauskritgramm. §. 371, zcitecbr. X, p. ilG.
***) oder vielmehr dx6<;; denn der accent ist gleichgültig.
422 Sonne
ngoaiü) Hvvaro ökxaTo sich auf die categorien räum*) und
zeit beschränken. Müi'sen wir also fdr Hesiods aarai und
äarog auf distraction verzichten, so ist sie in Homers
adaxero II. V, 892; XXIV, 708 vollends, was dies wort
besagt, unleidlich. Dasselbe steht für a-avax^To ; im gruöd-
wort dvaxBTo (erträglich) Od. II, 63 blieb v bewahrt, um
diese form von aax^ro (unerträglich) zu scheiden, ein mo*
tiv das für a-eri/cy;^ero fortfiel. Denn wenn die präfixe Av
und iv^ weil gekürzt aus dvä kvi (im gegensatz zum un-
gekürzten övv) sich mit folgendem (t vertragen, konnte der
nasal natürlich dennoch schwinden, sobald die Verbindung
besonders enge oder als solche nicht mehr ftihlbar war.
Daher t-an-ETE {yvv fAot Movaai) = kv-anBre^ sowie hnaö-
GVTBQo = hn-av-avr^Qo d. h. in stetem Wechsel**) heran*
strebend, hurtig nach einander, von eöav/nai vgl. kneaavfjiB-
vog dve(f(TVTo inavacfsita^ navavSiij naaavÖiij.
Noch sind für unsern gegenständ einige formen von
yBXdui — denomiuativ vom thema yelaa, also ursprünglich
y^kaa-jw — beachtenswerth. Zu correcter Würdigung der-
selben vergleiche man die parallele:
€( = ff : ä)
Thema:
teIbo n.
yekaö n.
denominativ :
TBlsa-joi
yel(ta-j(v
a fällt:
tbXE'Jü)
yBlA-jw
ersatzdehnung:
TsXei^o)
yBkäjw (e
j fiUlt:
TBXÜ'fO
yBkd-w
Verkürzung:
TBXiM
yBXaw
aorist:
irilBaGa
iyikaoöct
visarga:
kriXtaa
iyilaaa.
Sind nach so klarer analogie yBkdo) und ^bIAm ur-
sprünglich gleichberechtigt, so ist:
rißäovr : rjßvoovt =t yBXüovt : yBXtaovt
OQaovt : oQOiavr = yBXaovT : yBXoMVt -^
♦j deshalb eben «xa tot; der fernste seil. ^Ai.o(; '^ttöUw. Ebenso ^xrevif
seil. GiitivTi ''A(^iffMiqf and 'Enäßn — fernwandlerin — welche als Selene
(Eurip. Hec. 1243) in eine hündin verwandelt wird.
♦*) daher comparativ, so wie aiiv Od. XVI, 866, wo Ameis eine gute
erklärung, und dem Herodian zu liebe eine schlechte ttbenetzung giebt
Hprachliche uud mythologische untenuchangen. 4S3
folglich Od, XVm, 111; XX, 390 yüwuvra^ aus yskAop^
reg, contraction vier rooren, und XVIII, 40; XX, 374 /«^
k6a)VTss aus yeXaoPTeg, drei moren, nicht minder gleich-
berechtigt. Dagegen XX, 347 :
. V. »Y V - S y^Xoiwp < ,,,
Ol o rjoti yvitöuüiai i , } alloroiotaiv
' ' * ( yEkfowv ) ^
sind beide lesarten (vier moren) gleich falsch*). Denn
die grundform yek«g-jov yikäov gewährt der contractiob
nur drei moren; es ist also, mit syll. aneeps vor der bu-
kolischen cäsur, yihoov zu schreiben**). - Uebrigens ist
diese ganze fixierung metrischer Orthographie, wenn sie
ungeschickton leuten die scansion erleichtert, von einer ge-
wissen Pedanterie nicht freizusprechen, und haben die In*
dier — welche in ihren alten liedern (Benfey Sv. einl. p.
LU f.) mit bei'serm gründe distrahierte längen setzen könn-
ten — recitationsnüancen der art mit recht unbezeicfanet
gelafsen.
Weitere beispiele zur längenden kraft eines folgenden
j finden sich in gewissen epischen letformen. Eine flexion
wie öwoiuvj yvtaofAiv deutet, wie Abrens Conj. auf pii p. 18
mit recht annimmt, auf ein ausgefallenes j, Ötajofjisp, yvw-
jofiev; durch den hier bedeutungslosen Spiranten wird, wie
in skr. ^ivä-y-äs pivä-y-am bodhe-y-us u. s. w., nur der
hiat vermittelt; und die spätere antipathie gegen die Spi-
ranten darf eben als solche gegen die einstige verwerthung
des j zu jenem zwecke nicht zeugen, oder dürfte es we-
nigstens nur dann, wenn jene conjunctive neubildungen
wären aus einer zeit, die sich — gerade durch das schwin-
den der Spiranten — an hiate aller art bereits gewöhnt
♦) vergl. Lobeck Rheni, p. 1»4. 215. Aus riäv yiioiiiffaaa (ythnat)
h. Ven. 49 fulgt nichts, da weder einu noch Sänger pafst.
**) vgl. Ahrens Conj. auf fn (Nordbaosen 1888), gegen dessen ciucd-
dation (p. 10) Iliad. IV, 146 ftlai&iv aifiaii /ifiqoi Ott'r. Müller kl. sehr. 1.
p. 374: „Absolute regeln giebt es gerade in dieser naturwüchsigen spräche
am wenigsten; alles erscheint wie strebungen organischer kräfle, deren rela-
tive stärke nur an den crscheinungen selbst gcmefsen werden kann, die sie
hervorbringen". - Ich weifs dies; aber Steigerung der morenzahl durch
contraction wäre sicher nicht durch organische kraft herrorgebracbt
424 Sonne
hatte. Gegen diese Voraussetzung aber spricht theils der
umstand, dafs diese conjunctive späterhin verschwinden,
theils ihre correspondenz mit indisch-zendischen letbildun-
gen. Sind sie aber alt: so wird eine urform da^amasi (=
Sciofiev) wohl niemand setzen. Denn wenn die Ursprache,
wie man weifs, den innern hiat in manchen föllen duldete:
die häfslichste form desselben, der a-a-hiat scheint ihr denn
doch fremd gewesen zu sein. Einen plural wie akva-as
— statt akväs skr. apv&s — wird man ihr nicht andich-
ten. Alfo kein da-amasi, sondern — da an v und s hier
nicht zu denken — da-y-amasi = öO-j-ofteg, daraus mit
der durch j begünstigten Verlängerung öwjofAev dtio/iev^
endlich SüfiBV, In yvdofxBv dagegen gebührt der wzf. yvta
(s= gnä aus gan) länge von haus aus, welche mithin in
yvo-ifjv yvo'VT verkürzt worden. — Sodann ri&tjfjii : let
ß'E^OfA^v d-H-fOfASV &6iOfjiev. In diesem und ähnlichen &I-
len setzt Ahrens Conj. auf fii das i als vocalisiertes j, wo-
gegen wir, wie vorhin bei öxvsiw, den Spiranten schwinden
la&en, nachdem er die Verlängerung {£ : £<) gefördert. Die
auffälligen lete (ßa) ßüofAiv^ (ata) aveiofiev führt derselbe
forscher auf ßtijofiBV öTt^jofisv zurück. Da nun die mOg-
lichkeit falscher transcription sich nicht leugnen läfst, so
werden wir zwar Otfr. Müllers urtheil (kl. sehr. I, p. 373),
dafs solche consequenzen das vertrauen auf die Überliefe-
rung der rhapsoden in den grundfesten erschüttern wflr»
den, nicht schlechthin billigen, ohne doch von jener auf*
fafsung völlig überzeugt zu sein. Wären jene lete aof
griechischem boden von wzff. ßa und ata gebildet, so wftre
si im let freilich unbegreiflich. Doch setzen wir sie als
erbgut und erinnern daran, dafs indische wurzeln auf a (ft)
diesen auslaut vor dem -y des precativs z. b. wz. da (da)
precativ 3. p. sg. de-yät aus dai-yät, in e umwandeln. Dem
y des Suffixes geht eben ein leises i vorauf, welches mit
dem wurzelhaflen a zu äi (e.) contrahiert wird. Danach
konnte die idg. wz. ga (= ßa) den let ga-yamasi zu gai-
yamasi umbilden, dies zu ßdofitv^ idg. staiyamasi zu axUo^
fABv hellenisiert werden. Auch die diphthonge ai und oi
sprachliche und mythologische untenachungen. 4M
der coDJunktive naQo^&mtjai und Soiy wären ähDÜch su
erklären. Denn selbst in douj (Oiad. XXIV, 529) — wo-
für man jetzt ödy liest — ist oi ebenso richtig oder falsch,
als z. b. Ol in ayvoijjai (Od. XXIV, 218) aus äyvO-jjjai.
Der aus 8wjo^tv mit Sicherheit zu folgernden 2.p. dwfsvB
entspricht genau zend. däyata, welches, bei Bopp §. 701
als precativ (optativ, duhjre) erklärt, vielleicht richtiger als
let gefafst wird. Noch andre alte letverlängerungen liegen
in formen wie (fiHiü^uv xTtiouev axiutfABv^ insofern sie, wie
nicht zu bestreiten, auf cpi^tJujLiev u. s. w. zurückgehen;
wobei wir nicht verhehlen wollen, dafs der eben bespro-
chene let araiüusv gerade deshalb mit Ahrens als falsche
transcription aus 2TE0iMEN (artjofAev) gefa&t werden
kann.
Auch die deklination liefert zu unsrer frage ihren bei-
trag. Dem thema noh giebt Homer die genitive nokiog
(auch ion. äol. dor.) und 7t6h]og, dies so wie noki^i: nüktieg
Tiolriag äusschliefslich episch: daneben attisch noXeog (im
drama, alterthümlich, und so Heyne und Bekker auch Iliad.
II, 811; XXI, 567) und noksaug. Der acc. sg. noktja (Hee.
sc. 105) zeigt durch seine endung, welche den consonan-
ten fordert, deutlich den ausfall des j, und wir kommen
so auf die altern casus TioXEjog noXEji noXEja noX^sg
noXEjag d. h. auf gunierte flexion zurück, woraus sodann
mit der bekannten dehnung 7t6h]og u. s. w. geworden. Und
wie bereits Buttmann §.51 anm. 5 vermuthet, noksoig ist
lediglich die specifisch attische Umbildung (vergL ep. vi^o^:
att. vBwg^ von vmg) von ndXtjog, und wir überzeugen
uns, in abweichung von Bopps (§. 192. n.) andeutung,
dafs der attische genitiv mit dem indischen puryäs (von
puri; oder matyäs von mati) aufser beziehung stehe.
Der flexion noli-g nolijog entspricht idg. nom. pari-s gen.
parayas, was dann zu einem umfafsenderen satze weiter-
fuhrt. Die idg. i- und u -stamme nämlich, dafür spricht
vieles, bildeten den genitiv auf doppelte weise, je nachdem
sie i und u vor dem casussufüx -as gunierten oder nicht. -
Also:
426 Sonne
idg. thetna PARI gen. iiuguniert: pari-a8 = ^okiog,
jf „ ^ „ guniert: parayas = nuXejog
„ PAKU ^ unguniert: pakuas, wie zend. thema
(lat. pecu) danhu gen. danhvo, i^thjug,
Yf n yf „ gnniert: pakavas, wie zend. dan-
havo, >/()i' rjdäfo^.
Wir erlauben uns hier zunächst eine Zwischenbemerkung
über fitytog^ da der punct weiter unten doch zur spräche
kommen müfste. Es läfst hier s dreifache erkläning zu:
1) ffSioc; yerflOehtigt aus tjövog, 2) rjdeoi^ aus ijö^jroc: mit €
furtivum (Curtius grundz. II, p. 157), 3) r^öeog aus riÖBfoq
als guniertem genitiv. Uns scheint dies letzte richtig, und
aus folgenden gründen. Homer konnte, wie avgia (nov*
Tov) zeigt, den acc. ydtrt'*) bilden: war nun im genitiv
6 = t/, oder furtiv, so ist nicht zu ersehen, wie dem acc.
sv^v i]övv auch iV{)ia i}()h< zur seite treten konnte, wo-
gegen diese bildung sich durch guna ivQspa rjöepa leicht
erklärt. Sodann bildet das thema iv (iv-i^) bei Homer den
gen. ^^04,' (Buttmann lexil. I, p. 86), TiQtaßv bei Hesiod den
plural nof(S.it]Bi^ (Buttm. gramm. p. 233) d. h. il'Jfog, ngsö-
ftEjreg mit deutlichem, metrisch gelängtem guna. Im indi-
schen endlich läfst sich mit beihülfe des vedischen nioht
nur im nom. plur. , sondern cxci. nom. acc. für alle casus
des Singulars, theils durchgreifend, theils sporadisch, die
gnnierung der u- stamme nachweisen. Greift sie also im
vedischen weiter als im spätem sanskrit, so war sie wohl
um so mehr der Ursprache gestattet, welche hiedurch dem
griechischen nahe tritt. Denn in letztrer spräche zeigen
exd. nom. voc. und (gröfstentheils) acc sing. dat. plur.**)
alle casus guna. Ist aber die proportion:
*) auf adia bei Theokrit XX, 8 will ich mich zwar nicht berufen, da
dieser XXI, 45 selbst ixO^va, XXVI, 17 iyvva schreibt; doch mochte ich
selbst diese formen nioht unbedingt fllr jung halten, da es an vedisolien
— arf ary^m, jrädu yädvam — und zendischen (paitim, tanüm 8. o.) paral-
lelen nicht mangelt.
♦*) dat. plur. fif^iat, statt ijdi'ff* ähnlich abgeschwächt wie t4Xi(fi aus
-aaiy x^**^*' ^^^ -c«rt. Homer aber hat noXv dat. pl. guniert .iok(ftQau
sprachliche und mjrtfaoloi^che untenachangen. 497
skr. sünü-s : (ved.) sün&vi : sfto^vas =
mitbin die guniening des dat. sing. nom. plor. unbestreit-
bar, so lafsen auch tjSifog t}Sifwy tfäifag eine andre Fas-
sung am so weniger zu, als der zendiscbe genitiv too
danhu, danhavo, augenscheinlich derselben regel folgt. Im
indischen dagegen bilden i- und u- stamme den genitiT
(vedisch) unguniert ari ary-as, pa^ü papv-äs, wie ndaiog
ixäi'fo^; mit guna dagegen nicht, wie man nach analogie
von 7i6?.ejOi^ rjökfOi^ erwartet, kavi *kavayas, sünü *suna-
vas, sondeni — mittelstufe *kaväis *sünau8 — kaves sünös.
Da diese bildung sich im zend (pati patois, tanu taneus)^
im altpersischen*) ähnlich wiederholt, so wird sie urarisch
sein; ob aber deshalb auch indogermanisch? Letzteres setzt
Bopp voraus, wenn er sie §. 185 mit goth. ansti gen. an*»
stais, snnu gen. sunaus zusammenstellt. Dagegen aber fbh-
ren Ebel zeitschr. IV, p. 152; Schleicher X, p. 80 den
nach weis, dals dieser gothische genitiv auf älteres -ayas
-avas srarOckgehe; und wir tilgen bei, dafs vom sanskrit
und seinen nächsten Schwestern dasselbe gelte''*), indem
-ya -va sich wie so oft zu i und u vocalisierte. Es war
also Bopp thatsächlich im rechte, nur dafs gothisch und
sanskrit nicht unmittelbar zusammenzuhalten, sondern durch
die gemeinschaftliche grundform, indogerm. gen. -ayas
-avas zu vermitteln waren. Bei diesem Zusammenhang
der Sache stellen sich genitive wie noktjog ijöifog als die
alterthflmlicbsten aller sohwesterformen heraus.
Haben wir bisher vorzugsweise die vor j eintretende
dehnung betrachtet, so möge die gleiche erscheinung vor
j: sich nunmehr anschliefsen. In der wurzel of (qfijfii;
skr. vämi) ist a stets kurz, die länge desselben in den de*
*) Caispi gen. CaispAis — neben Caispais, wie nökrjo<; neben nokto*;.
Caispi liest Spiegel; man könnte Cispi lesen, and « in Tiftrnrit; als darstel-
lung des palatals (Cispi s= tyispi) anffafsen.
**) Benfey kurze sanskr. gramm. §. 489 läfst skr. kaves sünos nach ana-
logie von gaje'sti, gajo'sti ans kaveas sunoas hervorgehen ; aber diese formen
haben schwerlich anspruch auf existenz.
428 Sonn»
rivaten övntiftji;*) cc/rjn t^bool; cett. wird theils auf dem
nietrum, theils auch auf der ableitung beruhen. Um die
bedeutung des verbs (dijpai^ wehen) in weiterer Verzwei-
gung zu würdigen, luöfsen wir uns erinnern, dafs unsem
alten die begriffe wind und wölken, uebel und dunkelbeit
in einander spielen. Vom particip ofivT, in schwacher
form ofST (vergl. Benfey wurzellex. I, p. 263) ist gebildet
oftT'i'tfQov (x6(rufoa)P^ bahuvrihi: wehenden (windigen) sinn
habend, anbedachtsam; daher auch O-vfiog dsiJitfgwv Od*
XXI, 302, Hes. i. 315. 335 vgl. Iliad. XXI, 386 öixa Si
a(fiv kvl (final i3'vu6<^ cifjro^ wo der Zusammenhang mit
dijvai sich ebenso deutlich wie in der compositionsweise**)
zeigt. Für drjg tfigoi; ist die bedeutung dunstkreis, nebel,
dunkelheit — Iliad. V, 864 oit] ö* kx vtcfiuiv kgßßspv^ ipai-
V9Tai dfi{} — anerkannt; und wir tragen hienach kein be-
deoken, auch ofdiri ärtj afctrai in der grundbedeutui^
nebel, umnebeln, verdunkeln (verblenden, bethoren) zn
WZ. df drivai zu ziehen. Denn Buttmanns (lexil. I, p. 223)
irrthum, als ob unglück und schaden die grundbedeu-
tung sei, ist schon von Nägelsbach hom. theol. p. 271 wie-
derlegt worden. Nach O. Müller Eum. p. 129 ist axri die
augenblickliche Verblendung, in welcher der mensch sich
selbst nicht kennt: aber dies geistige nd&og^ muls die spri^
che dasselbe nicht, wie das geistige überhaupt, durch sinn-
liche anschauung, bildlich, symbolisch bezeichnen? Die dä-
monische gewalt des nd&og fbgt sich mythologischer au£-
falsung ganz wohl, und Iliad. XIX, 91 — 133 ist mehr als
allegorie. Die lichtweit sollte dem nebel entrückt sein,
welcher sie vor der geburt des Helios-Herakles denn doch
umfängt, und der schwur v. 127 scheidet eb«i nur die bei-
den reiche, lichtheim und dunstkreis. So sinkt die d^dtri
zur djrtii} als ihrer eigenen region herab (v. 92 ov ydg in
♦) cf. a^ayU ( ) Od. XI, 576 v./'dyri.^«.
**) welche freilich noch nicht erkannt war, ab Buttm. lexiL I, p. 224
seine viel gebilligte erkläning aufstellte. Hesychins aaciq>Q09* , ßla^itpifopt^
tnQtvnßXaßil ist eine befserung von grammatikem , welche die wahre ablei-
tung nicht einsahen.
sprachliche und mTihologischc nntersnchnngen. 419
ovöst TTtXvfCTat, dkX* aga ijyB xat a¥S(ßäv XQdara ftaivu)^
und es ist characteristiscb ib. ▼. 87 Od. XV, 234 (cf.
Aesoh. Eam. 350), dafs neben andern göttem gerade die
7)sgü(poiTig 'ÜQivvg die Verblendung herbeif&hrt. In nebel
gehüllt verschwindet der heros, dessen aage nun selbst
den nebel nicht durchdringt; die begriffe unsichtbar und
blind, unhörbar und taub decken sich vielfach. Für das
verbum, herkömmlich dato geschrieben, läfst sich die an-
erkannte bedeutung verblenden, bethören auf das bild
des umnebelns, benebelns durchweg mit leichtigkeit zurück-
führen^ so besonders deutlich Od. XXI, 297 6 Ö' inel fpgi'
vag äaasv oipcf) — wie uns denn (zeitschr. X, p. 415) lat.
ebrius dasselbe bild zu gewähren schien > und Hör. C. I,
37, 14 mentemque lymphatam MareoUco — erinnert an
vtfft(pi] {vv^(f6Xi]7iTog cf. vB(pog)j also wieder an nebel und
dunst*), ja ved. r&jas (synonym mit dfjg) heifst in der spftr
tem literatur geradezu aestus mentis, impetus affectnum.
Aus den belegten formen: Iliad. XIX, 91 jitf] ij ndvtag
d^ärat^ VIII, 237 rfjd' ary afaaag (^ ^ «), Od. 1. c. of a-
aav; XI, 61 dae; X, 68 d^aadtf fi* f^ragoi; 11. XIX, 136
dXV inel d^aadfAfjv; XI, 340 d^daato (-_ww); IX, 537
djrdaaro (^-w/^»); XIX, 95 daaro; XIX, 136 p ngärov
djrdö&riv; XVI, 685 xai uiy djrdad'rj; Od. XXI, 301 fpQS^
alv fi0iv d^aa&eig — ergiebt sich, dafs der anlaut nur in
augmentfähigen formen gedehnt wird **), daher wir uns auf
j: nicht zu berufen brauchen. Wegen der schwankenden
quantit&t des zweiten a im aorist giebt Heyne ddaaaro^
mit recht oder unrecht, wie man's nimmt. Aitgeschicht-
liches recht hat aa nur da, wo wie in tgiaae ^aaaPTo rs-
Xiaacci aeßdaaaro wurzel oder thema auf <r auslautet; aber
als dauerlaut und tenuis darf (r, und namentlich in arsi.
*) es ist bekannt dafs die hexen, welche den Macbeth bethören (acurar)»
wolkenfraaen, apsarasen sind, welche aach nach indischem glanben in Wahn-
sinn stürzen.
**) Dasselbe gilt vom aor. cifura ttfiaai, (schlafen), welchen schon Lo-
beck Rhem. p. 4 mit aß^ai in Verbindung bringt, vgL Ciirtiiis grondz. I,
p. 355.
430 Sonne
schon an sich position bilden, welche unsre texte allerdings
durch Verdoppelung; zu geben pflegen. Es haben sioh da-
durch häfsliche dinge eingeschlichen z. b. IL VI, 335 vb-
jniaat vom tbema veu-E-öi. aus veiu-s-ri *), und dörilen wir
die Überlieferung corrigieren, so wären solche unfonnen
vor allem zu beseitigen. Auf der andern seile ist nicht
zu leugnen, dafs das griechische obr, wie zumal perf. und
aor. pass. ausweist, zwischen jenem organischen 0-0 (spä-
ter visargiert zu er) und diesem blos orthographischen aa
aus Position bildendem a auf die länge nicht mehr unter-
schied. Diese Verwirrung erschwert die beurtheilung der
sprachform. So lafsen sich die aoriste äjraaa ofaadiAtjy
äpdöO^^iV als denominativ zu einem ueutrum auf -a^*; zu
einem präsens ctfai^w — und dafür spricht dya^BCttai (i. q.
a^a^ea&ai) , likdnreoii^at, ddßctxtoi (i. q. dofaaxoi) . dßXa-
ßiiq Hesych. — ; so wie zu einem präsens djrr^ui d^ofiav
cipaiiaiy also zur vorhin erwähnten classe dyafiai ügafiai
cett. ziehen, womit dann auch djrdrai stimmt, da sioh der-
selben — wahrscheinlich selbst alterthümlichen denomina-
tiven — mehrfach secundäre denominative {dydoficuj k^ai)
beigesellen. Wer wegen ddrcci Heynes ddaaato verwirft,
wird wohl thun wegen dydouai auch rjydaaaro u. s. w. zu
verwerfen.
Uebrigens scheint dehnung dea wurzelvocale vor>r sich
aufser in ävadjrpjii, cO^^lQ so wie dem früher besprocbenen
ddfaroQ nicht gerade häufig zu finden. Bekannt ist Ji[/ro-
yeväg von öij:, Ueber 'fJfwai Biaiai cett. von ifdia (Is/sen)
wage ich kein urtheil, da das etymon des worts mir noch
nicht gefunden scheint. Zßui, bekanntlich verwandt mit
skr. yava m. (Kulm herabk. p. 98), scheint wie skr. gav-ya £
(eine menge kühe, Bopp §. 896), dv&gaxtd, dxvgfiid durch
das collectivsuffix -m gebildet, also aus C^fia contrahiert
keine dehnung erfahren zu haben. Deutlich ist sie jOd.
IX, 425 ägaevsg ^'Ojrut;, Aristarch oiug, andre 6uq\ die ho-
*) vergL zur Wortbildung »kr. am-a-ti, ar^-ti, ram-a-ti, £em., auch im
indischen selten.
sprachlicbe und mythologische Untersuchungen. 431
inerisoiie iortn ist natürlich ofu^. Häufig ist debnung des
gunavocals der wurzeln auf v: so rV^v &EfM ifBiw, nkv
nkEfot} TiXBiia^ ttvv nvEfw nvtia» nvQ^fj nvoi^, xXv xkE^fj-
d(op xXijfiöiiv; über xXkfog und compp. so wie anifog s.
zeitscbr. VII, p. 204 ff., wo L. Meyer die Altem formen re-
construiert. Docb werden sie, trotz ibrer spracbgeschichi-
licben begründung, im texte sctiwerlicb börgerrecht gewin-
nen. Wesbalb aber Od. V, 194 (rtalo^ ((ttt h^fog) * ) sollte
feblerbafter sein als so viele andre f/ der art, möchte
s(!bwer zu sagen sein.
Anlautendes ^f kömmt für augment, reduplikation, prä-
tixe in betracbt. Wenn ich zeitscbr. XII, p. 339 #; io
ij^siÖt]g t]jceiötj mit dem in tiiSovXo^itiv cett. gleichgestellt,
so babe ich mich dabei durch das vedische augment 4-
(= ^;-) um so mehr bestimmen lafsen, als ep. ißov = skr.
Syam l.ps. sg. ayan 3. ps. pl. eine parallele gewährt. Mög-
lich aber bleibt es doch ;; in rjjretdtjg aus 'Ljrqft- durch
epische dehnung zufolge des tribrachys zu erklären. An*
ders verhält es sich mit einigen zur wz^-tx {'eoixa) gehö-
rigen formen. Wie schon im iudiscben das s. g. inchoativ
der alten wz. vrak (äol. ßgdxoi^ aus /-(i.), ""vrak^sk sich zu
vrask dissimiliert ""* ), so im griechischen riTvx-ax kaxHtx
öix-ax (HdixoVj warf) zu Tirvcxouai kdaxw diaxo^j mithin
ebenso ftx-ax zu ^lax lliad. XI, 799; XVI, 41 ^iaxovreg.
Od. IV, 279 jriaxovau gleichsetzend, gleichmachend, also
in causativem sinne. Nicht unmittelbar zu diesem stamme
piöx gehört das präteritum ijiaxtx denn Od. IV, 247 äkXcp
*) die wurzelt", zu a/jfßoQ Srrv kann wohl iHir bersten, spalten (in-
trauB.) bedeuten. Sie würde im skr. spu sphu pbii (Kuhn seitsohr. III, p.
322 fl'.; IV, p. 9 f.) lauten, womit mehrere andre wurzclformen dieser bedeu-
tung verwandt sind, Benfey wurzcll. I, p. 587 ff. Ebenso kommt ijf^Ef-aQ^
{q>g(fuin lliad. XXI, 197) von einer verschollenen wurzelform «jp^r aus ya^
(brennen), wozu ved. bhürni und doch wohl auch bhuranyü bhura^yäti,
schott. bar-m (gischt), nbd. brennen und born brunnen, welches letztere
(und damit auch <ntin(j ) Konrad Schwenck wb. d. d. spr. s. v. trefflich mit
diesem begriffe vermittelt.
**) und weiter zu vra^c erweicht. Die Schwierigkeit, welche Benfey
Or. und Occ. I^ p. 395 in dem 9c erkennt, hebt sich wohl, sobald wir vou
wzf. vrak ausgehen.
4^32 Sonne
ö* avTov fpoüTt xaTaxQV7TT(ov i]iaxBv empfiehlt der spondeus
im fünften fufs (vgl. Leo Meyer zeit^cbr. VII, p. 206; Butt-
mann lexil. II, p. 82) fjttrxev auf kjceftöxsv zurQckzuf&bren,
mithin zu ^sjriaxio zu ziehen. Hier also geht wie in cn^^i
am^Baai ij auf efs zurück. Offenbar war das E des Utem
alphabets, wie das in AioW Od. X, 36 u. s. w. *) als
€6, 00 gemeint, wurde aber fölschlicb ?;, ov transcribiert.
Jenes jr^jrinxb) — aus ysjrix^öxvt) — ist aber direct vom
perfec t stamme ^€f IX {^i^ixrov Od. IV, 27 gleichen, ^e-
fixTYiv II. I, 104 glichen) als dessen causativ — gleichma-
chen, gleichsetzen — gebildet: dafQr bürgt schon das %
der reduplikation, doch tritt dieser Ursprung auch in einem
gewissen parallelismus des causativs mit dem perfect deut-
lich hervor. Dieser parallelismus zeigt sich einmal in der
dehnung der reduplication (diese wie im vedischen: vrdh
perf. vävrdhe) : Iliad. XVIII, 418 veijpiai ^Efotxvlai, jrsi-
^oixviat Bekker, verglichen mit XXI, 331 äwa ai&ev yag
Sav&ov 8tvi]evra uctxil ^EjriaxouBv (präsens) iivai — rjiöx^
/itev vulg., fij^iöxouev Heyne, Bekker, fS{fiaxouev Butt^
mann. Für den text sollte man der Überlieferung folgen:
wo nicht, doch beide formen wenigstens gleichmäfsig cor-
rigieren. Zweitens aber zeigt sich jener parallelismus auch
in der Unterdrückung der reduplikation : Iliad. XXIII, 66
ofiftarn xald jrixvla ( Hoffmann Q. H. 11, p. 1 09 , und 80
jetzt Bekker) verglichen mit den vorhin angeführten parti-
cipien ^iaxovreg jriaxovaa, welche also die reduplieation
abgeworfen. — Die medialformen Iliad. XXIII, 107 {kni-
TtXXBv) HixTo, Od. IV, 796 Sifiag 8* fj$XTo yvvaixl — sind
bereits von Buttmann II, p. 162 mit recht auf^ä/rixro 4^^
^ixro zurückgeführt, auch hier tj aus E tas ee. Bekkers
i^ixTo Iliad. 1. c. giebt ein beispiel, wie mislich die Wie-
derherstellung auch nur des digamma sei, da sie nicht blos
durch etymologie — wie denn Curtius grundz. 11, p. 228
dieser wurzel das digamma abspricht — sondern sogar
*) über die genitive auf .qo Ahrens bei Hoftmann Q. H. I, p. 101;
II, p. 78.
«sprachliche un4 mythologische nntenuchangen. 433
durch die auffafsung der form bedingt ist. — Wieder an*
ders steht es mit iJBiQB Siad. X, 499 *) Torpga d* crp' 6
tXyjumv 'OövffBvg kvB ficivvxceg innovg, avv 8' ijsiQBV ludai,
xai i^XavvBv ofiiXov, Ueber awrisigs hfttte man, seit
Heyne und nach ihm Spitzner und Bekker XV, 680 das
allein richtige (cög Ö* 6t avr^o . . .) knBi ix noXitav mavQCtg
avvaBioBTai innovg wieder hergestellt, nicht länger schwan-
ken sollen. Hören wir Lobeck: Pathol. Eiern, p. 43 /äsigco
t6 ouov Bioü) Schol. II. V, 486 eademque opinione ductus
Spitznerus inTtovg awaBioBrai pro avvBiQBrai dictum cen-
set, Matthiae vero tJbiqbv verbi Bigo) imperfectum esse putat
extrinsecus auctum. Mihi utroque loco unum dBi(}(o inesse
videtur, cui connectendi et coaptandi significationem tribui
posse ostendit affine aoagiaxco (vgl. denselben zu Buttmann
p. 312); und Faesi: yifjeiQB scheint hier, da aBiQw aigat
nicht in dieser bedeutung vorkommt, als eine zerdehnte
form des aor. I vom thema ägw zu dgagiaxo) gefafst wer-
den zu mflfsen; und ebenso XV, 680 awaBigBrai^. Zu
BiQua ziehen ijBiQB auch Ebel zeitschr. IV, p. 165; Curtius
grundz. no. 518. Alles dies mehr oder minder irrig; doch
heben wir das richtige mühelos heraus: beide formen ge-
hören zu (Ti/i/ac/po)**), und zwar -i76i(>€ als imperfecta -ac«-
oBvm als aorist, beide verwandt mit öBi^d (seil)***), wur-
zelform a^BQ, Diese wurzelform war freilich nur compa-
rativ zu finden, aber befremden darf es dafs, abgesehen
von der unglücklichen heranziehung der wz. dg {dgagicxo)),
man dem verbum deigio die bedeutung binden — Yergl.
Ahrens d. aeol. p. 267 n. dBigo) olim necteudi significatio-
nem habebat — absprechen mochte, da sie gerade hier
zwiefach, und mit IL XVI, 340 7iagf]ig&i] di xdgi), III, 272
*) worüber zeitschr. X, p. 173n. bereits ansre meinung angedeutet.
♦♦) avvailQOi noch II. XXIV, 590; Od. IX, 332, aber in der gewohn-
lichen bedeutung.
***) auch mit fl^m^ wie sich versteht, aber nicht von fl^w. Dafs ritior
iinperf. (vgl. aPiidto fi^ti6f)y zeigt der Zusammenhang, wiewohl die alten
ßvwi'^fvlf, (Tvpidfjaty doch giebt Ue»ych, ^fi^ff. ißätrtal^tv (mit anderm be-
zng) auch das imperfect. den aor. hat Archil. fr. 92 Bergk itq (rdq nat^r/iof
<pQ^¥a<; cf. 58 rooi' :ra^>Jo^o<;.
Zeifc^chr. f. vgl. sprachf. XIII. C. 28
434 Souuc
ij üi TtotQ ^icpsog jueya Hovlsov cuiv ccmqto vierfach vor-
liegt. — Iliad. VIII, 25 atiQtiv ^iv xev 'msira nEQi giov
OvXvfÄTioio ö)]aaiu}]V' td öi x avre fisriioga navta yivoiTo,
Also was gebunden am emporgezogenen seile schwebt*),
heifst fnT}}OQov, und der Zusammenhang dieses worts mit
aBiQb) giebt sich in Wendungen wie h. Merc. 135 juerrioga
(T alxjj' avduQt (und mehr bei Lobeck Paralipp. p. 531)
klar zu erkennen. So finden wir cugd deigo} uEtriogo =
0^%gja dofegjat) fAeT-aajrogo in der spräche selbst vermit-
telt Ein im sanskrit dieser wurzelform ofeg (svar) ent-
sprechendes wort vermisst Ebel; man möchte vermuthen,
dafs in den adverbieo skr. abhisvare (s. wb. s. v.) und pra-
tisvare**) im sinne von resp. anhangend, entgegenhangend,
und dann wohl auch in dem schon dunkleren adv. nisvap
ram (wb. s. v. mit Benfey Sv. Gl. p. 1 2) ein solches gege-
ben sei. Dais im deutschen nhd. seh wert, ags. sveord
u. 8. w. (der dental ist suflSx) sich zu äog := dofog in der
grundbedeutung gehenk stelle, scheint nicht minder klar
als Schweizers bemerkung zeitschr. VIII, p. 452, dafs auch
goth. svers, ahd. suari hierher zu ziehen sei, namentlich
steht goth. sveran, gasveran (ehren, verherrlichen, Grimm
gr. IV, p. 616) dem gricch. detgio in dessen geläufigster
bedeutung erheben, erhöhen sehr nahe. Unter den so eben
besprochenen formen scheint also dehnung des syllab» ang-
ments nur in v^eiSrjg, -Ji; möglicherweise, d&r redaplika-
tion in eloixvlai und r^laxofjiev mit Sicherheit, dagegen
in ijiöxsv und rjixro reduplikation und syllabisches ang-
ment, und wieder in ffvptjetgs nur temporal- angmeat an-
zusetzen. Während endlich die alten in dTtiivga oeit
ein augm. temp. rechtswiedrig zugelafsen, werden die von
Ahrens Conj. fiv p. 23 angesetzten formen dTi'Sjrgag, -sfga,
dno-^gctg durch die parallele dft-iögag, ^idguy dno-ägdg,
*) ein bild, das unsern alten das wunder des schwebens vielfach er^
läutert; daher so viele gehängte mondgestalten.
**) Nir. VU, 28 mit Roths erläut. p. 109. Der moderne begriff brenn-
punkt würde doch nur durch Übertragung (focus) oder verständliche neu-
bildung (brennpunkt) zu bezeichnen sein; in pratisvare wäre keins von bei-
den der fall.
sprachliche und mythologische Untersuchungen. 495
ja aTi-BßQuiv (a7tijvg&)v) durch an-iäfwv (Lobeck zu Butt-
maDD p. 152) bestätigt. Wenn aber die wzf. Sga = skr.
dra auf eiue ältere dar (zeitschr. Xu, p. 295), mithin ^()a
auf vsktjrsQ zurückgeht, so werden wir den aorist änifga
(antivga) als alterthQmlichen sprofsen der in ^€gvm kgvm
befser bekannten wurzel anerkennen dürfen.
Auch dehnung von präfixen vor /* zeigt sich mehr*
fach: so das unserm ge- sinnverwandte a- in cr/re/Ja> Odyss.
XVn, 519 'JijrEiÖtj^ wie bei Lesches "IXi^ov äeiSo) ^ h. Ho-
mer. ' tlQr]V cceiöcüj 'Lgfi^v deiöo), 'AgtefiLV aeido) in arsi,
aber v. 518. 520 doiöov ctEiÖtj in thesi kurz; so wie das
damit verwandte präfix 6- Iliad. II, 765 oxQixac; *OfaTeag<,
geschrieben oiiveag. Ebenso a priv. Iliad. VI, 422 l(p xiov
ijuari yJ^idog aiacuj XX, 336 So/aov jijriSog elaaq)ixt]ai.
Hieran reihen sich weiter s. g. präpositionen in composi-
tion, wie XXI, 284 6v gd t ivavkog dnOfioaij u. dgl.,
doch bilden solche fälle, bei der so lockern Verbindung
des adverbs mit dem zeitwort, bereits den Übergang zu
der bekannten erscbeinung, dafs der vocalische auslaut ei-
nes selbständigen worts vor halbvocalischem anlaut, und
zwar fast ausschlielslich in arsi, vielfach gedehnt wird.
Die regel übrigens bei HofEmann Q. H. I, p. 133, der grund
der Sache sei der, quod antiquissimis temporibns a binis
consonis. hae voces incipiebant — diese regel bedarf der ein-
schränkung. Wörter wie vicpog vi^o) fdsyag haben eine ab-
schwächung des anlauts keineswegs erlitten. Sondern un-
ter dem drucke des rhytfamus, welcher die beiden Wörter
zusammenschliefst, wird der auslaut gewissermaisen zum
inlaut, dessen dehnungsföhigkeit, in soweit sie besteht, er
nunmehr tbeilt. Dafs fxolga = CfAogja^ folgt allerdings
(ib. p. 154) mit Sicherheit aus sifiagrcet^ weniger sicher aus
äfifiOQog, gar nicht aus Iliad. XVI, 367 oväi xatA fAOigav^
Denn dergleichen findet sich auch vor ungeschwächtem
anlaut. Insbesondere würde Hofimanns urtheil (§§. 169.
172) über dehnung des auslauts vor ^ sich anders ge-
staltet haben, wenn er zuvor die dehnungen des inlauts
vor diesem Spiranten untersucht, und die correspondenz
28*
436 Sonne
beider erscheinungon beachtet hätte. Handelt es sich hier
doch um volkspoesien , welche die strenge regel zum re-
sultat, nicht zur Voraussetzung hatten.
Hieran schliefsen wir dehnung des wurzelhaften resp.
thematischen vocals vor ß im anlaut der suffixe. So, wie
wir sahen, in ifä-foq pl. cf/tßsa. Ein singular (pccjrog kommt
nicht vor, ist aber für die distraction (fOMg (drei moren)
vorauszusetzen. Diese form ist noch insofern beachtens-
werth, als sich ihr nicht, wie bei distrahierten verbalfor-
men, die grundform ((fäog) ohne metrische Störung sub-
stituieren läfst, dient aber gerade dadurch der vorhin über
distraction dargelegten ansieht zur bestätigung. Deon
wurde (fäog ohne minderung der morcnzahl contrahiert, so
lafsen sich diese drei moren durch {cfioog und) cpoong gleich
richtig darstellen, da das beigesetzte o lediglich dem punkte
gleicht, welcher in der musik dem viertel die dauer von
drei achteln giebt*). Vom thema (fofsg bildet sich weiter
das SLdj. (pajrea-vo , woraus ((paeivo oder) mit assimilation
(paevvo^ dessen Superlativ (wie (pikTaro) (faevraro contra-
hiert (fävtccro (drei moren), geschrieben cpadvrarog Od.
XIII, 93. Ebenso der aor. rpdavO^sv Iliad. I, 200 von dem
aus jenem cpaepvo geleiteten verbalstamrae qpwer, (padvia. —
Eine sehr alte dehnung scheint die präposition ngo vor
dem Suffix ^01/ erfahren zu haben im thema TTQwfov^ ngeio^
vig Liad. VIII, 557, so alt dafs aus der urform prävan sieb
mit Verdunkelung der präposition zugleich ein thema nQtj»
ßov bildete, wobei mir freilich die flexion itQrjaivog Hes.
sc. 437 (statt itgriovog) unklar bleibt. Distraction wird för
TiQwoveg wegen des verwandten ngmiga (Ebel zeitschr. VI,
p. 212) kaum zu setzen sein, vergl. auch Lobeck Pathol.
Elem. p. 432. 471. Constant erscheint dehnung in den
bildungen auf a-fov : didvfjicifove^ Atmctßov !AXx^afov Ma-
x4fov^ welche in analogen vedischen bildungen wie ma-
*) &utxo~q and sippe scheint zu deuten auf eine wzf. ^v (ß-ii : %l&fifu
= axv : iVrii//!»)» welche guniert zu &af — O-aßaxo ^dßaxo ^axo, de-
nomin. ^afaxjot B-adüaoi^ vriddhiert zu .9^ mß — ^mfaxo ^wxn S^otaxo —
geworden, vgl. Ahrens dor. p. 182.
sprachliche uod mythologische untersnchangen. 437
«^havan, rtavan weniger durchgreift. Bildungsverwandt ist
das feminin iXcjetocc = ikccfBQict (zeitschr. X, p. 403, Lo-
beck Paralipp. p. 210), als dessen masc. sich llafov tXaiov
setzen läfst. — Vor -vant -^evr dehnung nach versbedürf-
nis, devdQTJ'^ii'T (tj wie in ixartjßoXo) (otüj-^svTj wie im
vedischen schwankend apvävant a^vavat. — Vor -vat -^or
im partic. perfecti: Mtuä/Asv //ew^wi; Iliad. II, 818 fxtpiä^
^POTE^ h/xBifjan'^ XVI, 754 d?.ao jneuäf(6^\ Auch die kürze
in iaTajroreg etc. von älterm datum als die (unvermeid-
liche) länge in iaDjrcüi^, Wo dagegen wurzelurabildung
wie Tci'l rh}^ Oap i^vtj, Tier nrt] vorliegt, wird in formen
wie rtT?Musv viTkct&t TSi^vciuev richtiger Verkürzung, als
in den participien reTkrjjrori veiXi^via TEÖviijroroQ ninxt]j:{üq
dehnung anzusetzen sein. In den adverbien rij:o^ rij^og
('icDg vicog) = yävat tavat wird ?}- und ri;- als instrumen-
tal zu setzen, also auch hier dehnung auszuschliefsen sein.
In vorstehender Untersuchung ober vocaldehnung ha-
ben wir angenommen, dafs die beiden Spiranten, welche ihr
unter dem drucke des metrums begünstigend entgegenka-
men, zur blüthezeit des epos noch nicht verstummt gewe-
sen, also z. b. noch oxvEjüd und fieuyJjcoreg, nicht oxvsim^
fiBuäoTsg gesprochen worden sei. Aber gesetzt dem sei
nicht so — und dafs die Spiranten im inlaut zwischen vo-
calen früher als im anlaut schwanden, läfst sich nicht
leugnen — so würde unser satz, dafs sie jene dehnung
durch ihr dasein gefördert, nicht durch ihr schwinden her-
vorgerufen, dadurch nicht berührt. Denn dafs der dakty-
lische rhythmus sich Jahrhunderte vor Homer fixierte, däucht
uns ebenso selbstevident, wie dafs gleichzeitig mit diesem
rhythmus sich jene dehnungen fixierten: und dafs damals
die Spiranten noch in uugeschwächter kraft bestanden, wer-
den diejenigen mindestens einräumen, welche ihr mehr oder
minder kräftiges leben noch bei Homer zu beobachten
wifsen. Die leichtigkeit, mit welcher der vocal vor dem
Spiranten sich im inlaut dehnt, ist völlig analog der leich-
tigkeit, mit welcher sich vor dem Spiranten im anlaut ein
vocalischer verschlag erzeugt: ^iöva *"Wedna ieäva, uefiS*
438 Sonne
foxhq memä*Wotes fjieuäfOTSL;, Kann der spirant nun aber,
so fragen wir, auch einen gleichen vocalischen nach seh lag
erzeugen? Benfey glaubte es, als er wurzellex. I, p. 336
den aorist ifBinov in diesem sinne erklärte, ist aber später
(kl. skr. gramm. §. 257 ) meiner gegenbemerkung beigetre-
ten, dafs hier synkope aus kfefenov vorliege, wie dies jetzt,
nachdem unabhäogig von mir auch Ebel zeitschr. 11, p. 47
diese erklärung aufgestellt, wohl allgemein angenommen
wird. Aber von diesem speciellen punct abgesehen: jener
vocalische Vorschlag verschmilzt mit dem vorhergehenden
vocal, den er verlängert; ein vocalischer nachschlag*) da-
gegen würde vor dem folgenden vocal sogleich spurlos
wieder schwinden d. h. sich überall nicht bilden, da ja
schmarotzerlaute sich selbstverständlich nur unter bedin-
gungen bilden, welche ihnen die erhaltung oder wenigstens
nachwirkung gestatten. Dafs qv&qo zu kovft^o, vsfaft zu
kvviuj jriäva zu lifedpa geworden, begreift sich, aber wenn
^d^QO zu QB-v&Qo würde, das wäre mit Bürger zu reden,
hu hu ein gräfslich wunder. So gefügig die halbvocale
der dehnung des vorhergehenden vocals entgegenkommen,
es würde, glauben wir, der natur menschlicher spracbor-
gane wiedersprechen, wenn wir ihnen die gleiche wirkung
auch för den folgenden vocal zuerkennen wollten.
Damit aber nähern wir uns der darstellung, welche
über einen hierhergehörigen punkt Ebel in d. zeitschr. IV,
p. 169flf. gegeben, Curtius grundz. II, p. 152 gebilligt hat,
und wenn unser urtheil von dem ihrigen abweicht, so wird
es zweien so werthen forschern gegenüber um so mehr der
begründung bedürfen: die zwar für die präterita t^ci^i?
u. s. w. bereits dargelegt worden, für das übrige hier ver-
sucht werden mag. Beide gelehrte nämlich legen den
Spiranten — für unsre frage dem j: — die wirkung bei,
den vocal im ausfalle zu verlängern, und zwar so, dafs die
♦) als solchen können wir jetzt das dumpfe (stumme) e moderner spra-
chen betrachten: so erbe -armen erbarmen, nicht erbarmen, franz.de ami
d&mi, nicht dftmi, wie schon griech. 61 oi'to; d* orroq^ nicht duytoq.
sprachliche und mythologische Untersuchungen. 439
lauge in solcheu fällen eioe bewegliche sei, indem die
spräche den ausgefallenen halbvocal z. b. der grundform
ßaacksfo^ bald durch dehnung des vorhergehenden
(ßaaikrjog), bald des folgenden (/^aiTfAiai^*) vocals ersetze "").
Danach also wäre zu homerischer zeit in ßaaikrjog der
Spirant bereits verstummt gewesen. Ob dem so sei, weift
ich nicht, wohl aber dafs ßaaikefog zu keiner zeit dem
daktylus sich fügte. Wie hielten es aber Homers Vorgän-
ger, welche den Spiranten sprachen und daktylen bildeten?
Doch davon abgesehen : wir gestehen für obige ansieht
kein genügendes Verständnis zu besitzen. Der spirant also
verstununte — wann? da Achill den Hektor schlug? Er
verstummte doch wohl im laufe der geschlechter, in leisen
stufen, bis er schliefslich verklang. Und dies vorausge-
setzt: vollzog sich also jene dehnung des vocals in eben
solchen leisen stufen^ bis schliefslich e zum vollen 17, o
zum vollen (o geworden? Oder brach sie schliefslich nur
so plötzlich vor wie pilze über nacht? Eine alberne alter-
native, aber sie drängt sich auf; und da a zwischen vo-
calen das geschick der andern Spiranten theilt, warum
nicht fisveaog fiBVfjog ^Bvewg**)? Wenn aber die Spiranten
zwischen vocalen in zahllosen fällen spurlos schwanden —
spurlos, weil die morenzahl der grundform unverändert
blieb; so darf man wohl den für gewisse vereinzelte falle
diesem Schwunde beigemefsenen einflufs auf die quantität
in zweifei ziehen, so lange anderweitige erklärung mög-
lich scheint.
Die genitive ßaGikijog ßaaikiwg sind nicht schwester-
formen gleiches ranges, wie denn schon Buttmann §. 27
anm. 21 das ionisch -attische eio, insofern es dem äo tjo
andrer dialekte entspricht, als Umbildung des letztern, und
so ßicaikeujg als solche von ßaaikijog gefafst hat; und blieb
er den beweis des satzes schuldig, so ist derselbe wenig-
*) für ßaad^o^ hatte bchün Kühner gramm. I, p. 338 dieselbe ansieht
ausgesprochen.
**) Alkäos fr. 153 Bergk iffiivjioq, aber sicher nicht ersatzdehnung.
440 Soiine
stens heutzutage leicht zu geben. In wehreru der hieher
gehörigen fälle nämlich ist ö/ro i]^o primitiv, konnte mit-
hin /- im ausfall wenigstens den vorhergehenden voeal
nicht längen, weil er ohnehin lang war: so in fj^og ^Wij,
^']/'^b' Tico^, väfog vi}^6q vsaig (genitiv), wie solches die
parallelen skr. yävat tävat navas ohne^ wiederrede darthun;
und kaum weniger klar im thema rj^og (aus r^vöog) z. b.
ä/m' })o2 ((fai>vof,iiv}}(pLv) = äfi rjvaüOL y.*), att. äfi* ?^,
im adj. rjolo aus r^vaoaio = skr. aushasya, att. iqio; in
käfo Aew, denn war a ursprünglich kurz, so konnte Ho-
mer sich sein IlrivkXuogj Sophokles sein 'AQ^il-Btag' rjv yuQ
avLifxETQov aide Xiyeiv, Horaz seinen Khodier PitholeoD er-
sparen; und wer wird väfo ve(6 (tempel), wiewohl das ety-
mon dieser themen weniger klar, anders fafsen wollen? In
fiST'/jüQo i. e. nei'aqfOQo {fiBTecooo) beruht j] auf einer er-
satzdehnung, welche hier unvermeidlich, in aeinoj = dqfeQfw
entbehrlich war, oder wollte man lo in cinrjcjooi = an^
aa^oQoi Od. XII, 435 (und zwar im vierten fufs, vergl.
vorhin aa/arog^ Pindar arnjo^o) nicht durch die scheu
vor dem creticus, sondern durch die dehnende krafl des
vorhergehenden Spiranten erklären, warum übte derselbe
diese kraft nicht in aaiQU) selbst? Er übte sie freilich in
'4kxfiäfova att. !Akxjneoüva^ aber dafs er sie durch sein da-
sein, nicht durch seinen ausfall übte, ergiebt sich wiederum
sehr klar aus vedischen parallelen. Den Übergang äo tjo :
Boj erklärt Buttmann (§. 52 anm. 1) durch einen Wechsel
der Quantität. Richtiger wird man in soo eine nur nicht
völlig durchgeführte contraction, h a 1 b contraction erken-
nen. Es contrahiert sieh äo rjo zu co, vor welchem jedoch
£ als irrationaler vocal, als ausgeblasenes ei, als andeutung
der alten vollsilbe sich behauptet, ohne doch, wie die so
h&ufige synizese und accentuierung zeigt, dies cco als voll-
wichtiges disyllabum zu halten. Und so entstand denn
*) ich wähle dies beispiel, um die kürze des o im sufQx zu zeigen; es
üudet sich bekanntlich auch lang in skr. nsh&sas etc., j>)mo = tivawaio, lat.
aufldsa.
sprachliche und mythologische untersachungen. 441
dies ionisch-attische ea» aus dem — selbst schon secundA-
ren — äo tjo durch eine tertiäre Umbildung, welche die
Spiranten (y, v, sy, sv) der urform als geschwunden vor-
aussetzt, ohne doch als physiologische Wirkung dieses
Schwundes gelten zu können. Nur mQfsen wir hiebei einem
misverständnis vorbeugen als ob, wenn z. '^. Liad. XXI, 84
die genitive ^iXxao und .AXziu) neben ein>flder stehen, letz-
teres aber aus dkräo entstand, liiera»>ifl sich folgern lafse,
dafs Homer nur rUräo, nicht ai>dh alvajo gesprochen; im
gegentheil darf alTctjo cckräo ä/.rscü neben einander ebenso
wenig befremden, als die genitive auf -010, -oo, -ov neben
einander befremden. Ebenso kam die synizese Od. XIX,
331 TB&vEoJTi^ welche allerdings auf ve&t/tjoTv nicht teOvi^-
jroTi deutet, den schlufs nicht stützen, dafs in zBÖv^j^ovog
u. s. w. der spirant bereits verstummt gewesen. Richtiger
würde aus der Seltenheit dieser synizese geschlofsen, dals
der Spirant der grundform noch so ziemlich bei kräften
gewesen sei. Doch wir brechen ab: es ist
bildete sich aber vmq aus vij:6^ = skr. naväs, so wird nicht
minder, wie es Buttmann wollte, ßaoilituq sich aus ßaaikijoi^
gebildet haben. Aus der ztschr.IV, 171 angesetzten urform
ßaaiXefog bildet sich regelrecht dor. (Saoikiogy aber diese
letztere form ist mit äol. ßaoihjog ep. ßuaü.rjog ganz so
wenig identisch , wie dor. Tiokiog mit ep. noKtjog identisch
ist. Denn auch die cv- stamme folgen der vorhin für die
i- and u- stamme dargestellten regel, dafs sie mit oder
ohne vocalsteigerung flectieren. Also ungesteigert ßctoi-
Aeos', gesteigert ßaoik^og, worin nicht blos, wie in iijog
aoh^og^ epische dehnung vorliegt. Dann acc.*) sing. dor.
ßaaUka ßaaikij , sloX, ßaaih]ct^ ep. ßa6i?^rja — attisch mit
halbeontraction ßaailiä (Buttmann §. 52 anm. 1); nom.pl.
dor. ßaailieg, -^6?^;, desgl. attisch, aber bei den altern noch
(ßaaiXijeg) '?.^g. Im genitiv fällt die attische halbcon-
*) att. dativ fiaadei aus. ßaaikri^ wie xUl^ aus nhil^-
442 Sonne
traction ßaacXkov — ans ßaöü.rjcov — mit dor. (iaaiXetov
(ungesteigert) begreiflicherweise zusammen.
Müfsen wir also für genitive wie veaig ßaaiXiwg nö^
^Bojg Buttmanns ansieht beitreten, so steht es minder sicher
mit dem, was er §. 84 anm. 13 über gewisse augmentfor-
men bemerkt. Dafs ioigra^op aus i]OQTa^ov umgebildet, läfst
sich hören, da wir für dies denominativ das in ^sfoQTii*)
doch wohl anzusetzende digamma ignorieren dürfen. An-
ders steht es mit den drei plusquampcrfecten. Dürften
wir von ioixa ioXna eo^ya ausgehen, so könnten mittel-
stufen mit augm. temp. })oixBiv cett. freilich zur halbcon-
traction in kcpytuv icokneiv iwQyuv weiterführen. Für Ho-
mer aber müfsen wir von ^ijrotxa ßkfoXna jrifOQya aus-
gehen. Diese perfecta konnten, so lange die Spiranten in
kraft standen, nur mit augm. syllab. k^sfotxeiv ifsjrokneiv
hfBfogyBiv^ oder ohne augment jrepoixHv cett. bilden. Eine
spur von letztrer weise gewährt Iliad. XIII, 1 02 hkdq)oi.Gi{v)
^sfoixsaav, von ersterer Od. XIV, 289, wo, den accus, vor-
ausgesetzt, xdx dv&{)(anovg kfBf6{)yEiv, wie denn so eben
auch kkä(poig k^sfoixeaavy und sonst S' ijrsfoixBL, ovS* ife^
^üixsi, kvi anj&B6ai jrtßoXnu^ -d^eaa' ifsjrolTiei substituiert
werden kann Metrische Schwierigkeit steht, so viel ich
sehe, der herstellung beider digamma für diese plusquam-
perfecta nirgends im wege, wohl aber für die perfecta, vor
welchen mehrfach ein störender apostroph gelesen wird.
Bedenkt man indessen, dafs in ^ixvla ^iaxoiv, ion. oixa die
reduplikation abgeworfen, in ^oida überall nicht zogelafseu
worden, so liegt die frage nahe, ob jene metrischen Schwie-
rigkeiten sich nicht am leichtesten in eben dieser weise
heben. So liefse sich Iliad. III, 286 ijvuxa ^olxsv, XXIII,
649 rjOTi fie ^oIxb, I, 126 hnijroixB substituieren. Für die
beiden andern perfiscta wäre dasselbe verfahren — j:oXna
jroQya — schon kühner, da diese formen sonst unbelegt,
doch wird iogri^ ionisch ebenso zu oQxii gekürzt. Will
♦) wir setzen es als partic. perf. der wz,^(q skr. var (kreisen): ^^^^i«
^ffoQffi = dies anniversarins.
sprachliche und mythologische antenachungen. 443
man aber die reduplication nicht fahren lafseu, so scheint
gerade dieser reduplikation zufolge auch daran festzuhal-
ten, dafs bei so fühlbarer correspondenz beide digamma
mit einander stehen und fallen, und wir würden, wäre die
resütution des ursprünglichen erreichbar, lieber mit Hoff-
mann corrigieren, als mit Bekker J^^oixa u. s. w. schreiben.
Auch Ebel scheint, wenn ich ihn richtig verstehe, das
gleichzeitige verstummen beider Spiranten für nothwendig
zu halten. Denn weil er für ko'/,Eiv iiogyeiv das anlautende
digamma keineswegs verkennt *), und doch seiner theorie
gemäfs das zweite digamma schwinden lafsen mufs, so gel-
ten ihm diese beiden consonantisch anlautenden präterita
(nicht kcol'neiv) für entschieden anomale bilduogen. Wir
machen den umgekehrten schlufs. Das erste digamma steht
in kraft, folglich das zweite nicht minder: folglich ist (statt
(p (ü) Ol und o herzustellen. Wenn Ebel aus ^sfokaa sich
imlnuv entwickeln läfst, so scheint er beide Spiranten,
und zwar den ersten spurlos, den zweiten mit Verlänge-
rung des o zu (ü schwinden zu lafsen d. h. keinerlei
augment, weder syllab. noch temp. anzunehmen. Aber
diese ansieht würde, wie die ganz ähnliche Hoflfmanns (Q*
H. n, p. 12) nicht frei sein von innerm wiederspruche.
Denn wenn aus ßaail^^og sich ßaaiUcjg — wenn ohne
mitwirkung eines augments, lediglich durch das schwinden
der Spiranten, aus j:tfoX7ia sich kwlneiv bilden konnte, so
vermögen wir nicht abzusehen, warum ßkpoKna sich nicht
ebenso zu im'kna u. s. w. gestaltete, wir vermögen nicht
abzusehen, warum der schwindende spirant nur im in laut
(zwischen zwei vocalen), nicht auch im anlaut den fol-
genden vocal verlängere — oder mit andern werten, warum
er ihn nur in augmentfähigen formen, nie im präsens oder
*) Auch niad. XUI, 102 ad(fOtaky iofxfaat', Od. XIV, 289 dväijoi-
noKTiv iiafty fi beweisen nichts ftir vocalischen anlaut; und zwar liifst sich
eben dieser anlaut auch tllr cwAnfn», wo Ebel ihn anzunehmen scheint,
ebenso wenig beweisen, da auch hier i- /(/f/x. oder (Od. XXIV, 318) raj*i'
vorhergeht, lloffmann §. 160. Doch selbst wenn man Iloffmann nicht bei-
tritt, würde diese stelle späterer zeit fUr den althomerischen anlaut kein
Zeugnis geben.
444 Sonne
perfect verlängere. Die alten plusquamperfecta sind äfs-
jroixHV kfefolTtSLv kfBfOQyHv. Die Spiranten schwinden:
bleibt keoLxetv keokTreiv ksogyetv^ contrahiert rjoi>xeiv*) (eloi-
y.eiv) II. s. w., woraus schliefslich mit balbcontraction (cf.
t]oc : i(o, ei äv : kdv) k(6xuv hiokneiv kcooyEiv. Büttmanns
darstellung also scbeint uns nur darin irrig, dafs sie vom
temporal-augment statt vom syllabischen ausgebt.
Anders stebt es mit ctvddvet imperf. rjpdave, dessen i;
— im gegensatze zu (p und lo — paläograpbiscben anhält
bat. Digamma läfst sich für ijvSnpa nicht streng bewei-
sen, &€oJ6LV lqi]vdccvB II. VII, 45 (l^€o7c,' imdvöavE HoflT-
mann, ß-eoiaiv i^rjpöave Bekker) kann sogar dagegen zeu-
gen, ist aber wegen ^avödvsi (Hoffmann §. 111) immerhin
wahrscheinlich. Setzen wir ahojr/jvöavs — so haben wir
ein inneres augment: seltsam auf den ersten blick, aber
vielleicht erklärbar. Zwischen indischem und griechischem
temporalaugment waltet bekanntlich der unterschied, dals
während dort der anlaut i und u sich zu äi und äu (=
griech. fji ?/, ijv) gestaltet, hier der anlaut i und v ledig-
lich gedehnt wird. Da hierin jedoch das indische verfah-
ren unstreitig alterthömlicher, so ist die griechische regel
dahin zu erklären, dafs i und v der analogie des aufser
vergleich überwiegenden anlauts A (« s o, ai oi av — spo-
radisch ev ei) gefolgt sei, dessen dehnung der alten ein-
richtung entspricht. Es fragt sich also, ob der anlaut VA
(jrce)^ insofern wir ihn = UA (va) setzen, nicht derselben
regel folgen d. h. den mächtigeren der beiden vooale aug-
mentieren konnte. Allerdings konnte jravSdvsi, ^ als con-
sonant, nur zu k^avöava idröave fahren. Aber der aorist
evccSe, die parallelen im latein (suavis) wie im deutschen,
welch letzterem der anlaut sv (schw) doch sonst geläufig -
ahd. suo3i u. s. w. zeigen, wie sehr gerade hier Spirant und
vocal zusammenfallen. Setzen wir svad = suad (vad =
*) Zu 17 = le f^f vergl. obon (rnrjiy jjmxo; riXniCov = i^tXml^or,
tlxd^to Sappho iixdffSot ^ ^ifixaadfa aor. tllxatra att. fjxcuja = IPtj:^^
sprachliche und mythologische iintorsuchungen. 445
iiad), so mochte UavSdvu mit augm. temp. zu Ui]vöav$^
und dann zu ^fjvSava {jvSceve — ja verworrenes Sprachge-
fühl, welches zumal nach dem übertritt des spir. asper
(^ccrdccps) das augm. syllab. als solches nicht l&nger em-
pfand, sogar zu einer rechtswiedrigen ausgleicbung beider
formen, zu kftjvdavs ij]vöave weiter führen. Ebenso wä-
ren die übrigen formen der art, ujoeov ioigoyv u. s. w., und
so namentlich auch ep.jrfjöecc — urform uäidasam — durch
schwankende ausspräche des alten anlauts (V, U) zu er-
klären. Doch läfst sich diesem letztern substituieren /-«/J««
= ^^sfi()eaau (vgl. lat. videram = vividesam), woraus mit
syllabischem augment — fjrefiöeoau — att. ySrj (^deiv) her-
vorgegangen.
So möchten wir denn endHch auch in der flexion des
partic. perf. auf -coTog etc. die länge keineswegs durch das
vorhergehende ^ motivieren. Formen wie /neuajrora ysyS'
fota waren schlechthin unbrauchbar. Sie erfuhren deh-
nung, glauben wir, bereits zur zeit, da die Spiranten noch
in krafl standen. Dehnung des sufBxes aber lag hier um
so näher, als metrum, accent, bedeutung gleichmäfsig da-
hin wirkten, diese formen dem präsens anzugleichen. Dies
geschah theils buchstäblich (xexhjyovreg etc. Lobeck zu
Buttmann II, p. 36), theils durch dehnung, insuafcjra, xe-
xjUTjjrcüTsg u. s. w. Auch im secundären feminin ßBßaiaa
Od. XX, 14, wie in der indischen Steigerung des suflSxes
-vat zu -vant (vans) giebt sich dem perfectum gegenüber
dieselbe Übermacht des präsens zu erkennen.
W. Sonne.
(Schlufs folgt.)
446 Ebel
Ein griechischer genetiv-locativ.
Es gibt ungemein ansprechende deutangen, denen man trotz-
dem nur rait einem gewissen widerstreben beitreten mag. Nichts
kann weniger formelle Schwierigkeiten bieten als die herleituog
des lateinischen genetiv auf -i (dem überdies echte locative
wie domi zur seite stehen) aus dem locativ (skr. -e, ursprüng-
lich -ai), und gleichwol hat man sich dieser von Bopp längst
als ganz unzweifelhaft betrachteten erklärung auf verschiedene
weise zu entziehen gesucht, um die mangelnde ubereinstimmiing
mit den unzweideutigen genetiven in decl. 3 und 4 herzastellen
(Ritschi, Corssen in d. zeitschr. , Schweizer II, 378; VIII, 232
und Curtius III, 156). Allerdings waren schon die oskisch-am-
brischen endungen -eis, -es, -er ganz geeignet, gegen Bopp's
annähme bedenklich zu machen, und anscheinend gleich gebil-
dete formen auf lateinischem boden konnten das mistrauen nur
steigern; ich habe mich daher früher ebenfalls, selbst nach der
entdeckung, dafs die irischen (und, wie die inschriften ergeben,
auch die gallischen) genetive dieser wortclasse ein vollkomme-
nes ebenbild der lateinischen form bilden, noch zweifelnd ge-
äufsert (beitr. I, 174; n.jb. f. phil. und päd. 1859. 517). Indes-
sen leiden alle anderweitigen erklärungsversuche an eigenen, bis-
her nicht überwundenen Schwierigkeiten, da weder der aasfall
eines 8 zwischen vocalen, den man zur Vermittlung des lat. -i
mit dem skr. -asya annehmen müfste, im lateinischen nachge-
wiesen ist, noch die Umstellung des si (= skr. sya) in is, die
man für das osk. -eis angenommen hat, recht glaublich erscheint;
auch findet eine ganz ähnliche bildungs Verschiedenheit im lateio
wahrscheinlich im conjunctiv, ohne allen zweifei aber im fata*
rum statt, und die differenz in der bildung des nom. pl. zwi-
schen lat. -i einer-, osk. -üs, umbr. -us, -wr , -or andrerseits
läfst sich durch keine etymologischen kunstgriffe vermitteln. Der
hauptgrund unseres inneren widerstrebens gegen die Bopp'sche
deutung liegt wohl vielmehr in unserm wesentlich modernen
Sprachgefühl. An und für sich unterliegt es keinem zweifei, dafs
in den sprachen, ebensowohl wie sonst ursprünglich geschiedene
formen*), mehrfach auch verschiedene casus theils zusammen-
*) z. b. verschiedene numeri in decl. und conj.: der griech. plural -^i^i'
vertritt den dual mit, der lit. sg. -ti den dual und plural; im lat. -tis hat
miscellen. 447
fallen, tbeils eiDander vertreten. Syntaktisch hat im lateinigchen
der ablativ, im griechischen der dativ die fanctionen des instr.
und loc. ubernommeo, im siavischen vertritt der genetiv vielfach
den accusativ; formell erklärt sich der kirchenslavische Dom. pl.
der a-8tämme ryby (statt ryb^, wie die form der ja-stfimme
dus^ zeigt), nur aas dem gleichlautenden acc. plur., im griechi-
schen acc. pl. -€(^ der contracta hat die umgekehrte vermengang
stattgefunden (in ßaaiXelg statt ßaaiXeäg sogar erst vor unsero
äugen), dat. und loc. sing, sind entschieden vermengt im slav.
rybe, dusi. Wir sind nur gewohnt, die uns allein erhaltenen
causalcasus (acc, dat., gen., selbst den im siavischen noch le-
benden instr.) für wesentlicher und nöthiger, die localcasas (loc,
abl., localen acc), weil sie uns fehlen, für entbehrlicher zu hal-
ten; offenbar mit unrecht, da die spräche immer vom sinnlichen
ausgeht (Pott et. forsch. I*, 21 anm.), aber consuetudo est altera
natural Es wird uns schon schwer, ans der irrigen Vorstellun-
gen, die wir grofstentheils von der schale mitgebracht haben, sa
entschlagen, uns z. b. über den ablativ, den wir meist als abl.
instr. und caasae zuerst kennen gelernt haben, eine richtige idec
za bilden, und die reste der localcasus im latein bei städtena-
men als das gelten za lassen, was sie in Wahrheit sind. Des-
halb nimmt niemand daran anstofs, dafs im griechischen der
gen. den abl. vertritt; deshalb finden wir uns viel leichter darein,
dafs im zend der gen. bei i- und a- stammen als locativ fungiert
(Bopp vergl. gramm. I ', 398), als in die umgekehrte erscheinung.
Und doch liegt ein unzweifelhaftes beispiel des gegentheils in
der ksl. form des gen. sg. ryby, dus^ vor, die sich ohne Ver-
letzung der lautgesetze nur als locativ mit der femininendung
(skr. -am) erklären Ififst. Wenn non schon hier eine merkwür-
dige, obgleich zum theil zaföllige Übereinstimmung zwischen la-
tein und slavisch darin stattfindet, daf^ gen. sing, und nom. plur.
der a- Stämme in beiden sprachen gleichlauten, so zeigt sich eine
vollkommene' analogie bei den ursprunglichen a-stämmen zwi-
schen drei sprachen, die sich bei weitem näher stehen als latein
und slavisch. Oben ist bereits darauf hingedeutet, dafs dem for-
augenscheinlich eine dualform die bis auf den imperativ beschränkte pluralform
-te verdrängt; der serb. dat. instr. loc. pl. ribama ist eine form des begriff-
lich untergegangenen dualis = ksl. rybama, während die von Wuk ver-
worfene sirraische nebenform des loc. ribfi noch echt pluralisch ist = ksl.
rybachü, poln. rusa. rybach.
448 Kbel
raellen einklang zwischen dem lateinischen gen. sg. und nom. pl.
viri dieselbe gleichförmigkeit des celtischen (altirisch fir,
kymrisch gwyr = gallisch •viri) zur Seite geht; erhöht wurde
die Übereinstimmung dadurch, dafs Stokes beitr. I, 334 einen alt-
irischen locativ in ebenderselben form nachwies. Schon dieser
nachweis war geeignet, die zweifei an der locativnatar des lat.
genetiv schwinden zu lassen; ich bin aber jetzt im stände, eioe
noch treffendere analogie beizubringen, ganz dieselbe form des
gen. sing, auf griechischem gebiet.
Die älteste griechische genetivform der o-stämme -oio (=
eran. -ahyä, skr. -asya) wird bekanntlich gemeinhin thessali-
scher genetiv genannt; die inschriften thessalischen dialecto
haben aber nirgends diese form ergeben, sie zeigen vielmehr
mit einer einzigen ausnähme (^Egfiao x&oviov) überall gerade die-
jenige genetivendung, die dem lat. -i möglichst genau entspricht,
nämlich -0/ (Ahrens de gr. ling. dial. 1,221; II, 528). Ahrens
wollte zwar diese form durch abfall des -0 aus -oio entstehen
lassen; indessen ist ein solcher abfall des hinter vocalen im
griechischen unerhört, das vielmehr i ausstöfst und contrahiert
auch bei Homer widersteht ja eben diese endung der elision.
Mir hat daher gerade dieser thessalische mit dem locativ identi-
sche genetiv auf -01, der von den genetiven der übrigen bekann-
ten griechischen dialecte genau so abweicht wie der lateinische
auf -i vom oskisch-umbrischen, den letzten zweifei genommen,
dafs wir auch im lat. -i eine ursprüngliche locativform vor uns
haben, im oskischen -eis also entweder Übergang nach decl. 3
oder (was mir wahrscheinlicher ist) späterer zusatz eines 8 sar
Unterscheidung vom loc. -ei stattgefunden hat. Man vergleiche:
thcss.: lat: celt.: unpr.:
loc. ohoi vici *vici vaikai
gen. otüo^ vici *vici —
n. pl. olüoi vici *vici —
Der unterschied, den das SC. de Bacch. zwischen dem gen. (no-
minus latini, Pr. urbani) and dem nom. plur. (qnei, virei, foi-
deratei u. a.) macht, scheint mir jetzt von keiner gröfseren be-
deutung, als der etwa umgekehrte im slavischen (loc. rabe, nom.
plur. rabi).
3. Oct. 1863. H. Ebel.
mitoelleii. 449
stikis, süklas, stiklo.
Diefenbach erklfirt sich io seiner recension meiner abhand-
lang über die lehnworter der dentschen spräche (n. jahrb. f. phil.
und päd. bd. LXXVIII, s. 747 fg.) gegen meine annähme, da&
slav. stiklo, lit. stiklas aas dem gotb. stikls entlehnt sei,
worin ich mich Grimm (Vorrede zn seiner übersetsong von
Wak's serb. gramm. s. II und gesch. d. deutsch, spräche s. 283)
und Schleicher (ksl. formenl. s. 48) angeschlossen hatte. So sehr
ich nan brn. D. far vielfache, in höchst humaner weise gegebene
belehrung dankbar bin, so bin ich hierin doch durch seine gründe
ebenso wenig überzeugt worden, als früher durch die Julg's, der
ebenfalls vielmehr entlehn ung des gothischen aus dem litoslavi-
schen angenommen hat (zeitschr. IV, 208), und komme deshalb
hier auf das streitige wort zurück. Diefenbach nimmt daran
anstofs, dafs dasselbe nur In zwei deutschen mnndarten vor-
kommt, goth. stikls und ahd. st Schal (calix), wfthrend es durch
die ganze lituslavische gruppe in zahlreichen derivaten verbreitet
ist, und dafs es dort nur die ,, abgeleitete^ bedeutung zeigt, wäh-
rend es im slavischen nur »glas^ bisweilen auch ,)gla8scheibe^
bedeutet, nicht ,)trinkglas^, wofür sich aufser mehrfachen deri-
vaten nur russ. stak an findet; er gesteht aber zu, die etymolo-
gie gewähre keinen sicheren Wegweiser* Das erstere ist aller-
dings wahr, obwohl bei Oraff auch ags« sticea (cochlear) zur
vergleichung herangezogen wird; jedoch bietet wohl jeder deut-
sche dialect eigenthümliche Wörter, die deshalb, weil sie den
andern fehlen, noch nicht für entlehnt zu halten sind ; aufeerdem
findet sich gerade im slavischen auch bei offenbaren lehnwortem
eine solche fülle von ableitungen vor, dafs man danach gar nicht
über die beimath eines Wortes nrtheilen kann. Man vergl. s. b.
ksl. cesarü (carü) und seine ableitungen carica, cari, ca-
riski, carjevü, cesarjevati (carjevati), cesaristvo, ce-
saristvije (caristvije), cesaristvovati (caristvovati)
mit den wenigen derivatis des deutschen kaiser vom ältesten
bis aufs neueste hochdeutsch: kaiserin, kaiserlich, kaiser-
thum (beide streng genommen nicht einmal derivata, sondern
composita); oder ch2|dogü nebst chadozinü, chi^dosiniku,
ch2(dozistvije mit seinem prototyp ahd. cbundig, das im
althochdeutschen ohne ableitungen dasteht, erst mhd. kundec-
lich, kündekeit, kundigaere und das comp, uberknndige
Zeitschr. f. vgl. sprachf. Xni, 6. 29
45(1 Rbel
erzeugt hat. Was aber den bedcutungswcchsel betrifft, 80 sehen
wir zwar oft, dafs ein fortschritt vom allgemeinen ins besondere
stattfindet, lat. frumentum == franz. froment, tat. j amen in m
= franz. j am ent, nicht minder bäafig aber aach gerade das
umgekehrte skr. goshtha ^kuhstall, stall überhaupt^ gdsh^lii
f. ^Versammlung^ auch bei lehn Wörtern wie robd. lüne (mond-
phase, constellation , gluckswechsel, nhd. laune), oder die Be-
deutung verschiebt sich ganz nach der seite wie in dicxog^ dis-
cus (scheibe, schussel, teller, hochd. tisch). Es liegt also am
so weniger grund vor, bei stiklo die bedeutang „gias^ für die
urBprunglicbe , ^trinkglas, becher^ für die abgeleitete zu halten,
als man doch wohl zu Ulfiia's zeit schwerlich gläserne trinkge-
scbirre gebraucht hat, mithin viel eher anzunehmen ist, da£s der
name stikls ^becher^ später auf die trinkgläser übertrageo ond
endlich vom glase im allgemeinen gebraucht sei. Was endlich
die etymologie anlangt, so fehlt es im litauischen und slavischen
ganz an einer Wurzel, auf die sich das wort zurückfuhren lie(se,
während auf deutschem Sprachgebiet wenigstens eine deatang
möglich ist: Orimm, dem sich Schleicher anschliefst, vergleicht
altn. stikill, ahd. stihhil (aculeus, apex), ^weil die alten trink-
hörner spitz waren ^. Jülg behauptet zwar das gegentheil and
nennt das goth. stikls unerklärbar, wogegen es sich im slav^
sehen einfach als s-tek-lo „das zusammen geflossne^ erkläre;
das ist jedoch erweislich falsch. Selbst wenn wir daran keinen
anstofs nehmen wollten, dafs die wurzel tek neben der laotreihe
e a o nirgend i zeigt (und ksl. stiklo, wozu auch das walaidL
sticl^ im stammvocal stimmt, konnte nach aller analogie tehr
wohl zum russ. steklo werden, nicht aber umgekehrt aus ete-
klo entstehen), so legt doch schon der umstand dieser deatang
ein entschiedenes hindernifs in den weg, dafs das präfix sa-
oder SU- (sü-) schon im kirchensla vischen und litauischen (and
nun gar in der ein halbes Jahrtausend älteren gestalt, die dem
goth. Worte zn gründe liegen müfstel) nicht zu blofsem s abge-
stampft sein könnte. Vielleicht erklärt sich im gegentheil die
abnorme gestalt des poln. szklo (wofür man, nach analogie von
pies =: pisü, ^ciezka deminutiv von stiza, wenn die form
söklo oder stkio zu hart war, ^cieklo erwarten sollte) eben
daraus, dafs es ein lehn wort ist; vgl. szkoia schale.
Oct. 1863. H. EbeL
miscellen. 451
Tritioum. Mvxog mukbam.
Die deatung voo triticum ao8 tero (s. Benfej, wonellex.
II9 261; OrimiD, gescb. d. d. spräche L aasg. 63, II. autg. 45),
80 dafa der weizen etwa als ,,der za zerreibende, der zur ser^
reibuDg (dreschang) gehörige, der darcb zerreibang (dreschang)
erhaltene^ damit benannt worden w&re (a terendo, qaod e
spicis teratur, sagt bereits Varro), scheint mir, trotz tribalam
und tritürare, nicht so völlig befriedigend, als dafs man nicht
berechtiget wäre etwas neues darüber vorzuschlagen.
In der uns erhalteneu sanskritischen literatur bedeutet wz.
tra einzig erhalten im sinne von schützen. Dafs aber in
einem lateinischen spröfsling davon auch das erhalten im sinne
von ernähren liegen könne, ist nicht nur durch die Sache selbst
gebilligt, sondern auch durch die lateinischen filiationen von pa,
welches in der sanskritischen literatur ebenfalls erhalten blofs
im sinne von schützen ist, faktisch zugestanden. Also wie
pä-vi, pä-bnlo, pa-ni zu pä, ebenso tri-tico zu tra. Das
lange i verhielte sich in letzterem zu dem ä von trä, ganz wie
jenes von pi-ta zu pa (trinken). Wir hätten vor uns eine von
*tri-tas (gen. tritus) „das ernähr^n^ (wie d actus „das fahren^
esus „das esaen^ u. s. w.) herkommende und „ernährend, zur
ernährung gehörig^ (^gi* <7^T0ff) bedeutende adjektivalformation,
welche sich mit can-t-ico aos cantas (vergl. noch manuB,
manica) paaren würde.
Bei dieser gelegenheit mochte ich die leser der Zeitschrift
auf fjivxog (inneres; meerbusen) = skr. mukbam (mund) wie-
der aufmerksam machen, eine Zusammenstellung, die Benfej und
Aufrecht (wurzellex. 11,43 — 44; zeitschr. 11, 148) schon lange
vorgeschlagen haben, der aber bis jetzt, wie es scheint, jener
beifall nicht zu theil wurde (weder von Bopp noch von Cnrtias
wurde sie aufgenommen), den sie nach meiner meinang ver-
dient — Einem italiänischen Sprachforscher, der immer die na-
mensbezeichnungen Bocche di Cattaro (in der Umgangssprache
auch einfach le Bocche und folglich Bocche si für jenen schar-
fen meerbusen und die leute dorther) und sardisch Sas Buc-
cas (= le bocche) für die meerenge von Bonifacio gegenwärtig
hat, konnte die (von lautlicher seite, wie jedermann sieht, un-
anfechtbare) identificierung fwxo = mukha nicht leicht entge-
hen ; und ich schrieb darüber, als mir deren wahrnehmong dorch
29'
452 Froehde
Benfey und Aufrecht noch unbekannt war. Bucht, hafen, meer-
enge, können, wie die angeführten itali&nischen beispiele bewei-
sen, alB Öffnungen, mundanfsperrungen, mnnder des festlandes
angesehen werden. Von der ursprünglichen, auf hellenischem
boden nicht mehr belegbaren bedeutung mund, ist vielleicht
fwxog zuerst zu der figurlichen geltung hafen, meerenge ge-
kommen, daher Mvxog (= Oporto) ein hafen in Phokis, und
weiter kam es zu den reichlich belegbaren geltungen meerbo*
sen und alles innere, abgelegene (vgl. skr. garbha uteros
und pars interior cujnsvis rei). Das verschiedene geschlecht
schiene einige Schwierigkeit zu machen, aber sieh da, wir habeo
zur Versöhnung den heterogenen plnral ta iivxa,
Mailand, 25.juli 1863. Ascoli.
1) capis.
capis, St. capid, umbr. kapir fuhren die alten aufcapere
lorfick; gegenwärtig wird es entweder mit Hctni^ zusammen-
gestellt, welches nach Xen. anab. I, 5. 6 persisch zu sein, scheint
(Curtius grnndz. n. 34), oder man stimmt den alten bei, wie
loletzt Corssen kritische beitrage 370, der es deutet als ein ,|diag
zum fassen, daher ein henkelgef&fs^. In Übereinstimmung hier^
mit erklärt Düntzer das offenbar wurzelgleiche capulnm sarg
als ^das, was gegriffen wird^, d. zeitschr. XI, 261. Die wuriel
cap, welche unserem worte zu gründe liegt, erscheint aulaerdem
noch in capedo, capula ein schöpfgefftfs, woher capalare
aus einem gefäfs in das andere schöpfen, und in capisteriom
Colum. II, 9. 11. Dieses letztere ist lateinische gestaltaog des
griech. cxa(ptcri]Qiov in Gloss. Philox. und dieses wieder eine
Weiterbildung des Stammes axaqud mtt dem suffixe r^gio. et^
pis und aHaq)ig ist demnach dasselbe wort und die wurzel die
von ondntm^ die auch im griechischen in einigen bildiwgen
den anlautenden Spiranten aufgegeben hat, und von der im grie-
chischen sowohl wie im deutschen gefäfse der verschiedensten
art abgeleitet werden, wie schoppen, schaff, scheffel u.a.,
vgl. Jurmann d. zeitschr. XI, 390. Auch schöpfen und capa-
lare passen der bedeutung nach zu einander. Neben der wur-
lelform CHaq> steht im griechischen fSHvqt^ woher tfHvq^og be-
miteelkn. 46S
eher aod vielleicht auch xvm^XXop nwqtog n. a. Auf diese
möchte ich tat. ca apalas oa^igii geoas GMI. X, 25 sorfickfSh-
ren, welches der bildang nach dem deotschen schaafel ent-
spricht. Die doppelbedeutODg des gef&fses and des werkseoges
zam aashöhleu treffen wir aach in axaqfig analog ünälig mbd
sonst an.
2) torvus.
Gegen die herleitang des lat. torvus von torquere erheben
form und bedeutung in gleicher weise einsprach. Die eine be-
deutung des Wortes ist ^schrecklich, wild, erregt^, and so wird
es bei Catull als epitheton von proelia, bei Cicero von draeo«
bei Vergil von leaena, anguis, bei Properz von aper, bei Ovid
von Medusa, bei Claudian von ursa, Megaera, bei Valerins Flao-
cus vom Isterflasse gebraacht; Pacavias verbindet es mit ferox;
anfserdem findet es sich in diesem sinne häafig vom rafe and
vom blicke gesagt, vgl. torviter increpare (Ennias), torvam ela-
mare; torva taeri (Vergil), torva facies, torvis ocellis (Ovid).
Von dieser bedentang unterschieden ist eine zweite „rauh, herbe,
saaer^ vom weine, z« b. torva fiunt vina, Plin. h. n. J7, 23. Das
griechische ragdaam, mit dem ich torvns wurzelgleich halte,
zeigt verglichen mit hom. rcV^i/j^a and tQiJX^^^ wie schon Car-
tins gr. II, 301 anmerkt, jenen vocaleinschab, aber den Walter
im letzten bände dieser Zeitschrift handelt, and steht angefllhr
auf gleicher stufe mit f^aXdxtj malva. Bei Homer findet sich
tagdaam II. ^, 86, Innovg itaga^e „er machte die pferde sehen,
wild^ and Od. e, 291, itdgaie novrw „er regte das meer aaf^;
das perf. T^T^^^a bedeutet „in aafregang, verwirrong 8ein% vgl.
ayoqii nrQfjxvta; ^QfJXV^ endlich „heftig, zornig, wild% «• bw
vcfiivri tQ, Hes. sc. 119 (proelia torva), rQaxy ßJJnstif (torva
tueri), TQfjx^'mg ftsgianea^atf hart behandelt werden, wie ähnlich
torviter increpare, dann übertragen auf gegenden „raoh, wild,
schroff^. Eine andere gestalt derselben warzel haben wir in
ragyaipco' ro^döffto Hesych., welches aaf einen stamm roQyat
fuhrt, von dem auch tccgya^op and rotQyafom kommen. Td^a»
vov aber and olvog tiragyapmfUpog bezeichnen trabe geworde-
nen, sauren wein (vina torva finnt). Die lautliche vermittelong
ist nunmehr ohne Schwierigkeit; torvns steht für ^torgvas, des-
sen g lantgesetzlich wich. Ich glaube aber, dafs diese bildang
454 Froehde
schon in der graecoitalischen Sprachperiode vorhanden gewesen
sei; fß wurde ^ und es stammt von dem vorauszasetzenden
•fo^/jc-off tag ß 8(0 in Verwirrung gerathen, sich scheuen, woher
tagßaXeog schreciclich. Da nun roQßeco wie taqßog auch voo
der ehrerbietigen scheu gesagt wird, z. b. II. a 331, so f&llt noch
auf eine Verwendung des lateinischen wertes licht, die ich oben
nicht erwähnt habe. Wenn nämlich bei Statins der dichter Ver-
gilius „Marc torvus^ heifst und bei Claudian das wort als epi-
theton von pater gebraucht wird, so pafst keine der beiden an-
gefahrten bedeutungen. In dieser Verbindung ist es vielmehr
,) ehrwürdig, respect einflöfsend^. Ans dem deutschen gehören
zu unseren Wörtern ags. thracian sich scheuen und wohl goth.
thlahsjan ixqioßsir. Eine weitere Verfolgung der wurzel untere
lasse ich.
Zusatz des herausgebers.
Ich erlaube mir einen kleinen zusatz zu der vorstehenden
etjmologie von torvus. Unser verehrter mitarbeiter sagt, dafs in
TOQyaiifto eine andre gestalt derselben wurzel (tolqx^ ^^^X) ^^^
finde, und da er das verhältnifs von torv-us zu roQax dem von
malva zu i^dkaxri ähnlich nennt, so scheint er von einer gemein-
samen Wurzel roQX auszugehen, aus der ragy- in ragyaipm etwa
durch herabsenkung der aspirata in die media, wie sie im grie-
chischen öfter vorkommt, sich gebildet hätte. Dann mfifste bei
der heranziehung von taQßdoo ein gleicher lautvorgang angenom-
men werden, was möglich wäre, da auch torvus für torgvna «os
torhvus entstanden sein könnte. Indefs gibt uns das aanakrü
über den auslautenden consonannten der wurzel sicheren aof-
schlufs durch die w. tarj, drohen, hart anfahren, schmähen, eans.
tarjayämi drohen, hart anfahren, schmähen, erschrecken, in angst
versetzen, verhöhnen, verspotten. Dieser wurzel stehen also ge-
nau torv-us für torg-vus, ragy-aivm gleich; ebenso gehören daza
mit Verlust des gutturals und ersatz durch v, oder besser mit
dem rest des aus gv gebliebenen v (wie drawjn s= ags. ]>rea> fBr
)>reav), ]>reavjan, ahd. drawa, mhd. dro, dröuwe, nhd. drohe,
dräue, welche wie ags. gleav auf glaggv — so auf goth. ]>ra^pr —
oder l^ragv zurückweisen, in denen also wie mehrfach die indo*
germ. media festgehalten wurde. Dies doppelte zeugnifs der
germanischen sprachen und des sanskrit weist uns also auf targ
als ursprungliche wurzelform und dazu stimmt denn auch mit
müoeUen. 4S5
ß = i (jiva = ßtog u. a.) taqßin. ^cigax in ta^ax^if roQaaam
ist demnach entweder eine nahe ▼erwaodte warselform mit %
statt y oder sie ist wirklich identisch und nur durch den einflofo
des Q ist das nrsprungliche targ in nrgriechiach ro^x* ^^^^ ^ ^
hellenisches 'f^ttQai rgax verändert A. K.
3) fraces.
Für das anlautende f des lat. fraces plur. öltrester, boden-
Satz des Öles, von dem floces, flocces weinhefe nur eine mo-
dification ist, dentalen Ursprung anzunehmen, steht nichts im
wege. Alsdann stimmen lautlich und begrifflich zu dem worte
ganz wohl altn. dregg, engl, dreggs dregs plor., schwed.
di'^gg) dän. drank hefe. Man pflegt diese wörter mit niederd.
drek, hochd. dreck zu verbinden and für den bedeatangsüber-
gang böte auch fraces mit seinen ableitungen eine analogie. So
heifst fracidus ^^^ig? ^''^ulig^, fracescere „teig, fanlig, stin-
kend werden, aufweichen^ (terra fracescit), fracebunt sorde-
bunt, displicebant , dictum a fracibus, qui sunt stillicidia ster-
qnilinii Placid. p. 463. Allein das nebeneinanderbestehen der
formen dregg und j^rekkr stercus im altnordischen mahnt rar
vorsieht. — Ueber die wurzel sind mir zwei vermnthangen be-
kannt Oegen die herleitnng Benarys röm. lautl. p. 178 von der
unbelegten sanskritwz. dhräkh dräkh arescere liefse sich lautlich
nichts einwenden; das c stände der tenuis-aspirata des sanskrit
so gegenüber, wie in einer anzahl anderer fälle, die Grafsmanu
d. zeitschr. XII, 102 zusammenstellt Hinsichtlich der bedeutung
gäbie etwa rgv^ ein analogon, wenn dieses zu dem von Hesy-
chius angeführten rgvym altn. tharka exsiccare gehört (Pott et
forsch. II', 463). Ganz anders urtheilt aber das wort Ck>r88en
krit. beitr. 28, der einibal flaccas welk, schlaff, sodann aach floc-
cas, die weiche wollflocke, für gleicher warzel hält und diese in
skr. bharj frigo (pQvyo) (Curtius n. 162) sacht Diese wursel
iäfst Corssen aus älterem *bhar6 entstehen und der die bedeu-
tungen vermittelnde begriff ist ihm das weiche, welches beim
kochen das wesentliche sei. Diesen hypothesen sei gestattet eine
dritte anzureihen. Man hat wohl nicht mit unrecht eine Ver-
wandtschaft zwischen altn. dregg, ags. dresten, ahd.trester, ags.
drabbe, ahd. trebern angenommen (Regel d. z. X, 140). Wenn
eine solche Verwandtschaft besteht, so würden wir auf eine wur-
456 Froehde
zel *dhra geführt, die verschiedenartig weiter gebildet w&re.
Diese warsei könnto laatlich die von ^Xato sein, die mit einem
gattaralen weitergebildet erscheint in dem parL perf. te&XayfU'
pog; fraces bezeichnet aber die ausgedruckten öldrüseo.
4) calamitas. cadaver.
Mar. Victor, p. 2456 sowie Isid. er. XX, 3 erw&hnen die form
cadamitas für calamitas, die ans, wenn wir nicht mit Corsseo
vokal. I, 81 Übergang von 1 in d annehmen wollen, für das wort
eine worzel cad aufzustellen uothigt. Calamitas bedeutet „ wet-
terschaden % dann ^ schaden^ überhaupt, und entspricht in dieser
allgemeineren bedeutung ganz dem deutschen worte. Die laat-
liche vermittelung der wurzel mit dem begrifflich gleichen altn.
skadi damnum läfst sich aber durch die annähme des abfalls
des anlautenden Spiranten, wie er vor c nicht selten statt hat,
leicht herstellen. Als gegensatz von calamitas stellt z. b. Ebel
d. zeitschr. VI, 216 incolumitas auf, welches von incolomia ab-
geleitet ist. Incolumis entspricht dann der bedeutung and der
Wurzel nach dem längst mit altn. skada wurzelgleich erkannten
griech. d-axtj&ijg^ für welches Od. S, 255 vor Wolf daxs&ijs
gelesen wurde, eine form, die von Seiten der bildung ebenso ge-
rechtfertigt erscheint wie e&og neben ^&og, xatog neben xjqto^
n. a. Die bildung von daxtjd^ijg bespricht zuletzt Leo Mejer in
d. zeitschr. VI, 16; es setzt ein neutrum *<SKij^og voraas und die-
ses fuhrt wie ^&og auf sva, auf eine grundform ska, die ver-
schieden weitergebildet und umgestaltet in den skr. wonelformei
khad, skhad (skhadana das verletzen, tödten), ksban verietien,
schlagen, tödten erscheint. Durch diesen warzelsusammenhaiig
erhält die sinnlichste bedeutung von calamitas ^das seraehlageo
des getreides durch den hagel^ völlige klarbeit; daCs sich aber
aas einem solchen grandb^riffe der allgemeinere des Schadens,
verlostes überhaupt bilden konnte, dafür gibt nocere in seinem
Verhältnisse zu nez, necare eine analogie. Zu dieser wursel ge-
hört der griechische name der leiche rexQog^ und es wird mir
hierdurch wahrscheinlich, dads auch das lat. cadaver eigentlich
das „erschlagene, getödtete, todte^ bezeichnet und mit cadamitas
gleicher wursel ist
Golberg. Froehde.
tt
miscellen. 457
Griechisches.
1) ovQy dros»
In meiDem vielfach angegriffenen aafsatze über das safüx
•ant befindet sich eine stelle , die zu einem wunderlichen mifs-
verstfindnisse anlafs gegeben bat, während seltsamer weise ge-
rade das, was icb dort hervorbeben wollte, völlig unbeachtet
geblieben ist. Zeitschr. VIII, 311 legt mir nSmlicb Schweizer-
Sidler die ansieht anter, dafs der griechische name des obrs
ohne s aus der wnrzel gebildet sei. Mit der betreffenden stelle
IV, 345: „so gilt dies auch von got. au so, griech. ovg = ojrog^
cirog = qfarog^ ovarog^ slav. ucho, pl. uszi, lat. auris
habe ich aber so wenig die entsteh ung des ojrog aus ovoogy des
ovatog aus ovaatog leugnen wollen, als Kuhn I, 377 (vergl. II,
137), oder als Cnrtius, dem dasselbe zugeschrieben wird, grnndz.
d. gr. etym. I, 370 ; vielmehr liefs ich diese formen nur fort als
bei der gegebenen zusammenstellnng mit got. auso, slav. ucho,
lat. auris (=s *ausis, was ich ebenfalls h&tte hinzufugen kön-
nen) selbstverständlich. Dagegen kam es mir hier sowie IV, 328,
wo ich ovg neben (orog mit dem homer. (paog q)deog neben dem
att q)6ig (pmtog verglich, zunächst auf etwas ganz anderes an,
was niemand beachtet zu haben scheint, nämlich darauf auf-
merksam zu machen, dafs der nominativ eine andre Stammform
zeigt als die casus obliqni; ovg läfst sich nur aus oog^ o^og
(bei Homer herzustellen IL X, 109: nuQ^ o^og für den unerträg-
lichen hiatus naQO, ovg) erklären, das ich naturlich = ovog =
olöog{= slav. ucho, stamm uszes, nach slavischem lautgesetz
statt *u so, *uses) setze, tot 6g dagegen nur aus einem stamme
oax SS oFar = ovar s= ovaar. Einen nominativ ovag, den
unsre lexica zur erklärung ansetzen, kenne ich nur als fiction
der grammatiker, und derselben ansieht ist Ahrens dial. II, 246 ;
sollte er aber auch wirklich existiert haben, so kann ich ovg
doch nicht daraus erklären, da ich keine griechische mnndart
kenne, die ova oder oa in ov zusammengezogen hätte. Aber
auch für das dorische oa^ braucht man keine grundform oag an-
zunehmen, da die Doris severior oo in m contrahiert; man darf
es nicht, da der stamm oisg (= oveg^ of^g) oder oeg (denn oi
könnte dehnung in folge der Zusammensetzung sein) noch im
theokritischen dfAqimeg vorliegt. Darin also mufs ich Benfey,
Kuhn, Curtius widersprechen, die ovg aus oag, ovag erklären
458 Ebel, misccUen.
wollten. Die zweite Stammform liegt am voUstaodigsteii vor im he-
aychhchen f^m^ ad la' ivoiria, ^axtoi'f^*, worin nichts geschwun-
den ist als das auf griechischem boden nicht mehr zu erwar-
tende (T, das V als digamma in (i erhalten ist, näcbstdem im ho-
merischen ovara (auch dorisch bei Epicharmus) und in den he-
sychischen glossen (Saciv, (Sara, oiaroi&tjüoij der gewöhn-
lichen contrahierten form cJra entspricht das tarentinische azu
(wie statt ata bei Hcsych. zu schreiben ist), welches Ahrens
wohl mit unrecht verdächtigt, da nQazog für ngditOi; aus *nQ6azog
eine gleiche contractionsweise zeigt.
2) eiüouai.
Zu den annahmen, die sich in graromatiken und lexicis un-
geprüft fortpflanzen, gehört auch die deutung des eiQOfiai aus
einem angeblichen *iQOnai mittelst epischer dehnung. Freilich
ist dor ansatz eines präsens igea&ai schon alt Schol. ad II.
;i, 47; aber unverstarkte formen wie digm sind den verstärkten
wie aeigta gegenüber bei liquidis überhaupt selten, wie denn
auch neben 8tQ0) selbst dtiQco und dutgat stehen, und von un-
serm verbum findet sich aufser den erweiterungen igicOf ige^
tiv<a keine sichere präsensform mit e^-, so dafs es viel natur-
licher erscheint, in eiQOfxai die gewöhnliche präsensverstärkang
wie in ifmiQOfJiai zu erkennen. Geradezu widersinnig ist es
aber, wenn man, wie meist geschieht, ijgofAyv, igeo^ai als
aorist fafst, und daneben doch ein präsens ^egofiat annimmt^
während ein starker aorist nur neben eigof^ai oder igiofiai
denkbar ist. Auch in ec^oirao) hat die dehnung gewifs einen
tieferen grund, da die form nicht biofs episch, sondern auch
ionisch ist, jedenfalls aber einen andern als in eiQOfAM.
17. Nov. 1863. H. Ebel.
I. Sachregister.
Absch'wächang (erweichung) der con-
sonanten:
von r zu 1 im oskischen und latei-
nischen 167.
von k zu g im oskischen 167.
t vor r im oskischen zu d erweicht
247.
auslautendes t oskischer verbalfor-
men nicht immer zu d, resp. s
geschwächt 252 ff.
p secundärer wurzeln zu b oder v
erweicht 808.
lat. c vor m häufig zu g erweicht
891.
Adjectiva:
erweitemng derselben aus metri-
schen rücksichten im griechischen
18. 14.
adjectiva auf i/i; nach der ersten
declination 14.
Adverbia; oskische auf id 170, alt-
hochdeutsche auf o, gotische auf ba
882.
Allemannischer dialect von Zürich
878 ff. — seine vocalverhältnisse
874 — 881. — seine consonanten
881 f. — eigeuthttmlichkeiten in
der flexion 883 ff.
Aspiratae :
ausspräche der tenues aspiratae
265 ff., der mediae aspiratae 228,
268 ff. — ob im griechischen
mediae aspiratae? 269 f.
Assibilation in den slavischcn, ger-
manischen, arischen sprachen 277 ff.
— Assibilation des italischen t vor
i mit folgendem vocal 196.
Assimilation von kt zu kk im oski-
schen 172.
Ausfall:
a) von consonanten:
ausfall des lat. c : vor u oder v
239 , im anlaut 301 , im In-
laut 802.
anlautendes j im lateinischen ab-
fallend 818.
auslautendes m auch im oski-
schen abfallend 192,
V ausfallend bei p in der vor*-
hergehenden silbe 4.
p vor r im lateinischen abfal-^
lend 802.
lat. r aasfallend, mit eintritt der
vocallängung 112.
abfall des personalzeichens t im
umbrischen 199.
jl vor consonanten; zwischen vo^
calen ausfallend 1.
b) von vocalen:
von i vor «16.
von V zwischen zwei andern vo-
calen 28.
Synkope in der oskischen und
umbrischen ilexion 168.
Bedeutungswechsel: verschiedene ar-
ten desselben 450.
Bindevocal: a als constanter binde-
vocal der ^ir-conjugation dem grie-
chischen eigen thUmlich 419.
Causalia auch in der ersten conjuga-
tion des lateinischen vorhanden 107.
Conjugation s. die einzelnen artikel.
Conjunctivformen der griechisc|i£p
epiker 423 ff.
460
Sachregister.
Consonanten: eintheilung und Ver-
wandtschaftsverhältnisse derselben
268 ff. — consonanten des lateini-
schen im allgemeinen 301 ff.
lat. b aus v durch dissimilation
398.
ß aus yj: 454, = skr. j 464.
lat. c = skr. kh 455, anlautend
aus sc 804.
skr. ch ^ oskisch-lat. sc 208.
skr. ch = lat. c 208.
skr. ch =: umbr. s (mit verlust
der gutturalpotenz wie im li-
tauischen sz = skr. ch) 208.
d: Übergang von d in 1 106, 111.
skr. dh = ^ = lat d, nie =
lat. t 184.
f inlautend im lateinischen selten
397.
lat. f = alter gutturalaspirata
397.
inl. f osk. treuer gewahrt als
lat. 178.
got. f öfter gleich altem k 367.
ital. g nicht = skr. j 166.
osk. h = lat. g 188, aus c er-
weicht 189.
osk. k = / 168.
1: Übergang von l in d 7 9 f.
r: Übergang von r in d in nor-
wegischen dialecten 80.
V flir gv: im lateinischen 305,
453; im deutschen 63, 454.
(o)w aus (o)g im englischen 62.
Consonantenverbindungen : Abneigung
gegen die Verbindung liquida -\-
spirans in der Ursprache schwerlich
vorhanden 218. — altn. hr vor r
zu h abgeschwächt 74. — Über-
gang von 11 in dl und dd im nor-
wegischen, in Id im dänischen, hol-
ländischen, englischen, niederdeut-
schen 80. — na* zu an gewor-
den 481.
Declination: erweitemng oskischerund
lateinischer casusformen durch ein-
(schaltete snffixa 174. — decli-
nation der griechischen »- und i>-
Stämme 426. — decl. des part. pf.
act. mit A) statt o 446. — Vertre-
tung verlorner caansformen 446, na-
mentlich des genitivs durch loca-
tivformen im latein., slav., griech.,
celtischen 447 f. — neutrale plu-
ralendung er, ir im deutschen 885.
— acc. sing, der a- declination im
umbrischen in geschwächter, auf u,
resp. o ausgehender form neben der
ungeschwächten vorhanden 218. —
acc. 8g. der zendischen i- and u-
stämme 405. — acc. pl. der oski-
schen o- stamme auf oss statt ons
168. — osk. ablativ auf d von vo-
calischen, auf od oder nd von con-
sonantischen stammen 167. — thea-
salische genitivendung o* 448. —
osk. locatlvendung in 198.
Dentales: unterschied der dentalen
fricativ-(s-)laute 224 ff. — einflufs
der Quantität des vorhergehenden
vocals auf die ausspräche von d
und t 227.
Diphthonge : diphthongisierung des vo-
cals im deutschen bei auafoU eines
nasals 379. — eu im latein. su ü
contrahiert 896, iu im ahd. zu i
898 natur der zendischen diph-
thonge ae (ae, ai) und ad (ao, an)
402 ff.
Distraction im griechischen: erklXrung
derselben 415 ff.
Dualendungen des griechischen ver-
bums 202 ff.
Einschub: a) von consonanten: r als
einschub in die reduplicationssilbe 9.
— b) vocaleinschub im griechischen
464, im oskischen 168, 168.
Futurum: bildung des fbtarums be-
sonders des der verba liquida im
griechischen und in der indogenna-
nischen Ursprache 216 ff. — bildong
des fbturums im lateinischen 264 II.
(-80 264, -ro 266, -bo 266) — im
oskischen 266 ff. (cf. 220).
Geographische namen im dentsdien:
auf ach (nicht nnr ss ahva, ah«,
sondern auch ass ahi oder =ss eelL
acum) 229. — auf apa (ndd.), alTa
(oberdeutsch) 229 _ auf ing- 888,
ingas 288 — auf ones 284.
Gemndium der italischen sprachen 808.
Hochton, die silbe schärfend im oski-
schen 169, 172.
Inchoativzeichen soo: seine etjmolo-
gie 804.
Infinitiv des griechischen 74 ff.
Intransitive verba der mhe und be-
wegung durch composition traositiy
Sachregister.
461
werdend, namentlich bei Übertrage-
ner bedentung 110.
Liquidae: modificationen der liqnida r
290; des 1 als l oder als palatales
1 und nachweis dieser modificatio-
nen auf slavischem, italischem, ger-
manischem, griechischem Sprachge-
biet 291 ff. — verschiedene gestal-
tnng des lat. 1 in den romanischen
sprachen 293 ff.
Liquidierung von i (i) nnd u ( v)
zu y nnd v (^) im sanskrit und
griechischen 406 ff. — li(iuidierung
im oskischen, s. vocale
Metathese: in wurzeln 106. — vou r
und 1 im lateinischen 396.
Metrum : vielfacher einflufs des dacty-
lischcn metrums auf die gestaltung
der griech. sprachform 412 ff.
Participialstämme auf nt auch oskisch
durch i erweitert 196.
Perfectbildung anf-tted, ttens etc. im
oskischen 184 ff.
Praepositionen oskisch und lateinisch
dorch suff. no erweitert 169.
PraepositionsGomposita im griech. 5.
QnantitAt: Versetzung derselben 1. —
lat. V schwerlich von einflufs auf
die Quantität des folgenden vocals
406. — quantität der sanskritischen
lautcompleze av und ay 406. —
▼erlingemng der vocale unter dem
einflufs des metrums: a) (von a, f,
o zn fjf f(, ov) vor liquidis 414:
b) vor den spirantenj und^427ff.:
c) Verl, eines auslautenden kurzen
vocals durch den halbvocalischen
anlant des folgenden worts in arsi
485.
Romanische sprachen: deren allmäh-
liche entstehung nachgewiesen an
der spräche der langobardischen ge-
setze 24 ff. 81 ff. 821 ff. -^ Im be-
sonderen : Declination : Verwirrung
der verschiedenen casus, absterben
der casnsendungen 2 4 ff. — andeu-
tung der casus durch Stellung und
Präpositionen 25 ff. (dat. ad 31, gen.
de 88). — genusgebranch 85 ff. —
oomparativ: durch plus umschrie-
ben 41 , mit folgendem de zur be-
zeichnung des gradunterschieds 42.
— Pronomina 48 ff. — verbalfor-
men: periphrastische bildung der-
selben 81 ff. ^ deponens 81, 82. —
inchoativa auf isco 91. — gebrauch
des gerundinms znr Zeitbestimmung
100. — Infinitiv nach fragewörtem
nnd relativen 99, statt des gen. ge-
mndii hinter Substantiven 102. —
participia auf fitus 105. — gebrauch
der Partikeln 821 ff. — eigenthOm-
lichkeiten im gebrauch der substan-
tiva; verwandtschailsnamen 827 ff.
Segensspruche: gegen Verrenkung 51 ff.,
gegen das schwinden 63 ff., gegen
den yaxina 66ff. , gegen die gelb-
sucht 11 3 ff., gegen alp oder mahre
llSff. , gegen 77gerlei krankheit
128 ff., gegen Würmer 135 ff.
Spiranten: lautverhältnisse der indo-
germanischen sprachen in bezug auf
harte und weiche Spiranten und
halbvocale 271 ff. 278 ff.
Suffixa:
a) deutsche:
ags. or (augmentativa oder com-
plectiva bildend) 238.
b) griechische:
ad^oq 5.
akXoq etc. 8.
ay, a9 18.
äq 5.
aioq 13.
a/o? 28.
Soq (adverbia auf dot, iti» bil-
dend) 6.
fio; 5.
f<F»? 75.
id (coUectiv) 430.
ialo<i 5.
Idioq 5.
»r^oc 80.
M>c 5.
Iq 5.
/tij? 6.
fitl 88.
fnvov 15.
vcu 75.
ovaoi; 20.
niif 11.
aaUq 19.
<railof 19.
ff&ou 76.
aia 9.
aiov 9.
<F»o? 9.
462
Sachregister.
raXXoq 3.
lioq 808.
tfjQio 452.
vXoq 28.
vi'&oq 20.
g»oi', y-o? 173.
c) lateinische:
ario 163.
bu 173.
lentus 311.
mon 169.
on 162.
tia 173.
tio 178.
tfvus 308.
tor 157.
trum 337.
ulo 214.
U8 (adv.) 385.
vo 191.
d) oskischc, umbrischc:
asio 163.
in (aus ion verktlrzt) 164.
10 (a4jectiva bildend) 169.
klü für kro 167.
lo 214.
iin 162.
tiuf (fem.) 171 ff.
e) sanskritische:
a 159.
atis 75.
ana 75.
as 385.
tavja 308.
ti 75.
se 75.
Superlativ auf aio nur von räumli-
chen und zeitlichen begriffen ge-
braucht 421.
Verdunkelung eines vocals : aus a ge-
schwächtes o vor folgendem conso-
nanten im oskischen zu u verdun-
kelt 173. — lat. V (deutsch w) den
folgenden vocal verdunkelnd 405.
Visarga: ausspräche desselben 277 f.
Vocale : physiologischer unterschied
der kurzen und langen vocale 225 f.
— bezeichnung der langen im os-
kischen 166, im griechischen 204 ff.
— hellere und dunklere lautung des
sanskritischen a 202. — u im alt«
oskischen nach o und a vor fol-
genden consonanten zu v. verhärtet,
wonach sich ein neues u entwickelt
183. — griech. v = altem a 867.
— 0) = u der verwandten spra-
chen 12.
Vocalgruppen : entwicklung der grie-
chischen vocalgruppen tw^ ao, ijo
in conjugation u. declination 489 ff.
Vocalisierung von consonanten: von
^ zu o 7, zu t/ 408. — der aspi-
rierten media im irischen 278; der
unaspirierten im deutschen 278, in
den romanischen sprachen 298.
Vocalschwächung : Abschwächung des
a zu c vor a 13. — feminines k
auch oskisch zu ä verktlrzt, dann
zu geschwächt 166. — oskisch a
zu o (altoskisch zu u) geschwächt
im acc. sg. der a- declination nnd
im nom. plur. der neutra 218. —
i vor den mit s anlautenden en-
düngen der sogenannten vier letz-
ten verbalformen des sanskrit eine
Schwächung von a 219.
Yocalverstärkung (-eteigening) : ii als
Verstärkung von ' a nicht nnr in
compositis 4, 18. — steigenmg yon
V zu 0) 12, 28. — Steigerung von
ä zu & im lateinischen 168.
Wurzel Verstärkung: durch vorgesetz-
ten vocal, durch n 10; durch vo-
callängung 11, 12.
Zahlwörter: etymologien derselben
898.
Wortregister.
463
IL Wortregister.
A. Deutsche sprachen.
1) Gotisch.
ains 893.
auso 457.
badi 107.
bairga 399.
bruks 312.
daigs 309.
dumbs 307.
gasveran 434.
giutan (^gut) 408.
fraistabni 173.
haim 231.
hail>i 230.
ma}>l 348.
meljan 303.
mizdo 349.
saljan 106.
sibiin 393.
skohs 303.
svare 807.
svarts 307.
sveran 484.
8ver8 307. 434.
qaimiis 306.
stana 23.
stikls 449.
striks 167.
tveifls 397.
]>agkja]i 164.
|/>arb 410.
jaurp 181.
plaksjan 454.
vadi 107.
valduM 178.
vaurds 309.
vaunns 136.
vrits 303.
vulfs 866.
2) Althochdeutsch.
albus 71.
briuwen 303.
catta 369.
chnSo 379.
deh 383.
deo 879.
derb 410.
dih 383.
doh 883.
drawa 454.
gihauorbithu 325.
hart 230.
hegiri 73.
hehara 73.
heigir 73.
pr. St. hi 383.
impen 238.
kafsa 332.
kallön 306.
mahal 348.
mezzon 90.
nesso 65.
olba 71.
pli, pliwes 398.
rizan 803.
s&r 383.
satal 106.
sSdal 106.
sih 383.
sprahha 348.
stSchal 449.
stihhil 450.
stracchjan 167.
stric 167.
strih 167.
suDtSa 304.
swari 307. 434.
swerjan 309.
trebem 455.
trester 455.
trdst 345.
uover 229.
urfar 229.
war 230.
wech 22.
wötan 107.
wil 230.
wurm 136.
3) Mittelhochdeutsch.
drö 454.
dronwe 454.
focher 336.
bap 228.
manheit 346.
wonen 108.
4) Neuhochdeutsch
und oberdeutsche
dialecte.
aber- 388.
albern 71, cf. 155.
ämmel 875.
binke 150.
binkenlöcherl 150.
bom 431.
brack 304.
brennen 431.
brechen 178.
brüch 304.
brunnen 431.
chriechen 282.
derb 410.
d£rt 875.
d?t 875.
der doichtche 319.
dorant 122.
dorf 181. 231.
dort 875.
dost 122.
dräue 454.
dreck 455.
efm&l 875.
hmH 375.
^mmel 875.
flock 304.
forzeiche 382.
forzeie 382.
frack 304.
gast 310.
gesucht 154.
gesucht 154.
gewohnt 108.
gewohnen 108.
hab 228.
hain 230.
hartheu 122.
h%e 375.
464
WortrcgUter.
hell (pron.) 320.
h^e 876.
Wolgemut 127.
wort 809.
8)lAglisch.
h^sw^gge 875.
wurmdrekl 160.
dregg», dregH 456.
der hiche \
fewel, fael 836.
- hochte 1
Ibis ilke 8t0.
- hoicbtche /
- holte •, 010
5) Altsichflisch.
jewel 886.
- höltche ' 3^®-
abal 18.
Peaseblossora 127.
- holte l
gibada 108.
ringwood (schott.) 144.
- haltche 1
gibadi 108.
ringworm 144.
- hulte 1
meda 349.
rowan (schott.) 62.
Juwel 886.
thimsUr Sil.
stop 400.
kaston 832.
vowel 386.
kern 806.
altengl. ymp 288.
kiste 882.
körn 806.
6) Niederdeutsch.
Luzei 127,
nid 888.
drek 455.
geUuchtwotteln 117.
9) Altnordisch.
nint 888.
gietvogel 156.
filfr 165.
nüd 388.
gurkemeis 117.
bifa 806.
orblich 876.
hillig 148.
bly 898.
mawann
schinnwatt 117.
brim 228.
ruawas f ««^v
»chinnwurz 117.
dregg 455.
. ) 820.
raawie L
snaat 340.
hegri 73.
mawo ^
unbeneumet ding 148.
heri 73.
sal (saal) 106.
unbenom 148.
ormr 186.
schaff 45*2.
unbenömt ding 148.
reynir 62.
schauen 812
ostfr. walrlderskc 127.
skada 456.
schaufei 458.
skirpa 236.
scheffel 452.
stikill 460.
schippen 804.
schnaiteln 340.
7) Angelsächsisch.
vargr 367.
brekkr 456.
purka465.
schnatte 840.
brim 228.
schneifse 839.
drabbe 456.
Schoppen 452.
dresten 455.
schupfen 804.
gescyrple 287.
10) letere aordtiche
Schweine 64.
dlilekte.
Schweinen 64.
higora 73.
Schwert 434.
impian 238.
drägg465.
s^le 375.
meord 849.
drank456.
s^i 875.
refif 287.
dnfVe-igg 182.
s^tüg 875.
sceard t
fl&g 52.
sUrr 812.
scearp j
golerod 117.
stiUen 108.
sceorp 1
gunlsoet 117.
stopfen 899.
sceort \ 287.
marv 68.
strecke 167.
sc«ran (
rogn 62.
strich 167.
scerven \
rönn 63.
teig 809.
thymian 128.
verstopfen 899.
scrüd /
tivebark 128.
sticca 449.
vänderot
sveord 484.
velamsrot ^^2
wat 229.
]>rAcian 454.
>reavjan 454.
welandsroot
wem 150.
wendelsrot )
wemalöchl 150.
umbor 288.
wemlScherl 150.
s6 ylca 820.
Wortragiit«r.
B. GMechische sprachen.
1) Altgrieehisch.
adatoq 420.
aair/cio? 422.
«aTa* 418 f.
aaTo; 421.
ddtii 429.
nyand^iiv 9.
dyandv 10.
dydufj 10.
dyioq 391.
a* 17.
äf^Jloy 107.
afd^Ao? 107.
dtlgu 438.
cM^racrtov 10.
aitfoi 429.
dtalq)QOiv 428.
j/olA (a^ro*) 428.
*dj:afiai, 419.
o^axoM 428.
♦a^« 419.
at)^ 428.
al^li} 18.
\cd9 28.
at(^/lo? 18.
dU^P 2.
ar^w 408.
ar« (dor.) 898.
atra« 4.
cixa^i/C 15.
dXipTtn 899.
a/McUila 8.
dfttrai 2.
a^^Mra^^g 12 AT.
au^Hcülf/iro; 15.
afitpurßfiTilr 897.
dfti^ovilq 15.
dfiffi^iq 457.
afraArog 2.
rci'fl^^O? 870.
af^firf 1* 2.
aiF0-j|fCToc 422.
doQ 484.
»Tiailog 18.
dnaffuriaq 6.
Ufff/^^ei' 407.
aTrijAutfiij? 6.
anffv^q 4.
anm'^a 434.
dgaxf'fi 398
Zeitschr. f. vgl. sprach f. XIII. 6.
Ydgx 898.
dQudrri 898.
a^xvoi' 898.
a^xvc 898.
dq (dor.) 898.
acra^iy^o; 20.
a(r* 17.
a^rxij^C 456.
dandUa&ou 9 f. cf.395.
«la 458.
ftiTj 428.
ar* 17.
aio? 421.
owj^ (ÄoL) 408.
ai'w? (Hol.) 408.
difivoq 18.
,9iiii;i/o (lak.) 399.
Bi^addfAnvO-vq 7.
ßgaSivoq 7.
ßi^dxoq 431.
/^()i|Uf»i' 228.
yafAilv 240.
r«(?iW 391.
voi'i' 380.
^a^fAog 2.
JaiCfv 1.
Ja/^w 458.
ÖaU 2.
(Talo? 2.
dafidv 409.
(T^ 393.
(JfVJija 2.
J/<Aoi' 206.
Jfi (opus est) 410.
dtl(^ 458.
Sixiff&a» 168.
(li^ctf 409.
SMqtov 9.
Jio^<a* 408 f.
(¥/^u 458.
divtaS^fu 22 f., 408 f.
<Jf,',w 408 f.
dixto&ai, 163.
i9/«i 408 f.
StcUvtuf 1«
(T/aloi» 206.
J/<fij/i» 409.
^icr^crio? 6.
dufiar^q 17.
Jo/io 409.
Sooaoq 313.
^1^1} S8.
^VtfTIOI^ 14.
ai^« 411.
iynoQOioq 8.
et 882.
tlXag 899.
*S^;/«ii' 899.
tXqofAOk 458.
c^^oaToco) 458.
*?^w 433.
'Endßfi 422.
^'xaro? 422.
ix¥tq>iaq 6.
Jxoiy 158.
Vax 18.
Itkfitvq 186.
/rijijs 4.
hviiaqo^ 4.
ilwßaSia 458.
^o^vi; 442,
inaüffvTfQO 422.
^nfT^ffio? 6.
/ni/CTavog 17.
iiffiardv 17.
^fflfT^? 2.
inriTvq 2.
/7r»xa^(r*o; 8 f.
imaxdv 18.
igiilvta 458.
/^<tf 458.
fgv&goq 414.
(/"If^vw 435.
^pw 309.
f(T:T€T€ 422.
tvötUXoq 206.
fi^TTcXla 17.
(vij;r«li;c 17.
ci*xiaTo? 12 f.
tvxQoiiq 14.
rjfK 392.
/;f^^o« 892.
Vw/ifr 419.
fixv^tqyo 407.
»//•«i 399.
V/'«x (epische formen
von derselben) 481 f.
V'>r^a<J7.
Uid 480.
^currv^» 410.
twpoc 12.
30
437.
> 20.
466
m^otpolTKi 429.
kno(; (?«?) 4S
^^0? 108.
^«)v 481.
filaxävri 399.
Y^ 1-
l^fOl// 11 f.
•MTraWa 19.
rmsSavoq 19.
ijd'i'jlfa^Ci»' 108
lyö'v/o? 108.
ijt>yifi'«40? 124.
i-adaaot 430.
^äxoc 480.
V^e 12.
&(OiiSfiq 16.
^Aceo) 456.
^o^cÄv 809.
^017 12.
^eSxoq 436.
Ha 393.
'7x0(^0;
ix/*aioq
iufjiaXioq I
YxjuaAto; '
ixfiaq i
htfitvoq 22.
2x^»a 20.
IxTc^o; 115.
htrCq 20.
i^oao? 19 f.
'IS^wv 20.
e^o? 21.
i^iq 19. 21.
tb»» 20.
XovXoq 20.
InnijfioXyoq 413.
xaxfjneXitv 17.
VxaTT 12.
nanl^ 452.
xa^ 15.
xo(^/; 8. 9.
xo^x^fo? 9.
xo^crio^ 8.
Vxf 12.
VxcX 16.
»iiUv^C 15.
niUiq 15.
Vx«^ 9. 20.
Hoaq 8.
Vxi 12.
nt^oq 8.
Wortregietor.
xiffffcc 73.
oxTaXXoq 3.
xlatlog 7.
dA(;^ipfJlfri' 17.
|/xA«:t 12.
dX*yi7;r«i^a 17.
xAwi/; 12.
0X0? 870.
xohfi 12.
ovo? (der.) 898.
Ko^vdaUd^ 3.
ovv^ 867.
Yx^a 15.
6iiX6%fQoq 18.
onoq 18.
]/ xpa^ 7.
xQalvftv 15.
OQ^ytin^ 10.
x^iWoAXo? 3.
"ÜQ&Qoq 391.
xvTTcAAov 453.
d^öda/fvoc 7.
xvQToq 8.
0(T/05 7.
xr^po^ 453.
oiUa/<d? 399.
xwfia 12.
Ol'?, wio? 407.
xoj^ij 12.
naQaßXatxff 12.
Xfli;ii2 ^^'
;r«^t^^i)J»7f 8.
Xdxiq 308.
7i«^»^pi7«J^? 6 ff.
Ao;j^«»v J
nXäyutq 8.
Aaxfffiqi 399
7rA«ü/iwi' 396.
iot/vij (
nvivfiwv 396.
Aa/o; ;
Ti^aTO? 458.
Xix(f.q )
TT^ogiji'ff? 4.
Afyjij»' r g
7r(>0Ti 307.
^^yS (
nqmiQa 436.
XtXQKplq )
7i<?ai(/')o»'f? 486.
Xvy^ 867.
nctfü 304.
^i'xq/r«^yo 407.
V^aJ 6.
Avxo? 366.
QaöaXoq v
Xwßfj 12.
pa^a/cvog
fiaXdxn 454.
^at^ar'd? J 7.
I//1* 3.
oadi^voq
^c/wv 804.
qdSi^ ]
^i.' 393.
^ctxe? 286.
fiiiaXXäv 2 f.
^/TaUof 2 f.
Qanyq 12.
QflYVVfii 178.
fitTfioQoq 484.
^^a 7.
^/a 398.
^'odoXd? 7.
^«r^d? 349.
^o^ai^ 7.
fioXvßoq 397.
^onaAoK 12.
^di'o? 393.
gOTlTQOV 12.
fivia 304.
^v,i«.
jur/o? 451.
(Tci^a 488.
yad? 408.
cj^A/ita 106.
vdnoq 872.
atX/iiq 106.
vavo? (Äol.) 408.
(TfX/idc 106.
vtxq6q 456.
|/*(T/f^ 488.
aiyotXothq 18.
Vv*^ 11.
vi(poq 872.
crxeei/? 458.
VfiSvfioq 19. 23.
exdmia 462.
wjo? 408.
axatpiq 452.
yi| 867.
ffxaqpMTTij^frOv 4 51
PWQOXff 11 f.
(rxaoio? 458.
{va) 898.
)/(rxi;9) 452.
o»oc 893.
axvqfoq 462.
Wortregister.
407
]/<r/M» 20.
ffuivO-oq 20.
^^cr^i; 20.
anav 10.
anfoq 431.
YoTa 22.
aiiinah 22 f., 307.
(7T^9<»v 399.
axofia 22.
arofiaxoq 23.
f/ari; 22.
OTvua 22.
O'TCtf^i/Xot^ 28.
cri/vaciOCTOM (IL XV, 680)
433.
avi'^ei^e (H.X, 499)433.
aqifyyut 809.
Teei'Toaos 9.
Ta^aircroi 458.
ragßaXioq 464.
Tagßtat 464.
Tci^jJog 410, cf. 464.
va(^Yalvat 468.
T(X();/ayov 468.
Ta^/ai'octf 463.
tdgfpoq 410.
Ta^9)t> 410.
Tt&Xay/ie'voq 466.
]/t«x 12.
textwv 12.
Tfl'^^l/dwi' 9.
T^TQijXn 468.
Tf'rgofptv 410.
T^C^o? (t/w5) 487.
rCxro) 268.
TOV^Opi'J**»' 9.
T^a9)C^^ 410.
TQflXvq 463.
T^v;/a> 466.
T^uS 466.
(paavraToq i aoq
q>aiiv6q i
q>a€vv6q }
yiffQ 12.
(pXitp 12.
^o»Tai' 397.
tpgaaavi 399.
(pqiaq 431.
9)^i;/ft) 303. 456.
Vyi/ 397.
^0)^ 12.
qpw; 467.
Xagadgioq 166.
jt^oi 408.
Vj^i/ 408.
fUjUo; 12^
J? (dor.) 467.
2) Byzantinisch, nei-
griecUsch.
aiiaifZincU 339.
ßXaaroq 338.
x;i^|ua 338.
xoiryta^a 329.
xovviaSoq 329.
xov^a^» 332.
naXovxip 838.
ji^^oüxioi' 337.
jlfa^axfroi' 388.
C. Italische sprachen.
1) Lateinisch.
ä- 318.
ab- 318.
adagium 1. 316.
adamare 240.
adimere 240.
aedes 408.
af. 318.
agnus 264.
ajo 1. 816.
amaros 12.
amo 289 f.
anguis 392.
anser 312.
|/ap 18.
arbiter 397.
arcere 179.
au- 313.
auris 457.
ave 419.
avere 4. 419.
betere 397.
bibo 308.
bUis 397.
bitere 397.
bucca 303.
Cacus 390.
cadamitas 456.
cadaver 466.
caerimonia 15.
calamitas 456.
canus 307.
Cancer 8.
capedo 452.
capis 462.
capisterium 462.
capsa 832.
capulare 452.
capnlnm 452.
carpo 308.
carus 240.
casses 383.
castrum 311.
catus 366.
caapulus 453.
cavere 312.
-ce 241. 383.
celer 15.
cera 391.
Ceres 16.
cerus 16.
characatus 338.
pr. St. ci 883.
circns 8.
citra 383.
colium 107.
compercere 208.
compescere 208.
congniere 305.
consul 106 f.
consulere 106 f.
convicium 302.
comu 8.
cras 307. 812.
creare 391.
creperas 312.
crepusculum 312.
curia 309.
currere 812.
currus 312.
curvus 8.
deicere 163.
-dem 198.
demum 807.
Wortregister.
dispescere 308.
domare 409.
dubins 397.
dnbitare 897.
dao 898.
ecastor 317.
eccere 817.
edepol 817.
egenas 23.
egere 28.
emere 214. 240. 318.
ero 255.
Etmria 817.
EtroBcus 817.
exsilinxn 106 f.
exsnl 106 f.
exta 21.
exuere 818.
farcio 899.
fayiUa 818.
favus 818.
faxitnr 187.
fei 897.
♦feo 809.
fere 809.
feriae 187.
ferme 809.
fesiae 187.
festns 187.
filins 809.
fingere 809.
firmus 809.
flaccas 455.
flocces 455.
floccus 308. 455.
flooes 455.
f5nt (fons) 408.
forma )
formido f
fomix (
fomin )
fovere 805.'
firacere
fraces
fracescere
fracidns
frangere 178.
fraxare 400.
fremere 228.
fretam 228.
fngo 303. 455.
firni 812.
ftücire 809.
yta-d 408.
809.
455.
fundere 408.
fungor 312.
furere 809.
futare 897.
Garanus 890.
genu 880.
granam 306.
haice 817.
Hercules 390.
hie 383.
homo 310.
hostis 310.
humanus 810.
ibi 192.
icere 19.
idoneus 811.
imitari 311.
incolumis 456.
induere 813.
ingruere 305.
invitare 303.
invitus 303.
ipsus 198.
labes 12.
labor 311.
lapis 308.
libum 301.
licinus 8.
limus 8.
litera 303.
locus 167.
ludus 301.
lapus 366.
luscinia 301.
macerare 111.
malva 454.
Marcellus 112.
marcere 112.
mortuus 191.
multa 811.
niusca 804.
naphtha 872.
necare 456.
nepos 870.
neptis 370.
Neptunus 872.
nex 456.
novensiles 108.
i nocere 456.
jnös 406.
■ nudus 307.
! nugae 15.
I nummus 239.
, nunc 388.
obliquus 8.
observare 369.
oitier 198.
operare 166.
ops 18.
optimus 18.
opus 409.
otium 303.
]/pfi 451.
p&-bulo 451.
pft-ni 451.
parcus 305.
pasc-ere 208.
pa-sc-ere 208.
p&-vi 451.
-pe 198.
pedere 112.
percontari 801.
perendie 190.
pemicies 811.
pemities 811.
placare 107. 111.
plumbum 397.
poscere 208.
postidea 198.
posto- (part. St.) 190.
praesul 106 f.
puber 264.
pulmo 396.
radius 7.
ramus 7.
Recaranus 390.
red- 807.
redi- 307.
rogare 807.
ruber 897.
rudis 7.
ruAis 897.
rutilus 806.
Saccus 808.
sacer 251.
saepe 899.
saepire 899.
sagire 111.
sagnm 808.
Salus 869.
Sancus 251. 890.
sanctus 251.
scind- 208.
sedare 107.
sella 108.
servus 869.
setius 802.
sie 888.
Wortregister.
44»
167.
siccus 304. 366.
siderari 833.
sirpea 304.
Sirpicns 304.
slis 167.
80CCU8 303. 372.
socins 372.
solari 106.
solea 108.
solere 108.
soliom 106.
solnm 108.
solns 369. 870.
sons 304.
sopire 107. 111.
sordes 307.
Stereos 306.
stipare 399.
Stlaccia \
Stlaccius f
stlis (
stlocns J
studere 807.
sadns 307.
snpare 304.
surdns 307.
saspicio 302.
snsurrare 809.
taedere 307.
tardas 307.
tempus 812.
tenebrae 309.
testis 802.
tongere 164.
tongitio 164.
torpere 812.
torvus 453.
totus 307.
tribns 179.
triticnm 461.
trux 308.
tueri 307.
tunc 383.
tnrbassitnr
irnus 393.
uxor 167 f.
vacca 159.
Valium 399.
vas 107.
vel 811.
venia 4.
venter 305.
Veniis 4.
verbum 309.
187.
vermis 186, cf. 801.
verrere 312.
vestibulum 311.
vestigium 311.
j/vi 20.
vibrare 306.
victima 306.
vigere 306.
Viola 20.
viridis 310.
viscum 21.
viscns 21.
vitare 303.
volare 305.
vomer 405.
vös 405.
voveo 405.
vulpes 366.
Xyma 331.
2) MitteUatein (beson-
ders die spräche der lan-
gobardischen gesetze).
abortare 29.
acceptores 40. 835.
actogild 44.
adminicula 338.
ambulare 345.
amedana 330.
amodo 827.
amand 88.
anstalin 101.
astalaria 340.
azalatio 343.
barbas 330.
blnttare 355.
brachio 831.
cambire 45.
camphio 39.
capelare 29.
capistrum 337.
capitulum 27.
capsos 332.
carratinm 338.
castenea 29.
catns 369.
cavalegare 361.
cawarfida 325.
cecinum 335.
cermm 40.
certius 326.
clamare 342.
clodus 331.
clnsa 81.
coUegare 361.
comacini 89.
comparare 822.
corcora 93.
catica 333.
damnietas 352.
demittere 355.
dimittere 355.
disciplina 341.
edoniare 854.
etcrans 81.
expedivilia 323.
extelarius 38.
fabula 348.
facundia 108.
faida 27.
fatiga 356.
filiastra 329.
foculare 336.
focus 336.
foronia 840.
forsitans 323.
fragiare 38.
fulbor 328.
fiilfrea 329.
fulfrealis 88. 329.
furo 340.
gamaali 348.
gastaldius 358.
gomitus 331.
govito 331.
grova 385.
hisclo 40.
improperare 342.
incideie 29. 339.
infirmus 888.
insoprintis 827.
intentio 351.
intricare 27.
intuitu 852.
ipsut 88.
labor 862.
levare 98.
liberare 855.
macina 89.
machiones 90.
masca 342.
massarius 93.
matriuia 329.
meda 349.
medianain 35.
medietas 33.
470
Wortregister.
mediuä 338.
mefium 33.
melum 29.
meta 349.
methiuin 349.
rainare 82.
minissimus 83.
ininuatum 37.
miser 324.
modo 323 f.
modola 40.
morgincapud 333.
munimina 343.
murioth 881.
necessitas 360.
noce 29.
obfuscare 31.
pastoria 837.
pecus 29.
pero 29.
pcrpetira 326.
ponderosus 334.
pontificium 104.
porcarius 92.
portouarius 95.
posteus 324.
pregonia 322.
prignans 28.
quercio 40.
quia 321 ff.
quod 321 ff.
rahairaub 352.
resolutare 334.
roverc 40.
sauma 31.
scamaras 341.
scapellare 29.
scobaces 355.
scobarc 355.
8culca 345.
scuvare 355.
semus 331.
siderare 333.
sinaida 339.
snaida 339.
fioUcium 344.
spiritalis 328.
super 352.
supraestis 350.
taliola 336.
teclatura 339.
ÜÜBgare 88.
tomare 81.
^rauicem 838.
tremis 29.
treno 331.
trewa 350.
undc 326.
vetare 97.
videri 364.
virtus 346.
visi sumus 363.
wadia 100. 355.
wadium 355.
wardare 355.
waregang 30.
witribora 828.
3) Romanisch.
ai'eul 328.
chasser 833.
che 321.
chdrir 240.
dessous 327.
dessus 327.
dcouter 346.
edrar 81.
errer 81.
Ücche 332.
faret 340.
furoncello 340.
que 321.
soulager 343.
4) Oskisch.
aa-mauafed 317.
Aderla 247.
amnod 169.
amprufid 170.
avJivaxXt 188.
avakXa 183.
avaxXiv 183.
castru 311.
censaam 172.
censtom 172.
comparascuster 187. 208.
deicans )
deicutn
^deik
dckctasioi ;
eftuns 259.
eizasc 165.
ekak 165. 317.
eko pron. sU 165.
163.
: ekso pron. st. 165.
jekss 164.
1 cxae 165.
: facus 191.
fefhoss 188.
ifusuo 187.
11/ fu 164.
ifruktatiuf 172 f.
; fufaus 164.
'fusid 170.
! hem'ns 241.
'{dfk 165.
ip 192.
pron. 8t. ka 241.
pron. st. ko 165.
Iffmitom 176.
lovfrfkonoss 817.
mcdicatinom 164.
meeilikiiefs 163.
neip 198.
nep 193.
ofnim 317.
oittiora 174.
oittiuf 172 ff. 193.
opsannam 166.
opsaum 180.
; opsed 166.
' paam 166.
paf 169.
}/pak 162.
parasc 208.
patensins 195 f.
pert 189.
. pemm 189.
! -pfd 193.
p{dum 194.
pispfd 172.
st po 169.
pod 241.
pollad 245.
posstTst 190.
postin 198.
praefaens 191.
profaum 172.
profto 169. 172.
pru- 162.
prupukid 162.
puf 169.
pukkap{d 241.
puv 170.
sakaMter 251.
slaagid 165 ff.
stafet 247 ff.
8ta£t 247 ff.
Wortregister.
471
sverranef 162.
tanginefs 163.
tanginod 163.
tanginom 163.
tedur 246.
teerom 167.
teremennio 168.
teremnattens 168.
tereranatoet 168.
teremniss 168.
terom 167.
üwcH 181.
Trebula 181.
trfbarakavum 172. 177 ff.
trfbarakattins 177 ff.
tnbarakattnset 177 ff.
tribarakkiuf 1 72 ff. 1 7 7 ff.
tr{{barakaviim 177 ff.
tnibom 179 ff.
trfstamentud 302.
unated 245.
Qupsens 166.
vem 181.
5) ümbrisch.
castru 311.
combifiaum 198.
fesna 187.
kapif 452.
natine 164.
yi>era 208.
persclo 208 ff.
]/persk 212.1
pesclo 208 ff.
j/pesk 214.
purtin9ust u. s. w. 199.
purtitius 199.
pustin 193.
trefti 179.
trTfu 179.
Treblanir 181.
Treplanes 181.
vasetom 211.
6) Sabellisch.
asin 193. 317.
agine 317.
aisos pacris 817.
asignas aviatas 817.
bie 317.
esmen 317.
esmenek 317.
iafce 317.
irpus 367.
kiperu 317.
komenei 317.
pesco 214.
7) YolskisGh.
sistiatiens 186.
D. Arische sprachen.
1) Sanskrit.
pr. 8t. a 398.
aiphas 392.
Agni 887.
agha 892.
aj 893.
aja^rngi 122.
adhi 313.
apa 313.
apadt 155.
apas 409.
apnaa 18.
apsaras 118.
abhisvare 434.
am 239.
ar&taki 120.
anmdhatS 60.
ava 813.
aya8hkaya9i 160.
aväntarayi9e8h&]|^ 155«
avftmi 419.
avitam 421.
a9 811.
ash^au 898.
ah 1. 315.
Ahi 387.
fip 18.
ämas 12.
Ayu 407.
pr. 8t. i 393.
ic 311.
idh 311.
idfifa 320.
nksham 159.
Ürva9i 118. 407.
119 167. 811.
nshtar 160.
nsh^ra 160.
rbhü 59.
eka 393.
aoxagandhi 127.
kanva 149.
kam 239.
kiki 78.
kikidivin 73.
knni 186.
krmigranthi 150.
kimidantaka 150.
krmiU 187.
kravy&d 149.
kri4 801.
kshan 456.
kshapas 312.
kshi 108.
k8hip 304.
ksha 393.
kshemam 108.
kshemas 108.
khad 456.
gandharva 120 ff.
gar 305. 806. 809.
garot 806.
garbha 452.
garbhftda 149.
gal 306.
gn 405.
guggulu 127.
Guggolü 127.
gar 309.
gürdh 809.
godAna 70.
ghar 306. 309.
ghas 810.
cator 898.
cäsha 78.
chad 811.
chid 208.